Urlaubs nicht wieher rm Reichskolonialamt erschienen. Das De- misfivnsgesuch dürste schon zu Anfang vorigen Päonats ein gereicht worden sein. Ten Grund für das Temissionsgesuch dürfte man in erster 2inic darin zu sehen haben, daß Dernburgs allgemeine politische Anschauungen von denjenigen, die heute nt der Regierung sowohl des Reiches wie Preußens maßgebend sind, durchaus abweichen.
Die „Freisinnige Zeitung" schrerdt:
Bisher hat Ternburg siegreich alle Attacken seiner zahlreichen Gegner zurückgeschlagen. Gegner hatte er in Fülle. Wir wollen es bei Leite lassen, ob er mit Recht oder Unrecht den Gouverneur Schuckmamn kaltgestellt hat, ob der Kommandeur der Schutztruppe (Lsliorff .seinevvegen aus der Schutztruppe ausgetreten i)t; aber das ist klar, daß man in einem Gebiet, das fern von der veinrat liegt und das unter jahrelanger Mißwirtschaft der Verwaltung außerordenUich gelitten hat, nur dann wirksam durchgregen mw Positives schaffen kann, wenn man ganze Arbeit macht. PaS hat Ternburg versucht, und er hat vor allem versucht, kaunnannlsche Grundsätze in der verfahrenen Verwaltung zur Geltung,zu bringen. Tas ist ihm von vielen Seiten verdacht worden, besondersvon „Freunden des Alten", die sich aiischeincnd nach den lammerlichen Zuständen zurücksehnen, die vor 'iKernburg in unserer Koloniad- wirtschast herrschten. Noch in der letzten Zeit hat der ^>taatS- etretär die Angriffe Erzbergers und der Farmer glücklich zuruck- gewiesen und es war ihm sowohl in der Kommission^nne un »Reichstag gelungen, ziemlich alle Mitglieds auf seure »eite zu bringen Tie Angriffe hörten aber außerhalb des Parlaments nicht auf, und so sah sich Ternburg genötigt, in der „Nordd. Allg Zeitung" eine längere Verteidigung zu verossentlichen Anscheinend mar dies sein letzter Versuch, die Stellung, die — unbekannt auf welche Weise — untergraben wurde, zu beseitigen. Man könnte, falls sich die Nachricht vom Rücktritt ^-ernburgs bestätigt, beinahe daraus folgern, daß ein Minister, der aus einem schweren und persönlich zugespitzten Kampfe als Sieger hervorgeht, fallen muß, während Minister, die besiegt werden, fest sitzen.
Unser Mitarbeiter in Köln sendet uns folgenden Draht- bericht:
Köln, 7. Juni. (Priv.-Tel.) In hiesigen Kolo- nialtreisen wird versichert, daß dicDernburgkrise schon längere Zeit andauere. Ternburg fühlte sich als eifriger Anhänger der Blockpolitik Bülows in der letzten Zeit nicht mehr wohl. Differenzen auf kolonialem Gebiet liegen in kein er Weise vor und auch mit dem Reichskanzler war das Verhältnis Dernburgs andauernd gut. De^ Kaiser hat das Entlassungsgesuch noch nicht signiert. Tie von verschiedenen Seiten gemachten Versuche, Ternburg zum Bleiben zu bewegen, werden ohne Erfolg fein, da er in Zukunft sich jeder politischen Tätigkeit enthalten will. —
Aunst, Wissenschaft und Leben.
