Ausgabe 
9.8.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 184

Erstes Blatt

160. Jahrgang

Dienstag S. August 1910

Der Vieyeacr adriger a. ä. A

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verug»vreiS: nconatlich 75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20 ; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.Viertel­jahr!. ausfchl. Bestellg. ZeilenprerS: lokal 15Ps^ auswärts 20 Pfennig« Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Femlle- ton* und ,$ermijd)te5M K. Neurath; für .Stadt u. Land" undGerichts- saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

spoUtlsche Lagesschau.

Eine konservative Rechnung.

DieKreuzztg." unternimmt eine Betrachtung der ge­samten 14 Reichstagsersatzwahlen, die nach der Reichs- finänzresorm stattgefunden haben, und schreibt: Seit der Verabschiedung der Reichsfinanzreform im Juli vorigen Jahres haben im ganzen 14 Reichstagsersatzwahlen statt­gefunden. Von diesen 14 Mandaten war nach den Wahlen von 1907 nur 1 im Besitz der Sozialdemokratie, 4 besaßen die Nationalliberalen, 3 der Fortschritt, je 2 die Konser­vativen Und das Zentrum, und je 1 außer der Sozialdemo­kratie die Polen und die Deutschsozialen. Die Ersatzwahlen haben diesen Besitzstand gründlich verschoben. In 8 Wahl­kreisen herrscht jetzt die Sozialdemokratie, das Zentrum hat wie vorher 2, die Konservativen, Nationalliberalen, der Fortschritt und die Polen haben noch je einen dieser Wahl­kreise inne. Behauptet haben sich das Zentrum in Koblenz und Wipperfürth-Gummersbach, die Konservativen in Landsberg-Soldin, der Fortschritt in Jauer-Bolkenhain, die Polen in Posen und die Sozialdemokraten in Stollberg- Schneeberg; die Nationalliberalen haben Oletzko-Lyk von den Konservativen, die Sozialdemokratie Neustadt-Landau, Koburg, Friedberg-Büdingen und Cannstatt von den Nationalliberalen, Halle und Usedom-Wollin von dem Fortschritt, endlich Eisenach von den Deutschsozialen erobert.

Aus diesem Heberblick zieht das konservative Blatt folgende Schlüsse:

1. Kein Mandat des sogenanntenschwarz-blauen Blocks" ist an die Sozialdemokratie gefallen. In zwei Wahlkreisen Usedom- Wollin und Friedberg-Büdingen haben die Konservativen und Agrarier die liberalen Parteien, die bisher im Besitz der beiden Mandate waren, auf die dritte Stelle gedrängt und dafiir sich selbst in die Stichwahl mit der Sozialdemokratie gebracht, in der sie allerdings dank Verhaltens der liberalen Parteien unter­legen sind.

2. Der gesamte Mandatsgewinn der Sozialdemokratie erfolgte auf Kosten der liberalen Parteien (dem: auch Eisenach ist ein alter nationalliberaler Bisitz, den erst 1905 die Tcutschsozialen gewonnen hatten). Tie Nationalliberalen vermochten keins ihrer 4 Mandate gegen die Sozialdemokratie zu behaupten. Der Fortschritt hatte die Rettung Jauer-Boltenhains allein den Konservativen zu danken. So sieht in Wahrheit dasStrafgericht der Wähler über die Reaktion" aus, es bedeutet den Zusammenbruch des Liberalismus. Noch deutlicher zeigt sich das, wenn man die für die einzelnett Parteien in diesen Wahlkreisen 1907 und in den Nachwahlen der letzten 12 .Monate abgegebenen Stimmzahlen in Vergleich stellt.

Es ergibt sich dann das gewiß für viele überraschende Re­sultat, daß trotz des Rückganges ihrer Stimmen in einzelnen Wahlkreisen und trotz der Niederlage in Oletzko-Lyck die Deutsch­konservativen und der Bund der Landwirte die einzige bürger­liche Partei sind, die abgesehen von den Christlichsozialen nicht nur nickst an Stimmenzahl verloren, sondern ihre Gesamt­stimmenzahl noch etwas erhöht haben, während der Liberalismus auch an Stimmenzahl von allen Parteien die schwersten Ver­luste erlitten hat.

Für die Sozialdemokratie wurden in den vierzehn in Frage stehenden Kreisen 1907 insgesamt 112 510, in den Nachwahlen aber 128 758 Stimmen abgegeben. Die Partei hat in sämtlichen Kreisen olync Ausnahme eine Stimmenvermehrung erfahren, ihr Gesamtgewinn beziffert sich auf 26 248 Stimmen. .

