Ausgabe 
5.11.1910 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 260

Zweitez Blatt

|60. Zahrgang

Eichener Anzeiger

Erschein! tLgllch mtt Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gbrrhesien

DieSlltzenn LamiltenblLtter- werden dem ^Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Krdsblatt für de» Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monaUich zweimal.

Samstag, 5. November WO

RotaNonSdruck nnd verleg der Srühlachen UniversuälS - Such- and Stetndruckerei.

8t Lang«, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strotz« 7. Expedition und Verlag: ea® 6L lU^afiiorce^iia. TeL-Adr^ An-ngerSiebeu.

Vorstellungen öer vürgermeisterei Siesten im Ausschuß der hessischen Zweiten Kammer.

Darmstadt, 4. 9iov. Der Son de raus schuß der Zweiten Kammer für die Beratung der Verwal- Lungsgesetzcevision beendete in seiner heutigen Sitzung die Beratung über die Gesetzentwürfe, betr. die Stabteordnung und die Landgemeindeordnung. Den Ge­genstand einer eingehenden Aussprache bildeten heute zwei Eingaben der Bürgermeisterei Gießen und des Landesverbandes der städtischen Beam­ten (Sitz Worms). In der Eingabe aus Gießen werden zahlreiche Einwendungen gegen die einzelnen Bestimmungen der Borlagen erhoben, nachdem zuvor ausgesührt worden ist, daß die neuen Gesetzentwürfe keine seyc wesentlichen Fortschritte gegen den bisherigen Zustand brächten. Die Eingabe wünscht auch dringend, dag die Verabschiedung dieser Gesetzentwürfe bis zur Erledigung dec geplanten Neorganisaiion der Staatsverwaltung zuruckgestellt werden möchte. Dieser Standpunkt wurde von der Ausschußmehr- heit nicht geteilt. Im eürzelnen wünscht die Bürgermeisterei Gießen, daßdieGenehmigungderOrtssatzungen nicht dem Staatsbeamten, sondern der Seid,Verwaltung, d. l hier dem Provinzialausjchuß, übertragen werden möge, wie dres auch in Preußen geschehen sei. Die Eingabe wendet sich weiter u. a. gegen die Bestimmungen des Ar- trtelS 65 und fordert, dog, wie jede panamelliurische Kör­perschaft, so auch die Skadtverordneteuversammlung, be­fugt sein soll, das Prüsungsrecht über die Gül- tigkert der Wahl der Stadtverordneten aus- zuuben. Dies Verlangen entspreche der Wurde und dem Ansehen der Stadiveroronetenversammiung und sei auch in Preußen den Stadtverordneten zugebilligk, Nachteile da­gegen seien bisher in keiner Weise hervorgetreten. Wei­tere Forderungen der Eingabe beziehen sich auf den besseren Ausbau der Rechte des Bürger­meisters n. a. ul Im Artikel 162 wird bestimmt, daß die Neubesetzung des Stadtrechners der Genehmigung des Kreisrats bedürfe. Eine solche G e n e y ui i g u n g sei überflüssig und für das .Ansehen der Städte schädlich; die Stadtverwaltung werde selber am besten die Qualls Nation solcher Beamten zu be­urteilen in der Lage jein. Weiter heigt es in der Eingabe, daß die in der Vorlage beibehaltene Kassenprüfung durch die Obecrechnungstammer nach den Er­fahrungen der Bürgermeisterei Gießen für die Städte gar leinen Wert habe. Zu Art. 167 wird gefragt, warum oas Formular für den städtischen Voranschlag der ministeriellen Genehmigung bedürfen solle, und zu Aru lu9 wird betont, daß die ltebersendung eines Voranschlags nebst Beratungs- Protokoll und Beilagen an den Kreisvorsland viel Schreiber­arbeit erfordere uno lediglich Formsache sei, b.. vom K'reis- amt am Voranschlag der Städte doch nichts geändert weroe.

Zum Schluß wendet sich die Eingabe noch gegen ver­schiedene Bestimmungen der MagisllaüSverfa.sung.

Die Eingabe des Landesverbandes städtischer Beamten erhebt gleichfalls eine Aiizayl Bedenien gegen verschiedene Bestimmungen der beiden Vorlagen. Die Ausschupbericht- erstatter führten in der Aussprache aus, daß verschiedene der in den Eingaben vor gebrachten Wünsche bei der Aus- schußberatung bereits erfüllt worden jeien, die Erfüllung anderer aber sich als undurchführbar erwiesen habe. Doch sollen noch hehrere Artikel im Sinne der Antragsteller von b$n Ausschußberichterstattern aogeändert werden. Die Fertigstellung der Ausfchußberichte soll bann so gefördert werden, daß sie bis Ende nächster Woche den ^cammer- mitgciedern zugestellt werden tönnen. Am Donnersiag den 10. »tooeniber fall dann mit der Beratung der Verwal­tungsrechtspflege begonnen werden.

polittfd?c Lagcsjcha«.