— Wie Prinz Lulu starb. Ueber das tragische Ende des Prinzen Lulu, des Sohnes Napoleons III.,. ter un ^ahre 1879 in Südafrika unter den Speeren inti) Meilern der Zulus den Heldentod fand, erzählt der^Aissionar Rousitt, der nach fahr- zehntclanger Missionsarbeit in Südafrika zum ersten Male wieder nach Frankreich zurückgekehrt ist, einige mtereiiante Einzelheiten. , Am ersten Morgen erhielt eine Herne Abteilung «iglischer Soldaten unter dem Befehl des Leutnants Caroy den Befehl, einen Kundschafterritt anzutreten. Der iunge Napoleon erhielt die Erlaubnis. sich dem Detachement anzuschlietzen. Nach entern Jtitt von mehreren Stunden wurde in der Nahe eines Sturzbaches Halt und Rast gemacht. Als man dann un Begnn war, wieder auszubrechen und gerade in die Sättel steigen wollte, wurde der kleine Trupp plötzlich von enter Schar von Zrckukrtegern überfallen, die sich unbemerkt herangeschlichen hatte. Der engltiche Ofttzter war unbesonnen genug, den Ruf auszuswßen „Rette ich wer kann"' dann ritt er im Galopp davon und kümmerte sich nicht weiter' um das Schicksal seiner Untergebenen. Er wurde auch später vom Kriegsgericht zu einer langen Kerkerftrafe verurteilt, verlor den Verstand und starb in entern Jrrenhauie. Das feurige Pferd des Prinzen bäumte sich bei dem plötzlichen Lärm aus, Seute und sträubte sich. Die Soldaten urnrcn mzimlcheii au und davon. Der Prinz ritz den Sabel aus der 'Scheide und mck dem Revolver in der Linken trat er den Zulus entgegen. Aber die auf ihn geschleuderten Speere und »ckstvetter waren zu.zahlreich: er brach sterbend zusammen, nachdemer mehrere Feinde niedergestreckt hatte. Ein englische- DetachemeM, das nad)ber ausgesandt nmrbc, um die Leiche zu bergen sand den Körper des Prinzen von 18 tödlichen Wunden durchbohrt. Die ZtMs glaubten in dem Prinzen emen dnglischen Oftizier zu toten. Als sie später die Wahrheit erfuhren, zeigten sie Schmerz und Trauer uiid einer ihrer Häuptlinge, der an dem Uebersall tellgenommm hatte, iibernahm es, bis zu lemem Tode das Heute Grabdenkmal zu bewachen urck> zu schützen, das an der Stelle errichtet wurde, wo der Sohn des letzten Kaisers der Franzosen im Kampfe siel...
— Ein Lustspiel von Tolstoi. Leo Tolstoi hat, wie der „Gil Blas" berichtet, seinen Freunden eine Ueberraschung bereitet durch die Mitteilung, daß er ein dreiaktiges. ~UitiPtei
Der päpstliche Hirtenbrief.
Das preußische Abgeordnetenhaus beabsichtigt, die Vorlage über die Erhöhung der K r o n d o t a - tion am Dienstag, die Anfragen über den päpstlichen Hirtenbrief am Donnerstag oder Samstag zu beraten. Die Beantwortung der Anfragen wird, wie verlautet, der Minister prüf ident selbst übernehmen. Wie wir ferner hören, hat der Kaiser ausdrücklich eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten über die Hirtenbrief-Anfragen gewünscht, auch sind schritte emgeiei» tet worden, um mit der preußischen Gesandtschaft am Vatikan Fühlung zu nehmen, anscheinend um eine Meinungsäußerung des Vatikans herbeizusühren.
Tie „Kreuzzig." antwortet auf die auch von uns wieder- gegebenen Ausführungen der „Köln. Volksztg." und meint:
3a, wohin sollen wir kommen, wenn das Oberhaupt der katlw'lisch'en Kircke, der es nttgend so gut geht wie in dem vor- nxeqenb evangelischen Deutschland, eine Gelegenheit vom Zaune bricht, um die konsessionelle Erbitterung wachzurufen, Die aus evangelischer Seite kaum nochvorhanden war'. Die Erbitterung richtet sich zwar in erster Linie gegen den Papst und feine Ratgeber. Aber seit dem Unfehlbarkcttsdogma ist schwer zu unter»
Dernburgs Rücktritt.
