Ausgabe 
4.10.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 232

General-Anzeiger für Sberheffen

9ticf)hnig in der Sozialdemokratie zu stärken. Die oorgetragenen Anschauungen sind von einer so verblüffenden Naivität, wie man sie selbst bei Konrad XxntBmann nicht vermutet hat. Neu an der Argumentation Haußmanns ist nur die Ungeniertheit, mit der die Sünden des bürgerlichen Liberalismus der Äozialbeuw- kratie angekreidet werden."

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unioersitäts - Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Sparsamkeit in der Marine!

Das WortSparsamkeit" wird in den nächsten Reichstags­verhandlungen. wahrscheinlich öfter als sonst ausgesprochen werden. Nachdem, wie wir mitgeteilt haben, Herr Erzberger den Postetat beanstandet hat, kritisiert dieFreis. Ztg." verschwenderische Aus­gaben, die in der Marine gemacht werden. Das Blatt könnte in mandren Düngen nicht unrecht haben; so z. B., wenn es schreibt:

Die Marine gibt jährlich Hunderttausende für allerlei Komfort Jachtsport einbegriffen aus, den man im Auslande nicht kennt und, selbst wenn er dort vorhanden wäre, nicht nachzumachen brauchte. Man hört häufig beim Verkehr mit Marineoffizieren die Ansicht vertreten, daß bei den großen Ausgaben für die Schiffe noch vierzig oder noch mehr Millionen es doch auf zehn- oder zwanzigtausend Mark für Komfort usw. nicht ankommen könne. Diesesbei den großen Ausgaben kommt es auf diese oder jene Summen nicht an", bei jeder Gelegenheit wiederholt und ein zu weitgehendes Wohl­wollen gegen persönliche Ansprüche, besonders auch in den oberen Stellen, schafft den immensen Mehraufwand, der seit Jahren eingetreten ist. Was kosten nicht allein die

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: eäSsfrol. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGreßen.

TieGießener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kursblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.

weitere tiSPPrnann.

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politLfsche Tages?cvatt.

Die Umgestaltung der Reichstagsdebatten.

Tie von uns mitgeteilten Vorschläge des Abg Dr. Arendt zur Verkürzung der Reichstagsdebatten scheuten nicht ungehort ver- l ^'lt zu sein, denn dec Zentrumsabg. Dr. BaQ)em nimmt tm ausführlich Stellung dazu, und so ist zu vermuten, daß cs im Reichstage zu einer Erörterung über diese iyrage kommt. Erfteulicl-erweise gibt auch Herr Bachem zu, dav. un Reill^tog viel zu viel geredet wird, und er kommt zu bcituranten Vor­schlägen, indem er u. a. schreibt: .

Der in Nr 213 desTags" zum Abdruck gelangte Artikel dctz Herrn Abg. Dr. Arendt überVorschläge zur Umgestaltung der Rciä)stagsdebatten" darf auf die Beachtung werter Kreise rechnen. Es wird im Deutschen Reichstage zu viel und von manchen Rednern zu lange gesprochen. Es ist eben leichter, sich in behaglicher Breite zu ergehen, als unter Beiseitelassung alter Wiederholungen und alles Beiwerks die, entscheidenden Gesichtspunkte klar und scharf hervortreten zu lassen.

Aus sich heraus werden wohl die meisten Redner nicht dazu gelangen, sich kürzer zu fassen. Das liegt hauptsächlich daran, daß man im Parlameiit zu viel Zeit hat, d. h., daß das Parla­ment bezügliä) der Zell, welä>e es auf eine Verhandlung ver- wendeil will, nahezu uubesll/räntt ist.

Wie soll nun Wandel gefchaften werden? Mrr scheint eins der wirksamsten Mittel zur Einschränkung der Verhandlungen darin zu liegen, daß auf Grund einer Vereinbarung im Parla­ment über manche Gegenstände, welche eine Kvmmissionsberatung durchgemacht haben, im Plenum nickst Uiehr eiugel-end debattiert, sondern daß auf Grund des mündlichen oder schristlill>en Berichtes entschieden wird. Das gilt von vielen mehr technischen Fragen. Alan muß doch auuchrnen, daß die Fraktionen ihre sachkundig,ten Mitglieder in die betreffenden Kommissionen schicken; über das, was aus der Beratung herauskourmt, braucht, wenn die Mit­glieder des Hauses von den Berichten pflichtgemäß Kenntnis nehmen, nicht mehr im Plenum hin und her geredet zu werden.

