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27.3.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 78

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Samstag 37. März 1909

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».

Tie ..Stehencr Zamillenblatter" werden dem »Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

Eeneml-Anzciger für Oberhejjen

Rotationsdruck und Verlag der Vrühllchea UnwersitätS - Buch» und Sleindruckerei. R. Lange. Dießen.

Redaktton, Expeditton und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: e-E H2. Tcl.-Adr.iAnzeiqerGieben.

politische Wochenschau.

_ .. Gießen, 27. März.

Ter bisherige R c i ch s t a g s b l 0 ck ist ernstlich ins ^üank^en geraten, ja nach der gestrigen Abstimmung rn der Frnanzkommission zu urteilen, hat der bisherige 23(oci oufgehort zu existieren. Zwischen den konservativen und den übrigen Blockparteien Hal sich eine Kluft aufgetan, die nicht leicht Kn überbrücken sein wird. Die Gegensätze sind keines­wegs plötzlich zutage getreten und sic sind nicht erst von gestern und vorgestern. Schon in der Geschäftsordnungs- kommissioi^ zeigten die Konservativen eine sehr bedenkliche Haltung. Ihre Taktik ging dort allem Anscheine nach darauf hinaus, die durch die trüben Ereignisse des Herbstes not­wendig gewordene Aendcrung der Geschäftsordnung des Reichstags zu hintertreiben. Wenn man an die erregten Erörterungen der Novembertage denkt, an die Debatten des Reichstags über eine bessere Ministerverantwortung, an die feierlichen Erklärungen Bülows, daß die Regierung die Vorschläge des Reichstags entgegennehm.cn wolle, und trenn man nun die klägliche Art und Weise sehen mußte, wie diese Frage in der Reichstagskonnnission behandelt wurde, dann mußten einem allerdings Zweifel an der Arbeitsfähig­keit des Blocks aufsteigen. Was hat die Geschäftsordnungs- lommission, die sich mit dieser Materie zu befassen hatte, bisher in drei langen Monaten geleistet? Nichts, gar nichts. Man hat Beschlüsse über Beschlüsse gefaßt und wieder auf­gehoben, und so ist die ganze Arbeit per .Kommission umsonst gewesen. Die Konservativen wollten in dieser Frage eben nicht mitmachen. Wenn nun auch die Verhandlungen über die Reichssiuanzreform nicht recht vom Fleck kommen, so liegt die Schuld wiederum bei den Konservativen und ihren heimlichen Freunden vom Zentrum. An die Stelle hoher idealer und patriotischer Ziele.ist auf dem rechten Blockflügel allmählich Der armselige Egoismus der Geldsackpolitik ge­treten. Die Nachlaßsteucr, ohne die die Reichsfinanzreform nun einmal nicht durchführbar ist, wird von den Konser­vativen abgelehnt, weil man sich zu einem Patriotismus nicht aufzuschwingen vermag, der auch den Großgrundbesitz etwas kosten soll. Daß der Mittelstand 400 Millionen neuer Steuern durch Verteuerung von Lebens- und Genußmittel aufbringt, findet man ganz in der Ordnung; und wenn es nach den konservativen Großgrundbesitzern ginge, dann betäme die große Masse noch einige andere Steuern dazu. Gegen die Zumutung aber, mit 100 Millionen direkter Steuern aus dem Nachlasse von über 20000 Mark etwas zur Besserung der zerrütteren Reichsfinanzen beizutragen, eifert man in einer Weise, die einen direkt onekeln muß. Doch nicht genug damit. Auch die geplante Herabsetzung der bisherigen sogenannten Liebesgaben bei der Branntweinbesteuerung stößt auf Widerstand bei den Konservativen. Die Liebesgabe, die bekanntlich darin be­steht, daß die Konsumenten für ein gewisses Kontingent Alkohol den höheren Preis zahlen als der tatsächlich entrich­teten Steuer entspricht, kostet uns heute rund 45 Millionen. Nach der Vorlage soll die Kontingentspannung, die heute 20 Mk. beträgt, zunächst auf 15 Mk. und vom 15. Oktober 1914 ab auf 10 Mt. herabgesetzt werden. Die Konservativen ver- langen nun aber, daß die bisherige Liebesgabe in voller Höhe aufrecht erhalten werden soll, und das Zentrum unterstützt diese Forderung. Za, es verlautet sogar, daß Konservative und Zentrum sich geeinigt hätten, die bisherigen Liebesgaben noch zu erhöhen. Der Streit um diese Liebesgabe hat nun die Blockkrisis akut werden lassen, und. wenn die Konserva­tiven nicht noch in letzter Stunde einlenken, wird der Block in Trümmer gegangen sein; damit wäre denn wohl auch das ganze Reichsfinanzprogramm gescheitert und Fürst Bülow müßte zur Freude des Zentrums und der Konserva­tiven gehen. Dann werden Konservative und Zentrum als Retter" auftreten und die Herrschaft per schwärzesten Reak­tion könnte beginnen. Wahrlich, fein ausgesonnen.