Eine völlige Ueberraschung bildete gestern abend die Verbreitung einer Meldung des Wolffschen Bureaus, wonach der Staatssekretär Dernbitrg fein^A bfchiedsgesuch eingereicht Habe. Die Meldung, die wir alsbald durch ein Extrablatt in der Stadt fcetarait machten, lautete:
München, B. Juni. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" wollen aus rhernisckieii Koloniatkreisen missen, daß dort mit großer Bestimmtestt die Nachricht auftrete, Staatssekretär Ternburg habe sein Abschiedsgesuch etngcreid)t und werde schon in der nächsten Seit aus dem Kolonialamte scheiden, ohne eine andere amtliche Stellung einzunehmeiu Tas Wolfssche Telegraphen-Bureau konnte bisher eine eigene zuverlässige Information über diesen Gegenstand nicht erlangen.
scheiden zwischen Papst, Kirche und Gläubigen, und eben darum richtet sich die öffenttiche Aufmerksamkeit so inten,id au| bieten Vorstoß gegen die evangelische Kirche, die hier nut allen bestritt- ttocn Ntäcksten der Vergangenhett und Gegenwart geradezu wen- ttfiziert wird. Die Sache floht se hr, sehr übel, und> es hat gar keinen Zweck, davor die Augen zu ver,chließrn. ~3*.nn der Papst nicht eine versöhnende Anter p reta11on )einer Worte gibt, „wohin sollen wir dann kommen! Wir^ selber und überzeugt, daß in der ganzen katholischen Kirche Deutschlands, außer einigen weltfremden Heißspornen niemand die beleidigenden Stellen der Enzyklika büligt: wir kennen Bischöfe und Laien, die als „ultta-uttramontan" verschrieen sind und die doch sagen. ,Ln der Hauptsache sind wir mit euch Evangelischen euug: wir wollen alle durch Jejum Ehristum zu Gott kommen. Abei das Unsehlbarkeitsdogma ist ein Wall, der uns tote als Christen, so eines Tages auch als Menschen gatiz voneinander trennen kann. Wenn fein Katholik es wagt, dies dem Papste zu Gemüte zu führen, so dürfen doch die interkonfessionellen Parteien und die Regierungen aus politischen Gründen nicht schweigen
Im ultranrontanen Lager selbst machen sich auch leise Stimmen bemerkbar, die vorsichtig den Wunsch ausdrucken, die erwähnten Stellen des Hirtenbriefes mochten lieber unterblieben sein. So schreibt die „Augsb. Postztg." in
Das klang etwa»; geheimnisvoll, aber da die Hauptstelle des amtlichen Wolff'schen Bureaus in Berlin ihren Sitz har, wo sie sicher Gelegenheit hatte, eine Bestätigung oder Nichtbestatigmig Ku erhalten, so mußte man auf Wahrheit schließen. Bis zur Stunde liegt eine amtliche Aeuße- rung noch nicht vor, und wenn die Meldung falsch wäre, würde sie längst widerlegt fein. Dernbnrg will also gehen. Warum aber? Darüber steht noch nichts Gewisses fest. Man nimmt an, daß die zahlreichen Widersacher des Staatssekretärs, namentlich in der südwestafrikanischen Kolonie selbst, ihm das Leben allzu sauer gemacht haben, andererseits rät man auf neue Vorstöße des Zentrums, und in der linksliberalen Presse, so der „Franks. Ztg." und dem „Berliner Tagebl." sickert die Ansicht durch, es werde Herrn Ternburg in der „reaktionären" Gesellschaft des gegenwärtigen Regierungssystem nicht mehr gepaßt haben. Am nächsten liegt es wohl, an die letzten kolonialen Streitfragen selbst zu denken, die ja die fehlen parlamentarischen Sitzungen in ungewöhnlich hohem Maße beschäfttgt haben. Hat der Vertrag mit der südwestafrikanischen Gesellschaft Henn Ternburg doch den Hals gebrochen'? Im Reichstag waren seine Ausführungen geschickt und überzeugend gewesen, und der Sieg schien ihm sicher zu {ein. ■oCber in Südwestafrita gärte es weiter, und man erinnert 1>.ch, wie bitter Ternburg sich darüber beklagt hatte, daß fernen eigenen Untergebenen in Südwest gegen ihn der Rücken gestärkt werde. Welche neuen Auseinandersetzungen haben seitdem hinter den Kulissen ftattgefunben? Es liegen bisher nur spärliche Meldungen vor:
Berlin, 7. Juni. Die Morgenblätter melden aus Berlin: Obgleich über das Abschiedsgesuch Dernburgs noch nichts entschieden ist, was angeblich erst nach dem Schluß des Preutzisck>en Landtages zu erwarten steht, wird als fein Nach folger der Unlerftaatssekretär im Reichskolonialamt v. Lindequist genannt.
