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06/09/1909 Erstes Blatt
 
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Reichstag und Bunöesrat bei Zeppelin.

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Telephon

Z 814

^CinS3om Grafen Zeppelin ist aus Friedrichshafen im Rathaus, von Spandau nachstehendes Schreiben eingegangen:

!Rr. 208

<r Siebener Anzeiger scheint täglich, außer «nntagS. - Beilagen: termal wöchentlich

i tfientr$*mUienblätkr;

jetinalroöchenil.Kreisc ,;<ti für öen Kreis (Sicßcn Dienstag und Freitag) ; jeimal manatl. Land : jllfchaftliche Seitfragen i.srnfprech -Anschlüsse- m die Redaktion 113, | st erlag u. Expedition 51 I ] Irefle sür Depeschen:

Slnzetger Gießen. Imimahme von Anzeige« i x die Tagesnuiniiter ) i vormittags 9 Uhr.

il) Lindau: auch 'ein Teil der Deputation der Stadt München tb auf Einladung des Grafen Zeppelin an der Fahrt teilnehmen

sssteiiw dwigshosfnun, d, gleichwertig ikctt. =

Friedberg stocssti

'2ln den Magistrat der Stadt Spandau. Es u'i mir ein

..... 'v /tL2von

naldirektvr Inst vom Reichsamt des Innern, die Bevollniäch

I Lrfnt zum Bundesrat Dr. v. Euckeiv-Addenlurusen, Nebel und )*en, (Wjennrat Fischer wachsen. Staatssekretär Ternburg wird

ch erwartet. Auch Geheimrat Dr. veraefcN ist anwesend, sowie -itcr Vertreter der Städte Stuttgart, Konstanz, Friedrichshafen

ergänzt iamt.

Pre«s:^5^

'er Zäbnc in G°^ ellan'und Zemeiit__

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Anziehen.

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)09. r,,rn.

Graf Zeppelin erwiderte auf diesen mit großer Be­geisterung aufgenommenen Trinkspruch:

Wenn es meine Ausgabe ist, mein Werk zu fördern und weiter auszubilden, so mögen Sie ermessen, welche hohe Freude es für mich war, daß mir die große Ehre zu Teil wurde des Besuches von Bundesrat und Reichstag und Vertretern der deutschen Städte. Als ich einst in Echterdingen glauben mußte, vielleicht nicht mehr vorwärts zu kommen und idi bin in manchen derartigen Situationen gewesen da ist das deutsche Volk hinc,ngesprungen und hat mich herausgeholt aus der Asche und ich habe weiter kommen könn.n. (Lebhafter Beifall.) Eins will ich letzt mitteilen, wo die Sache bis zu einem gewissen Grade gefördert ist: es sind doch wieder Zweifel entstanden, weil da und dort Mißgeschicke einaetreten und, die man nicht ganz mit Unrecht ju einem raschen Vorgehen zuschreiben könne. Man sagt, das Werk wird doch niemals ge> nügent) zuverlässig werden. Aber der heutige Tag wird Ihnen wieder einen schönen Fortschritt gezeigt haben. (Lebhafter Bei fall ) Gegenüber den berechtigten Vorwürfen möchte ich nur eine Entschuldigung vorbringen. Wenn man ein solches Werk schafft, muß man auch einmal wagen (Lebh. Beifall) zu siegen (Sehr gut!) Man muß versuchen, daß es geht. Immer warten und zögern geht nicht an. Ich bin hoch beglückt, den Eindruck zu haben, daß das Werk weitergehen wird zum Heile deä deutschen Volkes. Beifall.) Darum danke ich Ihnen für Ihren Besuch und trinke mein Glas auf Ihr Wohl. (Stürm. "tct1 württembergische Ministerpräsident Dr. v. Weizsäcker sagte Graf Zeppelin habe den schlummernden nationalen Drang des Volkes ausgclöst, und deshalb betrachte das Volk ihn als Symbol. Tas deutsche Volk lebe hoch.

Professor Tr. H e r g e s e l I gab einen Rückblick über die En: wicklungsgeschichtc des Zeppelinschen Luftschiffes und gedachte der vielfachen harten Schicksalsschläge und der tteuesten Stützen, die der Gras in seinem Mißgeschick gesunden habe, nämlich der Frau Gräfin Zeppelin und seiner Tochter, Gräfin Heia v. Branden

^2^ Kronprinz hat dem Grafen Zeppelin ein Telegramm ugehcn lassen, in dem er ihn zu der glücklichen Heimfahrt von Bülzig beglückwünscht und sich anerkennend über die Leitungen der Mannschaft während dieser schwierigen Fahrt aus'prichl.

