Ausgabe 
3.7.1909 Drittes Blatt
 
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......C. Strauß ......C. Kruse, ern 40 Pfg,, im Zigarren- lasse 75 Pfg,

Direktor: C. Krane.

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Jen d/ egimentska pelle, m Garten. -w i 20 Pfg.

Philipp «eitrel.

ärtfeier jurger Walde:

Samstag, 3. Juli 1909

Nr. 153

etäehtf a-Nch mti Ausnahme bd SonntagL.

die

des

Ein Antrag G i e S b e r

treffen, mit der Diskussion über die §§ 1 und la.

steuer.

:. Diese sind große angesehene

>lpt?n wollen, daß sie etwa Un-

;entr.) fordert die Verbindung: lb recht (Soz.) und Gies«

Die«irtzenn fftnnfHenblätter* werten dem .Anzeiger' otermal wöchentlich betgelegt, da« Kretsbtott fBr de» Krtii Tieher." zweimal wöchentlich. Die .^aadwlrtschaftlichei» Sett» (tagen* erschein«, monatlich zweimal.

«REtatt»räs*»»,#». ...

Wir sind für den Wertzuscklag, wie ihn die Kommission vor- schläat. Wir lehnen daher den freisinnigen Antrag ab, weil er arbeiterfeindlich ist. (Lachen links.) Gewiß wird die Einführung des Wertzuschlags gewisie Schwierigkeiten mit sich brrngen.^^^ver sie sind nicht unüberwindlich. r .....

rung haben wir keine Bedenken. ----------- - . -

sekretär um Auskunft über die Wirkung der bisherigen Zigaretten-

Abg. Schmidt-Altenburg (Rp.):

weist die Angriffe gegen den Deutschen Tabakverein zurück und erklärt sich gegen den Werfzollzuschlag und für den Gewichtszoll. Der Redner, der sich im Gegensatz zu seiner Fraktion befindet, schließt: Ich bedauere lebhaft, daß es notwendig ist, den Tabak zu belasten. Schwere volkswirtschaftliche Schäden sind unvermeidlich. Aber die Finanznot drängt zu einer Besteuerung des Tabaks. Den Interessen der Tabakindustrie wird der Antrag 2>romm,en aber noch am meisten gerecht. (Beifall links.)

Vizepräsident Kaempf:

|L)tfllten8brmf tm> Verlag bei Fr&bHcben Universität? - Birch- unh 6teinötudcteL 8t Bange, Gießen.

Inzwischen ist zu 8 1 ein Antrag der freisinnigen Fraktions­gemeinschaft Mom ms-en u. Gen. eingegangen, der den Antrag Weber.Mommsen aus der Kommission wieder bringt, nämlich eine Erhöhung des bestehenden Gewichtszolles und der Gewichts st euer.

Ern Antrag K r e t h (Kons.)' will unter Beibehaltung des Wertzuschlags den Zigarrenzoll von 400 auf 270 Mk., den Zigarcttenzoll von 1200 auf 1000 Mk. herabsetzen. Der Antrag bezüglich der Zigaretten liegt auch als Mehrheitsantrag der Polen, des Zentrums und der Konservativen vor.

Abg. Erzberger (Zentr.):

Redaktion, Expedition enb Druckerei: Schul- (trabe 7. Expedition und Verlag: e-s»» E>L Redaktton:^sSII2. Teü-Aücp Anzeiger Ließen.

vor halten.

