ändert crnhält. In dieser Woche fand die übliche Flotten» haben, debatte im englischen Oberhause statt, ohne daß dazu ein Sachas! stichhaltiger Grund gewesen wäre. Außerdem hielt Lord J™
in dem der Verwundete in das Halberstadter Krankenhaus
Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.
Beresford in der City eine Flottenrede, in der er u. a. die
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..eschafft wurde. Wenn das wahr ist — daS menschliche Gefühl sträubt sich, an eine derartige Ungeheuerlichkeit zu glauben, — so wäre das ganze geradezu em Mord unter militärischer
Bezugspreis: monatlich 75 Pst vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. ZeilenpreiS: lokal 15Pst auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuilleton und .Vermischtes*
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Aussicht gewesen. Sollte durch das Militär die Polizei etwa abgehalten werden, daS Duell zu verhindern? Es wäre dringend wünschenswert, daß von berusener Seite hierüber vollständige Aufklärung gegeben wird.
Von den Vorgängen im Ausland ist vor < wähnen, daß der englische Flottenkolle
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politische Tagesschau.
Ein Tuell
unter schweren Bedingungen hat am 14. v. M. bei Blanken-« bürg a. H. ftattgefunden. Tie Ursache des Zweikampfes bestand darin, daß der geiorderte Oberleutnant Zwitzer die Braut des Fordernden, Oberleutnant Granier, beleidigt hatte. Z. hatte nach der Kaiser-Geburtstagsfeier seiner Kompagnie Die betreffende Tarne nach Hause begleitet. Zn seiner ausgelassenen Stimmung, die auch durch seine Beförderung zum Oberleutnant hervorgeruien war, chatte er versucht, die Tarne zu küssen. Sie hatte ihn zurüägewiesen, ihm aber das Versprechen gegeben, gegen niemand über die Sache zu sprechen. Als ihr Verlobter, Oberleutnant Granier, zu Pängsten (also 17 Wochen nach dem Vorfall) von der Angelegenheit erfuhr, forderte er Z., und diese Forderung wurde vom Ehrenrat gebilligt. Ter Ausgang der Affäre ist bekannt. Zwitzer wurde durch einen Schuß ui die Lunge getötet. Zu diesem an und für sich höchst traurigen Ereignis bringt das „Bert. Tagebl." jetzt nähere Mitteilungen, die ihm aus Blankenburg zugehen und die, wenn sie sich bewahrheiten, den militärischen „Ehrenhandel" zu einer der ungeheuerlichsten Affären machen, wie |ie auf dem Gebiete des Tuellunwefens wohl bisher noch nicht vor-
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Kommerzienrat Paulv. Schmid, der Vorsitzende der Augs- üurger Handelskammer und zugleich Leiter der Versammlung, be- nonte, man müsse nunmehr über die trennenden die einigenberi Momente stellen. Der Handclskammersyndikus Dr. Büttner bezeichnete als die über die Anforderungen des Augenblicks hinaus- neichende höhere Aufgabe des Hansa-Bundes unter dem Beifall her Versammlung die dauernde Bekämphmg der reaktionären ttzirtsclmftsauffassung des im Bund der Landwirte politisch organisierten Agrariertums und seiner unverhüllten Feindseligkeit legen die modernen Wirtschaftszweige des Gewerbes, des Handels mb der Industrie Tie Versammlung beschloß einmütig die Bildung einer Gruppe Schwaben und Neuburg des Hansa-Bundes. Gleichzeitig nntrbc die Bildung einer Ortsgruppe Augsburg be- ichlossen.
Weitere Kundgebungen sanden in Stuttgart, Mannheim, Pforzheim und Baden-Baden statt. Von mittel- und norddeutschen Handelskammern, die sich für den Hansa-Bund Lusaesprochen haben, nennen wir b; einigen in Hildesheim, Düsseldorf, Nordl>ausen, Essen, Thorn und Li gn.tz.
Auch in Hessen und H e s s e n - N a s s a u rühren sich .flie Anhänger von Industrie, Gewerbe und Handel mächtig, ?ixn möglichst alle Angehörigen dieser Berufe, die für sich •allein die Mehrheit der Bevölkerung umfassen, dem Bunde zuzuführen, und geradezu komisch berührt es, wenn das ^Mainzer Journal", das in seinem Textteil heftig gegen üie neue Hansa zu Felde zieht, im Inseratenteil durch einen großen Aufruf zu ihrer weiteren Ausbreitung beiträgt. Zu verwundern ist dies allerdings weiter nicht» denn der Grundsatz „non ölet" ist ja einem zur neuen Sleuermehr- teit schwörenden Blatt ohne weiteres verständlich.
