160« Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 131
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Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
General-Anzeiger für Oberhchen
Die „Siebener §amilienb!3tter" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegi, das „Ereisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Di« „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimatt
Redaktion, Expedition und Drucker«: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^S bl. Redaktion:e-4K112. Tel.-Ad ru AnzeigerDießen.
Mittwoch 8. Juni 1910
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen ' UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange. Ließen.
wünschen wir eilte Ausschußberatung. Ich beantrage deshalb Ueberweisung der Vorlage an die Budgetkommission. Aber glaube schon jetzt iji Aussicht stellen zu können, daß wir die Vorlage stimmen werden. (Beifall bei den Natl.)
ist, die ich für
Abg Hoffmann (Soz >: Auch der erste Staatsdiener soll nobel besoldet werden, aber im Rahmen der allgemeinen Besoldung. Im Volke aber nennt man die Zivilliste schon jetzt die „Zuvielliste". Aus den Schlössern sollte man Museen oder Wohn- statten machen. Wieviel überflüssiger Luxus zeigt sich in den Theatern, im Marstall, bei den Automobilen! Als besonders notwendig wird tn der Begründung die Erhöhung bezeichnet, weil die Zahl der Prinzen sich seit 1889 mehr alS verdoppelt habe. Herr Röchling, würden Sie Ihre Arbeiter auch im Lohne erhöhen, wenn die Arbeiterfrauen aus ihre große Familie Hinweisen würden? Vielleicht zahlt man statt der Zivilliste einmal Anwesenheitsgelder. (Heiterkeit.) Tas ist doch nichts Unwürdiges. Die Reichstagsabgeordneten bekommen sie doch auch. (Präsident v Kröcher ermahnt den Redner nochmals, die Person des Königs auS der Debatte zu lassen.' Merkwürdig ist es, daß die Freisinnigen und Nationalliberalen gerade jetzt zustimmen, wo der letzte Zeuge freisinniger Regierungsillusion geschwunden ist, wo sie an der Bahre des letzten Zeugen, des Herrn Ternburg, stehen. An demselben Tage treten sie hier für eine solche Vorlage ein. Bei den nächsten Reichstagswahlen wird Ihnen der sozialdemokratische Wolkenbruch in die Bude regnen. (Großes Gelachter rechts. Beifall der Soz.)
Finanzminister Frhr. v. R h e i n b a b e n: Herrn Hoffmanns Rede offenbart den klaffenden Abgrund zwischen den Anschauungen der Sozialdemokratie und der bürgerlick^en Parteien. Xie Sozialdemokratie hat kein Recht, namens des Volkes, nicht einmal ein Recht, namens der Arbeiter zu sprechen. Von 19 Millionen Arbeitern sind nur 1,8 Millionen in den sozialdemokratischen Gewerkschaften organisiert. Tie anderen stehen hinter den bürgerlichen Parteien. iLebhafte Zustimmung rechts, Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Daß die Vorlage der Krone mehr bewilligen will, als sie in anderen Ländern bezieht, ist nicht richtig. Wir haben inzwischen ja auch zweimal die Gehalter der Beamten erhöhen müssen. Dasselbe mußte die Krone mit ihren Beamten tun, und sie hat im wesentlichen die unteren Beamten erhöht (Hört! hört!) Tie Erträge der Krongüter sind nicht b, sondern nur 1,7 Millionen Mark. (Hört! hört!) Tie Einnahmen aus ihrem Privatvermögen verschwinden neben den gleichen Einnahmen der Krone Rußlands und Oesterreichs. In letzter Zett haben die königlichen Theater auch billige Volksvorstellungen gegeben. Tie Schlösser verkaufen ist sehr schwer, wer kaust denn solche unmodernen Kasten? Die Mittel für Korfu wurden aus einer kleinen Erbschaft bestritten. Die Behauptung, die Reichsfinanzreform genüge heute nicht mehr, bestreite ich mit allem Nachdruck. Gegenüber dem Wort des Abg. Hoffmann, die Arbeiter müßten nur zahlen, hätten aber kerne Rechte, kann, wenn irgendeine, so die preußische Krone, ein gutes Gewißen haben. Ich habe all das dargelegt, nicht um den Vorredner zu überzeugen, sondern damit die sozialdemokratische Preise nicht wieder behaupten kann, die Regierung wisse nichts gegen ihre Redner $U ^Tie""Besprechung schließt. Auf Antrag des Abg. v. Ö ehde- brand wird die Vorlage, wie die Nationalliberalen und Volks- partei es gewünscht haben, an den Budgetausschuß überwiesen.
voll gewesen.
