Nr. 307
Drittes Blatt
Freitag 31. Dezember 1909
159. Jahrgang
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
politische Tage-scharu
D'e Krise im Ruhrgebiet.
lieber bio Lage im Ruhrkohlenrevier erklärte der christ- liche Bergarbeitersührer Effert einem Vertreter der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung", daß die Bergarbeiter ichafl einen für den Ausstand günstigen Augenblick abnxirten werde. Es sei nicht ausgeschlossen, dah man eine Zeit wählen werde, in der die polui>ck>en Wogen hoch gingen und den Arbeitern Gelegenheit gegeben wäre, ihren Groll auch Politisch -u bekunden. Em solcher Moment stehe in aroei Jahren bei den Reichslagswahlen bevor Es seien in oem letzten Monat vom christlichen und vom alten Berg arbeitcrvcrdand etwa 20 000 Mitglieder gewonnen worden Hauptsache sei es, alle gelernten Bergarbeiter zu organu siecen.
In Oberhausen haben die Vorstände der vier Berg arbeilerverbände getagt und nach langen Erörterungen folgenden Aufruf an die Bergarbeiter des Ruhrreviers beschlossen:
„Tie am 28. Dezember in Oberhausen ffattgehabte Kvnscrenz der vier Bergcrrbeittrvrganisationen besagte sich emgeheiid mit der ArbeitSnact»veisfrage und kam -u der Ueberznrgung, daß dir Einschränkungen, die der Zechenverband der Satzung des Ar- beitsnachweises gegeben hat, in keiner Weise geeignet sind, die seitens der Arbeiter von diesem einseitigen Arbeitsnachweis befürchteten Gefahren, Lohndruck, Maffregeluugen usw., zu bt. seitigm. Tie Organisationen leiten daher den ZnxmgsarbeilS nac!»vi'is nach wie vor für eine Einrichtung, gegen die Oer Kamps nötigen falls mit den äußersten Mitteln gejährt werden mutz. Tic Konferenz hält angesictlls der W>rtick>afisfrife und der Fohlen- Vorräte den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für go- eignet, in einen Streik einmtreten, sondern ernpsiehlt den Berg. orEeitem dringend, diesen auf eine günstigere Zeit zu versäneben Tic Vertreter der vier Organisationen stellen einmütig aus dem Standpunkte, falls es zum Streik Gomnrt, nur an diejenigen Unter« ftübimg yu zahlen, die beim Beginn des' dtusstgndes ihrer Ornani satioii mindestens drei Monate angehärt haben. An Unorganisierte wird teilte Unterstützung gezahlt Mit Rücksicht auf den voraus- sicl>Üich bevor stellenden Streik ist dafür Sorge zu tragen, daß von jetzt ab schon jeder Zuzug von Arbeitern in die Berg<reoiere, namentlich aber in das Ruhrrevier, streng fern gefaxten wird."
In den nächsten Wochen soll von neuem eine Sitzung stattsinden, in der weitere Beratungen über die Stärkung der Organisationen und Vorbereitungen auf den Streik gepflogen werden sollen.
Die Beschlagnahme russischer Guthaben.
Es ist wieder einmal über einen deutsch-russischen Streit zu berichten. Bei dem Bankhause Mendelssohn in Berlin sind russische Staatsdepots in Höhe von 4 Mill. Rubel von einem deutschen Gericht beschlagnahmt worden. Die Beschlagnahme soll eine neue Phase bilden in dem be» kannten Prozeß wegen des Dampfers „Anhalt", der wahrend des russisch-japanischen Krieges von der russischen Regierung auf den Namen des Reichsdeutschen Hellfeld ange-
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der s)corbi>. Alla. ^tg. ist die russische Negicrung bereit, die Srn!>c vor ein Schiedsgericht zu bringen.
Landwirtschaft.
** Vortragsturs j ü r Landwirte. Ter von der L<mdnnrt'd«stskaiumcr abLuh«iltende BortratzLkursuS für p v a f t i i d)e Landwirte in Mainz wird Dicn-tag vormittag 10 llfyr im Kütherhos eröffnet werden. Au diesem Sag spricht (Kehimerat Wagner-Darmstadt von 10—11 Vs lldr über das Lbenw: „'hkld» 5>uidelödünger sind zurzeit am vvrleilbaftcslcn zu t>nii>ntben ?" x>ni 11,40—1 Uhr hält Generalsekretär Bussen^ Lmiuiovrr einen Bntvag über: „Tic AnnwnPinvg der Elektrizität m der Lanowntichail und ihre Veschafiimg durch gmosfewä-ast- liche Organisationen." Von 3—5 Uhr mulZm-ttagS findet eine Voprechung ber behmidelten Tliematas statt, wobei jedem Kursus- tviln. Imter Gelegenl>eit gegeben ist. Fragen an die Bortranendett. zu foeffat. Dauerkarten für den 4 tagten Kursus kosten 3 Mk., Einzeltagkartcn 1 Mk. und können von dern' Burvau der Landwirt« fdm.tofamiiun- in Darmstadt bis -um 2. Januar bezogen werden Später werden sie am Eingang in das Vorttogsfokal abgegeben.
