General-Anzeiger für Gberhesien
Dte «Oietzener Lamlllenblätter- werden dem ^Unzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Breisblatt für den Kreti Gießen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftratze 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion: e^silL. Tel.-Adru Anzeigervietzen.
Nr. 235 Zweites Blatt 160. Jahrgang Freitag 7. Oktober 1S10
Erscheint K-Nch mit Ausnahme deS Sonntags. X K▲▲ ▲ ▲ ▲ A A Rotationsdruck und Vertag der «rühllschen
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französisches werben in der Türkei.
Ein Konstantinopeler Zcitunas'korrespondenL verbleiter folgende schwer glaubliche neue Angaben:
„Das wichtigste Ereignis ist, daß jetzt die französische gierung der Türkei eine Art Militärkonvention ange- holen hat! Drei Panzerschiffe zweiter Klasse, welche die französische Marineverwaltuna als nicht brauchbar für den neuen Dreadnought-Typ ausgeschieden hat, soll die Türkei „zu billigen Preisen" ankausen und aus Frankreich alles Geschütz- und Bau- material für die Befestigung der Meerengen beziehen. Der einst vom belgischen General und Panzerbefestigungs-Expertev Bricürnont aufgestellte Verteidigungsplan soll durch französische Ingenieure neuzeitlich ergänzt und dann durchgeführt werden.
Wenn sich die türkische Mllitärverwaltung hiermit einverstanden erklärt, gibt Frankreich eine Anleihe von 160 bis 200 Millionen Franks und verzichtet auf die offizielle Kontrolle. Die Türkei mag eine Bank bestimmen (nötigenfalls die vom Finanzminister Dschawid Bey begünstigte „Natimal- bank" des Sir Henry Babington Smith), welche die für die Anleihe zu verpfändenden Zölle einzukassieren habe. Nur müßten dann in ihre Verwaltung einige Vertrauenspersonen der französischen Regierung eintreten.
Des weiteren verspricht Frankreich, die Türkei bei der Aufhebung der Kapitulationen (der gesetzlichen Sonderstellung der Ausländer) unter der Bedingung zu begünstigen, daß die Türkei in Verhandlungen über eine Abänderung des Dardanellenvertrages einzutreten bereit sei. Nach französischer Auffassung würden der Ausbau der türkischen Flotte und die Verstärkung der Befestigungen der Meerengen genügen, um Konstantinopel gegen jede Ueberrumpelung sick-erzustellen. In diesem Falle soll für die Friedenszeit, d. h. so lange die Türkei außerhalb aller etwaigen kriegerischen Verwickelungen bleibt, den angrenzenden Mächten des Schwarzen Meeres gestattet werden, Kriegsschiffe einzeln und mit genügenden Sicherheitsmaßnahmen durch die Meerengen zu senden. Dieses neue Programm soll bereits in Paris zwischen dem Großwesir Hakki Pascha und den französischen Banken vereinbart, auch von London und Petersburg gebilligt worden sein. Jetzt aber werden hier von französischer Seite (Bompard usw.) alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die übrigen Mitglieder der türkischen Regierung und des jungtürkischen Komitees für diese Vorschläge zu gewinnen.
Wir glauben denn doch, solche Vorschläge würden keine große Werbungskraft txei den selbstbewußten Jungtürken haben. Es wird sich wohl um eine Phantasie handeln.
Konstantinopel, 6. Okt. Die „Jeune Ture" bringt die Nachricht von der Gründung der „Türkischen Bank" durch einyeimische Kapitalisten mit einem Grundkapital von 550 000 Pfund. Die Bank soll aus Befreiung der Türkei von der wirtschaftlichen Vormundschaft des Auslandes hinarbellen. _ .
Der .Turquie" zufolge beschloß die Pforte, 80 000 Pfund für die Befestigung der tripolitanischen Küsten aus- zusetzen. ________________________________________________
Schwere Mißhandlung eines Arbeitswilligen.
