Ausgabe 
28.12.1909 Erstes Blatt
 
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w. Kaiserslautern

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Großen-Linden, den 28. Dez. 1909.

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fuhr eine Nachichubmchchine auf einen mit Urlaubern besetzten Zug. 13 Soldaten wurden dabei leicht verletzt.

K o n ft a n t i n o p e l, 27. Tez. Infolge der Verschlimmerung der Lage in Deinen wurde der Bali, der 'zugleich Müitävkvm- MMtdaiit ist, Abgelebt und durch den Bali von Adria.nopel ersetzt.

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Dez. Bei Neu-Demba ch

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Paris, 28. Dez. Gestern abend gegen 11 Ulyr. als in der Over dos Ballett beginnen sollte, crtlunen die Mitglieder des Balletts, daß lic nur dann ihre Tätigkeit auinehnren würden, wenn einige von ihnen gestellte Forderungen an getrommelt intirt n Ter Tirekwr versprach, btc Wünsche wMwollend yu prüfen, woraus nach einer Vieitälstuude ötc Vorstellung wrtgesetzt würd'.'

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Zn Dresden ift in der Nacht zum Samstag Erzellen» Ernst von Mendelssohn-Bartholdy im Alter von 63 Jahren einem .Herzschlag erlegen.

lieber die psychiatriiche flhnit der Universität T rn g ift von den deutschen und tschechischen ärztlichen Standes- Vereinigungen wegen NichtbewiUigung der Gehalts'order- ungen der Assistenzärzte der Boykott verhängt wordeti. Die Assistenz­ärzte kündigten zu Neujahr.

Rändel.

Im Konkurs p i nt m e l r e i ch soll eine Schuldenlast von Mk. 250000 sestgeiteUt sein, einschließlich der Forderungen der Verwandten. Tic Gläubiger erhalten ca. 8 Proz. ihrer Gut­haben.

Privat-Lehr-Institut für Schnittzeichnen n. Kleidermachen Der Unterricht in den Vor und NachmittagsKursen beginnt wieder ab 5. Januar 1910. Prospekte zu Diensten.

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Todes-Anzeige.

Verwandten, Freunden und Bekannten die trau­rige Mitteilung, daß unser geliebtes Töchterchen

Hedwig plötzlich in dem Herrn entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Familie Albert Schimmel.

Heuchelheim, den 27. Dezember 1909. ,

Die Beerdigung findet Mittwoch den 29. d. M., nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause, Bachstraße 20, aus statt. [6913

* Boshaft.Meine Frau ist stets sehr wählerisch ge­wesen!"T a s finde ick nicht."

* Schlau. Fremder (heim Empfange des LaiideSmridm, zum Bauer':Sagen Sie mir, warum ift nur gar so ein riesiges BöllergeMalle?" ,La, düs is nur, damit der Fürst nct merkt, was unser Scchtl-c für dummes Zeug daherrcd't!"

Kleine Tageschronik.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres heben, unvergeßlichen Töchterchens

Martha Christine

sagen innigsten Dank

Ludwig Luh IX. u. Familie.

Reste

Neu einactroffeu: Rette zu Kinderkleidern, Blusen, Hauskleidern, Straßenkleidern, Paletots, Herren-und ttnabcn- Anzügcn, einzelnen Hoien mW., sowie ganz kleine Nette für Puvvenkleider re.