Wenn wir die Banderole nicht bekommen können, so halte ich allerdings die Wertzuschlagssteuer für die s o z i a l g e r e ch . t e r e a l s d i e G e w i ch t s st e u e r. Es ist nun immer darauf hingewiesen worden, daß der Tabakvereiic sich nur für einen reinen Gewichtszoll erklärt bat. Der Tabakverein hat sich ober gegen jede Belastung überhaupt ausgesprochen. Wenn gesagt wird, daß eine Kontrolle nicht möglich sei, so ist darauf zu ver­weisen, daß in den meisten Fällen dic Wertangabe durch die in- länoischen Händler zu erfolgen bat. K"s """"" rnno " Firmen, und man wird nicht behaupten wollen, ,

redlichkeitcu begehen wollen. Größer sind allerdings die Schwie­rigkeiten bei der Einfuhr aus dem Auslande. Wir werden aber Sorge dafür tragen, daß bei unseren Konsulaten im Auslande Sachverständige die einzuführenden Sendungen mit ihrem Visum versehen. Außerdem haben wir ja die KonirollstatE rn Bremen. Wenn man auf die schwankenden Ergebnisse^des Wert­zuwachses hinweisf, so sind mir schwankende Ergcbnipe, wenig­stens, wenn sie nach oben schwanken, lieber als die stabilen. Die Bedenken gegen L t e Tabak st euer sind im Jahre 190b

Der Antrag wird angenommen.

Abg. Molkenbnhr (Soz.)'

begründet den Antrag seiner Partei auf Entschädigung arbeitslos werdender Arbeiter. Arbeiter, die innerhalb eines ^ayres nach ^niiafttrcten des Gesetzes arbeitslos werden, sollen den Befrag eines Jahresverdienstes, mindestens aber 500 Mark^erhalten usw. bis zum fünffachen Betrag des Jahrsverdienstes.

Abg. Giesbcrts (Zcntr.)i

einen Auf rag, wonach aus den Einnahmen des Gesetzes den Landesregierungen Beträge zu überweisen sind, au5 denenPerwnen, die durch das Gesetz arbeitslos werden, Unterstützungen erhattcu sollen. Näheres soll der Bundesrat bestimmen. Die Unter­stützung soll aber mindestens % des entgangenen Verdienstes be­tragen.

Wg. Sielermann (Kons.):

Ich bin gegen das Gesetz. lveil es die Tabarindustrie und die. .. Arbeiter schädigt. Wenn das Gesetz angenommen wird, jo mug dafür gesorgt werden, daß die Arbeiter entschädigt werden F-ir den Fall der Ablehnung des Antrags GiesbertS empfiehlt der Redner eine Resolution auf Anlegung eines Unterstützung^- fonds.

Die Kommission hat an Stelle der Banderole Regierungsentwurfs, einen vollkommen neuen Entwurf vorgelegt, der einen Wertzuschlag beim Tabakzoll einführt. Nach § 1 beträgt der Zoll für Tabakblätter unbearbeitet ufto; 85 Mk., für die verschiedenen Tabakerzeugnifse von 85 Mk. herauf biß zu 400 Mk. für Zigarren, 700 Mk. für femgeschmttenen Tabak und 1200 Mk. für Zigaretten.

Deutscher Reichstag.

273. Sitzung, Freitag, den 2. Juli.

Am Tische des Bundesrats: Sydow, Frhr. v. Rhein» baden.

Präsident Graf Stolberg

eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten.

TaS Haus ehrt das Andenken des verstorbenen Abg. Quarck (Natl.) durch Erheben von den Sitzen.

Zweite Lesung der Finanzreform. .

Die Tabaksteuer.

Börsen-Wochenbericht.

= Frankfurt a. M., 2. Juli.

Ter Verlaus der i n n e r p o l i r i j ch c n Krisis bat midi in dieser Woche die Börse in Bann gehalten. man bem ^dieiöcn Bülows aus seinen Aemtern auch an der Börse ^nut oebauern entgegensieht, bedarf angesichts der Erfolge des pursten tn ber auswärtigen Politik und seiner in jüngster Zeit bekundeten <stei' lunguahme gegen die geschäftsfeiltdlichen Steuerproiekle des agrarisch-ultramontanen Blockes feiner beionderen -Betonung. Nicht ohne Bangen erwartet man den weiteren Verlam der .heimo-' finMizreform, da es sich noch um die Beseitigung der auch von der Regierung scharf bekämpften Kotierungssteuer handeln wird, deren Verwirklichung Bankwelt und Spekulation ungemein bc^ fürchten, wobei noch in Betracht kommt, dass von einzelnen t-ar- teien in letzter Stunde und in dritter Lesung eine Umgestaltung

