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30.7.1909 Erstes Blatt
 
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Freilag 30. Juli 1909

Erstes Blatt

159. Jahrgang

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Die heutige NummerjnnfoßMO Seiten.

tu» Vit, Vbii uuvivvj

stcrdium zu sein und

diePost Alk. 2. viertel- jährt auSjcht Bestellg. Zeilenpreis: lokal löPs., auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil; E. Anderson; f. Feuille­ton und .Vermischtes" K. Neurath; für .Stadl u. Land" undGerichts-

Stadt und Land.

Gießen, 30. Juli 1909.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Sitzung unserer Stadlvertretung brachte zu­nächst eine etwa einstündige Debatte über zwei Eingaben. Die eine betraf die Erwerbung des Keßler'schen Anwesens im Neuenweg, dessen aus Fettsiederei und Schweinemästerei entspringenden lieblichen Gerüche schon lange ein Stein des Anstoßes für die Nachbarschaft sind. Die Versammlung er- lannte die bestehenden Mißstände unumwunden an und er­klärte auch ihre Bereitwilligkeit, an der Besserung des dortigen Zustandes mitzuarbeiten. Da aber der bestehende Mißstand nur einen kleinen Teil der Bürgerschaft direkt betrifft und deshalb die Aufwendung sehrj großer Mittel für die Beseitigung nicht möglich istauch der zu befürchtenden Konsequenzen halber will man versuchen, zunächst einmal bei der Polizei und dem Kreisgesundheitsamt Schritte zur Beseitigung der üblen Gerüche zu tun. Die zweite Eingabe, die von hiesigen Schlossermeistern herrührte, stellte die Behauptung auf, daß in der letzten Zeit fast alle Schlosierarbeiten nach auswärts vergeben worden seien. Der Vorsitzende konnte an Hand der Akten feststellen, daß diese Behauptung unrichtig ist und man ging deshalb zur Tagesordnung über. Stadtv. Dr. Biermer hob dabei mit Recht hervor, daß man bei Ein­gaben an die Versammlung es vermeiden müsse, unrichtige Angaben zu machen, wie dies gerade von Geschäftsleuten in letzter Zeit »nehrfach geschehen sei. Der in der letzten Sitzung bereits angekündigte Antrag, für den bei der schönen Aussicht zu errichtenden Wasserturm der übrigens auch als Aussichtsturm dienen soll einen öffentlichen Wett­bewerb unter den hier ansässigen Architekten zu veranstalten, lag nunnrehr vor und wurde einstimmig angenommen. Hoffentlich geht aus dem Wettbewerb ein Werk hervor, da§ Gießen zur Zierde gereicht und unserem aufstrebenden Gemeinwesen auf Jahrhunderte hinaus ein würdiges Wahr­zeichen ist.

** Tageskalender für Freitag, 30. Juli: Konzert der Regimentsmusik zum Besten des Jnvalrdendank. Abends 8 Uhr in Steins Garten. e

* Landw. Unterricht. Ende dieser Woche schließt an der Landesuniversität der landwirtschaftliche Unterrichts­kursus für Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen. Es nahmen diesmal auch fünf Lehrer aus Sachsen-Meiningen daran teil. Anschließend an die .Vorlesungen von Professor

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tr Siebener Anzeiger scheint täglich, außer I- mntag«. - Beilagen: erma I wöchentlich iSebenerZamilttndlistter; .meimalwöchentl.Ureir- bliNfürdenUrcisSiehen

^icuslag und Freitag); eimal nioncil Land-

.ttschastlicheZeitfragea -rnsprech - Anschlüsse: c die Redaktion 112, ttirlag u. Expedition 51 .'Röreffe für Depeschen: Anzeiger Gießen.

.uiahme Von Anzeigen 1 a bie Tagesnummer

.! i'S vormittags 9 Uhr.

Kämpfe und Unruhen.

Große Verluste der Spanier in Marokko.

