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GerLcht-saat.
Berlin, 30. Juni. Die 25 jährige Arbeiterin Agnes^ Tenzer, die vor 31/» Jahren ihr damals sieben Wochen altes Kind erstickt und die Leiche zu verbrennen versucht hatte, und/ als ihr dies nicht gelang, mit einem Hackmesser zerstückelte, wurde vom Schwurgericht des Landgerichts II zum Tode verurteilt.. Die Geschworenen erklärten sich einstimmig bereit, ein Gnaden- gesuch für die verurteilte zu unterzeichnen.
Metz, 30. Juni. Das Schwurgericht verhandelte heult gegen ein 26jähriges Dienstmädchen, das beschuldigt war, sein uneheliches Kind gleich nach der Geburt getötet zu' haben. Die Angeklagte war, als sie noch in Bclsort in Stellung war,, von einem jungen Handwerker verfuhrt worden uni) hatte, als sie später in ihrer Stellung bei einem Pfarrer in Montignh war, das Kind in eine Abwässergrube geworfen, wo es spater als Leiche vorgefunden wurde. Das Mädchen gab an, daß die Tat in einer Notlage begangen habe, da es um seine Existenz' habe fürchten müssen. Die Geschworenere verneinten die Frage nach vorsätzlicher Tötung, worauf Freisprechung erfolgte.
D arm st ad t , 30. Juni. Die S t a dt v er o r dn e te n genehmigten heute eine Vorlage der Bürgermeisterei, über die Versorgung von ArheilgenmitWasseraus dem Zen trat Wasserwerk der Stadt. Der vorgelegte Vertrag wurde mit einigen Aendernngen angenommen und die für die Nohrlegung erforderliche Summe von 120 000 M. bewilligt Diese Summe hat Arheilgen mit 5o/ö zu verzinsen. Der Wasserprell soll jeweils 1 Pfg. mehr betragen, als in Darmstadt. Man rechnet damit, daß die Eingemeindung A r h e i l g e n s in etwa 5 Jahren erfolgen wird. Wenn sich die Wasserleitungsanlage innerhalb drei Jahren mit 5o;o von selbst rentiert, soll die Zinsverpflichtumg der Gemeinde Arheilgen aufhören.
j[ Marburg, 30. Juni. Der soziatdemotratische Schriftsteller Eduard Bernstein aus Berlin sprach gestern abend int Hotel Freidhof auf Veranlassung der Freien Studentenschaft vor einem zahlreichen, aus Studenten und Arbeitern bestehenden Publikum über die Frage: „Wohin ft euertunseremoder ne Kul tirr?" Seine Ausführungen sanden Beifall. — Das am 1. Juli 1908 abgebrannte städtische Elektrizitätswerk, die Herrenmühle, wird nach langen Verhandlungen jetzt wieder so aufgebaut, daß sie sich ihrem historischen Charakter anpaßt und zugleich der dort so sehr nötigen Straßenverbreiterung etwas Rechnung trägt.
Zum Friedberger Attentat.
IN Berliner Blättern war gestern die Nachricht enthalten, daß der entflohene Werner nur zwischen zwei Zügen in Lüttich geweilt habe und sofort weitergereist sei. Diese Nachricht war falsch, denn das Wolffsche Depeschenbureau meldet heute die
Verhaftung Werners
in folgendem Telegramm:
Brüssel, 30. Juni. Wie das Abendblatt„Derniere Heure" meldet, ist der der Mitschuld an dem Friedberger Verbrechen verdächtige Karl Werner heute in Lüttich verhaftet worden, wo er sich unter dem Namen Schmidt aufgehalten hatte.
Bei der Gießener Staatsanwaltschaft ist noch keine amt- liche Bestätigung dieser Nachricht eingegangen.
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Der Bankvor ft eher M eher befindet sich dauernd auf dem Wege der Besserung und konnte heute bereits das Bett verlassen. Eine weitere Vernehmung findet erst nach vollständiger Genesung statt.
ergewählt.
O Bad-Nauheim, 30. Juni. Heute hatten wir auf der T e r r a s s e ausländischen Besuch. Nachmittags und abends konzertierte dort die Kapelle des Kgl. schwedischen Dal-Regiments aus Stockholm. Trotz der schlechten Witterung waren beide Konzerte gut besucht. Die fremden Soldaten, lauter schön gewachsene Männer, waren in den schmucken, schwedischen Uniformen mit den gelben Aufschlägen doch eine außergewöhnliche Erscheinung und hatten daher eine starke Anziehungskraft ausgeübt.
