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8.2.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 33 Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 8. Februar 1910

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leimal monail. Land- BL W H HL JSL W BL M WL » Wg/ auswärts 20 Mennig,

wirtschaftliche Zeitfragen V XF B M M V V M W " " V (Lhesredakteur: A Goetz,

'.ernsprech - Anschlüsse; N M BI" Verantwortlich für den

w die Redaktion 112, IV^ ^s*8y polilrfchsn Teil: August

-ZW General-Anzeiger für Oberhessen WM v;r die Tagesnummer NolalixmdruS mid Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange, «edattion, Expedition und vruckerei- Schuiftratze r. bis vormittags 9 Uhr. __

gemäß

liegt auf bet Hand. Eine Unterbrechung der AuswärtS- bewegnng würbe in sicherer Aussicht stehen.

Darum mahnen bie Zeitumstände noch zur Vorsicht. Wenn auch nach bem eingangs Gesagten Katastrophen 'chlimmerer Art unserer Volkswirtschaft erspare bleiben dürften, so sinb Störungen für bie nächste Zeit nach ben inneren und äußeren Verhältnissen nicht ganz ausgeschlossen. Und biese Störungen lassen sich auch durch eingreifende Maßnahmen der privatwirtschaftlichen Organisationen nicht hintertreiben; denn bis jetzt hat noch keine Organisation einen maßgebenden Einfluß aus unsere Wirtschaftsbe­wegung gewinnen können. Ausschlaggebend bleibt noch immer bie vis major in der Abwickelung bes wirtschaftlichen Lebens.

Apolitische Tagesschau.

Die Geldsammlung für Frankreich.

Ten folgenden Ausführungen derRhain.-Westf. Ztg." können wir uns voll anschließen:

Das Franzosenfieber scheint augenblicklich |einen Höhepunkt zu erreichen. Tie Wassernot in Paris hat es in dieses Stadium versetzt. Dabei ist in Paris nicht mehr geschehen, als in Schlesien, in der Altmart, an der Ruhr und am Rhein alle zwei bis drei Jahre geschieht. Die Berliner Fieberkranken haben natürlich^nichts Eitv- geres. zu tun, als sür dasarme" Frankreich Sammlungen zu veranstalten. Niemand denkt daran, daß Frankreich eins der reichsten Länder der Erde ftr, das bei einer solchen Not sich selbst helfen tann; niemand denkt daran, daß die Franzosen für die notleidenden Schlesier, Altmärker und Rheinländer auch leinen Pfennig geop,erl haben; niemand denkt daran, daß in keinem anoeren Lande alles, was uns Deutschen hoch und heilig ist, fortgesetzt in den Schmutz gezogen und herabgese^t wwd. In keinem Lande ist Wilhelm 1, Bismarck, Moltke, Roon in so gemeiner Weise beschimpft und besudelt worden, wie dort. Die Mutter unseres jetzigen Kaisers konnte sich nicht einmal als Privatsrau Paris ansehen; sie wurde mit Schmutz und faulen Eiern beworfen. Mit allen Feinden und Neidern Deutschlands steht Frankreich in engster Be­ziehung.. Trotzdem, fühlt mau sich in Berlin veranlaßt, für dasavine" Frankreich Sammlungen anzustellen. Warum auch nicht'? Für die notleidenden Jnoier, für die das reiche Albion nicht sorgen konnte, sino seinerzeit 300 000 Akart aufgebracht worden. "Nach Aalesund haben wir Millionen verfrachtet. In Kalckbrien sind hundert- tausenhe von deutschen Marten, von spitzbübischen Beam­ten und Ausschußmitgliedern unterschlagen worden. Für Messina hat das deutsche Volk über 10 Millionen gesam­melt. Die italienische Presse und das Volk hat aber geflissentlich diese Spende übersehen, französische und russische Matrosen gefeiert, die unserigen schlecht behan­delt. Wieviel von den 10 Millionen in den Taschen italie­nischer Beamten Heben geblieben ist, haben zum Teil bereits Gerichtsverhandlungen gezeigt.

In ähnlichem Sinne schreibt übrigens bie2gl. Rdsch.", der wir folgendes entnehmen:

Wir halten diesen Aufruf zum mindesten sür eine llebertreibung der Freundschasts- und Humanitären Ge­fühle, der entgegengetreten werden muß. Müssen wir denn immer dabei sein? Mit dem etwaigenpolitischen Erträgnisse" einer solchen Sammlung aber werden uns die Veranstalter wohl selbst nicht behelligen wollen; aber sie können nicht verhindern, daß man im Ausland die Samm­lung als einen neuen Beweis unseres Anlehnungsbedürf­nisses und unserer Allerweltsumschmeichelei auffaßt. Und das wäre schmerzlich und bedauerlich.

