Nr. 284
Zweites Blatt
Freitag 3. Dezember 1909
159. Jahrgang
Erichen« tL-Nch mtt Uu-nahme deS Sonntag».
'innere
letterou-
-rsammlinl-
ber zweiten Spalte eriuä.
Anfragen und Wunsche im Reichstag.
Kleines FeuiUeton.
— Leipziger Theaterbrief: Ein Künstterdrama. ; Leipzig, 28. November, wirb uns geschrieben: Tas
oes Körpers, die Land ctroa
Die „Wietzener LamtliendlSNer" werden dem ,Snietflcr* otermol wöcdemlich beigelegt, da» „Kretsblott für bei Kreil Eiehen- zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftliche» Lett* frage»- erscheinen monatlich zweimal.
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Redaktion, Exveditron und Druckerei: 6*1* ' strahe 7. Lxvedinon und Lerlag. Lqtzs 5L Redaktion: ^^112. Tel.-Mru AnzergerGieven.
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RatattonSdrucl and Verla, der vr üblich« UnwerlnälS • Buch- und 6<emb ruderet 9L Lange. Tiegen.
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uon den Fachleuten auf 20 000 Jahre geschätzt. Das ganze Gerippe lag auf dem Rücken, den Rumpi leicht nach links gewendet, die Beine geschlossen, die Oberschenkel über das Becken zurückge^ krümmt. Ter linke Arm lag län^! pes Körpers, die Land etwa ui Löhe der Lüfte; der rechte Arm war aufwärts gekrünunt.
llus Leipzig, 28. November, wird uns geschrieben: Tas ceue Theater versuchte sein Glück mtt einer Urauf ührung, leider vergebens. Targebolen wurde ein Drama ,Tie Tragödie", 'das Robert von Erdberg zum 3erfasser hat. Ein reicher unbegabter Bildhauer hat von Inem armen begabten ein bedeutendes Wert erkauft, das er dann, als sein eigenes ausgibt. Auf diese Weise erlangt er Ruhm, denn merkwürdigerweise bleibt das Geschehene * j'ber Jahre hinaus Geheimnis. Durch besondere Umftande [ vird jedoch der Verdacht geweckt, man wird irre, da dem Unbegabten keine Arbeit mehr gelingt. Tie Gönner ziehen sich chrück, die -Frau ist untröstlich. Ein Skandal ist unvermeidlich. Die Frnrcht, daß er seine Achtung einbüßen und die Äebe seiner Frau verlieren könnte, treibt schlief.uch den ^Iben zur Verzweiflung unb in den Tod. Das Ganze ift in keinem Sinne höher zu bewerten. Man hat es hier lediglich mit einem nicht gerade ungeschickt konstruierten Heaterstück zu tun, nicht aber mit einer Dichtung. ^Eamo- iche Arbeiten von der Art dieser „Tragödie", die künstlich Mfgebaut sind, das heißt, die in der Form mchts Natürliches, inhaltlich nichts aus sich selbst heraus Er.ianbene» Men, die Menschen ohne Menschlichkeit vorfuhren, mit Worten großtun und mit allem f inno erttn i renben ^ruin und Jran sozusagen um einen loten Punkt sich herumbewegen, futb stets höchst unertraolrck. Mit Verdruß steht man, w^e
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politische Lagerscharr.
Die Nationalliberalen und die Präfideoienwahl.
Nach langem Zögern und wiederholten vertraulichen Zitzungen hat die nationalliberale Fraktion es abgelehnt, Len zweiten Vizepräsidenten im Reichstag zu stellen. Man braucht darin keineswegs, wie es in linksliberalen Kreisen geschieht, die unerschütterliche 2lbsicht zu erblicken, den Riß yirifaten reck)ts und links schärfer hervortreten zu lassen. Schon die Tatsache, daß ein großer Teil der Fraktion nicht für diesen Schritt war, ist bezeichnend. Die „Natz-Ztg." mell äußerlich die Gekränkte unb Unversöhnliche, läßt aber Durchblicken, daß die Partei keineswegs gesonnen sei, nach _mks einzuschwenken:
„Der Verzicht bedeutet nicht Opposition quand ieme, nicht Anschluß an die Freisinnigen, nicht Verzicht aui vosilwe Mitarbeit an den Arbeiten des Reichstags im Plenum und in den Kommissionen. Er soll aber bedeuten Fortsetzung des schärfsten Samples gegen Reaktion und den schwarz-blauen Block mit seinen •Inhänfliehi; wie in den letzten Monaten soll dieser Kamps kon- equeut durchgelührt werden, und in diesem Zusammenhang bringt i.tc Haltung der Nationalliberalen bei der Präsidentenwahl auch ,tun deutlichsten Ausdruck, fortan noch planvoller als bisher in ihrem politischen Verhalten konsequent zu bleiben, konsequent, ohne Rücksicht auf rechts oder links die eigene, als richtig und >v eck mäßig erkannte Politik zu treiben. Kampf noch rechts, kein Abschwenken nach links — wird als Parole aus- uneben. Weder der Freisinn Hai irgendwelche Ursache, über den ^Zuwachs* der unentwegten Linken zu frohlocken, noch die Rechte iraendwelchen berechtigten Grund, die nationalliberale Fraktion und Partei zur Opposition zu rechnen".