Abg. Krefh (Kons.) t

Die Einwendungen der Linken gegen da? Gesetz sind außer­ordentlich übertrieben. Stellen Sie sich auf den Boden unserer Anträge, dann treffen Sie das Richtige, i Widerspruch.), Aer Redner empfiehlt die Resolution Sielermann.

Schatzsekretär Sydow:

Der sozialdemokratische Antrag ist zu radikal. Er will den Tabakarbsstcrn eine Garantie dafür geben, bay sic nicht be­schäftigungslos werden. Das geht zu weit. Auch m anderen Bc- rufen gibt cs das nicht. Der Antrag ($> t e 5 b c r t» steht auf ganz anderer Grundlage und ist erwägenswert. Am geeignetsten erscheint aber die Resolution Sielermann.

Abg. Graf MielcynSki (Pole)' spricht sich für den Antrag GiesbertS aus und empfiehlt der Mehr­heitsantrag auf Herabsetzung des Zigaretfcnzolles von 1 00 auf 1000 Maä.

Bei der Abstimmung wird der Antrag GiesbertS (Zentr.) mit großer Mehrheit angenommen. Die übrigen An­träge abgelehnt.

Schluß gegen 9 Uhr.

be;,iv. Verschärfung der Essektenstempel-Vorlagc oder gar bic Ein­führung einer Tiüiöcnbcnfteucr beabsichtigt wird. Anderer,eits gibt man sich aber auch wieder der Hoffnung hin, day der Reichs­kanzler sein Hauptaugenmerk aus eine annehmbare Form der Handels- und verkehrsfeindlichsten 3teiicrpTo,e£te bedacist sein und in diesem Sinne auf den Bundesrat einwirken wird. ^-ie,e Un­sicherheit hat den Geschäftsverkehr sehr beeinflußt, umsomehr, als es keinem Zweifel unterliegt, daß das weitere Anziehen der Steuerschraube sich vornehmlich auf die Börse erstrecken wird. Wenn die Verstimmung darüber mehr in einer spekulativen Zu­rückhaltung als in der Preisbewegung nach unter zum Ausdruck kam, so ist eben zu berücksichtigen, daß das Privatvublikum wenig abgabelustig ist, daß ferner die Hochfinanz sich aui einen lang­samen wirtsckmftlicken Ausstieg eingerichtet hat imb deshalb einer Berflaunng entgegenarbeitel. Einen Rückhalt geben auch die aus­wärtigen Märkte, namentlich Amerika, von wo die Nach­richten ermutigend lauten. Auch die Erntenachrichten lauten drüben mit Ausnahme des Winterweizens io günstig, paß em Grund zur Beunruhigung kaum gegeben scheint. Jede günstige Nachricht wird denn auch mit Aufmerksamkeit verfolgt, weil man darin ein Zeichen mehr erblickt, daß auch bei uns die Besserung sich eimtellen wird, sobald erft die innerpolltische Situation, geklart, erscheint. Eine weitere Stütze des Marktes gewährt die londoner Börse, nomeirtlm) die Regenerierung der Minen w a r te, aus die man so lange vergebens gewartet hat. Shne Zwecket haben die stattlichen Gewinne, die bei uns aus der Hausse in Minen- und Kolonialattien erzielt wurden, dazu beigetragen, bie Börse über dic zahlreichen Schwierigkeiten hinwegzipetzen, die ,ia) ihr fortgesetzt entgegenstellen. Tie wirtschaftlichen Ver­hältnisse vermögen zurzeit nur wenig Anregung zu geben, da der Besserung durch die Verzögerung der Reichsftnanzresorm ein nicht unwesentliches Hindernis bereitet wird. Auch - sur den Geldmarkt wird die Erledigung dieser Frage von Bedeutung sein, da die Ungewißheit über ihren Ausgang Zurückhaltung her- vorgeruse'.l hat. Nach vorübergehender Verstelsling der Geld,atze zum Halbjahresschluß ist Geld wieder etwas billiger geworden und im Zuiammenlstlng damit konnten auch heimische Fonds wieder anziehen, zumal bereit ermäßigter Preisstand den zum Termin zur Anlage gelangenden Geldern eine Anregung bot. Im großen Ganzen ist aber das Kursniveau nur wenig verändert. Privardistouto 27/8°yo.