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Apolitische Wochenschau.
Gießen, 3. Juli.
Die große Frage der Reichsfinanzreform steht immer noch im Mittelpunkt des politischen Interesses, vor der alles andere, was sonst in der Welt vorgeht, zurücksteht. Die yielfach erwartete Reichstagsauflösung ist nicht gekommen und es iourden blos einige der von dem neuen klerikal- konscrvativ-polnischen Block beschlossenen Steuern von der Regierung als unannehmbar bezeichnet. Daraus ist zu schließen, daß die Regierung gewillt ist, die Finanzreform ruck) mit der neuen Mehrheit und ohne den früher als unbedingt notwendig bezeichneten Bestandteil der Erbanfall- steuer zu machen. Es war die Furcht vor einer allzugroßen .Vermehrung der sozialdemotratischen Mandate, die den Mndesrat diese schwächliche Lösung der Reichstagsauflösung oorziehen ließ. L>o kommt es, daß nur der Reichskanzler hie Konsequenz aus dem egoistischen Treiben seiner konseroa- litten Freunde zieht. Da er nicht gut mit dem klerikal- agrarischen Block arbeiten kann und nicht mit den Liberalen -ziegen die konservative Rechte arbeiten will, geht er, allerdings auf Wunsch des Kaisers erst, wenn die Finanzreform — bezw. hie davon übrig bleibenden Trümmer — im Hafen «,'borgen ist. So werden wir denn in den nächsten Wochen neuartige Bild eines Reichskanzlers in Liquidation Jiatien, daS dadurch nicht an Anmut gewinnt, daß man im Daraus weiß, daß der Liquidator bei der Liquidation seines Finanzprogramms am wenigsten zu sagen haben wird. Im Reichstag arbeitet inzwischen der neue Rütlibund der Agrar- Ion fervativeu, Klerikalen und Polen rüstig und im allgemeinen ziemlich einträchtig daran, seine Finanzreform in die Scheuern zu bringen. Ab und zu springen zwar iic Polen oder die bayrischen Zentrumsleute ab, aber das geschieht nur der °Form halber und wird anscheinend stets itur insoweit erlaubt, als dadurch das „große" Werk nicht gefährdet wird. Die Herren stellen sich dabei so, als ob sie guter Dinge seien, aber mancher mag doch in feinem Gewissen sich sagen, daß er mit der Zustimmung zu den cinzeluen Bestandteilen des aus Egoismus und Oberfläch- lichleit rusammengewurstelten Wechselbalges von Reichsfinanzreform sich fein parlamentarisches Grab gräbt. Denn tnt Laude mehren sich die Stimmen konservativer Männer, die von der parlameittarischeu Rechten und dem Burd der Landwirte abrücken. Ter Gründung des Hausabundes folgte, nie wir gestern mitteilten, die Gründung eines Bauern- buudes, der als Vertreter der klein- und mittelbäuerlichen Interessen von vornherein in einen ausgesprochenen Gegensatz zum Bund der Landwirte tritt. Er verfolgt folgende Jicic: 1. Auf Grundlage unseres Schutzzollsystems energische Vertretung der Bauerniuteresseu in wirtschaftlicher Hin- |ia)t. 2. Beeinflussung der öffentlichen Meinung nach der Äichtuug hin, damit dieselbe nicht, wie es augenblicklich Den Anschein hat, sich der ferneren Notwendigkeit der Durch- ßährung einer gesunden Agrarpolitik widersetzt. 3. Be- »ämpfung der rücksichtslosen Politik der Großgrundbesitzer- Znleressen, die, konsequent durchaeführt, in politischer Hinsicht ihre Mitglieder in einseitiger Weise zu der reaktionären touservativen Partei treibt. Man darf gespannt fein, ob der meue deutsche Bauernbund sich so rasch Beachtung verschy.ffen wirb wie der Hans ab und. Der Spott der Gegner, der am ßangs so reichlich über die Gründung her neuen Hansa sf'oß, ist bald verstummt und man ist auf jener Seite eifrig lremüht, die seither konservativen und antisemitischen Zahnen folgenden Gewerbetreibenden dadurch vom Zutritt gam .'dansaöund abzuhalten, daß man die neue Gründung äilS großkapitalistisch ausgibt. Großen Erfolg werden allerdings die journalistischen Wortführer der ostdeutschen Groß- - Grundbesitzer nicht haben. Eins hat die neue Hansa jetzt ßchon vor der alten voraus: sie erstreckt sich nicht blos; auf ?rorddeutschland, sondern gewinnt auch in Süddeutschland immer mehr Anhänger. Besonders bemerkenswert war eine Versammlung, die kürzlich in Augsburg stattfand und am der eine große Anzahl von Vertretern der Augsburger ^attdelskammer, sowie der wichtigsten kauftnännischen und Lewerblichen Korporationen und der Korporationen der kauf- männisck)en und technischen Angestellten teilnahtnen.
