Ausgabe 
31.7.1909 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Samstag 31. Juli 1909

Nr. 177

Erscheint Ogllch mit Ausnahme des Sonntag«.

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Konzert

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irnb Fritz

beit, Graf Zeppelin, Gerhart Hauptmann v. Uhde.

159. Jahrgang

Wovon der liebe Herrgott nichts Ern altes Mütterchen, das ein Leser des(Suttner

versteh t. Anzeigers"

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwerßtätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Dießen.

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dem käuflich «.

Utl8en Zuspruch.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^s? 51. Redaktion:^^112. Tel.-AdruAn-ergerGießen.

Ausland.

Die Begnadigung der Deserteure von Casa­blanca. Die Deserteure von Casablanca haben nicht nur eine Strafmilderung erfahren, sondern sind vollständig begna­digt. Sie würden jedoch Abschiebungen zu gewärtigen haben, idernt sie französischen Boden betreten sollten. Die Begnadigung der deutschen Deserteure berührt außerordentlich sympathisch-

Besuch des Zaren in Frankreich. Präsident Fol- liöres ist gestern nachmittag in Begleitung der Minister des Aeußern, des Krieges und der Marine, des Unterstaatssekretärs der Ätarine, des französischen Botschafters in Petersburg und des russischen Botschafters in Paris zum Empfang des russischen Kaisers nach Cherbourg abgereist.

Der Zar hat befohlen, daß die Reservistenübungen im Mili­tärbezirk Petersburg wegen der Cholera im Jahre 1909 ausfallen.

Der amerikanische Tarifentwurf ist endgültig fertiogestellt, nachdem Präsident Taft nur geringe Aenderungen durchgesetzt hat. Die Dingleyrate bleibt für Handschuhe, indessen werden Strümpfe gegen die Dingleybill um 20 Proz. auf bil­ligere Waren erhöht. Der Stahltrust erlangt 1,5 Cents pro Tomre Zoll, Eisenerz und Häute sind frei. Die Schuh- und Lederwaren-Zölle sind ziemlich ermäßigt. Die Annahme des Tarif­entwurfs binnen 10 Tagen wird für sicher gehalten.

Wegen der verschärften Ueberwachung hat der Exsultan Abdul Hamid eine Beschwerde an die Pforte gerichtet.

' , j «Melle mit Flinten oder Sensen entgegen und bedrohen sie

tttth Wllllta iw L M F dem Tode.

W v Spanische Deserteure in Frankreich.

11 Cm Wilhelm Mi! Konntag Anians

DeOietzener ZamiNenblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das .Xrcisbtott für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Dierandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

wache während des Sttaßenaufstandes im September 1830, die ältesten Leipziger Studenten in zwei Galawagen aus der Zeit ihrer Geburt. Ten Schluß machten dann die berittenen Chargierten Leipziger Verbindungen. Alle diese Darbietungen waren schon infolge der Pracht ihrer durchweg neuen und stilechten Kostüme von höchstem Reiz, aber noch weil mehr machte sie die auch sonst in allen Einzelheiten bis ins Kleinste durchgeführte historische Treue und ein äußerst feinfühliger Formensinn ihrer Leiter so wertvoll, daß sie sich gewiß allen Zuschauern einprägten. Ab­wechselnd formen von verschiedenen vorbeischreitenden, fahrenden oder reftenden Gruppen auch alte Corpsstudenten- oder Soldaten­lieder zu Gehör. Ta zahlreiche Kinematographenwalzen spielten, werden voraussichtlich unsere Leser bald selbst einen Nachgeschmack davon erhalten, dem dann nur leider der Zauber der bunten Farbenfteudigkeit abgeht. Heute abend wird nun das allgemeine Fest ein großer Kommers in der von der Stadt Leipzig ifür 10 000 Personen auf ihrem Meßplatze erbauten Feschalle ab schließen, den die Universität allen trinkfrohen Seelen spendet, und dessen Ehren­präsidium König Friedrich August übernommen. Für morgen abend aber hat er außerdem noch 400 Ehrengäste und Leipziger Universitätsprofessoren als seine persönlichen Gäste nach der Meißener Albrechlsburg zu einem Festbankett geladen, wohin sie mit einem Sonderzuge fahren. Bei ihrer fRüdfabrt wird die Schloßhöhe über dem schönen Elbtale erleuchtet und so wird über dem ganzen wohlgelungenen Feste ein rosiger, freudiger Schein der Erinnerung liegen in saecula saeculorum.