Gießener Rcste-Lager

den ungleich geringeren Mengen, mit denen vor IOC Jahren die VJicnicueit sich begnügten, und führt dann aus, wie nicht nur die Masse sich verändert hat, sondern vor allem auch die Güte r'l-r Nahrungsmittel. Nicht weniger wie die Moden der .stleidung i>d in der Ausstattung des Heimes, bei denen man mit altüber - nommenen Degriften längst neue Vorstellungen verbindet, haben sich mr-' bir Nahrungsmittel verändert. Was wir heute Brvl, Fleisch, Fisch, Gemüst, 3uder odsr Ocl nennen, hat nur noch den Namen g.mein mit dem, was unsere Vorväter vor 100 Zähren unter di'-'er Bezeichnung aßen.Nehmen roir z. B. das Fleisch. Tas j7chsenfleisch, das Kalb- oder Kuhfleisch, daS heute gegessen wird, is! ,..n>rvrdentlich verschieden von dem, was man vor 100 Jahren io nannte, wenngleich vom zoologischen Standpunkt aus gesehen fre Tierart sich nicht verändert hat. Wenn man das Gewicht der im Mittelalter geschlachteten Fleischtierc mit dem Gewicht der heute geschlachteten vergleicht und prüft, wieviel Fleisch burdv iclnnttlich jedes Stück seiner Art geliefert, so stellt sich heraus, daß die heute geschlachteten Tiere durchschnittlich doppelt so viel Fleisch geben als die .Schlachttiere der Vergangenheit: d. h., daß das Vieh heute doppelt so fett ist wie früher. Da dir fischarmen Schlachttiere der Vergangenhett das gleiche Knochen­gerüst, die gleichen Muskeln und Nerven wie das neue Zucht­vieh hatten, so mußte ihr Fleisch verhältnismäßig viel größere Mengen für die Ernährung werttoser (Stoffe beherbergen. Sie schmeckten also auch anders und man mußte viel mehr genießen, unt den gleichen Nährwert zu erzielen, wie man ihn heute mit einer weit geringeren Menge erreichen kann." Nicht geringer sind die Wandlungen beim Fisch. Sowohl die Fischsorten wie die Stände, denen Fischnahrung zugänglich war, haben sich völlig verändert. Was man in Paris vor 100 JahrenSeefisch" nannte, das waren ausschließlich gesalzene Fische, denn ohne Einsalzung hätten sie eine Reise garnicht überdauert, obgleich man damals nicht so empfindlich mar wie heute und sogar Wert darauf legte, bin Fisch nicht allzu frisch zn essen. Das Meerschwein, der Seehund, das Walfischfleisch, das in früheren Jahrhunderten an den vornehmsten Tafeln gereicht wurde, ist heute völlig aus dem

In der Wohnung des Württemberg. Gesandten in Berlin, Freiherrn von Barnbühler, erfolgte eine Gasexplosion, wo­durch schwere Flügeltüren eingedrückt Schlösser gesprengt und Glastüren zersplittert wurden. Sämtliche Fenster des Licht- sck.achtes wurden zertrümmert. Ter 41 Jahre alte Diener Joses IZimajk hat schwere Brandwunden erlitten. Anscheinend ist der Gasometer undicht geworden.

Lekannlmachung.

Hugnit Äinig, D,-n»m°nn Sir. 5, Ich-W" Wrß,n aus bem Jnlnwl brr a.r.iflinannrr aui urb bat hänbtguyg brr von tbm bintenrgrrn Strnfttain - .

3 SKjrnigtn, weicht ilnlprumt an»*«" au3 brr Eit«f4ap beb König al» Sienflmann erbeben zu 9bi ' 8 Ea b-<

hiermit auf, solche bet 'Jieibung bei binnen ° .tagen

. uns vorzubringcn.

Gießen, den 27. Dezember 1909.

Großherzogliches Poltzeiamt Gießen.

Reinhart.

