SOnftes Blatt
Nr. 284
M. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Lcichetni tLglich tnü Au-nakme bei Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
Rtbaftitm, Expedition enb Druckerei: Schrrt- ftrafee 7. Exveditton und Verlag: 6L
Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGietzen»
Die ^Gieftenei SomfltenblStter*' werd«» dem .Anzeiger* otemial kvöcdentlicd bttgelegi, bai „Kretsblati fUt bei Hreti Gieren- zweimal wöchentlich. Die ..Landwlrtfchafklichei Lett- kragen*' erscheinen monatlich zweimal.
Samstag, 5. vezemder 1910
Rotationsdruck und Vertag der Vrühtlch« UniversilätS - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießnr.
md. Deutscher Reichstag.
92. Sitzung, Freitag, den 2. Dezemder.
?lm Tische bei Bundesrats Dr. Delbrück, v. Zone, guie res.
Präsident Graf Schweri«-Lüw,p eröffnet bjc Sitzung tun 1 Uhr 16 Minuten. y
Die Interpellationen über den
Kampf gegen die RebrcMtfllnge.
Die Aussprache tvird fortgesetzt.
Dbg. Dr. Roesicke Mons.)?
Es ist uns immerhin gelungen, durch die nach gesetzlicher Vorschrift erfolgende Reblausbekampfung diesen Feind des Weinbaus in Schach zu halten. Durch den Sauerwurm ist in einem der letzten Jahre an der Mosel ein Schaden von 80 bis 40 Millionen entstanden.. Der diesjährige Schaden wird auf 10 bis 12 Milli, onen geschaht. Manches Mittel der Wurmbekämpfung ist noch nicht genügend erprobt. Die Winzer sind nicht in der Lage, einen Groschen für die Bekämpfung aufzuwcnden. Der Rheingau wird feit 1896, die Pfalz seit 1907 durch den Sauerwurm geschädigt. DaS Reich darf nicht länger mit geschloffenen Augen daran vor. beigehen, eS kann auch nicht warten auf die Resultate, die Badern erzielt. WüulcheuSwert wäre eine Reichs ftudjenkom. Mission.
Dbg. Dr. Hössel (Rp.)r
Elsatz-Lothringen mutz zunächst mit Fürsorgematz, nahmen bedacht werden. ES ist die Wiege deS Deutschen Reiches, bat den größten Weinbau im Reich: und hatte die schlimmste Mißernte. Vom Reiche wird die Förderung des Studiums der Frage erwartet und größere Mittel für Laboratorien. Bayern bat Versuchsstationen errichtet. DaS »ft nachahmenswert.
Dbg. Dr. Frhr. v. Wolff-Metternich (Bentr.):
Die Vorschläge, die zur Befferung der trostlosen Lage des DinzerstandeS vielfach gemacht werden, sind leider meistens nicht durchführbar. Man rät ihnen, ein kleines Landgut nebenbei zu betreiben. Woher aber sollen sie die Mittel dazu nehmen? Viele können nicht einmal die Hypothekenzinsen bezahlen. Jhney sollte man doch wenigstens die Wein st euer erlassen.
Dbg. Delsor (Bentr., Elsässer):
Sir sind der Meinung, datz die Exekutive den Landekbehörden oder besser noch den Gemeinden überlasten bleiben muh. ES be- darf keiner Polizeimatzregeln. Pädagogische Mittel wirken viel segensreicher. Für den einzelnen Winzer sind die Kosten der Reb. schädlingSbekämpsung zu hoch. Er kann nicht weitere finanzielle £>Pfer bringen. Befferung kann nur daS Zusammeywirken aller beteiligten Faktoren bringen.
Dbg. Schüler (Zenir.):
DaS -wichtigste ist die Wurmbekämpfung. Leider ist ein wirk- Nch brauchbares Mittel noch nicht gesunden. Unter keinen Umständen wünschen die Winzer polizeiliche Vorschriften.
Der Staat und die Gemeinden brauchten nur Sorge dafür Jtx tragen, datz die Mittel zur Bekämpfung beigesteuert werden. El wäre wünschenswert, den Winzern die Anschaffung der Llmerikanerrebe durch Gcldunterstützungen zu ermöglichen.