Unter den Ehrendoktoren befinden sich neben an­deren hervorragenden Persönlichkeiten derKöniavonSachsen, die Großherzöge von Baden und Hessen, Theodor Roose-

ijtil HO!

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhchen

tflieidje Carlisten. Diese erklären, mit Dom Jaimes an der milZe nach Spanien zurückkehren zu wollen. Wie wefter ge- E.bet wird, erwarten die spanischen Revolutionäre die Ankunst t L Führers Lerroux, der sich in Buenos Ayres nach Spanien «verschifft hat. Die spanische Regierung befürchtet, daß er sich «k üe Spitze der Revolution setzen wird.

Tie Revolution.

liacfi Pariser Meldungen ist die Gärung in der Provinz Oota im Wachsen begriffen. Aehnliche Meldungen kommen auch in.' den übrigen Teilen des Landes.

lieber Lissabon geht demMorning Leader" eine Beschreibung

dessen erschien Geh. Rat Prof. Dr. Wundt auf dem Podium, der in der Festrede an der Hand der wechsckvollen Geschicke der Universität Leipzig in den 1000 Semestern, die sie heute erfüllt sieht, zugleich in seiner großzügigen Art die Entwicklung der Wissenschaften in diesen halben tausend Jahren darlegte, mit den Worten schließend: Wenn wir heute zurück und in die Zu­kunft vorausblicken, empfinden wir nichts anders als: Wir stehen mit unserer Wissenschaft jetzt erst an ihrem Anfang. Das pardoxe Wort: antiauitas saeculi ftiventus mundi geht hier in Erfüllung. Zu dem alten Bildungsideal: den größtmöglichen Bildungsgrad zu erreichen, gesellt sich ein Neues: Die Ausbreitung der Bildung auf weiteste Kreise, soweit Menschen wohnen. Nach dieser Rede erscholl minutenlanger Beifall, und dann erschienen nach einander die vier Dekane der Leipziger Fakultäten, die jede einzelne Auszeichnung mit gehaltvollem Wort begründend, die stattliche Reihe ihrer Ehrenpromotionen vortrugen. Pünktlich um 12 Uhr folgte dann auf diese intimfte Feier die öffentlichste: Ter große Festzug, zu dem sich die Zuschauer schon vom frühen Morgen an überall auf der neun Kilometer langen Feststraße ausgestellt hatten, während die Ehrengäste und die Fürstlichkeiten besondere stattliche Tribünen am Augustusylatze einnahmen. Er­freulicherweise war das Wetter dieser prächtigen Veranstaltung günstig, der Himmel leicht bedeckt, so daß soweit bis jetzt bekannt, keine einzige Störung des Festes vorkam. An dem Festzuge nahmen 2000 Personen, darunter 1500 Studenten und Studen- tinnen teil. Zunächst kamen die Abordnungen frember Hoch­schulen, darunter namentlich eine höchst anziehende japanische Gruppe im Originalkostüm. Ten zweiten Teil bildete dann der große historische Festzug, der in 14 Gruppen die Hauptmomente der stolzen Geschichte der Universität Leipzig vorführte: Einzug der Prager Sttidenten in Leipzig 1409, Gründung der Universität durch Markgraf Friedrich den Streitbaren, Einzug der Witten­berger zur Leipziger Disoutatton am 24. Juni 1519, Kurfürst Moritz um 15-50, Till gibt Leipziger Professoren das Geleit 1651, Studententracht zurzeit der Gründung der ersten Leipftger Kor­poration -Lausitzer Predigergefellschast) 1710, Leibmz 166161, Lessing 174648, Goethe 176566 als Leipziger Studenten, Faustszene aus Auerback)s Keller, Befteiungskriege 1813, Körner und die Lützowschen Retter, Leipziger Burschenschaften, Landsmann- schaftLN und Korps in ihren Trachten um 1810-^30, Studenten-

Die Svv-Zahrfeier der Leipziger Universität.

Von Dr. Johannes Kleinpaul.

Leipzig, 30. Juli.