mit dem vollsten Nachdruck in derselben Wei,c gegen Zigarettensteuer geltend gemacht worden, und doch ist die Zigarettenindustrie dabei nicht zugrunde gegangen, sondern bo findet sich in großer Blüte. Ein Fachblatt hat Zahlen über den Fabrikationsrückgang veröffentlicht, dic mir Veranlassung ge­geben haben, die Bundesregierungen in federn einzelnen Falle um Nachforschungen zu bitten. Sämtliche Berichte liegen mir vor; und wenn die Frage ursprünglich sehr ernst schien, so kommt sie mir jetzt sehr heiter vor. Von 109 Firmen, die ihren SB» trieb aufgegeben haben sollen, haben 49 beim Inkrafttreten des Gesetzes überhaupt nicht mehr bestanden (Heiterkeit); 21 bestehen noch heute (erneute Heiterkeit), 8 sind an andere Orte Derlcgt. Bei den übrigen liegen dic Gründe meist in der Person des Ge­schäftsinhabers. Nicht ein einziger Fall ist in den Berichten nach- gewiesen wordcn, in dem baS Zigarettensteuerge,etz den Anlatz zum Einstellen beS Betriebes gegeben hat.

Leider ist zurzeit ein Antrag auf Erhöhung der Zollsätze nicht gestellt. Ich hoffe, daß es noch möglich sein wirb, einen böferen Prozentsatz beS Wertzuschlags burchzusetzen. Den sozial- bemokratischen Antrag auf Entschädigung entlassener Arbeiter bitte ich abzulehnen. Den von dec Mehrheit gestellten Antrag auf Erhöhung des Zolles für Zigaretten dagegen bitte ich an- zunehmen. Im übrigen empfehle ich die Kommissionsfassung mit den Abänderungsanträgen Kreth zur Annahme.

Reichsschatzsekretär Spbow:

Ich muß mein Bedauern aussprechen, daß nicht nur dw Banderole nicht die Zustimmung der Mehrheit der Kommission ober bcS Hauses gefunben hat, sonbcrn baß auch ber Erlös, der nach ber bisherigen Lage ber Anträge aus ber Besteuerung des Tabaks zu erwarten ist, so gering ist. Denn nach bem Anträge ber Kommission werben nur 43 Millionen Mar., nach bem An­träge Mommsen nur 40 Millionen Mark aus ber Steuer ub ergeben. Ich glaube, eS wirb im Deutschen Reiche bei vielen Leuten Kovsschüttcln hcrvorrusen, baß ein doch wirlli^ entbehrliches Gcnußmittel wie der Tabak nicpt noch stärker hcrangczogen worben ist. Wiv bekommen durch bas neue Gesetz eine Belastung üon 2,20 Mk, pro Kopf, wahrenb sic nach den jetzigen Steuersätzen 1,49 beträgt. Alle Bedenken sozialer Art gegen bas Gesetz beruhen auf ber Voraussetzung bcs Konsum- rückgangS. Dic Richtigkeit dieser Voraussetzung können wir nicht zugebcN. Nach unseren Berechnungen gestattet nichts den ^chu^v? daß 25 000 Arbeiter brotlos werben. Bei der im Jahre 187d erfolgten Entlassung von Tabakarbeitcrn in Hamburg unb Bremen lagen bic Verhältnisse bcshalb ganz anberS, weil Hamburg unb Bremen bamals noch Freihafengebiete waren. Wenn aber auch um bas Jahr 1879 herum eine Vefchäftigunasverminderung em- getreten ist, so hat sich boch inzwischen bic Tavakinbustrie glanzenb entwickelt. Die Arbcitcrzahl von 110 000 im Jahre 1691 ist bi5 -um Jahrc 1895 auf 153 000 unb 1905 auf 195 000 gestiegen. Eine Einschränkung im Rauchgcnuß wird nicht lange

