Ausgabe 
1.8.1910 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Unbekannte mit einem wuchtigen Schnitt Ken Kopf glatt oom Rumpfe, hierauf entfernten sich beide. Am Tat­ort wurde ein Kautschukstempel gefunden mit der Aufschrift: -/Sozialrevolutionäre Partei. Chef der Bande".

lieber die Frage der Protektion der Vereinig­ten Staaten über die Republik Liberia erklärt das PariserJournal", daß die französische Regierung für eine solche Kombination nicht zu haben sein könne. Eine internationale Entente zu dem Zwecke, die Zukunft Liberias wenn möglich sicher zu stellen, das ginge an, aber ein amerikanisches Protektorat sei unbedingt un­zulässig.

Die persischen Minister legten dem Parlament das Programm des neuen Kabinetts vor, das folgende Punkte enthält: Herbeiziehuug von Ratgebern der fremden Staaten, Schaffung einer ft arten Heeres- abteilung in der Hauptstadt, um nötigenfalls Truppen in die Provinz senden zu formen, Reform der Gerichte und Schaffung eines Kassationsgerichtshofes. Auf eine Anfrage über die Anwesenheit fremder Truppen im Lande .erklärte der Minister des Aeußern Nawab, die russischen Truppen würden bald das Land verlassen. Er selbst werde mit der russischen Gesandtschaft die Ver­handlungen führen. In Täbris ist zum ersten Male ein Lastautomobil aus Dschulfa mit 800 Pud Waren eingetroffen.

In der Frage der Regelung der Schiffahrt auf dem Sun gari wurde, nach einer Meldung aus Peking, zwischen Rußland und China ein Einvernehmen erzielt, »das -die russischen Interessen völlig befriedigt. Zur endgültigen Formulierung des Einvernehmens bedarf es noch einiger Tage.

Aus Rio de Janeiro wirp gemeldet: Der Natio­nalkongreß proklamierte Marschall da Fonseea zum Präsidenten der Re pub l i k._____________

Arrs Stabt und Lcsnd.

Gießen, 1. August 1910.

* * Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Wirklichen Geheimerat Dr. Dem bürg in Grune- wald-Berlin die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Prinzen Luitpold von Bayern, des Kö­nigreichs Bayern Verweser, verliehenen Großkreuzes des Bayerischen Verdienstordens des Heiligen Michael, des ihm von dem König von Sachsen verliehenen Grotzkreuzes des Albrecht-OrdenS mit goldenem Ordensstern und des ihm pon dem Großherzog von Baden verliehenen Großkreuzes mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen erteilt.

* * Ru h e st a n d s v e r s e tz u u g D r Großherzog hat den Bezirkslafsier RechnungSrat Johs. Müller in Grün­berg, unter Anerkennung seiner langjährigen treugeleiste­ten Dienste, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Karl ding er zu Neustadt i. O. eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Lampertheim.

* * Brandversicherungskammer. Der Groß- berzog hat dem vortragenden Rat in der Abteilung für Steuerwesen des Ministeriums der Finanzen, Geheimen Obersinanzrat Dr. Franz Kn e ll zu Darmstadt die Neben­stelle eines Mitglieds und Rats bei der Brandversicheruugs- lammer auf Widerruf übertragen.

* * In den Reichsdienst. Der Großherzog hat den Ministerialrevisor bei der Buchhaltung Großh. Mini­steriums der Finanzen Phil. Schill auf sein Nachsuchen wegen Uebertritts in den Reichsdienst aus dem Staatsdienst entlassen und den Bezirkskasseassistenten der Bezirkskasse Mainz I Wilh. Freymann zum Ministerialrevisor bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen ernannt.

* * Vom Landgericht Gießen. Gerichtsassessor Dr. Langenbach in Darmstadt wurde bis zum 15. Sep­tember d. I. zur Aushilfe an das Landgericht Gießen versetzt.

* * Mißbrauch mit Waffen. Das hessische Mi­nisterium hat, um eine Grundlage für gesetzgeberische Maß­regeln gegen die mißbräuchliche Verwendung von Waffen zu erhalten, die Strafbehörden angewiesen, bis auf weiteres Uebersichten über die anhängig gewordenen Straffachen zu führen, in denen Waffen eine Rolle spielen. Jedem ein­

zelnen Falle ist eine kurze Sachdarstellung berznfügen. Ein strenges Vorgehen gegen das unbefugte Waffentragen wäre im Interesse der allgemeinen Sicherheit mehr zu begrüßen.