Buchführung jur Landwirte. Wie in laiwwirt- scl^aftlichen Kreisen noch nid)t überall bcflannt sein dürste, gibt die Lan dw, rts chii tsuunmer für dos Grvü^'rzog Nrm Hessen Puchs ich. nnigcn für kunne, mittlere und grotze Betriebe in Hessen heraus. Während die für rmt-Iere intb große Betriebe zurzeit im Ennimrs r-orlicgen, ist die vudnülmung jür fieinc bäuerliche Betriebe, biß auch in Betrieben mittlerer Gröhe zu beitu tim ist, wenn eilt Anfang nrt der Buchsührnng überhaupt gemacht werden soll, un Slbsiverlag der Landnnilsdzaitükaniiiicr bereite seit Mär- 1909 end>icnni.
tauft wurde. Der Dampfer sollte mit Munition nach Wladiwostok gehen, ldellfeld erhielt für den Falt des Gelingens der gefährlichen Fahrt eine bedeutende Entschädigung zugesichert. Als der Friede von Portsmouth geschlofsrn tour e. nxn die „Ant-alt" erst bis Äiautschou gekommen. Die russ Regierung hat danach die ausbedungene Zahlung verweigert. Inzwischen war es aber gelungen, den Dampfer „SLiijalt" mit seiner Fracht irach Wladiwostok zu schassen. Infolge dessen Hal Hellfeld die russische Regierung aus vier Millionen Rubel Schadenersatz verklagt. In dem seit Jahren ipiclcn- den Prozetz hat nunmehr, so wird gemeldet, das deutsche Gericht Hellfeld die Zahlung zugesprochen und gleichzeitig die russischen Staatsdepots oei der Firma Mendelssohn mit Beschlag belegt. Diese Wendung der Lache hat d e russische Regierung veranlagt, den Oberprokureur des AnssalionS- departernents des Senats, Tynowsli, nach Berlin zu senden, um die Sack-e beizulegen.
Tas ofsstsielle Jnsormationsburemt in Petersburg ver^ öffentlicht folgendes Rundschreiben über die Ajfäre des Dampfers „Anl-alt":
Am 18. März 1906 brachte ba5 russische skriegsininifferiun^ bei dem beutidjen Gericht in Kiautschui die Fvrderuna aus Rückg be des von ixm Lmuptmonn v. ^eltieldl in Beschlag gerwnimenen Damufers ..Anhalt" und der darauf besinblict>en, der Krone ge horigrn Fracht rin. v. tzeslseldt anlnwrteie mit einer Gegenklage, in der er ungejähr 3 Millionen Mark forderte, genuin einem puiidyn ihm und dem russischen Miliuiragcnten in Tientsin, ClhTlbcn DQvtvbiiiLn», al'gesctLossenen Beitrag aus Ankaus van 0)r'sclnibcn. Tie As sä re Mir de mehrere Jahre üvn den deiitschm Geiiclcken in Chino verlxindett unb ist bis heute noch nicht völlig ba-nhet Schliesüich setzte die russisclL Regici-ung die Rüllgabe Ce. anderst torcwollen FradK durch, doch verblieb der Damvicr bis letzt in den Länden bc$ Agenten txm L>effseldt. Bei bei Gegen- iorderung bestraf en die Anwälte des Lbriegsgericküsininisteriuinä vor dcm Geridzie die Kompetenz deutscher Gerichts^ Instanzen in einer Angelegenheit bet ruiiisdxn Krone, indem sie bel-auvteten, dutz bloh bei jreiimlliger Zustimmung ein Staat den Gericlüen eines anderen Staates sich untcuurbiien könne, das Gericht in KiauN'chou ertannte, gebunden durch «nie Entscheidung einer höheren Instanz, die Redüinäffigkeit dieses Widersprud)s nicht an mib entschied zugunsten von vellseldt. Dieser griff zu prozessualen Maßregeln, zur Bollstrechmg der Entsaxidung, itv iolgedessen das Berliner Bankhaus Mendelssohn u. Cv. ein Schrei- den des Berliner Geriäüs über die Beschlagnahme der russiscl)en Wertpapiere erhielt. Die russische Regierung ging unverzüglich das Auswärtige Amt in Berlin an unb ersuchte dieses dringend, die ihm zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um die Unantastbarkeit der russischen Fonds zu sichern. Tie russische Botsdmst in Berlin erhielt soeben dir Anfeoort des Staa.Sekretärs des Auswärtigen Amtes, welcher mitteilte, seine Regierung habe beschlossen, der administrativen Justiz die Frage über die Gerichts kompe» tenz vorzulegen. Lierdurch wird die Dallftreckung des ge- rickmichen SpnicleS betreffend die Beschlagnahme der russischen Wei Objekte eingesteNt, bis diese Justiz prinzipiell die Frage ent- ldrüben hat, ob den Gerichten das Rcr'n zuUeht, Maffregrln zur ißeidjlagnfllynu des Eigentums fremder Staaten zu ergreifen.