Berlin, 6. Okt. Der Arbeiter Otto Wellschmidt, der auf dem Kohlenplatze der Firma Kupfer L Co. in Moabit arbeitete, wurde gestern abend pnf dem Heimwege von sechs ihm unbekannten Mannern Überfällen und schwer mißhandelt. Blutüberströmt 6*egdb sich der Ueberfallene nach seiner Wohnung und reinigte such dort. Als er bald daraus die Wohnung wieder verließ, wurde er von sechs Männern in em Hinter-immer einer Schankwirtschaft geschleppt und dort an einem „Gerichtstisch" verhört. Unter Androhung schwerer Sttafe wurde ihm verboten, bei der Firma Kupfer & Co. weiter zu arbeiten. Darauf wurde Wellschmidt wieder hinausgeführt, abermals mißhandelt und endlich mit der Drohung entlassen, daß er totgeschlagen werde, wenn er noch weiter bei Kupfer L Co. arbeiten würde.
Wegen der Streikausschreitungen in Moabit w-urden acht Personen, Unter ihnen organisierte Arbeiter, verhaftet. Jetzt chefinden sich 64 2[ngefcf)ul.* digte in Untersuchungshaft; sie sind z>um Teil geständig.
Aus dem Sttafprozetzausschuh.
:: Berlin, 6. Okt.
Der StrafproKeßansschuß beendete heute die erste Lesung mit der Durchberatung des Einführungsgesetzes und vertagte sich hierauf Lis ftum 18. Oktober. Zum Einsührungsgesetz hatten die Sozialdemokraten eine Reihe Anträge gestellt, die eine Beseitigung der landesgesetzlichen Vorschriften über das Plakatwesen, die Bestrafung des Kontraktbruchs, das Stteikrecht der Landarbeiter und pes Gesindes sowie die Verteilung von Flugblättern heAweck- ten; die Anträge wurden abgelehnt.
Ein weiterer Anttag will in Folgerung der neuen Be- stimnrungen der StrafproHeßordnung, wonach in Zukunft in gewissen Fällen von einer Beeidigung der Zeugen und Sachverständigen abgesehen werden kann, in das Strafgesetzbuch eine Bestimmung ausgenommen haben, nach welcher die un- eidliche Aussage der Zeugen nnd Sachverständigen in der Hauptverhandllmg, wenn sie wissentlich oder fahrlässig falsch ist, Bestrafung nach sich sieht. Ern Zusatzantrag wollte bie Bestrafung nur bann eintteten lassen, wenn die Aussage wesentlich und vorsätzlich zuungunsten des Angellagten gemacht ist. Der Zusatzantrag wurde abgelehnt, der Haupt- Oötrag angenommen. Schließlich Wut den in das Einfüh- rungsgesetz Bestimmungen ausgenommen, die durch Aende- rung des Spezralgesetzes Verbesserungen hinsichtlich der Entschädigung ftir unschuldig erltttene Untersuchungshaft bringen. Heber die Entschädigungspflicht der Staatskasse soll das Gericht entscheiden, bet welchem die Staatsanwaltschaft Aage erhoben hat oder nach bient Änhcül'tj deD Haft^ besehls Klage hatte erheben können, wenn sie die Sache vor das erkennende Gericht hätte bringen wollen. Die Staatsanwaltschaft hat dem Gericht auf Verlangen die von ihr geführten Verhandlungen vorzulegen, das Gericht kann weitere Ermittelungen vornehmen oder durch eines seiner Mitglieder vornehmen lassen.
Für die Stellungnahme der Regierung zu den vom Ausschüsse in erster Lesung gefaßten Beschlüssen werden insbesondere von Wichtigkeit sein Pie Stellung, die den Parlamentsmitgliedern bei Strafversahren und Strafvoll st reckung eingeräumt ist und sodann die Mitwirkung der Laren in der Berufungsinstanz. Man ist im Ausschuß überwiegend der Meinung, daß die Regierung wett erttgegenkouuueu wird,, io daß gn dem Zu-
standekommen der Strafproseßnovelle kein Zwei- el besteht.
vieäieichsversicherungsordnung.
: Berlin, 6. Okt.