— Kur ze N a chrr chte n aus Ku n st u. W i s se n sch a f t. Kommerzienrat V e l h a q e n, Jnbaber der Verlagssrrma Velhagen u. Klasiug, ist in der vergangenen Nacht auf einer Geschäftsreise in B a d H a r z b u r g an einem Schlaganfall gestorben.
iahen zu müssen. Um aber jeden Zweifel daran auszuschließen, ob nicht eine Herabsetzung der geforderten Höhe notwendig
studiert hatte, leitete er in Guben, dann in Bautzen das Gym- nafium und ward im Jahre 1791 als Konsistorialrat und Direktor des Gymnasiums nach Weimar berufen. Er war em äußerst gründlicher Kenner der allen Sprachen und Schriftsteller, und selbst Schiller und Goethe benutzten gelegentlich seine reiche Kenntnis des Altertums bei ihren Arbeiten. Ter un- nenieni gefällige Mann stand jederzeit mit feiner Auskunft zu Diensten (weshalb ihn Goethe in der klassischen Walpurgisnacht als Magister „Servibilis' auftreten ließ), machte aber auch, weil er überall seine Hande im Spiele haben mußte, vielfach böses Blut, da er ebenso indiskret, wie unvorsichtig war, anvertraute Briefe weitergab und ähnliche Tinge unternahm. Seme glühende Theaterleidenschaft verleitete ihn, sich auch als Kritiker zu betätigen und in dieser Eigenschaft nicht selten lächerlich zu machen. Als Issland in Weimar gastierte, schrieb er eine „Entwickelung des Mandschen Spiels", über die sich der Künstler zeitlebens ärgerte, weil ihm völlig falsche Auslegungen untergeschoben wurden. Ja, im Jahre 1802 drohte Goethe, die Direktion des Theaters niederzulegen, falls Böttiger eine Goethe vor dem Erscheinen bekannt gewordene abfällige Kritik über Schlegels „Jon" drucken lasse. Unter solchen Uniftänben war man in Weimar sehr sroh, daß Böttiger im Jahre 1804 als Studiendirektor der Kurfürstlichen Pagen nach Dresden berufen ward. Zehn Jahre später luurbe er mit der Oberinspektion bet Königlichen Museen betraut. In dieser Tätigkeit Haven ihn denn viele berühmte Besucher Dresdens schätzen gelernt, denen er als kenntnisreicher und unermüdlicher Führer durch die Kunstschätze Dresdens diente, und in zahlreichen Memoiren wild dankbar seiner gedacht. Er starb am 17. November 1835. Seine Schri'ten, von denen „Sabina, ober Morgenszenen im Putzzmnuer einer reichen Römerin" die berühmteste war, sind zumeist veraltet und vergessen und lediglich wegen des darin angesammelten Materials einst wert-
Schwurgericht.
Ein schweres Verbrechen, begangen im Zuchthaus.
tfi. Gießen, 8. Juni.
Gestern hatte sich der 28 Jahre alte, vielfach vorbestraft« Maurer Peter Müller aus Hähulcin (Kreis Bensheim) wegen Mordversuchs zu verantworten, der im Zuchthaus Marienschloß eine ihm zuerkannte Zuchthausstrafe verbüßt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Trümpert und die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Jung. Ter Angeklagte wurde in Zuchthauskleidern unb an den Händen gefesselt, von zwei Otenbarmcn in den Saal geführt. Unter den Belastungszeugen befanden sich nicht weniger als 7 Sträflinge aus Marienschloß, sämtlich gesährlickic Verbrecher, darunter einer, der zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt worden ist. Für die Bewachung dieser Zeugen war durch ein größeres Llufgebot von Gendarmen gesorgt, denen noch zur Not 5 <rls Zeugen geladene Gcfaiigenausseher zur Verfügung standen. Der Verhandlung wohnt als Sachverständiger der pratt. Arzt Dr. Kullmann aus Butzbach bei.
Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Schm e hl, teilt zum Verständnis der Sache mit: Der Angeklagte hat am 28. Februar d. I. im Zuchthaus Marienschloß, wo er wegen Totschlags eine Zuchthausstrafe verbüßt, die ihm vom Kriegsgericht zuerkannt ist, den vorübergehenden Gesangenausseher Zubrod hinterrücks mit einem Hammer einen wuchtigen Schlag über den Kopf versetzt, so daß der Hammerstiel entzweibrach. Tie Anklage nimmt an, daß damit daS Verbrechen des versuchten Mordes begangen sei.
Der Angeklagte macht Angaben, daß er schon vor feiner Militärzeit mehrfach bestraft ist. Er diente in Offenbach, entfernte sich von seiner Truppe, um zur Kirmeß zu gehen. Dort erstach er wegen eines Mädchens einen Kameraden, weshalb ihn das Kriegsgericht zu 12 Jahren 6 Monate Zuchthaus verurteilt hat; 3 Jahr G Monate hat er teils in Butzbach, teils in Marienschloß verbüßt. Zu der heute abzuurteilenden Tat behauptet der Angeklagte, der Aufseher Zubrod habe ihn schlechter behandelt, tote andere Mitgefangene, er sei von ihm schikaniert worden und beim Direktor zur Anzeige gebracht worden und von diesem bann wegen Kleinigkeiten bestraft worden. Er sei in Marienschloß in der Schreinerei beschäftigt gewesen, in der die Aufseher Zubrod und Schneider die Aufsicht führten. Am 28. Februar sei über seiner Arbeitsstelle ein Fenster entzwei gegangen und er habe geäußert, dies habe kein Gefangener getan. Zubrod, der dies auf sich bezogen habe, meldete ihn dem Direktor, der ihm am Vormittag darüber Vorhalt machte. Er habe nach dem Mittagessen in einer großen Kiste, die von außen eingetriebenen Nägel mit dem Hammer umgenietet, da sei Aufseher Zubrod dicht an der Kiste vorüber-- gegangen und habe ihn spöttisch lächelnd angesehen. Müller will in Aufregung den Schlag gegen den Beamten geführt haben. Auf den Hinweis, daß der Aufseher in Abrede stellt, den Angeklagten überhaupt gesehen zu haben, erklärt Müller, es könne möglich sein, daß er sich getäuscht habe. Der Vorsitzende verweist den Angeklagten auf seine Angaben vor dem Untersuchungsrichter, wo er erklärt hat, der Beamte habe ihm keine Veranlassung zu seiner Tat gegeben. Der Vorsitzende weist den Angeklagten darauf hin, daß er am Vormittag, ehe er die Tat verübt bat, Mitge-> fangenen gegenüber Drohungen ausgesprochen habe. Müller bestreitet dies.
Darauf wird der zur Tat benutzte Hammer vorgezeigt, er ist klein und der nicht sehr starke Stiel rst von der Wucht des Schlages entzwei gebrochen. Hierauf wird in die Beweisaufnahme eingetreten.
Gefangenausseher Zubrod erklärt, daß, Müller sich zu Anfang seiner Anwesenheit in Marienschloß gut geführt habe. Am 28. Februar war die Sache mit der zerbrochenen Scheide an der Arbeitsstelle des Angeklagten vorgekommen, worauf M. eine Bemerkung machte, die der Zeuge so verstand, M wcrm er hie
Uinst, rvinensckaft «n- Leben.
— Ein Jonrnalistenstreik in Württemberg. Der Stuttgarter Tonkünstlerv erem, der unter der künstlerischen Leitung Mar v. Paucrs in ben nächsten Tagen ein mehrtägiges Schumannfest veranstaltet, ist, wie aus Stuttgart berichtet wird, vonderwürtt em -- bergischen Presse boykottiert worden. Der Verein hat eine Zeitung wegen einer ihm nicht genehmen Kritik zu maßregeln versucht, inhem er ihr die Inserate ^itzog. Der Verein württembcrgischer Journalisten hat sich einmütig auf den Standpunkt gestellt, daß ein derartiges Verfahren auf das entschiedenste zurückzuweisen sei, und ein stimmig beschlossen, das Schumannfest nicht zu rezensieren Auch die Vertreter der auswärtigen Presse werden über die Veranstaltung keinen Bericht erstatten.
