EinigungSverhandlungeu aussprach, wurde diese mit überwiegender Mehrheit gegen etwa 20 Stimmen angenommen.
Nachmittags iand ein
Festmahl
statt, bei demAbg. Haußmann, der Vorsitzende Fulda (Mannheim), Redakteur Stegemann (Konstanz) und Pfarrer Korell Ansprachen hielten. — Am Abend schloß sich an den Parteitag eine öffentliche Volksversamni i nng, m der ^.'andtagsabgeordneter Proi. Quidde (Vlünchen) über die politische Lage sprach.
Aus Stabt und Land.
Gießen, 4. Oktober 1909.
** In Audienz empfangen wurden von S K. S? dem Groß Herzog am Samstag u. a der Leutnant Tamm, oom Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm *2. ivroßh. Hess.) Nr. 116, kommandiert zur Tienstlcistunq beim Größt). Train Depot des 18. Armeekorps, der Professor Larnpas von Friedberg und dar Landgerichlsrar Schmäht von Gieren.
*• Kolosseum. Das neue Programm, das die rührige Direktion für die erste Hälfte dieses Monats aufgestellt hat, wird bei der hiesigen Bevölkerung aller Voraussicht nach großen Anklang finden. Sowohl die artl!nschen Darbietungen, als auch die musikalischen und kinematographischen Vorführungen sind recht gut und erfreulich. Lilli Dewall zeigt sich als eine äußerst gewandte Drahtseilkünstlerin und überrascht durch die sichere Art ihrer Darbietungen aufs angenehmste. Eine gute Sängerin ist Christi Berg, die mit ihren hübschen Koloraturen lebhaften Beifall fand. Max Henry bietet sehr schöne und unglaubliche sichere und exakte Kunststücke im Balancieren der verschiedensten Gegenstände und im Spiel mit einer schweren Kugel, was reiche Anerkennung fand. Auch Frances EvanS, eine niedliche Tanz- soubrette, fand mit ihren Vorträgen lebhaften Beifall. Stür- mische Heiterkeit erzielte Jean Eder, ein sehr geschickter Bauchredner, mit seinen gehenden und tanzenden Figuren. Besonders seine Unterhaltung mit dem kleinen Oberbayern wurde lebhaft beklatscht. Die Hermanos zeigten sehr nette und glatt ausgeführte Arbeiten, die volle Anerkennung fanden. Max Frei, der hier schon besteiis bekannt ist, unterhielt mit seinen lustigen Vorträgen aufs angenehmste. Recht gefällig waren die Tänze von Barbara D'Erry, die in verschiedenen Charaktermasken austrat. Auch Helga Seidel, eine nette Kostüm-Soubrette, fand viel Beifall. Den Schluß machten dann die drei Hawleys, eine vortreffliche Truppe, die mz ausgezeichnete Darbietungen brachte. Besonders t>c. u- zuheben sind die Schwünge am doppelten Reck, die nicht nur von einer außergewöhnlichen Uebung, sondern auch von Eleganz zeugten. AllcL in allem ein sehr empfehlenswertes Programm, das durch die unter Otto Mollers Leitung stehende Kapelle wesentlich gehoben wird.