Rein zisfernnräßig recht starke Verluste hat in den .Eriatz- wahlen das Zentrum erlitten. 1907 wurden für diese Partei

in den 14 Wahlkreisen 52 398, in den Ersatzwahlen nur 42 790 Stimmen gezählt. Das Zentrum hat also einen Verlust von 9 6 08 Stimmen zu verzeichnen. Dazu ist freilich zu beachten, daß der Hauptrückgang an Stimmen (beinahe 8000) auf den dem Zentrum totsicheren Wahlkreis Koblenz fiel, wo an einen ernsthaften Wettbewerb anderer Parteien nicht zu denken war, während jn dem Wahlkreise Wipperfürth-Gummersbach, wo das Zentrum einen sehr erlist gemeinten Angriff der Nationalliberalen glänzend zurückschlug, es seine Stimmenzahl in der Ersatzwahl noch um mehrere Hundert erhöhte.

Für die Nationalliberalen wurden 1907 in den in Betracht kommenden Kreisen 76 711 Stimmen, in den Ersatz­wahl dagegen nur 58 047 Stimmen abgegeben., (Man berück­sichtige dabei das soeben betreffs des Wahlkreises Stollberg- Schneeberg Gesagte.) Ihr Verlust beläuft sich also auf 18 66 4 Stimmen. Dieser gewaltige Rückgang fällt um so stärker ins Gewicht, weil die Nationalliberalen in Oletzko-Lyck, wo sie 1907 keinen eigenen Kandidaten hatten, also auch keine Stimmen zählen konnten, bei der Ersatzwahl es aus 12 829 Stimmen brachten. Ohne diesen Zufallserfolg würde, sich der Verlust an national­liberalen Stimmen auf über 31000 stellen.

Recht beträchtlich ist auch der Verlust des Linksliberalis­mus; für ihn wurden 1907 insgesamt in den 14 Wahlkreisen 49 006 Stimmen, bei den Nachwahlen aber nur 42 828 Stimmen gezählt. Sein Verlust beläuft sich also auf 6178 Stimmen.

Und nun vergleiche man mit diesen Verlusten der liberalen Parteien das Ergebnis der Ersatzwahlen für die konservative Partei und den Bund der Landwirte. Auch die Konser­vativen haben in einigen Nachwahlen eine Verminderung ihrer Stimmenzahlen erfahren, sie haben in Oletzko-Lyck sogar mit einem Schlage über 10 000 Stimmen eingebüßt. Trotzdem haben sie gerade dank der Tatsache, daß sie sich durch den Linksabmarsch der Nationalliberalen in mehreren Wahlkreisen zur Aufstel­lung eigener Kandidaturen gezwungen sahen, in der Gesamtheit der Ersatzwahlen nicht nur keine Verluste an Stimmen erlitten, sondern ihre Stimmenzahl sogar noch um 1406 erhöht. Es wurden nämlich 1907 in den 14 Kreisen nur 54 392 konservative bez. bündlerische Stimmen, in den Ersatzwahlen dagegen 55 798 solcher Stimmen abgegeben.

Eine Selbsttäuschung liegt in den letzten Sätzen denn doch drin. Jn den Zahlen von 1907 stecken doch da, wo die Konservativen nicht durch eigene Kandidaten ausgetreten sind, auch viele konservative Stimmen. Die parteipolitische Zählpolitik bei den letzten Wahlen, wo die Konservativen, sich zur Aufstellung eigner Kandidaten gezwungen sahen, kann doch nicht ohne Bedenken zum Vergleiche mit den früheren Ziffern herangezogen werden. Bei den von der Kreuzztg." herausgerechneten Verlusten der National- liberalen' wird man das gleichfalls berücksichtigen müssen.

*

Der nationalliberale Vertretertag in Kassel.

Die Natl. Korr. schreibt: Der diesjährige Allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei findet bekanntlich am 1. und 2. Oktober in Kassel statt. Die Vorbereitungen dazu sind in vollem' Gange. Die Einladungen zur Teil­nahme an die nach den Satzungen zu dieser Berechtigten, sowie die Aufforderungen an die Organisationen zur Vor­nahme der Wahl sind'dieser Tage hinausgegangen. Der erste Verhandlunastag am 1. Oktober dürfte durch eine Aussprache über die allgemeine politische Lage, an der Hand eines Referates des Herrn Abgeordneten Bass er mann, Gelegenheit zu einer gründlichen und nützlicheren Aussprache bieten, als das durch mancherlei Presseerörterungen auch in den eigenen Reihen wenig zu Nutz und Frommen der Partei in diesen Wochen betätigt

ist. Der Tagung geht am 30. September eine Sitzung des Zentralvorstandes in Kassel voraus. Einladungen nebst Tagesordnung hierzu werden rechtzeitig hinausgehen.