Der Reichsversicherungsausschuß begann heute die Beratung des vietten Buches über die Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung. Die Hinterbliebenenversicherung wird bekanntlich als neuer Zweig der Versicherung in die Arbeiterversicherung eingegliedett. Der erste Abschnitt, §§ 1212 bis 1234, behandelt den Umfang der Versicherung. In § 1212 wurden bei der Bestimmung über die Versicherungspflicht der Betriebsbeamten, Werkmeister und Techniker die Zusatzwotte „sowie andere An- gestellte, die mit einer ähnlich gehobenen Tätigkeit berufsmäßig beschäftigt werden" auf konservativen Antrag ersetzt durch die Fassung: „sowie andere in gehobener Stellung befindliche Angestellte sämtlich wem diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet". Dazu wurde eine EMschließung gefaßt, der Bundesrat möge mehr als bisher Gebrauch von seiner Befugnis machen, die Versicherungspflicht auf Hausgewerbetreibende auszudehnen.
Nach § 1215 erstreckt sich diese Befugnis des Bundesrats, abgesehen von den Hausgewerbetreibenden (ohne Rücksicht auf die Zahl ihrer hausgewerblich beschäftigten), auf Gewerbetreibende und andere Betriebsunternehmer, die regelmäßig keine ober höchstens zwei Versicherungspflichtiae beschäftigen. Dies wird durch Annahme eines konservativen Antrags dahin eingeschränkt, daß bei regelmäßiger Beschäftigung von mehr als einem Versicherungs- pstichtigen die Versicherungspflicht des Betriebsunternehmers fortfällt, und auch der eine, der die Versicherungspflicht begründet, muß regelmäßig „in dem Betriebe" beschäftigt sein. Die gleiche Einschränkung wird bei § 1228 beschlossen, in dem von den Voraussetzungen für die fteiwillige Selbstversicherung die Rede ist.
§ 1230 setzt die Lohnklassen fest. Es sind wie bisher fünf Klassen mit den Grenzziffern 350, 550, 850, 1150 Mk. und darüber. Weitergehende sozialdemokratische Anttäge wurden abgelehnt. Von fortschrittlicher Seite wurde das Bedauern ausgesprochen, daß die Regierung auch hier an wirtlichen Reformen vorübergegangen sei und sich lediglich auf Kodifizierung des bestehenden Rechtes beschränke. Man werde bald vor einer neuen Reform stehen. Ein Zentrumsredner stimmte dieser Auffassung zu: von Mitglieds der lrechts stehenden Parteien wurde ihr widersprock)en.
Nach § 1238 wird länger als auf ein Jahr rückwärts vom Eingang des Anttags gerechnet, keine Rente gezahlt. Es wird dem hinzugefügt: sofern nicht der Bereckfligte durch Verhältnisse verhindett worden ist, die außerhalb seines Wülens liegen, den Anttag rechtzeitig zu stellen.
Die Beratung wurde heute bis § 1241 geführt. Weiterberatung : Freitag vormittag.
9. Hauptversammlung des Sundes Deutscher Zrauenvereine.
4+ fceibelBetfl; 6. Oft.
Die Haupkverscrmmlung des Bundes wurde nach einer Ansprache der 2. Vorsitzenden, Frau v. Forster, u. a. vom Vertreter der Großh. Regierung Geh. Regierungsrat Jolly, und vom Prorektor der Universität, Geh Kirchenrat v. Schubert, begrüßt. Fr. v. Forster dankte herben Herren, es sei zum erstenmal, daß ein Vertreter der Regierung und ein Vettreter der Universität den Bund begrüßt.
Den Geschäftsbericht für die Zeit von Oktober 1908 bis Oktober 1910 erstattete Frau Marianne Weber-Heidelberg. Dem Bund sind in der abgelaufenen Geschäftsperiode acht neue Verbände beigetteten, darunter der Kaufnr Verband für weibliche Angestellte, die grüßte deutsche Frauenberufsorganisation. Die Zahl der dem Bunde angeschlossenen Verbände betrügt jetzt 33, die Zahl der ihm direkt angeschlossenen Vereine beträgt nunmehr 237. Für das innere Leben des Bundes war das Folgende von Wichtigkeit: 1. Die Ausarbeitung eines neuen Kompromiß-Entwurfes zur Reorganisation des Bundes, der der Hauptversammlung vorgelegt wird, 2. der Verlagswechsel des Bundesorgans: „Zenttalblatt". Das Blatt erscheint nunmehr bei der Firma B. G. Teubner, Leipzig. Vom 1. Oktober an bringt es' eine Beilage: „Frauenerwerb und Frauenberufe".