•* Das Standgericht des I n s a n t e r ie - R e g i - incnts Kaiser Wilhelm verhandelte m seiner Sitzung am Mittwoch gegen den Musketier E. ber ^cibfonipngiüe wegen Ungehorsams gegen einen Befehl in Dienstsachen, A ch t u n g s- Verletzung und Beleidigung eines Vorgesetzten. Ter Angeklagte, zu Mauloff, Kreis Usingen, geboren, von Berni Bautechniker, ist bereits sechsmal disziplinarisch, darunter dreimal wegen Vergehen gegen die Disziplin mit zusammen 11 Tagen mittleren Arrest vorbestraft. Seine Führung m der Kompagnie ist als schlecht bezeichnet. Am 30. April war der Angeklagte mit anderen Leuten der Kompagnie zum Kohlenempsang bei der Garrn- son-Derwaltung kommandiert. Nachdem die Kohlen empfangen waren, ließ der Sergeant einige Leute wegtreten und befahl den übrigen Leuten, worunter sich auch der Angeklagte deiand, zum Holzempsang zu fahren und dort so lange zu matten, bis der das Holz ausgebende Kasernenwärter komme. Nachdem die Leute einige Zen auf den Kasernenwärter gewartet hatten, begaben sie sich alle bis auf einen Mann in die Kantine und verweilten dort längere Zeit Als der Sergeant, dem das lange Ausbleiben der Leute aufsiel, sich nach ihrem Verbleib erkundigte, erfuhr er von dem zurückgebliebenen Mann, daß sich die anderen Leute in die Kantine begeben hätten, woraus er einen Gefreiten nachsandle, um sie zurückzuholen. Bet der Zuredestellung der Leute über ihr Verhalten lachte der Angeklagte, ivoraus der Sergeant annahni, das; B. betrunken sei; er sagte zu ihm: „Sie sind ivohl betrunken?" oder so ähnlich. Ter Angeklagte erwiderte: „Ich bin nicht betrunken, ich verbitte mir das!" Der Sergeant meldete diesen Vorfall der Kompagnie, ivorauf gegen den Angeklagten ein gerichtliches Verfahren eröffnet wurde. In dem Verhör vor dem Gerichtsofsizier entschul- digte der Angeklagte fein achtungswidriges Benehmen damit, daß er angab, der Sergeant genieße feine Achtung vor den Leuten, da das Gerede in der Kompagnie bestände, er verkaufe der Kompagnie gehöriges Brot in der Kantine. Als Zeugen hierfür benannte er verschiedene Musketiere. Ferner befnnuete er, der Rekrut Z. habe gesehen, daß der Sergeant etlvas aus einer Konservebüchse gegessen habe; Z. habe sich darauf bei einem allen Manne danach erkundigt, ivas das gelvesen fein könne. Es wurde hierauf die Ver- mulmig ausgesprochen, daß es Fleischkouserven gewesen sein könnten. Zeuge Z. stellt jedoch die Aussage des Angeklagten m Abrede. Ter Sergeant gab an, daß er leere Büchsen auf seiner Stube stehen hatte, aus denen er von dem Spengler Nuslcticw G. Sprengtrichter für die Stuben habe fertigen lassen, was Musketier G. auch bestätigte. Durch die Zeugen wurde weiter festgestelll, daß aUgcmeiit)
Zur Strandung des L. 3. VII.
Wellendorf, 30. Juni. Ter größte Teil des Luftschiffes „Deutschland" ist bereits aus dem Bahnhof Wellendorf verladen. Die Hintere Gondel, die Passagierkabine und die Ballonhülle werden im Lause des Nachmittags verladen werden. Die Ueber- reste des Aluminiumgcrippes des Luftschiffes werden zum Einschmelzen in die Fabrik gesandt, während die Motore und die Gondeln nach Friedrichshafen befördert werden.
Osnabrück, 30. Juni. Direktor Colsmann ist heute früh nach Düsseldorf ab gereift, Oberingenieur Dürr hat sich wieder an die Unfall stelle begeben.
Berlin, 30. Juni. Hauptmann Hildebrand berichtet im „Tag" über eine Unterredung mit dem Grafen Zeppelin; dieser sagte u. a.: Es habe sich heraus gestellt, daß die drei Motore völlig intakt geblieben seien. Lediglich der Umstand, daß bei der Schrägstellung des Luftschiffes nicht mehr genügend Benzin zu lief, habe das Verjagen des Motores
herbeigefuhrt. Jedem anderen Luftschiffe märe untei die "N Um- tändelt genau dasselbe geschehen. Der Gras m ei nie, day cm neues Gerippe in etwa acht Wochen fertiggestellt sein wurde, w daß schon int September die Fahrten wieder Qufgenommen werden konnten.