Die Vorgänge in Spanien

Madrid, 8. Aug. Jn amtlichen Meisen ist nichts darüber bekannt, daß der Papst an König Alfons eilt Schreiben richtete, wie auswärtige Blätter behaupten; des* gleichen weiß man nicht, worauf das Gerücht zurückgeht,, daß die Beziehungen zwischen dem Battkan und Spaniens eine Besserung erfahren haben sollen, wie gewisse römische Korrespondenten berichteten. Endlich ist es vollständig un­richtig, daß der spanische Botschafter in Wien bei der öster­reichisch-ungarischen Regierung gegen das Verhalten Don- Jaimes Protest erhoben habe.

Wien, 8. Aug. Gegenüber den Mättermeldungen, denen zufolge Kaiser Franz Josef die Stellungnahme von: Don Jaime von Bourbon zu den Vorgängen in Spanien mißbilligt habe und durch seine Halttlng verstimmt sei, erklärte Don Jaime von Bourbon in derNeuen Freien' Presse": Es ist mir absolut nichts davon bekannt, daß Seine Majestät über mein Vorgehen, das immer korrekt blieb, ungehalten sei, zumal ich -wir die größte Reserve auferlege.

Aus Hessen.

Aus der Hauptversammlung des deutschen Geometervereins, die vom 31. Juli bis 2. August in Essen a. d. Ruhr äbgehalten wurde, führte der Vorsitzende! u. a. über hessische Angelegenheiten das Folgende aus:

Im Großherzogtum Hessen sind staatliche Maßnahmen, durch welche die bisher selbständigen Kreisvermessungsämter aufgehoben und diese Dienststellen einer nicht technischen Verwaltungsbehörde unterstellt werden sollen, in Aussicht genommen. Der Verein: hessischer Geometer 1. Klasse, Zweigverein des' D. G.-V., hat hiergegen in einer gut begründeten Denkschrift Einspruch erhoben. Der Vorsitzende des D. G.-V. bemerkt hierzu unter Beifalls-' kundgebungen der Versammlung,daß eine derartige rückschritt­liche Verwaltungsmaßregel mit dem and), in Hessen bekanntlich vorhandenen Aufwärtsstteben der geodättschen Wissenschaft und Technik nicht im Einllang steht. Unseren hessischen Berufsgcnossen wünschen wir zu ihrem energischen, aber maßvollen Vorgehen den besten Erfolg".

Deutsches Reich.

Johannes Fu s an g e l, der Herausgeber derWestd. Volks-' ztg.", der in der Zeit von 18931907 den Wahlkreis ,Arnsberg- Olpe-Meschede als Zentrumsabgeordneter im Reichstag vertreten; hat, ist in Hagen an Lungenentzündung plötzlich gestorben.,, Fusangel, der ein Alter von 58 Jahren erreicht hat, war schon» seit längerer Zeit mit der offiziellen Zelttrumspartei, die üben seine Zeitungen sogar den Boykott verhängt hatte, vollständig zer­fallen. Bei den letzten allgemeinen Reichstagswahlen hatte Fus­angel gegenüber dem von der Parteiorganisaton auf den Schild erhobenen Zentrumskandidaten, dem Arbeitersekretär Becker, seine Gegenkandidatur ausgestellt mit dem Erfolge, daß auf ihn 927fr Wählerstimmen entfielen, während Becker mit 14195 Stimmen gewählt wurde.

Äus Saarbrücken wird berichtet: Am Sonntag hielt hier der Verband deutscher Kriegsveteranen (Sitz Leipzig) feinem 16. Verbandstag ab. Auf der Tagesordnung stand als wichtigster Puntt die Wiederannäherung des Verbandes deut­scher Kriegsveteranen anden DeutschenKrieger- bund. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung an-

Lin Triumph der französischen Zlugmafchinen.

Ueber die Wettflüge französischer Flugmaschinen, über die durch das Wolff'sche Bureau nur dürftige Berichte verbreitet worden sind, erhalten wir aus Paris folgenden Bericht:

O Parts, 8. Aug.

