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27.12.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

L 59. Jahrgang

Montag 27. Dezember 1909

GiesMer Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Beöoftion, trpeöition und Dnitfertf: Sfiulftrafie 7.

Annahme von Anzeige» __,

normtoa?«n9mufl" Botationsöru< und Virlag der vrSbl'Ichen Unln.-Vuch- und SliiudruSere« B. lange.

monatlich viertel­jährlich Mk. 3J0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 66 Ps.; durch diePost Ack.L viertel- jährt. arrSschl. Bestell-. Zeilerwrers: lokal 16Vf., auswärts 20 Plena iq. Thelredatteur: A Goetz. Berantwortilch für den politischen teil: August Goetz; für , Feuille­ton* und ,93ermhrbie3* K. Neurath; für .Stadt M. Land- und.Gericht»-

Nr. 303

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer tzOnntagS. - Beilagen: viermal wöchentlich GlebenerZamilienblätter; zweimal wöchentl.UreiL, vlaNsür den llreiL Sietzes (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land, »irtschnstliche Zeitsragen Fernjprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 61 Adresse für Depeschen: «ozeiger Gießen.

Beratungen über poftjragen.

Endlich Hal sich der Staatssekretär des Reichspostamtes entschlossen, den vielen Wünschen und Silagen aus dem Publikum nachzugehen. Es ist die höchste Zeit, das; darin etwas geschieht. An erster Stelle steht noch immer der allgemeine Wunsch nach Wiedereinführung des Ankunsts^ stempels. Staatssekretär Stätte will nach der folgenden Meldung seine Gründe gegen die Wiedereinführung dar­legen; wir vermuten, daß er damit in dem von ihm ein» berufenen Ausschuß kein Glück haben wird. Interessant ist, daß der Staatssekretär bei Posteinlieferungcn das Publikum mehr zu den entstehenden Schreibereien heran­ziehen will. Das ist ein Gedanke, der auf keinen ernsten Widerspruch stoßen wird. Den Postbeamten obliegt bann aber immer noch die genaue Nachprüfung und die Ber- antwortung:

Der ,Lkeichsanzeiger" meldet: Der Staatssekretär des Reichspostamts beabsichtigt, am 7. Januar n. I. verschie­dene Fragen aus dem Gebiete des Postwesens mit den Vertretern des Handels, der Industrie, der Landwirtschastund des Handwerks zu besprechen. Er hat zu diesem Zwecke den deutschen Handelstag, den deutsck-en Landwirtschaftsrat und den deutschen Handwerker­und Gewerbekammertag ersucht, chm zur Teilnahme an der Besprechung Vertreter ihres Interessentenkreises nam­haft zu machen. Gegenstand der Besprechung wird fein: 1. Darlegung der Gründe, die gegen die Wiederein, führung des Ankunftsstempels bei gewöhnlichen Briefen sprechen; 2. Mitwirkung des Publikums bei der Ausfüllung von Posteinlieferungsbeschei- nigungen zur Beschleunigung der Abfertigung an den Postschaltern; 3. Ausstellung von Ein lieferungsbe­scheinig ungen für gewöhnliche Pakete auf be­sonderen Wunsch; 4. Behandlung der mit Chiffte adressierten Briefe, Einführung von Postlagerkarten zwecks Sicherung und Aushändigung solcher Briefe an be­stimmte Personen und 5. Erörterung der im Postnach­nahmeverkehr hervorgetretenen Mißstände.

ImAmtsblatt des Reichs Postamts" werden 0er* ein fachun g en des Geschäftsverkehrs und Dienftbetriebes in der Reichspostverwaltung bekannt gegeben.Eisenbahn-Telegraphengestänge können zur Anbringung von Telegraphen- und Fernsprechleitungen von den Omwpostdirektionen selbständig ang e kauft wer­den, wenn der Zeitwert des Gestänges Den Betrug von 1000 Mark nicht übersteigt und der Obecpostdirettion genügend Mittel zur Verfügung stehen. Bei kleineren Arbeiten zur Instandsetzung und Umlegung von großen unterirdischen Telegraphenlinien können oie Oberpostdirekttonen die stabel auch außerhalb der vorhandenen Lötstellen schneiden und nötigenfalls Aenderungen ihrer Länge bis zu zehn Metern vornehmen, wenn die Säbel dabei feine ungünstigere Lage erhalten. Ueber die erfolgte Instandsetzung ist nur in Fällen von besonderer Wichttgkeir an das Reichs Postamt zu berichten."