Das Privatbeamteuoerftiherungögefetz.

Die Derhanotungeu zwischen dem bieiu.-sanll des Jmrern land den beteiligten Reichs- und preußischen Ressorts über das Privatbeamteliverjicherungsgesetz haben am gestrigen Freitag begonnen. Im allgemeinen durfte

Nietzsches Krankheit.

In einer sehr anregenden und sachkundigen Studie Nietzsches Leiden" kommt Dr. med. Paul Eohn (Ehar- lottenburg) in derDcuischen Medizinischen Presse" Nr. 19, 1910 zu folgendem in derKöln. Ztg." zusammengefaßten Ergebnis: L Nietzsche war von Haus aus em Gesunder; nur sensitiv. 2. llebernächlige Einflüsse machten den Ge­sunden zum Astheniker. 3. Diese Asthenie verschlimmerte er durch Gifte. 4. Auf dem Boden dieses vergifieten Or­ganismus erwuchs die Schlußtranlheit. Unter den.über­mächtigen Einflüssen" verzeichnet der BerfUfser in berech­tigter Anlehnuiig an die Schwesterbiographie:Der Krieg <0 nut seinen körperlichen und seelischen Strapazen, nach­folgende schwere Erkrankung, ein verschlepptes und falsch kuriertes Magenübel, ünzurerchenoe Ernährung, dazu Ueber- anslrengung in geistiger Arbeit bei hochgradiger Kurzsich- tigieit (worauf die Schwester, bei Nietzsches säst unglaub­licher Arbeitsleistung in Bezug auf Geschriebenes, mit vollem Recht besonders für die Migräne die Aufmerkfamkeit lenkt) sowie jeelifche Erregungen tiefster Art (der Abschied von Wagner) daS' sind einige von den Ursachen, die auch eine solcheBärengejundhnt", wie sich Nietzsche ihrer bis zum Feldzug, also 26 Jahre, rühmen konnte, untergraben dursten. Erft dann trat langsam jene besondere Empsind- lichlcit auf: Wetterstimmungen, nervöse Dyspepsie, Mi­gräne." Von dieser besonderen Empfindlichkeit, die der Verfasser mit Asthenie bezeichnet, wird hier vor allem die Wetterslimmung" des genauem dargelegt. Die eigentüm­lichen Schwankungen in Nietzsches feelifchem und körper­lichem Allgemeinbefinden stehen in einem auffallenden Zu­sammenhang mit der Witterung. Zwei enig.geugesetzte Zu­stände, die Lpian den freien und den jjeoruaten nennen könnte, wechsln in ihm. Jener fällt mit hellerem.Him­mel, troacner Lust uno hohem Barometerstände ammen; dieser mit Bewölkung, feuchter Lui^ jintenoem Barometer. Nietzsche selbst hat übrigens imEcce homo" sich ausgerech-

der ausgearbeitete Eiitwurs auf Annahme bei diesen Ver­handlungen rechnen können. Selbst bei glattester Erledi­gung aller Vorverhandlungen und bei schneller Arbeit des Bundesrats ist aber nicht daran zu denken, vor Neujahr den Entwurf dem Reichstage noch vorlegen zu können.

Wenn betont wird, daß der Entwurf, der auf den Grundlagen einer vom Reichstage als gut anerkannten Denk­schrift aufgebaut ist, im Reichstage schnell erledigt werden kann, so in dem gegenüber zu halten, daß die Grundmotive der Denkschrift nur sehr allgemein gehalten waren und ein Beschluß des Reichstags uoer diese Denkschrift, die nur geschästsordnuugsmäßig zur Kenntnis zu nehmen war, nicht erfolgen konnte. Gerade dieser Entwurf wird im Reichs­tage, wenn er zur Vorlegung kommt, mit Rücksicht auf die Neuwahlen einer sehr elligehenden Beratung sich er।reuen dürfen.

Aus Dem Sttasprozetzausschutz.

:: Berlin, 4. Nov.