Bedenkliche Vorkommnisse bei der farbigen Schutztruppe in Kamerun.

Aus Berlin wird amtlich über ein eigenartiges Vorkommnis in Kamerun gemeldet, das Beunruhigung Hervorrusen muß, zw- mal man annehmen kann, daß der amtliche Berichterstatter bie Sache in einem möglichst harmlosen Lichte dargestcllt hat. Es

5. Sept. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem Reichskolonialamt wird aus Kamerun gemeldet: Etwa sech­zig farbige Soldaten der in Banjo stehenden 4. Kom­panie der Schubtruppe für Kamerun verließen am 14. J ul i bewaffnet ihre Station, um in Soppo, dem Sitze des Kommandos der Schutzttuppe, wegen verschieden^ Kompetenz- rngen gemeinschaftliche Beschwerde zu führen. Es handelt sich anscheinend in erster Linie um das für die farbigen Soldaten im Interesse der Schlagfertigkeit der Truppe erlassene allgemeine Verbot, mehr als ein Weib und einen Boy zu halten, während bei der genannten .Kompagnie manche Leute nachweislich bis ünf Weiber und drei Boys hatten. Die hierdurch bei den Sol­daten bestehenden Verpflcgungsschwierigkeiten und Geldverlegen­heiten riefen bann ihre Unzufriedenheit hervor. Dem ener­gischen Eingreifen der Europäer-Kompagnie und ihrer tadellos sich haltenden farbigen Dienstgrade gelang cs, die Leute unweit der Station ohne Wasfeng e w alt zur R ü ck l e h r und Abgabe der Gewehre zu bewegen. Die Radels- ührcr wurden in strengen Gewahrsam genommen. Die Ablösung rer ganzen Kompagnie hat inzwischen stattgefunden.

Das Vorkommnis rechtfertigt, so bemerkt das amtliche Blatt noch dazu, aufs neue das Bestreben des Reichskolonialamts, die Zuverlässigkeit der farbigen Söldnerttuppen durch die Einstellung des landfremden Mannschaftsersatzes zu befestigen. Auch wir sind der Ansicht, daß man auf die Zuverlässigkeit der schwarzen Söld­linge keineswegs immer stark rechnen kann.

Der Einladuiiq des Grasen Zeppelin zur Besichtigung des ttoätschiffes und teilweiser Mitfahrt sind mehr als 200 Reichstags IUordnete gefolgt, die m Friedrichshafen, zum größten Teil L«r in Stonltaiii Wohnung genommen haben. Das Reick)stags 'Zsidinm in'rtritt Geleimrot v. Paasche. Vom Bundesrat finb wi'cnb Der Staatssekretär des Jrmem Tr. Delbrück, Mini

DZ!

Eiii nnnidervotler Sommerhimmel lacht über dem Bodenfee. kP1I der Schweiz, drüben vom Badischen her, aus Vorarlberg und fu« Bayern und selbstverständlich auch aus Württemberg kamen ma5ügc aus Extrazüge und Extradampser auf Extradampscr hi dem lieblichen Städtchen an. Alles drängt naturgemäß zum lÄeutsclien Hause", dem Standguartter des Grafen, der aber nicht ßc-tbar wurde, weil er alle Lände voll mit dem Empfang del ^iLdte-Deputationen von München, Stuttgart, .Worms, Konstanz H Friedrichshafen zu tun hatte, die ihm bekanntlich die Ehren- Itttaerbricfe ihrer Städte überreichten. Am kostbarsten war der khrenbdirgcrbrief der Kunststadt München, den Oberbürgermeister 5rrfd)t namens der städtisä-en Kollegien der bayerischen vanpt- überreichte. In seinem in der ersten Gage des kleinen -Mete bclegenen Arbeitszimmer empfing der Graf die einzelnen toutattonCTi, an deren Spredycr er freundliche Worte richtete llle Fraktionen des Reichstages, von Heydebrand bis Mberger und von Vassermcnin bis Bebel beteiligten sich an rr Ehrung des Grafen. Man hatte für die Reichstagsabgeordneten,