In ber „Nationallib. Korrsp." klingt es beinahe wie eine Entschuldigung:
,Es handelt sich im Grunde nur um eine Frage schlichter Konsequenz. Nachdem Monate hindurch von den llaltonalliberalcn der denkbar schärfste Kampf gegen die neue Mehr- beit geführt worden war, hätte sman ein anderes Vorgehen im Oolfe kaum verstanden. Der Kampf soll ja auch fünftigbin weiter- ceoeiL Nach wie vor wollen wir gegen die großagrarische Interessen- lolitik protestieren, gegen das dreiste Lervorkehren deü Egoismus ud die Rücksichtslosigkeit, mit der das Z e n t r u m alle Grundsätze 11 den Rauchfang zu hängen weiß. Wenn nur das Partei'euerche» arutn luftiger brodelt. Ta hätte es wie ein Verwischen der inuation angemutet, wie ein Verlassen der geraden Linie, durch dir und um derentwillen die Nationalliberalen in den letzien Ilona ten so viel alte Freundschaft sich gefestigt, io viel neue hinzu- ciDorben haben, wenn sie mm wieder mit von der Partie gewesen wären und wieder (wie man im Osten sagt> „Pane Brat" mit allen denen, die sie bis hierzu eifervoll bekämpft hatten. Darum war es logisch und war es auch politisch klug, daß dte Nationalliberalen /tzt abseits ziehen. Nicht, aIS ob sie nun in die Oppo- iition abschwenken wollten und grundsätzlich oder ans I ßerbitterung Nein sagen. Im Gegeiiteil: mit verdoppeltem Fleiß r, eben feit sie in Zukunft an allen Aufgaben positiv und schöpferisch liiiitzuarbelteii/
Für ble Nationalliberalen märe es am besten, menn iiir sie jetzt eine Zeit vorsichtiger Ueberlegnng anbrechen itrte. Die „Erfolge" der letzten Zeit haben ihnen die beut» lifte Lehre gegeben, daß es für sie durch Schürung ber i'üzufriedenheit und Mißstimmung nichts zu holen gibt, f'terabe eine Mittelpartei sollte in nüchterner, praktischer
Aus Stadt und Land.
Gießen, 3. Dezember 1909.
•* Tageskalender für Freitag, 3. Dez. Stadt- t h e a t e r: „Gebildete Menschen". Anfang 8 Uhr.
die Menschen ihre Gebärden machen und nichts als Unnatur vortäuschen, wie jeder für sich Theater spielt, wie die Handlung ohne inneren Zusammenhang ihren Gang geht.
— Zu Mitgliedern des Maximilian- Ordens hat, wie aus München gemeldet wird, der Prinzregent ernannt: in der Abteilung für Wissenschaft: den Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrat Professor D. Dr. Adolf Harnack, Generaldirektor der Königlichen Bibliothek in Berlin, unb den Kaiserlichen Wirklichen Geheimen Rat Professor Dr. Robert Koch in Berlin; in der Abteilung für Kunst: den Stadtbaurat Dr. ing. Ludwig Hoffmann in Berlin und den ordentlichen Professor an der Akademie der bildenden Künste in München Hugo Freiherr von Habermann.
