geht nur allein!
Nein mein Lieber
wandern und Reisen.
** 23. H. C. Ein richtiger sonniger Sommertag Ivar es, der die Mitglieder des Vogelsberger Höhen-Clubs, Zweigvcrein (ließen, am Sonntag bei ihrer Juniwandcrung nach dem hohen Vogelsberg begleitete unb die vom Laubacher Wald ihren Ansang nahm. Die Wanderung ging zuerst durch schönen Buchcn- bcstand und hieraus durch das liebliche .Horlofftälchen zum idyllisch gelegenen Jägerhaus, wo die erste Rast gehalten wurde. Nach gebührender Besichtigung der im Walde versteckt liegenden Kirchenruine des seit Jahrhunderten untergegangenen Dorfes Rut- hardshausen. erfolgte der Weitermarsch, der nun abwechselnd durch prächtige Waldungen unb über blumenreiche Trifte, von denen man reizende Ausblicke genoß, bergauf, bergab durch zwei sremid- liche Dörfchen, Betzenrod und Götzen, zur Mittagsrast nach Rudingshain führte. Die liebe Sonne hatte inzwischen alle Register aufgezogen und brannte unbarmherzig auf die Köpfe der Wanderer hernieder. Die schier unerträgliche Hitze sowohl, wie auch das Hcrannahcn eines Gewitters veranlaßte denn auch die Führer, die Wanderung zu kürzen und ihre 50 Reisegefährten von Rudingshain direkt nach dem Hoherodskopf zu leiten. Hier oben hatte sich inzwischen eine Menge Volks aus nah und fern zusammcngefunden und in und vor dem Klubhaus herrschte die fröhlichste Stimmung. 2luch dem Tags zuvor cingcweihtcn Bis- m a r ck t u r in auf dem Taufstein, den die Wanderer schon lange vorher aus weiter Ferne gesichtet hatten, wurde truppweise ein Besuch abgcstallet und man genoß von der Plattform des stattlichen Bauwerkes einen prächtigen Rundblick in die Lande. Nach reichlich genossenem Aufenthalt ans der Höhe erfolgte der Abstieg über Michelbach nach Schotten, um von hier die Heimfahrt anzutreten.
Eingesandt.
Gießen, 7. Juni.
Wenn zufriedene Menschen ein schönes Lied singen, dann ist das gewiß recht hübsch und nur wenige Leute werden sich nicht daran erfreuen. Wenn aber eine ganze Gesellschaft zwei Stunden lang übt und nach ein paar Takten immer wieder von vorne ansängt, bann ist das sür die Nachbarschaft gewiß unangenehm. Es ist umso unangenehmer, wenn man so rücksichtslos ist und diese Uebungsstunden bei offnen Fenstern und sogar Türen abhält, wie das gestern abend in einem tzinterbau der unteren Ludwigstraße der Fall war. Daß dadurch nicht nur Kinder und Kranke gestört werden, sondern auch gesunde Erwachsene, dürsten die Sänger eigentlich selbst wissen, und, es ist doch auch nur eine Frage des Taktes, daß man sich bei solchen Ucbnngeni so wenig wie nur irgend möglich bemerkbar macht.
E i n Lär m feind.
Luftschiffahrt.
Berlin, 7. Juni. Der am Samstag abend im Schlosse Weißensee aufgestiegene Freiballon „Deutschland" verunglückte im Gewitter in der Nähe von Nauen. Er stürzte von 200 Meter ab und platzte. Die beiden Insassen blieben unverletzt. .
Bad - Mondorf (Luxemburg , 6. Ium. Gestern begann hier die aut acht Tage bemessene Flugwoche. JBci dem Runden- prcis mußte d e E a t c r s vor dem Ziel landen. Sein Apparat ging aber wieder hoch und slog über die Tribünen und Dächer hinweg und landete wegen Versagens des Motors in einem Getreidefeld w heftig, daß der Apparat in Trümmer ging. De (Sater5 lelbit blieb unverletzt, abgesehen von einigen schmerzenden Schürfungen an einem Bein. Erster wurde beim Rundenpreis Christiansen, zweiter Molli en, dritter Petrows ky. Bei dem Gesamt- prcis wurde erster Christiansen, zweiter P e t r o w S k y und Dritter Mollien.