Dbg. Geck (Soz.):
AuS manchen Ausführungen schien es, vis Kare Sem be- treffendenHerrn eineReblaus über die Leber gelaufen. (Heiterkeit.) Tie Rebläuse sind jedenfalls schon mit der Arche Noah gekommen, er hat doch alles auf sein Schiff mitgenommen. (Heiterkeit.) Wir können nicht die Grenzen mit einer chinesischen Mauer gegen die fliegenden Feinde, die Pilze, umgeben. Die französische Akademie hat für beste Mittel gegen die Reblaus 300 000 Franken ausgesetzt, bei unS sind es nur 2600 Mark. Die Amerikanerrebe hat sich durchaus bewährt. Man hat sogar den Burgunderwein damit regeneriert. Leider kommt der Wein für das Volk nicht mehr in Betracht, denn die Zwergwirtschaften im Weinbau gehen allmählich zugrunde. Der Redner empfiehlt genossenschaftlichen Zusammenschluß.
Geheimrat Frhr. bott Stein:
Es wurde bemängelt, datz vom Reiche in 80 Jahren nur etwa 170 000 Mk. für die Reblaußbekämpfung ausgegeben worden eien. DieS mag zutreffen, wenn man lediglich das inö Auge atzt, was im Reichsetat steht. Aber dabei bleibt ganz unberück- ichtigt, datz nach dem Reichsgesetz die Aufwendungen für Reblausbekämpfung nicht Sache des Reiches, sondern der Bundesstaaten sind, und die Bundesstaaten, haben hierfür an 20 Millionen ausgegeben. Die Reblaus ist in Deutschland 1876 zum erstenmal festgestellt worden, und bei einem Gesamtrebenbestand von 120 000 Hektar Anbaufläche mußten nur einige Hundert Hektar vernichtet werden, weil sie von der Reblaus befallen worden sind. Alles in allem nicht über 600 Hektar. In derselben Zeit aber ist der gesamte Rebenbau Frankreichs, ferner der größte Teil deS österreichischen und ungarischen Rebbaus, sowie der größere Teil des italienischen, spanischen, schweizerischen usw. vollständig zusammengebrochen, aber unser deutscher Weinbau steht aufrecht. DaS ist der
Erfolg unseres ReblauSgesetzeS
und der Arbeit, die die Regierungen auf feiner Grundlage geleistet haben. Diese Arbeit ist siä>'rlich nicht klein, und dieser Erfolg kann uns nur dazu führen an dem bewährten System der Vernichtung der von der Reblaus befallenen Kulturen festzuhalten und nicht dazu überzugehen, den deutschen Weinbau auf eine vollständig neue Unterlage zu stellen. (Sehr richtig!) Der Anbau der Amerikanerrebe ist eine so außerordentlich komplizierte, technische und wirtschaftliche Frage, datz sie hier nicht erörtert werden kann. Ich will bloß hervorheben, datz hierbei jeder einzelne Rebstock veredelt werden muß. Wir wiffen überdies gar nicht, ob diese Rebe nicht für uns nicht wünschenswerte Wirkungen auf den Wein hat. Die Möglichkeit, datz dieser mit Ernst und großen Aufwendungen betriebene Kampf schließlich versagen könnte, mutz eine weitschauender Verwaltung im Auge haben, und hat sie im Arge. Wenn auch anderweitige Versuche gemacht worden sind, so sü-.d bic'e nicht eine Durchlöcherung des ReblauSgesetzeS. Die Aussührungsbestimmungen des Gesetzes fe()en vor, daß solche Versuche angestellt werden, und sie sind auch mit dem vollen Einverständnis der Reichsleitung und mit von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wachsendem Erfolge unternommen worden, zuerst als reine Laboratoriumsversuche, dann in Treibhäusern und jetzt auch auf freiem Lande. Aber alle diese Versuche werden stets unter Aufsicht gehalten, so daß nicht etwa über Nacht der deutsche Weinbau -in einen amerikanischen umgewandelt werden lai-n. Man kann nicht sagen, daS Gesetz habe versagt und man müsse von ihm abrücken, sondern man mutz anerkennen, daß das Gesetz gute Wirkung
getan hat. Dir haben allen Grund, an diesem Verfahren, solang« überhaupt möglich, feftzuhalten. (Beifall.)
" * Abg. Vogt-Hall (Wirtsch. Vgg.)r '
Wir freuen unS, wenn die Winzer auch in der Not treu an der Scholle hängen. Der Kampf gegen die Reblaus hat schon erhebliche Mittel gefordert. Württemberg hat dafür bereits X'A Millionen aufgewendet. Leider find die Weingelände erheblich im Preise gesunken, weil niemanb mehr Weinbauer werden will.
Abg. Wallenborn (Zentr.)
fordert schnelle Hilfe für das Ahrgebiet, wo nicht nur Heinen, sondern auch schon mittleren Besitzern der wirtschaftliche Untergang droht. Die Vorschläge dec Winzervereine sollten mehr beachtet werden.