Für die deutsche Aiildtätigkeit gibt es immer ein ge­eignetes Feld. Der Verein für bas Deutschtum im Ausland erlaßt einen Ausruf zu Sammlungen, in dem es heißt:

Am 13. Dezember 1909 ist Valdivias 7?Hochburg der Deutschen" in Chile, durch eine oergeerenbe Brand- kataskrophe aufs schwerste getroffen worden. 18 Häuser- gevierte, 150 Vordergebäube, 100 größtenteils deutsche Geschäftshäuser, namentlich auch bie ber großen beutschen Handlungshäuser, liegen in Asche. 400 Familien sind obdachlos. Die Verluste'be­tragen gegen 20 Millionen Mark. Ganz Chile empfindet die geroairige Feuersbrunst als ein großes nationales Unglück. Valdivia, die wichtigste Stadt des südlichen Chile, ist für die chilenischen Deutschen ber Mittelpunkt ihrer Sprachverbreitung. Daß bie Stadt deutscher Kraft und deutschem Geiste ihr Emporblühen verdankt, ist von chilenischer Seite oft bewundernd anerkannt worden. Stirbt das Deutschtum Valdivias, so sind in ihrer Existenz auch alle die zahlreichen Deutschen bedroht, die mit ihren 'Nachkommen in Harrer, sechzigjähriger Arbeit den Süden Chiles zu einer blühenden Pflegestätte deutscher Kultur gemacht Habern. Tas wäre ein unersetzlicher Verlust. Das deutsche Volk, dessen Hilfsbereitschaft nie versagt hat, wenn fremde Nationen von ähnlichem Unglück betroffen waren, wird den notleidenden Brüdern im fernen Chile freudig seine hilfreiche Hand über das Meer hinüber­reichen ! Beiträge sind zu richten an den Verein für das Deulfchtum im Ausland (Allg. Deutscher Schulvereiu) E. V. Geschäftsstelle: Berlin W. 62, Kurfürstenstr. 105. Ob man etwas davon hören wird, daß die Berliner Hofgesellschaft auch für diese vom Unglück getroffenen deut­schen Landsleute Mildtätigkeit entfalten und Wohltätigkeils­feste veranstalten wird, wie es für die Pariser.geschehen ist?

Ter Münchener Journalisteustreik.

In denMünchener Neuest. Nachr." lesen wir über die Schlichtung der Meinungsverichiebenheitcn z.visa;en Jour­nalisten und Kammer folgende Ausführungen, die unsere Darstellung der Arbeitsweise des bayerischen Landtags sehr unumwunden bestätigen:

s2(u5 ber verfahrenen Situation kann dem Direktorium nur die Einsicht heraushelfen, daß hier ein Fehler begangen morden ist, der durch eine verständige Selbsterkeimtnis und dura eme ofiene Aussprache und eine männlich-mutige Zurücknai nie des verfehlteil Schrittes allein wieder gut zu. machen ist. Und, wie ,zu lallen ist, so bald als möglich. Die Erklärung der ^Journalinentr'.biiue ermöglicht, die verfehlte Position wieder in ichicklicher Wege zu räumen, da sie den Standpunkt der Berichterstattung im Landtag würdig und ohne Provokation gewahrt bat.

Die Presse ist die unentbehrliche Helferin aller öffentlichen Institution geworden. Alle Jahre einmal tagt auf sechs Monate der Reichstag. Alch zwei Jahre nur tritt der Landtag in Bauern zusammen. Damit ist unvermeidlich, daß. eine unendliche Fülle von Vorgängen, Meinungen und öffentlichen Anordnungen und Neu­einrichtungen in der Presse beschrieben und beurteilt werden müssen, ehe das Parlament zusammentritt. Auf das Parlament kann die öffentliche Diskussion der Angelegenheiten des Tages nicht warten. Damit muß das Parlament nch abfinden und daraus muß auch Lia» Parlament sich einrichten in seinen Debatten, wenn es für diese noch Interesse in der Lefsentlichkeit finden will. Und ist das Interesse in den letzten Jahren geringer geivvrden, daim liegt die Schuld nickst an der Presse, sondern an den Debatten, iveil diese für die Qeffentlichkeit oft zu wenig Interesse buchen. Böten sie es, infolge praktischer Arbeit und neuer Gedanken und eindrucksvoller Anregungen, dann würde die Presse von der Leffentlichkeit selbst gezwungen, über die Sitzungen ausführlicher zu berichten. r. . .