Der Schaden betragt etwa 100 000 Mark, da der größte Tell des Materials wieder verwendet juerben kann. Die ;)Cpnelin- Gesellschaft baut sofort ein neues Luftschiff, das der Luttschüfahrts- A.-G. zmn Selbstkostenpreis überlassen und bereits im Spätsommer wieder in Dienst gestellt werden soll.
Eingesandt.
(Für Form und Jnhall aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Infolge der günstigen ErnleanSsichten in Argentinien sind dio Getreidepreise in den letzten Wochen ganz enorm gefallen. Trotz- dem lassen sich die Bäcker hier in Gießen die allen h o h e i» Preise bezahlen. Ich erlaube nur die ergebene Anfrage bei der Backer-Innung, ob ui aller Kürze nicht ein bedeutender Abschlag in Brot unb Brötchen zu erwarten ist? Civis.
oebämpften schwingenden Systemen unter Veränderlichkeit (rfi'er Destinrmungsstücke quantitativ untersucht und demon- nviert roerben können." . .....
im Mittag fcnrd im Steins Saalbau ein ^eftenen für die Dozenten und Beamten statt. Hieran schließt sich ein <??artentm^ert an. _________________—
L. Friedberg, 30. Ium. Die letzte Sitzung der Stadtverordneten fand unter Leitung des Beigeordneten Windecker statt. Er gab zunächst einen Ueberblick über das Bombenattentat und berichtete über die von ihm in der Sache zunächst ergriffenen Maßnahmen. Als 3. Beigeordneter wurde Stadtverordneter Gg. Falk mit allen gegen eine Stimme gewählt. Der Vertrag mit dem Fiskus wegen der Berechtigung des Wallerholens am Lud- wigsbrunnen wurde genehmigt. Ein Zuschuß zur Automobilpoft wurde, -vie auch von den übrigen beteiligten Gemeinden, abgelehnt. Zum Direktor der Gvwerbeakabemic mürbe der Dozent Diplom-Ingenieur MeLks einstimmig gewählt.
0 Friedberg, 30. Juni. Hier und in Bad-Nauheim beginnen am Samstag für höhere Schüler und Bolksschüler die großen Ferien. In unserer „Stadt der Schulen" ist der Juli durch die Ferien zum rühigften Monat des Jahres geworden. Besonders die Kaiser, . uße, wo ine Gymnasiasten und Seminaristen ihren täglichen „Bummel." machen, verliert — da nun auch die Backfische mehr zu Hause bleiben! —, viel an Leben und Abwechslung. Sie wird für die Zeit auch zu einer „stillen" Straße. Nur die Gewerbeakademie und das Predigerseminar machen erst später Ferien.
*» In Amer ika verstorbene Hessen Kaspar Deckenbach, 35 Jahre alt, aus Mittel-Seemeilen Ptttsburg: F Vinhard G6 Jahre alt, in Cleveland; Frau Elnabeth Walther, geb. Willmann, 48 Jahre alt, aus Mümlmg-Grum- bach, in Dahton; Dr. Karl Bruck, 54 Jahre alt, aus Mmnz, in Milwaukee. Frau Elise Frank, geb. Rettberg, a3 .^ahre alt, aus Nidda, in Etticvt: Joh. Pete^ Velten, 80 Jahre alt in Hillsdale, anS der Nähe von Gießen.
-r-Heuchelheim, 30. Juni. Auch dies es Jahr wollen die hiesigen Gesangvereine eine Zusammenkunft veranstalten. Sie soll ähnlich werden tmc tnc vorjährige auf dem Windhof. Lokal und Tag sind bis jetzt noch nicht festaelegtt Diese jährlichen Zusammenkünfte sind ein beredtes Zeugnis für die Einigkeit zwischen den sonst ganz selbständigen Vereinen.
1[ Lich, 30. Juni. Zahlreiche ärmere Familien der Stadt und der Nachbarorte haben jetzt einen hübschen Verdienst durch das E r d b e e r p f l Ü ck e n. Die Ernte ist heuer recht reichlich. Es werden hier 50—60 Pfg. für den Topf bezahlt.
ch Bettenhausen, 30. Juni. Der bei dem Friedberger Attentat verletzte taubftumme Junge, Bommers heim, ist ein hiesiges Kind, das sich in der Friedberger Taubstummenanstalt befindet. Der Knabe i|t auf dem Wege der Besserung.