Vom deutschen Aerstewesen.

e. Daß in Deutschland bald

In der soeben audgegebenen Nummer der Deutschen Medi­zinischen Wochenschrift veröffentlicht der bekannteMedizinalstatistiker Sanitätsrat Dr. Friedrich Prinzing in Ulm eine interessante Ueier sicht über die stattstischen Verhältnisse der Aerztc Deutsch» 'I ber Aerzte betrug 31 969, somit

Ausland.

In einem von Lord Avebury veröffentlichten Bttefe wird nach einer Londoner Meldung erklärt, das englisch-deutsche Freundschaftskomitee habe mit großem Bedauern einige kürzlich in einem Teil der englischen Presse verbreitete Ar- titel gelesen, welche das Mißtraüen zwischen Deuffchland und England vergrößern und jener seiner lNcinung nach geringen Minderheit von Deutschen das Rückgrat stärken müßten, die

lands im sichre 1909. Die Zc aus 10 000 Einwohner rund 5

eine beträchtliche Steigerung der Aerzte zahl zu erwarten ist, wurde in den letzten Jahren ost genug erwähnt. Auch in diesem Jahre hat die Zahl der M edizinstudierenden wieder zugenvmmen. Sie stieg von 6032 im Sommerhallbjahr 1905 auf 9239 im Sommerhalbjahr 1909.

Aus einer Tabelle über die Zahl der Aerzte in den einzelnen Landesteilen geht hervor, daß der Osten und Westen Preußens und Süddeuffchland sich verschieden verhalten. Im! östlichen Preußen sieht man itberalT eine kleine Abnahme der Aerztezahl, auvgcnrmrmen Brandenburg, welcher Provinz die großen Berliner Vororte eine Ausnahmestellung verschaffen. Im östlick-en Preußen mit Grvß-^Bettin Dämmen aus 10 000 Einwohner 4,93 Aerzte, im östlichen Preußen ohne Groß-Berlin 3,47 Aerzte, im westlichen Preußen 4,80 Aerzte und in Süddeutschland 5,26 Aerzte. Ter Zug nach dem Westen, eine bekannte Erscheinung in Nvrddeuffch- lcmd, zeigt sich demnach auch bei den Aerzten.

Dre Zahl der Aerztinnen in Deuffchland ist von 55 rm Vorjahr aus 69 gestiegen. Sie kommen fast alle aus die Groß­städte, in Berlin waren es 21 (im Vorjahr 17), m München 6, in Frankfurt a. M. 5, in Dresden und Hamburg je 4. In vielen Großstädten hat der Prozentsatz der Spezi alärzte abgenom­men, so in Königsberg, Danzig, Halle, Chemnitz, Braunschwttg, Bremen, Köln, Düsseldorf, Karlsruhe, «Straßburg, in anderen hat er zugenvmmen, so in Posen, Breslau, Altona, Esten, Elber­feld, Duisburg, Nürnberg.

I wechsel im Präsidium öes Reichseijenbahnamts.

Berlin, 24. Dez. DerRrick»sanzriger"" veröffentlicht bat Rücktritt des Präsidenten des Reichseisenbahnamts, Schulz, aus dem Rricksdienst vom 1 Januar ab unter Verleihung des erblichen Adels mit Namensfvrrn v. Schulz-Hausmann, sowie die Ernennung des Präsidenten der Genoraldireklion der Eisenbahnen in Elsaß- Lothringen, Waclerzapp, unter Verleihung des Charakters als Wirkliü^er Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz zum Präsv» denten des Rrick-scisenbahnamts.