Mitglieder des Bundesrates und die Vertreter^der Presse drei

Bedürfnis, bem hohen Magistrat und der {Siinuobneihbait Spandau mein Bedauern darüber zum Ausdruck zu Imr daß das Luftschiff die Stadt erst in der Nacht überfliegen tmaite Auf dem 3kge nach Berlin wagte ich nicht, und) zu weit von dem Tempelhoferfelde zu entfernen, wo ich zu einer TcitgefcWcn Sttmde einzutreffen hatte, imd iiachher wurde der Antritt btte Rückfluges des Luftschiffes durch von mir unabhängige An­ordnungen bis in die Nacht hinausgefck)oben. Ehrerbietigst Graf

Deutscher Netch.

Der Kaiser, der Sonntag früh an Bord derHohen- zollern" in Kiel eingetroffen war, hielt um 9 Uhr 30 Min. auf der Kaiscrjacht (Gottesdienst ab. Um 11 Uhr fand eben­dort eine Besprechung der Flottenmanöver durch den Kaiser statt.

Der Kaiser beförderte nach beendetem Flottenmanöver den Chef der Hochseeflotte, Prinz Heinrich von Preußen, zum Großadmiral und ließ feine Groß­admiralsflagge durch die gesamte Flotte salutieren.

Der diesjährige Werbandstag der Deutschen Baugewerks-Berufsgenosse ii schäften fand am Samstag in Schwerin statt. Zur Reichsv ers j ch e- rungsordnung wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Die Errichtung von Ber- 'icherungsämtern ist für die Berufsgenossenschaften über­flüssig. Die enormen, zurzeit in ihrer Höhe noch gar nicht festzusehenden, hierdurch erwachsenden Kosten sind eine Mehrbelastung besonders des Mittelstandes, gegen die umso­mehr sich gewandt werden muß, als diese unverkennbar un- produktiv ist. Die Tätigkeit, welche nach dem Entwürfe den Versicherungs- und Oberverficherungsämtern zugewiesen rverden soll, bedeutet einen Eingriff in die Selbstverwaltung der Berufsgenossenschaften. Ueber die Beschlüsse der neuen Arbeiter-Schutztommission und die angestrebte Ml- stellung von Baukontrolleuren aus dem Ar­beiterstande wurde eine Entschließung angenommen, in der gebeten wird, die in der Arbeiterschutzkonferenz vom 13. Juli ds. Js. erhobene Forderung nach Anstellung von Baukontrvlleuren aus dem Arbeiterstande abzülehnen.

Der Alldeutsche Verbandstag, der am Sams- tag in Schandau tagte, faßte zur Welsenfrage eine Ent­schließung, in der gefordert wird, das Herzogtum Braun- jchweig zum Reichsbunde zu erklären. Ueber die Lage in Elsaß-Lothringen wurde eine Kundgebung beschlossen, in der es heißt:Bon der Regierung des Reiches rote der Reicks- lande erroartet der Alldeutsche Verband auch ferner die deutliche Ablehnung aller auf Zweisprachigkeit des Volks- schulwesens auf deutschem Sprachgebiete gerichteten An­träge und Besttebungen, ebenso die Ablehnung der auf Ein- richtung eines Bundesstaates Elsaß-Lothringens beziehen- den Bestrebungen, so lange nicht für das deutsche Wesen eines solchen Bundesstaates ausreichende Bürgschaften ge­geben- sind."

In Kattowitz fand am gestrigen Sonntag ixe Hauptversammlung des Deutsch en O st marken- Vereins statt. Es waren ungefähr 15000 Deutsche mp wmmengeströmt. In der Ausspracke bei der Sitzung des 'ücfamtausschusses wurde darüber Klage geführt, baß die in Oberschlesien gebrauchten Schulbücl)er wenig Material darüber enthielten, was die Polen der deutschen Kultur verdankten. Es soll versucht werden, hier eine Besserung herbeizuführen. Am Sonntag fand der großarttge Fest- z ug statt, in dem etwa 12 000 Personen marschierten. Das Hauptkontingent der Teilnehmer stellten die nationalen Vereine von Kattowitz und Umgegend, namentlich Turn-, Gesang- und Beamtenvereine. Der Zug führte 16 Fest- wagen und eine Reihe von MusikkvrpS mit sich. Auf den Festwagen wurden eine Reihe historischer Momente ver­ewigt. So die Verweigerung der Uebergabe der Feste Kosel an bie Franzosen durch General von Neumann im Jahre 1807. Das Königliche Zeughaus in Berlin hatte zur Aus­schmückung des Wagens die historischen Waffen usw. aus einer Sammlung hergeliehen. Ein anderer Wagen stellte