* * Kirchenrat Dr. Naumann wird heute unsere Stadt verlassen, um nach Dieburg überzusiedeln.

* * Von den Spiel-Automaten. Trotzdem vor kurzer Zeit die in einem Laden der Bahnhofstraße ausge­stellten Geld-Automaten gerichtlich beschlagnahmt worden waren, trat eine andere Firma hier auf. Sie mietete einen Laden am Kreuzplatz und eröffnete auch hier eine sogenannte Automaten-Ausstellung. Auch dieser Firma wurden gestern die Geld-Automaten beschlagnahmt. Wie wir hören, hat die Polizei auch die Wirte, die solche Automaten in ihren Lokalen aushängen haben, zu ihrer Entfernung innerhalb 24 Stunden aufgefordert und bei Nichtbefolgung Beschlagnahme und Anzeige wegen Duldung von Glücks­spielen in Aussicht gestellt.

* * Die Maul- und Klauenseuche ist aus- gebrochen in Cielimowo, Kreis Wltkowo, Negierungs­bezirk Bromberg, am 28. Juli.

wh. Dau bringen, 30. Juli. Seit einigen Jahren wird am Lollarer Kopf gegenüber dem der Stadt Gießen ge­hörenden Hangelstein aus Fürstlich Braunfets'schem Gebiet em Stein bruch betrieben und damit das schöne Tal zwischen den belden Anhöhen entstellt, abgesehen davon, daß der Ab­raum des Bruches etwa 7 Morgen ehemals fruchtbaren Landes bedeckt. Wenn der Betrieb weitergeführt werden soll, muß weiteres fürstliches Gelände, welches mit Wald bestanden ist, oder Gemeindewald von Lollar ausgebeutet werden. Die Braunfelser Verwaltung will ihren Wald nicht hergeben und so hat man sich an die Gemeinde Lollar gewendet, damit diese einen Teil ihres Waldes auf dem Lollarer Kopf der Fortführung des Steinbruches zum Opfer bringt. Voraus­sichtlich wird die Gemeindevertretung das Gesuch ablehnen.

---Oppenrod, 30. Juli. Dieser Tage wurde abends im hiesigen Schulgarten ein gebrochen, eine Menge Stachelbeeren gestohlen und zudem der Garten verunreinigt. Hoffentlich gelingt es, die beiden Rohlinge zu ermitteln.

m. Ober-Mörlen, 31. Juli. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl wurde der Kandidat der Arbeiter­partei, Landwirt Johs. Hch. Born, an Stelle des jetzt 27 Jahre amtierenden Beigeordneten Kasimir König ge­wählt. Born erhielt 206 Stimmen gegen 198 des seit­herigen Beigeordneten. Von 487 Wahlberechtigten stinttu- ten 416 ab.

0 Ulrichstein, 30. Juli. Der Kriegervereinsbezirk Ulrichstein, dem 15 Vereine angehören, hat beschlossen, an jeden Kriegsveteran, der den Veteranenappell am 14. August in Darmstadt besucht, drei Mark als Bei­hilfe auszuzahlen.

l. Münster b. Butzbach, 1. Aug. Hier findet am Sonntag, 14. August, Guftav - Adolfsfest für den Zweigverein Butzbach statt. Festprediger ist Pfarrer Korell- Königsladten. Der Kirchengesangverein von Fauerbach v. d. H. wird Mitwirken. Der Festgottesdienst beginnt um 2 Uhr nachmittags.

0 Alten st adt, 31. Juli. Das heutige Bezirks­fest des Hassiabezirkes Altenstadt vereinigte 14 Kriegervereine der Wetterau in unserem Flecken. Um i/22 Uhr bewegte sich ein Festzug unter Leitung des Bezirksvor­stehers Wagner nach dem Kriegerdenkmal, von hier ging es nach dem schön gelegenen Festplatz auf der Wiese zwischen Oberau, Höchst und Ältenstadt. Der Festredner, Pfarrer Heusel, gedachte besonders der 40jährigen Gedenkfeiern an den ruhmreichen Feldzug 1870/71 unb der W jeder auf- richtung des deutschen Reiches.