Sämlz, der am 10. September 1840 in Braunschweig geboren ist, hat dem Reichsttsenbahnamt seit dem Jahre 1890 vorgestaiiden. Vorher batte er den braunscktzveigischen und elsaß-4othrürgisä»a< Staatsbahnverwaltungen und zuletzt dem Reiä-seisenbahnamt als Vortragender Rat angehört.

Deutscher Keicb.

DerReichsanzeiger" verösfentliäst das Gesetz bett, die £><nr- delsbeziehun gen -um britischen Reich, wonach der Bundesrat ermächtigt ist, den Angehörigen und Erzeugnissen des britischen Reiches imb der britischen Kolonien bis zum 31. De­zember 1911 diejenigen Vorteile einzuräumen, die das Reich beit Angehörigen oder Erzeugnissen des meistbegünstigten Landes gv- mährt.

Wie ein Berliner Blatt erfährt, soll daS gesamte mehrer^ Bände füllende A k t enm a te r i a l über die Angelegen­heit Mannesmann dem Budgetausschuß des Reichstages auszugsweise vor gelegt werden. Dre internationalen Berhmld- hm(p.m über die BergwerksÄinzessionen in Marokko seien soweit gediehen, daß diejenigen Unternehmer, die ohne gesetzlich Grund- laae bishec-on in Marokko gearbeitet haben, bevorrechtet nrürbat. Dre Abschätzung der Leistungen und bic einzelnen Ansprüche auf Bevvrrechtung solle durch ein völlig patteiloses Schiedsgericht geschehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde das schweizerische Bmidcsgericht angegangen oder sein Präsideitt ersucht werden, bad Schiedsgericht zu bilden.

Ter Gesamtausschuß des Ha nsa-Bundes für ®e* werbe, Handel und Industrie, derjenige Berwaltungskürper des Bundes, welcher neben dem Präfidstim imb Direktorium traft TÄegation der Beteiligten mit^nwirfen hat an.den Arbeiten de^ Bundes, ist, wie uns der Hansabund schreibt, nunmehr gebildet Er zählt mit dem Rocht der Swtml)! zur Zeit 456 in Gewerbe, .Hcnwel und Industrie tätige Persönlichkeiten. Aus den Kreisen der Industrie sind 189 Vertreter gewählt, der Handel si >>L 124 Herren, von denen 55 dem Detailhandel angeboren. Diese, in Verbindung mit 76 Vertretern von Handwerk und Slicnigwerbe bilden die Gesamtvertretung des Mittelstandcs Die 41 Ange- fteTItertüertrcter endlich sind von den Angestelltenverbändcn und sonstigen maßgebenden Gremien in den Gesamt ausschuß entsandt worden.

In Hamburg wurde unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aller Länder der treuv'te Ziv n i sten -K o n grest eröffnet. Der Präsident oes engeren Aktionskomitees, Daniel! Wvlffsohn-Köln, hielt die Eröffnungsrede: daraus sprach Tr. lltorvau-Paris, welcher die Stellung der Zionisten zu der bnv änderten Lage m der Türkei behandelte. ES erfolgte die Wahl des Präsidiums und der Bericht des Aktionskomitees durch Soko- low-Köln, worauf die Hauptaussprache schloß.

politische LagerjcHau.

Die Schnkllbahnfrage Dottmund-Düfieldorf.

Der preußische Ei se n b a h n m i n i ste r hat der kom­munalen Vereinigung für den Bau einer rheinisch-west­fälischen Stadtbahn mitgeteilt, daß er nicht in du Lage sei, die Erlaubnis zur Vornahme allgemeiner Vorarbeiten für eine elekttisä'c Vollbahn Dortmund-Düsseldorf zu erteilen Zu diesem Bescheid nimmt die kommunale Vereinigung mit folgender Ausführung Stellung:

Die Enffck)ridung richtet sich wohl im wesentlichen gegen die im ersten Anträge der kommunalen Vereinigung ausge­sprochene Absicht, eine Vollbahn zu erbauen, mit ca. 120 Kilo­metern Stundengeschwindigkeit, welche zunächst die größeren Vcr- kelnsvlätze verbinden sollte. Inzwischen ist es dem eingefetzten Ausschuß gelungen, die Vorarbeiten ohne staatliches Pri­vileg auszuführen und die Unterlagen für das Projekt, zu beschallen, dessen Ausarbeitung in kürzester Frist kn-endel sein wird. Bei Beratung der technischen und wirtschaftlichen Unter­lagen erschien es raffam, die Zahl der Haltestellen wesentlich zu vermehren und eine wesentlich geringere Reisegeschwindigkeit ins Auge zu fassen. Es dürften hierdurch einerseits die wesent­lichsten Bedenken behoben werden, die der Eisenbahnminister gegen das Unternehmen hegt, anderseits gerade der Eigenart des V.ii'ehrs im Bezirke Rechnung getragen werden.

Bei dem Projekte in seiner neueren Gestalt wird die Kon­kurrenz gegen die Staatsbahnen zurücktreten gegen die Er­wägung, daß die Schnellbahn ein wichtiger Zubttnger der Staats­bahn wird, und diese gerade von dem im Staatsbetriebe un­rentablen Nahverkehr entlastet.

Aus dem Bescheide des Miiristers ging auch hervor, daß der viergleisige Ausbau zwecks Trennung des Personen- und Güterverkehrs zwischen Dortmund und Bochum, sowie zwischen Msen und Oberhausen energisch gefördett wird.

Weines Feuilleton*

Tie umgestaltete Pinakothek. Aus München Wird uns geschrieben: In kurzer Zeit und mit verhältnismäßig geringen Mitteln hat Herr von Tschudi bei uns Tinge vollbracht, auf die man hier schon Jahre lang vergeblich gewartet hatte. Freilich, die Hauptmittel hat er selber mitgebracht: sein Lrgani- satwnstcckent und seine Entschlossenheit. nichts Halbes gelten zu lassen, sondern Minderwertiges durch Gutes zu ersetzen. Wer letzt die alte Pinakothek betritt, wird eine Pkenge von Bildern ersten Ranges sehen, die er früher als solche zweiter Ordnung kaum im Gedäclstnis behalten hatte (durch richtiges Hängen hat Tschudi ihre Vorzüge erst gezeigt), ferner einige unserer größten Meister­werke in neuem Glanz und buchstäblich in neuem Licht bewundern. Da ist vor allem Tizians berühmteDornenkrönung", da§ vor­letzte Bild des Meisters, ein Werk, dessen unergründliche Kunst der Gestaltung in der neuen klaren Beleuchtung noch geheirnniS- voller erscheint als in der Dämmerung, die es früher umring. Ein zweites unserer großen Werke, Matthias GrünewaldsUnter- redung der Heiligen Erasmus und Mauritius" entfaltet edmfalls an einem neuen günstigeren Platz die Große der Auffassung und die Praclst der Zrrrben weit freier und ungehinderter als in dem Winkel, in dem es bisher hatte hängen müssen; daß es den Ver- gleich mit DürersVier Temperamenten", denen es schon im Vorwurf sehr ähnlich ist, künstlerisch nicht zu scheuen braucht, muß auch dem Saien jetzt klar werden ^ Tschudi die .zwei prächtigen Bischvfsbilder des großen. Wolfganger Meisters Michael Pack;er end ihrer dem Blicke beinahe unerrerchlichen Höhe berabgeiwnimen und als Meisterstücke an einen guten Platz gebracht bat, ist ein besonderes Verdienst und entspricht der Ab­sicht unseres neuen Direktors, die im allgemeinen mxb ziemlick' verkannten bayerischen und österreichischen >schmen dn RenMswnce zu den Ehren zu bringen, die bin er eigenartigen, kräftigen und klaren Kunst bisher nur von Fachleuten zuertannt wurden. Was die Neuerwerbungen betrifft, so hat Tichudi mit einem Teil von ihnen eine sehr selbstverständliche Tat unternommen, die nur eben so selbstverständlich war, daß bei uns vorher niemand daran gedacht hatte. Er entnahm den BeNchrben der bäuerlichen Pro- vinzialgctterien ©über, die in den beiuckrttn ^vülen der Puurw- thek zu größerer Bewunderung gelangen muften als tn^n meist schwer oder nur mit größeren oder geringeren Unaeauemftajraten zugänglichen Heinen Zweiganstatten, so Sani auslÄug^burg ichönc Tintoretto «Gasunuhl bei Simon-, em