Die neuesten Meldungen bestätigen die verzweifelt ernste Lage 'r Spanier in Melilla, unter besten Mauern der Kampf fort- )uuert. Die s P a n i s ch e n V c r l u st e a m 2 7. d. M. werden nf 1000 Tote und über 1500 Verwundete angegeben. Zwei Irnerate sollen schwer verwundet sein. Von Offizieren sind außer tat General Pintos ein Oberst, zwei Oberstleutnants, ein Maior I«) fünf Hauptleute sowie zahlreiche Subalternoffiziere gefallen. DL- Stadt Melilla ist von Verwurrdeten überfüllt. Infolge !<1 mgels an Lebensmitteln und Munition werden die spanischen llorposten ihre Stellungen wahrscheinlich aufgeben müssen. Be-- ii-ders fcfatrierig wird die Lage für die Spanier dadurch, daß ücht nur in Barcelona, sondern auch auf dem Kriegsschauplätze meine Truppenabteilungen den Gehorsam verweigern. Ein Ba Milon weigerte sich, in den blutigen Kampf vom 23. zu ziehen HD flohen an Land. Mehrere andere Kompagnien forderten ?oit den Offizieren, als sie in die Feuerlmie gezogen wurden, ! liefe sollten voraus gehen. Die Offiziere gingen auch mit hravour voran und wurden dutzendweise niedergeschossen.

Spanien am Vorabend der Revolution.

Die Erregung der Bevölkerung Spaniens gegen den Krieg I -.int aber doch nur erst im AnfaNAsstadium zu sein und Kimme, sehr schlimme Dinge bereiten sich vor.Daily Tele- r ivb"Daily Expreß" undStandard" bringen wichtige, durch '-.»ezialkuriere an die Grenze beförderte Madrider Depeschen, tuen zufolge ganz Spanien am Vorabend der Revo- i,tion steht. Die Erbitterung der Bevölkerung wächst täglich i^slge der von der Regierung befolgten Politik der Verschleierung. . Li streng katholisch bekannte Adelssamilien erhalten Drohbriefe, mckc siedeln ins Ausland über. Barcelona ist vollständig in -er Länden der Revolutionäre. Leute soll das ganze 3. und I Armeekorps, ferner jjroei Kavallerie-Brigaden dorthin abgehen. eine Brigade wird vom Prinzen Ludwig von Bayern körn-

benen Stellen unrichtig ist. So besagt dieser Bericht, daß die Re- folmion, bie tatsächlich mit 18 gegen 8 Stimmen bei 8 Stimm­enthaltungen angenommen wurde, mit 18 gegen 12 Stimmen an­genommen worben sei. Er hat ferner den Gang der Verhand­lungen so dargestellt, als ob die Mehrzahl der anwesenden Herren mU der Haltung der konservativen Fraktion zusrieden gewesen sei. Vor allem wird in dem Bericht von Dr. Kaufhold verschwiegen, daß mehrere Vorsitzende von konservaliven Vereinen zugeben mußten, daß ihre Vereine infolge der politischen Ereignisse der letzten Monate und der Stellungnahme der Konservativen bis zu 25 Proz. ihrer Mitglieder verloren hätten. Diese Art der Bericht­erstattung bat eine ganze Anzahl der Teilnehmer an der Be- prechung aufs tiefste "erbittert. Sic traten gestern abend zu einer nochmaligen Besprechung zusammen und beschlossen die Gründung einer neuen konservativen Partei auf volkstümlicher Grundlage. Tas Programm und der Aufruf zum Beitritt werden bereits in den nächsten Tagen veröffentlicht ^werden.

Die Verteuerung der Eisenbahnfahrt in Württemberg.