** Bezirksackerbau- und O b stausstellung, veranstaltet vom Landwirtschaftskammer- Ans schuß für Ober Hessen. Die Vorbereitungen für die vom 9. bis 11. Lllober hier siattsindende Ausstellung des Landlrirtschaftstammer-Aussaiusfes sind in vollem Gange und hilfsbereite Herren des Ausstellungskomitees tun ihr möglichstes, um ein schönes Bild der im Ausstellungs- bezirk Gießen und Alten-Buseä-Lcllar gewonnenen Boden^ crzertguisse den Besuchern zu verschaffen, an dem sie durch Anstellung von Vergleichen Belehrung und Anregung empfangen können. Ten Vorsitz des Ansstellungskomitecs har Provinzialdirettor Gehetiuerat Dr. Brejdert übernommen. Um in der Ackerbauausstellung Gelegenheit zu geben, die neuesten Sorten und sonstigen Errungenschaften auf dem grämten Gebiete des Pflanzenbaues kennen zu lernen, hat such das Landw. Institut Gießen in dankenswerter Weise bereit erklärt, diese Aufgabe zu lösen. Auch der Landw. Lokalverein Gießen wiro mit einer größeren Sammlung von Ackerbauerzeugnissen aus dem Plane erscheinen und auch Landwirte aus dem Ausstellungsbezirk sind dem Rufe gefolgt und werden verschiedene Produkte ihrer Scholle zur Schau bringen. Die hessischen Saalbaustellen der Land- wirtschaftslammcr werden gleichfalls in vollkommener Weise vertreten sein und ist den Landwirten Gelegenheit gegeben, die Früchte nicht nur im trieurten fantfettigen Zustande, sondern auch am Halme zu sehen. Ganz besonderes Interesse dürfte auch eine Reihe von Maschinen und Geräten, ■ine von der Maschinenprüfungsstelle des Landw. Instituts Greßen vorgeprüft und als praktisch und brauchbar sich erwiesen haben, ausgestellt jini), beanspruchen. Tie Obstausstellung wird gleichfalls sehr reichhaltig sein. Biele vom Landwirtschaslsiammer-Ausschuß gestellte Preisaufgaben werden richtig erfüllt und gelöst sein. Nicht allein eine große Anzahl einzelner Sorten >lvcl)-, Wirischafts-- und Tafelobst werden präsentiert, sonderii es werden auch die ver
schiedenen größeren Aufgaben in mehreren Sorten bestehend, ferner die größeren Kisten- und Kartonpackungcn, die Fingerzeige für den Obsthandel geben, würdig vertreten sein. Gleich- salls werden Obst- und Gemüsekonserven in abwechslungsreicher Folge vorhanden sein, die gewiß bei den Damen großen Anklang finden dürften. Außerdem werden Gerate für Baumpflege und solche für Obswerwcrtung in größerer Anzahl vorgeführt. Ten Ausstellern sei noch bekanntgegeben, daß sie ihre Ausstellungsgegenstände bis spätestens Freitag nachmittag in dem Ansstellungslokalc (Turnhalle de? Turnvereins am Oswalds Garren) abliefern müisen. Tie iitm Verpacken des Obstes erforderlichen Ma- tcriolicn, sowie Fruchtsäckchen, Etiketten usw. können von Mittwoe.) ao daselbst in Empfang genommen wer en. Nach Beendigung der Prämiierung wird nächsten Sani ig nachmittag um 2 Uhr die Ausstellung eröffnet weroen und von dieser Jcit ab für das Publikum geöffnet sein. Am Sonntag nachmi ag 4 Uhr fmdet eine öfienlliche Versammlung statt, in oer Bericht über die Ausstellung erstattet und Dr. Hoffmann über oie „Grundbedingungen für einen erfolgreichen Obsthandel" sprechen wird. Gleichzeitig findet die Aus- zaylung der zuerlannten Preise fta^L Die Landwirte, speziell die des Kreises Gießen, werden die Aufwendungen der Land- wirtichastsiammer am besten dadurch belohnen Annen, wenn sie recht zahlreich die Veranstaltungen in Gießen besuchen.
** Paketei nsammlung durch die Pc Es ist noch nicht genügend bekannt, oatz die Post al ndende Pakete auf Bestellung aus den Wohnungen avy...n Ußi. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Marte oder einen Bettet mit den Worten. „Paket abzuholen bei (Name urw^Wohnung) unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen ooer einem Briefträger muzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Paketbestetliahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hause des Absenders logeholt. Das Verfahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zu empfehlen, denen ein Dienstoote nicht zur Verfügung steht.
x Laubach, 2. Okt. Wegen Kindestötung wurde die Untersuchung gegen ein allcinstehendes, lediges Frauenzimmer eingeleiler. Tie Leiche war unter dem Bett gefunden worden. Unter Beisein des Meisarztes aus Schotten nahm das Amtsgericht die Sektion der Leiche vor.
