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22.12.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 300

Zweites Blatt

150. Jahrgang

Mittwoch 22. Dezember 1000

Eichener Anzeiger

rlcbetm tägvch mtt Ausnahme bei Sonntogt.

General-Anzeiger für Oderhesftn

Rjfoftonibrucf on> Verlag bei 8t0 bHctjai Unroerlitäti»Buch» und GtemörudereL 91 Lang«, Dieben.

Redaktion. ErvcdlNon unb T ruderet-. Scbut» strave 7. Eroedinon unb Verlag fc®*) bL fRebaf hon: 112, XeL-ilbu'21naetger®ieBen«

DieVietzener Zami'.iendlStter- werden dem ,91n8Ctgere viermal wachen ilich beigelegt, bafl KreUblati für bea Kreli Eietzen" troetmal wöchentlich. DieLandwlrtichasrii-Hea Seit» fragen4* «Schemen monatlich zweimal.

Die haustzaltL'oeratung im Ijefi. Zinanzausschuh.

R.B. Darmstadt, 21. Dez.

In Gegenwart der Regierung, die durch die Herren Staats- minister Dr. Ewald, Finanzminister Dr. G n a u t h und Mi­nister des Innern Dr. Braun, sowie die Geheimeräte Becker, Best und Ministerialrat Süffert vertreten war, wurde heute im Finanzausschuß der Brodten Kammer zunächst über die Frage der weiteren Behandlung der Gemeinde steuervorlage ge- fpuxf)CTL Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Abg. Rein­hart, teilte den Regierungsvertrelern mit, daß der Ausschutz angesichts der aufsallenden Ergebnisse der Probeveranlagung für Gießen verlangen müsse, eine Probeveranlogung von Worms oder Offenbach zu erhalten, um insbesondere die Wirkungen der Gewerbesteuer prüfen zu können. Gcheimerat Dr. Becker wies daraus hin, daß dem Ausschuß noch eine Veranlagung von etwa hundert der gewerblichen Betriebe vorgclegt werden würde, welche voraussichtlich rinc weitere Veranlagung entbehrlich machen werde. Es ergebe sich schon aus der Vorlage, daß die kleineren und mittleren Gewerbebetriebe entlastet werden würden; wie sich das Gcoßgewerbe stelle, werde sich aus der neuen Veranlagung be­urteilen lassen. Mit Rücksicht aus diese Mitteilung äußerte Abg. Dr. Osann, daß man wohl von der Veranlagung einer weiteren Stadt werde absclien können. Der Ausschuß habe das Bestreben, dos Gesetz über die Gemcindeumlagen möglichst bald zur Ver­abschiedung zu bringen; selbstverständlich müsse man die Wir­kungen des Gesetzes übersehen können. Die Probeveranlagung einzelner Orte habe aber eine große Gefahr darin ergeben, daß die Stcuerverhältnisse der verschiedenen Pflichtigen bis ins Gin» zelste der Oefsentlichkeit preisgegeben würden und auch zum Teil schon meidgegeben worden seien. Dies könne insbesondere für Geioerbetreibende von größerem Schaden sein. Abg. Ulrich memiy er würde nichts dagegen haben, wenn die Steuervechält- nisse überhaupt öffentlich und jedermann zugänglich gemacht würden. Dem widersprach jedoch auf Grund der heutigen Gesetz­gebung Abg. Molt Han, der die Gchcimhallung der Steuer­verhältnisse verlangte.