Block ist tot, Block ist tot, Bülow liegt im Sterben; (bildlich gesprochen!) Das ist gut, das ist gut, Da könn'n wir was erben."

Eichener Uunstverein.

Die augenblickliche Gemälde-Ausstellung int Turmhaus am Brand, die in dieser Zusammenstellung nur wenige Tage hiev zu­sammenbleiben kamt, hat eine Anzahl von Bildern aufzuweisen, wie man sie selbst in vedeutend größeren Städten nur selten in dieser Auswahl zu Gesicht bekomm:. Allerdings steht auch hier neben den bedeutenden Werken wirkliä)er Kunst auch manches weniger wertvolle Bild, das eigentlich nur das Zntevesse des Malers und seiner Verwandten verdient. Das ist aber kein Schaden, denn es ist nicht nur eine immer wiederkehrende Er scheinung bei jeder Kunstausstellung, sondern gibt auch die Mvg lichkeit über Wesen und Wert der einzelnen Bilder schärfer und klarer tu urteilen, Unterschied und GestaltungSsähigkeit am gleichen Ort nachzuforschen und festzustellen. Vieles davon wird dauernder Besitz und haftet unauslöschbar vieles auch wieder ver'chwimmt schon nach Stunden und ist bald vergessen. Die diesmalige Aus­stellung aber führt uns auf Höhen deutscher Kumt. Ten breitesten Raum nimmt der wuchtige ostpreußische Akademteprofestor Ludwig Dettmann ein, dessen Gemälde eine virtuose großzügige Technik mit einer außerordentlich seinen Naturbeobachtung vereinen. Bor allem aber ist es die Behandlung von Luft und Licht, die immer aufs neue verblüfft und erst allmählich ganz gefangen nimmt. Da sind zuerst seine friesischen Mädchen, die mich stark an O. H. Engels gleichnamiges Bild erinnern, besonders in der Gestalt des zweiten Mädchens, das kräftig ausschreitend, feine Lebensfreude in die Welt hinausträgt. Eine wohlige, feelen- volle Stimmung liegt in der anmutigen Früylingsnacht mit dem aneinandergeschmiegten, Menschenpaar und der weiten, dämmerigen Ferne, die in Duft und Ruch zu atmen ichcint. Eine fröhliche Tonart schlägt das Picknick an und hier nt es besonders der behaglich kauernde Mann, der die ganze Stimmung des in goldigem Lichte strahlenden Bildes- in sich verdichtet, wiedergibt. Außerordentlich packend in der Farbgebung ist das herzige Bild Christnacht. In blendendem Lichte utzen zwei Engelchen in der Krippe und letradjten mit verwunderten Augen das zappelnde Kuäbleiu, das int Dunkel der Stallecke von der Mutter gewartet wird. Bon ciusachec Größe sind dre Bilder Im Walde, Im Park, Stein klopf er, Backstabe, Das Gespräch und Marienkirche in Lübeck.

Einen starken Eindruck macht das ohne jede Pose gemalte, schlichte Bild des Berliner A d 0 l f Ö e r i n g DerlctzteZung, eine Mutter vor der Bahre des verunglüctteu Sohnes.