[] Marburg, 31. Juli. Ein altes Marburger Volks­fest, das sogen.Grabenfest" der Einwohner der Stadtteile Weidenhausen und am Grün, hat gestern hier seinen Anfang genommen. Heilte' nad)mütag zog ein F e stsi njg mit allerhand historischen Gruppen und etwa 600 mit Kränzen und Blumen geschmückten Kindern vom Grün aus durch Weidenhaufen nach dem Festplatz, wo Oberbürgermeister Tro je auf die geschichtliche Bedeutung des Festes hinwies. Etwa 30 Kinderpaare führten bann einen Vlumenreigen und anschießend den sogen.Weidenhäuser Grabentanz" vor. Das Fest dauert bis zum Dienstag.

O Gonterskirchen, 31. Juli. Die hier ausge­brochene Typhusepidemie ist im Erlöschen. Die Krankenzahl hat die Zahl 60 nicht überschritten: vier davon, zuletzt ein 14jähriges Mädchen, sind ihr zum Opfer gefallen. Der Kraule in Ruppertsburg ist nur einer Unvorsichtigkeit er­legen, da er vor Durst die neben seinem Bette stehende Waschschüssel, die mit einem Sublimat zum Händewaschen gefüllt war, aus Irrtum austrank. Die 'übrigen hier Er­tränkten hoffen bald wieder ihre Herstellung zu erlangen.

X Hanau, 31. Juli. Der Vereinsausschuß der Land- wictschaftskamiiier hatte sich in seiner letzten Vorstandssitzung and) mit einem Anträge der Intendantur des 18. Armee­korps wegen Ausstellung eines Anhaltes zur Abschätzung von Manöver schaden zu befassen. Um nämlich den militärischen Mitgliedern der hierzu berufenen Kommissionen einen gewissen Einhalt für die Abschätzung der einzelnen Boden- erzeiignisse imb Arbeitsleistungen zu geben, hat die Inten­dantur des 18. Armeekorps Abschätzungsgrundsätze bekannt gegeben und diese der Landwirtschaftskauimer in Kassel zur Begutachtung übersandt. Der VereinsaiiSschuß der Land- ivirtschaftskammer hat beschlossen, nach Möglichkeit den Wünschen der Intendantur zil entsprechen und dabei die aiißerordentlich verschiedenen kulturellen Verhältnisse im Bezirk Kassel zu berücksichtigen. Ein Ausschuß soll die Abschätzungs- grundsätze unter Zugrundelegung der diesseitigen Verhältnisse einer Prüfung unterziehen.

29. Mitteichemische; ttreisturnfest.

ch. Bad-Kreuznach, 31. Juli.

Nach der üblichen Vorfeier am gestrigen Tage, der Sitzung des Kreisturnausschusses, der Besichtigung des Turnplatzes, einer Sitzung des Kampfgerichts und anderer vorbereitenden Einleitungen des Festes konnte die eigentliche Einleitung heute früh erfolgen. Gestern war außerdem noch um 9.30 Uhr vormittags eine Ab­ordnung der Pariser Turnerschaft eingetrofsen, die unter klingendem Spiele einer Kapelle nach dem Bismarckplatz geleitet lüurbe, wo Herr Brauneck sie willkommen hieß. 'Am Mittag mar­schierte ein großer Zug von Turnern nach dem Bahnhofe, um den Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, den alten Dr. Goetz, ab­zuholen und nach seinem Quartier in der Stadt zu geleiten. Bereits trafen auch schon die Turner der fernergelegenen Kreisorte ein und suchten ihre Quartiere auf. Die ganze Stadt zeigte in ihrem reichen Flaggenschmuck und den mit frischem Grün geschmück­ten Häusern sowie den Turnemblemen bereits einen prächtigen Anblick, der den Eintrefsenden eine Vorahnung Kreuznacher Gast­freundschaft zu geben vermochte. Heute früh begann nach dem üblichen Weckruf das Bereinswetturuen der geraden Gaue, das von 69 Uhr dauerte und dem sich das Vereinswctturnen der ungeraden Gaue anschloß, das von 912 Uhr stattfand. Während­dem entwickelte sich auch der Treikampf, das volkstürmliche Wett- turnen der geraden und der ungeraden Gaue, ferner fanden zwischendurch Wettspiele und Spiclvorführungen statt. Alles in allem wurde heute vormittag brave turnerische Arbeit geleistet und jedenfalls gewährte es einen hübschen und stimmungsvollen Anblick, allenthalben die kräftigen Turnergestalten in ihrer schnei­digen und zweckentsprechenden Kleidung die Hebungen ausführen zu sehen. Nach und nach stellten sich auch trotz der nickst sehr vielversprechende!: Witterung Zuschauer genug ein, ebenso füllte sich die Festhalle. Dazwischen tönten die Klänge der Musik­kapelle, die fortgesetzt neue Vereine nach dem Festplatz brachte. So war denn die Einleitung gut von statten gegangen und warum soll dies im ferneren Verlauf des Festes nicht der Fall sein. Um 2 Uhr heute nachmittag stellte sich im Vadeviertel in ver­schiedenen Straßen der

