9h:» 177 Zweites
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gtetzener Hamillendlötter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
160. S
General-Anzeig
U
iontag 1. August 1910
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckereb R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^^ 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Juli $870 in Paris.
Interessante Tagebucherinnerungcn aus den aufgeregten Juli- tagen in Paris, da bie Kriegserklärung gefallen war, veröffent- llcht der bekannte Schriftsteller Felix Duguesnel im „Gaulois". ..Ern hertzer, schwüler, in seiner Windstille dumpfer Tag brütet über den Boulevards an jenem 15. Juli, der die Kriegserklärung brachte. Eine vielköpfige Menge drängt sich und schiebt sich, aufgeregt, lärmend, über die breiten Straßen hin. Man spricht, man schreit,, man streitet mit heftigen losesten: die verschiedenen Dialekte lassen erkennen, daß auch aus dem Norden und Süden zahlreiche Neugierige nach Paris geeilt sind. Aus diesem auf- geregten, summenden, schwirrenden Bienenkorb flattern beständig dieselben Schreie empor: ,,A Berlin! A Berlin!" oder auch: „Nieder nut ben Preußen!" Die Klänge der Marseillaise zittern durch die! Luft. Offenbar hat für dies nervös verzückte Volk der Krieg u.lcht den Eindruck von etwas Schrecklichem „Krieg" ist für ckese Menge gleichbedeutend mit „Sieg". Etwas anderes würde sie gar nicht verstehen; sie ist überzeugt, daß cs sich um einen militärischen Spaziergang handelt, mit Berlin als Ziel. Man bereitet für ben Abend Illuminationen vor, und einige grauen haben schon kleine Lämpchen an ihren Fenstern angebracht, ^üe Passanten schreien mit jubelnden Vivatrufen zu ihnen empor: „Es leben die Mütter des Vaterlandes!" Ich bin ganz perplex: was haben denn diese Frauen getan, daß sie die ruhmvolle Anrede „Mütter des Vaterlandes" verdienen?
dem Boulevard ^Montmartre herrscht ein ungeheures (bedränge. Ein Bariton von der Oper hat sich auf das Dach eines Wagens gestellt und singt die Marseillaise. Nicht weit daoon am Boulevard Poissonniöre dasselbe Schauspiel. Auf emer schönen Kalesche hat sich eine ganz in Weiß gekleidete Dame ausgcrichtet, die Sängerin Marie Sasse. In ihrem herrlichen Mezzowpran erklingen die Strophen über den „deutschen Rhein", die Alfred de Müsset als stolze Antwort gegen Beckers Rheinlied gerichtet Einer der Zuhörer begrüßt mich. Es ist der bekannte Romanschrutsteller Adolphe Belot. Er ist tief gerührt: „Wie schön ist das, dieser Enthusiasmus der Menge. . . Der Krieg wird nicht lange dauern, . . . Eine unwiderstehliche Stoßkraft liegt darin, tn diesem unvergeßlichen patriotischen Schwung. Ich wette, in einem Monat wird unsere Armee in Berlin kampieren."
Die weiterströmende Kasse trennt uns. Auf der Straße
Jahr
Prozent
nun die Verhältnisse? Es
in in
der Landwirtschaft städtischen Berufen
1907
159 338
1090 045
Zu- bezw. M nähme — 205 603 +141 002
1895
364 941
949 013
0- 1
1-15
15—30
30-60
60-70
iiber 70
Vor allen Dingen sind die .Kreise, aus denen sich die Kontorangestellten rekrutieren, nicht dieselben wie die, aus denen die Dienstmädchen kommen. Darüber kann gar kein Zweifel herrschen.