Ueber den neuen Staatsvoranschlag für 1910 sprach zuerst im allgemdnen Abg. Molthan. Er erachtet die Erhöhung der Einkommensteuer um 30 Proz. für sehr be­denklich, namentlich im Hinblick auf die gleichfalls bevorstehende Erhöhung der Kommunalsteuer in einzelnen Gemeinden. Es müsse ein Weg gefunden werden, wie man mit einer mäßigen Steuererhöhung auskommen könne. Abg. Dr. Osann wies auf die noch lange nicht aufgehobene wirtschaftliche Krise hin, die Handel und Industrie, Gewerbe unb Arbeiterschaft auf das schwerste belaste. Die neue Steuererhöhung werde gerade auf diesen Kreisen der Bevölkerung unb weiter auf dem auch sckum notleidenden Beamtentum wieder lasten. Der jetzige Zeitpunkt der Steuererhöhung i ei ein ungeeigneter. DaS Reich belaste in der Finonz- reform Mittelstand und Arbeiterstand, und jetzt komme nun auch Hessen dazu 30 Proz. Steuererhöhung unb mit der Aus­licht, in der allernächsten Zeit zu weiteren Steuererhöhungen HX schreiten, da die Beamtenbesoldungen doch in kürzester Frist geregelt werden müßten. Die Bundesstaaten Bayern, Preußen unb Baden hätten auch eine isteuererhöhung vorgenommen, aber zugleich auch die Beamtengehälter geordnet. Das Reich wolle seine Schulden erst vom 1. April 1911 ab tilgen, warum solle das in Hessen gerade jetzt in der schwersten Zeit geschehen? Es sei kein Zwang vorhanden, gerade jetzt eine solche Schulden­tilgung vorzunehmen. Der hessische Kredit habe nicht gelitten unb sei auch nicht durch den Voranschlag schlechter getoorben, da ja unsere Schulden hauptsächlich Eisenbahn-, also werbende Schulden seien. Man müsse verlangen, daß die Regierung angebe, welche Ausgaben die Beamtenbesoldungsänderung erheischen würde.

Auch der Abg. Reinhart häll es für bedenllich, gerade jetzt eine solche Schuldentilgung vorzunehmen; wenn man jetzt die Zinsen bezahle, so sei das wenigstens zurzeit genügend.

Finanzminister Gnauth hält dagegen die Schulden- tügung in der von ihm vorgcschlagenen Höhe für unbedingt

notwendig. Es werde nur dne Schuldentilgung in dem Maße, wie es die Eisenbahnüberschüsse erlauben; der Rest solle den letzten Fonds des AusgldchsfondS entnommen, werden. Die Gleich­stellung der hessischen Beamten mit denen des Rdches und Preußens würde alljährlich über zwei Millionen Mark erfordern unb eine solche Anforderung sei doch zurzeit bedenllich; die Schuldentllgung fri aber jetzt nicht zu vermeiden. Ter Minister legte dies in längeren Ausführungen dar, worauf Abg. Dr. Osann kurz erwiderte.

Die Fortsetzung der Aussprache über den Etat soll am Diens­tag dem 11. Januar erfolgen.

Die Abgeordneten Böhr und Köhler haben zu Kapitel 75, Titel 1 des Hauptvoransästags für 1910, betreffend: bie För­derung des Weinbaues folgenden Antrag in der Zwellen Kammer eingebracht:

Zufolge einstimmigen Beschlusses des Landwirtschastskammer- Ausschusses für Rheinhessen wurde dem Vorstand der Landwirt- fcbafte-lammer ein Betrag von 9000 Mark für Förderung des Weinbaues (dnschl. Schädlingsbekämpfung) angefordert. Die Landroirtschaftskammer war, infolge weitgehender Abstriche an ihrem Budget, nicht in der Lage, diesem Ansinnen zu genügen. Da es aber fest steht, daß der Rheinhessische Weinbau in einer schweren Notlage sich befinbet, ist es unerläßlich, diesem Not­stände unter allen Umständen entgegenzuwirken. Die schlechte Finanzlage des Staates kann eine Weigerung der Regierung zur materiellen Mithilfe hierbei nicht entschuldigen. Es muß geholfen werden. Darum beantragen wir:

Tie Zwelle Kammer wolle beschließen, dem Hauptvoranschlag für 1910 unter Kapitel 75, Tll. 1: Weinbau, weiter hinzuzu- fügen: IV. Notslandskredite, als übertragbar unter den Ziffern I. H. III., 9000 Mark.

Warum muh die deutsche Kulturarbeit In China verstärkt werden?

Von Tr. Paul Rohrbach, Berlin.