F e ft z u g auf. Nach und nach sammelten sich die einzelnen Vereine unter ihren Gauen zusammen, eine Tätigkeit, die an, die Festzugvrdner und anderen dazu beorderten Personen die höchsten Anforderungen stellte. Es gelang aber, in diesem Chaos Ordnung zu schaffen, sind es doch gerade die Turner, die infolge ihrer vorzüglichen Organisation und Disziplin sich leicht einordnen lassen und eine flotte Erledigung ermöglichen.

Im Festzuge waren etwa 10 Musikkapellen verteilt. Besonders stark waren die Turnerschafteu von Wiesbaden, der Saarbezirke, der Koblenzer Gegend, des Moselgebietes, Frankfurt, der Taunus- gebicte, der Lahn, Oberhessens und Rheinhessens vertreten. Die größeren und bedeutenderen Turnvereine der einzelnen Gaue hoben sich unter der Masse durch ihre einheitliche Kleidung und geschlossenes schneidiges Auftreten hervor. Die Ehrengäste, der alte Goetz, Kreisvertreter Schmuck und Mitglieder des Aus­schusses der deutschen Turnerschaft fuhren in Wagen mit. Der Zug wickelte sich in Zeit von etwa einer Stunde ab. Auf dem Festplatz aber drängten und schoben sich nun tausende und aber-

H e r t er - Charlottenburg, die in lebhaft bewegter Haltung einen Fischer mit einer in seinem Netze zappelnden fischfchwänzigen Nixe darstellt, Tierstücke von Erich Schmidt-Keßler, Sigismund Wernekind, Otto Richter, ein gut aufgesaßtes Bronze­standbild des plattdeutschen Dichters Fritz Reuter von Hugo Ber - w a l d und eine farbige Wachsbüste eines Knaben von Martin Schauß von so vornehmer Behandlung, wie sie auf diesem wenig gepflegten Gebiete höchst selten anzutreffen ist. Auch die Staffeleikunst ist bei den Berlinern recht gut vertreten durch Werke von Konrad Müller-Kurzwelly, Hans H a r t i g , Leon­hard Sandrock, Heinrich H e l l h o f s, Otto Heinrich Engel, Georg Ludwig Meyer, Konrad Kiesel, Otto S e e ck u. a. m.

Die Düsseldorfer haben ein eigenes graphisches Kabinett, das einen Reichtum von sehr tüchtigen Arbeiten birgt. Es sei hier nur auf die Radierungen von Richard B l o o s, der übrigens seinen Wohnsitz in Paris hat, und August Kaul hingewiesen. Die Aquarellmalerei ist außer in der Abteilung des Vereins Münchener Aquarellisten besonders noch in den Sälen der Münchener Künstler-Genossenschaft durch eine Anzahl hervorragender Meisterwerke gut repräsentiert: das In­teressanteste auf dem Gebiete der Wasserfarbentechnik lieferte aber Hans v. Bartels für den Bayern-Saal mit seinem Bildnis eines holländischen Milchmädchens und einem großen Gemälde in DeckfarbenDie Segnung des Meeres", das einen Gottes­dienst unter freiem Himmel an der Bretagnischen Küste zum Vorwurf hat. Beide Bilder machen auf den ersten Blick ganz den Eindruck von Oelgemälden und sind ein glänzender Beweis für die leuchtende Kraft und die große Wirkungsfähigkeit der Aquarellfarben, wenn ein so großer Künstler, wie Bartels, sich ihrer bebient