im Vorjahre: (203 = 16,4 Prozent), (178 = 14,7 ( 99 = 8,0 (276 = 22,3 (193 — 15,7 (282 — 22,9
Parente leuchten von den Fenstern der Boulevards und der großen Stratzen; die Illumination nimmt ihren Anfang Ein Buch- händler hat eine beleuchtete Inschrift hcrausgehängt, die besagt: JOiei kauft iwan billig ein französisch-deutsches Wörterbuch, wie es die Franzosen in Berlin brauchen werden." Ick mußte hieran denken, als ich zwei Monate spater in dem Bericht über die Zusammenkunft Bismarcks und Moltkes mit dein General Wimpfen bei der Kapitulation von Sedan den für uns so furchtbaren Ausspruch las, den Moltkc dabei getan hatte: „Sie kennen die Topographie der Umgegend von Sedan nicht. Gestatten Sie mir bei dieser Gelegenheit ein kleines Beispiel, das die Anmaßung und den Mangel an Methode ber. Ihrer Nation zeigt. Beim Beginn des Feldzugs waren Ihre Offiziere mit deutschen Karten ausgerüstet, während ihnen die Mittel, dre Geographie Ihres Landes zu studieren, absolut fehlten, da sre kerne Karten von Frankreich hallen."
20 Tage nach diesem 15. Juli kam die erste schwere Enttäuschung. Am 6. August wogt wieder die Menge über den Boulevard, sie ist in ängstlicher Erwartung: Die so ungeduldig ^selmte Depesche ist angekommen, sie muß den Sieg verkünden Endlich erscheinen Plakate an der Börse: sic werden in unzähligen Exemplaren verbreitet: „Die Armee MacMahons hat die des Vrrnzen Friedrich Karl vernichtet. Man hat den Prinzen, seinen Stab und 25 000 Deutsche gefangen genommen. Landau ist er- obert. ' Wilder Siegesjubcl auf den Sttaßen. Fahnen flattern aus den Fenstern, die Marseillaise wird gesungen, und überallher schallen die Freichenrufe: „Es lebe Frankreich, es lebe die Armee!" Ta verbreitet sich plötzlich in der drückenden Hitze, in der sich dieser Rausch entladen hat, ein unhcil schwang eres Gerücht: Dia Nachricht ist falsch! Die Depesche muß von irgend einem zynischen Spekulanten verbreitet worden sein. Der Jubel ver- wandelt sich in Wut. Die Menge wälzt sich nach der Börse und zerbricht dort die Gitter, wendet sich dann nach dem Vendome- platz. Drohrufe gegen den I u st i z m i n i st c r erschallen, bis er aus dem Balkon erscheint. Er erklärt, daß der Fälscher verhaftet werden und ohne Gnade seine Strafe erleiden wird Ist er verhaftet worden? Hat er seine Strafe empfangen'^ Wer wollte das sagen? Man hat nie mehr etwas davon gehört"
188 = 16,33 149 = 12,86
104 — 8,98
236 = 20,36
207 = 17,87
275 = 23,60
Wie steht es nun aber in Wirtlichkeit mit dem Mangel an Dienstboten? Wir müssen unterscheiden zwischen Dienstboten auf dem Lande und Dienstboten in gewissermaßen städtischen Berufen. Soweit es sich um Dienstboten auf dem Lande handelt, also um solche Dienstboten, die in landwirtschaftlichen Betrieben tälig sind, wird jeder zugeben, daß diese für Berufe in Kontoren oder auch jim Laden kaum in Betracht kommen und auch hier nicht hinströmen. Es würde sich daher um diejenigen Dienstboten handeln, die gewissermaßen städtischen Charakter haben, also um Dienstboten bei Industriellen, Handwerkern, Kaufleuten, Beamten, Aerzten, Rechtsanwälten usw. Wie liegen waren vorhanden an Dienstboten
Spanien und der Vatikan.
O Paris, 31. Juli.