Spoet.

D. Süddeutscher Ruderverband. Auf ber kommen­den Sonntag, 4. Juli, nachm. 3 Uhr, üi Frankfurt a. M. stattfindenden 11. Regatta des Süddeutschen Ruderverbandcs hat die hiesigeH a s s i a" im Gast- und Junior-Vierer gemeldet. Sie trifft im ersten Rennen mit der MainzerFortuna" und dem Mainzer Klub 1903, im zweiten Rennen mitFortuna" und FrankfurterBorussia" zusammen. Tiefe und die Frankfurter Alemannia" bestreiten den 1. Achter und beide in Gemeinschaft mit der FrankfurterAmicitia" den 1. Vierer. Letztere kommt im 2. Vierer mitFortuna" unb Klub 1903 und im ^umor-Einer mitBorussia" zusammen. Zur 12. Regatta des S. R V., welche Sonntag, 25. Juli in M a i n z unter Leitung der dortigen VereineFortuna" und Klub 1903 abgehalten wird, hat der Grotz- h-rzog von Hessen laut allerhöchster Kabinettsordre einen Preis mit der Bedingung gestiftet, daß er dem Verein, der ihn zweimal hintereinander oder dreimal ohne Reihenfolge gewinnt, zufallen soll. Weiterhin haben Bürger der Stadt Mamz^ einen Preis gestiftet, der nach zweimal hintereinander erfolgtem eieg m Eigen­tum über geht. Ter Großherzog-Preis wird iin 1 Achter und der Bürgerpreis im Begrüßungs-Vierer (Gastrennen. ,ausgefahren werden. Außerdem hat der Mainzer Regatta-'ilusichus; noch einen ersten Vierer (Verbandswanderpreis , einen 2., 3., junior-, Er- munterungs- und Trost-Vierer, einen 2. Achter, |0ime einen 1., 2. und Junior-Einer ausgeschrieben.

§ la enthält den Zollzuschlag. Er beträgt nach dem Kommiffionsbeschlutz 40 Proz. vom Wert.

Berichterstatter ist der Abg. Kreth (Kons.). Sowohl von Basscrrnarm (Natlss unb von Singer (Soz.) liegen Anträge auf najnentliche Abstimmung vor.

Abg. Molkenbuhr (Soz.) t

Die Steuer wirb einen ganzen Industriezweig, der mehr als 200 000 Arbeiter beschäftigt, außerordentlich schwer treffen. Der Konsum wirb zurückgehen, unb bic Folge werben Arbeiterent- laffungen sein. Wir lehnen baher die ganze Steuer ab, denn sie ist in erster Linie arbeiterfeindlich. Die Kleininbustrie im Tabak­gewerbe vernichten Sie völlig, weil Sie im Dienste bes TabaktrusteZ stehen. Die Erbschaftssteuer haben Sie abge­lehnt, weil Sie ben Familiensinn für bedroht hielten. Jetzt scheuen Sie sich aber nicht, Hunberttausende von Arbeiterfamilien dem HuLgertode preiszugeben. (Beifall b. b. Soz.),

Abg. Dr. Stresemamr (Natl.):

Das Deutsche Reich hat von allen Staaten bisher den Tabak am wenigsten herangezogen. Der Konsument bieser Genußmittel steht am besten ba. Aus volkswirtschaftlichen Bebenken schreckte man bisher vor einer schärferen Belastung des Tabaks zurück. Nun sind wir durch die Finanzlage beö Reichs zu einer neuen Be- Steuerung gezwungen.