Ministerpräsident Dr. v. Weizsäcker teilte in der Finanz, kommission der Württembergischen Zweiten Kammer mit, daß bie Regierung beschlossen hat, vom 1. Januar 1910 ab den Tarif der vierten Eisen bahn klasse von 2 Pfennigen a u s 2,3 Pfennige pro Kilometer zu erhöhen und weiter eine kleine Erhöhung der Preise der Monatskarten sämtlicher Klassen und des Ervreßgütertarises durchzuführeu. Der jährliche Mehrertrag dieser Maßnahmen wird auf etwa 1'/, Million Mark geschätzt. Ter Ministerpräsident wies darauf hin, baß der entscheidende Grund für diese Aenderungen in der gesamten finanziellen Lage des Staates liege und iii der Tatsache, baß unter Hmznberechnung ber Verzinsung und Amortisation bie Eisenbahnverwaltung ein jähr­liches Tesizit von 5 bis 6 Millionen Mark habe. Ein konservativer Antrag, biefcn Absichten der Regierung zuzustimmen, wurde mit elf gegen drei sozialdemokratische Stimmen angenommen.

Kreta.

Daily News" erfahren aus sicherster Quelle, daß die Türkei sich bereit erklärte, ber Umwandlung Kretas in ein autonomes F ü rstentum , ähnlich wie Samos, zuzustimmen und alle von den Schutzmächlen gegebenen Garantien zu respektieren. Tie Kreter selbst sollen einen Fürsten unter ber Suzeränitäl des Sultans wählen und alle anderen Vorrechte wie bie Samiolen genießen. Wie im übrigen die Stimmung der Türken in der Kreta- Frage ist, geht aus einem Bericht über bie gestrige Kammersitzung herüor: In ber türkischen Kammer kam es da zu einer patriotischen Kundgebung wegen Kreta. Tie Sitzung wurde mit ber Verlesung von Telegrammen eröffnet, welche in sehr großer Zahl aus allen Teilen der Türkei eingelailseu waren. In den Depeschen wird die Veranslaltuiig von Versammlungen angelündigt und erklärt, daß alle Ottomanen bereit seien, ihr Blut für bie Verteidigung der Rechte der Ottomane,i auf Kreta zu vergießen. Mehrere türkische, albanische und arabische Deputierten hielten unter lebhaftem Aeuall fegeislerte Reden, in welchen sie ber Regierung Untätigkeit vor- warfen und sie anfforbern, energisch vorzngehen. Sie erklärten, bau alle zum Kampfe bereit seien, um bie griechische Flagge nuUtrem zu zerreißen und die Regierung zu vernichten, welche diese Flagge auf Kreta gehisst habe. An der Debatte beteiligten sich auch em armenischer und em bulgarischer Deputierter, sowie der Grieche Artu, ber die Regierung äufforderte, diese Frage in einer den In- leresieu der Ottomanen entsprechenden Weise zu lösen. Der Prä­sident crilärte: Er werde bem Kabinett von den Gesinnungen ber Kammer Mitteilung machen. Wie er wisse, sei bie Regierung be­müht, bie Intel essen des Vaterlandes zu wahren; man muffe ihr darin freie Hand lassen.

Gisevius besuchten die Kursusteilnehmer unter Führung von Schulrat Kleinschmidt die Schulen in Saasen, Wet­tershain, Heuchelheim und Grüningen und wohnten Sehr- proben an den dortigen Fortbildungsschulen bet Am Mittwoch abend fand zu Ehren der Herren aus Meunngen. die nun wieder in ihre Heimat ziehen, ein geselliges Zu­sammensein im Hotel Schütz statt.

Hessische SchlachtungSstatistik. Nach der amt­lichen Statistik über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau wurden im Großherzogtum in den Monaten April, Mai und Juni 1909 (bezw. 1908) geschlachtet: 254 (225) Pferde, 4340 (4218) Ochsen, 418 (488) Bullen, 9069 (8579) Kühe, 10 266 (9174) Jungrinder über 3 Monate alt, 24 076 (22 792) Kälber bis 3 Monate alt, 78 435 (79 541) Schweine, 2113 (1991) Schafe und 11 591 (10 969) Ziegen.