Versailles, 5. Juni. Eine Flugmaschine, mit dem Maurice Farinan und B c, a n c o n , Generalsekretär der Aeroklubs, aufgestiegen waren, kippte beim Landen um, Farman und Besancon wurden leicht verletzt.
Landwirtschaft.
— Versteigerung von Zuchttieren. Der Landwirt- schaftskanimer-Ansfchuß für die Provinz Oberhessen veranstaltet am Montag, 11. Juli, in Alsfeld eine Versteigerung von S i m in c n- taler Bullen, Sanner Ziegenböcken und Edel- schm e i n - E b e r n. ES soll dadurch Privatzüchtern sowohl, als auch Gemeinden und Zuchtgenossenschaiten Gelegenheit geboten werben, iyren Bedarf an männlichem Zlichtmaterial der genannten Tierarten in tadelloser, reinrassiger Ware zu eimvandfreien Preisen zu decken. Ta die Beschickung der Beranslaltimg durch die oder- hessischen Züchter sehr gut sein wirb, so dürsten sicherlich auch die weitgehendsten "Ansprüche eines jeden Interessenten Befriedigung finden. Mit Rücksicht hierauf und auf die Tatsache, daß die ober- hessischen Züchtervereinigungen auf dem Gebiete der Hochzucht bisher .hervorragendes geleistet haben, wie au§ zahlreichen höchsten Aufzeichnungen aui den verschiedensten Ausstellungen hervorgeht, möchten wir auf die Versteigerung aufmerksam machen und bereit Besuch bestens empfehlen.
Amtlicher Wetterbericht.
O e f f e n t l i ch e W e r t e r d i e n st st e l l e Gießen.
Verlauf ber Witterung seit gestern früh: Das sübliche Tiefdruckgebiet hat auch gestcrii noch strichweise Wärmegewitter gebracht. Bei östlicher Lustströmnng dauert das ungewöhnlich warme Wetter an; bereits 10 Uhr vormittags werden 25 Grad imb mehr erreicht. Die europäische Druckverteilung zeigt auch heute keine besondere Aendernng, so daß Fortdauer der Hitzeperiode in Aussicht steht.
Wetteranssichten in Hessen am Mittwoch dem 8. Juni 1910: Strichweise Gewitter, Fortdauer der Hitzeriode, Ostivind.
L.-8. Do rin stadt, 6. Juni. Gestern nachmittag öffnete sich der stellenlose Maler und Lackierer Geiger aus Besjungen die Pulsadern. Die NettungSwache brachte den Schwerverletzten nach Anlegung eines Notverbandes mittels Rranfcn- autowobils ins städtische Krankenhaus, wo er an den Verletzungen gestorben ist.
X Hermann st ein, 6. Juni. Gestern feierte die Kriegerkamaradschast unter großer Beteiligung das Fest der Fahnenweihe, aus welchem Anlas; das Dorf prächtig geschmückt war. Während der Schriftführer Henkel die Gäste begrüßte, hielt der Kreislriegerverbands-VorsiHende, Landrat Dr. Daniels-Biedenkopf, die Festrede und überbrachte die Glückwünsche der 81 .Miegervereine des Kreises. Das Vcreinsbanner trägt den Spruch: ,,Das Reich, errungen mit dem Schwert, im Frieden haltet's hoch und wert". Der Gesangverein Eintracht trug mehrere schöne Lieder vor. — Leider wurde die Festfreude abends 10 Uhr gestört, esl brannte in der Werkstatt des Küfers und Gastwirts Rühl. Infolge Wassermangels wäre sicherlich Groß- feucr entstanden, wenn nicht die freiwillige Feuerwehr der Stadt Wetzlar mit ihren Löschgeräten dem verheerenden Element Einhalt geboten hätte. Der Feuerwehrmann Hep- pert trug einen Knöchelbruch davon. Es ttrirb Brandstiftung vermutet.