Deutsches rreich.
Der wationalliberale Reichstagsabgeordnete Geh. Jnstiz-, rat Dr. Quarck, Vertreter des Wahlkreises Sacbfen-> Koburg-Gotha 1, ist nachts an Herzlähmung gestorben.
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9?r. 153 Erstes Blatt 15S. Jahrgang Samstag 3. Juli 1S0S
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hir tue Tagesnummer Rofation$bru6 und Verlag der Vrühl'fchen Ustiv.'Vuch' vnd Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Ameiam'teU: v. BeL
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Eine unter dem Kommando eines Fähnrichs stehende österreichische Patrouille ist gelegentlich einer Streife längs der österreichisch-montenegrutischen Grenze auf dem Hoch-Plateau des Naglio hinterrücks von Montenegrinern beschossen worden. .Hierbei wurde ein Mann der österreichischen Patrouille von drei Kugeln getrbffen. Die übrigen Leute blieben unverletzt. Die Montenegriner- flüchteten.
Zlolvssales Aufsehen erregt ein in London beruhter politischer Mord durch einen jungen indischen Studenten! namens Dhinagrl im Laufe eines Empfanges. Oberstleutnant Sir William Curzon Wyllie, ein früherer hoher politischer Beamter in Indien, konvertierte mit Dhinagrl auf dem Treppenabsatz, als dieser plötzlich einen Revolver hervorzog und Hifi-* chnell vier Schüsse abfeuerte. CberftTeutuant Whllie Itxir sofort tot. Dhinagrl feuerte noch zwei weitere Schüsse ab, durch die eilt Arzt Oawaslolcaea aus China tätlich verletzt wurde. Der Arzt . starb bald darauf im Georgshospitale. Der Mörder richtete sodann den Revolver gegen sich, jedoch erfolglos, da alle sechs Kammern entleert waren. Bei ihm wurden zwei weitere geladene Revolver und ein zwvlfzölliger Dolch gefunden.
Ter Kopenhagener Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, es stehe nunmehr fest, daß russische Anarchisten einen Mordanschlag auf den Zaren während feiner Anwesenheit in Stockholm planten, und daß der Mörder des Generals Beckmann mit diesem in Verbindung stand. Bei ihm fand man einen genauen Plan der von dem Zaren bewohnten Gemächer. Zehn Anarchisten russischer Herkunft, die man vor der Ankunft des Zaren verhaftet, nach seiner Abreise jedoch wieder freigelassen hatte, wurden neuerdings hinter Schloß und Riegel gesetzt.
Griechisch-Türkisches. Dem Petit Parisien zufolge werden die internationalen Truppen Canea am 24. Juli verlassen. Tie Schutzmächte Kretas werden nächsten Montag in Konstantinopel einen Schritt unternehmen bezüglich des Zustandes der Insel. Ter griechische Minister des Auswärtigen hat erklärt, daß Griechenland sich nur auf einen Krieg einlassest würde, wenn seine Sicherheit gefährdet fei.
Zweitausend zur Erntearbeit nad) Thessalien wandernde M o - hammedancr aus Serfidge wurden bei Elassona von griecht- scheuSoldatenüberfallen, die mehrere von ihnen töteten oder verwundeten. Infolgedessen herrscht in Serfidge große Aufregung.__________________________________________
25. deutscher randwittjchasMcher Genossenschaststag.
iii.