§ Kaulstos, 30. Juni. Bei der gestern vorgenommenen Bürgermeister wähl wurde der seiiherige SSürgermelfter Heinrich Usinger VIIL einstimmigwie-
Au» Stadt und Land.
Gießen, 1. Juli 1910.
•• Um Verzögerungen zu vermeiden, ersuchen wü dringend, für die Redaktion des Gießener Anzeigers befinnmte Zuschriften niemals an die persönliche Adresse eines der Redakteure, sondern stets an die „Redaktion des Gießener Anzeigers" zu adressieren. Ebenso sind für den Verlag und die Expedition bestimmte Sendungen immer an diese und niemals an persönliche Adressen zu richten.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurden den Schulamtsaspiranten Karl Friedr. Daunheimer aus Wornis, Friedr. Musse! aus Eichloch, Lours Schmetzer aus Rothenburg o./Dauber, sowie den Schulamtsasprram timten Anna Dauernheim aus Marburg a b. Lahn unb Gertt. Walter aus Breslau Lehrer-, hezw Lehrerin- üellen a:n ber Volksschule zu Worms. .
•• Der Generalmaior v. Francois ist mit seinem Adjutanten zur Abhaltung der Generalmusterung hier eingetroffen und im Hotel Großherzog von Hessen abgestiegen.
” Gauturnfest Gründ erg. In der Besetzung der Kampsrichterstellen für das Einzelwettsechten bet dem Gauturnfest Grünberg ist infolge der Jubelfeier des Maingaues insofern eine Aenderung emgetreten, als an Stelle des verhinderten 1. Kreisfechtwarts dessen Stellvertreter A. Lösche aus Mainz, sowie die Fechter August Spier und Georg Sparwasser von Biitzbach als Kampfrichter gewählt worden sind. Obmann wird voraussichtlich der Professor Wämser von Butzbach sein. Das Einzelwettsechten beginnt am Sonntag morgen um 9 Uhr unb wird auf französischem Florett oder italienischer Spada und deutschem Sabel in feste
Mensur ausgetragen.
♦* Fest ber fortschrittlichen Volkspartei. Man schreibt uns: 'Da der Andrang zu dem Zug, ber 2.03 nach Lollar abgeht, voranssichtlich sehr groß iixrb, so ist der Bahuhofs-Vorftanb davon in Kenntnis gesetzt und um Einstellung einer hinreichenden Anzahl von Wagen ersucht worben. Es cmpsiohlt sich, Sonntagskarte nach Lollar zu mehmen. Hoffentlich benutzt bas fortschrittlich gesinnte Bürgertum recht zahlreich die Gelegenheit, sich auf so angenehme Weise politisch zu betätigen. In den Landorten um deii Staufenberg ist das Interesse sehr groß.
**Diel5. Ruder-Regattaber GießenerRuder- Gesellschaft 187 7, die am 16. unb 17. Juli stattfindet, bat einen recht günstigen Nennungsfchluß zu verzeichnen. Zu den vierzehn Rennen haben sich 14 Vereine mit 44 Booten und 229 Ruderern gemeldet, also erheblich mehr als bei bei letzten , Regattci. Ter Doppelzweier ohne Steuermann, zu dem mir Frank- ■ für ter Ruder-Gesellschaft Germania gemeldet hat, fällt aus. Zu Den übrigen Rennen, die durchweg gut besitzt sind, finden mehrere Vorrennen statt, die am Samstag nachmittag 5 Uhr beginnen. Das Verzeichnis weißt folgende Meldungen auf: 1. Jean Kirch Gedächtnis-Rennen (Herausforbcrungspreis): Limburger Ruder- Lerein, Weilburger Ruder-Verein, Gießener Ruder-Gesellschaft 1877; 2. Junior-Achter (Ehrenpreis): Ruder-Verein „Hellas"- 1 Cffenbad: a. M., Gießener Ruder-Gesillfck)aft 1877; 3. Einer siLahnpokal): Frankfurter Ruder-Gesellschaft Germania (1. Boot), ^Frankfurter Ruder-Gesellschaft Germania (2. Boot), Mainzer :iiuber-Gesellschaft 1902: 4. Prinz Eitel-Vierer: Hanauer Ruder- Gesellschaft 1879, Gießener Ruder-Gesellschaft 1877, Kölner "üuder-Verein von 1877, Mainzer Ruder-Gesellschaft 1902, Weilburger