China ist im Laufe der letzten Jahre in ein Zell alter so grundlegender unb entfcheibenber Reformen eingetreten, wie jenes uralte Reich sie noch nie erlebt hat. Der Beginn bieses Reform­zeitalters datiert vom Ausgange des russisch-japanischen Krieges 1904/05. Der Sieg Japans über Rußland hat die chinesische Regierung und das chinesische Volk davon überzeugt, daß es nun auch für China nicht mehr möglich ist, sich der Modernisierung zu verschließen. Im Geheimen waren schon früher Keime der Reformbewegung vorhanbett; jetzt aber sind biete itdnie mächtig in die Höhe geschossen. Was jetzt in China vor sich geht, ist dne Reform des Staates an Haupt unb Gliedern, insbesondere dne Verfassungsreform unb eine Bildungsreform, eine Reform der Verwaltung unb bes Unterrichtswesens. Bisher war in China bie Staatsschule unbekannt; iebem blieb es selbst überlassen, wie er sich bie Kenntnisse arteignen wollte, die zum Bestehen der öffentlichen Prüfungen notwendig waren. Gegenstand jener Prüfungen, die den Zutritt zur Beamtenlaufbahn öffneten, waren ausschließlich bie alten chinesilä-en Klassiker. Jetzt, sell dem russisch-japanischen Kriege, wird im ganzen Reiche ein öffent­liches Schulwesen nach europäischem Muster dngeführt. Wenn früher vollkommene Feindschaft gegen alle fremde Bildung und Kultur herrschte, ist jetzt ein starker Umschwung eingetreten. Zwar liebt der Chinese auch heute troch den Fremden durchaus nicht, im Gegenteil, er fürchtet die vermeintlichen Anschläge der Fremden auf die politische Unabhängigkell und auf bie wirtschaftliche Selb­ständigkeit Chinas, aber gerade darum ist er jetzt mit Eifer dabei, bie europäischen Wissenschaften und alle Elemente der westlichen Kultur sich anzudgnen. Sie sollen für China nach bau Muster Japans dazu bienen, die nach der Meinung der Chinesen bedrohte Selbständigkell ihres Vaterlandes gegenüber den Fremden zu behaupten. Gartz Unrecht haben bie Chinesen mit ihren Besorgnissen in der Tat nicht. Nametlllich die Eng- lättber, die Franzosen unb die Japaner sind bis vor kurzem in ihrer Politik gegenüber China bestrebt gewesen, große G)e»

biete des Reichs für ihre besonderen Interessen zu reservieren ober direkt unter ihr Protektorat zu bringen. Mögen aber auch bie Chinesen bie große allgemeine Kulturreformation, an ber sie arbeiten, nicht so sehr aus Liebe und Zuneigung zu uns Europäern ins Werk setzen, a!5 vielmehr um ihre Selbständig- kell uns gegenüber zu behaupten für die Tatsache der Aus­schließung Chinas gegenüber ber westlichen Kultur gilt das gleich, unb die Folgen ber Reform werden auf jeden Fall für China wie für Europa unermeßliche fein. Fast ein Drittel bar ge­samten Menschheit lebt innerhalb ber Grenzen des chinesischen Reichs. Dazu kommt, baß China an den wichtigsten Natur­schätzen, Kohle unb Eisen einen geradezu unermeßlichen unb noch kaum angerührten Reichtum besitzt. Dazu kommt weiter, daß es kein zweites Volk auf der Welt gibt, das so fleißig unb arbeits­gewohnt ist unb bei bem bie menschliche Arbeitskraft so billig ist wie bie Chinesen. Wenn wir uns dot ft eilen, daß bieses Land und dieses Volk in den Besitz all unseres curopäisciten Wissens kommen, daß sie unserer Technik sich bemeistern, Eisen-, bahnen, Bergwerke, Fabriken nntf) europäischem Muster anlegen, eine Großindustrie bd sich schaffen, ihr Heerwesen und ihre Flotte so, roie es Japan getan hat, nach europäischem Muster reformieren, so liegt es auf der Hand, welche Umwälzungen der allgemdnen Weltverhältnisse in Zukunft von der jetzt eben beginnenden großen chinesischen Staatsreform ausgehen werden.