Mindestens der Glaspalaft-Ausftellungen der Qualität nach ebenbürtig und öfter noch sie an künstlerischer Bedeutung über­ragend pflegten die Somme raus ft ellungendesVereins b i l d e n d e r K ü n ft l e r M ü n ch e n s ,,S e z e s s i o n" im Kunst­ausstellungsgebäude am Königsplatz zu sein. Von Ueberlegenheit oer Sezessions-Ausstellung kann diesmal keine Rede fein: daß sie aber ebenbürtig ist, dafür bieten schon die Namen eine Gewähr der als Aussteller beteiligten Künstler, wie Angelo Jank, Rudolf N i ß l, Franz von Stuck, Leo Samberger, Fritz von Uhde, Albert von Keller, Richard Pietz sch, Hermann Gröber, Charles Tooby, Richard Winternitz.

Der Sturm- und Drangperiode des Kampfes neuer Rich­tungen gegen das Hergebrachte, die in.ben Sezessionsausstellungen, früherer Jahre oftmals so kräftigen Ausdruck fand, ist längst dahin: ruhige Gleise sind beschritten. Nur bei Franz von Stuck darf man sich immer noch auf Ueberraschungen gefaßt machen. Min­destens schasst er, auch wenn er einen von ihm selbst schon öfter bearbeiteten Stoff einem neuen Werke zugrunde legt, immer wieder etwas Originelles. In einer kleinen Leinwand,Disso­nanz" betitelt, offenbart sich Stuck diesmal als guter Humorist. Ein bärtiger bockssüßiger Pan sitzt auf rasigem Hügel neben einem dicken Heinen Faun; der Kleine bemüht sich, der Hirtenflöte

mit aufgeblasenen Backen Töne zu entlocken, die in ihrer Schreck­lichkeit dem lachenden Alten, der sich mit beiden Händen die Ohren zuhält, schmerzhaft-komische Pein verursachen. Die Abtei­lung der zeichnenden Künste ist nur klein, dafür aber inhaltlich um so bedeutender. Beteiligt sind daran in erster Linie Angelo Jank-München mit farbigen Zeichnungen, die land­schaftliche und architektonische Motive aus Thüngen in Unter franken behandeln, ferner Walther Klem m - Dachau mit Tierstudien in Original-Holzschnitten und Erik W e re n s k i o l d - L y f a k e r bei Christiania mit einer Kollektion von Landschaften und Architek­turen, Radierungen von äußerst sorgfältiger Durcharbeitung und schöner Wirkung. Verhältnismäßig gut ist die Skulpturenabteilnngi der Sezession beschickt. Hans S ch w e g e r l e-München, dessen Kunst sich immer vielseitiger entwickelt, ist mit zwei lebensvollen Porträtbüsten und einer Reihe für die Berliner kgl. Porzellan- mc-nusaktur entworfener äußerst flott behandelter Porzellangruppen vertreten. Ernst Geiger- München hat eine etwas über lebens­große Figur eines Bergsteigers in Sportausrüstung geschaffen. Hermann Hahn stellt seinen klassischen Reiter, zu dem der erste Entwurf in Gips in Ueberlebensgröße in der letzten Winter-Aus­stellung der Sezession zu sehen war, jetzt in Form einer Bronze- statuette aus, in der die Schönheiten des Kunstwerkes besonders zum Ausdruck kommen. Schließlich sind noch einige Porträt- büften von Richard Förster hervorzuheben, während einfrei ans dem Stein gehauenes" Relief des gleichen Künstlers, das einen Baechuszug darstellt, mit feinen unproportionellen Gestalten nicht recht gelungen erscheint.

*

Zu bet Straßburger Stubentenkunbgebung.

Der Rektor der Straßburger Universität hat am dorti­gen schw-arzen Brett eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der er Klarheit über die letzte studentische Ausregung schafft. Es heißt darin:

Die Untersuchung über die Demonstration vom 25. Juli gegen Herrn Professor Dr. Cloetta hat noch nicht dazu geführt, daß die Veranstalter dieser jeder akademischen Disziplin widersprechen­den Lärmszenen zur Verantwortung gezogen werden konnten. Die protokollarischen Vernehmungen haben aber doch bereits soviel ergeben, daß an diesen Szenen die Hörer und Schüler von Prof. Cloetta, wenn überhaupt, so doch in weit geringe­rem Maße beteiligt waren als andere Streife, die mit Herrn Cloetta als Lehrer oder Examinator nicht in Berührung kommen. Die protokollarischen Vernehmungen haben ferner ergeben, daß schon seit einiger Zeit von nicht ermittelter Seite unter der Studentenschaft systematisch gegen Professor Cloetta allerlei Klatsch verbreitet worden ist. Nach der Demonstration ist derartiges Gerede, offenbar in der Absicht, die Demonstration vor der öffentlichen Meinung zu rechtfertigen, auch den Lei­tungen zugesührt und von diesen gutgläubig aufgenommen worden.