Der „Rheinisch-Westf. Ztg." wird aus B e r I i n berichtet:
Zu der Meldung der „Münchener Neuesten Nachrichten", die über ein eingereichtcs Abschiedsgesuch des Staatssekretärs Dern- burg Ausdruck gibt, erfahren wir auf unsere Anfrage im Reichskolonialamt, daß dort von einem derartigen Geiuch nichts bekannt sei. Andererseits wurde indessen unserem Vertreter außerdem die Auskunft, daß Exzellenz Ternburg seit einem vor etwa drei Wochen angetretenen Urlaub keinerlei Fühlung mehr mit dem Reichskolon i a l a m t unterhalten hat. Ta sich Staats,ekretar Dern- bürg selbst augenblicklich in Berlin befindet und eme Ansraae leinen Rücktritt betreüenb mit dem Hinweis ablehnte, daß er außerordentlich beschäftigt sei, kann mit <mcherheit mit einer baldigen Demission des Staatssekretärs gerechnet werden.
Auch die „Köln. Ztg." kann nach Kenntin- der Sachlage die Ncachricht der „Akünchener Neuesten Nachrichten von dem Abschiedsgesuch des Staatssekretärs Ternburg als richtig bezeichnen, und im „Berliner Tageblatt
D^W. T. B. gibt diese Nachricht nur unter Vorbehalt. Wir glauben indessen, lägen zu können, daß sie den Tatsachen entspricht. Staatssekretär Dernburg hat am l5 Mai einen vierzehnlägigen Urlaub genommen. Er ist auch nach Ablauf dieies
geschrieben habe. Der Gedanke kam ihm, als er einer Vorstellung in einem Provinzthcatcr beiwohnte und beobachtete, einen roie großen Eindruck »eine komische Handlung au, ein naives Publikum machen kann. In zwei Tagen hatte er das ganze --ustipiel heruntergc,d)rieben. Einen Xitel hat es noch nicht, undttion, dem Inhalt ist nur soviel bekannt geworden, daß ru,si,che xorpitten darin verspottet werden. 3 .