)( Rupper tsb urg, 2. Okt. Das Dunkel, das seit zwei Monaten über dem hiesigen Einbruchsdiebstahl herrscht, scheint sich ausklären zu wollen. Der Einbrecher war der gleiche, der in Stockhausen einen ähnlichen Diebstahl verübt hat und der in Frankfurt a. M. verhaftet worden ist. Ein Polizeibeamter von dort erschien vor einigen Tagen auf der „Menzburg" und zeigte den Bestohlenen eine Tamenuhr und eine Herrenuhrkette sowie mehrere bei ihm vorgefundene Schlüssel vor, die sie als ihr früheres Eigentum bezeugen konnten. Von dem Geldc, 700 Mt., das ihnen am 31. Juli entwendet worden ist, hatte Schrumpf natürlich nichts mehr.
x Nidda, 2. Okt. Heute wurde unter großer Beteiligung der zweitälteste Mann unserer Stadr zur letzten Ruhe gebracht, der Landwirt Christian Hofmann, im Alter von 911/2 Fahren. Hier und in weiteren Kreisen war er als i^er Sohn eines hiesigen Bürgers und TanibourS der Landwehr unter dem Namen „Tambours Christian" bctcuinl. Ein überaus fleißiger Mann, hatte er trotz mancher körperlicher Beschwerden noa) in der Erntezeit dieses Jahres Fellmrbcit verrichtet. Zugleich Rlusilaut und großer Freund von Musik, hatte er sich stets einen guten Humor bewahrt. „Ich und niet' Leut" (damit meinte er feine Atttspiclcr bei festlichen Gelegenheiten) war sein Lieblingswort. Seine Nachkommenschaft bestand aus 4 Kinderu, 11 Entcln und 2 Urenkeln. Der älteste Manu von Nidda, ein Junggeselle namens Orth, vollendet in diesem Jahre fein 96. Lebensjahr.
Darmstadt, 3. Olt. Der AllgemeineDeutsche Fraucnverein hält oom 4.—6. Ottober in unserer Stadl seine 2ö. Generalversammlung ab, zu welcher eine große Anzahl, von Teilnehmerinnen aus allen Teilen des Reiches herbeigekommen ist. Heute abend (quo im städtischen Saalbau eine allgemeine Begrüßungsfeier statt, bei welcher nach einem Festprolvg ein unter Leitung des Frl. Luise Muller steyender Frauenchor, sowie die Damen Frau Kabinettsrat R ö m h e t d, Frau Mlla Menges und Frl. Wiesi de Haan durch künstlerisch schöne Borträge erfreuten. In den Pausen wurde von einer Reihe junger Damen Tee und Gebäck serviert. Die Vorsitzende der Ortsgruppe Darmstadt, Frau Oberfinanzassessor Balser, hieß m einer Begrüßungsansprache die auswärtigen Teilnehmerinnen willkommen und teilte dann mit, daß die verehrte Vor- sitzeride des Allgemeinen Deutjck)en Frauenvereins, Helene Lange, in Wiesbaden erkrankt und Deshalb am Erscheinen verhindert sei. Die Frau Großherzogin, die den Bestte- bungen des Vereins volles Interesse widme, habe ein
Schreiben gesandt, worin sie den Beratungen den besten Erfolg wünsche. Tie Versammlung sandte der c eoßherzogin, wie der erkrankten Vorsitzenden Begrüßungstelegramme. Namens der auswärtigen Teilnehmerinnen dantte Frau Tr. Agnes Gosche für die schöne, gastfreundliche Aufnahme Herr Bürgermeister Tr. Glassing bitte eine schriftliche Begrüßung gesandt und teilte mit, daß an seiner Stelle wegen Behinderung Herr Beigeordneter Egcnolf an den Beratungen teilnehmen werde, die Montag vormittag 9 Uhr beginnen.