— Von der deutschen Südpolarexpedition. Wie gemeldet wird, schrecket die Bearbeitung der Ergebnisse aus der letzten deutschen Südpolarerpedition, dem festgesetzten Plan entsprechend, riilhg fort. Im Laufe der Arbeiten hat das gewonnene Material sich jetodi als erheblich reichhaltiger heraus- gestellt, als bei Aufstellung des Arbeitsplanes angenommen werden durfte. Namentlich die zoologischen Sammlungen haben durch viele wichtige Tiergruppen, die erst bei der mikroskopischen Sichtung gefunden wurden, eine bedeutende Erweiterung der Arbeiten notwendig gemacht, so daß statt der vorgesehenen zwei Bände Zoologie deren acht hevausgegeben werben müssen, hierbei sei bemccit, daß bürd' die Untersuchungen der Forschungsreise zum ersten Riale im tierischen Organismus Strontium nachgewiescn worden ist. Auch die erdmagnetischen Ergebnisse sind reicher als vorausgesetzt wurde, namentlid) hat sich die Bearbeitung der sogenannten magnetischen Stürme als besoirders schwierig und langdoucrnd erwiesen. Es ist den Wissenschaftlern gelungen, bei diesen Arbeiten die Idee eines Do pp e l ko mpa N e s auszubilden, ber gestattet, ohne Zuhilfenahme von Limmelskörpem, also auch bei unsichtigem Wetter, die leroeilige Abweichung der Magnetnadel von der wahren Nord- und Südrübtung zu finben. Endlich bar auch das meteorologische Material einen erheblich größeren Umfang ergeben, als cs feiner^eü geschätzt werben konnte. Die Kosten der wisseirsckaftlichen Bearbeitung unb der Veröffentlichung würben seinerzeit auf 242 000 Mark veranschlagt. Im Hinblick auf die obigen Darlegungen werden aber weitere 70 000 Mark bis zur Beendigung des Unternehmens vom Reichstag bewilligt werben müssen. Für 1909 wurden 9000 Mark als spärliche Beihilfe gefordert: für bas kommende Jahr wirb gleichfalls ein Rerchszuschuß in ähnlicher Höhe gewährt werden.
lichkciten für den Waisenratsposten auszuwählev. In erster Linie wirb auf die Geistlichen zurückzugreiien fein, die vermöge ihrer Bildung, ihres Ansehens und ihrer Berufstätigkeit die Bedeuiung der dem Äaisenrat obliegenden Pflichten polt zu würdigen unb die Beaufsichtigung der Mündel sorgfältig zu führen, auch ein Einschreiten des Vormundschastsgerichts rechtzeitig zu veranlassen in der Lage sind. Daneben wird das Augenmerk auf Lehrer, Gutsbesitzer und ähnliche Personen zu richten fein.
Als sehr nutzbringend haben sich die Waisenvatsversamm- fungen unter dem Vorsitz des Bormundschaftsrichters erwiesen Taher soll aus ihre regelmäßige Abhaltung unb auf eine ausnahmslose Teilnahme der Waisenräte in ihnen hingewirkt werben Zahlreich« Gemeinden haben die Gencraloormundschaft unb die Berufs- unb Sammelvormundschast eingesührt. Ter (Sfcneral • unb Berufsvormund erscheint besonders befähigt, die Interessen ber Mündel nodibrüdlid) zu wahren, z. B. bei der Alimentierung uw cheliicher Kinder, bei Lohnpfändungen und bergt. Manche Ge- meindwerwalturtgen haben hier den Weg zum Ausbau ihrer Kinderpflege gefunden unb wirken mit bestem Erfolg ber großen Säuglingssterblichieit unter den unehelichen Kindern entgegen. Tie Le r a n z i e h u n g von Frauen auf bem Gebiete ber Waisenpflege hat sich überall, wo sie bisher erfolgt ist, als segensreich erwiesen. Die Waisenräte sollten daher bei ihren Vorschlägen als Einzelvornmndcr auch geeignete Frauen berücke fidjtigen und darauf achten, daß ihnen Frauen als Waisen- Pflegerinnen zur Verfügung stehen.