Auch bei der Vorführung des Luftschiffes Zeppelins in An rt-fatbeit des Bundesrats und der Reichstagsnntglieder hat Grai ,ht*din einen durchweg erfolgreichen Tag gel-abt. Wir erhalten ai« Friedrichshafen folgenden anschaulichen Bericht:

S. u. H. Friedrichshafen 5. Sept.

Der BreslauBerliner Schnellzug jagt durch die sandigc Nickische Ebene der Reichshauptstadt entgegen. In den überfüllter Hcpees drängen sich die l)einrkehrenden Besuck)er des Deutsckxn pIhvlikentages in BreSlau, Geistliche und Laien aus dem froh hm Rheinland und dem gemächlichen Westfalen, beten Ge hltern man es anfieht, baß sie trotz ber freundlichen Ausnahme Et] Odersttand doch wieder ftoh sind, in den itächsten Stunden Ei' Eltze von ber anderen Seite zu bettachten. Der Speisewagen kl überfüllt, trotz der brillanten Antia l ko holrede des polnischen k-sarrer-Abgeordneten Kapitza, kaum daß man noch cm Plätzchen Eioff(f)t. Am Mbentische sitzt ein großer breitschultriger Her- jrit braunem Vollbart und doppeltem Kneifer: es ist der ftan Ii-jfidytige Herausgeber und Chestedakteur derGazeta Grud simska",Pan" Kulerski. Er erzählt mir, daß am Abend um [10,40 Uhr der Exttazug für die Reichstagsabgeordneten auf dem 'fi^alter Bahnhof üt Berlin bercitstehe und daß er am nächsten icjfle bereits mit demZ. III." in bie Lüste zu schweben bolic Km auberen Reichstagsabgeordneten, die dem Katholikentage bei b'iwobnt hatten, war mir sck-on bekannt geworden, daß stc bereits die dein ossiziellen Schluß des Tages den Wanderstab ergrifien Ritten, um vor bem allgemeinen Besuch ber Reicksstagsabgeordnetei^ tnb der Mitglieder des Bundesrats sich noch etwas am idylltschen t.benfce mit seiner heutigen unbeftrittenen Hauptstadt, den: sm rttembergi scheu Friebrick-sbafen, umzusehen. Unb so war ec un nicht vcnvunderlich, daß am Freitag abend sich ein großer 2 -il der Rednerschaar vom Deutschen Katholikentag tu Breslau Ebe fröhliches Wiedersehen feierte, an ihrer Spitze der greife Prüft Hit des Katholikentages. Abgeordneter Herold und der Ab jrbnctc Domdekan Schädler, der die Rede über das Papst tir.it gehalten hatte. Auch der kleine Bayerische Abgeordnet Oerltcnbergcr hatte den Anschluß noch erreicht, und bet Abgeordnete Erzberger hatte gar die Gelegenheit beim Schopfe rtommen, um drüben in Konstanz einen Vortrag über die k'ichsfinanzrefvrm anzukünden, zu dem er auch die Kollegen aus bin Reichstage freundlichst einlud. Die Friedrichshasener hatten tote Anlaß des Besticktes auch ihre Preise entsprechettd hoch gc |ilt. Sie verstel-en sich schon seit länger als einem Jahre ausS Ftschäst, und zwar so lange, als Graf Zeppelins Erwlg reicht Jia Kleidergeschäfte verkaufen Bilderbücher und bte Papier Hand Limen Schmipstüctjcr mit dem Bilde des Grafen. Ter Kolonial Duren Händl er hält Asttminiumlöffel, hergeftellt aus den Resten »s bei Echterdingen oerunglürftenZ. I." feil, und ber Klempner ftiiftcr hanbelt mit Ansichtspostkarten. Der brave Lohnkuticher, rt uns noch vor einem halben Jahre für 50 deutsche Reichs Kernige von Friedrichshafen nach Manzell hinausfuhr, verlangt Mitte 5 Mark unb barüber.

Die erste Auffahrt.