Der Sllafprvz-eßauZ schuß führte du gestern adgcorochene Verhandlimg über das B e w e i s r e ch t des Angeklagten in 8 262 noch fast die ganze heutige Tagung hindurch fort Es tag eine ganze Reihe von Anträgen hierzu vor. Der Paragraph erhielt in der Abstimmung fchllctziich folgende Fasfung:

Die Beweisaufnahme ist von Vmuö wegen ans alle Tat­sachen zu er|trcc!en, die für die Entscheidung von Bcoemung sino. Beantragt ein Vrozetzbeteiligier die Erhebung emes Be­weises, jo taiui sie i>ut? Gericht nur ablehnen, weil wegen Osfemundigtett sich jede BeweiSeryeomig eruorigt, weil die Tatsache, die der Amcagsteller beivesien wul, für die Ent­scheidung ohne Bedeutung oder schon erwieien ooer well das Beweismittel unerreichbar ich Im Beichlug ist anzugeben, weshalb emer öiejec Grunde jutiifft. Ist ein BeweisiniUet zur Verhandlung herbeigeichafst, >o rann der Antrag nicht ao- gelehnt werben; von der Erhebung emzetner Beweije kann leooch abgeiehen werben, wenn die Staatsanwaltschajt und der AngeÜagie hiermit eüwerftanden süw. In der Verhaiiblung vor den Amtsgerichten uno Landgerichten, wjern die Verhaiw- lung eine Udjcrtretung Oeitint ooer auf erhobene Privaulage eriorgt, bejlinurit das Gericht den umfang der Beweisaufnahme, ohne hierbei durch Anträge, Verzichte ooer frühere Be^chluffe ge­bunden zu fein. Die Vorfchristen der §8 VI, 83 (Sachver­ständige und richterlicher Augenschein) bLeihen unberührt."

In der Ausfvrache wurde in ueoemnfammung mit den Ver- tretein der Regierung betont, daß Uf'reniunDtgleit begrifflich nur oorhanden sein kann, wenn das Gericht daruoer einig ist.

Zu 8249 wurde naa) gleichfalls leoyauec Auswrache eine Bestuiimung bejchloifen, wonach bas Gericht uei der Erörterung der perfvnlichen, häuslichen und Faniilieiwerhältniste der Oef fenl- l ich leit ganz oder tellweije a u5 i ttj 11eben kann, wenn diese außerhalb des Zweckes beS Strafverfahrens liegende Härten mit sich bringen würde und ein öffentliches Znlereste nicht entgegen» steht.

Weiterberatung: Samstag vormittag.

Landwirtjchaft.

** Rückgang der Viehzucht in Kurhessen. In der levten Schung des Vereinsausfchuiies der Kurhefjifcheii Lanb- wirtschafrsramuier fand eui Schreioen des Ministers für Laiid- wirtichast betreffs der zu ergrenenden Mahnahmeii zur Zorberung der Viehzucht eingehenoe Erörterung. SiXr wcinister nimnu darauf Bezug, dag in Kurhesten bei der Viehzählung von 1909 allein 1 8 1 u 8 Stüct rnindvieh weniger gezählt ivurden wie 1908, und weist bejonders darauf hin, daß das Jungvieh im ^llter von 12 Jahren allein um 70-10 Sma abgenonuuen haoe. In benh lAntwortfchreiben an die biegierung wird gejagt, daß zur Förderung der Viehzucht mufaffenoe WiLjenlnelwraLtonen, Ver­mehrung der Jungviehiveiden und Anlegung von Kälbergärten, ferner einheitliche Gestattung der Körungstommissionen, verounden mit Erteilung von Aufzuchlprämien und fortge,etzte Belehrung der Züchter über alle Fragen der Rindviehzucht zu erftreber^ seien.

Kartoffelerntenschähung und Saaten st ands- bericht der Preisberichtsstellen des deutschen Landwiclschaftsrat: Tie Kartonelernie ist nn ganzen besser ausgefallen, als nach den sehr migünstigen Euiflufsen des Sommers vielfach erwartet wurde; der llmschwung zu trockener Witterung Eitbe September kam noch zeitig genug, um ein weiteres Umsichgreifen der für die frühen Sorten so verhangnisooll genwrdenen Jäulnis zu verhindern. Die DurchschniUsschäbung für Preußen hob sich von 87.1 pCt. seit dem Vornwnat auf 93.6 pCt., wobei die besten Noten auf Brandenburg 108.6 pEt., Pommern 104.3 pCt.,