Wandlung, bei der Nahrungsmittel, die ihren alten Namen be­hielten, ihr Wesen und ihren Verwertungskreis verändert haben, zeigt sich auch beim Geflügel. Ter Schwan und der Pfau sind von unseren Tafeln verschwunden: noch im 14. Jahrhundert bezahlte man einen Pfau nach heutigem Gelde mit rund 24 Mark. Mastbühner waren in früheren Zeiten eine Seltenheit, die nur den Großen dieser Welt und den mit Glücksgütern reich Geseg­neten erreichbar waren. Man überließ die vühner sich selbst. Man kannte zwar das Mastverfahren, aber man wandte es nicht an: das Getreide war zu teuer. Das wird bewiesen durch den gewaltigen Preisunterschied, der das Mastgeflügel von dem gewöhnlichen Geflügel jener Zeit trennt. Für ein Masthnlm wurden im Mittelalter 12, 14, 16 ja selbst 20 Mark bezahlt, während im gleichen Jahr in der gleichen Gemeinde gewöhn liche vühner das Stück zu 1 Mark bis 1,60 Mark verkauft wurden. Man ersieht daraus die Seltenheit des Mastgeflügels und zugleich die mangelhafte Güte der gewöhnlichen Hühner, die mager waren und wenig Fleisch gaben. Eine ähnliche Verbesserung der Verhältnisse zeigen Butter, Käse und Milch. Tic Zahl der Kühe hat unverhältnismäßig stark zugenommen; dazu kommt noch, daß noch vor wenigen Jahrhunderten die Kübe nur während der Dälfte deS Jahres Milch gaben und die übrigen 6 Monate ist Wald und Feld sijch mehr oder minder selbst überlassen blieben. Im Winter gab es infolgedessen keine frische Butter; man zahlte für das Pfund Butter dann 46 Mark. Zur Zeit Ludwig XV. bezog man dann die Butter fässerweise aus. Irland: heute be­trägt der Butterverbrauch von Paris genau das Zehnfache von dem, was zur Zeit Napoleons I. an Buller verbraucht wurde. Auch der Weinverbrauch hat sich geändert: man bewahrt den Wein heute in Flaschen, während man ihn früher direkt vom Fasse tranl. War das Faß einmal angebrochen, so hielt sich der Wein nid)t lange und daraus entwickelte sich auch der Brauch, das Faß Wein der Dienerschaft zu überlasten, sobold dieFaßbarre" erreicht war, d. h. fobald das Faß halb leer war. Ter Genuß von Likör und Spirituosen war unseren Vor­fahren nicht bekannt, sie tränten fast nie reinen Weingeist und bereiteten nur in kleinerem Maßstabe sehr milde, zarte Liköre. Alles in allem zeigen diese Umwandlungen, daß fist' in der Ernährungsweise die Klassenunterschiede gemildert haben; der Reiche hat durch die Wandlungen des Nahrungsmarktes nicht viel gewonnen, während doch die kleineren Stände sich heule Geirüsse leisten können, die ihren Vorvätern versagt bleiben mußten.

Enthebung von Neujahrs-Glück­wünschen. Neujahr 1910.

Wie in früheren Jahren, so bitten wir auch bei dem bevor­stehenden Jahreswechsel zur Entbcbuna von Neujahrs-Glück­wünschen durch Besuche und Karten der hiesigen

SUeintinber - Bewahranstalt

eine Gabe spenden und einem der unterzeichneten Herren über­mitteln zu wollen. t _ , . _ ,

Durch Veröffentlichung der Namen der Geber und Gebe­rinnen imGießener Anzeiger" noch vor Jahresschluß wird eS allgemein anerkannt, daß alle Genannten von Abstattung der NeujabrSbciuchc, sowie vön Zusendung von Neu,abrSkartcn bei Jedermann für befreit gelten und ihrerseits beides nicht beanspruchen.

Die Unterstützung, die hierdurch zugleich der genannten Wohl- tättgkeits-Anstalt mit ihren 260 Kindern gewährt wirb, ist eine sehr schätzenswerte, um die wir herzlich bitten.

Gienen, 24. Dezember 1909.

Pfarrer Ausscld. Pfarrer Bcchtolsbcimcr. Stadtrat Helm. Stadtrat Jann. Nirchenrat Dr. Naumann. Pfarrer Schwabe.

Weinhändler August Schwan.lv"'>.

Portwein und Punsch-Essenz (ö. Earl Schroeter in Hanau a.M.j schmeckt und bekommt vorzüglich sowie Schwedisch. Punsch, Arrak und N um-Punich, Arrak dc Bat. und Rum de Jam. empstehtl

