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29.7.1909 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 29. Juli 1909

Zweites Blatt

Nr. 175

251

verkauft.

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' 0,75

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' 2,00

159. Jahrgang

Verehrter Herr Doktor: .

DieMünchener Neuesten Nachrichten" hatten eine ZeittmgW Meldung abgednickt, die mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

In vorzüglicher Hochachtung und mit verehrungsvvllem Gruß Ihr ergebener Lstdwrg Ganghofer.

Erscheint tLgNch mit Ausnahme deö Sonntag«.

DieSiebener KamMenblStter" werde« dem .AnzeigerE viermal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblatt fär den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen 8eit- sragev" erscheinen monatlich zweimal.

LLniversitäts-Nachrichten.

hc. Darmstadt, 28. Juli. Dem Denkmalpfleger für die Provinz Rheinhessen, Assistenten für Baukunst an der Technischen Hochschule, Architekten Projessor Paul Meißner wurde die venm legendi in der Abteilung für Architektur erteilt.

Vermischter.

* Fröhlich' Pfalz! Bei der Reichstagseriatzwvhl int Kreise Neustadt-Landau standen dem liberalen Kandidaten Dr. Oehlcrt der Zentrumsmann .Sibcn, der bündlerisä>e Arzt Dr. Lehmann und der Sozialdemokrat Huber gegenüber. Wie bäuerische Blätter berichten, ist auf diese Herren ein Rest des pfälzischen

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: eeg^bL Redaktion:e^I12. Tel.-Adr.-AnzeigerGießeu.

Em Garten

i der Abe des alten

Teleob»^, u. morgen Freitag, 30. L l der 'ola-Sättgr> ... , Prolongie uelseitigste Herren-GMlä lginaj-Burlesken.

Komiker Lachjcns. 1Q1 inten Zigarreiigeslbästeii eme Gültigkeit. - Ibr. Keine erböbtenPre iiachzutommen, gastiem:

130. Juli 1909. licstauranl Konzert bte rsSanssouci". M (xinttn? to 'iretlioti Albert

Kd) werde auch König Eduard nach Konstantinopel kommen und der Sultan den Besuch in London erwidern.

In Venezuela ist eine Verschwörung zugunsten Castros entdeckt worden. Zwei Personen, darunter ein Deutscher, wurden verhaftet. , .

Der Senat von Columbien nahm einstimmig die Verzickftleistung des bisherigen Präsidenten Reyes an. Tie Wahl des neuen Präsidenten ist auf den 5. August d. I. angesetzt. _____________ ________

Die Zarensamilie in hemmeimatt.

Don der Landung der Zarensamilie vor Hemmelmark wird noch bekannt, daß wegen des niedrigen Wasserstandes alle Mit­glieder der Zarensamilie von Matrosen durch das Wasser cn Land getragen werden mußten. Aus diesem Grunde wurde gestei-n abend bei der Abfahrt und heute morgen bei der neuer­lichen Landung auch die Brücke von Borby benutzt. ^xe Zaren^ cmilie bringt auch den heutigen ^ag m Hemmelmark zu. xa>->

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rdnungen von Akademien, ge- Technrschen Hochschulen. Zu nz Johann Georg von

durch erst recht der Geist der Insubordination gezeugt wurde, ordnet man sich jetzt den selbstgewählten Rrachlhabcrn willig und ehrgeizig unter. Die von den Klassen gewählten Auslchune lassen sich auch die Sorge für das würdige Benehmen der Lchnler außerhalb der Schule angelegen fern, treten vermittelnd bei Streitigkeiten auf und sind weiterhin die Ser trete? den Lehrern gegenüber, wenn es sich um das Vorbringen von gemeinsamen Wünsckien oder aud) Besckstverden handelt. Nachteile haben sich bis jetzt bei dieser neuartigen Selbstregierung nicht ge.eigt. Mau sträube sich also nicht, dem guten Beispiele der rhemiichen Lehr anstalten zu folgen. Dem Staate würde viel Vorteil daroms erwachsen: Ter Charakter der Jünglinge wird durch diese Er­ziehung gesestigt, denn das Verantwortlichkeitsgefühl, das Pflicht­gefühl, der Gemeinsinn wird stark in ihnen. Ein ritterlicher Korp^ geist wird geweckt; die ernste Erkenntnis, datz Ordnung und Disziplin für eine Organisation geboten und notwendig NNd, setzt sich bei den Jünglingen durch, wenn sie tm Geiste der Freiheit und Selbstverantwortimg erzogen werden. Solche Er­ziehung ließe kernige Männer heranreifen, wie sie Deutschland und besonders das deutsäie Parlament jetzt mehr denn je braucht.