Aber wenn wir eine Steuer machen, bann müssen wir sie mit bem Gewerbe machen. Wir müssen sie so einrichten, baß bas Gewerbe glaubt, bic Steuer durchführen zu können. Wir müssen jede Begünstigung des Großkapitals vermeiden. Ich kenne aber feine Steuerform, bic ben Konzen t r a t i o n S p r o z e ß im Tabakgewerbe so zu beschleunigen in ber Lage ist, als ein bertntiger Wertzollzuschlag. Auch gegen bic Banberole haben wir gewichtige Bcbenten, weil sie bie Anonymität beS Tabakgewer- des beseitigen würbe. Dic Anonymität liegt aber gerabc im Interesse bes Kleingewerbes. Wir werben immer so viel von einer burchgreifenben Mittel st anbSpolitik. Aber gerabe Ihre (nach rechts) Steuerpolitik ist geeignet, ben Kleinhanbel zu unterbrücken. Was die Zigarcttensteuer anlangt, so warnen luir davor, dieses Fabrikat zu stark zu belasten, wie es Graf Miel, zynsfi will. Wenn Sic aber biefc starke Belastung beschließen, bann müssen Sie der deutschen Zigarettenindustrie auch ben nötigen Sckmtz gegen die auslänbischc Konkurrenz gewähren. Wir werben aus diesen Gründen für bic Einführung der Gewichts­steuer unb bes Gewichtszolles nach dem Antrag Mommsen stimmen. Wber wir stimmen gegen ba5 ganze Gesetz, so lange nicht für eine ausreichenbe Besteuerung bes Besitzes ge­borgt ist. (Deisall bei den Liberalen.)

Abg. Schulz (Rp.)':

Sie können den Tabak doch nicht mit der Erbschaftssteuer ver­gleichen, sanbern mit dem Branntwein. Wie hat sich ber Bunb ber Landwirte bei ber Branntwein st euer verhalten, bic boch ganz anbere Lasten auferlegt, als hier der Tabak. (Gelächter links.) Draußen verlangt man ganz allgemein, daß bei Tabak mehr hergeben soll, unb uns macht man Vorwürfe. Diese Auf­fassung ist auch begründet. In Frankreich kommt auf den Kopf ber Bevölkerung eine Tabakbelastmig von 7,68 DU. (Zuruf von den Soz.: Die haben keine GetrcibezöL:!) WaS? Die keine Getreibezölle. Na, Sic verslehen was von der Sache! (Heiter­keit.) In Teutschlanb kommt aber nach ben Kommissionsbeschlüssen mir 2,3 Mk. auf den Kopf. Frankreich bringt au8 dem Tabak 300 Millionen auf, Oesterreich 200, Italien 147 unb Spanien 141 Millionen. Also Deutschland steht nur auf ber Linie von Säubern, die nur bie Hälfte unb ein Viertel ^er Bevölkerung haben. Je wohlhabcuber der Raucher, desto wei.:-r Stcüern zahlt er prozentual nach her Gewichtssteuer. Richtiger als diese wäre immer noch bic Banderole. . .