_F1 u g in a s ch i n e n und Bomben. Aus Newyork wird berichtet: Ter jüngste «prächtige Flug, den Eurttß von Albany nach Newyort ausgesühn hat, Hai das Mißtrauen der Amerikaner den Flugapparaten gegenüber er,anutert. Aas Jn-erefte und die Neugier der Allgemeinhett ist mit einem schlage geroetft unb ihrem Wesen getreu setzen die Amerikaner dm,en Meinungs- umschwung sofort in die Tat um. Zahlreiche Prei,e Nud alsbald gesttftet worden. Noch im Laufe des Ium veranstaltet der Staat, der seine abwartende Haltung nun ab,Neist, m Chmta- noogn in Tennessee große praktische Uebungen, dm wwohl dm Verwendbarkeit der Flugmaschine für den militari,chen Kundichafter- dienst zum Gegenstand haben als auch dm Moglichkett, dm,e als Angriffswaffe zu verweiiden. Xie Luttsahrzeuge ,ollen daraus- hin erprobt werden, ob sie Bombenlasten von -,00—300 Psund bei einer Geschwindigkeit von 4o—50 englischen ..teilen mit füfi führen können und vor allem, ob der erlieg er imstande ist, aus größeren Höhen beftimmte Ziele durch Bouwenwurs zu erreichen. Große Zielanlagen roerbeit ge,chas,en, die Forts, Gebäude, Brücken imb marschierende Truppen darsteHen', an ihnen sollen die Flieger ihre Zielsicherheit erproben Der ttlleger Eyailes Hamilton hat es übernommen, von einem Cur sitz-Zroeid«rer aus mit 75 Pfund Bomben diese Ziele M treffen, wahrend der LeulnaM Foulois vom Nachrichtenkorps den Kundichasterdienst mit der Flugmaschine aus führen will. Diese von der Armee veranstalteten Ver,uche werden sofort im größten 'Stile angelegt, denn ihr Biel ist, die oberste Heeresverwaltung von der Brauchbarkeit der Zugmaschinen zu überzeugen. Tenn die Herren m ^ifnngton ,uit> immer noch mißtrauisch; sie stehen out dem ©tanbpunft, ba| ter Flieger während des Fluges mit der Steuerung unb uer Erhaltui^ des Gleichgewichtes so vollkommen. in Ampruch genommenist, daß er weder die Zeit noch die Gelegenheit und .Willenskwsil aufbringen kann, als Bombenschütze gutes zu leisten. Mtt großer ßtzanwmg sieht man diesen Versuchen entgegen, dm zugleich
von Kannibalen ermordet.
Berlin, 6. Juni. Nach telegraphischem Bericht des Gouverneurs von K a m e r u n ist Kaufmann B r e t s ch n e i - der mit siebzehn Trägern bei Sef an der Straße über die Vorzüge unb Nachteile der Wrigytschen Maschine und des Broeideckers von Cuttiß ein Urteil herbeibringen sollen. Leutnant Foulois, der die Wrightrnaschine leitet, ist beim Statt an eine Schienenvorrichtung gebunden, die die kriegsmätzige Verwendbarkeit der Wrightschine berringert, weil im Kriegszustand die Beförderung der Slartrnajchine Schwierigkeiten bereitet. Die Curtiß- maschine dagegen erhebt sich nach einem kurzen Laufe über die Erde von selbst in die Lüfte, sie fliegt außerordentlich ,dmdl und konnte also auch bei Erkundungsfahrlen ohne größere Umstände landen, um neue Petroleum- oder Benzinvorräte aufzunehmen, und dann wieder sofort tert Flug fortsetzen.
— Eine „Lebende Zeitung" ist die neueste Errungenschaft. Aus London schreibt man uns darüber: Tas neue journalistische Unternehmen besteht aus einem Kinemalographen- silm der, wie es heißt, in derselben Weise redigiert wird wie eine illustrierte Zeitung und bereits von „mehr als 10 Millionen Menschen" gesehen roitb. Tas wäre allerdings eine sehr hohe Auflage", und es ist auch leicht möglich, daß die „Lebende Zeitung" wirklich einen derartigen — darf man sagen Leserkreis hat, denn allein in London gibt es 500 Kinematographen- theater, in denen, die „Zeitung" erscheint. Ter Redakteur der Zeitung hat dm alten Methoden ausgegeben und sich dem „lebenden" Journalismus zugewentet. Er hat ferne Mitarbeiter an allen größeren Plätzen, und wie ter „altnrodische Redakteur" seinen Berichterstattern den Auftrag gibt, eine Spalte über Roosevelt, ober was immer das Tagesereignis sein mag, zu schreiben, so drahtet Mr. Steer seinen Leuten „Senden Sie mir 50 Meter Roosevelt". (Schrecklicher Gedanke!) Ter Journalismus war niemals eine ruhige Beschäftigung, weder für den Zeitungsmann selber noch für feine Leser, aber wenn die Zeitungen „lebendig" werten, so torrb das Leben doch etwas zu lebAift.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Die Königliche Porzellan Manufaktur in Meißen beging heute in Anwesenheit des Königs, des Prinzen und der Prinzessin Johann Georg und der Prinzessin Mathilde, sowie der Spitzen ter Staats- unb städtischen Behörden die Feier ihres tzv(-fähigen Bestehens.