-£er heutige Festaktus in der Wandelhalle war die feierlichste Äe Jubiläumsveranstaltungen,-denn er war der einzige im i^nen Heim der Universität. Schlag 9 Uhr früh ohne das mische Viertel'. meldete Famarenmusik auf der obersten Ivlüistrade, unfern Blick zu der in lichter Höhe befindlichen Eoimiburg Wettin des sächsisckren Königsgeschlechts emporlenkend, l«3 m dem Augenblicke der Rettor magnisicenttfsimus mit dem ffriwWl Tr. August Wilhelm von Preußen, dem Sohne und 23er- Utter des Kaisers, den Saal l nt. Die Versammlung, ebenso tn bunten Roben, mindesten:- aber mit dem Frack, goldenen 1 Rtifetten und vielfarbig blinkenden Ordenssternen geschmückt, : * reftern, und cingerabmt von den Chargierten der Studenten IHilft im vollen Wichs und mit all ihren Fahnen, füllte bereits i"inDielen Reihen rings um das von einem Baldachin übcrroöUite 'ÄAnerpult den festlichen Raum aus, mit seinen kostbaren Bild- lrorf-n und ragenden marmornen Säulen. Auf den innersten |w$jen saßen die zum Feste erschienenen Fürstlichkeiten: die gc- i'ittr: sächsische Königsfamilie, die Großherzöge von Baden und

Hessen, der Kronprinz von Rumönren, Hrnzog Georg -S fmbcT von Mecklenburg, Herzog Karl Michael zu Mecklenburg, OLbprinz Bernhard von Sachsen-^Meiningen, Prinz Otto von 1 S«rmburg-Lippe, Fürst Heinrich von Hanau, Prinz Hohenlohe, Fürstenberg, Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg und 086b:m3 Heinrich XXVII. von Reust j. L. Nachdem dann der B »filmte Thomanerchor einen mittelalterlichen Morgengmtz ge- iltBsm, bewillkommnete zunächst der König den Vertreter des iSeiet5 und dann ließ er von seinem herrlichen Marmorstandbild Öüi hülle fallen, wie Rektor Binding nachher in seinem SStni aus führte, damit durch seine künftige Allgegenwart im llhü>?rfität§gebäube ein neues festes Bano zwischen dem Rektor nragTificentiifimuS und der Alma mater knüpfend. Und noch 6sh cnderes Band wurde zwisclzen dieser und dem Königshause virglttcher Stunde geschlungen, indem der Rektor den Kronprinzen OSon und den Prinzen Friedrich Christian als jüngste Söhne Ufr Inioerfität verpflichtete und unter brausendem Jubel aller i Missenden begrüßte. 2luch der Thomanerckwr gab dieser Freude l®d) mit einem Salvum fac regem Domino Ausdruck. Unter»

dieser Tage beim Heumachen traf, gab diesem gegenüber ihrer Sorge wegen des ewigen Regens einen köstlich naiven Ausdruck, indem sie ihre bewegliche Klage über die anhaltend schlechte Witterung mit den Worten schloß:Uns Herrgott mag datt woll ganz good meenen mit den Regen, awers 'n Landmann is he nich."

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird anfang nächster Woche wa seiner 5tod>- laichsreise in Wilhelmshöhe eintreffen.

Eine wichtige Entscheidung. Die Oberberufungs­kommission für Steuersachen in Müncksen hat eilte für Anffichtsrüte von Aktiengesellschaften wichtige Entscheidung getroffen. Die Frage war, ob die Aufsichtsräte der Aktiengesellschaften zur bayerischen Einkommensteuer nach demjenigen Tanttemenertrag zu veranlagen sind, welcher für Tantiemenaufwand in den Bi­lanzen der Gesellschaften auf geführt ist ober nur in demjenigen Bettage, der ihnen abzüglich der 3 Prozent Reichsabgabe zu-« fließt. Die Oberberuftmgskonrmission hat nun. wie die Frks. Ztg. erfährt, tmtaegen den Vor in stanzen entschieden, daß nur der nach Abzug Der Reichsabgabe zur Verwendung gelangende Betrag $u versteuern sei.

Koloniales. Auf der Eisenbahn Swakopmund-Windhuk ist ein wvchentlccher Eilzugsverkehr eingerichtet worden. Einem Telegramm des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch-Südwest- Afttka zufolge sind nach mehreren von Prospektoren gleichzeitig gemachten, vom Distttttamt Warmbad und vom Bezirksamt Lüderitzbucht als zuverlässig erklärten Meldungen nahe dem Gou- chassib-Revier östlich vom Fischfluß Aiais im Bergwerksgebiete der South African Tertttories reichliche Diamanten gefunden worden. Uebcr 1200 Felder sind schon belegt. Der Vertreter der South African Tertttories hat dem Distriktsamt Warmbad gute halbkarütige Steine vorgezeigt.