s. Marburg, 3. Okt Gestern und heute wurde vier der diesjährige S c r t r e t c r t 3 g des Verbandes der e 0 a n g. Arbeit vereine K u r h ? s s e n s abgebalten. Gestern abeno fai .1 Turnergcr en ein: Begrüßungsfeier statt, bei der der Vorsitzende, P.arrer Francke Kassel), die 2lnwesenden w ^kommen Her.. < s folgten Berichte der Bertteter Der einzelnen Vereine und hieran schloß sich ein Vortrag des Arbettersekrctärs Butsäier av? Eisenach über „Soziale Kommis innen unö Arbeiter Avssau s? in Staats», Gemeinde- und Privatbetrieben und ihre Bedeutung für die Arbeiterschaft". Am Schlüsse einer rigen Aus,;'rache gab man zwei Resolutionen die Zustimmung, die die Bildung von Kommissionen bei j. chen Wahlen und di.' (im- richtung von Ärbeiter-Ausschu .1 für otc an «geschlossenen Vereine empfehlen Heute fruy fand ein Festgottesdienst in der lutherischen Pfarrkirche statt, bet dem Plärrer Maurer (Äv dittnold^ die Festpreoigt hielt. Um 11 Uhr begannen im aic des Turn:rgartens d.e Verhandlungen nm einer Anji. ache des Vorsitzenden. Fast sämtliche Berbandsoereine waren durch einen ooer mehrere Delegierte vertreten. Pfarrer Francke erstattete einen kurzen Jahresbericht, dem zu entnehmen ist, daß die Zahl oer Mitglieder rund 200 beträgt. Es mupe noch vie. gearbeitet und besonders dasur gesorgt weroen, dag die christlichen G-.veriichaften Zuwachs an Mitgliedern bekommen Betreffs der Sterbe- taffe wurde gewünscht, dag dic,e zentralisiert wurde. Ter Ka)fenbericht ergab 934,8, Mk. Einnahme und 333.50 Mk. Ausgabe, Bcstano 641,80 Mk. Hei dec skeroetusse betrugen die Einnahmen einschließlich des Bestandes 7175,08 Mk., die Ausgaben für 18 Todes,alle 532..U Mk., mithin K issen- bestand 6672,29 Mt. ^Nachdem ntun nou) einige sonstige geschäftlichen Angelegenheiten geregelt hitre, wurde c.S Ort der nächsten Ver,immiunq aicheniaas.n q w..nlt. für 1911 ist Fuloa in Aassicoc genommen. Am Schlüsse hielt Berbmidsfekretär Bohr (Kä,,el) einen Borirag über „Tie Bedeutung der sozialen Wahlen und der Gewerbegerichte für die Arbeiterschaft". Abends sand ein vorn hiesigen evangelischen Arvenerverein veran.talieler Fauulwi.abend statt, der bä Vorträgen des Pofaunirtcyvr., An praa.iii, Ge- jängen und Deklamalionen einen s.y.mcn Verlaus nahm.
Vie Gbftausstellung in Homberg a. ö.
0 H 0 Niberg , 3. Okt.
Ein scl)önes Bild des Obstbaues im Lhmiale zeigte Die am Samstag und Sonntag im „Frankiurter Hof" arrangierte Cb|i- ausstellung. Obstbautechniler ^tvch-Alsfeld hat sich um das Zu- ftanockommen der reichhaltigen Aussiellung bemüht und das Arrangement geleitet. Nicht allein eine große Anzahl einzelner Sorten Zkoch-, Wirtschafts- und Tafelobst, auch Die verschiedensten Geräte für Obstbaumpflege und Obstverwerlung standen zur Verfügung und daneben waren auf hohen Ständern leckere Odsl- und Gemüsekonserven aufgebaul. Am Eingang zum Saale des „Frankfiirler Hofs" gab die Maggifirma aus Singen Kostprobeii ihrer Fleischbrühen und Suppenwürzen aus. Denen eifrig zu- gesprochen wurde.