Einfach in der Komposition und in der Tönung ist das große Bild Christus von Fritz von Uhde, das mich bei längerer Betrachtung ungemein gefesselt hat und alle die Vorzüge des großen Scaler d unaufdringlich zirv Geltung bringt

So singt man jetzt hoffnungsfroh im Lager der zn- künftigen lonservativ-klerikalen Blockbrüder. Vielleicht kommt es aber doch noch anders. Beachtung verdient cs, daß die Reichspartei bei der gestrigen Abstimmung über die Liebesgaben in der Finanzlommission von den Konser­vativen abrückte. Tas hat allerdings nicht verhindern können, daß die Kommission mit geringer Mehrheit dic Aufrechterhaltung der bisherigen Liebesgabe >n*n Be­schluß erhoben hat.

Zn S e r b i c u hat sich mittlerweile etwas Weltbewegen­des ereignet. Ter Kronprinz Georg, der Schrecken der Mütter und Töchter Belgrads und nicht minder der Ehemänner, der Schrecken seiner Umgebung, die Seele der Kricgspartei, hat den plötzlichen Entschluß gefaßt, allen Rechten seiner hohen Stellung zu entsagen. Er will fortan als einfacher Serbe seinem Baterlande und dem Könige dienen. Jst's möglich? Sollte man sich bisher wirklich ein so falsches Bild von diesem jungen Manne gemacht haben, der seine Diener zu Tode prügelt und Wachtposten wie Spatzen niederknallt. Es wird schwer, zu glauben, daß dieser Entschluß mehr ist als Theatralik und Popularitätshascherei. Für die Sache des Friedens wäre cs allerdings etn Glück, wenn Kronprinz Georg von Serbien bei seinem Entschlüsse verharren wollte, trotz der 800 Offiziere, die ihn gebeten haben, den Verzicht auf den Thron zurückzunehmen. Aber es heißt auch schon, daß es dem Könige gelungen sei, den Kronprinzen zur Zurücknahme seines Verzichtes zu bewegen. Zu anderen Zeiten könnte man die Streiche dieses Operetten­prinzen mit Behagen registrieren, aber gegenwärtig ist die allgemeine Lage doch zu ernst, um nichc auch diesem Vor­gänge eine ernstere Seile abzugewinnen. Rußland scheint ja nun auch endlich ernstlich für dic Erhaltung des Friedens wirken zu wollen, wenn es sich bestätigen sollte, daß der russische Minister Iswolsky der Annexion Bosniens be­dingungslos zustimmt. Recht merkwürdig nimmt sich aller­dings die sehr gereizte Stimmung der französischen Presse gegen Oesterreich und Deutschland aus. Auch auf Englands Zricdensliebc scheint kein gar zu großer Verlaß zu sein. Die Stimmung ist dort infolge der Flotrendcbatte äußerst gereizt. Trotzdem kann man nach, den letzten Vorgängen hoffen, daß der Friede erhallen bleiben wird, da Frankreich und C 'gland nach der Anerkennung der Annexion durch Rußlan^ schwer­lich daran denken werden, Oesterreich-Ungarn und Serbien in den Krieg hinein zu Hetzen. In Serbien scheint die Stimmung jetzt auch schon weit friedlicher zu sein als bisher. E. A.

Die serbische Krage.

Die gestrige Meldung, daß Rupiano die Annexion Bos­niens und der Herzegowina als vollendete Tatsache an­erkenne, scheint sich bestätigen zu wollen. Die Petersburger Telegraphen-Agentur erführe nämlich von tornpeten.er Stelle folgendes: Zm Zusammenhänge mit den in Wien vor sich gehenden Unterhandlungen über die Formel einer serb. Erklärung war der Gedanke aufgetaucht, das Wiener Ka­binett könnte an dic Mächte eine Note richten, in der es, auf die Mitteilung des österreichisck-ungarisch-türlischen Pro­tokolls hinweisend, um die formelle Zustimmung der 'Mächte zur Aufhebung des Art. 25 des Berliner Vertrages er- mchen würde, und diese Zustimmung tonnten die Mächte in Form von Antwortnoten ausdrücken. Ihn einerseits alles zu tun, was von ihm abhängt, um die äußerste Spannung der Lage, dic zu einem bewaffneten Konflikt Oesterreich- Ungarns mit Serbien und Montenegro zu führen droht, abzuschwächen, und den Mächten ein Uebereinkomrnen mit dem Wiener Kabinett über die Formel dec serbischen Erklä­rung zu erleichtern, erklärte das Petersburger Kabinett, es sei seinerseits mit obigem Verfahren einverstanden.