F. Schott i®10

Bahnhofstraße, Ecke Wolkengafse

Verzeichnis der Tafelfreuden gesttichen, während in bat letzten 40 Jahren die Fischerei ihre Erttägnist'e mehr als verdoppelt hat. Allein in der Stadt Paris ist der Fischverbrauch seit 1789 um das Zwanzigfache gestiegen, währepd die Nachfrage nach ge- falienca Fischen, die noch zur Zeit Ludwig XV. im Jahre etwa 8 Millionen Pfund ausmachte, heute nur Inoch 900 ÖOÜ Pfund beträgt. Der kleine Mann ißt heute frischen Fisch, was feinen Vorvätern niemals möglich war, denn die damaligen Preise für Fische waren so hoch, daß nur besser gestellte Bürger sich diesen Luxus leisten konnten: der Hering z. B. kostete dreimal so viel wie heute. Um 1226 wurde in Aisne jemand verurteilt,einen K ab elf au zu stellen und in Ermangelung eines solchen dann einen Lachs." Man würde heute diesen Lachs, der als not­dürftiger Ersatz des Kabeljaus galt, zweifellos vorziehen: man sieht daraus, daß der Kabeliau im 13. Jahrhundert ein sehr seltener und schwer erhältlicher Leckerbissen war, ohne daß man zugleich folgern dürste, der Lachs wäre um jene Zeit billiger gewesen, -n;an zahlte damals für einen Lachs, der die Tafel des heiligen König Ludwig gieren sollte, 120 Mark nach unserem heutigen Gelde, und im 14. und 15. Jahrhundert schwankte der Preis .

des Lachses je nach der Größe zwischen 40 und 6v Mark. Diese' der Gawmeter undicht geworden.

Frische Fische

Mittwoch früh 9 Uhr bestimmt eintreffenb: Blutfrische Nordsee Schellfische per Pfund 35 Vsg.

Pa» kopfloser Kabliau

Pfund 22/25 Pfg.

Frische Bratfische

Pfund 15 Pfg.

-jz Frische Karpfeu

Pfund 80 Pfg.

Kelimmtmachmig.

Da sich erfahrungsgemäß in der Neusahrsnacht und am Neujahrs- tage häufig Ruhestörungen und llnglücksfälle «eignen bringen mir nie Verhütung von solchen in Erinnerung, da» das Abbrennen von Feuerwerkskörpern sowie das Schießen am den ötrafeen und inner­halb der Hofreiten verboten ist, insbeiondere warnen w'.r nach­drücklich vor dem im verflossenen Jahre beobachteten ebenen von Feuerwerks!örpern rc. ans den Fenstern auf die Straße und sogar QUf M-Ätt"g°mach-N wir dl- Sänbler mit -x°i°sw°n Stofien, 9jeuern>=rfäKr»en> kJ bataui aufmertfam, das da- Slbgeben ,-lch-r Swffe an Personen, von denen ein Mißbrauch zu beiurchien ist, mLndere an alle Personen unter 16 ordnuna für das Großherzoglum Hetzen,

Unfug mit den Sachen getrieben werden ,oll.

Gießen, den 27. Dezeniber 1909. _ 6

Groftherzogllches Poltzetamt Gießen.

Reinhart.

)tad)e. uh; icgeniiber I«® Gegenden, ® >as «ÄigWA , werben # SeeingmeO" spräche.

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Tarnt irniürK:: Zu Hause ks , hinterbaus: b* Zählings \m soll nicht T- rie eilt Mn - estgesetzien t dem einen das ist für W ' ch nie iviedelM tarion zu, i^ "

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(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publilum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

25 i e f cd. In letzter Zeit Heil Weihnachten^ werden die Bewohner von Wieseck durch das Lärmen, Schreien. Singen und Schießen die ganze Nacht hindurch im Schlafe gestört. Wo ist Polizei und Nadüwächter? Oder sind die Na^ - Wächter bloß zmn Uhrenftedtcn da? Es wäre dock) an der Zeit, dem Spinnstubenunfug endliw cm Ziel zn feben._______________

Amtlicher Wetterbericht.

Deffentliehe Wetterdienststelle Gießen.

Allgemeine Wetterlage leit Montag früh: Unter dem nach­haltigen Einfluß wett nach Süden sich erstreckender Tieldruckgebleie im Qloibiuelic.i 6uropa5 dauert für die Jahreszeit ungewohntict) mildes, feuchtes Wetter an. Auch die obersten Teile der Atittet- gebirge haben noch 56 Grad Wärme heute morgen, die Ebenen 810 Grad. Das Tiefdruckgebiet über Schottland verstärkt sich bis zum Sturmwirbel bei östlicher Zugrichtnng und bringt ein stärkeres Auffrischen deS Südwest. Ans der Rückseite dieses Wirbels kann in den nächsten Tagen mit Abkühlung gerechnet weiden.

Welteraussichten in Hetzen am Mittwoch dem 29. Tezember 1909: Regen, starkwindig und stürmisch auS Südwest, mild.