Weiter aber müssen sich die Parlamente gefallen lassen, dop auch ihre Leistungen und ihre Arbeitsart der kritischen Prüfung unterworfen werden. Nicht von ber Laune der Publizistik; nein, w.ck bie Presse dabei den Sorgen und Beschwernissen Ausdruck zu geben hat, die im Volle selbst sich außen, das auf fünf oder sechs Jahre seinen Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten bei jeher Wahl aus der Hand gibt Und mag es den hochmögenden Herren unserer Zweiten Kammer ober in anderen Parlamenten angenehm jein ober nicht, es wird eine allgemeine Wahrheü aus­gesprochen, wenn man konstatiert: Tie Parlamente verlieren, wenn sie so weiter arbeiten, mit jedem Jahr an Interesse und Damit an Ansehen und Einfluß; namentlich wegen der Weit­schweifigkeit der Plenarversammlungen und der mangelhaften Vor­bereitung der weitaus meisten Reden, eoehr vielen Parlomen- tariern ist heute das Gefühl dafür abhanden gelommen, dast, wenn sie reden, sie von ber wichtigsten Kanzel reden, die das Land zu ergeben hat: und daß sie auch bemgeinäß sich vorher zu prüfen haben, ob auch ihrWas und Wie" jener hohen Verpflichtung genügt. *

Der Reichskanzler und der Alldeutsche Verband.

Der geschäftssührende Ausschuß des Alldeutschen Ver­bandes hak in seiner gestrigen Sitzung folgendes A n t.w ort- ; cf) r c i b e « -a n den Reichskanzler ab gesandt:

Ew. Exzellenz beehrt sich die Hauptleitung des Alldeutschen Verbandes auf die Zuschrift vom 3. ö. Mts. zur Kenntnis zu bringen, daß ber geschäftsführende Ausschuß zu ber eingefanbten Kundgebung ber rheinisch-westfälischen Vertrauensmänner vom 31. Januar dieses Jahres folgende Stellung eingenommen hat:

Der Ausschuß kann die Form ber Entschließung und zwar in ihrem ganzen Umfange und die Art des Vorgehens der rheinisch westfälischen Vertrauensmänner nicht billigen. Er betrachtet indes diese Entschließung als einen Ausfluß ber ernsten Sorge um die auswärtige Politik des Deutschen Reiches, einer Sorge, die, wie die Aeußerungen des bei weitem überroiegenben Teiles ber deutschen Presse annähernd aller Parteirichtungen gerade aus diesem Au laß bartun, von der überwältigenden Mehrheit ber Reichsbürger geteilt wird. Der geschäftssührende Ausschuß weiß sich mit allen Mitgliedern des Alldeutschen Verbandes einig in dem Wunsche, daß es der Reichsleitung gelingen möge, jener allgemeinen Sorge den Boden bald zu entziehen__________________________________

Der Handelsvertrag mit den vereinigten Staaten.

Berlin, 7. Febr. (W. 93.) DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Gesetz betreffend die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaken von Amerika, das der Reichs­tag am Samstag ohne Erörterung in drei Lesungen an ­genommen hat, wird heute im Reichsgesetzblatt veröffent licht. Im Anschluß daran ist eine Bekanntmachung des Reichskanzlers erschienen, wonach der Bundesrat beschlossen hat, daß auf die Erzeugnisse der Vereinigten Staaten von Amerika vom 8. Februar ab die in den geltenden Handels Verträgen zugestandenen Zollsätze anzuwenden sind. Es ist zu erwarten, daß heute auch der Präsident Taft eine Proklamation erläßt, welche den deutschen Erzeugnissen die Verzollung nach den Sätzen des amerikanischen Mini maltarifs sichert. Der Handelsverkehr zwischen beiden Lan­dern wird sich somit bis auf weiteres auf der Grundlage vollziehen, daß sie sich gegenseitig autonom als ineiftbcgün ftigt behandeln.

Washington, 7. Febr. Präsident Tast erließ heute eine Proklamation, nach welcher der deutschen Einfuhr in die Bereinigten Staaten die M i n im a I f ä tz e zngestanden werden.