Zn Belgrad hat Die Nachricht von der veränderten Haltung Rußlands die letzten Hoffnungen, die schon durch Die Abdankung des Kronprinzen stark erschüttert waren, zu uichte gemacht. Selbst die Überzeugtesten Optimisten, die des Erfolges der serbischen Sache sicher waren, sind vollkommen niedergeschlagen. Allgemein herrscht die

Ansicht vor, daß dic Großmächte das serbische Volk endgültig auf Gnade und Ungnade Oesterreich-Ungarns ausgeliefert haoen. Man ist endlich zu der Erkenntnis gelangt, daß die Macht der Staatskanzleren urirerglcichlich größer ist, als die Macht des slawensreundlichen Teils der europäischen Presse. Förmlich über Nacht ist dic Ernüchterung cin- getreten. Das seit sechs Monaten angefachtc Kriegs- fieber ist plötzlich geschwunden. Belgrad zeigte gestern das Bild einer sehr ruhigen und friedlichen Stadt. Auch in den Abger.dnetenlreisen herrscht eine vollkommen friedliche Stimmung. Unter dem Eindrücke dieses großen VLeinungsumschw.lngcs bespricht die serbische Presse die Ab­dankung deS Kronprinzen, den sie noch vor wenigen Tagen als die Hoffnung des serbischen Voltes pries, fair einmütig in kühler Weise und gibt der Ansicht Ausdruck, daß dieser Schritt des Kronprinzen ein Glück für das Land sei. Nur Politika" undMali Zournal" bemühen sich, Den Kron­prinzen in Schutz zu nehmen.

Die serbische Regierung gibt inzwischen eine authen­tische Darstellung Der Todesursache Des tronprinzlichen Dieners Kolakowitsch. Durch Die Obduktion Der Leiche sei festgestellt worden, daß Kolakowitsch infolge akuter eitriger diffuser Entzündung des Bauchfells, die als unmittelbare Folge einer Perforation des DünnDarms eintrat, gestorben sei. Kurz vor seinem Tode hat zwlakowitsch folgende Er­klärung abgegeben:Ich bin gestern abend um 11 Uhr im Palais des Kronprinzen unglücklich ausgcrulscht, stürzte dic Treppe hinab und verletzte mich am Bauch. Tas Unglück ereignete sich dadurch, daß ich mich, obwohl Die Treppe nicht beleuchtet war, beeilte. Dem Kronprinzen einen Brief zu überbringen. Da ich schon vorher mit einem Leistenbruch behaftet war, so befürchtete ich, Daß Die Schmerzen stärker werden würden. Deshalb bat ich meine Kameraden, mich sofort in Das Spital zu überführen, was auch geschah." So hat sich Dieser Vorfall zugetrageu. Dieses Protokoll, Das Kolakowitsch eigenhändig unterzeichnet hat, haben der Stadtpräfekt miD verschiedene Aerzte unterzeichnet, welche bestätigen, Daß Kolalowitsch Diese Erklärung bei vollem Be­wußtsein abgegeben hat.

Die veränDertc politische Lage kommt nun auch in Den Meldungen aus London zum Ausdruck. Wie Das Reu- ter'sche Bureau aus Diplomatischen Kreisen LonDons er­fährt, ist Die pessintistische Anschauung, Dic zu Anfang Der Woche herrschte, f a st ganz gc - schwunDen. DaS Hauptinteresse nehmen augeublialid) Die Verhandlungen zwilchen England und Oestcrrerch-Ungarn in Anspruch. Der Telegraph zwischen London und Wien spielt ununterbrochen, zu einer endgültigen Entscheidung ist es aber noch nicht gekommen.