S. u. H. S w i n e m ü n d e, 2. Juli.
Ter heutigen zweiten und letzten Hauptversammlung des 25. Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaftstages wohnten u. a. der Präsidem des Herrenhauses Frhr. v. Manteuffel, Graf von Schwerin-Löwitz, Pros. Dade vom Deutschen Landwirtschaftsrat und der bekannte Bundesagitator Major a. D. v. Endell lPosen) bei. Zunächst sprach unter Vorführung von Lichtbildern Rittergutsbesitzer v. Hertzberg lLottin) über die „Einführung der elektrischen Kraft auf dem Lande mit Hilfe der ländlichen Genossenschaftsorganisationen". Redner führte aus, daß in erster Lime die Ueberlandzellttalen zu propagieren seien, da selbständige kleine Unternehmungen zu hohe Errichlungs- und Verwaltungs- kosten verursachen mürben. Es sollten besoirdere Genossenschaften gebildet werben, welche die Anlagekosteu" übernehmen unb sich mit möglichst riefen Gemeinden unb Kreisen in Verbinbung setzen um bie Unkosten herabzumindern. Vor übereilten Gründungen, bi** hohe Zuschußkosten erforderten, sei zu warnen. Im allgemeinen fei aber ber Frage das größte Interesse zuzuwenben, ba in ber Benutzung ber elektrischen Kraft seitens ber Landwirtschaft angesichts des ländlichen Arbeitermangels unb der anderen damit in Verbindung stehenden Uebelstände die Zukunft ber deutschen Landwirtschaft liege. In der Debatte machten die Vertreter der verschiedenen Landesverbände Mitteilungen über bie Prosperität ber bisher gegründeten Elektrizitätszentralen auf dem Lande. Ter Landeshauptmaim für Pommern v. Ei senhardt-Rothe ^Bublitz) konnte Mitteilen, daß bereits im nächsten Jahre der oommersche Provinziallandtag eine Summe für solche Zentralen bereit stellen werde.
Oekonomierat B i e r n a tz k i (Zkiel) sprach sodann über die „Salpeter-Kombination", ihren Zusammenbruch und ihre Neubildung, und betonte, daß die deutsche Landwirtschaft an einer solchen Kombination gar kein Interesse habe, da sie nur bie Preise verteuern würde.
Ueber die Frage der Rahmlieserung anstelle der Milch- lieferung an Molkereigenossenschaften sprach Gutsbesitzer Schweiger (Jmsterbura . Er verwies auf bie Vorzüge der Rahmlieserung gegenüber ber Milchlieferung namentlich auf bem Gebiets der Verhütung von Krankheiten unb Seuchen.
Ter Genossenschaftstag beschäftigte sich weiter mit der Notwendigkeit ber Stärkung des eigenen Kapitals ber landwirtschaftlichen Genossenschaften durch Erhöhung ber Geschäftsanteile und gesteigerte Ansammlung von Reserven, worüber Gcne- raisekrettir Quabeck (Münster L SB.) referierte.
Ter letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Berliner Butterauktionen des Verbandes von Molkerei- und anderen landw. Genossenschaften und Gesellschaften zu Rostock i. M. Der Referent Verbandsgeschäftsführer Durftet er (Rostock) wünschte, daß der Reichsverband in Würdigung der Tatsache, baß die Äuk- tionsverkaussstellen in Berlin unb Hamburg sich bewährt hätten, in geeigneter Weise bei ben einzelnen Verbänden bahin wirke, baß durch rege Beteiligung ber Butterprobuzenten beide ^Einrichtungen gestärkt unb gefördert mürben, zum Nutzen der gesamten Milchwirtschast. Zu allen Gegenständen wurden^ Resolutionen im Sinne der Referenten angenommen. Damit fymte ber Genossen- schaststag fein Ende erreicht. Als Ort für ben/ nächsten Genossen- schaststag ist Hannover in Aussicht genomrmen worden. Für Die nächsten Tage sind Ausflüge der Teilnehm.er nach Stegen und. dem südlichen Schweben geplant /
Annahme eines definitiven Flottenprogramms verlangte, das dem ungesundeit SLettbewerb im Schiffsbau ein Ende mache. Er schlug vor, bis März 1914 10 Dreadnoughts, 18 Kreuzer zweiter Klasse, 18 Kreuzer zum Schutze des Handels, 24 Aufklärungslreuzer, 4 Schwimmdocks und 52 Torpedobootszerstörer zu bauen, ferner eine Kohlenreserve zu schaffen für Auffüllung der verbrauchten Vorräte und die überseeischen Reparaturwerften in besseren Stand zu setzen. Die Kosten schätzte er auf 55 bis 60 Millionen Pfund Sterling. Als den ernstesten Punkt bezeichnete Admiral Beresford die Schutzlosigkeit der Handelsstraßen des Reiches. Hoffentlich werde es möglich sein, in dieser Beziehung ein Zusammenwirken des gesamten Reiches herbeizuführen. Bei der Formulierung seines Programms bemerkte Beresford, er werde nichts sagen, was Deutschland reizen könnte, aber er müsse Deutschland erwähnen, weil er zum Vergleiche die nächststärkste europäische Seemacht heränziehen müsse. Die deutsche Politik habe in England ernsthafte Besorgnis wachgerufen, weil man sich natürlich gefragt habe, was sie bezwecke. Fasse man die deutsche Küste und den deutschen Seehandel im Vergleich mit dem brittschen ins Auge, so erscheinen diese Besorgnisse in gewissem Grunde berechtigt. Als Deutschland sein Flottenprogramm von 1900 aufstellte, habe ein großer Teil des englischen Volkes gemeint, es würde nichts ausgeführt werden, aber es sei ausgesührt worden, was ja auch Deutschlands Sache sei und nicht Sache Englands. Beoauerlich sei, daß England sich selbst demütige, indem es Deutschland bitte, barm nicht fortzufahren, weil England sein Geld für soziale Reformen brauche.