Der Kampf, der zwischen der spanischen Regierung und dem Vatikan ausgebrochen ist, wird von der gesamten französischen Presse, der antiklerikalen wie der reaktionären, mit dem gleichen nachhaltigen Interesse verfolgt, da man hier wie dort in den Vorgängen jenseits der Pyrenäen eine direkte Nachwirkung der Trennung der Kirche vom Staate in Frankreich erblickt. Der spanische Ministerpräsident seinerseits lvird nicht müde, den Berichterstattern der französischen Blätter Rede und Antwort zu stehen, so daß diese fast täglich Unterredungen mit §errn Canälejas zu veröffentlichen in der Lage sind. Die neuesten Auslassungen Canalejas, die der „Figaro" veröffentlicht, enthalten im wesentlichen dieselben Gedanken, die auch im „Matin" frunt Ausdrucke gebracht werden:
„Wir hatten Unterhandlungen mit dem Vatikan im Hinblicke auf die Einschränkung der religiösen Genossen- s ck a f t e n eingeleitet, weil wir, ohne dem Vereins-Gesetzentwürfe vorzugreifen, zuvor im Einvernehmewänit ihm und entsprechend dom Konkordate eine Auswahl treffen wollten. Wir brachten für diese Unterhandlungen viel Mäßigung mit. Der Vatikan antwortete uns aber, indem er uns weniger anbot, als er zuvor Herrn Maura in seinem (Snttourfe einer Reform des Konkordates zugestandcn hatte. Da ich die Frage weiter vorrücken lassen wollte, ohne die Verhandlungen abzubrechen, so ergriff ich auf Grund meiner Regierungsvollmachten die Initiative zu Dekreten, welche die Kongregationen zur (Eintragung nötigten und die äußeren Ab- zeichen der Dissidenten Kulte ermächttgten. Damit brachte ich das „Vorhangeschloß"-Geietz ein. Der Vatikan behauptete, diese Maßregeln und meine Erklärungen in den Zeitungen beeinträchtigter die Unterhandlungen, und sandte uns schließlich eine Note mit der Forderung, die Dekrete außer Kraft zu setzen, da er sonst die Verhandlungen Nicht fortführen wollte. Angesichts dieser unannehmbaren Aufforderung beschlossen wir, die Verhandlungen trotz unseres guten Willens als gescheitert anzusehen und die Durch- fuhrung unseres Programms durch Dekrete und äuf qesekgeberischem Wege fortzusetzen. Wir haben endlich den B o t s ch a st e r b e i m Vatikan, Herrn von Ojeda, fine dia zurückbe- rufen und einen Botschaftsrat als Geschäftsträger zurückgelassen. Aus Anlaß dieser Entscheidung war behauptet worden, ich hätte dem Könige die Vertrauensfrage bestellt Das ist unrichtig, da ich, ohne die Person des Königs m die Frage mengen zu wollen, sagen kann, datz das königliche Vertrauen mtr in keinem Augenblicke vorenthalten wurde: denn sonst hatte ich mich unverzüglich zurückgezogen. Der gegenwärtige etaiü) der Frage wird i'ckerdies keineswegs die Abreise der Souveräne nach England, die für die ersten Tage des August festgesetzt ist, verzögern.
Außer dem Streite mit dem Vatikan haben wir uns noch mit Problemen der inneren Politik zu befassen: zunächst mit per Agitation der Ultramontanen von Bilbao, denen wir antworteten, wie sie es verdienten, und denen wir nicht gestatten, daß der geplante Massenprotest den öffentlichen Frieden störe. Hmstchtlich der Aus stände von Bilbao und Gijon haben wir die notwendigen militärischen Vorkehrungen getroffen ohne für die Arbeitgeber oder für die Arbeiter Partei zu ergreifen Was die Arbeitskonflittc unlangt, so warten wir eine gütliche Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ab. Sollte dieses allzulange dauern, bann würden wir die Lösung in den Arbeitsgesetzen suchen, die wir den Cortes zu unterbreiten ge- denken. ^n alledem sind wir uns dessen bewußt, unsere Pflicht enullt zu haben, und fest entschlossen, sie auch weiterhin zu erfüllen." 0
. M adrid, 31. Juli. Im gestrigen Ministerrat machte der Ministerpräsident Canalejas Mitteilung von der Note die er in Erwiderung auf die Note des Vatikans dem spanischen Botschafter de Oieda telegraphierte. Mit Rücksicht auf die fruchtlosen Bemühungen zu einem, Ueber ein kommen zu gelangen, werde er de Ojeda zur Entgegennahme der Instruktionen nach Spanien berufen und den Botschaftsrat als Geschäststräger beim päpst- lichen Stuhl akkreditieren.