" Nachzoll für Kaffee und Tee. Wie uns mit­geteilt wird, sind die Anmeldungen zur Nachoerzollung, so- ' weit sie nicht durch Beamte oder durch die Post den betei­ligten Kreisen bereits zugestellt worden sind, innerhalb OberheffenS bei den folgenden Stellen zu erhalten: Großh. Hauptsteueramt Gießen, Steuecamt Friedberg, Salzsteueramt Bad Nauheim (nur für die Stadt Bad Nauheim), Orts- einnehmereien: Alsfeld, Büdingen, Butzbach, Lauterbach, Lich, Nidda und Vilbel (nur für die Stadt Vilbel). Die Anmeld, ungen der am 1. August vorhandenen Vorräte sind bis spätestens den 5. August außgefüllt und unterschrieben an die genannten Hebestellen zurückzugeben. Besonders hervorzuheben ist, daß Gastwirtschaften u. s. w., die ausnahmsweise Kaffee an ihre Gäste verabreichen, zur Anmeldung ihrer Vorräte auch unter 10 Kg. unter allen Umständen verpflichtet sind. Befreit von dem Nachzoll sind nur solche HauShaltungs- vorstände, die am 1. August weniger wie 10 Kg. Kaffee oder Tee besitzen. Sendungen, die sich am 1. August unterwegs befinden, sind vom Empfänger nachträglich besonders anzu- melben, sobald sie in deffen Besitz gelangt sind.

** Kolosseum. Mit bett Leipziger Carola-Sängern hat die Direktion einen glücklichen Griff getan! Wahre Lach­salven durchbrausten gestern das Haus. Das Programm ist sehr gut. Jede einzelne Nummer ist ein Schlager. Be­sonders die beiden Burlesken gefielen ungemein. Bon den Solisten wollen wir den brillanten Bassisten Hemm Schnabel, den Tmnendarsteller Herrn Ruflech, den Tanzkomiker Herrn Wolf und den drastischen Komiker Herrn Drifft hervorheben. Da es der Direktion gelungen ist, die Gesellschaft noch für zwei Tage zu gewinnen, sei darauf hingewiesen, daß zu . diesen Aufführungen ein selbständig neues Programm aus­gestellt worden ist.

Mendelssohnfeier. Eintrittskarten sind jetzt schon bei Musikalienhändler Challier erhältlich, Programme werden aber nur an der Kasse ausgegeben. Der Beginn der Feier ist auf 4 Uhr festgesetzt, die Oeffnung de8 Saales er­folgt um 3V2 Uhr.

** Ehe-Jub iläen. Lohnkutscher Konrad Junker aus Beuern und Frau Helene, geb. Stiehl, aus Alten-Buseck, erleben am 1. August den Tag, an dem sie vor 40 Jahren in der Kirche zu Alten-Buseck getraut worden find. Lehrer Michael Wörner und Frau feiern am 3. August das Fest der silbernen Hochzeit.

** Die elektrische Straßenbahn ist in der letzten Zeit gefördert worden, daß bestimmt mit ihrer In-- betriebnahmeimNoveinber gerechnet werden kann. Auch wegen der Rosettenanbringung sind alle Schwierig­keiten jetzt beseitigt.

** Kollegial. Als gestern ein hier beschäftigter Bäckerbursche seine Stelle verließ, entwendete er vorher seinem Arbeitskollegen auä der Hosentasche einen Geldbetrag. Ter ungetreue Kollege wurde noch hier verhaftet.

**Jmmergemütlich. Eine Anzahl Kellner hatten gestern einen Waldausflug gemacht und kehrten am Abend nochmals in einer Wirtschaft in der Kaplansgasse ein. Hier entstand ein Streit, einer der Kellner schoß int Lokal einen Revolver ab, und so kam es zu einer Menschenansamm­lung. Ter Revolverschütze wird wohl einen gehörigen Denkzettel bekommen.