Der Rotweinbau an der Ahr leidet ohnehin unter der ausländischen Konkurrenz. Die Regierung sollte daher eine offene Hand haben.
Abg. Paulh-Cochem (Zentr.)'
bebauerf ungeheure Entwertung der Werngelände. Dke Smrer- wurm-Epidemie ist eine wahre Landplage. Der Redner bespricht die Verhältnisse im Moselgebiet. Leider zeigt sich der Wurm den Anordnungen der Behörden gegenüber sehr respektlos. Es fehlt eben noch am richtigen Vertilgungsmittel. H ? "
Abg. Spindler (Zentr.H
weist auf die Notlage der Pfälzer Winzer bitt
Der Redner verbreitet sich dann eingehend über Me tfn der Bekämpfung des Sauerwurms. Der größte Teil der Winzer in der Pfalz war mit den polizeilichen Vorschriften einverstanden, nur eine kleine Minderheit hat sich dagegen gewandt. „
Dbg. Lehmann-Wiesbaden (Soz.)S
Die Fachleute sind darin einig daß die zur Bekämpfung N*t Rebschädlmge angewandten Mittel auf die Dauer nicht auSreichen fönnen. Die Regierung tut nicht das, waö sie tun mühte, und legt der Sache zu wenig Bedeutung bei. Die Behauptung, daß die Reichsregierung ihre stete Sorge der Angelegenheit zuwendet, ist nur eine Redensart. Wir dermiffen ein ta kräftiges Eingreifen,
Dbg. Dr. Zehnter (Zentr.)
hebt hervor, daß die weiße amerikanische Rebe sich zur Einführung wenig eigne, weil sie schlechteren Wein liefere und auch nicht reblauSfeft sei.
Abg. Dr. Dccker-Köln (Zentr.):
Ich schließe mich dem allgemeinen Klagelied über He 5t* jammernßwerte Notlage der Winzer durchaus an. Was nützt uni das schönste Weingesetz, wenn wir keinen Wein haben? Die traurige Folge ist, daß der Bier- und SchnapSgenutz steigt. Leider m erben jetzt Hunderttau sende für ausländische Weine auSgegebett Vielleicht beruft der Staatssekretär ein Weinparlament ein,
Abg. Baumann (Zentr.):
Aus allen deutschen Weingebieten sind hier Stimmen tau! ge* worden. An der Regierung ist eS nun, die Konsequenzen zu ziehen. Helfen Sie bald, es handelt sich um die ELihenz eines ganzen Standes.
Damit schließt die Aussprache, -'A
DaS Haus vertagt sich. . _______
Sonnabend 11 Uhr: Antrag Graf Jtn
über den Niedergang deS Handwerks.
Schluß gegen 6 Uhr.
Stadt und Lasro.
Gießen, 8. Dezember 1910.
— Dom Evangelischen Bund wird uns geschrieben: Die Mitglieder beS Zweigvereins werden nochmals auf den morgen m Steins Garten staltsindenden ersten Familienabend der Wintersaison aufmerksam gemacht. Pfarrer D. Dr. Diehl- Darmstadt, ein im Verein immer willkommener Redner, wird einen Vortrag über »Die hessische Reformation als soziale Xat1 halten und damit auf ein Gebiet führen, auf dem gerade ihm hervorragende Kenntnisse bis in die kleinsten Einzelheiten eignen. Auch die Freunde der Musik werden befriedigt werden, da der gemischte Chor des Evangelischen ArbeileroeremS und einzelne Mitglieder Gesang- und In- strmenlal-Vortrage in Aussicht gestellt haben, deren Leitung Musiklehrer Gernhardt übernommen hat.
**Vom Stadttheater nnrb uns geschrieben: Ludwig Thomas neuer einaktiger Bauernschwank JErster Klasse", der zurzeit im Süden wie im Verben, am Srullgarter Hosthearer wie am Kleinen Theater in Berlin, stürmische Heiterkeit erregt, gelangt am Dienstag hier zur ersten Ausführung. Thoma hat in dem neuen Stück den aus den „Briesen eines bayerrs ;en Landtagsabgeordneten" bekannten Joses Filier aus dem „Simplizistimus" in köstlicher Gestaltung aus die Bühne gebracht und auch aus den übrigen Herrschaften, die sich da im Kapee 1. Klacke treffen, prächtige Typen geschaffen. —* Der Abend wird eröffnet durch Jordans seinsinniges Versluslspiel „Durchs Ohr", in dem die Damen Koch und Engel fonrie die Herren Bruno und Marx beschäftigt sind. r. rp.