Nachdem bte Dampfer im Halbkreise vor der schwimmenben I Halle in Manzell Ausstellung genommen hatten, zog ein Motor^ boot kurz nach 12 Uhr ben vollständig repariertenZ. III." aus der BaUonhalle. In der Mitte des Laufganges zeigte sich eine ganz neue unb für den Besuch des Reichstags und Bundesrats be anders bergeftcllte Einrichtung, eine dritte Gondel,^ die durch Umformung bev Laufganges hcrgestcllt war und den Gästen Unter kommen bieten sollte. Graf Zeppelin führte das Kom­mando selbst. Es zeigte sich, daß die fehlenden Propeller wieder ersetzt und trotz der kurzen Zeit Muiidxn der Rückkehr des Luftschiffes von Berlin nach Friedrichshafen unb ber An­kunft ber Abgeorbneten eine vvllstänbige Aenberung aller lieber- tragungen usw. stattgefunden hatte. In dem Augenblick, als iich ber Ballon mit ber ersten Partie der Abgeordneten tu die Lüfte erhob, spielten auf allen drei Schiffen die an Bord befindlichen Musikkapellen bav LiedDeutschland, Deutschland über alles" Sobald das Lustschiff Kurs nach fiangenargen genommen hatte, setzten sich auch die Dampstr in Bewegung, allem derZ. III. ließ sie weit hinter sich zurück. Der Jubel am Ufer und auf den Schisfeii war unbeschreiblich. Gras Zeppelin ließ das Schift die verschiedensten Manöver ansführen unb senkte sich dann zur Aut nähme der zweiten Partie ber Gäste. Da bei bem Ausrufe der Namen vielfach Mißverständnisse und Irrtümer vorkamen, blieb es nicht bei der ursprünglichen durch das Los feügesetzteu Reihenfolge der Teilnehmer, die Herren kamen bunt durcheinander in die Gondel. Jedesmal wenn das Schiff eine Zeit lang ge­fahren war, ließ es sich glatt auf den See nieder und wechselte die Insassen. Nach dem zweiten Aussttege verließ Gras Zeppelin seine Gondel und begab sich zum DampferWürttemberg" hin­über, um hier mit ben Vertretern des Bundesrats über die Einzel 1)eiten des Luftschiffes eine Unterhaltung zu pflegen, xie vierte Landung vollzog das Schiff auf dem Terrain des Riedleparkes, ivo sich bekanntlich die Anlagen der Zeppelin-Geselßchatt btfinbeir Sann wurde nochmals aufgestiegen und nun bewegte sich das Luftschiff fast ausschließlich über Land. Während dieser Zett hatten auch die übrigen Abgeordneten die Schiffe verlasen und sich zum Niedlepark begeben, um die dortigen Werkstätten kennen m lernen. Auf den Schiffen sonwhl wie in der gwß.m, für znwi Luftschiffe eingerichteten Luftschif,Halle hatte die Zeppelin--.ust schistbaugesellschast m. b. H. ein Büfett ausgestellt, und der Netie oes Grafen foivie Direktor Colsmann und Ober Ingenieur Dun machten im Verein mit dem Grafen Brandenstein, dem Schwiegersohn des Grafen Zeppelin die Honneurs. Dann zog man nach Friedrichshafen zurück, wo der Kaffee eingenommen wurde.

DaS Festessen im Insel Hotel.

Am Abend fuhr alles mit den bayerischen, badischen und ivurttcmbcrgifd)en Dampfern nach der alten Hußstadt 5lonstanz, wo imInsel Hotel" das vom Grafen Zeppelin gegebene F-eli­essen ftattfinben sollte. Am Quai sammelten sich alle Tettneymer und unter Vorantritt der Musikkapelle und des Grafen Zeppelin bewegte sich ein langer Festzug au ber illuminierten Stadt vorbei zu dem idyllisch auf eitler Bodenseeimel gelegenen Hotel, einem ehemaligen Dominikanerkloster, in welchem einst Hust ge­fangen saß. Die ehemalige Kirch.- ist heute ein prächtiger Speist- faal, in dem die zahlreichen Gäste des Grafen ein bequemte Unterkommen sanden. Während des Essens toasteten der bayernche 'stcinistervräsident v. Podeivils, der preußische Staatssekretär Del­brück und der Reichstags-Vizepräsident Paasche aus ben Kaistr, bie Bunbesfürsten und den Grafen Zeppelin, unb biefer dankte in längerer Rede. Die sozialdemokratischen Abgeordneten wohnten bem Festmahl nicht bei. Draußen auf dem abenblid)cn See ver­anstalteten die Konstanzer einen Gonbelkorso unb fangenL/eutsch- lanb, Deutschland über alles". .