Es ist nicht zu viel behauptet, daß mit den Ergebnissen des Sonntags der Flug durch die Lüste aus dem Gebiete des Sports in den der praktischen Anwendung übergegangen ist. Man muß sich die Tatsache vorhalten, daß sich bei noch immer wenig günstigen Wttterverhältnissen acht Flieger zu einer vorher fest­gesetzten Sturtde pünktlich in die Lüfte erhoben, von denen sechs das ZielTroy es ungefähr erreichten, während die zwei anderen nur wegen Motorschadens aufgeben mußten, ohne daß ein nennens­werter Unfall zu verzeichnen gewesen wäre. Andererseits ver­mochten fünf Offiziere auf Wright-Flugapparaten die schwierige Strecke Mourmelon- Nancy zurückzulegen, während zwei andere Offiziere von Vulains nach Troyes flogen, noch ein anderer von Mourmelon nach Verdun und schließlich Latham, der wegen Uebttmüdung bei seinem sehr anstrengenden Fluge von Mourmelon nach Jssy-les-Moulineaur den Wettbewerb in dem Circuit ,be l'Est" aufgegeben hatte, sich das Vergnügen machte, auf dem Luftwege seiner Mutter in ihrem Schlosse bei Dreux einen Besuch abzustatten.

Die Fottschritte, die seit der vorjährigen Flugwoche in Reims erzielt worden sind, treten durch diese Angaben hand­greiflich vor Augen. Denn damals konnten nur auf einem ab­gegrenzten Gelände in mehr oder minder großen Zwischenräumen mit Stockungen und unter Schwierigkeiten aller Art die von den besten Fahrern geführten Apparate auffliegen und zwar nur in unbestimmten Stunden, wenn sich gerade der Wind etwas gelegt hatte. Besonders verblüffend sind die Geschwin­digkeiten, die hauptsächlich von den beiden Siegern der ersten Etappe, Leblanc und A u b r i n, auf_ ihren Zweideckern Bleriot erreicht wurden. Au und für sich ist die Zeit von etwas über anderthalb Stund e'n für einen Flug von 13 5 Kilometern außerordentlich, nimmt man aber noch hinzu, daß wegen des dichten Nebels, der in den Morgenstunden des Sonntags herrschte, Verirrungen in der Lust unvermeidlich waren, so muß das Ergebnis noch verblüffender erscheinen. Auch der an dritter Stelle eingetroffene Lind- p a i t n e r hat mit seinem Zweidecker Sommer hinsichtlich der Geschwindigkeit Bedeutendes geleistet. Denn wenn er auch gegen die beiden ersten um 53 bzw. 18 Minuten zurückblieb, so ist zu bedenken, daß er, da er im Ueberlandsluge noch nicht sehr be­wandert ist, aus Vorsicht dem Laufe! der Seine folgte und somit einen beträchtlichen Umweg machte.

Sehr interessant und bewegt war der Flug Weymann's auf einem Farman-Zweidecker. Er mußte nämlich, weil er in dem Nebel seinen Weg nicht zu finden vermochte, mehrfach nieder- geheir, so in Provins, wo er einen einsamen Spaziergänger an Bord nahm, aber 10 Kilometer weiter wieder absetzte, weil der Herr

plötzlich von einem Höhenfieber ersaßt wurde, das eine frappante Aehnlichkeit mit der Seekrankheit aufweist. Allerdings brauchte er nahezu fünf Stunden, um zum Ziele zu gelangen, wobei ihm noch das Unglück passiette, etwas vor dem Zielpunkte zu landen, weshalb er sich, um sich zu klassieren, noch einmal in die Lüste erheben mußte. _ , .

Eine sehr große Lustreise hat der letzte Klassier To Mamet auf seinem Blöriot-Eindecker gemacht. Er wurde nämlich weit in das Marne-Departement abgetrieben und hat somit nach den vor­läufigen Berechnungen statt der 135, nahezu200Kilometer zurückgelegt. «. < .

Bei der Landung rief besonders Lindpaintner wegen der Sicherheit, mit der er auf das Ziel lossteuerte, und <fcer Leichtigkeit des Niedergleitens Begeisterungsstürme hervor. Er erklärte, unter der in den oberen Regionen herrschenden Kälte empfindlich gelitten izu haben. Seinen Aussagen zufolge rufen die Luftströmungen, dieiaus den Tälern emporsteigen, auf dem Nacken eine ähnliche Empfindung hervor, als erhielte man einen starken Faustschlag. Aber schließlich sind alle Eingetroffenen sehr zu­frieden und wohlauf: da sich nunmehr auch die Witterung ge­bessert zu haben scheint, sehen sie mit srohen Erwartungen dem weiteren Verlaufenes großen Rundfluges entgegen.