_Oscar Wildes Ueberführung zum Pöre Lachaise ist jetzt in Paris in aller Stille vollzogen worden. Eine lleme Anzahl einstiger Freunde des dahingeschiedenen Achters ver­sammelte sich aus dem Friedhof von Bagneux, wo die Ausgrabung der irdischen Reste Wildes, vorgeiwmmen wurde. R. Rotz, der literarische Testamentsvollstrecker Wildes, überwachte den Vor­gang Dann wurden die Gebeine des Dichters m einem neuen Sara auf dem Pöre Lachaise-Friedbof in die neue Ruheitatte aebcttet lieber dem Grabe wird sich eilt Denkmal erheben, sur Ls^te anonYineBewunderin des Dichters 40000 Mk. .ausgesetzt hat und das von dem jungen Bildhauer Eppstein geschallen tmrd. Im Auftrage derenglischen, amerikanischen und deutschen Ver­ehrer" legte Roß einen Kranz am Sarge Nieder.

_ Ludwig Gang Hofer und sein Kritiker. ^Ueber eine Beleidigungsklage Ludwig Ganghofers gegen einen Inns­brucker Kritiker sind in derleUar Zeit irrtümliche Mitteilung^ durch die Presse gegangen. Dr. Ganghofer sendet nun den M. N. N.

W 3uf<6rift:sei£ta[|j. 1909,

Jubiläumsfeier der UnioersM Leipzig.

Das 500jährige Uni v ersitä ts-Jub il a u m zu Leipzig begann gestern abend mit dem Empfang der Ehrengäste. Es waren Vertreter von 82 Universitäten er- chienen, außerdem auch Mordnungen von Akademien, lehrten Körperschaften und T ", " " den Anwesenden zählt Prinz Johann Georg von Sad)sen, der Kronprinz von Rumänien und der Her­zog von Sachsen-Altenburg. Es fällt allgemein auf, daß die Mitglieder der Zweiten Kammer zu einzelnen Festlichkeiten zugclassen sind. Ausgeschlossen sind sie vom Empfang des sächsischen Königs sowie der Gäste, ferner vvm Festmahl der sächsischen Staatsregierung und vom Fest­akt in der Wandelhalle der Universität. Die Grmrde hrer-

nr sind unbekannt.

Die inoffiziellen Feierlichkeiten begannen gestern vor­mittag mit einem Ständchen vor dem Hause desRektors. Daran schloß fick) eine der wichtigsten Handlungen, die erst für die Hauptfestlichkeit vorgesehen war, nämlich die Ueb er- gabe des Festgeschenkes derMutteruniversi- tat Prag an die Tochteruniversttät Leipzig. Das An­gebinde ist ein in kostbarer Hülle geborgener Abdruck des berühmten Prager Universitätssiegels, das ihn Jahre 1348 dem deutschen Rektor der Univerfttät Prag auf Befehl des Kaisers Wenzel gcwalffam abgenommen und das durch eine besondere Fügung im Besitz der deutschen Universität Prag verblieb. In der Aula der Leipziger Universität fand die feierliche Uebergabe des Geschenks statt. Dort überreichte es die Prager Deputation, an der Spitze der Rektor der Prager Universität Hoftat Ritter v. Jaksch mit zwei Dekanen. Der Oberpedell trug das Geschenk auf dem roten Kissen der Leipziger Universität. Profeffor Bm- ding hatte sich mit seinen vier Dekanen zur Entgegennahme eingefunden. Hofrat Jaksch überreichte ihm im Namen der Prager alma mater das Geschenk, indem er seinen Dank Dafür aussprach, Saß trotz der gedrängten Zeit die Würden­träger der Leipziger Universität dieses Ehrengeschenk ur einem besonderen Akt entgegennähmen. Rettor Binding dankte der Prager Deputation mit bewegten Worten. Der ganze Vorgang zeichnete sich durch besondere Feierlichkeit aus. Die sächsische Regierung hat eine Medaille» prägen lassen, die den Ehrengästen bei dem großen Fest­bankett zur Erinnerung an die Festlichketten überreicht wer­den soll. Die Medaille, von Max Lange-Dresden stammend, yat eine rechteckige Form und zeigt aus der Vordersette das Universitätswappen, auf der Rückseite Jdealgestatten, die bas Schaffen der Universität darstellen sollen und an Rodin erinnern. Die Medaille ist in 800 Exemplaren angeferttgt worden. Der Originalität halber sei erwähnt, daß diese Medaillen in zwei großen Kisten zu je vier Zentnern hier ein- getroffen sind, so daß jede der Bronzeplaketten ein Pfund 'schwer ist. Ein bißchen viel Gewicht für eine Medaille, die man von einem Festmahl mit nach Hause nehmen soll.