- M a q i ft e r Ue b e r a l l. Karl 21 u g u ft Böttige r, der gelehrte Weimarer Archäologe, der viel verspottete aber doch recht' verdienstvolle Mann, wurde heute vor anderthalb Jahrhunderten « Juni 1760) zu Reichenbach i. V. geboren. In den Goethe-SchiUerscheu „Seinen" ward er als „der alles umrankende, kriechende Efeu- angegriffen. Beide Dichter nannten ihn tn ihren Briefen nicht anders als den „Freund nbigae , woiur Goethe einmal in einem Briefe an Wieland die Verdentichimg „Herr Ueberad" wählte. So wird er auch in dem Gedicht ^Triumvirat , das gegen Kotzebue, Merkel unb Böttiger sich richtet, genannt. Gs
Tie §§ 169 und 170 regeln das Verhältnis zur ausländischen 'Gesetzgebung. Die tonservative Fraktion schlagt im § 169 eine Fassung vor, wonach durch Vereinbarung des Reichskanzlers mu Zustimmung des Bundesrats „bet entsprechender Gegenleistung die Versicherung von Angehörigen eines ausländischen Staates abmeichend von den Vorschriften dieses Gesetzes geregelt und die Durchführung der Fürsorge des einen Staates in dem Gebiete des anderen erleichtert werden tann." Der Antraa wird angenommen mit der Maßgabe, daß die Beitragspflicht der Unternehmer nicht beseitigt oder ermäßigt wird.
Der Regierungsentwurf bestimmt in § 171, daß die Beschäftigung eines Ehegatten durch den anderen keine Versicherungspflicht begründet. Ein Antrag der Sozialdemokraten, der diese Frage bejaht, wird abgelehnt, dagegen wird dem Paragraphen hinzugefügt ü Andere Verwandtschaftsgrade zwischen Arbeitgeber und Arbieit- nehmer sind für die Persicherungspflicht ohne Belang.
Mit § 176 ist das Erste Buch, das die .gemeinsamen Vorschriften der Reichsversicherungsordnung enthält, erledigt. Das zweite Buch behandelt die K'ra n l e n v e r s i ch e- rung. Der Ausschuß begann heute die Beratung des § 177 über die Versicherungspflicht, kam aber noch nicht zu einer Abstimmung. Weilerberatung Mittwoch.
Aus dem Strasprozehaurschuh.
: Berlin, 7. Juni.
Der Straßprozeßausschuß beschloß auf Antrag Gröber (Zentr.) einen § 127 a, wonach der in Untersuchungshaft befindliche Beschuldigte in bezug auf die zur Unter- suchung stehende Tal nur durch den Richter vernommen werden darf. Nach § 128 kann, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls vorliegen, bei Gefahr im Verzüge die Staatsanwaltschaft sowie jeder Beamte des Polizei- und Sicherheitsdienstes den Verdächtigen vorläufig festnehmen. Wer auf frischer Tat betroffen oder verfolgt wird, kann von jedermann vorläufig festgenommen werden, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Person nicht alsbald festgestellt werden tann. Tiefer Paragraph sowie die folgenden bis einschließlich 132 werden unter Ablehnung von Anträgen Gröber unverändert angenommen. Auch im übrigen wird der achte Abschnitt über die Vernehmung, Verhaftung und Vorführung in den Restbestimmungen nur unwesentlich geändert.
Mit § 137 beginnt der neunte Abschnitt über die Ber- teidigung. In $ 137 wird durch Annahme eines Antrags Gröber dem Verdächtigen statt dem Beschuldigten das Recht gegeben, sich Verteidiger 'zu wählen und sich ihrer in jeder Lage des Verfahrens zu bedienen. Bei § 139 wird ein Antrag Gröber angenommen, wonach deni Angeschul- digten auf seinen Antrag oder auf Antrag seines gesetzlichen Vertreters ein Verteidiger nicht nur dann gestellt werden soll, ivenn die ihm zur Last gelegte Tat ein Verbrechen darstellt, sondern auch dann, wenn er wegen Vergehens in Untersuchungshast genommen ist. Leiterberatung Mittwoch.