(| Marburg, 6. Juni. Mit einer Fäßchen-Partie fand heute nach Dreitägiger Dauer das 25jährige Stif- tungs-und Fahnenweihfest der Turngemeinde seinen Abschluß. Die Feier begann am Samstag im Schloßgarten mit einem gutbesuchteil Kommers. Gestern früh fand Preis- und Schauturnen und nachmittags Festzug nach dem Siadtgartcn statt. Ansprachen hielten außer dem Vcr eins-Sprechwart Oberbürgermeister Tro je, Oberrealschuldirektor Tr. Knabe und Gaiiturnwart Will aus Gießen. Abends sührten 32 Mitglieder der Damen-Abteilung einen Reifreigen auf.
[] Frankenberg, 6. Juni. Gewaltigen Schaden richtete am Samstag in der Gemartung V ö h l ein Unwetter an. U. a. stürzte auch ein Haus ein. Viel Vieh ist ertrunken, Die Felder sind verschlammt und fortgcschwemmt.
Ich bin schon ein wenig erkältet unb wen nich nun auch noch eine Bergtour mache, bann bin ich übermorgen einfach krank. — UnsinnGegen beine Erkatlmig nimmst bu letzt gleich ein paar Fays achte Sobener Minerat Pastillen,- morgen nehmen wir eine Schachtel unten ans ber Apotheke mit unb du wirst sehen, wie brillant bir bie Partie be- fpmmt, wenn bu bic Sobener nach Vorschrift anwenbesi. Die Schachtel kostet nur 85 Pfg. (ss4,'i
VerrnrjcHres.
* Dic abgehaltene Feuerwehr. Daß die Feuerwehr bei ihrer Arbeit abgehalten wird, gehört gewiß zu den Seltenheiten In München ist das Soitbcibarc geschehen. In der städtischen Wagenhalle an der Nhmphenburgersiraße gerieten im der vergangenen Nacht zwei Schuppen in Brand. Die Schuppen und neun Anhängewagen, wurden zerstört. Bei den Löicharbeckcn hinderte eine größere Menschenmenge die Feuerwehr an der Arbeit Als diel S chu tz m a n n s ch a f t ein schritt, kam es zu T a t l i ch t e i t e n. Ein Schutzmann wurde verletzt; mehrere Feuerwehrleute wurden zu Boden geworsen und mit Stöcken ge- schlage n. Schließlich zogen die Schutzleute blank und die Feuerwehr richtete den Strahl auch gegen die Menge. Eine MilitärijMe Feuerwache sperrte den Brandvlatz ab.
Kleine Tageschronit.
festige Unwetter richteten in den letzten Tagen großen Schoden an. Von der Mosel, der Saar und aus der EiTe l treffen Meldungen über heftige Unwetter cm, die vielfach -Schaden anrichtelen. Aus anderen Teilen Deutfchlands liegen ähnliche Nachrichten vor. Vietcrorts wurden Menfchen vom Blitz getrogen. In den Kreisen Leer und Wener und in den angrenzenden oldenburgischcn Gebietsteilen vernichtete em ichroerer Hagetschlag die Roggenei nie. Der Schaden an den Gartenirüchten und Cbftbäumcn läßt sich noch nicht entfernt ab|teigen. Auf den Feldern wurden viele Hasen, Hühner und Singvögel von den E'sstückcn erschlagen. Einige Häuser sind völlig zerstört. Dem Kanal entlang sind alle Häuser abgcdeckt. Der txbaben wird auf etwa 200000 Mark geschätzi. Alle Gartensrücktc find vernichtet- Auf der Heide war das Unwetter noch viel schlimmer. Die Roggenfelder sehen wie abgcmäljt aus. Im Waadtland, per Wemkammer der Schweiz, verwüsteten Hagelwetter einen großen Teil der Wcinkultur. (m.. ,
Zwischen Ingolstadt und Eichsfcld fuhr der O-Zug München Berlin auf einen Rangierzug. Fünf' Güterwagen wurden zertrümmert.