Darbari, ein interessanter Pseudo-LHnordo. (wmbftches Bildnis,. Den Augsburgern, die über den Verlust: bteger Bilder wtzt naiuv kick laute Klage erheben, darf neben vench^denem anderem gewitz auch die Frage entgegengehalten werden, ^arunt 1 le benn bieie Bilder (vor allem den großartigen Tmtorettv) all bic Zeit her so schlecht aufgehängt hatten, wenn sie icl-on miber io ieyr vvn ihrem Wette üderzeugt waren? Die übrigen Neu^wettungen, die Tschudi durch Ankäuse gemach.t hat, haben den Beiiall auer Hislvriter und, was auch bei uns in Frage brmmt, bes regenten gesunden. Ein schöner Guardi, ein rntetosstmtes toat von Gpyä, ein Monet und ein Garnsdorough füllen länglr.

empftrndene Lücken aus, den größten Dank aber verdient Tschudi für die Neuerwerbung derEnllleidima Chttsti" von Greco, eines Bildes, um das uns die größten Galetten der Welt beneiden können.

Zwei hübsche Geschichtchen von Leo­pold II. Der verstorbene König der Belgier war frhxn von seinem Königtum, soweit seine eigene Person in Frage kam, sehr überzeugt er redete von sich selbst nur in der dritten Person; verhaßt aber war ihm das Hoszeremoniell, und er spielte diesem und seinen Vertretern gern einen Streich. Tas mußte einst der eitle Präsident Felix Faure erfahren, der gern die Allüren eines aekrönten Hauptes zur Sck)<ru stellte. Faure begrüßte LeopoÜ) in 5^avre, wo dieser an Bord seiner ZuchtAlberta" ankam, mit folgenden Wor­ten :Ich bin glücklich, Euere Majestät in dem Augenblick zu begrüßen, wo Sie den Fuß auf den Boden der Republik setzen. Zweifeln Sie nicht, Majestät, an den Gefühlen ach­tungsvoller Zuneigung, mit denen ich mich zum Dolmetsch der Wünsche mache, die Frankreich für Ihre erlauchte Person, Ihr Haus und Ihr Land hegt." Leopold IL verbeuate sich etwas erstaunt, drückte dem Präsidenten die Hand uno sagte dann, wie bicKöln. Ztg." erzählt:Guten Tag, mein lieber Präsident. Wie gehts? WaS macht Frau Faure?" Auf der Lütticher Ausstellung von 1905 besuchte Leopold II. auch die deutsche Abteilung. Mit echt deutscher Gewissenhaftigkeit hatte man an der Tür, durch die Leopold II. eintreten sollte, zunächst diehöchsten" Herren ausgestellt, dann immer weiter sanft im Range abfallend in langer Reihe die übrigen bis zur Ausgangs- tiir, wo die niederen, meist recht jungen Beamten und deren noch jugendlichere Frauen standen. Leopold IL er­kannte mit schnellem Blick sofort die Lage, und trotz aller Vorstellungen trat er zur entgegengesetzten, also zur Aus­gangstür herein, blieb bei den jungen Damen stehen, scherzte mir ihnen und schtttt dann weiter, hatte aber für die orden­geschmückten Trtelträger kaum mehr Zeit übrig. Er hatte das ganze brave deutsche Zeremoniell wider den Strich gebürstet und lachte aus vollem Halse, als er zur Ein­gangstür hinausschtttt.