Gegen 3 Uhr am Samstag wurde die Ausstellung eröüuct Der stellvertr. Borslyende des XianDroirti'd)ait-:-tcnimcr Ausschusses für Oberhessen, Landtagsabg. Breidenbach aus Torheim, hieß die Gaste willkommen. Tr. H 0 f f m a n n- Friedberg wies aus das Zusammenwirken von Kammer und Lbstbanverein hm. Bürger^ meister Repp gab im Auftrag der Staol Homberg iciner Freude über Die gelungene Ausstellung Ausdruck. Namens des Meises sprach Kreisrai Hölzinger Alsfeld. Darauf criolgtc' unter Leitung des Obstbautcchmkers Koch ein Gang Durch die Ausstellung.
ES wurden 400 Mark an Preisen und außerdem zahlieiäsc Ehrenpreise und Diplome der LandwirtschaflSkammer und des oberhcssischen Obstbauvcreins ausgegcben. Preise erhielten in der I. Gruppe Hochstammobß.
Aufgabe 1: Sammelklasse: Beste Gesamtleistung in Erzeugnissen des Obstbaues in wirkungevallci Ausstattung. 1. Preise Kreisstraßenverwaltung des Kreises AlSicld und Fleschner- Nicder-Lfleiden. Zn den Enizelklassen erfolgte folgenoc Jrä- müerung; Aufgabe 2: Eine haltbare Latw.rgebirne. 1. L. Schildwächter-Homberg, 2. Bürgermeister Hcß Sußseld, 3. Pfarrer Präwrius-Homberg und Grcin-Maulbaw.
Aufgabe 3: Eine gute Einmachbirnc' 1. W. Schweiker- Homberg, 2. Stadt Homberg und L. Krau.-Homberg, 3. Jost 2alob-Ober-Ofleiden, G. Revv-Hombcrg.
Aufgabe 4: Ein guter Kochapsel: 1. K. Pfeil .lleder- Gemünden, 2. L. Hartmann-Homberg, F. G. Kersten Homberg, Foh. Heßler-Burg-Gemünden, Stadt Homberg, XI. Hartmanir- Homberg, 3. L. Hanstein-Maulbach und K. Martin-Maulbach.
Dem die Gloriole des MärchrcrS durch die ailgcmcine Aechtung in dem großen Bibelstreit zu teil geworden war, verlor sein Herz an Die gefeierte Diva und verlobte sich nut U-r. Frau Kaufsmaiui teilt Der Frcwidüi dies Verhältnis schonend mit und gibt zugleich ihren Bedenken gegen das Zickunftsglück dieses Bundes Ausdruck. Sic erkennt die blendende und wirklich be- Aaubcnibc Gegemoart Der Säiclnstan. „Bon ihrem musikalischen Produktioiten nxir ich wie Kaujfmaim hingerissen, es ist un° gcl)cncr viel Tiefe und Seclenschmerz iu iljrcn Tönen, und in ihrem Benehmen ist so viel vornehme Anmut, daß ich überzeugt bin, auch du ivarest ihr gut geworden. Aber um Strauß zu vcrstrl)eii ist sie dock) mcht geistreich und innerlich geiiu.}, und er kamt nicht gleichen Schritt mit ihrem Prinzessewoesen halten, kurz, sie taugen nur insofern zusammen, als sie beide aus gezeichnete Leute sind, aber cs ist teilt Berührungspunkt zwiscü'n ihnen. Ihr Buiw wird ihnen UulieU bringen." Und wirklich Ivogaiuieu sogleich hn Anfang der Ehe btc Zenvürfnissc. Die Künstlerin kann sich nur schwer in bic Pflichten ber Hausfrau schicken, währenb ber^ sensible, in seine gelehrten Arbeiten vertiefte Strauß alle Störungen unb Unregelmäßigkeiten schwer empfindet. Dazu plagte sie ihn mit ihrer (eifer|u‘dU und konnte ihr früheres Leben im Ruhm unb Rau sä' nicht vergessen. „Wäre er