Das Reutcr'schc Bureau ist zu der Erklärung ermächtigt, daß zwischen dem Londoner und Wiener Kabinetl feine große Meinungsverschiedenheit bezüglich Der Serbien zu empfehlenden Formel herrsche, da es sich nur um die Fest­setzung des Wortlautes handle. Es bestätige sich, daß sich. Großbritannien und Francreich dem russischen Vorgehen in der Anerkennung in der Annexion Bosniens und oev Herzegowina nicht eher anschließen werden, als bis die Ver­handlungen beir. die Beilegung des österreichisch-serbischen Konfliktes zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hätten, was aber wie ein guter Grund vorliege zu hoffen, nur die Frage von Tagen sein könne. Besonders hervorgehoben werde das, was dic britische Forniel, dic im vollen Ein­verständnis mit Frankreich und Rußland ausgestellt worden sei, anbelange, jede Verständigung zwischen den Kabinetten von London und Wien auch für Paris und. Petersburg annehmbar sein würde.

Wie die österreichische Regierung Die gegenwärtige Lage beurteilt, zeigt eine Veröffentlichung der WienerZeit" über folgende authentischen Acußcrungen des Frei Herrn! von Aehrenthal: Man kann dic Erklärung ZSwolskys, daß Rußland nunmehr Die Annexion ohne Reserve anerkennen wird, mit aufrichtiger Befriedigung begrüßen. Tie von Oesterreich-Ungarn und Deutschland befürwortete, von Ruß­land nunmehr angenommene Methode für die Behandlung

Von den Drei Bildern des rasch bekannt gewordenen schweize­rischen Malers Rüdisühli gefallt mir Die Felspartio nm besten. Der GermanischcHein mit seinen brennenden, grellen Farben scheint mir zu sehr gemacht und auch die Mytholo­gische Z n s c l vermochte mich trotz ihres bestechenden Reizes nicht tiefer zu interessieren.

Mit glatten, sreuudlichen Mitteln hat K. Müller in Ham­burg seinen Ruhetag im Manöver gemalt und recht viel versprechend scheint mir R. Zeschke zu sein, dessen Bilder Bei Sonnenuntergang und Abendsonne in der .Heide eine anmutende eigene Note haben. Sauber gemalt ist auch Die Sapph0 von Lüdccke und das ansprechende Bild Der kranke Zager von Adolf Bock. Zivei hübsche Pastelle stellt Schickhardt mit seinem Morgen und Vorfrühling ans. Besonders beachtenswert sind noa? Schneewittchen von Richard Scholz, ter das alte Märchen freundlich neugestaltet, und Z. Heffner mit feinem klaren Wintcrtag, einer son­nigen Schueclandschast voll scharfer Charakteristik. Erwähnens­wert sind weiterhin noch W. F r c y mit seinen Kühen im Wasser, A. Hermann mit den beiden Stilleben Birnen nnd Aprikosen, R 0 e ß l e r mit seinen bekannten üöeitern» typen und Emmy T i n g e l d e i n Gießen) mit ihren M a i» blumen.

Zum Schlüsse will ich noch auf die getönten Bleistiftzeichnungen von P. Mu e l ler -K aenrpf nunuerfiam machen, die von enter starken Persönlichkeit zeugen und frische Lebendigkeit anfnreisen. Es sind dies: März tag, Märzsonne, Frühlings- sonne. K. 'N.

91 [frcö Back in Frankreich. Die französische RevueLe progres social" bringt unterm 20. März eins der Feder Raymond Darsiles eine ausführliche Besprechung deS RomansDie Pariser" von Alfred Bock. Darin heißt es, das Buch werde in seiner Eigenart auch beim französischen Publikum Verständnis finden und Interesse erwecken für die Heimat des Dichters. Er (Raymond Darsiles) bereite eine Uebersetzung bc5 Romans ins Französische vor.