In Dorfen iRegierungsbez. Oberbavcrn) kam es aus Anlaß der Erhöhung des Bierpreises zu schweren Aus- fchreitungen. Eine Wirtschaft wurde vötlig zerstört, zwei andere Wirtichaften und Drei Wohnhäuser in Brand gesteckt, die vollständig niederbrannten.
OrigLnaL-Drahtmeldungen.
Straßburg, 7. Juni. Bei Oberenzen ereignete sich bei der P r i n z - H e i n r i ch - F a h r t ein s ch w c r c s Automob i l u n g l ü ck, das die vorläufige Einstellung der Fahrt, zur Folge harte. Vom Wagen Nr. 57 sprang ein Gummireif ab, der Führer verlor infolgedessen die Steuerung und der Wagen fuhr gegen einen Baum. Er zertrümmerte vollständig. Zwei Insassen sind tot und der dritte schwer verletzt.
. Friedrichshafen, 7. Juni. Heute vormittag 5 UhL unternahm Gras Zeppelin einen Aufstieg. Er kreuzte über Lindau und Bregenz und kehrte dann nach Friedrichshafen zurück, über dem er mit 7 Uhr kreuzte.
Neapel, 7. Juni. Heilte nacht 3 Uhr wurde hier ein wellenförmiges, mehrere Sekunden andauerndes Erdbeben bemerkt. Auch in der Umgegend wurde das Erdbeben bemerkt; es sollen mehrere Häuser eingestürzt und auch Menschen verunglückt sein.
Paris, 7. Juni. (Priv.-Tel.) Hier herrschen hin- sichtlich der Kreta frage pessimistische Auffassungen vor. Es verlaiitet, England wolle sich auf die Seite Griechenlands stellen.
Angers, 7. Juni. Hier fand ein Flugwettfahren über 40 Km. statt. Erster wurde MatlneL in 31 Min. 35 Sek.
London, 7. Juni. (Priv.-Tel.) Die Nachrichten über den Aufstand in China sind stark übertrieben, da cS sich lediglich um lokale Vorgänge handelt.
di ich n a ta g i l s kv Gouvernement Perm-, 6. 3uni. Ein für die Kupferwcrke in Alapaiewsk bestimmter Gcldschub wurde unterwegs von Räubern übersatten. Geraubt wurden 130 000 Rubel, nach anderen Angaben 150 000 Rubel. Bon den begleitenden A n g c st c l l t c n wurde einer und außerdem ein Vorübergehender getötet.
Washington, Juni. In einer Besprechung mit dem Präsidenten Taft erklärten die Vertreter der Eisenbahnbehörden, daß sic die in Aussicht genommene Tariferhöhung nicht vornehmen würden.
Veracruz (Mexiko), 7. Juni. Tie Stadt Billa- dolid wurde von Aufständischen geplündert.
Das Aussehen erheblich.
Mainz, 11. Okt. 1909. Ich verbrauchte für einen lungenkranken Paiicnien zwei Pakete „Bioson" in ca. 4 Wachen unb erzielte da- mit eine Gewichtszunahme von 27« Pfund. Auf mein Anraten nahm der Patient noch weitere zwei Pakete unb oieses Gesarntauantum von 2 ks erzielte eine erhebliche Besserung, da starke Unterernährung vorlaa. — Die Gewichtszunahme betrug tn Den 2 Monaten, in benen das »Bioson" genommen wurde, insgesamt 5‘Pfund. Tas Aussehen besserte tich erheblich; Der müde, abgespannte Ausdruck des bleichen Gesichts niachte einer frischen Farbe Platz. Ter Schlaf wurde bedeutend besser, Appetit und Verdauung normal, und kann ich Ihr „Bioson" jedem, der einer Stärkung der Nerven und des Körpers bedarf,nur stets empfehlen-Hochachtungsvoll: Julius Stern, Oberpfleger, zur Zeit Inspektor des Krankenhauses Neue Muhle b. Cassel. Unterschrift beglaubigt Justizrat Dr. Ernst Arnthal, No. Bioson ist das beste und billigste Kräftigungsmittel. Paket 3 Mark in Apotheken, Drogerien. Man srage seinen Arzt.