-- Von ber Wetterau zum Rhein. In einer am Donnerstag auf der „Tenne" im Taunus abgehalteneu poli- tifd.en Versammlung wurde auf Anregung von Bewohnern dc> „Goldemm Grundes^ die Sprache auf die geplante Bahn Bad Nauheim — Usingens-Tenne — Idstein— Langen- S chwalbach >R Hein gelenkt. Ter Referent, Landtagsabq Bartling- Wiesbaden, betonte, daß ein Bedürfnis für bieü Linie vorliege, doch werde sich infolge der schwierigen finanziellen Lage des Staates, wo überall auf größte Sparsamkeit hingewlesen würde, das Projekt im nächsten Jahre noch n tcfel »er- wirklichen lassen. Er werde alles daransetzen, damit diese Bahnltnie, die von Bad slkouheim bis Usingen genehmigt fei, nach dem Rhein fortgesetzt werde, vor allem aber den Dezernenten im Ministerium der öffentlichen Arbeiten für den Plan zu gero " suchen, außerdem die Militärbehörde, berat die Linie Wett_.__ Rhein fei in strategischer Hinsicht sehr wichtig. Schon um bir Strecken Frankfurt a. M.—Rhein unb GießemRhein int Falle einer Ätobckmachung zu entlasten und bei einer feindlichen Invasion, die sicherlich die Strecke Gießen-Rhein ntit ihren zahl" rcidjen Tunnels und Unterführungen unbenutzbar machen werde, als wichtiges Verbindungsglied, an das man von feindlicher Seite in dem unübersichtlichen Gelände schwer hercmkönne, weiter zu bienen und so nnsd ötzbra e Dienste zu leisten. Eine Rheinbrückie bei Lorch fei bereits feit 20 Jahren geplant, um die Verbindung mit per linken Rheinseite herzustellen. Aucv diese werde, sobald die Wütterau-Rüein«Liuie zur Ausführung gelangt, gebaut werben.
** Die Hessische Bereinigung für Volkskunde hält am Mvntag, 6. Dez., im unteren Saale des Cafe Ebel ihren zweiten Mitgliederabend ab, bei bem Prof. Dr» Helm, Greßen einen Vortrag über War - den und Vergehen im Volksleben halten wird. Gäste (auch Damen, sind willtommen.
** Zu der Berichterstattung über den Fall Kreutz vor dem Kriegsgericht sei mitgeteilt, daß der in ber zweiten Spalte erwähnte Seipp, mit bem Kreutz das Fäßchen Bier geleert haben soll, nicht ein Vizefelbwebel, sondern ein Musketier gewesen ist.
** Der deutsche und österr. Alpenverein, Sektion Gießen hielt gestern abend im (Safe Metropol seine ordentliche Jahresversammlung ab. Der 2Ni> jiBenbe, Prof. Hebderich, erstattete beit Jahresbericht. Die Sektion zählte am Anfang des Jahres ein Ehrenmitglied unb 130 Mitglieder. Im Laufe des Jahres traten 7 Mit? g lieb er zu, während für bas nächste Jahr 10 rechtzeitig ihren Austritt erklärten. Durch bie Aenberung der Satz-
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Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheßen
im Bergbau des Ruhrreviers durch einseitige Organisation des Arbeitsnachweises die Rechte der Arbeiter, namentlid) bie Vertragsfreiheit unb die Freizügigkeit gefährden. Ferner stellte das Zentrum, wie auch die National!ibe» raten, die Anfrage, wie es mit den Vorarbeiten zur Pensionsversicherung ber Privatbeamten stehe (für die übrigens auch unser Blatt eintritt). Das Zentrum steht somit wohlgerüstet da.
Noch besser kann es die Sozialdemokratie. Sie hat cS sogar zu vier Anfragen und 23 Initiativanträgen gebracht. Die erste Anfrage bezieht sich gleichfalls auf die Boraänge im Industriegebiete, die zweite auf die unzulänglichen Unterstützungen an arbeitslose Tabalarbeiter, die dritte auf den Mansfelder Bergarbeiterstreir, wobei Offiziere und Beamte gegen das Reichsgesetz verstoßeir haben sollen, und bie vierte Anfrage richtet sich gegen bie Vorkommnisse auf der Kieler Werft.
Ferner hat die sozialbemorratische Fraktion Anträge unb Resolutionen eingebracht betreffeub:
1. Bauarbeiterschutzgesctz. 2. Entwurf eines Gesetzes' über bie Laus- und Heimarbeiter und die Laus- und GewerbetreibendLN. 3. Abänderung des Krankenversicherungsnefetzes. 4. Einsetzung von parlamentarischen Nntersuchmigstomniissionen. 5. Abänderung der Reichsverfassung iBerantwortuilg deS Reichskanzlers). 6. Er- wLiierung der Abgeordnetenimmunckät. 7. Erweiterung der Rechte des Reichstages. 8. Einführung des Reichstagswahlrechts für die Wahlen der Landtage in den deutschen Bundesstaaten. 9. Reichs- gesetzliche Regelung der Vertragsverhältnissc ber in land- oder wrftwirtschastlichen Betrieben tätigen Arbeiter. 10. Einführung des achtstündigen Nvrmalarbeitstages unter Freilassung der Samstag Nachmittage. 11. Regelung des Wohnungswesens. 12. einheitliche Regelung ber privaten Pensionslassen. 13. Schaffung einer Reichsbehörde zur llnlerstützung von Ihtfätten. 14. Vorlage eines Reichsberggesetze-?. 15. Verbot ber Beschäftigung jugendlicher Arbeiter unter Tage. 16. Schutzbestimmungen für die Arbeiter in Wald-, öütteiv, Lommerwerken und Metallschleifereien. 17. Abnahme des Lohnbeschlagnabmegefetzes (Linaufsetzung des Existenzininimums von 1500 aus 2000 Mk?>. 18. Reichsgesetzliche Regelung des Knappschaftskassenwe'ens. 19. Sondergerichte zur Entscheidung von Streitig reiten zwischen land- und forstwirtschaftlichen Unternehmern unb ihren Arbeitern und Dienstboten. 20. Schutz der Arbeiter in der Glasindustrie. 21. Reichsgesetzliche Regelung der ArbeitSv-erhältnisse der Privatbeamten. 22. Abänderung des Handelsgesetzbuches zum Vorteile der Angestelllen. 23. Ausdehnung ber Wirksamkeit der Kaufmannsgerichte.
Einige weitere Anträge sind, so heißt es, in Vorbereitung. Die „Kreuzztg." spottet: „Tie rote Fraktion steht nun „groß" da unb kann mit unterschlagenen Armen abwarten, in welchem Maße die bürgerlichen Parteien sich an bem Wettrennen beteiligen werden." Die Freisinnigen stehen mit ihren Wünschen auch nicht zurück. Sie haben eine Anfrage über bie bestimmungswibrige Anwenbung bes Reichsvereinsgesetzes eingebracht: ferner Initiativanträge bezüglich völkerrechtlicher Sicherstellung bes Privateigentums zur See, Autonomie für Elsaß-Lothringen in Landes- angelegenheiten, Verbesserung bes Wahlrechts, Regelung der Tarifverträge unb ber Rechtsverhältniise ber lanbwirtschafv- llchen Arbeiter, Erlaß eines modernen Beamtenrechtes.
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— Eine bedeutsame Erwerbung ist dem Berliner -Kunstgewerbemuseum gelungen. Es kaufte ein Gruben- IsÄmelzbild, das von bem bahnbrechenden Goldschmied der I 'omanischen Zeit, Nicolaus v. Verdun, aeschan'en wurde. '3er Altarflügel reiht sich würdig den anderen Werken des Füb- k >ers der Maaskunst an. Tas berühmte Hauptwerk seiner -schmelz- j urd Bei dien hinft ist der 1181 vollendete Altaraufsab des Chor- .. llerrnstifts von Klosterneuburg bei Wien mit seinen öl großen lZrubensdMelzplattcn. Er hat dann in Köln unter der Mitarbeit 'Anischer Künstler den Albinusschrein von 1186 und das um> angreidj-fte, kostbarste Denkmal der romanischen Gold ich miede- ;unft, den Schrein der heiligen drei Könige im Kölner Dom geschaffen. Von diesem größten Goldschmied der romanischcii Zeck stuf nun auch das Berliner Museum ein Werk fein eigen nennen, rine besondere Bederckung erhält ber Ankauf durch den vcrhältnis- mßig geringen Preis, für beit der Altarflügel erworben wurde, WO Lire.
Dir Waisenpflege.