noch ber vcrlieute Narr, ber er war," so schreibt FrMi Mauff • mann, „freute er sich über ihre wirklich lobenswürbigen K)tn- ftraujuTtgcn, eine Hausfrau zu werben, mit einem Worte: ver- götteric er sie, wie sie e» von jeher gewohnt ist, bann wäre sie zufrieden, und in bem einsamen Sontheim käme sie sich ganz romantisch vor: aber baiwii hat sic keinen Begriff, baß je(M die Reihe an ihr ist, ihm zu Gefallen zu leben, seine Wünsche zu erraten, ihn zu üergottem, was in der g01150n Wett alle Männer von ihren 5-ranen crivarten." Wenn Strauß davon geträumt hatte, baß er, ein ..verschütter Ketzer", ebenso cm Ausgestoßener unb Paria ber OJcjelliawrt sei wie bic Künstlerin, bic sich über bic duichschnittlichc Moral unb Lebensform stelle, fo ivar bas jaier Mangel an 5tlöfterfciuituis, in bat er 10 oft verfiel. Mit ber Bohöme hatte ber ehrbare, streng bürgerliche, sparsame Magister irichks gemein. So fühlte er sich bald neben ber verführerisch licbaid’unirbigen, aber ausbrausenben unb franlhaft ei.cr süchtigen Böhmm in feiner Schaffenskraft völlig gelähmt: Die Liebe luanbcltc sich in Haß, und bic Trennung erfolgi? Noch (auf deut Totcitbelie hat Strauß dieses fdNücrften Konflikls ui feinem Leben gedacht. Als Kuno Fischer ihn. fragte, ob er sich lum Mt dtp: Schobest uuicrliri) obgefundei; habe, sägte ui;
„Oh, ich verdanke dieser Fran viel. Hätte sie es nicht Der- hindott, fo hätte ich iwchrnals geheiratet und wäre nochmals unglücklich geworden." Am Ende feines Lebens hatte er erkannt, daß die Ouellen seines Unglücks, die er stets in Anklage und Haß nach außen verlegt halle, in der Tiefe seines eigenen Fühlens entsprungen waren.
— Anthro vologische Untersuchungen an zentralasialischeu Fuben in Jerusalem. Tie mit Unterftnt'oiug des Rudols-Birck)owfvnds von Dr. S. Weißen berg nach Palästina unternommene Reise zur artthropologrsehen Unterfudning der dortigen Juden hctt reime Früchte getragen. Wie der „GlobuS" meldet, bctt Weißenberg außer den Juden Palästtnas auch eine Anzahl zentralasiatischer Juden untersuchen tonnen. Es leben deren, meisteiis aus Buchara, etwa 1000 in Jerusalem, wohin sie auS schwärmerischer Liebe für ihre einstige Haotptstadt iiberfiedellen und wo sie blühende Qio sci-ästc besitzen. Durch Tracht und Typus sind sie sofort kennckich. Tie Unterfuchnng ergab für sie Urttermittelgröße und schwan- eknde Kopfindices, da sich unter den Geniesfenen rnesokcphale, brachykepl-ale und hyperbrachykephale befinden. Fast alle waren brünett, feiner blond. Also auch diese Juden zeigen keinen em bciuidH-n, sondern einen Misclittwus. Ihre Muttersprach-c ist das Persische nnbZtzerfien ihr eigentliches Slamnttand. Seit uralter Zett sind die Juden über Zentralasien zerstreut, wofür an jüdisch vorsifäZes HandschriPeubrucyslück den Beweis liefert, das Dr. M. A. Stein aus Ost-Turkestan mitbrachte unb das aus dem Jahre 708 n. Ehr. stammt.