Alls New York wird vom 7. Februar gemeldet: Die heutige Proklamation des Präsidenten Taft, welche Deutschland den Minim al tar i f zugesteht, umfaßt nicht die deutschen Schutzgebiete, da das Staats deparkement nicht genügend Zeil gehabt hat, um zu prüfen, ob bie. amerikanischen Cinfuhrprodukte von ben Schutz gebieten unterschiedlich gehandhabt werden.

Die neue französische Marine-Vorlage.

Paris, 7. Febr. Die heute iin Minister rat angenommene Marinevvrlage sieht für die Schlachtflvite 28 Panzerschiffe, zehn Aufklärungsschiffe und 52 Hochseetorpeboboote vor, während für die Kustenvcrteibigüng 94 Ilntcrwasserboote und für aus ländische Stationen zehn Schiffe bestimmt sind. Die Panzer der Schlachtflotte sollen in zwei Verbände, jeder zu zwei Geschwadern, davon eins mit voller und eins mit reduzierter Besatzung, ein geteilt werden.

Aus der neuen Marinevorlage werden noch folgende Ciuzel- heilen g> meldet: Die Schlachtflotte besteht ans vier Geschwader» -u je sechs Panzern und vier Reseroeschissen, zwei Auftlärungs schissen, pro Geschwader und zwei Reserve-Aufrlärungsschiffeii, diöölf Torpedobooten pro Geschwader und vier Ersatzbooien; für die ausländischen Stationen finden je nach Bedarf Avisos ober

Die heutige Nummer umfafjt 10 Seiten,

VN mit

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lüften. Jrn Baugewerbe bes rheinisch-lpestsälischen JOriereviers ist mit einem neuen Lohntarnpf und

einem Streik zum Frühjahr ziemlich sicher zu rechnen. Gefahr liegt \i6er cor' daß die Bergarbeiter die >"genhßlt für günstig halten, und fiu> ber Bewegung Mießen. Welche Folgen aber daraus sich ergeben wurden,

Die wirtschaftlichen Aussichten.

X Essen, 7. Februar.

Tas wirtsck)uftlichk Leben eines Volkes wird solange gesundes bleiben, als sein Voltsorganismus ein ge- nher ist. Von schleichenden Krankheiten vst unser Bolks- noch nicht nugefräntelt, er ist gesund. Dem- wird man anch die periodischen Stockungen in

Wirtschaftsleben nicht als innere Kcantheiten in

Volkswirtschaft ansprechen, sondern sie lediglich als r Stoffwechselstörungen" bezeichnen dürfen, von denen der Pirtfchaftsorganismus befallen wirb. Die nwberne kcrpi- Mstifche Wirtschaft töiintc man mit bCr Körsterkonslitntion k tzzies Menschen vergleichen, der sich von Zeit zu Zeit ben Magen üb erlabt, Verdauungsstörungen bekommt und bann eine Zeitlang mäßig leben muß, um seine Vardauungs- j Organe wieder in Ordnung zu bekommen.

Nicht anders! Der Verlauf der letzten Wirtschaftskrisen Iteliätigt diese Aufsagung vollauf. Ueberprobnkrion unb |«bcr)j)cliilatii)ii stellen ein ungleiches Verhältnis zwischen lln beiden aufeinander angewiesenen Wirlschaftssakkoren llaiT, Geld her: der Vermittlungs und Machtfaktor Geld. Irtlirb gegenüber der vertrauten uno vermehrten Ware Inapp, Ibic Ware kann nicht Geld werden und bem übersättigten iGirtschaftslorper fehli die Blurzusuhr zur Vervauung, er I iMt. Es triic Die Krisis auf, nach bereit Ausbruch sofort Litr Reaikionsprozeß einfetzt unb zur Gesundung führt. So ligar der Verlauf 1901, so 1907, mit bem Unterschieb, baß bie I'trifte in 1907 eine wesentlich gelindere war als 1901 und | länge nicht die ungesunden Auswüchse zeigte wie 1901. i 3ort einer Begleiterscheinung abgesehen, bie ich hier aber inicht näher erörtern möchte.