Bei einer Seefahrt der Liedertafel in 3 eil am ece fenterte cm Gefährt. 25 Mann stürzten ins Wasser; vier sind ertrunken, vier andere schwer erkrankt. .
Aus einem Neubau in Rotterdam stürzte cm Aufzug mit icbcn Arbeitern ab. Drei waren sosort tot, wahrend )ic übrigen schwer verletzt wurden.
handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
Berlin, 6. Juni. Ein Internationales Konsortium, Dem von Den Deutschen Bankfirmcn die Tiskontogesell- chast, die Berliner Handelsgesellschaft, die Natwnalbank für Deutschland in Berlin, die Norddeutsche Bank, das Bankhaus M. M Warburg u. Co. in Hamburg angeboren, übernahm von der Southern Pacific (Somuantj 2 5 Millionen Dollars durch erste Hypothek gesicherte 4 P r o z. vierzigjährige Geld- bonds. Die Emission und Kursnotierung ist auch an den deutschen Börsenplätzen beabsichtigt.
M e tz, 6 Juni. Der Vorstand des Verbandes für Kanalisierung der Mosel und der Saar saßtc tn seiner gestern hier abgehaltcncn Sitzung eine Entschließung, in der zunächst das Bedauern Über die zurzeit die Saar- und Mosel- kanalisierung ablehnende Haltung des prcußisten StaatSniüu' stcriums ausgesprochen wird. Tic Dafür vorgedr achten Gründe pes Jntcresscnwidcrstrcitcs der niederrheinisch-weftfälischen und dec südwestdeutschen Eisenindustrie, sowie der Besorgnis vor ^lus- fällen in Den Einnahmen der Staatseiseubahuverwaltung könnten, in keiner Weise als zutreffend anerkannt werden. Reichstag und Bundesrat werden sodann gebeten, dem Gcsctzentwurse über die Einführung von Schissahrtsabgabcn nur dann zuzustimmen, wenn Mosel und Saar bei der Bildung der Zwcckverbändc berücksichtigt und ihre Kanalisierung festgelegt werde. Beim Laudesausschusfe und bei dem Statthalter von Elsaß-Lothringen wird der Vorstand dahin vorstellig werden, daß in Der Beschränkung des Ausbaues der Mosel aus die Strecke Metz—Diedcnhofen, selbjt Tür 600 Tonnen-Schiffe, eine besricDigende Lösung nicht erblickt werden kann, eine Kanalisierung mit geringerer Abmessung sür die spätere Durchführung des GesamtuMernchmens aber nur als schädlich betrachtet werden müsse. Schließlich soll das Großherzoglich Luxem- burgücbe Staatsministerium dringend! um möglichste Förderung der Kanalsache angegangen werden.
ticren auf Strohschütten in Schulräumen, auf alten Burgen unb unter freiem Himmel. Und wir hörten, wie reich beloben an Erinnerungen sic bann heim kommen, wie sie selbständig werden und Augen und Ohren össnen lernen für all das Schöne und Wertvolle, was Draußen zu finden ist. Zum Schluß sang der Sänger nochmals und mußte mehr fingen, als er wollte, so gut hatte er seine Sache gemacht und zu allerletzt sangen die Wandervögel zusammen ihr Schlußlied: Ade zur guten Nacht. — Sonntags Drauf war eine größere Fahrt geplant, Eltern unD Freunde ollten sehen, wie schön es ist, einen Sonntag lang Draus herum zu ziehen, frei von allem Zwang, von aller Konvention, Die Stabt unD Gesellschaft sorDern. UnD Alt unD Jung lag lange in einem verlassenen Steinbruch beisammen. Dort rourDc an einigen Feuern gekocht unb gerührt. Drüben saßen ein paar mit Fiedel und Zupsgeige und die Steinmanen und Waldbcständc verstärkten ihre alten Volkslieder, die bald traurig leise, dann wieder luftig bewegt dahinklangen. Und bann wurde sogar Theater ge- pielt und Hans Sachs' „Fahrender Schüler" bewährte auch hier eine Kraft, wo er mir besser hinzupassen schien, als auf die Bühne und in den Saal. Inzwischen hatte der eifrige Koch den Kassce fertig gemacht, Kuchen wurde ausgepackt, und man sah die einzelnen Gruppen eifrig besck-ästigt. Und dann wurde gesäubert, und bie Jungen tollten und spielten noch eine Weile zur Freude der Alten, die am Waldesrand im Schatten lagen und sich der Ihren freuten. Und schließlich gings heim mit Liederklang und Lautenspiel, mit Fiedel- und Querpfeisenbegleitung. Ta mag sich mancher Spaziergänger gewundert haben über den bunt zusammengewürfelten Haufen luftiger Menschenkinder, die lachend und singend in Gießen einzogen!