erscheint eine Schwadron Dragoner mit gezogenem Säbel, wie au« der Parade. Was für eine schöne Truppe! Wie elegant die Pferde! Wie stolz und unbeweglich sitzen die Männer! „Es lebe die Armee! Es leben die Dragoner!" ruft die Masse. Die Reiter salutieren, die Begeisterung wird zum Delirium, und die Schwadron verschwindet langsam unter dem sie umtosenden Ruf: „A Berlin! A Berlin!" Ich stoße wieder auf einen Bekannten. Es ist mein Freund Jules Verne. „Also auch zu .mir, Sollen, wie alle Welt, den Wahnsinn emes Volkes aus der Nahe sehen?" „Warum Wahnsinn?" „Nun, weil diese Menschen sich einbilden, man spaziert nach Jerlm wie nach Versailles. Sie sagen sich nicht, daß, wenn JSreuben den Krieg ausgenommen hat, wenn es ihn sogar berauf- oeschworen hat, es sich zehnmal dazu bereit fühlen muß, während Ulcht sind. Sie haben furchtbare Reserven hinter ihrer aktiven Armee, wahrend unsere Mobilgarde kaum auf dem Papier ejiftiert . . „Aber Sie wissen doch, Marschall Leboeuf I>at gejagt, wir sind zehnmal bereit, und es fehlt auch nicht ein Ga- mafchenknopf . . ." Er zuckt mit den Achseln. „Vielleicht fehlt wirklich kein Gamaschenknopf, aber das beweist noch nicht, daß uns auch keine Soldaten und keine Munition fehlen werden . . Gamaschenknöpse sind noch keine Bleikugeln." Der scharsfinnige und steptische Romancier will auch nicht in Paris bleiben, er geht nach Nantes, um „dort die Ereignisse abzuwarten".
Nicht lange darauf kommt mir ein hochgewachsener Rann entgegen, em prächtiger Vierziger mit offenem braunem,
em wenig dünnem Haar, blauen, sehr lebhaften Augen und mit einem spottiscyen und feinen Mund, der von einem starken, fast blonden Schnurrbart überschattet wird: Alexander Dumas Wir treten in eine Seitenstraße. „Alle diese Leute da schreien' um zu schreien: das ist ihr Beruf", Jagt er. „Es ist leicht, zu schreien: „A Berlin! Schwieriger ist's, dorthin zu kommen. VM habe Abscheu vor den Deutschen, weil ich wohl weiß, daß sie unsere natürlichen Feinde sind, aber ich kann weder ihre seltene Kraft der Organisation, noch ihre hohen geistigen Fähigkeiten leugnen Ach! Wir haben wohl noch eine schöne Fassade, aber nicht viel dahinter. Ich weiß aus glaubhaftesten Zeugnissen, welche Anstrengungen Deutschland seit Jahren gemacht hat, wahrend wir erngeschlummert sind in Tatenlosigkeit und Selbstzufriedenheit ..."
Es ist Essenszeit, aber kein Mensch denkt daran. Die Nackt st-eigt auf, bunte Lämpchen und mit Devisen geschmückte Traps
Vienftmä-Hen und Kontoristin!
Die Tatsache, daß die Zahl der Dienstmädchen nach den Ausweisen der Berufsstatiftik zurückgeht, daß dagegen die Zahl der weiblichen Angestellten des Handelsgewerbes beträchtlich steigt, führt Z.u dem Schluß, daß diese beiden Ergebnisse miteinander im Zusammenhang stehen. Gegen diese Folberuna wendet sich der Kaufmännische Verband snr weibliche Angestellte (Sitz Berlin), der in seinem Wer- bandsorgan darüber sich wie folgt äußert:
zusamnien 1159 = luü Prozent (1231 = 100 Prozent).
Hieraus ist ju ersehen, daß die Sterblichkeit in b’k eir^elnen eine geringe ist unt> im allgemeinen derjenigen des A?ores 1903 gleichkommt. Auch in diesem Jahre sind nahezu 24 o/„ bet Verstorbenen über 70 Jahre alt geworden.