Für die westlichen Kulturvölker, zu denen ja auch die Ameri­kaner und in gewissem Sinne jetzt selbst die Japaner gehören, kommt nun alles darauf an, wem es gelingen wird, bie geistige Führung Chinas bd dem Reformwerk an sich zu bringen, denn für den Anfang ist es den Chinesen bd all ihrem Reformeifer unb bd all ihrer Vorsicht gegenüber ben Bestrebungen ber Fremden doch unmöglich, aus dgener Kraft alles zu Iriften. Abgesehen von den Japanern, die schon lange das Ziel verfolgen, China von sich polllisch und kulturell abhängig zu machen, haben sich nun die beiden angelsächsischen Nationen, die Engländer unb die Amerikaner, mit der bd ihnen gewohnten raschen Energie dazu entschlossen, die neue Lage in China dadurch auszunutzen, daß sie der angelsächsischen Kultur einen entscheidenden Einfluß auf die Modernisierung des chinesischen Wesens verschaffen wollen. Die offizielle Polllik, roie das Verständnis der privaten Kreise haben in England wie in Amerika gleichermaßen die Unvergleich-- licha Wichtigkeit dieser Aufgabe ersaßt. Engländer und Ameri­kaner entfalten feit einigen Jahren eine geradezu brennende nationale wirtschaftspolitische unb kommerzielle Propaganda im Sinne des englisch-amerikanischen Kultureinflusses in China. Tazu aber tritt bei ben Angelsachsen noch als ein ganz besonders 1 wirksames Mittel der Einfluß der Viission. Die englisch-ameri­kanischen Missionsgesellschaften sind gegenwärtig bd weitem bie wichtigsten Träger ber vereinigten englisch-amerikanischen Kultur­propaganda in China. Gewaltige Mittel fließen ihnen von allen Sellen zu. Der bekannte Petroleumlönig Rockeseller z. B. und andere Magnaten des amerikanischen Wirtschaftslebens machen Mlllionenstiftungen zu Händen der Mission, um damit großartig organisierte, von angelsächsischem Geiste erfüllte Schulsysteme für die Chinesen zu errichten. Gerade in unserem Interessengebiete, im Hinterlande von Kioutschou und Tsingtau, entsteht jetzt die englisch-amerikanisch-chinesische Rockefeller-Universität mit einem Stiftungskapital von 6 Millionen Mark. Diese Anstalten sollen jedem jungen Chinesen offenftefien, ber sich ihrer zu bedienen wünscht, um die westlichen Wissenschaften zu erlernen, ohne Nöti­gung sich auch der missionarischen Beinflussung zu unterwerfen. Englisch-chinesische Hochschulen, Medizinschulen, Handelsschulen, Mllrelichulen entstehen in den wichtigsten Provinzen Chinas. Zu den reichlichen Mitteln, die von privater Selle den Missivns- gesellschaften zufließen, treten Aufwendungen staatlicher Art. So bat z. B. die amerikanische Regierung ben Chinesen die Kricgs- entfdjäbigung aus dem Boxeraufstanbe zurückgezahlt gegen bie Verpflichtung, zehn Jahre lang, jährlich achtzig chinesische Stu­denten zur Ausbildung auf amerikanische Universitäten zu schicken. Was kann also anders ertoartd werben, als daß die von jener Selle von ben Engländern und Amerikanern geldftete Arbeit bald bedeutende Erfolge aufzuweisen haben wird Erfolge,

Aiedderger Seschichttbiatter.