Das Ur Heber recht der Künstler. Angesichts der vielfachen Erörterungen über den Ausbau des lfterariichen und künstlerischen Urheberrechts, die auch bei uns gegenwärtig ge­pflogen werden, bat em Versuch der französischen Künstler, die Wahrnehmung ihrer ZEeressen nach einer sehr wesentlichen Rich­tung zu verrollständigen, eine besondere Beoeutung. In Pans hat sich ein VereinDas Urheberrecht ber Künstler" gegründet, ber eine Reihe ber hervorragendsten zeitgenössischen Maler, Bild­hauer, Zeichner und Graveure vereinigt uns sich das Vorbild des io erfolgreichenVereins der dramatischen Autoren" in seinen Satzungen zum Muster gqumoncn hat. Das wichtigste Ziel des

Berttns ist, den Künstlern eine Beteiligung <m bet Wertsteigerung zu erwirken, die bei Wiederverkäufen ihrer Werke erzielt wird. Das Beispiel so vieler moderner Meister, die mit ansehen mußten, wie ihre in früheren Zeiten ber Not um1 ein Buttertzvot verkauften Schöpfungen später mit Gold ausgewogen werden, und anocrer Künstler, die ihre Fantilie in Armut uirikfgclaffen haben, während ihre Werke auf dem Bildermarkte mit fabelhaften Preisen umstritten werden, dient dem Verein als stärkstes Beweismittel für feine! Bestrebungen. In den nach längerer Verhandlung angenommenen Satzungen wird außer dem erwähnten Zweck auch der Schutz ber Werke von Mitgliedern gegen Fälschung und Nachahmung als Aufgabe gesetzt und bestimmt, daß jedes Mitglied verpflichtet fei, keinen Verkauf ohne Benachrichtigung des Vereins aus^uführen. Als Mittel, durch das mxnt das gesetzte Ziel erreichen will, wird die Berpflickstung, keinen Kaufvertrag ohne einen Vorbehalt der Beteiligung mit einem bestimmten Satz an künftigen Wettsteigv- rungen abzuschließen, für das praktischste gehalten. Natürlich ist' der Verein darauf gefaßt, auf mannigfache Widerstände bei den B Überläufern zu stoßen, aber man erinnert bar an, mit welchen Schwierigkeiten der Verein der Dramatiker, ber heute zur aus­schlaggebenden Macht im französischen Theaieileben geworden ist, in seinen Anfängen zu kämpfen hatte.

Einefassche Vorstellung". Im neuesten Heft berStunden mit Goethe" wird ein amüsanter Beitrag zu dem Thema derfalschen Vorstellungen" erzählt, jener tyielDerbreiteten Gewohnheit, beim gegcnfeitigm Bekanntmachen von Personen die Namen nachlässig und undeuttich auszusprechen, so daß feiner weiß, mit lvem er's eigentlich zu tun hat.3m Jahre 1802", so wird in dieser Firmen, recht bezeichnenden Geschichte berichtet, ging der damals sehr beliebte Romancier und Vielschreiber August Lafontaine eines Tages in seinem schönen Gatten in Halle auf und ab, als er seinen Freund Reichard, den Svnrponisteni, mit einem Freunde beranfommen sah. Aha! dachte er, Reichard bringt mir den Kaufmann aus Hamburg, von dem er erzählt bat Die Gaste traten ein, Reichard stellte vor, leise und u. - verständlich Man ging im Gatten auf und ab; der Fremoe rühmte die Aussicht: selbst in Italien habe er eine solche Menge großartiger Gebäude, wie man sie von hier überschaue, nicht ge- seheir Das Gespräch wandte sich auf Italien, auf Kamst und Altertum, und in jeder Minute erstaunte ber Rvmandichter mehr über den Hamburger Kaufmann. Welch Kenntnisse, welcher Geist, welck-e Fächgkttt der Rede! Immer lebhafter wurde die Unter­haltung. Endlich mußte man sich trennen.Mein Herr," sagte Lawntaine,Sie haben mir ein so großem Interesse eingeflotzt, bei. ich mir Ihren Namen merken möchte."Mttn Name ist Goethe."Tiber ich hab' Ihnen doch den Namen gefaxt!" rief Reichard.Was, gesagt? Gebrummelt haben Sie was! Sie hatte« mir einen Kaufmann aus Hamburg angemeldet. Ern andermal, wenn Sir einen Goethe bringen, so sprechen Sie, bitte, deutlich?" Und Saftmtatne wandte sich gegen sein Haus:Rasch, FiekckMi! fcmnn! Goethe ist hier!"