Der Bericht wurde genehmigt, ebenso der Kassenbericht. Zunächst gelangt ein Antrag des Rostocker Frauenvereins zur Verhandlung. Dieser beantragt eine Bittschrift an den Reichstag, in der gefolgert werden soll, der Erlaß eines Reichstheatergesetzes möge tunlichst beschleunigt und dabei die Punkte besonders berücksichtigt werden, die geeignet sind, die Interessen der weiblichen Bül-nenmitglieder als des wirtschaftlich schwächsten Teils zu fördern, Fräulein Santen, Hofschauspielerin aus Mannheim, bestätigt die unerhörten Verhältnisse. Es gebe nur Rechte des Direktors und Pflichten des Schauspielers. Die Frage der Eheschließung möckste sie besonders hervorheben, es sei rncht wahr, daß sich das Publikum nuht für verheiratete Künsllerinnen interessiere. Der schlimmste Punkt sei die Kostünrftage. Hier liege die grüßte Gefahr in moralischer Hinsicht. An den großen Stadttheatern werden nur selten die histo- risckMl Kostüme geliefert. Das Publikum hat große Schuld daran, Fräulein Santen macht Reformvorschlügc, Wir möchten die modernen Tofletten geliesert haben; es könnte dafür ein Teil der Gage geftridjen werden. Die ganz kleinen Theater sollten verschwinden. Der Direktor müßte ein Fachmann sein.
Der Anttag des Rostocker Frauenvereins wird ohne weitere Aussprache mit absoluter Mehrheit angenommen. Es liegen 3 Dringlichkeitsanträge vor. Der 1. fordert, die Versammlung wolle auf die Kaiserrede vom 2 5. Aug. durch eine zu faffenbe EntscAießung eine würdige Antwort geben. Der Anttag wird angenommen. Der 2. Anttag wünscht, daß der Bund sein Bedauern über den kürzlich oerüflentlichten Beschluß des Reichsjustizausschusses ausspricht, der auch für die Reform des Strafrechts die Frauen vom Amt der Schöffen Mehnt. Der Anttag wird angenommen. Der 3. Anttag bittet den Bund, seiner Freude darüber - Ausdruck zu geben, daß durch den Entwurf zur neuen Kirchenordnung der Elsässischen Kirche, Augsburgische Konfession, den Frauen das passive und wenigstens ein beschranktes passives Wahlrecht gegeben werde und hofft, daß diese Besttmmung gesetzliches Recht erlangen wird. Auch dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. '___________________________________
Die hessischen Preisträger aus der Brüsseler Weltausstellung.
Die amtliche Veröffentlichung der Preisttäger durch die belgische Ausstellungsleitunb erfolgt am 18. Oktober. Doch hat der deutsche Reichskommiffar Albett eine Vorläufige unverbindliche Liste der den deutschen Ausstellern zuerkannten Preise veröffentlicht. Wie wtt dem Verzeichnis entnehmen, werden an hessische Aussteller folgende Preise fallen: Außer Wettgewerb wegen früherer großer Preise und Bedeutung ihrer Ausstellung stehen: Konrad Appel, Darmstadt; Collet u. Engelhard, G. m. b. H., Offenbach a. M. Gruppe I: Erziehung und Unterricht. Ehrendiplom: Professor Dr. Noack, Gießen. Silberne Medaille: Großh. Oberrealschule Worms. Gruppe III: Buchgewerbe, Klaffe II3 Großer PrHs_; GanherchergerMe Majchtuew'