D^s die kleineren Gruppen anlangt, so dürfen sie natürlich aus den Debatten nicht ausgeschaltet iverden. Aber sie haben doch auch nicht den Anspruch, so ausgiebig zu Worte zu kommen, wie die Vertreter der großen Fraktionen. Wie wärS denn, wenn nur den legieren die Möglichkeit gewahrt bliebe, die Stellung ihrer Parteien eingehend darzulegen, für die weiteren Redner aber eine Zeitbeschränkung generell eingeführt würde, was ja auch Herr '2X Arendt in Betracht zieht. Darin läge nichts Unbilliges, zumal wenn die kleineren Fraktionen, wie ebenfalls Dr. Arendt vorschlägt, sich zu Gruppen zusammenschließen, die dann wie die groben Fraktionen zu behandeln wären. In das Ermessen des Präsidenten könnte es gestellt werden, bei ein­zelnen Gegenständen, an denen eine kleinere Gruppe ein äugen» iälliges besonderes Interesse hat, ihrem Wortführer etwas rnehr Spielraum zu lassen. Auch sonst könnte der Präsident aus eigener Machtvollkommenheit wohl noch einiges tun, um die Debatten zu beleben, so z. B. dadurch, daß er bte_ Fraktions­redner nicht immer ,'ecunbaan ordinem nach der Stärke 'ihrer Parteien aufmarschieren läßt, sondern darauf hält, daß ihre Reden einen Wechsel pro et contra ergeben.

Mitteln die Heirat zu hintertreiben, was ihm schließlich dadurch zu gelingen scheint, daß er seiner Base mitteilt, Hans Joachim heirate sie um ihres Geldes wegen, denn er habe sie durch Vertauschung der Bilder, sür ein sehr häßliches Mädchen gehalten und sei doch zur Ehe bereit gewesen. Infolgedessen reizt die Amerikanerin während )es Verlobungssestes die adelige Gesellschaft und ist ent­schlossen, mit ihrem Vetter abzureisen, als sie durch Hans Joachims Schwester von ihres Bräutigams Liebe überzeugt wird. Sie spielt dann eine Zeitlang die wilde Hummel, und Hans Joachim, der nach dem Verlobungsfest in der seelischen Verwirrung bei einem wilden Ritt oen Arm ge­brochen hat, widmet sich während seiner Erholungszeit der Landwirtschaft, um das Gut seines Vaters in die Höhe zu bringen. Schließlich zieht die reiche Amerikanerin die Küchenschürze an, und ihr Vetter kommt nochmals von Amerika herüber, um Hans Joachims Base zu freien. So schließt das Stück mit einer Anzahl von Verlobungen was man auf der Bühne eine glückliche Lösung nennt Neben­her laufen noch eine Anzahl Handlungen, die alle recht hübsch und unterhaltsam sind, so daß man ein rechtes Vergnügen haben kann.

Bei der Aufführung war unter Kurt Gührres Leitung alles getan worden, um ein flottes Spiel herauszubekommen, was denn auch vollauf geglückt ist. Franzi Koch war als Amerikanerin von bezauberndem Liebreiz und entfaltete ein sehr erfreuliches Temperament, das, mit Luft und Laune gepaart, einen vortrefflichen Frauencharakter in Erscheinung brachte. Ihr ebenbürtig war Lore Scholz als Ursula, die aus ihrer herzlich-derben Rolle ein wahres Pracht­stück zu schassen verstand. Rudolf Goll war der Edel­mann vornehmsten Geblüts, wie wir es von diesem treff­lichen Darsteller gewohnt sind, und Kart Gähne hauchte der etwas saftlosen Gestalt des Aribert lebendigen Odem ein. Ein ausgezeichneter Lob war Ferry Daubal, doch wäre die gut überlegte Hast des Sprechens etwas zu mildern, namenttia) im zweiten Akt. Paul Urban verstand es gut, den Burschen recht drollig wiederzugeben und Karl Marx gab den Hellmuth mir angenehmer Bescheidung, die recht wohl gefiel. Von den kleineren Rollen waren in erster Linie noch Erna Guldner als Annemarie, Luise von G l o d e u als Kadett, Edgar P a u l y als Reichssreiherr,

an Bebel.