Ruder-Verem; Zweier ohne Steuermann (Heraussorbe- rungsprÄs): Ruderklub Bamberg, Gießener Ruber-Gesellschaft 1877; 6. Zweiter Vierer (Ehrenpreis): Offenbacher Ruder-Ge- sellschasr „Undine", Emser Ruber-Berein, Hanauer Ruber-Gesell- ichasl 1879, Frankfurter Ruder-Klub 1884; 7 . Junior-Vierer ^Ehrenpreis): Ruder-Verein „Hellas" Offenbach a. M., Osfen- bacher Ruder-Gesellschaft „Unbine", Kölner Ruder-Verein 1877, Gießener Ruder-Gesellschaft 1.877, Ruder-Verein Ems, Frankfurter Ruder-Gesellschaft Sachsenhausen; 8. Junior-Einer (Ehren- vreis): Emser Ruder-Verein, Mainzer Ruder-Gesellschaft 1902; 9. Akademischer Vierer (Heraussorderungspreis): Ruder-Gesill- ichaft Heidelberg, Gießener Ruder-Gesellschaft 1877; 10. Doppel- Zweier ohne Steuermann: Frankfurter Ruder-Gesellschast Germania Fällt aus»; 11. Junior-Vierer (Lahnvierer): Limburger Ruder-Verein von 1895, Gießener Ruder-Gesellschaft 1877, WÄl- hutger Ruder-Verein: 12. Großer Vierer (Wanderpreis): Gießener Ruder-Gesellschaft 1877, Kölner Ruder-Verein 1877, Hanauer Ruder-Gesellschaft 1879, Mainzer Ruder-Gesellschaft 1902; 13. Ermunterungs-Vierer: Frankfurter Ruder-Gesellschaft Sachsenhausen, Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (1. Boot), Ruder-Gesellschaft Heidelberg, Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (2. Boot); 14. Großer Achter <Wanderpreis): Hanauer Ruder-Gesellschaft 1879, Kölner Ruder-Verein 1877, Ruder-Verein „Hellas" Offenbach a. M., Gießener Ruder-Gesellschaft 1877, Offenbacher Ruder- Eefellschast „Undine".
** T a s Kolosseum wird von heute ab auf einige Zeit geschlossen um zunächst gründlich renoviert zu werben, vtm 1. August übernimmt es Herr Allert Rö s ch von Höchst a. M., ber bisher in großen Etablissements tätig war. Ständige Spezialitatenvorstellungen iverden in Zukunft nicht mehr veranstaltet werben, sonbern nur noch, wenn ber Saal nicht burch anbere Veranstaltungen in Anspruch genommen ist.
** Fernsprechwesen. Das Verzeichnis ber Teilnehmer an den Fernsprechnetzen im Oberpostdirektionsbezirt Darmstadt ist in einer neuen Ausgabe erschienen. Beigegeben ist eine Zusammenstellung ber Teilnehmer an dem Bezirksnetz Frank- furt und Umgegend, während die hessische Stadt Offenbach seltsamer Weise sehlt, da sie in dem Verzeichnis der Oberpostdirettwn örantfurt enthalten ist. Die Vermehrung der auf einer Seite besinülichen Spalten timt 2 auf 3 erhöht nicht gerade die Ueber- sichtlichkeit des Ganzen. Auch die Tatsache, baß bei vielen Orten einfach auf benachbarte Orte verwiesen wirb — z. B. Großen- Lniden: Tsiilnehmcranschlüssc siehe Gießen — ist für den Gebrauch imprattisch. Geradezu unbegreiflich ist aber, daß man 6. B. bei Gießen unter „Bürgermeisterei" die Bürgermeistereien <^roßen-Linden Krofdorf und Wiesick findet, nicht aber die Gießens. Um deren Telephonnummer zu finden, muß man unter „Stadt Gießen" suchen, eine bureaukratische Merkwürdigkeit, die für die Anrufer in vielen Fällen mir Zeitverlust bedeutet.
** Der Landesverband ber Hessischen Fleischbeschauer hält am Sonntag, 3. Juli, in Oppenheim seine Lanbesversammlung ab. Es stehen u. a. zur Beratung als Anträge bes Lanbesverbmibs- vocsranbes: Einführung' ber obligatorischen Trichinenschau in ganz Hessen unb Einführung ber Fleischbeschau für private SchlachMngen. .Kreisveterinärarzt Dr. K n e l l - Gießen ' hat einen Vortrag über F l e i s ch b e s ch a u u n b V e t e r i - narpolizei zugesagt.