Auch die Säuglingssterblichkeit ist im Berichtsjahre eme geringe und erreicht kcinessalls die für das ganze Groß- Herzogtum Hessen erniitteltc. Bon diesen 188 im 1. Lebensjahrs ocrftor&euen Kindern sind allein 41 an angeborener Lebensschwäche und Brldungsfchlcrn innerhalb des ersten Monats zugrunde qc- gangen, brachten also den Todcskeiin schon mit zur Welt An Krampfen starben 43, an Magen- und Darmkatarrh (Brechdurch- f*?) 23- Die übrigen 81 sind in der Mehrzahl an Kstankheiten der Atmungsorgane akuten Infektionskrankheiten und Lungen- eutzuudung verschieden.
„Ar^et rSv Todesfälle Kreisangehörigen, geordnet
nad) verschiedenen wichtigeren Krankheiten und Krankheitsgruppen, so ergibt sich folgendes:
y? l L s ch w Ü ch e Ivar, wie bereits erwähnt, '41 mal, t lai- Todesursache angegeben. An Wochenbettfieber ist eine Frau gestorben.
An den sogenannten Kinderkrankheiten starben 70 anSch art a ch 34, an M a s e rn 7, an D i p h t h e r i e >h h u st en 18. Ausgedehntere Epidemien von Q~Lar^ LErrschten tn Gießen Hungen, Watzenborn-Steinberg, ^-ich und Burkhardsfelden. Diphtherie war verbreitet in Gießen, gen, Londors, Bettenhausen. Masern und Keuchhusten traten embenttfef) m vielen Orten des Kreises auf. An akuter epi- ■ J K-. lNderlahmun g, die im vergangenen Jahre zum ^ einzelnen Orten des Kreises epidemisch auftretend be- 1 tol^ ^d im Berichtsjahre tm ganzen 4 Kinder im Alter von 13/4~3 ^afjren gestorben. Diese Krankheit trat in früheren ?Wenbei uns unter dein Namen spinaler Kinderlähmung öfter sporadisch auf. Erst im Oktober und November 1909 litz sich em gehäuftes Auftreten auch in Hessen feststellen. Nach Ober- nS bLe cmft? verschleppt aus dem Jndusttie-
gebiet Westfalen der Bahn entlang nach Marburg und Umgebung und von da nach Garbenteich woselbst wir 8 typische Erkrankungen etuieren fonnten ^L-^p^fäne daselbst). Sporadische Erkrankungen kamen in Gießen, Wieseck, Lollar und Kleinlinden vor, woselbst fick nachher (lm >iahre 1910) lleinere Epidemien entwickelten. Den An- steckungsstofs kennen wir noch nicht; wir sind über dessen Natur ?uf Vermutungen angewiesen Jedenfalls so viel ist sicher, daß das Ansteckungsgnt sehr beständig ist, oft von Kind auf Kind oder auch durch Erwachsene als Zwischenträger übertragen fterben fann. 2(m besten schützt man sich daher und seine Kinder vor solchen Erkrankungen, wenn man die Wohnungen und die Berührung mit den Erkrankten wenigstens in den ersten Wochen wr Grfranfung strenge meidet. Wenn erst einmal die typische Lähmung eingetrefen ist, fefcint die Krankheit nicht mehr so ansteckend zu sein.
An Unter le ibstyphus ist ein Erkrankter gestorben, an Wundrose starben 5, an anderen Wundinfektions- krankHerten 8 Kreisangehörige.
. m11 .SungenffitoinMiKfit sind 143 Personen gestorben lim Vorjahre 136), oder von 10 000 Einwohnern 15,5. In den 80er Jähren toar bie Sterblichkeit bekanntlich über 30%oo, in ben 90er Jahren über 20 %oo und im Vorjahre 14,7 o/000/ ein Beweis dafür, daß der in den letzten Jahren auf allen Seiten aufgenommene „Kampf gegen die Tuberkulose" auch bei uns schöne Erfolge zeitigt. An Tuberkulose anderer Organe starben 46, an allgemeiner (Miliar-) Tuberkulose starben 5 Personen.
Die Lungenentzündung forderte tm Berichtsjahre 89 Opfer, die Influenza nur 15.