Ein Brief Konrad Haußmanns an AugustBebel wird in der ZeitschriftMarz" veröffentlicht.. Haußmann unter­zieht die sozialdemokratische Dogmatik und Taktik einer Kritik und schließt mit folgenden Sätzen:

Sind die Revisionisten in bei Mehrheit oder in der Minder­heit? Diese Statistik ist deshalb nicht auszumachen, weil in der Brust eines jeden Genossen ein halber Marxist und ein halber Revisionist fitzt, die sich alle Quartale erbitterte Schlachten schlagen. Ja, unter vier Augen sind sehr viele Sozial­demokraten ganz lluge Reformer und verstäridige Pollliler und kennen die schrittweise zu überwiudendLn Widerslände. Aber öffenllich, das nehme ich seit zwei Jahrzehnten watzc, werden sie immer wieder kommandiert von jenem hundertköpfigeu Ver­sammlungsgeist, der jeden als einen schlechten Kerl denunziert, wenn er nicht mll dem Kopf durch die Wand will, und der gegen den eigenen Genossen Verdacht ausspritzt, wenn er neben einem NichtsozLaldernotraten auf. dem Trottoir ober gar auf einem Parkwog geht. Ader auf dem letzten Parteitag hat der Zweifel der Wage gehalten, und die stille Frage, ob man nicht die Methode revidieren solle, ging durch die Reihen. Wenn einer den Entwickelungsprozeß, der. in den Reihen Ihrer Partei eingesetzt hat, fördern kann, so sind Sie es, geehrter Kollege. Sie haben Ihre Partei groß machen helfen. Sie vermöchten sie bei der heutigen politischen Wetterlage poliiiich aktionsfähig zu machen, was sie bisher nicht war. .Freilich: schreiben und wünschen vermag wenig. Aber eine gesunde Er­neuerung der deutschen Arbeiterpartei durch Anwendung einer modernen Methode würde eine Gesundung der inneren. Politik mit heraufführen iuid eine nationale, friedliche Erstarkung Deutschlands bedeuten. Deshalb ist die Sache auch für uns andere des Nachdenkens wert. ,

Ob Bebel überhaupt antworten wird? Haußmann (oll mit Bebel jüngst am Bodensee spazieren gegangen sein. DerVor­wärts" hat mll seiner Dceinuug schon kurz geantwortet:

Der Zweck des Briefes ist angeblich, August Bebel für eine praktische Politik im finite der bürgerlichen Demokratie zu gewinnen; die Absicht ist aber offenbar, die revisionistische

GLetzenev Stadtthecrtor.

O diese Lerrtmruts.

Lustspiel in 3 Akten von Karl Kraatz.

Aller Voraussicht nach scheint uns die laufende Spiel­zeit eine größere Anzahl wenn aud) nicht gerade hervor­ragender so doch brauchbarer Stücke zu liefern, als es in der verflossenen der Fall war, so daß unseren Bühnen­leitern diesmal die Wahl nicht gar so sauer werden wird wie im vorigen Jahre. Ob die Ausbeute allerdings dem Wert nach sehr ergiebig sein wird, mag vorerst dahin­gestellt bleiben. Die gestern abend aus der Taufe ge- lyobene erste Neuheit der Spielzeit ist jedenfalls nicht dar­nach angetan, uns den Geschmack für die folgenden zu ververben, umsoweniger als man dabei manche Erinne­rung wieder ausfrischen kann, die einem von früher her noch halb im Sinne lag. Da ist zuerst die reizende Miß, die so allerliebst deutsch radebrecht, eine gute Bekannte. Im bunten Rock" ist diese Engländerin, hier Amerikanerin, was gegenwärtig als vornehmer gilt. Im übrigen aber ist sie so ziemlich dasselbe liebe Geschöpf, das trotz feiner 'DltiHionenschrecklich gern" von Herzen geliebt sein möchte. Da ist der arme edele Leutnant, sind die herabgekommeneu Väter, die ehrbaren, steifen Tanten, der Wachtmeister, der Bursche kurzum alles, was bei uns nun einmal zum Schwank gehört. Ein bißchen Sentimentalität, ein biß- djen Schneid aber alles recht hübsch hergerichtet und recht wohl geeignet, ein paar überslüssigc Stunden an­genehm zu vertreiben und zu erheitern.

Hans Joachim steht als blitzsauberer Leutnant bei den Ulanen in Berlin und soll sich, um seinem verarmten Vater zu Helsen und um die Ehe seiner Schwester zu ermöglichen, mit einer reichen Amerikanerin verheiraten. Obwohl sich sein Herz dagegen sträubt, eine häßliche, ihm noch unbe­kannte Millionärin zu heiraten, willigt er schließlich .ein und ist angenehm enttäuscht, als leine Braut nicht nur ein herzliebstes, sondern auch bezaubernd sd)önes Mädchen ist. Wo und wie die beiden Leutchen zusammengeöracht, wur­den, hat uns der Verfasser verschwiegen, um sich seines einzigen Trites nicht zu entäußern. Im zweiten Aufzug aber kommt das Verhängnis. Ein Vetter der Amerimnerrn möchte gern selbst die Millionen haben und sucht mit allen

Parteitag der Deutschen öolispartei.

Heidelberg, 3. Okü

Der Verein der Deutschen Volkspartei trat gestern und heute unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten im großen Saale derHarmonie" zu seinem 29. ordentlichen Parteitage zusammen, dem man namentlich in liberalen politischen Streifen deswegen großes Interesse entgegen bringt, weil auf . ihm offiziell die Frage der

Verschmelzung der drei freisinnigen Parteien angeschnitten werden soll. Es hatten denn auch die Freisinnige Vereinigung und die elsaß-lothringische Demokratie offizielle Dele­gierte zu den Verhandlungen entsandt, die erste, Professor Dr. v. Li (zt (Berlin), der in feiner Begrüßungsansprache erklärte, daß die Frage des Zusammenschlusses infolge Der_ Beratungen des Vierer-Ausschusses in München einen guten Schritt weiter ge­kommen fei. Professor Heidenreich (Straßburg) druckte als Vertreter der elsässischen Demokraten die Hoffnung aus, daß diese am nächsten Parteitage nicht als Gäste, sondern als gteich- beredjtigte 'Mitglieder teilnchmen würden. Professor Hummel (Karlsruhe) erstattete sodann den Geschäftsbericht, der überwiegend eine Krull der Blockpolitik bedeutete. Es fei den Demokraten leicht ums Herz, daß sie jetzt jagen könnten: der Block ist tot, möge er in Frieden ruhen. An der Rcichsftnanzreform mußte der Versuch scheitern, Konservative imd Liberale vor einen Wagen zu spannen. Immerhin hat der linke Flügel des Blockes den Trost, daß er aus jener Epoche

wertvolle Lehren gezogen hat und keine Schwächung während der Blockpolitck er- suhr. Die Konservativen werden eben immer dagegen sein, daß ein Reichstag, der aus dem allgemeinen geheimen, gleichen und direkten Wahlrecht herborgegangen ist, die Verfügung über direkte Steuern haben soll. Politisch iilleressant war das Jahr und cs wird hoffentlich ein Stück gesunder Entwicklung bedeuten in dem Sinne, daß es eine Grundlage für die politisä)c Fortentwicklung gejchancn hat. Die badischen Landlagswahlen stehen bevor. In einigen Kreisen stehen wir im Kampfe gegen den Nationalliberalis­mus, der gegen uns Kandidaten aufgestellt hat. Wir hoffen auf einen kleinen Erfolg. (Beifall.) Möge dll Zukunft die Verwirk­lichung des demokratischen Ideals bringen. Landtagsabgcord- neter Aug ft (Gerabronn) behandelte dann Handwerks- und Mittelstandsfragen. Am Abend sand in der Stadthalle eine öffentliche Versammlung statt, in der die Abgg. Haußmamr und Venedey Ansprachen hielten.

Die heunge Sonntagsversammlung in der Stadthalle wurde von dem Borsitzenden Fulda (Mannheim) gegen 10 Uhr eröffnet. Rach der Begrüßung der Teilnehmer erteilte er das Wort dem Reichstags- und Landtagsabgeordnelen Payer zu seinem Referat über diePolitische Lage im Reich" und dieEinigung der Linken-. Der Referent schilderte in breiten Ausführimgen die zurückliegende Reichstagspolitik und kam unter Widerlegung einiger Bedenken zu demSchnisse, daß die Einigung der drei linksliberalem Parteien ein

Gebot der politischen Notwendigkeit fei. Sladtral Weyl (Karlsruhe), der Vorsitzende der dortigen Ortsgruppe der sreisinnigen Votkspartei, überbrachte die Grüße seiner Fraktion und erklärte sich ebenfalls als warmen Anhänger des Elnigungsgedankens. Landlagsabgeordneter Quidde (München) äußerle gegen die Verschmelzung ernste Bedenken. Ge­wiß werbe die Verschmelzung einmal kommen, aber der größte 4,etl seiner bayerischen Freunde sei der Meinung, daß die Zeil hierfür noch nicht da fei. Pros. Hummel (Karlsruhe) legte die Gründe des engeren Ausschusses jur den Zusammenschluß dar und hielt die Bedenken Quiddes nicht für stichhaltig. Wenn die Emigung jetzt mchl komme, dann werde man sie me erreichen. Prof. B e r g- m a n n (Straßburg) erklärte die Bereitwilligkeit der elsässischen Demokraten, fid) einer großen liberalen Partei anzuschließen. Abg. Haußmann (Stuttgart) trat begeistert für die Idee der großen liberalen Partei ein. Im gleichen Sinne sprach Land- tagsabgeordneler Professor o. Liszt (Berlin). O e l (Würzburg) wandte sich tm Namen einer größeren Zahl bayerischer Demokraten gegen die Bedenken Quiddes. Bei der Abstimmung über die vorliegende Entschließung, welche fid) für eine Fortführung der

Karl Bold als Rittmeister, Ada Pauly als Jrmerurant Gusti Ney als Nelly zu erwähnen.

Dieser Aufführung ging am Nachmittag unter Her­mann Nordens umsichtiger Leitung eine gute Aufführung von L. ArrongeSHasemanns Töchtern" vorauf. Hermann Norden bestätigte dann als Hasemann die gute Meinung, die ich bei der Besprechung des SommernachtS- traums andeutete, vollauf. Ebenso erwies sich Elly h n e als eine umsichtige, vornehme Darstellerin, und es ist an­zunehmen, daß unsere Bühne in beiden höchst^achtenswerts und schätzbare Kräste besitzen wird. Lore Scholz war eine forsche Emilie und Erna Güldener eine nette Rosa. Ferry Daubal war als Körner und Kurt Gühne als Knorr höchst lobenswert. Eine recht gut geschaute Klatsch­base brachte Hermine Gilzinger als Frau Klinkert zu wege. Paul Urban war als Provisor von rührender Treuherzigkeit, und Luise von Glöden gab einen recken, fröhlichen Backfisch mit gutem Gelingen, wre denn die ganze Aufsührung durchaus zu loben ist. K. N.

David Friedrich Strauß und die Tragödie seines Lebens. Adolf Hausrath, der soeben verstorbene be­deutende Theologe, mit dem der letzte unter den intimen Fremden David Friedrich Strauß' dahingeschieden ist, gibt in einer Be- Besprechung von Theobald Zieglers Strauß-Biographie, die als feine letzte Arbeit in der Deutschen Rundschau erscheint, wert­volle Aufschlüsse über die innere Seelengeschichte des großen Bibcl- kritikers. DJian darf nicht äußere Momente für sein nnbefricdtgccs und glückloses Leben verantwortlich niad>at; der Grund (eines Unglückes lag in feiner zwiespältigen 'Natur; in feiner Bruü waren feine Schicksalssteme. Der eigentliche Bruch in (einem Leven und in seiner Entwicklung entsprang aus (einer Ehe. Es rächte sich daß der in einer Württemberg Ischen Klosterschule erzogene ÄMagister, der feine stille Gelehrte, eine große Operndiva hei­ratete, die vom 13. Lebensjahre an hinter den Kulissen gelebt I-arte und an rauschenden Beijall geivöhnt war. Tie nahen Freunde von Strauß sahett das Unglück und die secliichen Kon- slikte voraus, die aus diesem Bunde entstehen mußten. Das zeigen deutlich die jetzt von Hausrath verössentlichten Briefe der Gattin Don Strauß' nächstem Freunde Stauffmann an Emilie siegel, die Tollster eines schwedischen Prälaten, die für den Versal (er des Leben Jesu" eine tiefe Neigung hegte. Die geniale eangcrin Äguese Schebest, eine auffallend (chöne und leidensll)aitlill>c Künic- lertn, die damals in ganz Deutschland große TriumE Lrrang. war auch in Stuttgart begeistert gefeiert worden, unv Dr. otrauB,

reisende

Damen

Schwesterulians,

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abend SelreüM o?en. Ar. M Wie r gute Belohnung.

Riegestjad 301.

co isteilag geg.!2W d.Legeziv.vau-lsiem. MaLe griliiC:? Hebet tuatc, Mait 25 W. MenguicZelohmm

Mann, welcher Zm :nb -'.A M daS HiiM ei Hoieäeslauram Ho;- .B,mirberiu»t,DeiiHni er vermme, baidi* Umtauschen.

zahlreichen Dampffahrzeugc, Segeljachten, Ruder- und Scgcl- bote der Admirale und Stabsoffiziere der Marine in Land­stellungen an Personal und Unterhaltungskosten? In den sel­tenen Dienstfällen, wo zu Besichtigungen Boote gebraucht werden, würde dem Bedürfnis wohl in anderer Weise genügt werden können. Da der Staatssekretär wohl kaum die Initiative er­greifen wird, um hier Wandel zu schaffen, und scheinbar der Rechnurrgslwf des Deutschen Reiches auch nichts machen kann, da der Buchstabe der Bestimmungen eingehalten wird, so dürfte cs Sache der Volksvertretung sein, hierfür und für ähnliche Dinge und vor allem auch dafür einzutreten, daß der Rechnungshos mit sachlichen Beanstandungen durchdringt."

Ueberflüssiger Luxus so Ille, wie im Heere, auch in der Marine beseitigt werden.

Ein Konflikt zwischen Regierung und Oberbürgermeister.

Zu einem scharfen Rechtskonflikt ist es in H a g e n in West" taten zuerst zwischen dem Oberbürgermeister Cuno unb^ den Lehrern und, nachdem jetzt die Regierung für die Lehrer Partei ergriffen hat, auch zwischen Oberbürgermeister und Regierung ge- koinmen. Tie Hagener Lehrer erhietten im vorigen Jahr eine Teuerungszulage von je 100 Mk. Bei der neulichen Gehaltsregulierung wurden ihnen diese 100 Mk. aus Weisung des Oberbürgermeisters abgezogen, da die Zulage einen Vorschuß auf die künftige Gehaltserhöhung bargefteUt habe. Die Lehrer be­stritten dies, erklärten die Rückforderung für unstatthaft und bie meisten verweigerten bie Quittung, bte jene Verrechnung vorfah. Oberbürgermeister Cuno orbnete nun an, baß ben Verweigerern ber Quittung kein Gehalt auszuzahlen sei.

Die Lehrer wanblen fid) baraui nachbem bie Angelegenheit inzwijd)en auch im ©tabtoerorbnelenfoCtegium ohne ein praktisches Ergebnis erörtert worben war an bie Regierung in Arnsberg unb baten um eine Weisung. Diese ging bahin, baß bie Lehrer bie Quittungsleistung zu verweigern hatten. Ober­bürgermeister Cuno verharrt jeboch bei seiner Rechtsauffaffung, unb bas Enbe ist nun abzuwarten.

Der Streit scheint in einer unklaren Fassung bes seiner­zeiligen Befchlusjes über die Teuerungszulage seinen letzten Grund zu haben.

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ilMcntbal, Londori.

Zweites Blatt 12N. Jahrgang Montag 4. Oktober 1909

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

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