** Die Befugnis zur Ausbilbung von Kiastivagenführcrn würbe dem Automobil- unb Fahrradhänbler Wllh. Hamel hier erteilt.
Der Allensteiner Mordprozetz.
«4 A l l e n ft ein, 30. Juni.
Nachdem die Angekagte gestern völlig zusamucengebrochen ist, stand heute am 20. Berhandlungstage, der voraussichtlich der letzte fein wird, das Gericht vor der fct)iüierigen Frage, wie weiter zu verfahren sei, um eine beinahe vierwöchcntttche 'Arbeit nid)t vergeblich geleistet zu haben. Nachdern der Vorsitzende um 9.20 Uhr die Sitzung eröffnet hatte, sie Ille er fest, daß Sie Angeklagte nicht ersck-ienen fei. Er teilte darauf mit, daß die Frau v. Schönebeck- Webei nocti gefiern abent* schwere Anfälle erlitten habe, so daß die medizinischen Sachverständigen geholt werden mußten. Die Verteidiger hätten dann ihn, den Vorsitzenden, an das Krankenbett kommen lassen, um sich von dem Zustande der Angeklagten zu überzeugen. Er habe sie völlig apathisch gefunden, sie erkannte niemanden. Auch bei einem jpäicien Besuch hatte sich der Zustand nicht gllesseri. Die Angettagte biß um sich und mußte von zwei Frauen gehalten werden. Tas Urteil der medizinischen Sachverständigen geht übereinstimmend dahin, daß an eine Verhandlung heute nicht zu deuten ist. Einige^ neigen zu der Einsicht, daß vielleicht versucht werden könnte, am Freitag zu verhandeln. Aus '-betragen durch den Staatsanwalt erklären die Sachverständigen ferner, daß Simulation vollständig ausgeschlossen sei. Der Gerichtshof beschließt, morgen früh IO1/* Uhr noch einmal den Versuch zu inachen, in die Verhandlung einzutreten. Sofort nach Schluß bec heutigen Sitzung hatte die Angeklagte zivet neue starke Anfälle. Sie sah ihren Vater und ihren ermordeten Ehemann aus dem Grabe einporftcigen und wollte vor 'Angst aus dem Bett springen, in dem sie nur mit Muhe zurückgehalten werden konnte. Sie ries wiederholt, daß sie nicht verrückt sei und nicht nach der Irrenanstalt Kortau wolle, daher auch nicht entmündigt werden dürfe. — Aufsehen erregte es, daß die immer noch hier weilende Zeugin Neugebauer auf dem Grabe des Hauptmanns v. Göden, angeblich tm Auftrage ehemaliger Kameraden, einen Kranz nieder- legte.
Itii der Kompagnie darüber gesprochen wurde, daß Sergeant R. Brot verkauft hätte; doch konnte niemand der Zeugen den Urheber oder einen Verbreiter dieses Gerüchts namhaft machen. Tte Ermittelungen haben ergeben, daß der Sergeant R. mehrere 'Male eine größere Anzahl Brote in der Kantine geborgt hatte, da das emp- sangene Brot nicht reichte, weil zu wenig Brote migefordert waren. Diese Brate wurden dann später durch verschiedene Musketiere wieder in die Kantine zurückgebracht. Dieses mag wohl zu der Vermutung geführt haben, daß Sergeant R. die^ Brote uerfauit habe. TaS Gericht erblickte in der Anschuldigung des Sergeanten eine Beleidigung im Sinne de§ § 01 Abs. i 2ll.-St.-G.-B. Der Vertreter der Anklage hob in feinen Ausführungen die Schwere der Vergehen gegen die Disziplin hervor und daß wohl anziniehmen sei, daß sich der Angeklagte durch die fchwere Beschuldigung an dem Sergeanten habe rächen wollen. Er beantragte, den Angeklagten wegen sämtlicher Vergehen, unter Festsetzung der Einzel- strafen, zu einer Gesamtstrafe von 2 8 Tagen strenge n Arre st zu verurteilen. Das Gericht erkannte dem Anträge gemäß wegen Ungehorsams gegen einen Dienslbcfehl, Achtungsverletzung und Beleidigung eines Vorgesetzten auf 28 Tage strengen Arrest.