Da ging auch manchem, der Mitwandemden auf, wie schön es doch heule unsere Jugend hat, und mancher mürbe stolz barauf, mit beizutragen, unsere Jugenb zu gefunben unb kräftigen. Unb mancher Vater läßt seine Kinder jetzt doppelt gern mit hinausziehen, ter gejehcii hat, wie fein da draus Groß und Klein, Bruder und Schwester miteinander jung siird und sich freuen, wie Die Kleinen lernen und abgucken unb bic älteren geübteren Wandervögel, ohne zu wollen, zum Vorbild werben, wie sich ba eine Trabition bilbet, die alles unschöne und ungesunde abstößt. Und mancher merkte auch, warum auch auf größeren Wanderungen jeder, ob Groß ober Klein, Nutzen nnb Befriedigung hat, wenn sie sich durch häufige gemeinsame Waiiderungen kennen und sckstitzen gelernt haben. Und wenn auch in der Regel bie Jugenb allein hinauszieht, wenn bic Wandervögel auch stolz darauf sind, aus eigener Jugendkrast sich durchzuschlagen, so waren sic doch froh, auch einmal den Eltern zu zeigen, wie schön cs da draußen ist unb warum sie so gern mittippeln, unb auch bic Mitglieber ber hiesigen Ortsgruppe waren bankbar bat'ür, baß sie einen Einblick in ben praktischen Wandervogelbetricb haben tonnten, ber leicht burch einseitige ober übertriebene Schilberung ber Jüngeren unb Jüngsten Außenstehenden einen unangenehmen, mindestens ungewohnten Eindruck machen kann.______________________ P- E.
Die Prinz-Heinrich-Fahrt.
Straßburg i. E., 6. Juni. Von einem zahlreichen Publikum seit Stunden erwartet, traf der erste Wagen, vom Prinzen Heinrich selbst gesteuert, nm 5 Uhr 5 Min. am Ziel der Kleinen Rlfcinbrücke ein. Hinter dem Wagen der Oberleitung kamen als erste die Wagen Nr. 72 Leuschner-Eharlottenburg, Nr. 2 Flinsch- Frantsurt, Nr. 3 Forchheimer-Nürnberg, Nr. 5 Ninaud-Mann- l)ciin, Wr. 9 Frankl-Wien hier an. Ohne Aufenthalt fuhren die Wagen zu den Schuppen, wo sie bis morgen früh eine stunde vor der Abfahrt unter Verschluß bleiben. Bei der Fahrt durch Die viclsach beflaggten Straßen wurden die Fahrtteilnehmer lebhaft begrüßt. Prinz Heinrich ist im Statthalterpalast beim Grafen von Wedel abgestiegen. Der Start sür die morgige vorletzte Strecke Straßburg—Kolm ar—Zabern—Metz, 334,8 Km., ist morgen früh 6 Uhr ab auf ber Kolmarcr Landstraße in Neudorf.
Unfälle.