MÖBEL
EB _____________
Arankfmter Kypolhckenöank.
Wir haben mit der Ausgabe einer neuen
WlAaeu Serie 21 unserer Pfandbriefe, nicht vcrlosbar und vor 1020 nicht kündbar, zunächst im Höchstbetrage von M. 20,000,000—, begonnen und für diese Serie sowie für Erweiterung der früheren
40/ igett Serie 20, nicht verlosbar und vor 1015 nicht kündbar,
um M. 10,000,000.— . .
die Zulassung zum Handel und zur Notiz an der Frankfurter «Öde veranlaßt. B« Serie 21 findet Verlosung einzelner Nummern nicht statt; nur die ganze Serie oder einzelne Jahr- gange derselben können seitens der Bank und zwar er,t vom Jahre 1920 °b zur Rückzahlung nach 3 Monaten gekündigt werden; spätestens zum 1. Januar 1970 mutz solche Kündigung erfolgen. Stücke b.cfet Serie trogen di- Nummern 210 001-220 OUO. S.e Huden
Ä tbd Beckusung einzelner Nummern nicht statt- nur di- ganze Serie oder einzelne Jahrgänge derselben können feilens der Bank und zwar erst vom Jahre 1915 ab zur Rückzahlung nach drei Monaten gekündigt werden; spätestens zum 1. Januar 8ÄL *ää« sw sä’« o U k . 11 !iAr,ih..nfl auf den Namen eines bestimmten Berechtigten kann nach Niatz.
Inhaber, die Umichreib g f Preufzischen AuSsührungtzgesetzeS zum Bürgerlichen
gäbe der Bestimmungen m Art. 18 öcS rcuB W Inhaber sind sie unkündbar.
Gesetzbuch- verlangt w--den w .»Nz, ° '^^ann. u mach.m Ti- Einlitsuug bau Zur-.
auswärts bei den Handelsregister eingetragen. Das
Die Bank wurde -m 88 ^a- isv-^ lf)t damals erteilt, neuerdings anläszl.ch Privileg zur Ausgabe von Inh b p p -omen Erlah des Herrn FmanzministerS und der Erhöhung deS Grundkapitals ) g quftl. unb des Innern vom 22. Ma,
der Herren Mmifter ^r ^indwlrtich » ., s- ^aS Statut bindet die Bank hm-
1905 auf Grund Allerhochller Ern ach g g yfflnninunflen des HypothekenbankgefetzeS und sichtlich ihres ^schästsbetrtebS emsa ) bbbciefen unb anberen Schuldverschreibungen unter beschränkt das Recht Ausgabe v ^gebenen UebergangSbeuunmungen
Verzicht auf die ur altere Sonfcn m § 48 ^.ef 6 Gesamtbetrag ausschlieblich
lediglich gemai; §§ 7, 41 und 4- „nd einschließlich derselben den ISsachen Betrag des der Kommunalobligationen den 1 f Reservefonds nicht übersteigen darf,
eingezahlten Grundkapitals und deS g 1 j %rilllbrflDit0( Mk. 20,000,000.—, die Reserven
Ende September 1909 belruyn
unb©ciümnüortraoe5iifammen-- J G < __ ' An Dividende sind seit dem Jahre 1900 ;c
der Psandbricsumlauf Mk. 467,6J4,* •
9°/0 verteilt worden. . Reichsbank in Klasse 1 beliehen und sind
Die Pfandbriefe der Bank werde ^o^^ priüQ,en VeisicherungSunternehmungen zur deshalb gemäsi § 59 des Gesetz , ,-^brimgsgesellschaften, sowie gemätz Z 106 des Anlage von Pramienreseroen der - ' DOrt Beständen der Berufsgenoffenschaslen ver»
GewerbeunfalloersicherungSgefetzeS zur w b ^^selben zur Anlage von vormundichaftliche>i wendbar. Im Grotzherzogtum Hesien u commUnalobliflationen der Bank können in und pfl.gsch-.s,lich-n T,- Kam^^
Preußen zur Anlegung von Mündelgelder unsere Verkaufsstellen zur Ausgabe.
Die Pfandbriefe gelangen durch> u S
Frankfurt a. M., Dezember • Ärallf|ttrter HypoLhekenbank.
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