Die Reichzversicherungzordmmg.
: : Berlin, 7. Juni.
Der Reichsversicherunasausschuß ließ den § 154 betr. die Sch weig ep fl ich t über Krankheiten oder sonstige Gebrechen Versicherter oder ihre Ursachen (Geldstrafe bis zu 1500 Mk. oder Gefängnis bis zu 3 Monaten) unverändert wie in der Regierungsvorlage. Mit Rücksicht auf die lieber- tragung der Kosten der Versicherungsämter usw. auf die Bundesstaaten werden im § 158 auch die Geldstrafen in ihre Kassen geleitet, statt, wie nach der Vortage, in die des Versicherungsträgers. In §159 wurde die Verjährungsfrist für Verstöße gegen dieses Gesetz von drei Monate auf ein Jahr ausgedehnt, soweit Strafandrohungen von mehr als 300 Mk. in Betracht kommen.
Tie §§ 161—164 handeln vom Ortslohn, dem neuen Ausdruck "für den „ortsüblichen Tagelohn". § 161 erhält folgende Fassung:
„Als -Ortslohn gilt der ortsübliche Tägesentgelt gewöhnlicher Arbeiter. Das Oberversicherungsamt setzt den Ortslohn fest und macht ihn öffentlich bekannt. Vorher werden die Vorstände der beteiligten Versicherungsanstalten gehört; das Versicherungsamt hat sich nach Anhörung der Gemeindebehörden und Kiankenlassen gutachtlich zu äußern." r ,
In § 162 wird durch Annahme eines kombinierten sozialdemokratischen und Zentrumsantrags bestimmt: Der Orts- lohn wird für Versicherte nach Altersgruppen von 14 bis 16 Jahren, von 16 bis 21 Jahren und über 22 Jähre, getrennt nach Geschlechtern, festgesetzt. Für Kinder unter 14 Jahren gilt der Ortslohn der ersten Mtersklasse. Im übrigen bleibt der LLschnitt über den Ortslohn unverändert.
heißt da:
„Da tritt in die Mitten
toerr Ueberall, in Tag- und Monatteinpeln
Den Sunwenbrei der Pfufcher und der Schmierer
Mit Böttiger zum Meisterwerk zu fiemreln."
Auch die Schleoels spotteten tm „Athenäum-«über BottigerS „vielbändige Wirksamkeit". Später ward er daun noch von -Lied im „Gestieielten Kater" persistiert. Alles das darf aber mcyr überiehen lasten, daß der vielgeschäftige Mann auch feine un-1 bestreitbaren Verdienste hatte. Nachdem er in -eipzig Philologie l
preußische; Abgeordnetenhaus.
80. Sitzung vorn Dienstag ben 7. Juni.
Dm Ministertische: Freiherr von Rheinbaben.
Tie Erhöhung der Zivilliste.
Aus ber Tagesordnung stehen zunächst die Gesetzentwürfe bc- tceffenb die Erhöhung der Krondotatton um 2 Millionen Mark unb ber Subvention für die Königlichen Theater um IV2 Millionen Mark.
Abg. v. Hehdebrand l.Kons.): Meine politischen Freunde werden für beide Gesetzentwürfe, und zwar ausnahmslos stimmen. Eine Ausschußberatung halten wir daher nicht für erforderlich.