gruber vvrgeworsen. Diese wunderliche Nachricht, die von Inns­bruck aus an zahlreiche Zeittmgen verschickt wurde, stimmt nicht ganz. Aber sie gab ausreichenden Anlaß dazu, daß mir int deutschen Blätterwalde allerlei nette Eigenschaften nachgesagt wur­den, z. B. derempsindliche" Ganghoser, dergekränkte" Gong- Hofer, derbeleidigte" Ganghofer, dererzürnte" Dichter, dep verletzte Schaffende" ustv. Ich konstatiere mit schwerem Herzen, daß ich so viele gute Eigenschaften gar nicht besitze. Mit dem gleichen Bedauern stelle ich richtig, daß das wirksame, lustige VollsstückDer Protzenbauer" gar nicht von mir ist, sondern von Frau Hartl-Mllrus. Es handelt sich um ein anderes Stück, dessen Zweidrittelsvater ich bin, und das Herrn Kranewitter ganz ungemein mißfiel! Er warf mir aber nicht Anlehnung an Anzen­gruber vor, sondernEntlehnung von Anzengruber und anderen! Dichtern". Und da war ich ohne ,empfindlich" zu sein dock, wohl gezwungen, mich zu wehren. Um die Grundlosigkett dieser Beschuldigung erweisen zu können, rief ich die gerichtliche Entscheidung an. Obwohl ich unter dem grauenvollen Schicksal leide, einSchaffender" zu heißen, glaube ich doch immer noch ein paar kleine, bürgerliche Rechte ^u besitzen.

Herr Kranewitter besckstckdigt mich übrigens nicht mir des literarischen Diebstahls er warf mir auch noch ein anderes, gräßliches Verbrechen vor:Beifall und Tantiemen in Hülle und Fülle". Den Beifall hab' ich nicht einkassiett; ich war an jenem denkwürdigen Abende zu weit von Innsbruck entfernt. Doch dieFülle der Tantiemen" ist mir zuge- floffen, und ich will in Zerknirscljung bekennen, daß mein! Anteil an diesem unverdienten Goldregen ungefähr 6 Krönest und 66 Heller beträgt. Um diese schnöde ^Bereicherung zu sühnen, gedenke ich die von mir zu Innsbruck ergatterten Unsuntmest einem wohltätigen Zwecke zu widmen, indem ich drei brave Tiroler mit rotem Spezial bewirte. Sie werden keinen Rausch davon be­kommen, mir ein bischen in fidele Stimmung geraten. So wird diese schrecklicl-e Sache ein helleres Ende nehmen und ich habe dann wieder eine gewisse Berechtigung, Optimist zu bleiben und auch fernerhin gut von den Menschen zu denken auch von Herrn Kranewllter, der zu Innsbruck mit verzeihlichen Rechnungs­fehlern die Tantiemen kontrolliert!

Wk pWWg K-ZS dinDeuisch,.R«M yröfa deö iriiiatltk ieÄW'Ä«.»'

Wetter ist schlecht, es regnet, und in der offnen Eckern förder Bucht stürmt es aus nordöstlicher Richtung.

Die Herren und Damen der Umgebung des Kaisers von Ruß­land besuchten gestern in Begleitung des Oberhofmarschalls v. Seckendorfs Schleswig. Oberpräsident v. Bülow, Regienmgspräsi- dent liefert und der Garnrsonsälteste, Oberst Jsbert, waren zur Begrüßung auf Schloß Gottorp, dem Stammschloß des Kaisers, er­schienen. Hieraus erfolgte die Besichtigung der Schloßkirche unter Führung des MissionsPfarrers Buefsel. Im Dom fand sich Dom- Pastor Sieveking zur Begrüßung und Führung ein.

Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen, Prin­zessin Heinrich von Preußen und Prinz Waldemar von Preußen, sowie die Prinzessin von Battenberg begaben sich gestern morgen in Automobilen nach Borby und von dort zum Besuche der russischen Kaiserfamilie an Bord derStandart". Bald nach 11 Uhr landeten Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland mit dem Thronfolger und den Großfürstinnen in Borby und ftlhren, be­gleitet von den aus Hemmelmark anwesenden Herrschaften, nach dem dortigen Herrenhause, wo um 1 Uhr Frühstückstafel stattfand.

Für gestern abend war Tafel angesagt an Bord der Jacht Standart", wozu die russischen Majestäten Einladungen ergehen ließen an die in HernmeLmark anwesenden höchsten Herrschaften und deren Umgebungen. Das russische Kaisergrschwader verläßt heute die Eckernförder Bucht, um alsdann durch den Kaiser Wil Helm-Kanal die Reise nach Frankreich und England fortzusetzen. Bis Brunsbüttel werden die russischen Majestätek begleitet sein von der Groß Herzogin von Hessen, der Prinzessin Heinrich von Preußen, dem Prinzen Waldemar und der Prinzessin Luise von Battenberg.

In Kiel sand gestern abend eine sozialdemokratische Protest- veriammlung gegen den Besuch des Zaren statt. In der Versammlung, die von mehreren tausend Personen besucht war und unter freiem Himmel abgehalten werden mußte, sprach Land- tagsabgeordneter Dr. Liebknecht-Berlin.

Inzwischen entwickeln die englischen Behörden eine fieber­hafte Tätigkeit, um den Zaren in England vor einem Attentat zu schützen. Patrouillenboote werden unablässig die Zarenjacht in Cowes umkreisen. Jeder halbwegsverdächtig" aussehepde Mensch, der in der nächsten Wock-e die Insel Wight betritt, toirb schärfstens überwacht. Der Verkehr auf der Insel ist stark ein­geengt. Die Kontrvllmaßregein rufen den lebhaften Unwillen der demokratischen Engläiider hervor.

KcheMr Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesstn

? SaoE. gönnet benl>-

Die deutsche Landwirtschaft und darGesetz vom abnehmenden Bodenertrag".

Man hat ztt mrterscheLen zwischen Allfweichustg-m, die zu «rachen es dem Landwitt vollständig fteflteht, wie z. B. Anwen- inmTber künstlichen Mlngemittel, besseren Saatgutes, tieferen 'Zflügens, Drainage und ähilliches, und die an sich, m rechter -Decke und am rechten Ort gemacht, die Produktion verbilligen, :md andrerseits Austvendungen, die ihm «ungezwungen werden, R tolntiuiacnnm, Lasten aus der 'Sozialgesetzgebung, Steige- ÄÄOr feir? Bedarfsa^kel usw. Nur die erst- ^nannten Aufwendungen kommen für die Beurteilung des Boden- fleseyes als NaMigesetzes in Betracht, und sie wird icder vernuns- tig« Sartbrtnrt nur so weit machen als sie rentabel fiub; aus di« ^tiyena-raiten Anstvendimgen aber hat der Landwirt wenig oder Jrternen Einfluß, und ihre Eichung wirkt unter allen Um- tfc&cn nrrnbemb auf die Rentabilität. Nun war die Entwicklung rr letzten Jahrzehnte derart, daß diese letztgenannten Aufwen­digen zusammen mit den faUenbenl <Äetteidepreisen starker die Rentabilität beeinträchtigen, als sie anderersells durch die Auf­wendungen für die technischen Verbesserungen gehoben wurde. Daraus ergab sich der Notstand der Landwirtschaft und ihr Ruf lach Zöllen, um die Preise auf eine den Gesamt kosten und Lasten .mgemesftne Höhe zu bringen. Also nicht wegen, sondern trotz i*r Intensivierung ist 'die deutsche Landwittschast m Not ge- uten.

Zuguterletzt Wirrt Rybork zu folgenden Schlüssen: ,

Bor Land und Leute kennt und weiß, wie viel Bauernhöfe, ja lefbft größere Güter es gibt, wo noch kein Wrnchen künstlichen 'Düngers hin gekommen ist, wo seit Großvaters Zeiten dieselbe Ge- ireide- und Kartofselsvrte gebaut wird, wo die Ackergeräte dürftig, ivte Bodenbearbeitung mangefljaft ist, wo Stallmistvflege Frucht­ige und sonstige technische und wirtschaftliche Maßnahmen^ an 'süttionalltät noch viel zu wünschen übrig lassen, der ist sich bar* tber klar, daß die deutsche Landwirtschaft als Ganzes trotz aller Fortschritte noch lange nicht auf dem Punkte angelangt ist, wo gchßere Erträge nur mll unverhältnismäßig höheren Kosten erzielt verben können.