Nr. 125 vom 5. Juni: .....
.Trotztem kann man es tegreiftich sindeii, wenn auf protestantischer Seite das Urteil der Enzyklika über ten Ursprung unb bie Väter bes Protestantismus schmerzlich empfunden wirb. Wir glauben auch, unserer Treue und Anhänglicistcii gegen ten heiligen Stuhl nichts zu vergeben, wenn wir..meinen, es hatte sich vielleicht eine andere, mildere Fanung für die betreffende Stelle hüten lassen, die bei allem Festhalten an ter prinzipiellen. Ausfassung ter katholischen Kirche von ter Reformation den Empfindungen unserer prolcstantischen Bttider weniger schmerzlich gewesen wäre. Daß der heilige Vater Pius X. bei 1 einer bekannt en milden Gesinnung, feiner kiesen Frömmigkeit uiid großen Friedensliebe die ProtestaMcn absichtlich habe verletzen nwllen, ist ganz ausgeschlossen. Aber das prinzipielle Recht muß der kathollfchen Kirche unter allen Umständen zugestanten werden, dm Rewr- mation, ihren Ursprung und ihre Väter vom katholischen Stmid- punkt aus zu beurteilen, mag dieses Urteil den Proteftantc.n aUC^ D^c^Bä'tter melden ans Berlin: Zu den Anfragen Wer den Hirtenbrief wird das Zentrum eine kurze ^Erklärung im Mgeordnetenhause abgeben, worin ey ote Zuständigkeit desselben zur Beurteilung einer innerkirchlichen Angelegenheit bestreitet.
Frankfurt a. M., 6. Juni. Am nächsten Montag abend wird hier eine allgemeine Kundgebung gegen den Hirtenbrief des Papstes stattfinden, in der als Redner aor- steseheii find Vertreter der theologischen Linken, der Mitte unb Der Rechten. Tie Redner sind Tr. Förster, Dr. Dechen t und Julius Werner. Tie Veranstaltung gehl vom Evangelischen Bund aus und richtet sich an alle Protestanten Frankfurts. *
Rom, 6. Juni. Der Papst empfing im Konsistoriumssaal dreihundert Pilger aus Berl i n un d ander e n p r eu- ßischen Orten. Auf die von Pfarrer S ch erd t we il er- Berlin verlesene Huldigungsadrcfse antwortete ter Papst mit einer Dankansprache, in der er seine Freute über dm Anwe,en- teit seiner lieben Söhne aus Preutzen mit dem Wunsche ausdruätc, daß sie ten vom heiligen Bonifatius gepredigten lebendigen Glauben aufrechterhalten möchten. Er sei glücklich darüber, was er von dem kürzlich in Rom eingetroftenen Patriarchen ^Jerusalems gehört habe, wie bas deutsche Volk unter der Führung «eines Kaisers unb seiner Fürsten ben heiligsten »statten ber Ghrtftenteit berebte Huldigungen bargebracht habe Der Papft «chlotz, rntem et ben Segen Gottes auf den deutschen Kauer, die kauerliche Familie, die Kardüiäle Fischer und Kopp uiid das deutsche Volk herabrief. ___________________
Nr. 130 Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 7. Juni 1910
Ter Siebener Anzttg« Ä • m^natück75ettel-
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lArtschaftlich«Seitftagen W ■ K Wr ” * ” ■ V ~ CHesredakteur:A.Goetz.
..sprech-An,chlüjl°: O SSÄ.
MU General-Anzeiger für Oberheffen MW
<ür die Tagesnumm?c Rgtatwnsönlck und Verlag der Vrühl'schen Unw.-V«ch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck.
bis vormittags 9 Uhr. ____