So ist durch die protokollarische Vernehmung z. B. folgendes festgestellt worden: Die sämtlichen Kandidaten, aiff

die in Zeitungsberichten hingedeutet wurde, haben übereinstim­mend zu Protokoll erklärt, daß gegen keinen von ihnen die angebliche Aeußerung Cloettas überihre Un­fähigkeit, als Elsässer Französisch richtig aus- i p r e ch e n" gefallen ist. Einer von den Beteiligten aber hat ausgesagt, daß er früher die Aeußerungin dem Sinne ver­breiten hörte: daß die Süd- und Mitteldeutschen nicht richtig Französisch aussprechen könnten, weil sie keine stimmhaften Laute aussprechen könnten; wenn sie aber ernsthaft sich mit Phonetik beschäftigten, dann ginge es doch". Diese rein sachlichen Aeuße- rungen scheinen der Ausgangspunkt für die obigen Entstellungen geworden zu fein. Weiter wurde verbreitet, daß der gegen­wärtige Vorsitzende der Prüfu-ngen, Prof. Dr. Keil, einmal in Gegenwart des Kandidaten zu Prof. Cloetta sich in dem Sinne geäußert habe, daß Cloetta im Examen ungebührliche An­forderungen stellte. Prof. Keil erklärt dieses Gerücht für vollständig falsch. Er hat allerdings einmal während des Examens Herrn Cloetta gebeten, ins Nebenzimmer zu kommen, aber nur, um ihm gewisse Mitteilungen über die vorausgegangene Klausurarbeit des Kandidaten zu machen. Ueber zwei Kandi­daten ging das Gerücht, sie hätten wider Erwarten im Examen bei Pros. Cloetta ein sehr schlechtes Prädikat erhalten. Beide Kandidaten haben zu Protokoll erklärt, daß dieses Gerücht über sie zu einer Zeit verbreitet wurde, wo sie das Examen noch lange nicht gemacht hatten. Endlich war die Be- lrauptung verbreitet, Prof. Cloetta fei schon in Jena von dem Ministerium zu größerer Milde ermahnt worden. Auch dieses Gerücht erklärt Pros. Cloetta für vollständig unwahr.

Mit ziemlicher Bestimmtheit ist anzunehmen, daß das erst­erwähnte Gerücht von der angeblichen Aeußerung über die all­gemeine Unfähigkeit der Elsässer, Französisch richtig zu sprechen den größten Einfluß auf das Zustandekommen der Demonstra­tion ausgeübt hat, an der ja überwiegend Personen teilgenommev haben, die in keinerlei unmittelbarer Beziehung zu dem genannten Lehrer stehen, und einzelnen Aussagen zufolge sogar fremden Fakultäten angehören.

Zum Schluß wird festgestellt, daß die dem Pros. Cloetta zunächst stehenden Mitglieder des romanischen Seminars unt des klassisch-philologischen Vereins ihm persönliche Sympathie­kundgebungen dargebracht und dadurch gezeigt hätten, daß jie mii den Vorkommnissen nichts zu tun haben wollen.

*

KurzeNachrichten aus Kunstu. Wissenschaft. Der schwedische DampferEclus", der für eine Spitzbergen expedition von hundert Teilnehmern des internationalen Geo logenkongresses in Stockholm gemietet worden ist, ist an Freitag in Narvik eingetrofsen und abends nach Spitzberger abgegangen. Die Teilnehmer werden am 17. August in Stockholn znrückerwartet. Wie dieBraunschweiger Laudeszeitung" meldet ist der Bildhauer, Professor der technischen Hochschule und Geheim! Hosrat Karl Echtermeyer im Alter von 65 Jahren am Herzschlag gestorben.