" Verlegung einer Telegraphengehilfin durch Weckströme. Gestern ist in dem hiesigen Fern- sprech-Vermittelungsamte eine Telegraphengehilftn dadurch gesundheitlich verletzt worden, daß ein Fernsprechteilnehmer bie Kurbel seines Apparates in zwei Perioden zu heftig go dreht hat. Stach dem ersten Falle der Anruskloppe, der unter stackem Rasseln des Elektromagnetes erfolgt war, hatte sich die Beamtin eingeschaltet, um nach dem Bjunsche des Teilnehmers zu fragen; aber als sie sich melden wollte, trafen ihr Ohr so hochgespannte elektrische Ströme, daß sie zunächst vor Schmerz nicht sprechen konnte. Schließlich ver- mochte sie doch noch nach der gewünschten stummer zu fragen und die Verbindung anszusähren, dann aber brach sie zusammen. Ihr Zustand ist bedenklich. Tie ^Anweisung zur Benutzung der FernsprechanschlüsseE, die auf Seite 5 des jedem Angeschlossenen amtlich gelieferten Tellnehmerverzcich- nlss.'s abgedruckt ist, enthält den Hinweis, daß die Inbuklor- kurbel beim "Anruf einmal langsam herumzudrehen ist und daß mehrmaliges schnelles DreUen zu Beschädigungen der Beamten und zu Ersatzansprüchen gegen die Teilnehmer führen kann. Im Interesse der Ferusprechbcamtlnnen wie im eigenen Interesse der Testnehiner empiehlen wir diese Bestimmung erneut der allgemeinen Beachtung.
•• Gießener BolkSbab. Im Nooeiuber d. I. wurden 9072 Bäder verabfolgt ge^eir OööJ un Oktober 1V1Ü und 6« <2 un
November 1909 oder un Durchschnitt täglich 302 Bader gegen 318 im Oktober 1910 und 292 un November 1909. Der Besuch verteilt sich im einzelnen wie folgt:
Schwunmbad: 43k9 Männer, darunter 739 zu 10 Pfg*
, 1020 Frauen, r 239 , 10 ,
Wannenbäder 1. Klasse 3 0 Männer, 101 Frauen, , 2. „ 679 , 422
Brausebäder 1. Klaffe 859 Männer, 237 Frauen, , 2. , 7o9 , 191 ,
Dampf- u. Heitzlustbäder, sowie Dlassage zus. 113 'IHanner, 22 Frauen Die Perioneluoage tourde von 2u0 Personen benutzt und das Bad von b Personen besichtigt.
Kreis Friedberg.
x Bad-Ra uh e im, 2. Dez. Sehr rege ist in unserer Badestadt auch im Winter das giftige Leben. Fast wöchentlich sind Lorträge, Konzert und Theatervorstellungen. Besonders rührig ist der V o r t r a g s v e r e i n, der schon mehrere tvertvolle Konzerte geboten hat, darunter einige Abende des Rebner-Quartetts zu Frankfurt a. M. Seine nächste Veranstaltung ist wieder ein Konzert, das am kommenden Sonntag im Sprudelhotel stattfindet uno zwar unter Mitwirkung von Frl. Lui,e Süf,ert (Gesang) uno des Herzoglich Meining. Hofpianiften Alsred Hoehn (Klavier). — Kurz darauf veranstaltet der H e i m a t v e r e i n einen Lichtbildervortrag (7. Dez.). Pros. Helmte-Friedberg, der be- tannte Altertumsforscher, dem von der h.ss.schen R^gchruug die Leitung der Ausgrabungen aus der Kupersburg ^Taunus) übertragen worden ist, wird über die Kapersburg und im Anschluß daran über römi,ches Leben in unserer Gegend sprechen. — Der ebenialts sehr rührige Bildungs- Verein, der in diesem Winter schon drei Theatervorstellungen des Rhein-Mainischen Verbandstheater^ geooten hat, veranstaltet am 11. Dezember eine Schumann-^ter.
m. Ober-Mörlen, 2. Dez. Gegen die letzte Gemeinderatswahl war von der unterlegenen Partei Einspruch an den Kreisausschuß Friedberg verfolgt worden mit der Begründung, daß die Wählerliste nU)t vorschriftsmäßig Oifcn gelegen haoe. Der Einspruch war nicht rechtzeitig gestellt und mußte somit verwor.en werden. Es soll Nelnrs tarn den Provinzialausschitß ergriffen werden.
Börden-VZochcrrbericht.
— Frankfurt a. M., 2. Dezember.