Abg Paasche sagte in seinem Trinkfpr uch u. a.:

'Es eröffnen sich für die Zukunft ungeahnte Perspektive und wenn zu ihrer Verwirklichung Forderungen an den Reichs­tag herantreten werden, so wird er sich trotz der Finanzmisere gern bereit finden lassen, unsere große Kulturaufgabe zu Ehren unb zum Ruhme bes deutschen Volkes zu fördern. Mögen Eure Exzellenz zu den bisherigen Erfolgen neue große huizuwgen und das Erreichte noch lange genießen. Se. Exzellenz Grat ^Jm weiteren Verlaufe des Festmahles, bas Graf Zeppelin den bei ihm zu Gaste weilenden Vertretern des Bundesrats unb des Reichstags gab, sagte Staatssekretär Delbrück: Das Volk braucht Tage wie bie heutigen, wo es erinnert wirb an bte großen, einigenden Ziele. Wir wollen, wie Graf Zeppelin, den Bundesfürsten in Treue dienen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf die deutschen Bundesfürsten.

Die Rede Zeppelins.

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Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 6. September 1908

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Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und 81eindruckerei R. Lauge. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. ^°zesgenteck^'H."^eck.

izW^N^r^b^fckLr ^fer'Madt Mersbnrg" mid Württembergifetjen DampstrFriedrichshastn midDurltem- ijkrg" bereitgestellt. Zmiächst fuhren kurz nach 11 U)i bie Presse­vertreter nach Manzell in bie ^ee hmauS, E halbe^wtide Mter folgten, nachdem Gras Zeppelin den ^putatronsempsang I kenbet hatte, die übrigen Ee. Graf Scppelin selbst begab sich ' vis fern MotorbootManzell" mit ber ersten Grupp- durch kis Los zur Auffahrt mit bemZ. HI. besttmntten Abgeordneten n Bord. Jnsgefantt waren die Abgeordmtten unb Bundesrats- titglieber in sechs Partien ansgelost.. worben. ersten ge- fLn u.a. an: Bassermann, Eyckhoss, Wolsgcmg Heine Nau- Larni, Hieber, Spahn, Liebermann imd Sonnaiberg, Gorcke und tom. In ber zweiten Gruppe beranbat Nck Antisemit^ fiMmcrmann unb Naab, der obenerwähnte P^e Kulerski, der feiteraffetretär des Deutschen Bauernbundes ^r Vohme, der lasser Preiß, Roer en, der Baueimbunbler Hilpert und der IbefischeHofsozialist" Ullrich: in der dritten Grupp, der Erb- srinz zu Hohenlohe, Ledebour, Hug, xr. ^^oniann Mul^ Ilti», der Vorsitzende des Deutschen Bauernbundes Dach hör st, de ' 3<nte und der Freisinnige Kopsch. Auch der.^^^Ä^rmeister isAierscht war in diese Gruppe verschlagen worden, ^r vierten HOortie gehörten an: Staatssekretär Wernburg, «j Lciksparteiler Haußmann, ber greife Pwsident

.ssitrumsabtzeordneter Herold, Gras Kaintz, xhäbler, Paasche und ber württembergische Bunbesrcttsbcvoll. Echttgte v. Weizäcker. Tie fünfte Partie umschloß die Alge Athleten Bobel, Behrens, von Treueniels, den ^.lbgeorbneten | ÜCtifdrermeif er Kobelt aus Magdeburg, ben öenkrumsaog_corbngcii . 'tld), den Fürsten zu Salm, Erzberger und Richtho,en. Der 'chsten Gru ipe waren zugeteilt Vonberscher, Grabski, der lach !is ye Bunde, ratsbevottmächtigte Fischer, der ^roldemokrat^achse, einziae Welfe im Reichstage Götz von Lblenbufen unb ber Lrrttemberlische Kriegsminister- v. Marchtaler Al^ Ersatz für it< ettoa aifcfd)ciben.ben Herren waren ausgelost. Huber, Pauli,

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