Die deutsche Landwirtschaft steht also noch lange Nicht am Me ihrer technischen und kulturellen .Fortschritte. Und das ft tröstlich. , , . . , ..

Das Turgotsche Gesetz vom abnehmenden Bodenerttag, die Nicardosch Grundrententheorie und das Malthussche Bevöllerungs- gesktz bilden in ihrer Dreieinheit Wohl das wichtigste Kapitel r. der theoretischen Nationalökonomie. Sie gehören zu den .»roßen" Fragen dieser Lüissenschaft und die Stellung, die man zu Tin m entnimmt, ist vor. -pisschlaggebender Bedeutung nicht nur ir eine Reibe weiterer theoretischer Probleme, sondern auch für i wichtigste Fragen der praktischen Wittschafts- und Loziai- i (itit Daraus erklärt es sich auch, daß die Anschauungen der w - einen Nationalökonomen und Wirtschaftspollliter in diesen .'ragen urn Teil weit auseinander gelten und zum mindesten bei eher Erneuerung der Handelsverträge in mehr ober minder I)ep igen Unionen zürn Ausdruck Fommeu. So weit Deutschland

B-tiach: loinml, dreht sich der Streit hauptsächlich darum: 3ft die duntfche Landwittschast imstande, die rasch wachsende em- ):imi|d)c Bevölkerung zu ernähren oder nicht? Vermag sie über- Inmvt ihre Produktion noch nennenswett zu steigern, ohne die Kosten ganz unverhältnismäßig zu erhöhen? Vtll anderen Worten:' Nackt sich bei- Druck des sogenannten Gesetzes vom abnehmenden Bodenertrag bei der deutschen Landwirtschaft>on so bemertbar, ' eine weitere Intel'siviemng nicht möglich oder wenigstens . icht rötlich und dainm auch der Einfuhrzoll auf landwirtschaftliche Produkte vom Ueoel erscheint? m m

Im neuefren Heft der von Professor Julius Wols m,Breslau berauegegebenenZeitschrift für Sozialwissenschaft" untersucht Dr. Fvses Rybork diese Fragen mt der Hand zweier neuerer Publi­kationen. Den freihändlerischen Pessimisten, die Zölle für über­mässig und, rveil sie das loichtigste Nahrungsmittel verteuern, rür verwerflich erklären und die Notlage der Landwirtschaft auf tie unter der Wirksamkeit des Bodengesetzes erfolgte Jntenswie- rung zurückführen, demertt (wie uns scheinen möchte, sehr §u» | tieffenb) Rybork:

AttSlattd.

Die englische Reichsverteidigungs-Kon- ferenz wurde gestern im auswärtigen Amte eröffnet. Premiernnnlster Asquith begrüßte die Vertreter der Kolonien. Die Beratungen sind streng geheim. Es ver­lautet, Premierminister Asquith habe die Vorschläge der Reichsregierung kurz dargelegt.

Zum Besuch des Zaren ist das ftanzo,ische Nord- und Mittelmeergeschwader in Cherbourg eingetroffen. Die Konstantinopeler Blätter bestätigen, daß der Zar Anfang September nach Konstantinopel kommt, und daß der Sul­tan btm Besuch in Livadia erwidern werde. Wahrschein-

tfH Wta 1

in J-mg- HanWi it BefchäiiiWng als 3tim nlfc. Aui Vobn wird w. N reflektiert. Ääderes etotr Eintiauier, lftckfrt. 26. m W Hausmädchen, Miede iudcrmädchen suchen >vau Lchmid!.

Deutsches Aesch.

Ernennung. Der Unterstaatssekretär im preußischen Handelsministerium, Richter, ist zum Unterstaatssekretar im Reichsamt des Innern ernannt worden.

Die Ersatzwahlen in den vier Berliner Landtags- Wahlkreisen, bic infolge der Ungültigkeitserklärung der Wahlen der Abgeordneten Hoffmann, Heimann, Borgmann und Hirsch notwendig werden, werden im Monat Oktober stattsinden.