Abg. Hermann (Fr. Vp.) k

Man wird dem deutschen Tabakverein nicht nachsagen können, baß er bie Interessen seines Gewerbes nicht in ber rich­tigen Weise vertreten habe. Ein Konsumruckgang wirb unbl> bingt cintreten unb er wirb zweifellos proportional ber Steuer- erhöhung sein; bic Fakturenwertsteuer, bic man in Amerika ab- geschafft hat, sollte man bei uns nicht cinführen. In ber Kommis­sion wollte man ber Tabaksteuer ein soziales Mäntelchen um» hängen, indem man bie billigsten Sorten freiließ. Damit glaubte man genug getan zu haben. Um bie große S ch.ä b i 9 u n g der Volkswirtschaft aber kümmert man sich nicht. Maß­gebend müßte boch sein, daß in ber Tabakinbustrie 200 000 Per­sonen beschäftigt sind, bic nicht einfach aufs Pflaster geworfen werben bürfen. Da? Gesetz wirb ber Konzentration bes Kapitals Vorschub leisten. Lehnen Sie bie Vorlage ab unb begnügen -sie sich, wenn Sie schon ben Tabak zur Finanzreform heranzichen wollen, mit einer angemessenen Erhöhung ber b is ° herigen Z o l l st e u e r s ä tz c. Der Antrag Mommsen wirb von ber Jnbustrie als bic sie am wenigsten schäbigenbe betrachtet; »vir empfehlen ihn beShalb zur Annahme. (Beifall links.)

159. Jahrgang Giehener Meige General-Anzeiger für Sbrrhefien

hKsröel Verkehr, VoLkswirtbchaft.

Stand der. Am e r i k a-n i s ch e n Baumivolle. De^ Bericht des Journal oi Eominercc über den Stand der Baumwolle besagt: Tie Eriiteaussichlen belragen 76,8 Punkte gegen 82,1 Punkte im Vormonat und 79 Piinkte in der Vorjahrszeit. Tic Anbaufläche beträgt 31 918 000 acres. Tie Pflanze ist um 2 Wochen rückständig.

K a l i s yn d i k a l. Bis zur Eröffnung der gestrigen Börse ist das .Kalisyndikat noch nicht erneuert wurden. Tic Gruppe Salzdctfurt-Westcregeln-Roßkeben-Thüringeii-Einigkeit Hal ver- gangcnc Nacht erhebliche Mengen Salz? ncirnenswerl unter dem bisherigen Syndikatspreis freihändig verschlossen. Tic Vcrhaud-',' lungen^nugen Ucberiiahrne ber Verträge dieser Gruppe durch das- Synbikat dauern noch prt. Erklärungen anderer Gruppen über eventuelle Verkäufe und 'anderweitige Transaktionen stehen noch aus. Einer spatciLn Meldung zufolge liegen die Erklärungen über dic außer syndikatlichen Verkäufe vor. Es haben verkauft eme mit 2 Millionen Mark gebildete G. m. b. H. bestehend aus den obengencmm.cn Gesellschaften gewisse, nicht zu große Quanten, ferner Aiä-ersleben kleine Quanten, Neustaßfttrt kleine Quanten, endlich Sollstedt erhebliche Quanten. Rcusiaßfurt^verlangt, daß diejenigen Quanten, die schon veickauft sind, r-'m Syndikat über­nommen loerbeii und daß Neustaßsurt folgendes Recht erhält: Es will dos gleiche Qnantnrn, wie abgeschlossen hat, zu 1 einer Quote zu gleichem Preise für seine Fabriken geliefert erhalten. Die gegenwärtige Lage ist geschaifen, ähnlich :vir in 1901 durch» Herrn Tr. Will). Sauer, bureb den Leiter des Eonzerns, der bis z-ulext in der Qeffentlichkeit auf das Ensschiedenstc für gegenseitige Opfer für das Syndikat und für dessen unbedingte Notwendigkeit eingetrcten war. . ,, , ,

Amerikabank - Aktien - Gesellchaft. In der Generalveriammlung wurde der Vertrag mit der Bank sür Handel- und Industrie genehmigt wonach diese ba§ Vermögen der Bant als Ganzes gegen eme am 1. September 1910 zu leiitcude Zahlung von 13 5 Millionen Mark übernimmt mit der gleichzeitigen Ver­pflichtung, den Aktionären ab 5. August 1909 bic Aktien zu, 114 Proz. abzunehmen. Tie ans bem letstjährigen Reingewinn von 1356 000 Mk. zu verteilende sosort zahlbare Dividende beträgt 6 Vren.

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