Dem im Januar 1U09 erfd)ienenen Heft I derFried­berger Geschichtsblätter" folgt jetzt das reim ausgestattete Heft n, das 26 Arbeiten, 17 Tafeln, 1 Abbildung und 2 Pläne enthält. Es würde zu weit führen, auf den sehr umfangreichen schönen Inhalt des Buches näher einzugeben und müssen uns deshalb mit einer kurzen Auszählung der 'Abhandlungen begnügen:

L Römische specula über einer germanischen Anlage auf dem Johannisberg bei Bad Nauheim. (Mit 17 Tafeln.) 2. Rö­mische Münzfunde in den Schwcllheimer Sauerbrunnen bei Bad Nauheim. 3. Tie rllterlichen Familien von Garben. Mit 1 Abbild.) 4. Tas mittelalterliche Friedberg. Ein Beitrag zur Ortsbeschreibung, nebst einem ausführlichen ßlane. o. Flur- und Gewann-Namen der alten Gemar- rung Friedberg. Ein Beitrag zur Ortsbeschreibung, nebst rin em ausführlichen Plane. 6. Verzeichnis der Friedberger Archivalien im Germanischen Nationalmuseum zu jcwcxv- bera. 7. Die ältesten Urlunden des Friedberger Stadtarchivs 8. König Siegmund in Friedberg. 1414 Dezember 7.-9. Ein öilb aus Friedbergs vergangenen Tagen. 9. Das Binder aagelsche Schwert im Frieoderger Museum. Eine Erinnerung -m Luther und den Reichsherold Kaspar eturm 10. El, Generationen einer Friedberger Familie. (Reug.) 11. Der niederhejsische Oberst St. Arwrs vor Friedberg. Lin Beitrag zum sogenanntenHessenlrieg". 12. Aus einem Friedberger Gefängnis-Journal. 13. Aus dem Tagebuche des Fried­berger Rektors L. E. Langsdorfs (, 1703, ^ebr 21.). 14. Lriegselend in der Wetterau. 174oIcckr. (Nach gletchzci- tigen Aufzeichnungen.) 15- Zur Geschichte der Kirchenmusik in Friedberg (Welleran). 16. Tas ^ortelweller Rugegertcht in den Jahren 1771-1826. 17. Der ^ck)watheuner Sauer- aninnen und das Friedberger Judenbad tn der Dichtung. 18. Das Zunftwesen in Ober-RoSbach. 19. Ern yriebberger Hunftbrief Dopt Jahre 1811. '^0. Erinnerungen eines alten griedbergers. 1870/71. 21. Tas Friedberger lyronleiu)nainö> Spiel und das Schicksal der Spielgewllnder.- Etn Hexen- orozeß aus der guten alten Zell. 23. Neuere ^üeratur ^ul ä-eschichte von Friedberg. Diese Inhaltsangabe mögt tut !>as verdienstvolle Werk sprechen. Herausgegeben toerpen SieFriedberger Geschichtsblätter" im Auftrage des vor- ngen Geschick) tsvereins durch Oberlehrer F. - rener. Ten Lillgliedern des Friedberger Geschia)tsveretns gehen samt- Üche Veröffenllichungen Eo|tenfrei zu.

Look; Nordpoisahrt vor dem prüsungLaurschug.

Der Ausschuß zur Untersuchung der Doku­mente Dr. Cooks stellte folgendes fest: In den uns zur Untersuchung übergebenen Pa­pieren ist kein Belveis vorhanden, daß Dr. Cook den Nordpol erreichte.