Matkowsky und b i c Backfische. Matkowsky war nicht im gewöhnlichen cinnc Liebling der Backfische, die jeden jugendlichen Liebhaber anschwärmen, die Zuneigung der Berliner jungen Damen, int Alter von 15 bis 18 Fahren hatte einen walw- hast künstlerischen Grund. Nun ist cs bemnnt, erzählt Der Börsen- ccuricr, daß der große Tragöde stets einem guten Glase Weiu und manchmal auch mehreren Gläsern mit Begeisterung zugesproänm hat. Zn einemj großen Rah der .Backfische wurde einstmals Der

Entschluß gefaßt, den gefeierten Künstler mit Liebe und Zärtlich­keit dem Weinteusel zu entreißen. Eines Abends nach einer Romeo-Vorstellung" scharten sie sich zusammen nnd begaben sich vor den Eingang des Weinlokals, in dem der Künstler zu ver­mehren pflegte. Mattowsky hatte schon vorher davon gehört und sich aus den Ulk gefreut. Als seine Droschke, die ihn von Denn Theater abholtc, Vor dem Portal des Weinlokals hielt, stand vor ihm eine Phalanx schöner Backfische in Paradcaufftellung. Mai­kows ky sah sich lächelnd beim Aussteigen aus Dem Wagon diese doppelte fs-ront blonder, brauner und schwarzer Kövse tut. Plötz­lich erscholl wie aus einem Munde die Bitte:Mattowskh, er­kalten Sie sich der Kunst!" Matlowsky blieb einen Augenblick stehen und sagte bann nach kurzem Nachdenken:Meine Damen, ich freue mich sehr über die Fürsorge, die Sie mir entgegenbringen. Aber wenn Sie mich retten wollen, dann haben Sie fieber ein. falsches Mittel gewählt, denn . . . hier zögerte er ein wenig und fuhr dann mit seinem verbindlichsten Lächeln fort). Zch bin kein Kapitol." Und schnurstracks ging er hinein. Unsere Back­fische blieben bestürzt stehen und sannen noch lange über die rätselhaften Worte nach, deren Lösung sic anfangs nicht finden konnten.

Deutsche Speisekarten in der Schweiz. Ter Deutschschweizerische Sprachverein hat im Frühjahr 1908 an die Gasthofbentzer der deutschen Schweiz ein Schreiben gerichtet, in Dem er sie zur Einführung der deutschen Speisekarte ermuntern wollte. Ter Erfolg dieses Rundschreibens war, wie wir iml Zahresbericht des Vereins lesen, über Erlvartcu günstig. Au vierzig Antworten liefen ein. Die einen benachrichtigten den Sprachverein, daß die deutsche Tischkarte längst bei ihnen ein geführt wäre, die andern teilten mit, daß sie damit beginnen wollten. Mehrere sprachen sich zustimmend, ja begeistert über das Vorgehen des Sprachvereins aus. Die Antworten kamen meist front Vier- waldltätter See und aus dem Kanton Graubünden, nut wenige aus Dem Berner Oberland, woraus der Sprachvercin sehr richtig schtteßt, daß in den Verkehrsgcbietcn des ferner Lberlandes die Neigung zum Welschtum stärker sei als in andern Reiscgegenden Der Eidgenossenschaft. Mit Genugtuung gibt Der Sprachverein davon Kenntnis, daß seine Bestrebungen heute von der Deutid)* ichwerzenschen Presse viel besser gewürdigt mürben als vor einigen wahren. Xie deutsch-schweizerische Presse hätte srch überzeugt. Das; es nichtunqc;unbe Deutichlümolei" wate, wenn man in Der Deupchcu Schweiz für bic Ansprüche der deutschen Sprad-e cintrcte«

77 Kleine Chronik aus K un ft unb Wisse 11 schaf t.

Bonn Pt am 23. ds. Mts. Der Archäologe, frühere langjährige Letter Des Rheinischen Proviuzial-Museums, Tr. Phil. Ernst a u tz ni W c e r t h yn Alter von 80 Zähren gejtorben.