An anderen Krankheiten der Atmungsorgane starben tm Jahre 1909 76 Personen, an Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße 81 und an Gehirnschlag 55. -ß Krankheiten des Nervensystems brachten 76 Sterbesalle; darunter sind einbegriffen die bei der Säuglingssterblichkeit erwähnten 43 Fälle von Krämpfen. An a n d e r - wettigen Erkrankungen der Verdauungsorgane find 23 Personen gestorben, an Blinddarmentzündung 2 Kreisangehörige. An Krankheitender Harn-undGe- schlechtsorga ne verschieden 33, an Krebs 81, an anberen Neubildungen 10 Personen.
Wir sehen demnach, daß in der Landwirtschaft die Zahl der Dienstboten zwar stark abgenommen, in den städtischen Berufen aber Kugenommen hat. Rechnet man zu diesen Dienstboten noch diejenigen, die nicht volle freie Station im Hause haben, so wird das Bedürsnis in städtischen Berufen durch das Angebot ziemlich gedeckt. Es ist kein Ueber- fluß an städtischen Dienstboten da: aber von einem absoluten Mangel kann man auch nicht sprechen. Damit sind aber auch alle die Folgerungen, die aus der Abnahme der Dienstboten und der Zunahme der kaufmännischen Angestellten gezogen werden, hinfällig.
Im übrigen ist die geringere Zähl der Dienstboten auf dem Lande nicht bloß die Folge eines Abströmens in andere Berufe. Vielmehr zeigt uns die Berufszählung, daß die Zahl der mittätigen Familienangehörigen auf dem Lande außerordentlich gewachsen ist. Wenn auch sicher ein Teil dieses Wachstums nur scheinbar ist und seinen Grund in einer besseren statistischen Erfassung dieser Personenkate- gorie hat, so erscheint es doch ebenso wahrscheinlich, daß tatsächlich ein erheblicher Zuwachs an rnittätigen Familienangehörigen stattgefunden hat, weit viele Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe bei dem Mangel namentlich an männlichen landwirtschaftlichen Arbeitern ihre Tochter nicht in die Stadt schicken, damit sie als Dienstboten ihr Geld verdienen, sondern sie in ihrer eigenen Wirtschaft zurückbehalten, wo sie sich nützlich machen und die fehlenden landwirtschaftlichen Arbeiter ersetzen sollen.
Die Bewegung der Bevölkerung, die Sterblichkeit und der Gesundheitszustand tm weise Gietzen im Jahre (909.
„■7oSebe? 80 Gememdeii des ^reifEä @ie6en finb im Jahre 1909 1472 Knaben und 1336 Mädchen lebend geboren worden zusammen demnach 2808 Kinder. Hiervon kommen als Bevölkerungszuwachs nicht in Betracht 531 Kinder, welche in bet Frauenklinik geboren als Kinder fremder Mütter alsbald wieder weggebracht wurden. Der Zuwachs berechnet sich demnach auf tm ganzen 227 7 Neugeborene: das sind bei 92 320 auf ote Jahresmitte berechneter Einwohnerzahl 24,7 auf 1000 Bewohner als Zuwachs durch Geburt.
r Totgeboren wurden 60 eheliche und 20 uneheliche, zu- jammen 80 Kinder, die zum größten Teile kreisfremben Müttern angehorten.
en sind im Berichtsjahre 1424 Personen und Zwa. 723 mamilichen und 701 weiblichen Geschlechts (im Vorjahre die Zahl der Tobesfälle 1487). Die Sterblichkeitsziffet beregnet ftd) hieraus auf 1000 Einwohner auf 15,4. Wir bringen icbod) die in ben hiesigen Krankenanstalten 265 verstorbenen kreisfremden Personen in Abzug, behalten somit 1159 kreisangehörige übrig mit einer S t e r b l i ch k e i t s - 0 n '1 2,6 Voo- Für die Kreisstadt Gießen war die Sterblichkeitsziffer nach Abzug ber Ortsfremden im verflossenen ^zayre 1U,u°/qo.
, , Diese 1159 verstorbenen Kreisangehörigen sind verteilt auf folgende Altersklassen:


