Nr. SS Erstes Blatt ISS.Jahrgang Donnerstag 4. Februar 1S0S
Der Siebener Anzeiger °
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für die Redaktion 112, V\^Z Verantwortlich
MU General-Anzeiger für Gberheffen UW >-Ä vom^tt°A"s'uh^ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Nnw.-Vuch- und Lteindnickerei K. Lange. Sedattion, Lrpedition und Druckerei: Schuistrahe Z.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Der nationale Zwist in Böhmen,
über den toir hier in (Stiegen kürzlich durch ben Vortrag deA cfterr. Mg. Wolf zur (Peinige orientiert wurden, soll nun beseitigt werden. Die Regierung hat nämlich int Abgeordneten Hause in der gestrigen Sitzung zwei Gesetzentwürfe cingebracht; sie betreffen erstens: Die Regelungdes Sprach en gebrauch es bei den staatlichen Behörden im Königreich Böhmen und zweitens die Errichtung von Kr eis re gier' ix n gen i nt Königreich Böhmen, sowie die hierdurch not- ivendigen Aendcrxmgen in der Organisation der politischen Ver- ivaltung. Der erstgenannte Gesetzentwurf umfaßt 38 Paragraphen ; er trägt dem Zuge nach Vcnnrudernng' der nationalen Nei- bungsflächen, sowie nach möglichster territorialer Scheidung der nationalen Jnteressenspharen Rechnung, sieht aber gleichzeitig vor, daß jeder Bewohn er des Landes in seiner Sprache mit allen Behörden mündlich und schriftlich vermehren kann Hitb in der von ihm angewandteir Landessprache be- schieden wird. Im Wege genauer Arrondierung national geschlossener einsprachiger Verwalttmgsbezirke enthiilt die Vorlage 139 einsprachige tschechische, 95 einsprachig deutsche und 3 zweisprachige Bezirksgerichtssprengel. Die Prager Bezirksgerichte gelten als zweisprachig. Die Prager Pvlizcidirektion gilt als zweisprachig. Ausgeiwnrmen sind in allen Stücken die in den Angelegenheiten der b e w a f f u e t e n Pi a ch t geführten Auszeichnungen, sowie der gesamte Dienstperkehr mit den militärischen Behörden und oer Gendarmerie. Bei diesen hat es bei der Anwendung der deutschen Sprache zu verbleiben: ebenso hat es itn Verehr mit den Behöpden außerhalb Böhmens bei der Anwendung der deutschen Sprache zu verbleiben; dies gilt insbesonders vom Verkehr zwischen den Landesstellen des Königreichs Böhmen und den Zentralstellen. Für die Landesbehörden gelten die für die zweisprachigen Behörden aufgestellten Grundsätze. Als fernerer Grundsatz hat zu gelten, daß, das Verhältnis der Volkszahl der beiden das Königreich Böhmen bewohnender Volksstsimme für die Aufteilung der gesamten Zahl der staatlichen Beamten maßgebend sein soll. Ter Gesetzentwurf betr. die Kreisregierungen bestimmt, daß in Böhmen für den Bereich der politischen Verwaltung in unmittellmrer Unterordnung unter die Statthalter ei 20 Kreis- regierungen errichtet werden und zwar 10 einsprachig tschechische, sechs einsprachig deutsche und vier zweisprachige. Die Hauptstadt Prag ist von dar Kreiseinteilung ausgenommen.
Das sind die wichtigsten Bestimmungen der beiden Gesetz-- «ltwürsfr. Die Tschechen sind hiermit natürlich nicht cülver- stauden und begrüßten den Ministerpräsidenten Vienerth gestern bei seinem Erscheinen, im Abgeordnetenhause mit dem üblichen Diabau. Dor Ministerpräsident ergriff trotzdem sofort das Wort zur Begründung der Gesetzentwürfe. Während seiner Rebe ver- lübteu die Tschechisch-Radikalen durck Schreien und Pfeifen einen unaufhörlichen Lärm. — Choc läutete fortgesetzt auf einer Fahrradglockr, List) setzte eine Schnarre in Bewegung. Tie Christlich-Sozialen nahmen die Rede mit Beifallskundgebungen auf. Der Mffüsterpräsident wurde schließlich von vielen Seiten beglückwünscht. Udrzal und Kirchmayr beantragten
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Gietzsner
Gastspiel Alois Wohlmrtths.
AloiÜ Wohlmuth vom Hofthcater in München steht hier in guter Erinnerung, und sein gestriges Gastspiel wird dem Künstler manchen neuen freund werben zu den vielen alten, obgleich sein Spiel so wenig aufdringlich ist und so abhold aller theatralischen Pose, daß. cr sich eine breite Zuschauerschaft erst in zäher Arbeit allmählich gewinnen muß. Feuerwerk verblüfft und verpufft, und nur der Bildner, der so viel eigenes hat, das; er davon zu geben vermag ohne sich bloßzustellen, ist ein Künstler, Das ist eigentlich selbstverständlich, denn ebensowenig wie jeder Maler ein Künstler ist, ist es ein Schauspieler, aber dadurch ist der Gesichtspunkt verschoben, und die gespreizte Pose schreitet pfauenstolz ein» her. Aber wo Ziele sind, da sind auch Wege, und glücklicherweise geht ein frischer Zug über unsere Bühnen, der immer mehr von dem alten Komödiantentum hinwegfegt.
Zwar steht die große Masse noch abseits, und dem tüchtigsten Regisseur ist es nicht immer möglich, den Einzelnen fest in seine Grenzen zu fpnmicn, aber wir verfügen hier im allgemeinen doch über eine tüchtige Künstlerschar, wenn auch einzeln« Ausstellungen immer bestehen bleiben werden. So kam denn auch gestern ein ganz erfreuliches Zusammenspiel heraus, obgleich hier und da eine kleine Stockung eintrat, von denen aber doch keine wesentlich genug war, um den günstigen Gefamteindruck zu verwischen. Es war recht viel Mühe aufgewendet worden, und so blich denn auch der Erfolg nicht aus.
Das niedliche Fastnachtspicl .Standhafte Liebe" von Heinrich Kruse mit seinen gefälligen Versen und seiner anmutigen Handlung kam recht hübsch heraus und AloyS Wohlmuth sicherte sich als Hugo von Senneeterre einen starken, wohl begründeten Beisall. Es gelang ihm sehr gut, den greisen, aber noch immer im lebendigen Tag wurzelnden Abt überzeugend darzustellen und mit allen Eigenschaften einer schönen Menschlichkeit lebensvoll herauszubilden. Auch unsere Schauspieler leisteten durchweg gutes, besonders 5larl Volck als Prior der Abtei, der sich immer mehr als ein vielseitiger, feiner Darsteller erweist. Auch Anin Nüber als Sicnncttc war recht gefällig und mürbe von Erich Weingärtner wirkungsvoll unterstützt, obwohl cr nicht ganz sicher war. Bei der KapUel- szcne fiel eS nicht gerade angenehm auf, daß nur wenig Mönche anwesend waren, und es wäre zu enpägen, ob es sich mcht auch hier wie bei anderen Bühnen, die über keinen
sofortige Eröffnung der Debatte über die Regierungserklärung. '2er Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Sitzung wurde darauf behufs Eintragung der Redner in die Rednerliste eine halbe Stunde unterbrochen.
Nach Wiedereröfstiung der Sitzung setzten die Tschechen ihr Lärmen fort, und es kam sogar zwischen den Christlich-Sozialen und den Tschechisch-Radikalen zu einem Handgemenge, doch wurden die Streitenden getrennt. Vizepräsident Steimvender erteilte Bielchlaw'.'k einen Ordnnngsrus. Ter Lärm dauerte sort. Die Tschechisch-Radikalen gebrauchten ununterbrochen Ratschen. Von Zeit zu Zeit ertönten gellende Pfiffe. Ter Älbgoordnetc Lisi) stieß ununterbrochen in eine Trompete. Proelrazka und Schmid verfertigten Tschakos aus Papier unb warfen sie den Tschechisch- Radikalen zu, die sie zurückschleuderteu. Tic Verhandlungen wur- den schließlich tilbgcbrodjcn unb die Sitzung geschlossen. A.
Rußland und der Baifan.
Der Vorschlag Rußlands, zu gunsten Bulgariens aus einen Teil des Tributs zu verzichten, den die Türkei seit ihrem Kriege mit Rußland zu zahlen hat, erregte zunächst allenthalben grobe Verblüffung. Aeußerlich hatte dieser russische Vecmittlungsvor- schlag viel Bestechendes für sich und es hat iatsächlich Leute gegeben, die sich durch ihn blenden ließen und in Rußland einen ehrlichen Makler zu erblicken glaubten. Nun gibt es aber in der internationalen Politik keine Uneigennützigkeit, es müßte denn sein, daß die beiressenden Diplomalen Diumuköpje sind. Cs ist daher erklärlich, daß die russisck^n Propofftionen verschiedentlich das lebhafteste Mißtrauen hervorgeruien haben, • weil man sich tragen mußte, welchen Preis wohl Rußland dafür verlangen werde. Und sehr schnell hat nmit daS rusfische Spiel durchschaut, man hat wohl an der Newa die Karten doch etwas zu früh auf- gedeckt. ES ist klar, daß Rußland vermittels seiner Anregung wieder festen Fuß auf dem Balkan fassen will, indeur inan sich bemüht, Bulgarien, das in den letzten Jahren in österreichischem Fahrwasser schwamm, erneut unter mssffchen Einfluß zu bringen sucht und dort nach Belieben schalten und walten zu können. Cs wäre daher begreiflich, wenn inan in Sofia von dem russischen Vorschläge nicht allzu sehr erbaut wäre unb sagen mürbe, Gott schütze unö vor unfern Freunden! Hub in der Tat hüllt sich Bulgarien auch einstweilen in Schweigen, ein Schweigen, das die Türken schon bedrohlich empfinden. Ter türkische KriegS- minifter hat nämlich die Mobilmachung deS 3. Armeekorps verfügt. Ferner soll dem 4. Armee-Korps der Befehl erteilt worden lebt, sich bereit zu halten. Ein äljnlidjer Befehl sei auch dem 1. Red ist Jahrgang zuaegangpa. Nach einer Meldung des Ccho de Paris Ijai heute in Konstantinopel ein Kriegsrat stattgefunden, dem auch der Befehlshaber des Adrianopeler Ärmee'wcvs, Nizarn, beiwohnte. Im Laufe der Erörterungen soll ein eventueller Kriegs- plan gegen Bulgarien beraten worden sein.
Wie die Pforte zu dem Vorschläge Rußlands stehl, weiß man iwch^ nicht. Die türkische Presse schxfftt aber sehr befriedigt zu fern. So schreibt beispielsweise Oer Koitstantüiop.ler ,,J kd a m": Der von Rußland beantragte Zahlungsmodus sei ein Freund- schaftsatt, den Rußland seiner Erklärung nach zur Erhaltung der sreundschaitlichen Beziehungen zur Türkei unternommen habe. Tie Pforte sei über den Vorschlag noch nicht schlüssig geworden. Es sei noch fein .Anzeichen vorhanden, ob sie ihn annehmen werde ober nicht. „C Mur a i -Ihnunt t" führt in einem Leitartikel aus: Ter Gdjritt Rußlands sei zweifellos günstig ausgenommen, da er das gute Einvernehmen zwischen Rußland und
Chor verfügen, vielleicht ermöglichen ließe, junge Leute Studenten, Kaufleute usw. als Statisten heranzuzichen. Selbst große Bühnen, ;vie München usw. bilden fich dadurch eine gute Statistenschar heraus, die noch den Vorzug der Billigkeit hat.
Zn dem zweiten Stück bcS Abends, dem Geizigen, überraschte Alois Wohlmuth durch eine vom allgemeinen Schema glücklich abweichende Auffassung, indem er fich von der beliebten Verzerrung frelhiclt und die menschlichen Züge des alten Harpagon ausgezeichnet heroorkehrte, wodurch die Gestalt ungemein an Wahrscheinlichkeit gewann und frisch unb Icbcnsvll war. Noch besser denn als Abt gelang es ihm hier, wo er durch die Nolle rvesentlich unterstützt wurde, einen ausgerundeten Charakter zu schaffen, dem er einen schönen, gemütvollen Einschlag zu geben wußte. Ein hübsches Töchterlein war Dorle Maifarth, bie mit fröhlicher Schalkheit ihre Nolle durchführte. Ada Pauly als geldgierige Rosine war ebenfalls recht anerkennensivert auch Jo Hoven als liebreizende Marianne bemühte sich nicht vergeblich. Auch die Herrenrollen waren im allgemeinen gut besetzt. Rudolf Goll als Dalcr ivar etwas zu bequem, Pani Kohlmann als Jaques recht heiter unb Willibald Völcker als La sieche ließ weiter nichts zu wünschen übrig. Cleinens Roben als stutzerhafter Klecmth schien sich in feiner Nolle recht wohl zu fühlen unb führte sie auch nut gutem Gelingen durch. Die Leitung der beiden Stücke wurde von Hermann Bakof gut und verständnisvoll gehandhabt. Karl Neurath.
— Die größten Auflagen deutscher Bücher. Die Bücher deutscher Zunge, die in der Zahl der Abzüge eine volle Million erreicht haben, sind in erster Reihe die Bibel, die allein in der Druckerei des Waisenhauses zu Halle über 1000 starke Auflagen erlebt hat. Tann die Fibel des Lehrers Häster, die schon vor Jahren im Verlage von Vädecker in Essen 1200 Auflagen mit 2 600 000 Exemplaren erreicht hat; die illustrierte Geographie von Seydlitz, die in 22 Bearbeitungen in der Schulbuchhandlung von Ferdinand Hirt in Leipzig in 1500000 Abzügen gedruckt wurde; die illustrierte biblische Geschichte des Calwer Verlagsvereins, die in Stuttgart bereits 430 Auflagen erlebt hat und in 65 Sprachen übersetzt worden ist; endlich der Kalender des Berliner Tierschutz-Vereins, der im Juhre 1907 in 1360000 Bändchen, im Jahre 1903 in 1600000 Bändchen verbreitet wurde. Da Schillers „Wilhelm Teil" schon vor 1905 allein durch die Buchhandlung von Philipp Reclam dem Jüngeren in Leipzig in 700000 Ländchen vor
der Türkei stärken und der Erhaltung des Friedens bienen wolle, nur müsse man die Absichten nicht vergessen, roeldjc Rußland hege, Iswolski und die übrigen russischen Tiplomaten hätten bisher in der Balkankrise feinen Erfolg erreichen können. Man sagt, daß sie von Aelwenthal besiegt luDrbcn seien, und daß sic deshalb fcurd) diesen Vorschlag ihre Niederlagen vergessen mod)cn wollten. Rußland diene nur dein Panslawismus und wolle daher Bulgarien neuerdings verpflichten. Man müsse abwarten, wie Bulgarien dcn Vorschlag ausnehmen werde.
In Wien ist man von dem russischen Vorschläge natürlidr keineswegs erbmit, denn man durchschaut ihn. Es heißt and), baß Oesterreich-Ungarn und Deutschland den russisd)en Vorschlag mit bet gleichen Begründung abgelehnt hätten. Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt jedoch abzuwarten. Zn Rußland beeilt man sich nun, den Vorschlag als wirklid) selbstlos hinzu- stellen. Sv heißt es in einer Petersburger Meldung: „In einigen Blättern des Auslandes sind über Rußlands Vorschlag, die finanzielle Vermittlung in dem türkisch-bulgarischen Konflikt zu übernehmen, Betrachtungen angcstellt worden, wobei auf die angeblich vorhandene 2lbsid>t der ri!s'ijd)en Regierung hingewjesen wurde, diese VeiTmittlertolle zur Verwirkltd)uug ihrer besonderen politi- scheu Pläne, beispielsweise zur Lösung der Meerengenfrage zu gunsten Rußlands, aussuitutzeu. Tie Petersburger Telegraphen- agentur ist ermächtigt, auf das allcrenergisdicstc %u erklären, daß der genannte Vorschlag lediglich die Erhaltuug des Friedens bezweckt unb die rnffifd)e Regierung keineswegs beabsichtigt, ihn mit irgendwelcher Forderung in dex Mocrengen- srage, nod) überhaupt mit irgendwelchen anderen besonderen Zielen zu verknüpfen."
Vor allem wird man nun abwarten müssen, wie sich die Nächst- Betciligten, die Türkei unb Bulgarien, zu bar Frage stellen werben.
pol^ifdbc Lagesscha«,
Neuerungen in der Ehrscheidungs'Eesehgebuvg.
Nach einer Mitteilung der „Sübivestb, Kotrefp/ ,vurbe kürzlich im Fürstentum Monaco ein Gesetz in Wirksamkeit gesetzt, daS die Grnnosätze der Ehescheidung in überaus liberalem Gerste buyeb- inhrt. Nicht nur Ehebrnch und die anderen üblichen Ursachen für Ehescheidungsbegehrcn werden zngelofsen, sondern and) AlküholiS- innS, Evilepsic unb SiwkiliS, und gerade dabutch wirb das Wohlergehen der ^iachkominenschast tu wirksamer Weise gegen einen vielleicht gewissenlosen Gatten gesichert. DaS neue rumänische Gesetzbncl; läßt die Ehesck)eidnng im Einvernehmen beider Ehegatten zu, mit verlieren sie ]cbe§ die Halile ihres Vermögens zugunsten der Kinder. Auch die Schweiz und Norwegen Haden liberale Ehescheidnngsinögltchkeilen seit einiger Zeit dntchgesührt, ebenso Oesterreich für die nicht katholischen Konfessionen. 9iur die großen sührenden Killtursiaaten bleiben hinter diesen Ländern zurück, da sie augenscheinlich die Führung in diAer spezisischen Sphäre verloren zn haben ichemen.
DeutTche- Ueieh.
Ter Kaiser nahm gestern int Schlosse den Vortrag des Reichskanzlers, des Staatssekretärs dcS Jnncin unb deS Chefs des Zivilkabinetts entgegen.
Todesfall. Ter national!iheralc Laudtagsahgeorbnele für den 5. schleswig-hvlsteinischLU Wahlkreis, Geheimer Justizrat I ü r g e u s c n, ist in Berlin geßorb.n.
Liberia cn l schuldigt sich. Tie „Notdd. Allg- Ztg." meldet: Wie ans Monrovia telegraphiert wird, bat bie Regierung von Liberia wegen Beschießimg des Hamburger Dampfers „Marie Wocrmann" offiziell um Eutschulbignng unb gab die Zusicherung, gswnr,— mmn »■ ■■iiraiir-naw—w ■mmuwwBBWMMiiWHM breitet wurde, wird das Meisterwerk, wie bie „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik" vermutet, jetzt wohl bie volle Million erreicht haben.
C.K. Der Kailipj der P r i m adv ii n e n. Ans Newyork wird berichtet: Ein fftrchtbarcr Kampf ist an der VLanhattM- Oper entbrannt. Tie. beiden Primadomu'n Mach Garden unb Ling Cavallieri sind bie Gegner. Miß Garben sühlt sid) in ihrer Ehre als Künstlerin ackränkt, weil der Direktor LammerstLtn die Rolle der Thais in Massenets gleichnamiger Oper, die rtäd-st« Woche ihre Erstausführung erlebt, uid>t chr, sondern der Ccwallicri zugewiesen hat. Mit der sck)önen Leidenschaftlichkeit ihres Temperaments will sic nicht eine Minute länger mehr bei einem Unternehnten ansl-arren, das sie so sck)machvoll behandelt, unb if^ten Klagen verleiht bie amerikanische Presse ein weithtnhallendeS Echo. „Es ist meine Thais, meine ThaiS ganz allein," sagte Aciß Garben zu eütent Korrespondenten des New Bork American. „Ick) habe sie nad) Amerika gebracht. Ja, id) bin eilte Amerikanerin, bas ist wahr, und ich bin stolz darauf, aber man sollte doch endlich begreifen, daß id) als Lünstlerin in unserem Lande eine neue Schule' französischer Opernkunst repräsentiere. Tie Cavallieri ist eine Italienerin unb in diesem Falle ein Eindringling. Ich fasse ihr Auftreten als Thais als eine perjöulia- mir mtgctanenc Beleidigung auf. 5)antmersteins Entschuldigung ist, ich wäre im „Salome" zu angestrengt. Das ist sehr besorgt von Hammersteiit, aber ich wmidere mick-, baß er niemals ftüher an meine Gesundheit unb meine Kräfte gedacht hat. Ich biolK nicht: aber tvemr/HmnaneHein bie Jtalicnerirü als Thais austreten läßt, dann wirb er die )wnseauenzen zu tragen haben. Danii ist der Fehd.-handsd-uh hingeworfen unb ich tvill ihn vinfnehmen." „Tic Farbe kam iut£> ging in ihren schönen Wangen," so illustriert der Kvrrespvubeiit diese fulminante Rede, „und sie schritt auf und ab in ihrem wundervollen binnen Boudoir mit Wut unb Hast, während sie sprach," Und der große Moment fam: Miß Garden sagte sich los von der Manhattau-Oper. „Bis tzarnmerstcin einen neuen Kontrakt mit mir gemacht bat, setze ich lischt mehr einen Fuß über bie Schwelle seiner Oper." So sprach sic mit eiserner Fassung. „Plein Koutrakt würde mich bis znm Schluß der Smson gefesselt haben, aber ich kann nicht — bas läßt mein Künstlerblut nicht zu — ruhig dabeisitzen iiiibi sehen, wie ein großes Werk zugrunde gerichtet wird. Ja, 511 Grunde geridftet! Thais war mein DA»üt in Amerika: ich habe ihr den Erfolg gcmad)t. Ich lege mein Herz unb meine Seele m diese Rolle, id) sang wie id) niemals zuvor gesungen. Und da soll ich ruhig dabeisitzen und mir meine Roll ', meine Ehre ioeg- nehmen lassen, niemais! niemals!" Hammcrstein zuckt bie Achseln; er meint, Miß Garden sei überarbeitet und werde sich» mxl) überlegen. Aber die gesäilt sid) augensdieinlich zu gut in ihrer 3iollc als Serbin, als Opfer unb als Zentrum einer vielbesprochenen Affäre.