§ Merkwürdige Schulen. Bon icltuuncn Formen unb Arten, in_bencn in fernen Länoern in den i>erjchiedcnstcn Spraä>cn unb mit Schülern aller Farben und Rassen odyute gehalten wirb, erzählat die LcclltreS pour Taus, sticht immer verläuft der tl'tt.rrichl in so regelmäßigem Gleichgewicht wie bei uns; sonb-ern es gibt Länder, in denen mannigfache Gefahren der Natur bas friedliche Werk des Lehrens unb Lernens umlauern. Schon in den Alpen find es bisweilen Lavinen, die die Schulen bcDroben; noch schlimmer sind auf bcn weiten (rbaicn von Mexiko unb Millelamerika bic cittfetzlichen Sturme, bie Icidugcbautc Häuser m ihren drausenben Wirbel mit sich fomeißen unb bireft von einer Stelle nach der anderen versetzar. T-a ist es Denn Dem eifrig lehrenden Pädagogen unb feinen aufmerksam louidicnbcii Schulern begegnet, datz sic mitten im Unterricht unsanft in die Lüfte gehoben wurden, wobei sie bisweilen sogar- ein gnäbiges Geschick Uüc fdjmxncnt Unheil bcwahttc. EuvM unliebsamen Besuch
empfing vor einer Reihe von Jahren oas Sämugebäude von Piuogama, einem kleinen Dorf am Golf von Tarien. Bei einer Ueberschtvemmung flüäitcten sich die außcrm dcntlich zahlreichen Schlangen nach Der hoäigelegenen Schule. Als der Lehrer uns feine zwanzig Schüler sich in bem Klassenzimmer cinfanbcn, sollen sie die Wände, Tische und Banke mit Schlangen von allen Größen, Farben und Arten bedeckt, von der riesigen Boa bis zur. kleinen giftigen Eoral'Schlange: sic retteten sich nur durch ein resolutes Blutbad, das )ic unter dem Ungeziefer anrlchteten. Furchtbare Uiberraschungen können auch Schüler unb Lehrer ut Afrika erleben. Als man bei bem Bau ber Uganba-üik.ibabn eine „fliegende Schule" eingerichtet hatte, dir and Hol; und Wellblech überall sämell ani^eschlagcn werden konnte, wirteten die schwarten Schüler erlief o.ages vergeblich aur ihren Lehrer, der einen Moment vor bie Tür gegangen war Nur bic blutigen Spuren, bie nach bem Dschungel f-.i len, lief,..t erraten, baß ihn ein Löwe gcljott hatte. Doch gibt C3 Nicht nur ^chuün. Die ihre MerVvürbigkat aus ihrer epotifchen und mmnlivcn Umgebung empfangen. Man kann sich lei merkpürbigercs Schulern:ateria: vorstellen, als eS sich bei den groß.ZiikuSgeiellschaft . n findet, bic für ihre kleinen Künstler einen regelmäßigen Unterricht cinrickttn müssen, nm der Schulpflicht zu genügen. Da sitzen Denn etwa, nntrachkig- lid) ueremt unb von ber Lehrerin in Rechnen, iciben und anderen nützlichen Dingen totterwiesen, vier Neger, m au- Dem Lloiigo, bic bei der Borstellmig ihre stunü mt Sveerwcrien zeigen, zwei junge Hindus, bic als Schlangcnbändiger arbeiten, zwei Rif-Kadylen, ein Zwerg, ein paar Riesatkuidcr unb alles, was sonst noch an rügen bliebe 11 Malschcnwunenn oie gnraltigc Schau eines Wcltzirkus bietet. Exon sch sind auch die Ünt.niG gegenstände, bic gelebtt werden. So hat man sowohl in Äincrna. als auch in Grogstabtcn Euwvas Schuli-n für Taschendiebe aufgespürt, in denen Kurse mit >0 und so vielen Lcltton 11 :ur Erlernung dieser schwierigen Kunst DcranltaUet wurden. Be: bcn primitiven Bollern gibt es bic „Zaubcrersckulcn", in Denen au.. ..o hlte Knaben mit bcn Gedeimnnscn ber Magie unb ix3 Kultes o.rtiaut gemacht werben. In Austtalien trifft Den, der sich in bi Zer heftigen Schule nicht als tüchtig erweist, bic furchtbarste Strafe, tr wird getötet, damit er die Gchümniiie, Die er bereit.- ersahen, md)t verrotten kann. Umerricht in Etjenbahmvaggons wird in der Republik Argemicn, in Kanada unb D.-n Ber i.i Um Staaten erteilt; es gibt hier nämlich fohrenb' '.‘Iderbaun. Du* .»on Ott zu Ort gehen und ut bcner. bcn Gutsbesitzern Bornäge über btc Fortschritte Der Agrikultur gehalten werden.