Kopenhagen, 21. Dez. Ter Bericht über die Be­weisstücke Dr. Cooks wurde, entgegen ber ursprünglichen Absicht, schon heute veröffentlicht. Er teill zunächst mit, daß der Ausschuß sich durch die Zuwahl des Gron- landforschers K-n u d R a ß m u s s e n ergänzt hat. Dem Aus­schuß finb folgende Papiere zur Untersuchung übergeben worden. Erstens ein von Dr. Cooks Sekretär Lons­dale mit der Maschine geichriebener Bericht von 61 Folio­sellen über die Nordpolreise, zweitens eine 16 Folio­sellen umfassende und ebeniads von Lonsdale her rührende Maschinenschrift, die Notizbücher Dr. Cools, die an­geblich vom 18. März bis 13. Juni 1908 auf der Steife von Sv artevaa g zum Pol und zuruck bis an einer Stelle auf dem Pcuareise westlich von Reibergsland nieder* geschrieben wurden. Tie Pariere enthielten kein Begleit- -chreiben Dr. coots, Lonsdale teilte mit, daß d.e Ur­schriften der Säotizbücher voriichtshcllber auf emem an­deren Wege nach Europa gesandt, und der Universität in wenigen Tagen ausgeliefert werden. Die vorliegende Abschrift gebe den Inhalt der Notizbücher indes voll­ständig und genau wieder. Tatsäckftich wurden die Urschriften bisher nicht übergeben; auch war es unmöglich, mit Tr. Cooi in Verbindung zu kommen, dessen Adresse selbst Lonsdale unbekannt j'cui soll. Tie Mit­glieder des Ausschusses prüften einzeln die eingereichten Papiere und überzeugten sich davon, daß sie für die Ent­scheidung der Frage, ob Tr. Cool den 'JiorDpol erreicht habe, vollständig wertlos sind. Der Ausschuß lud daraus Lonsdale vor unb richtete mehrere Fragen an ihn. Lonsdale brachte einen Brief Dr. Cwoks, auf dem der Aufgabeort und das Datum fehlten und dessen Ilm ja, lag Mar'eitle 14 Dezember 1909 abge- stempell war. Ter Briefumsm.ag enthielt serner^ein aus Newyort vom 27. Sepümber ;Ü9 gegebenes Schreiben an den früheren Univ erfüllt sprofejfor Toro, in dem Cook m ui eilt, daß nicyt nur seine Instrumente, sondern auch die meisten feiner astronomi-ichen Beobachtungen in

Jtah zurückgeblieven seien und daß es ohne diese unllng und unmöglich (unwise and impossibl^) erscheine, ein endgültiges Urteil zu fällen.

Als Ergebnis der Untersuchungen hebt der Ausschuß hervor, daß der erwähnte Reisebericht int wesent­lichen mit dem imNewyork Herald" veröffentlichten Be­richt übereinstimme und daß die Abschrift der Notiz­bücher keineswegs astronomisches Beobach­tungsmaterial, sondern nur Ergebnis) e von Beobachtungen enthalte. Ueberhaupt werden alle erläuternoen Erklärungen o ermißt, die es wahrschein­lich machen könnten, daß astronomische Beobach­tungen wirklich vorgenommen wurden. Auch die praktische Selle des Unternehmens, namentlich die Schlittenreise, ist durch Einzelhellen so unzu­reichend beleuchtet, daß sie nicht nachgeprüft wer­den kann. Daher mdnt ber Ausschuß, daß aus dem ein- gereichten Material kein Beweis hergeleitet wer­den kann, daß Dr. Cook den Nordpol erreicht habe. Tas Universllätskonsistorinm ist daraufhin zu dem Spruche gekommen, daß die der Unioersllllt eingereichten Beweisstücke keine Beobachtungen oder Erklä­rungen enthalten, diebeweisen,daß Dr. Cook auf f einer letzten Polarreise den Nordpol er­reicht habe.

Ein Jahr mit 13 Monaten. Auf dem in Santiago deChi 1 e tagenden panamerikanischen wissen­schaftlichen Kongreß hat der peruanische Astronom Hesse eine kalendarische Aendcrung beantragt, wonach das Jal-r ans 13 Monaten bestehen soll, von denen jeder, den Monh- vhasen entsprechend, vier Wochen umfassen würde. Der Erfinder dieses neuen Kalenders hat in einer Denkschrift die Vorteile des Mondjahres eingehend oargelegt, und mit besonderem Nachdruck betont, daß die Menschheit durch diese Aenderung dem Monde, dessen aetoaltigen Einfluß auf unseren Planeten die Wissenschaft durch immer neue Ent­deckungen nachweist, eine wohlverdiente Huldigung barbrin­gen wurde. Der Kongreß hat zwar die Idee des 13 DLonat- Jahres sehr sympathijch begrüßt, jedoch gleichzeitig auch erklärt, daß deren Verwirklichung sich woyl kaum durch­führen laifen werde. Tas eine ist aber jedenfalls bewiesen worden, daß sich die Astronomie durch den 13. nicht bangt machen läßt.