fabrik Georg Goebel, Darmstadt: Gebr. Klingspor, Offenbach a. M.: Rudolf Koch, Offenbach (Sammelausstellung des Vereins deutscher Buchgewerbekünsller), Klasse 12. Großer Preis: Ernst- Ludwig-Presse, Darmstadt; Joseph Scholz, Verlagsbuch^tndllmg, Mainz: B. Schotts Söhne, Musikverlag, Mainz: Verlagsanftalt Alexander Koch, Darmstadt; B. Schotts Söbne, Musikverlag, Mainz (Sammelausstellung: Handbibliothek für höhere Schulen); Peter Hobbing, Darmstadt (Sammelausstellltng): Schulärzlliche Bibliothek). Klasse 13. Silberne Medaille: Jakob Hilsdorf, Photo- araph, Bingen. — Gruppe IV. Allgemeine Mechamk. Klasse 21. Bronzene Medaille: Maschinenfabrik und Mühlenbauanftalt G. Luther, A.-E., Darmstadt. Klasse 22. Großer Preis: Mayer u. Schmidt, Offenbach a. M.; Friedrich Schmaltz, G. m. b. H., Offenbach a. M. Ehrendiplom: H e y l i g e n sta edt u. C o., Werkzeugmaschinenfabrik und Eisengießerei, Gießen; Curd Nube, Maschinenbauanstalt, Offenbach a. M, — Gruppe VI. Jngenieurwerke, Wasserbau Klasse 29. Großer Preis: Kgl. Preußische und Großh. Hessische Staatseisenbahnverwaltung. Klasse 32. Großer Preis: Kgl. Preußische und Großh. Hessische Staatseisenbahnverwaltung: Waggonfabrik Gebr. Gastell, G. m. b. H., Mainz-Mombach. Klasse 33.'Großer Preis: Kgl. Preußische und Großh. Hessische Staatseisenbahnverwaltung. — Gruppe VII. Landwirtschaft und landwittschaftliche Maschinen. Klasse 38. Großer Preis: Reichsverband deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften, Darmstadt. — Gruppe X. Nahrungsmittelindustrie. Klasse 55. Großer Preis: Maschinenfabrik uni Mühlenbauanstalt G. Luther, A.-G. Goldene Medaille: Philipp Hilae, Mainz. Klasse 60. Großer Preis: Kollektion des Großh. Hessischen Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft; Großh. Hessische Weinbaudomänenverwaltung, Main-; Großh. Hessische Wein- und Obstbauschule, Oppenheim; Stadt Bingen; Binger Winzerverein, Bingen; A. Froweinsche Guts- Verwaltung, Oppenheim; Musterweinberge W. Krug u. Gg. Wolf, Elsheim; Musterweinberge Altbürgermeister Schätzel, Ober-Jngel- beim; Musterweinberge Bürgermeister Sieben, Zornheim; C. Lauteren Sohn, Hoflieferanten, Mainz; Walters Druckerei, G. m. b. H., Mainz. — Gruppe XI. Metallurgie, Kunstgewerbe in Metall. Klasse 63. Silberne Medallle: Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt G. Luther, A.-G. — Gruppe XII. Kunst- gern erbe und Raumkunst. Klasse 66. Großer Preis: Albin Müller, Professor, Darmstadt. Klasse 72. Großer Preis: Großh. Keramisck-e Manufaktur, Darmstadt. Ehrendiplom: Mayer u- Schmidt, Maschinenfabrik, Offenbach a. M. Bronzene Medallle: L. Keßler, Wieseck; Kraus Nachs., Töpferwaren, Darmstadt: OberhessischeTöpsereien,Lauterbach; Leon Hard Bauer, Lauterbach. Klasse 73. Großer Preis: Jos. E. Schneckendorf, Darmstadt. — Gruppe XIV. Chemische Industrie, Papierfabrikation. Klasse 87. Großer Preis: Mayer u Schmidt, Maschinenfabrik, Offenbach a. M. — Gruppe XV. Verschiedene Industrien. Klasse 94. Großer Preis: S. K. Hoh. der Groß- Herzog von Hessen unt> bei Rhein. Ehrendiplom: Ernst Riegel, Professor, Goldschmied, Darmstadt. — Gruppe XVI. Klasse 106. Großer Preis: Mayer it Schmidt, Maschinenfabrik, Offenbach a. M. — Gruppe XVII. Klasse 111. Ehrenvolle Erwähnung: Peter Hobbing, Verlagsbuchhandlung, Darmstadt.
A«» Stabt «nd Land.
Gießen, 7. Oktober 1910.