Die kretische Frage steht immer noch auf demselben Fleck und es ist uicht ausgeschlossen, daß es darüber zu einer Neuauflage des türkisch-griechischen Krieges kommt. Wenn noch in letzter Stunde eine friedliche Verständigung erfolgt, wird nicht das dchlomatische Geschick der kretischen Schußmächte, sondern die Furcht Griechenlands vor einer neuen Niederlage die Ursack)e sein. Auch in P e r f i e n ist die Lage noch nicht geklärt und die neueren Meldungen lassen es als möglich erscheinen, daß sich Rußland des Landes bemächtigt.
Die ReichLfiNL-rzrefoem.
Die Verhandlungen zwischen der Regierung und dem schwarzen Block nähern sich ihrem Ende. In den Besprechungen, die am Freitag zwischen den Vertretern der Regierung und Mitgliedern des Zentrums, der konfervativen Partei und der Reichspartei stattsanden, sind die Einzelheiten des neuen Besitzsteuerkompromisses so ziemlich festgestellt worden. Wie vorauszusehen war, hat die Börse die Kosten des schönen Friedensschlusses zu tragen. Man glaubt in parlamentarischen Kreisen, daß am nächsten Donnerstag alles vorüber sein und der Reichstag in die Ferien gehen wird.
Nach einer parlamentarischen Korrespondenz sollen folgende Grundlagen für das Steuerkompromiß getroffen sein- Tie gesamten 500 Millionen werden bewilligt, ohne daß neue Besitzsteuern vorgesehen sind. Die Gesamtsumme der indirekten Steuern wird auf 397 Millionen bemessen. Von dem bisherigen Plan der neuen Mehrheit fällt die Mühlenumsatzsteuer und der K'ohlenausftchrzoll weg. Die Kotierungssteuer'wird vielleicht unter Verzicht auf den Namen zu ermäßigtem Satze bewilligt, so daß sie etwa die Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Summe einbringt. Ein Teil der Kotierungssteuer soll jedoch nur mit der Maßgabe bewilligt werden, daß er bloß für drei Jahre gelten darf. Zum Ersatz dieses Teiles soll die Wertzuwachssteuer auf Immobilien und Wertpapiere der Regierung vorgeschlagen werden. Der Stempel auf Feueroersicherungspolizen soll in Höhe von 20 Millionen bewilligt werden. Ursprünglich waren 35 Millionen vorgesehen. Scheckstempel, Wechselstempel und Effektensteuer bleiben bestehen. Aufrecht erhalten wird auch die Fahrkarten- und Zuckersteuer. Die Matrikularbeiträge werden um 25 Millionen, d. h. um 80 Pfg. sür den Kopf, erhöht.
Die nationalliberale Partei des ReiHstagswahlkreises Alzey-Bingen hielt am Donnerstag in Alzey eine gut besuchte Vertrauensmännerversammlung ab. Sie erklärte, daß die Haltung der nationalliberalen Reichstagsfrattion in ber Frage der Erbau fallsteuer vollständig zu billigen sei. (Bei der letzten Wahl aber unterstützten dieselben „National- liberalen" einen Anhänger des schwarzen Blocks.) '
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