Um kurz daran zu erinnern, handelt es sich bei dieser vom Matin" veranstalteten großen Prüfung, folgende sechs Luststrecken zurückzulegen: ParisTroyes (7. August) 135, TroyesNancy (9. August) 160, NancyMeziöres (11. August) 160, Msziöres Douai (13. August) 139, DouaiAmiens (15. August) 78, und AmiensParis (17. August) 110 Kilometer, zusammen also über 800 Kilometer. Es ist zweifellos, daß sich viel mehr von den erst für diese Prüfung genannten vierzig Fliegern an der Fahrt beteiligt hätten, wenn sie die glückliche Wendung des Wetters vorausgesehen hätten.

Der patriotische Jubel der Franzosen wird aber durch die gleichzeitigausgeführtengelungenenFlügevon Offizieren noch erhöht. Jn militärischen Kreisen wird be­sonders den Flügen der Leutnants Cammerman, Villierme,- quant und de Coumont auf drei Farman-Doppeldeckern von Mour­melon nach Nancy große Bedeutung beigemessen. Die beiden ersten fuhren zusammen über Verdun und trafen zuerst in Nancy ein, ungefähr in zwei und einer halben Stunde; Leutnant- quant, der von dem Hauptmann Marie begleitet wurde, flog über Chalons und Saint-Dizier, de Caumont allein in mittlerer Höhe von 750 Metern über Bar-le-Duc; sie machten aber den Weg weiterhin gemeinsam über Toul. Als Aufgabe war ihnen zugewiesen, alles zu notieren, was sie unten auf der Erde an Erscheinungen erblicken konnten, Vorbeifahren von Zügen, Menschenansammlungen usw. Ferner sind zu verzeichnen die Flüge des Leutnants Bellanger auf einem Blöriot-Eindecker von Mourmelon nach Verdun, des Leutnants Niayol von Vulains nach Troyes auf dem Flugapparate, mit dem der Leutnant Cheneaux von Pillacoublay nach Vulaines gekommen war.

Sud ermann und die Presse. Das Berliner Tagblatt erhält den folgenden Brief:

Jn Nummer 394 Ihres sehr geschätzten Blattes macht' sich ein als Lynkeus bezeichneter Artikelschreiber (!! D. Red.) bezugnehmend auf eine freundliche Aeußerung des Kaisers über meine letzte Bühnenarbeit zum Interpreten ge­wisserAnderer", die mich auch hierin als denlieben, alten Suderinann",diese Mar litt des Naturalis-z m u s" abschrchen zu können glauben.

Nun habe ich Mar insbesondere seit dem' Erscheinen meiner Berrohungsartikel die vielfältige Freude erlebt, mich in der deutschen Presse zummodernew Kotzebue", zumBunt-Bum-Raupach^, zu einem zweiten Clauren", zurvergröberten Birch- Pfeiffer" ernannt zu sehn, aber, kühn gestimmt durch die soeben empfangene neueste Medaille, versteigt sich mein Ehrgeiz zu noch höheren Zielen:

Ich will versuchen, mir bei gelegentlicher Herausgabe meiner Gedichte die Bezeichnung einerauferstande­nen Friederike Kempner" widerspruchslos zu ver­dienen und stelle mich für die Beurteilung meines nächsten Dramas, das höchst lügenhaft erfunden ist, als denKarl May der Neuromantik" ergebens! zur Verfügung.

Durch diese Winke für künftige literarische Würdigung hoffe ich mich endlich mit jenenAnderen" und rhrem Sprecher in Uebereinsttmnnmg zu setzen.

Mit verbindlicher Empfehlung

Ihr

lieber alter" S u d e r nt a n n.

VomUmbaudesMainzerStadttheaLers. Die Fertigstellung des Stadttheaters zum 1. Oktober wird sich nur auf die Bühne und den Zuschauerraum erstrecken, da das Foyer bis dahin nicht vollendet lverden kann. Hin den Raum in der vorgesehenen Art auszustatten, ist die Zeit zu kurz. Sollte der Großherzog der Eröffnung bei­wohnen, so wird man dem Raume vorübergehend eine vorläufige Belleidung und Msstattung geben.

Kurze Nadjr idjtcn aus Kunst u. Wissenschaf t. Der Herbrand'sche Sängerbund in Köln hält am Sonntag ben 28. Llugust ds. Js., nachmittags 4 Hhr, im Hotel Elisen- Hof auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück ein Wohltätig- keitskonzert ab zu gunsten des an der gleichen Stelle zu emdy* Lenden Bismarck-National-DeLkmals.