— Znm 60jährigen Gedenktag der Main- Weser-Bahn-Eröffnung schreibt unS ein Freund unsere- BlatteS: In der SamStagS-Nummer des Gieß. Anz. in dem Aufsatz ,Ein VerkehrSjubiläumE wird erwähnt, daß der letzte Kurfürst von Heften, der ein Gegner deS Eisenbahnbaues Kassel—Gießen—Frankfurt gewesen sei, nicht geahnt hätte, ,daß er 1866 durch seine Flucht auf einer Lokomotive dieser Bahn von Kaftel nach Hanau vor der Gefangennahme durch die Preußen gerettet mürbe1. Der Kurfürst hat nie den Versuch einer Flucht unternommen, im Vertrauen aus fein „GotteS Gnaden Recht1 blieb er ruhig auf seiner WilhelmShöhe wohnen und wurde hier ^gefangen" genommen. Nach wenigen Tagen trat er die Reise nach Stettin unfreiwillig an und wurde hier so lange interniert, bis ein Vertrag zwischen ihm und dem König von Preußen abgeschloften wurde, der die Annexion Kurheftens zur Folge hatte. Von dem Tage an, da Friedrich Wilhelm I. seine Beamten deS ihm geleisteten Treueides entband, war derselbe frei und nahm seinen Sitz aus seinem großen Gutsbesitz Horzowitz, Böhmen, zeitweilig in Prag. — Wer sich übrigens für die Geschichte des Baues der Main- Weser-Bahn interessiert, der hole sich aus der LandeSbibliothe' die Broschüren deS weiland Prof. Schmitthenner, Gteßen, und deS Prof. Fick, Kaftel, von denen der letztere den Bau bei Bahn über Fulba befürwortete. ES belustigt gerabezu, von bamalS so vorgeschrittener Seite Ansichten vorgetragen zu sehen, bie heute längst überholt sinb. Der kurhessische Teil ber Strecke würbe von bem späteren Artillerie-General, bamalS Hauptmann Gerlanb gebaut.
** Konzert des Hannvverfkhen Lehrerg^sang- v er ei ns. Man schreibt uns: Wir gestatten un5, noch einmal auf das nächsten Sonntag stattsindende Konzett des Hannoverschen Lchrergesangvereins hinzuweisen: die Zusannnenstellung der zum Vorttag kommenden Stücke findet sich in dem Anzeigentell dieses! Blattes. Doch wollen wir betonen, daß es keinesfalls in der Absicht des konzett geb enden Vereines liegt, die Nummern in der Reihenfolge „benrntenufingen", wie sie das Inserat bringt Das eigentliche Programm zeigt vielmehr eine von feinsinnigem Kunstverständnis diktiette Vottragssolge. Im übrigen geht dem Vereine ein cmsgezeichntter Ruf voraus. Der Hannoversche Anzeiger berichtet über eines seiner KonAette: „Das von dem Hannoverschen Lehrergesangverein in den Sälen des Konzetthauses veranstaltete Konzett hatte sich eines überaus zahlreichen Besuches zu er» freuen und nahm einen glänzenden Verlauf. Der vorzüglich disponiette Chvr brachte unter Taegeners sieggewohntem Zepter eine Reihe musikalisch und technisch schwerwiegender Sachen zu Gehör, und die oft gerühmten Vorzüge des Vereins zeigten sich wieder in schönstem Lichte: die in jeder Hinsicht vorbildliche S ch u l u n g, wie sie sich in der mustergültigen Textbehandlung, der wohlklingenden Reinheit der Vokalisation, an dem einheitlichen Sprechen bei homophonen Stellen, in der feinen Atemökvnomie und der richtigen Atemfunktion offenbarte, ferner die durch tadel« lose Phrasierung und sinnvolle Dellamation gekennzeichnete seelische Belebtheit, die tiefe Gefühlswarme und endlich der hohe musikalische Gestaltungssinn." — Es wird also wohl niemand es bereuen, wenn er das bevorstehende Konzert besucht.
(!) Hörnsheim, 6. Oft. Die hiesige Gemarkung, insgesamt 589,4 Hektar groß, ist in der Zusammenlegung begriffen. Die Arbeiten sind soweit vorgeschritten, baß jetzt bie Herbstaussaat zum letztenmal auf ben bisherigen Grunb- liücfen erfolgt. Man hofft, bie Uebergabe dec Länbereien im Herbste 1911 vornehmen zu können.