Straßburg,6. Juni, lieber die ans der heutigen Fahrtstrecke vorgeko.nimenen Unfälle sind bis abends 8 Uhr 20 Mm. folgende Meldungen cingelaufen: Nr. 19 O. Buchloh-Berlin mit den Vorderrädern in einen Steinhaufen geraten, Eintreffen zweifelhaft; Nr. 53 Robert Voigt-Tiisscldorf Weiterfahrt auigegeben, Federbrnch bei Nußbach; Nr. 97 Raymer Gahry bei Simmers- dorf, Wechsel der Zündkerzen; Nr. 99 W. Neichftein-Branch'nbiirg a. H., Wagen abgebrannt; Nr. 117 Bernhard ^töwer-^lettin, Ventile ausgewechsett' Ankunft vor Zielschlnß zweifelhaft. Außerdem sehlen zurzeit noch Nr. 116 und 118.
<5cridH5faaL
R. ß. Darmstadt, 6. Juni. Das Schwurgericht begann heule mit der Verhandlung gegen den 23jährigen ledigen Alonteur ValenNn B r e r d e r t von Ofsenbach wegen Totschlag- versnchs, Brandstiftu n g und Diebstahls. Der'Angeklagte halte am 3. April d. I. in Abivesenheit seiner Ellern aus einem verschlossenen Nähtisch zwei Füniziginarkscheine entwendet und bis uni 40 Alk. verpraßt. Darüber entstand mit seinen Ettern Streit, wobei der Revolver eine Rolle spielte, und schließlich legte der Angeklagte im betrunkenen Zustand Fencr an in der Wohnung feiner Eltern, wornni er sich in den Hoi begab imö schlief. Rach sehr umfangreicher Verhandlung wiuDe der Angeklagte wegen Diebstahls, Brandsliftimg mib Bedrohung zu 2 Jahren 6 Atonalen Z n ch t h a u s , abzüglich 1 Monat Unlerjuchungshaft, und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.
Flensburg, 6. Juni. Ter Redakteur Thomsen uom .Apenrader Hejindal" wurde von der hiesigen Strafkammer wegeii B e 1 e i d i g n >l g des L a n d t a q s a b g e o r d n e t e n D r. Schifferer zu 500 9)1 art Geldstrafe verurteilt. Tic Beleidigung wurde in der Erwiderung des Blattes auf eine von Schifferer im Abgeordnetenhaufe gehaltene Rede erblickt, in der jh,n Unzuverlässigkeit und Leichtfertigkeit zum Vorwurf gemacht wird.
Zwei Tage wandervogelleben.
Am Samstag hatte ine hiesige OrtsgruppedesWander- Vogels Freunde ihrer Bewegung zur Feier ihres zweijährigen Bestehens zu einem Lichtbilder Vortrag eingeladen. Feme alte Volkslieder erklangen zur Laute, bevor Dr. Werte aus Darmstadt seinen Vortrag: „Zwei Tage Wandervogelleben" begann. Er bot mehr als dies. An der Hand sehr schöner Photographien sprach er über diese ganze Bewegung und er verstand es, der zahlreichen 5)örcrschafl ein lebendiges Bild vorn Leben und Treiben ber Wandervögel zu geben. Wie sich Gymnasiasten ernst selbst aufmachten aus Dem Hausermcer ber Großstabt, Luft unb Sonne zu suchen, burch Walb imb Wiese zu streifen, L-anb unb Leute kennen zu lernen, Teutschlaiid zu schon und deshalb zu lieben. Wie sic Dann, von dem Wert ihrer Fahrten und Wanderungen burchbrungen, für ihre Jbec wirkten unb arbeiteten, und wie sich hieraus bic beutsche Wanbervogelbewegung entwickelte, groß und gesunb, eine bewußte Reaktion gegen Kneipwcsen uiid Pennälcrblasicrthcit. Und dann zogen im Bild an unS oorbei die lustigen Gesellen, au er durch Wald mrd Wiese, über Berge u. Bache; wir sahen sie ums Feuer liegen und kochen unb schmoren, wir sahen sie in alten echten Bauernstuben sitzen unb smgen, sahen )ie in bem feinen Heuschober eines Pfarrers liegen und in Notquar-