Aus Württemberg. In der Finanzkonimission der württembergischen Zweiten Kammer machte heute Finanzutinister v. Geßlcr die Mitteilung, daß infolge der bisherigen Beschlüsse zum Etat der zu deckende Defizittest auf 2 620 469 Mark au» sammengeschmolzen fei und daß eine durch alle Rubriken bur» geführte Steuererhöhung um 5 Prozent 2 750 500 Mark ergeben wird, so daß noch ein Üeberschuß von 157 000 Mark bliebe. Ur­sprünglich war im Etat eine 12 prozenttge Steuererhöhung vor­gesehen. Die Kommission beschloß mit 12 gegen 3 Stimmen der Sozialdemokraten diese 5 prozenttge Steuererhöhung bei der Ein­kommensteuer, sowie bei der Grund-, Gebäude-, Gewerbe- mtb Kapitalsteuer.

Parteistellung nach gehören der Kammer an: 20 National­liberale, darunter 2 Hospitanten (Dr. Glässing und Noack), 11 Bauernbundler, darunter die Hospitanten Leun und Wolf, 8 Zentrumsmitglieder, darunter als Hospitant Rechtsantvalt Dr. Zuckmeyer, 5 Sozialdemokraten, 3 Freisinnige und drei Wilde, Köhler, Bähr und Jontz.

Aus der vorstehenden Uebersicht erhellt zunächst, daß schon durch die Einteilung in städtische und ländliche Wähl- kreise die ländlichen Kammermitglieder von vornherein ein sehr erhebliches Uebergewicht haben. Auffallend gering ist die Zahl der Vertreter von Handel, Industrie und Gewerbe, auch kann von einer Vertretung der Arbeiterinteressen durch wirkliche Arbeiter nicht die Rede sein, da von den 5 Sozial­demokraten nur noch einer in seinem Beruf tätig ist.

Ob die Einführung des direkten Landtagswahlrechts bezüglich der Auswahl der beruflichen Vertreter in der Zweiten Kammer eine Aenderung resp. gerechtere Verteilung bringen wird ?

Spanien in Nöten.

Die Kämpfe mit den Kayile».

Die Lage der spanischen Truppen in Afrika verschlimmert f. andauernd. Die Riffkabylen erhalten von den ihnen be­endeten Stämmen fortwährend Zuzug, und man glaubt, daß binnen kurzem 50000 Mann stark sein werden. Es ver- i cket daß der spanisck-e Ministerrat beschlossen hat, in aller I* Truppenverstärkungen nach Melilla zu entfentxm, um das h rUingcnt auf 25 000 bis 30 000 Mann zu erhöhen.

DieAgence Havas" meldet aus Malaga: Nach Pttvcft- whttckften vom 28. Juli aus Melilla, die amtlich nicht bestätigt gBrij, werden t)*e spanischen Verluste auf 20 Offiziere tot ,, - verwundet, 200 Mann tot und 800 verwundet angegeben.

ist jedoch nicht bekannt, ob diese Angaben eine Bericlftigung Jir bereits gemeldtten Verluste im Kampfe am 27. Juli be- hxen oder ob es sich dabci noch um einen neuen Kampf handelt.

Nach Angaben der Eingeborenen soll die Harka im Kampfe tte 27. Juli 100 Tote und mehrere 100 Verwundete gehabt hl«en. Eine Anzahl Kabplen soll wieder inihre Dinars zurück- C mgen fern. Der Platzkommandant von Alhucemas teilt mit, hfl die Artillerie das Feuer gegen die Küste wieder eröffnete, b Üc Führer des Axdir-Stamutes sich wegen des gestrigen 9(n= ttjses nidjit entschuldigten.

Nach ehret Meldung des ,^Jmparcial" aus Melilla beteiligt jetzt auch der KreuzerNumancia" an dem Kampfe und hätt h' Höhen vom Gurugu, wv starke Abteilungen des Feindes sicht- hr sind, unter Feuer.