Ostpreußen 102.4 pEt. und Posen 102.0 pEt. entfielen. Wesentlich! ungünstiger sind die Ergebnisse im Westen und Süden des Neiä-es, wo die Kartoffeln auch mehr als in den anderen Gebieten! unter Kranlhellen und Fäule zu leiden hatten. <5o haben Preußen Rheinland mit 78.1 pEt., Lessew-Mssau mll 72.7 pCt. und Westfalen mit 64.3 pCt. am ungünstigsten abgeschnittenu Daran schließt sick- Bayern mit 72.3 pCt., Württemberg mit 61.8 pCt., Vaden mit 60.4 pCt., Elsaß-Lothringen mit 61.0 pCt. Der für das ganze Reich sich ergebmide Durchschnitt 87.5 pCt. (gegen 94.8 PEt. im Vorjahre) bedeutet gegenüber dem VormvnatL eine Besserung von 5.2 pCt.; der Verlust an kranken und faulen Knollen erreicht diesmal 8.9 pCt., während im Vorjahre nur 5.1 pSt in Abzug kamen. Die v er b st be ste l l u n g war wegen übermäßiger Bodenhärte häufig mit Schwierigkeiten verbunden, aber bis auf kleinere Weizenfläck>en meist überall erledigt Dey f r ü h g e s ä t e Roggen ist gut und gleichmäßig ausgelaufen,' doch hat das trockene und zeitweise rauhe Wetter das Waä-stum: im weiteren Verlaufe zurückgehalten, so daß namenttich die spät bestellten F-elder Ende Oktober einen vielfach dürftigen Ändruck machten. Wegen der Mäuse- und Schneckenschäden mußte manches Feld umgepslügt mid neu bestellt toerben. Weizen war wenig entwufelt und noch nicht zu beurteilen!- durck>dringender Regen und noch einige Zell offenen Wetters sind dringend notig, wenn die Saaten kräftig in den Winter kommen sollen.

OcciiLs-ctzres.

* Operationen in alter Zeit. Fm ZettalLcr dar konservicreiideu Chirurgie können wir uns kaum einen Begriff davon machen, wie entsetzlich roh, wie primitiv und naiv die Chirurgie in früheren Zeiten vor fick ging. Es war schon ein Fortschritt, als man, um nach Glieoeramputationen das Blut zu stillen, den Stumpf in siedendes Oel steckte. Als Markgraf Decü> an der Fettsuckst litt, schnitten ihm ums Jahr 1190 die Aerzte einfach den Bauch auf. Natürlich wurde er von feinem Leiden für immer befreit. Herzog Leopold von Oesterreich war am 26. Doi zember 1194 bei einem Turnier zur Erde getvorsen worden und hatte den Unterschenkel so unglücklich gebrochen, daß die Knochen« splitter ein» Spanne aus der Haut .hervorragten. Die Aerzte verbanden ihn, amputierten ihn aber vorläufig nicht., Arn nachstcni Tage war der Brand hinzugelreten und nun wagten sie nicht mehr, das Lern abzunehmen. Da setzte der Herzog selbst ein Bell auv das Schient) ein und sein Kämmerer schlug dreimal mit dem Hammer: daraus, so daß das Glied abgttrennt wurde. Natürlich starb Luch dieser Patient. Noch zwei Jahrhunderte später ging man nichL säuftiglicher vor. Als Erzherzog Mbrecht, der spätere Kaiser, sich vergiftet glaubte, hängten ihn die Aerzte verkehrt auf und stacyc« ihm ein Auge aus,damit das Gist abfließe". Wenn nunt so mit den Großen dieser Well verfuhr, wie mag die Behandlung des Volkes gewefen sein?, >

_____' ------ . . _________-LJ .. i

AUTOMOBILS

Tourenwagen - Stadtwagen - Kleine Wagen Lastwagen - Omnibusse - Geschäftswagen Bootsmotoren - Luftschiff- und Flugmotoren.