Abg. Dr. Friedberg (Natt.): Meine politischen Freunde haben die Auffassung, daß in einem monarchischen Staate die Kronbotation so bemessen sein muß, baß die Krone ihren Ausgaben in vollem Umsange genügen kann. Von diesem Gesichts- vunkte aus glauben wir die Bedürfnisfrage für die Vorlage bc-
Abg. Fischbeck (Vp.): Auch wir erkennen an, daß gewisse Momente dafür sprechen, daß eine Erhöhung der Krow- do-tation eintreten muß. Ob in jedem Punkte die Vorschläge ber Staatsregierung das Richtige treffen, ob die Zahlen im einzelnen zutreffend sind, kann aber hier oder da noch Zweifeln begegnen. Wir glauben, daß sich manche Momente dafür ergeben können, daß das Parlament eine gewisse Kontrolle auch über den Betrieb der königlichen Theater gewinnen wird. Wir glauben, daß es durchaus notwendig ist, diese königlichen Theater, mehr als es vielleicht in den letzten Jahren der Fall gewesen ist, dem Volke zur Verfügung zu stellen und volkstümliche Vorstellungen zu billigen Preisen zu veranstalten. Eine Minderheit meiner poli- tikben Freunde hat sich heute noch nicht überzeugen können, daß das vorliegende Material über die Begründung der Vorlage ausreicht, wie wir uns überhaupt unsere Stellungnahme Vorbehalten. Ick bitte daher, die Vorlage wie alle derartigen Vorlagen zu behandeln und sie der Budgetkommission zu überreichen. (Beifall bei der Volksp. ।
Abg Tittrich 13entr.): Wir haben aus ber Vorlage die Ueberjeugung gewonnen, daß dem Antrag der Staatsregierung entsprochen werden muß. Wir sind bereit, die Vorlage zu bewilligen, unb wir sind sogar der Meinung, daß bei der Klarheit bei Sachlage eine Beratung in ber Kommission nicht notwendig wäre.
Abg. Freiherr von Zedlitz (Freikons.): Meine Freunde halten den Antrag für notwendig und dringlich und halten auch die geforderten 2 Millionen zur Erhöhung, der Krondotation und l'/L Millionen in der Form eines Zuschusses zu den Kosten der Hoftheater für zweckmäßig. Wir sind bereit, für die Vorlage zu stimmen.
Abg. Hoffmann (Soz.): Sic werden es begreiflich finden, daß ich mich an diesem allgemeinen Harmoniekonzert nicht beteilige Unerhört ist die Art der vertraulichen Besprechung mit den bürgerlichen Parteien vor der Einbringung der Vorlage. Wir verlangen, ebenso behandelt zu werden, wie die anderen Abgeordneten ' Tie Wahlrechtsvorlage ist noch nicht acht Tage verscharrt und schon wagt sich dasselbe Ministerium mit einer solchen Vorlage zu kommen. Tas ist eine geradezu unerhörte Zumutung. Es geht in Preußen nach dem Motto: Steuerzahlen unb das Maul halten! Tie Hälfte der Krondotatron würde reichlich genug fein Herr von Bethmann-Hollweg hat auf dem „nationalen" Arbciterkongreß den deutschen Arbeitern Fleiß, Gottesfurcht, Nüchternheit unb Zufriedenheit empfohlen: das letztere, ganz besonders das letztere, möchte ich doch Herrn Bethmann bitten, einmal nach obenhin etwas stärker zu empfehlen. Wir verlangen grundsätzlich Wahl aller Staatsdiener durch das Volk, auch des ersten Dieners des Staates. .. . •
Präsident v Kröcher: Herr Abgeordneter, diese Bemerkung ist Hochverrat. Ich rufe Sie zur Ordnung. (Lebh. Beifall, Unruhe bei den Soz.) <_ «. r
Abg. Hoffmann (Soz.): Friedrich, der Große genannt, hat doch einmal, wie ich in der Schule gelernt habe, gesagt, der erste Diener im Staate bin ich! Wie kann das also Hochverrat ^Präsident v. Kröcher: Ich habe Sie zur Ordnung gerufen, weil Sie hie Wahl des ersten Staatsdieners, des Königs, durch das Volk verlangt haben. Tas ist Hochverrat (Beifall.)
Abg. Hoffmann (Soz.):..Das sind doch aber Grundsätze, die in unserem Programm zu finden sind
Präsident v Kröcher: £>ic können Grundsätze in Ihrem Programm haben, wie Sie wollen, ick bitte aber, die hochverräterischen Grundsätze hier nicht öffentlich von der Tribune^de^ Hauses kundzugeben. Debh. Beifall: große Unruhe der ^roz. Diese rufen nach den Bänken der Volksparter: Und das lassen Sie sich gefallen!) _________ ____________
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