Aus Dresden. Die Verhandlungen zwischen dem nationalliberalen Landesverein, der freisinnigen Volls­partei und dem liberalen Landesverband ergaben eine grundsätzliche Verständigung über die Aufstellung der Kan büxtten.

Ein ganz merkwürdiges Versammlungs­verbot hat, wie derFrkf. Ztg." aus Rudolstadt berichtet wird, sich im nahen Orte Teichel der Schulze erlaubt. Dort wollte der Landtagsabgeordnete Hofmann über die neuen Steuern sprechen. Der Schulze aber verbot die Versamm­lung, indem er meinte, eine Versammlung sei nicht nötig, die Leute seien über die neuen Steuern schon genug aufge­regt. Es wurde sofort Beschwerde beim Landrat eingelegt.

Tttsines ZeMiUeton.

_ Qur Erinnerung anGoethe. Die Großherzoglicke .Kreisbauinspektion Mainz hat brr Firma Gebrüder Stieb in Ober-Olm die Lieferung einer Platte das Ober-Olmer Forst- Hans übertragen, wo sich Goethe un ^ahve 179o aufhielt. Die Platte erhält folgende Inschrift:tzohann Wollgmig v.Gotth weilte hier am 29. Mai mib am 3 Kuni 17.93 wahrend kwr Be­lagerung von Mainz als Gast des preußischen Gesandten am kurmainzischen Hofe Johann Friedrich «vreiherrn v^.Stern

Selbstverwaltung der Schuler. Wir haben tn unseren Familienblättetti vom 3. Dezember 1908 aut die aus- ge jeebneten Erfolge hingewiesen, die man M Amerika mvt der LelbnVerwaltung der Schüler gemacht hat. $änt iit_mtd) m Dulfckland mit dieser ausgezeichneten 5^^herifcken Gierung der erste Versuch gemacht worden, der sw) zweitellos bemijren wird. Die Schule, die diese einschneidende Veränderung als erch gemacht hat, ist das R e a l g i)mnay um u Lüden, cherd, dem hierfür ganz entschieden Hochachtung gebuhtt. Wie ichon ^Name sagt bedeutet das neue Verfahren eine Erwnternng der S'lbständigkeit der Schüler besonders in den hvh^en Klaßen. Tie Schüler sollen angeljalten werden, allen ihren Pflichten Nickst mS llwmia sondern aus eigenem Wollen hermis nad^uEommen Ed dachich schon in der Schule die toahre Freiheit, die dem strengen Pflichtbewusstsein ^springt, kermenzu ierxML Suhefan ^mecic haben die iLchüler aus der Mitte ihrer Äollegen eme un ton Aufsichtskollegium zu bilden, das

Schüler überwacht und von den Sch^lern ftlbst mll Befug^ ausgcstattet wird, die es zu einer Art sewstgUvahlttn Vehorde in allen Fragen der Subordination, der Schulordnung undMw iittlidien Lebensführung außerhalb der S^^ u^^rdnew M^ don'l daß dieser Versuch sich bewahren wird. Beionver^ bei den Schülern der höheren Maßen .bei den^ erfahruiigsgeEß das Persönlichkeits- und Selbstandigkeitisgefuhl sotme der be­griff der Ehre besonders stark ausgebildet nnd, m

dieser Selbstverwaltung die besten .^sebniss^ ^ ^ dadurch der von den erwachsenen Sckulern druckend empftrndenSi.Zucht der Schule enthoben sind, und ihre Pflicht ^.^bter Untervrdr^ig unter aitgeiebeuc Kameraden zu ettullen sich 6kwohn«i. Das System hat in Amerika, wo es seinen UnIrrung

Berichten der amerikanischen Schulbehördenbesten ^Wlg zeitigt. DieM. N. N." bemerken hierzu: Von Amerika stammt liefe neue Institution. Man macht jede Waste zu eman lleinen Parlament, das seine Vertrauensmänner wählt. Di^ft Haven all die Aemter inne, die sonst bisweilen von d-m SVIirem einzelnen

Sckülem übertragen wurden. Während aber sich meist gegen I viele Blätter läuft: ich hätte einen Jnnsbnicker -Lheaterreferentest bieie durch höheren Machtspruch zu Außichtsorganen Erhobenen mit Namen Iranernitter wegen Belerdicyrng verllagt, weil ec