Rheinische Gasmotoren - Fabrik Aktiengesellschaft Mannheim

i. Spitzner L Cie^ Frankfurt a. M.» Opernplati

net, daß die ent|U)U>enOen Höhepnntte (Geburt der Tragödie und Zarathustra) mit dem Maximum der magnellschen Sonuenemwirkuug zujammensalten, umgekehrt die schlimm­sten Kri,eu seines körperlichen und geistrgen Zustandes mit einem Minimum. Immerhin müßte man, wie der Ver­fasser vorschlägt, die Wetterturten aus dec damaligen Zeit zum Vergierch heran-iehen, um zu sehen, vd jeöesmal zur Zeit eines Rausches ein Maximum draußen vorhanden war. Als Bezeichnung diejes selvslluröigen Symptoms aus oem Ge,amtollde bei Ajtheute wllH ^Lteteoropathie" vor- gejchlageu. a

Der Polizeipräsident ber Märztage. Sehr verschiedenartig ist der Atanu beurteilt worden, der wahrend der Marztage 1848 an der Spitze der Berliner Polizei stand: Zulius Freiherr von Minutoli. Die fünszigste Wiederlehr seines Todestages, der auf den 5. November fälll, erinnert an ihn, 0effeu bu,idfal es mar, in seiner auillichcu Tätiglell häufig mit mißlichen Funktionen betrau! zu werden. Mll 34 Jahren wurde er Polizeipräsident von Posen und mußte als solcher den Erz­bischof Dunin verhaften und nach Koblenz bringen. 1846 hatte er eine schwierige Stellung bei den polnischen Unruhen, erwarb sich aber durch seine feste und doch menscheiifreundliche Haltung das Vertrauen der deuisä-en Bevölkerung. 1848 hat er sich bei und vor dem Ausbruch der Revolution in Berlin, wohin er kurz zuvor als Polizeipräsident berufen worden war, zweifellos in seiner Haltung schwankend gezeigt und wenn ihm auch nicht ein Paktieren mit der Revolution nachgesagt werden kann, so hat er doch zweifelsohne mehr Jntercne an freien polltifchen Ideen bewllsen, als es Beantte in feiner Stellung sonst zu tun pllegen. Schon im Sommer des tollen Jahres trat er zurück und erst 18ul erhielt er wieder ein Amt: tr wurde Geiieial- wnsul für Spanien und PortugaL 1859 trat er an die Spitze einer nach Persien gefaubtcn Gesandtschaft und wurde Miniicer- resident in Teheran. Aus einer Reise ins Innere Persiens wurde er ein Opfer der Cholera, nachdem er kurz zuvor mit Brugsch den fast 7000 Meter hohen Vultan De ma wend erstiegen hatte. Er hat sich Zeit fernes Lebens wissenschafttich und literarijd) betätigt und bedeutende geschichttiche und geogra­phische Werte hiuterlassen.

Der kleinste Bazillus der WelL Der Natur­forscher Voges in Buenos-Aires darf das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, die allerkleinste Mikrobe ent­deckt zu haben. Der Bazillus ist so winzig- daß es einer löMsachen Vergrößernrrg bedarf, um ihn (und auch dann erst mit Mühe) wahrnehmen zu können. Der Influenza-Ba­zillus, fo klein er ist, erscheint als ein wahrer öllese neben: dem genannten. Er findet sich in der Gestalt eines Stäb­chens in den Wunden und Geschwüren der südamerikani- sch en Tiere und ihm ist die Wellerverbrellung der unter den dortigen Herden austretcndenManqu6a"-Krau k- h e i t, einer ansteckenden Seuche, -uzuschreiben. Diese, eine Lähmung der Muskeln herbeisührende Erkrankung, befällt vorzugsweise junge Tiere unb jeißt sich nach außen durch das niajsenha,te Aujtreten von Geschwüren. Nach langen Versuchen gelang es dem Gelehrten, Reiniulturen des Ba­zillus zu erhalten. Bei den mit diesen vorgenommeneir Injektionen zeigten Mäuse, Ratten und Kanina-en keinerlei Kranlhellserfchrinungen, Meerschweinchen jedoch erlagen der Einwirkung des Bazillus binnen 48 Stunden. Bei der Seüicrung fand man d.n gefährlichen Krcutt'hcllserreger im herzen und in saintlichen anderen Organen, und es ergab sich die beachtenswerte Tatsache, daß der Tod infolge der unmittelbaren Einwirrung der in großer Menge ausgetretenen Mikroben er,olgt war, nicht durch Erzeugung von Bazlllengisten. Uebrigens ist dieser Bazillus den Tieren nur im Sommer unter dec Einwirkung starrer Hitze gefähr­lich; während der kälten Jal)reszell lieg sich keine nennens­werte Vermehrung der Atiirobe im Blute und somit keine schädliche Wiriuiig feststellen.

Kurze NachrichtenausKunstu. Wissenschaft. Geh Obeimeoizinalrot Tr. Georg Gajsky in Berlin wurde zum ordentlichen Professor an der Kaisec-Wilhelms-Akademi« jux das. üiittiuraizUiTe VUdmigSwefen euuyuy.