Aufs alle nb rasch ist der Depression von 1907/08 in 1 nie rem luimischen Wirtschaftsleben wieder ein neuer Auf- ksckwung gefolgt. Er fetzte Anfang Sepiember vorigen iFckhres' ein und hat nun Zug um Zug weitere Fortschritte ^cniachl. Selbst die im Herbst in verstärktem ^Naße auf- Ircte.iibc inrern ativna 1 e Gelbklemme konnte einen relardieren-

Cinsl. ans bie Bewegung nicht gewinnen. Nachdem bie »leiblnaPpheit vor einigen Wochen aber wieder einer grö- Eti.cii Gelbflüssigteit gewichen, nachbem bie Bank von Eng- Iiiiib zweimal hintereinander ihren Diskont ermäßigt und »uch das deutsche Institut diesem Vorgehen -- wenn auch vorerst in geringem Maße sich crngeschlossen hat, glaubt |*y deutsche llnternef)merium die Zeit für einen neuen Aßen Aufschwung gekommen. Und wie ein in großen »HerkaufSverbändei? znsummengeschlofsener führender Teil ? desselben in Zeiten des letzten Niederganges durch ilnlerstütznngsinüßnahuien den Lauf der Wertschaflsbewe- Wüng in entgegengesetztem Sinne zubeeinflufsqn unrernahm, ; io glaubt man jetzt die Räder ber Wirtschaftsmaschine in äscheren Gang versetzen zu können, inbem man der Preis- Utceguiig nach oben künstlich nachhilft. Zu diesem Zwecke haben sich Ende bes verflossenen JahreS rasch einige sog. Preistonventionen" hier im rheinisch-westsälischen, loth-- ängisch-luremburgischeu und oberschlesifchen Jnbustrierevier msgetan, Sie es scch zur Aufgabe gemacht Hoven, in rascher hluseinanberfolae bie Preise in den verschiedenen Fabrikaten ber Eisendarstellung in bie Höhe zu schrauben. Der Zweck liegt zutage: man will ben Handel unb ben Konsum zu tarferev Einbeckung veranlassen unb erreicht bie)en Zweck um Teil auch. Denn es ist eine bekannte Tatsache, baß bei | n die Höhe gehenben Preisen Hanbel wie Konsum stärker I ^greifen. Man übersieht aber die Gefahr, bie in bem Zorgehen liegt. Das Preisgebäube ist ein mehr ober loeniger künstliches, es wirb nicht bnrch ben in fortfchreiten- oei Gesundung sich aus ber allgemeinen Bebarfssteigerung .rgebenden stärkeren Verbrauch gestützt, sondern schwebt WM Teil in ber Luft; es wirb nur burch bie Preiskonven- , ionen gehalten. Wer biese merkwürbigen, lebiglich auf älter freien Willensäußerung der Beteiligten bafierenben i-ebilbe kennt, ber weiß, baß sie ber leiseste Windstoß hinweg- egt

Die neuesten Vorgänge am amerikanischen Markt cheinen aber barauf hinzudeuten, daß der Reinigungs- wozeß, der im Herbst 1907 in den Vereinigten Staaten I nit bem Zusammenbrnck) berKnickerbocker Trusts" eiu- etzte, noch gar nicht abgeschlossen ist. Tie Newyorter Börse I eigtc in ben letzten Wochen wieber bas Bilb größter Zer- 1 üttuiig, unb bie Vorgänge sinb burch ben Zusammenbruch Weier, wenn auch nicht sehr bebautetiber Banken wieber in I ein kritisches Stadium getreten, bas durch die immer noch ittnellc Antirrustbewegung nur neue Nahrung erhält^ DaS | opetiilantentum feiert wieder wahre Orgien und die Folgen ! machen sich auch am Warenmarkt bereits bemerkbar. Die | Weltpreise gaben nach und der Absatz gerät aufs neue ins ) 5locken.

J Greift diese Bewegung aber aus den europäischen Markt I über, so fallt das vom deutschen Eisenmartr künstlich aus- |-i ßcrid)tetc Gebäude in den Preisen zusammen und wir er­leben im Frühjahr aufs neue einen Rückschlag, der auch des- I halb an Wadrswcinlichleil gewinnt, weil unsere inneren Verhältnisse durchaus noch nicht so gefestigt erscheinen, wie » vielfach angenommen wird. Wir Haban 3 Kartelle in der Eisenindustrie, die Milte des Jahres ablaufen und bereit LAaderanfiichtiing bei zweien sehr zweifelhaft, luejiu nich^ | msgaschlossen erscheint.

Der wunbastPnuil aber liegt in ben Arbeiterverhall-

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