Die deutschen Märkte standen in der verflossenen Woche meift unter dem Einfluß des Auslandes. Obwohl die Ultimoliquidation eine glatte Abwicklung gesunden hatte, vermochte neue Unternehmungslust nicht recht auiLutommen. Hauptiächlich veranlaßte die 9t eroberter Börse, Sperulation wie Kapitalisten- kreiie wieder zur Zurückhaltung und teilweise zu Realisationen. Zn Wallstreet hat sich ein starker Rückschlag vollzogem Wurde dieser z. T. auch durch unlautere Machinationen geroissenlofer Spekulanten herbeige.uhrt, so zeigte sich doch, daß die Newyorker Börse unter dem Gindruck des Wahlergebnisses den Lerhältnissen zu wenig Rechnung getragen und einer günstigeren Zukunft bereits allzusehr Ausdruck gegeben hat. Es kann daher nicht wunder- nehmen, daß die hinsichtlich der politischen und wirtschastlichen Verhältnisse herrschende Unsicherheit die Weroijorfer Spetulatron veranlaßt hat, aus ihren Verpilichtungen herauszugehen. Man muß wohl damit rechiten, daß die "Newyorker Börse weiterhin noch großen Schwankungen unterworfen sein wird, zumal die Regierung entschlossen zu sein fcheint, in ihrem Vorgehen gegen die Trusts nuiM iiacöiulai iens Hurr neigt man roeaxer dsr Lust-l
fassung zu, daß mit dem Frühjahr auch m den Vereinigten StaaM eine allgemeine Klärung der Lage eintreten werde und aus dieser Anschauung heraus zeigte ine Börse dem Rewyorker Einfluß gegenüber dieselbe Widerstandskraft, die sie biSher behauptet hat. Sehr zustatten kam ihr dabei die günstige Entwicklung der internationalen Geldoerhältnisse, die schon jetzt eine Gewähr dafür bietet, daß der Geldmarkt zum Jahresschluß nicht die Anspannung erfahren wird, wie man es hätte erwarten können. In Paris ist die Geldfülle so groß, daß die deutsche Geldnachsrage eine willkonunene Gelegenheit geboten hat. die verfügbaren Mittel lmterznbringen und auch in London hat der offene Geldmartt eine zunehmende Erleichterung erfahren, so daß die Bank von England sich veranlaßt sah, eine Herabsetzung ihrer Diskontrate von 5% auf 4V,°/o vorzunehmen. Wenn auch die Deutsche Iieichsbank mit einer gleichen Maßnahme vorerst nicht folgen kann, so darf doch jetzt damit gerechnet werden, daß das Institut mit dem seitherigen Satze über den Jahres- schluß auskommen wird. Neben der beruhigteren Auffassung über die Geldmarktsfragen woraus die Stimmung von günstigem Einfluß, daß die Berichte aus der heimischen Montanindustrie weiter befriedigend lauten. und namentlich auf dem Kohlenmarkte eine Besserung der Nachfrage zu verspüren ist. Im Zusammeiihang damit zeigte die Spekulation einige Kauflust füi Montanpapiere, so daß diese eine leichte Befestigung erfuhren. Von anderen Jndustriepapieren waren neben chemischen Werten und Maschinensabrikaktien, Elektrizitätsaktien vorübergehend begünstigt, doch wurde die feste Haltung dieses Gebiets etwas beeinträchtigt durch den Divideitdenvorfchlag von Sic^ mens il Halske, da die Spekulation trotz der ausdrücklichen Erklärung der Verwaltung die Hoffnung auf eine Erhöhung der Dividende nicht aufgegeben hatte. Lebhafteres Geschäft fand am Banken markt statt, wo die veröffentlichten Zweimonats- bilanzen einige Anregung gaben. Bevorzugt waren namentlich Diskonto Commaiidit Anteile. Transportanstalten lagen ruhiger. Im Einklang mit den besseren Geldverhältnissen konnten sich auch festverzinsliche Werte etwas befestigen, neben heimischen Fonds waren namentlich Russen und Serben gefragt und höher. Privatdiskonto 478%.
Märkte.
fc. Franksirrt a. M., 2. Dez. Heu- und Stroh markt. Angesahren waren 9 Wagen Heu und 6 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 8, 0—3,^0 Mk., Stroh (Korulangslroh) 2,40 bß 2,7j Mk., Wirrslroh 0,00—0,00 Mk. Alles per öo Kilo. Geschäft gut. Tie Zufuhren waren aus Oberhessen, dem Taunukreis, sowie auä dem Kreise Dieburg.
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