In einem Runderlaß des preußischen Ministers des Innern wird darauf hingewiesen, daß Verständnis und Interesse für bie Waifenpflege in erfreulicher Weise sich entwickeln. Die Erkenntnis sei im Vorbringen, baß eine ge- orbnete unb zweckmäßig ausgebaute Waifenpflege nicht nur bem Wohle der schutzbedürftigen Juaend bient, sonbern auch den Gemeinben selbst durch Verminderung der Armenlasten zugute kommt. Im Erlaß wird weiter ausaeführt:
Bei ber Auswahl der Persönlichkeiten für das Amt bes Waifen- rats ist mit Sorgfalt zu verfahren, damit nicht, wie es im Osten der Monarchie noch bisweilen gesd'ieht, Personen mit biefem Ancko üctraut werden, die ihrem Ehrenamte kein Interesse zuwenden können ober wollen. Die Gemeinden müssen veranlaßt werden, erfahrene, angesehene und möglichst unabhängige Persön-
— Das Zimmer der Zarin. Selten bringt etwas über das Befinden und Leben der russischen Kaiserin in die Oefsentlich- teit, man weiß nur, daß sie schwer leidend ist, und daß besonders ihr Nervensnstem erfd ütten ist. Ungern verläßt sie ihre prächtigen Räume, von den n besonders das Zimmer in Sarskoie Selo überaus wohnlick; und behaglich ist Es ist außerordentlick) hell, ba die Kaiserin keine Vorhänge an den hoben Fenstern duldet unb abends eine Menge elektrischer Beleuchtungskörper eine Fülle ooir Licht spenden. Sehr viele hohe Topfgewächse herrlichster Art teilen den Raum in mehrere lauschige Abteilungen. Tie Wände sind bis zu etwa einzweidrittel Meter Löhe mit Hellem Lolz verkleidet, auf denen Lichtbilder in verschiedenfarbigen Rahmen stehen. In einer Wandvertiefung steht ein breites Ruhebett. Pflanzen aller Art lassen die Vertiefling wie eine Laube erscheinen. Die Möbel, meist niedrig und sehr bequem, sind nach eigenen Entwürfen der hohen Frau aus Hellem Lolz geschnitzt und in alt- russischem Stile gehalten. Die Kaiserin hat auch die Farbe ber Attasbezügc — mattlila — bestimmt. Erne Staffelei an einem der Fenster wird nur roch selten benutzt, während früher manches Aquarell auf ihr entstand. Ebenso ist es schon lange her, daß die Kaiserin auf dem kostbaren Flüael sich zur Freude des Kaisers felbst begleitete, wenn sie ihm russische Volkslieder, den /»roten Sarafan" und das Lermontoffsche Wiegenlied vorfang. Tre Lust am Singen ist nun längst vergangen.
— T ie Auffindung des ältesten Menschengerippes. Ter erste ausführliche Bericht über die bedeutsame Entdeckung in der Umgebung des an vorgeschichtlichen Altertümern so reichen Evzies in der Dordogne, die im September ds. Js. zur Auffindung des ältesten Merrsdjengcrippes der Welt führte, wird jetzt auf Grund von Mitteilungen der erfolgreichen Alter.- turnsforfcher m der Illustration" veröffentlicht. Tie Stätte, wo Peyronv und Dr. Eapckan den Fund nach jahrelangem For- fdjen unb Ausgraben machen konnten, ist ein steil abfallendes Gelände bei La Ferrassie, das in den Urzeiten zahlreiche Grotten enthielt, die allem Anschein nach von den damaligen Menschen als Wahn- und Grabstätten benutzt wurden. Im Tallauf trat spater eine Veränderung ein, die die Wasser ableitete, ein Erdrutsch bedeckte die Bodenschicht aus der Zeck der Mousterien, unb in bieser Ab-schließung hat sich die Schuht, von geologischen Veränderungen unberührt, bis heute erhalten. Das 0-eriope stammt aus der gleichen Zeck wie der im Februar entdeckte Schöbel des Menschen von Chapelle-aux-Saints, unb fein Aller wird
Ter Reichstag ist mit Anfragen unb Anträgen bereits enborn Mrschüttet worben. Die Zentrurnswünsche haben wir be- sedag, p tecks rnckgeteilt. Wenn jüngst bie Vermutung geäußert itftntft v tisirbe, bas Zentrum werbe, hauptsächlich wegen b£r Be- " unruhigung seiner inbuftriellen Anhänger, fortan in Sozial- Demagogie machen, so wirb bas heute schon bestätigt. Eine aentnimvanfragc gebt bahin, bett Kanzler zu fragen, ob cs ihm bekannt sei, daß Arbeitgeberverbände insbesondere
»hier atuudtef Älitik wirksmn fein. Namentlich sollte die nationalltberale W eiMtlikgi vfirtei sich hüten, auch nur den Schein einer Parole gegen Uhr nachi». M tie Landwirtschaft auszugeben, denn diese ist unb bleibt „Ufäljer dn starker Hort für die Gesundung und Festigung des i. B. U. ft ? 1 Staates.