** Vom Neuenweg. Wie uns mitgeteilt wird, ist gestern abend nach Schluß der Sitzung der Stadtverord­neten bei der Bürgermeisterei ent Schreiben eingegangen, daß die Interessenten es ablehnen, zur Erwer­bung ber Wiegand'schen Hofreite durch die Stadt einen Beitrag zu leisten. Somit ist die Stadt nicht in der Lage, das Anwesen zu erwerben.

In welche Droschke steige ich ein? Darüber schreibt ein Tierfreund: Wenn eine Droschke eine Fahrt beendet hat, so ist cS wohl in allen Städten üblich, daß sie sich auf dem Droschkenhalteplatz hinten anschließt. DaS hat den Vorteil, daß sich auf diese Weise die Einnahme der einzelnen Kutscher am gerechtesten regelt, als auch den, daß die Pferde dadurch zu ihren nötigen Ruh- und Futterpausen kommen. In diese wohlbegründete Ordnung greift das Publikum häufig dadurch störend ein, daß es zur Benutzung nicht die vorn, sondern die hinten haltenden Droschken wählt. Auf diese Weise kann es kommen, daß ein und dieselbe Droschke eine Fahrt nach der anderen, säst ohne Zwischenpause machen muß, während andere Droschken derselben Haltestelle stundenlang beschäftigungslos sind. Also man steige stets in die vorn haltenden Droschken, vor allem aber nicht in solche, deren Pferde noch warm von der letzten Fahrt sind oder gerade fressen.

! Steinbach, 29. Juli. Die Straße von hier nach Annerod ist wegen Vornahme von Wiedersier-

nanbicrt.

Aus Madrid wirb gemeldet: Eine Volksmenge, der sich 1 cölbaten angeschlossen hatten, veranstaltete lärmende Kund- e-b un g en vor dem königlichen Schloß. Man rief:Nieder ii ü dem Krieg!" Tie Gendarmen bringen immer beim- nilngenbere Nachrichten. Auch bie in Hendaye eingetragenen ! ickrichtcn lauten äußerst aufregend. In Llansa wächst die rregung stündlich und man befürchtet ernste. Ereignisse. In ,ri suetraS war die Ruhe wiederhergestellt, als jedoch bie Reser­ven bett Mobilmachungsbefehl erhielten, wurden seitens der oöffcrung Vorkehrungen getroffen, um die Abreise der Neier- fficn zu verhindern. Der Eilzug von Portbou nach Barcelona, kc heute morgen 4 Uhr abging, mußte bei Llansa stehen bleiben, : dort die Bahnlinie zerstört mar. Die Aufruhrer haben noch eitere Brücken mit Dynamit in bie Luft gesprengt. Die Staats-- Ilsen werden überall militärisch bewacht. Zahlreiche Privatleute tttben ihr Geld an französische Banken. In Iunguera wurden hie Telegravhenmasten umgefägt. Die Aufregung unter der Be-

Hennig ist groß.

Die Lage in Barcelona.

Aus Barcelona fehlen immer noch genaue Einzelheiten iber die bärtigen Ereignisse. In einem Briefe aus dieser Stabt Dirb nütgeieilt, daß fünf Klöster und mehrere Privathäuser in körend gesteckt worden sind. Das Geschützfeuer dauere ununter» -irichen fori. In den Hauptstraßen der Stadt seien Barrikaden iirichtet. Artillerie beschießt anbauernb bie Barrikaden. Tie ttnaue Zahl ber Toten ist noch nicht bekannt, aber sehr hoch, je Barcelona verhinderte ein Jnfantcrieoffizier einen Polizisten, !tb seinem Revolver gegen die Aufrührer Gebrauch zu niachen. litt 3pbl der Gefallenen ist bedeutend; 30 zählte man allein an

Barrikade auf der Calle del Pino. Der Frühschnellzug von iwtbou nach Barcelona mußte bei Llansa halten, da die neuen redeten mit Dynamit in bie Lust gesprengt waren.