Offizieller Angabe zufolge fielen, wie dieFrkf. Ztg." er- ? \ in, mit 150 Ni scheuten, die in den seitherigen Kämpfen um Melilla gefangen wurden, so viel Waffen und Munition in'die de der Spanier, daß man sich unschwer über den Ursprung Ijt: Corrttebande ein Urteil bilden kann. ZweifeUos sei diese : ttebande schon längere Zeit vor Ausbncch der Ktonpfe betrieben : '*xn, um die Kabhlen mit Waffen und Munition au^urüften. Dlctt sagt Uie offizielle Angabe nicht.

Unbotmäfiigfeiten im Heere.

Angesichts der ernsten Lage finb die Reserviften der -rgängc 1903 bis 1908 einberufen lvorden, aber der Ein- iiürung leisten viele nicht Folge. Bezeichnend ist folgender am Bahnhöfe von Madrid. Das Publikum widerseM <.? der Einwaggonierung der Truppen, welche nach dem Riff- »licet abgehen sollten. Die Menge hindette die Soldaten, die j' ijen zu besteigen. Ein großer Teil der Soldaten schloß sich Äi Manifestanten an, zog vor das königliche Schloß und mani- Irrt rctc mit den Rufen:Nieder mit dem Krieg, nieder Mpi idem Präsidenten Maura, eslededie Armee." Zn Barzelona sollen neun baten wegen Meuterei kriegs- . ' r i üid) ersckzossen worden sein. Fromme Damen beschenkten die toten, die sich einschifsen wollten, mit geweihten Denkmünzen ? heiligen Jungftau. Die Soldaten warfen diese fNünzen > »h ins Meer und weigerten sich, an Bord der Schifft zu ii. Fabrikleiter, die sich der Arbeitseinstellung widersetzen '! Iten, wurden von den Arbeitern ermordet. Die Elektrizität 'cibgeschnitten, Straßenbahnen verkehren nicht. Die Zusammeic- zwischen Truppeic und Volk hören nicht auf. Viele Sol-

iv i i : weigern sich, auf das Volk zu schießen. Aus allen kleineren

WTI^^tcn der Bahnstrecke BarzelonaGervna werden Kämpfe . Das Refter-Rvginrent Mvntjuich weigerte sich, als das» Kom- >rps des Hchmen-ätegLL r itbo Feuer gegeben wurde, auf das Volk zu schießen. Der ftüien (1. btii. Nc. 13) ( iiral Kapftän von Katalonien hat die Bürger von Barzelona

a s.rn Dttn firä" c-'tTfforbert, 24 Stunden lang ihre Wohnungen nickst zu verlassen, iMchtts Hrn- Ottop^ b. $>Cr mit ben Rebellen furchtbar abrechnen werde. Kuta- qm Eintritt 591 Linien ist unverkennbar in vollem Aufruhr. Die Frauen sind E Hauptkämpferinnen. Sie greifen die Polizei wie rtn an. Wenn in den Dörfern die Gendarmen mit Ein- ftngsschreiben kommen, tteten ihnen die Frauen an der

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der Barrikadenkämpfe in Barzelona zu. Die Regierung hat überall in den Hauptstraßen gegen die Revolutionäre Arttllette auffahren lassen, die ein entsetzliches Blutbad anrichtete. Trotzdem ver- teiingtm die Aufrührer hartnäckig ihre Barrikaden und haben die Sttaßen mit den Leichen der Soldaten besät. Die Barri­kadenkämpfe in Barzelona dauern nach den offiziellen Berichten noch fort.

In Cerbore traf gestern ein Effenbahnzug aus Gerona ein. Die Reisenden, die sich in diesem Zuge befanden, waren von Barze­lona auf dem Seewege nach San Felics, von dort zu Fuß nach Gerona und von Gerona per Eisenbahn nach derbere gekommen. Sie erzählen, daß dieRevolutioninBarzelonain vollem Umfange roütet. Tas Volksbaus ist von der Arttllette dem Erd­boden gleichgeoracht worden. Alle Kköster sind einge­äschert, mit Ausnahme des von Cäkle Caspo, das von den Jesuiten und der Bürgergarde vetteidigt wurde. Tie Fotts von Montftttch haben die Sttaßerr und Alleen bombardiett. 10000 Revolutionäre stehen gegen die Truppen in Waffen. Ein revo­lutionäres Komitee leitet den Ausstand planmäßig. Die Brücke von Caldas de Maravella ist mit Dynamit in die Luft gesprongt worden, nach Fassa de la Selva, San Felice und Palamas fiito die Sttaßen gesperrt. Bewaffnete Burger der Provinz Catalvnien verhindern den Verkehr und leisten der Zivilgarde Widerstand.