Angesichts aller dieser Meldungen erscheint letzt dis Lage in Spanien unentwirrbar.

Die Regierung hat bie Zustände in Barcelona als sehr trpfi anerkannt. Gerüchte außerordentlich schwerwiegenden In­uits rufm. da zuverlässige Nachrichten nicht zu erhalten sind, ;»ße Befürchtungen hervor. Es würbe davon gesprochen, daß in Barcelona eine provisorische Regierung prokla- rärt worden sei. Der Ursprung der Bewegung liegt m einem Neusatz bet öffentlichen Meinung zu der gegenwärtigen Re ;ierung. Die Revolutionäre haben sich die schwierige äußere .ige zu Nutze gemacht und plötzlich eine allgemeine Revolte unter )ti Arbeiterbevölkerung hervorgerufen. Die Bewegung in Barce» jiux erscheint demnach weder antipsitriotischen noch separatlstilchen :h-lrakters zu sein Nachrichten - aus Melitta zeigen Marma '.ü einer außerordentlich kritischen Lage. L,er General sott 7o 000 Ptrnn Verstärkungen erbeten babtn. Die Soldaten sind demo- i-lisiert und vollständig von Kristen. Die Eingeborenen sind ihren Erfolgen wie berauscht. Sie greifen die Hosten der Z»rhut an und 'drohen, bis an bie Tore der Stadt vorzurucken. d)ie Einwohner ber außerhalb ijer Mauern belegenen Vorstädte lichen nach Melilla. Der Feldzug zeigt, daß bie Organisation « Armee mangelhaft ist. /

Kolitssche^Dagesschan.

Eine neue kostservative Partei.

lieber bie Vorgeschichte der Gründung einer neuen fonferoev reen Partei ersährt dieTeuifche Journalpost von aistheniiicher 5<ite wlgenbe Einzelheiten: Aist 14. Juli hat m den Gernianla- ilen zu Berlin eine Versanimlistig ftattgeiunben, bie von ben Vor- itzinden von 22 konservativen! Vereinen Berlins und der Um- ih;enb besucht war. In dieser,'Verjammlimg hat man m emer nrinent scharfen Weife Stellung genommen gegen die Haltung oe«. ioHservativen Reichstagsfraktio». Man nannte diefe Hutung »em- ac) unverantwortlich". Der Referent Jperbert Schmidt (Pankow) e leuchtete m längeren Ausführungen die Stellungnahine der Kon- .oaliüen zu den letzten großen Fragen. Gerne Verurteilung der . loAfervaliven Politst wurde von ben 2!erfammliingvbestichern ge- iKtgt. Rur brei Herren verfuchten es, die Partesteitimg zu ver- :icbigen. Unter biefen drei beianb sich Tr. Kanfbolb, ber General- äEretär ber konservaliven Reichstagssraktion. Es wurde folge,ibe kjolutioii angenommen:Die versammelten 13orltimb»mi.glieba »i 11 loisseroativen Vereinen (so viel waren am Lchtub bei liilangeu Erörterungen nur noch anwesend) erklären sich nut bei Vollung der ioniervaliven Reichstagsfraktion nicht emueiltanoen . liif Antrag von Tr. Kansholb würbe beschlosien, die ganze -ber° vinmlnng für streng vertraulich zu erklären imb reiner yeitimg tlroaS bavon mitzuteilen» Die 60- 70 Herren erklärten sich dann. düDerftanben. Wunderbarer Weise hat nur der .lntragsteller wlbil, ;Dt. Kaufhold, die Verlranlichkeil der Besprechung nicht gewahrl, n bem er einen Bericht in die Presse lancierte, der an oer>chie»

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General-Anzeiger für Oberheffen

Rofatiotisbriid und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zletndruckerel H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. ^zeigente?i^H." B^ck