Bildung eines MilitarkabineltS.

Nach Meldungen cncs Madrid will König Alfons gegen den Willen des Ministerpräsidenten Maura die CotteS einberufen. In diesem Falle wird Maura demissionieren.

Nachdem der Körrig gestern eine lange Unterrebifrtg mit Ge­neral Wepler und anderen hervorragenden Generalen gehabt hat, gilt die Bildung eines Militärkabinetts als sicher.

Berufe und parteiverhältnisse der Hess. Abgeordneten.

Im Hinblick auf die vielen schwierigen Aufgaben, mit deren Lösung sich die Volksvertretung in der bevorstehenden Herbst- und Wintertagung z>u beschäfttgen haben wird, dürfte es nicht uninteressant sein, einen Blick auf die gegenwärtige Zusammensetzung der Zweiten Kammer zu werfen und die berufliche Tätigkeit, wie die politisck)e Parteizugehörigkeit ihrer Mitglieder einmal näher zu betrachten. Tie Kammer besteht aus 50 Mitgliedetm, 10 städtischen und 40 ländlichen Abgeordneten, und soll bei Einführung des direkten Wahl­rechts auf 15 städtische und 43 ländliche Abgeordnete erhöht werden. Da der Gesetzgebungsausschuß der Kammer mit Zustimmung der Regierung die Einführung der Pro- porzionalwahl in den fünf größten Städten des Landes beschloffen hat, so dürfte, um das hier gleich vorweg zu betonen, die Vermehrung der Mitgliederzahl der Kammer hauptsächlich der Sottaldemokratie zugute kommen.

Es ist angesichts ocr Vielseitigkeit einer Anzahl Kammer­mitglieder nicht leicht, die Berufsverhältnisse klar zu unter­scheiden, doch wollen wir an der Hand des amtlichen Ver­zeichnisses und biographischer Mitteilungen darüber das Folgende sestshellen: Der Kammer gehören 9 R e ch t s a n wälte an, von denen die Städte 5, also gerade die Hälfte der städttschen Mandate, in die Kammer gewählt haben. Tie Provinzen Starkenburg und Rheinhessen haben je zwei, die Provinz Oberhessen, d. h. das Land, keinen juristtschen Ver­treter entsandt; die beiden oberhessischen Juristen (Dr. Gut- fleisch und Reh) wurden in Gießen und Alsfeld gewählt. Ter Partei nach gehören 3 Rechtsanwälte der nationalliberalen, 3 dem Zentrum, 2 der freisinnigen und 1 der sozialdemo­kratischen Partei an; 4 sind evangelisch, 4 katholisch und 1 israelitisch. An Landwirten von Beruf besitzt die Kammer 23 Mitglieder, doch steigt die Zähl der Vertreter der ländlichen Interessen noch, weientlich durch die in Land­wahlkreisen gewählten Abgeordneten aus anderen Berufen. Der nattonalliberalen Partei gehören 11 Landwirte an, dem Bauernbund 9, dem Zentrum 1, dazu die beidenWilden" Köhler und Bähr. Weiter weift die Kammer 7 Beamte auf, die Abgg. Haas und Noack, Dr. Glässing, Frenay, Heidenreich, Weber, Liebel, dazu 8 Land bürgermeister, von denen jedoch die meisten schon als Landwirte gezählt sind, dann 7 Kaufleute, darunter 3 Weinhändler (Lang, Nlolthan und Horn), zwei Landbürgermeister (Leun und Sröpler), den früheren Bürgermeister Joutz und den jetzigen Buchhändler, früheren Schuhmachermeister Berthold. Werter sind in der Kammer noch 2 Fabrikbesitzer und 3 Buch- druckereibesitzer, sowie 1 Werkmeister vertreten; der Konfession nach gehören 31 Abgeordnete der evangelischen Kirche an und 12 der katholischen; einer ist Israelit und 6 bezeichnen sich als freireligiös resp. konfessionslos. Der

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Avguft 1909

Gestern morgen haben mehrere hundert Deserteure die ftanzö- H l're Grenze überschritten. Sie irren in ben Straßen umher rb ermatten Geldunterstützungen, um teils nach Amerika aus- «risner Zalon-Lkchesttt. tj.otbem, teils in Frankrttch Arbttt zu suchen. Bis jetzt sind | t Hendayo zirka 30000 Deserteure eingettoffen, darunter