Nr. 279
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Di- heutige Nummer umfafet 18 Seiten. £«»0,
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_ Der Blasel-Karl im braunen Frack. Aus Wien schreibt man uns: Ter Komiker Blasel, der dieser Tage das seltene Jubiläum sechsigjähriger Bühnemmrisamkeü und zu- gleich seine goldene Hochzeit feiern konnte, mußte aus seinen Erinnerungen allerlei Anekdoten hervorholen. Darunter ist die älteste zugleich die lustigste. Als kleiner Junge sang Karl Blasel im Chor der Michaelerkirche Lei der Hofburg. Tie Sängerknaben nnrkten damals auch bei den großen Konzerten m der Burg nut Dafür erhielten sie einen Gulden und fünfzig Kreuzer.
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politische Wochenschau.
Gi eßen, 27. November.
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eines solchen Kleidungsstückes befand sich der arme Junge nicht. Aber der Zufall nrolltc, daß er auf dem Loden des väterlichen Hauses einen alten braunen Frack mit goldenen Knöpfen, wie er im Vormärz Dtvde war, fand. Um an dem gerade bevorstehenden Konzert teilnehmen zu können, setzte sich Karlchen rasch entschlossen hin und schneiderte sich das Kleidungsstück zurecht, indem er die Knopfe so weit als möglich versetzte. Dann schlüpfte er hinein und machte sich beseligt auf den Weg in die nahe Burg Aber kaum war er auf die Gaffe getreten, so verursachte der iriTige Frack einen Auflauf. Im Nu waren ein paar Schulkameraden hinter ihm her und jauchzten: „Der BlasebKark im Frack von sein' Großvätern!" Sie sprangen johlend um ihn herum und zerrten ihn an den viel zu langen ^rrackschößen. Ein energisck>er Ruck, um sich von den Kobolden zu befreien. . . und der kostbare Frack platzte hinten, so lang er war. Narürltch begann der Dlasel-Karl zu heulen und die Missetäter versckpvanden. Da trat ein alter Herr, der den Auftritt mil- angeschen hatte, auf den Weinenden zu und sagte: „Hast Angst, so nach Hous zu geh'n, wirst Verdruß haben?" — „Das nicht aber einen Gulden fufzig hätt' ich beim Konzert verdient, bie sind jetzt futsch!" erhielt er zur Antwort. Darauf sagte der alte Herr: „Na so komm, vielleicht läßt sichs g'schwind gutmachen." Und er führte chn zu einem Sckmeider, der vor dem alten Herrn tiefe Bücklinge machte, und ließ ihm ein „Bonjourl", einen smokingartigen Rock, anziehen. Er drückte dem Jungen noch ein Geldstück in die Hand, und dieser rannte strahlend davon, ohne sich darum zu kümmern, wer sein „Netter" war. Erst später, als Blasel einmal vor dem Kärntnertortheater stand, sah er einen Wagen vorfahren und ihm jenen Herrn entsteigen. Ta der Pförtner fick vor ihm bis zur Erde verneigte, wurde Blasel nun doch endlich neugierig und fragte einen Nebenstehenden: „28er ist denn das?" — „Was den kennen S' nicht? Tas ist ja der Fürst Metternich!" . . So ost Blasel diese Geschichte erzählt, schließt er mit den Worten: „Tas war meine erste Begegnung mit dem Staatskanzler l"
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Deutsche» Reich.
Der Reichskanzler will, wie die „Tägl. Rundschau" zu wissen glaubt, im Laufe der nächsten Wock>e Gelegenheit nehmen.
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7 et Sletzener Hnjetget scheint täglich, außer MonniagS. - Beilagen: viermal wöchentlich iPctzeaerFamilirnblätter; ;ioeunal roödieniLKuiS: lpaNsüldenUrettLictzen i lenslag und Freitag);
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Der Sieg der $o$ialöemofraten in Halle.
Wieder ist eine Reichs tags ersatzwahl, deren Ausgang zweifeltnrft war, zugunsten eines Sozialdem-okraten entschieden worden. Wir erhalten folgende Meldung des Wolff- 'schen Bureaus: c
Halle, 26. Nov. (Reichstagsstichwahl.) Ms abends 10i/2 Uhr waren abgegeben für Kunert (Soz.) 25553 Stimmen, für Reimann (freis. Dp.) 21298 Stimmen. Es fehlen nur noch einige kleine ländliche Bezirke, sodaß die Wahl Kunerts gesichert ist.
So hat denn der Genosse Kunert seinen früheren Sitz, den er vor dem bisherigen Vertreter des Wahlkreises, ______________________- _ -
hervorgerufen. t ~ . r .
Hermann Norden spielte den ©ctfenfabn^antcn und Marmefeind mit so liebenswürdigem sonnigem H^'mor und ausgelassener Laune, daß mit seinem Auftreten der Erfolg des Stückes gcfid)ert war. Seine vollwertige DarsteUmig tief lebhaften Beifall hervor. Nächst ihm ist Paul Urban zu nennen, der als Seekadett sogar bei offener Bühne^bejubelt wurde. Er gab den munteren, flan^ tn ferner Kadettru- ehre ausgehenden Jüngling im >o.ile des trümplizssimus mit hock>errreulickem Gelingen und trug viel zur allgemeinen Heiterkeit bei Voll svrühenben Lebens und goldiger Freude war Fränzi Kock' als verliebe Frieda, und in dem Aof rr.t am Strand erzielte sie gemeinsam mit Kurl M a r x. der den Leutnant zur See äußerst liebenswürdig und schneidig verkörperte, einen beachtenswerten Erfolg. Gusti Ney ^ti) der flüchtigen Johanna alle Vorzüge chrer sprudelnden Lebendigkeit und Rodolf Goll stattete den ^ournalqten nrit der überlegenen Ruhe seiner schönen Darstillangskunst aus. Sehr nett waren Rolf G. nolt als Ämerikaner, Karl Volck als Kapitän und Eogar Pauly als Schulze. Ferry T-aubal überraschte durch das glatte Geschick, mit dem er sich in die ihm wohl kaum zugedachle Rolle als Matrose sand und führte sie ausgezeichnet durch Lore Scholz spielte das Dienstmädchen mit der ihr eigenen Lebendigkeit, und Elly Gähne gab die „fliegende" Agathe mit Forsch und Schneid. Auch Die übrigen Mttwlrkenden trugen das ihre zum guten Gelingen der Vorstellung bei
rrister Pichon der Redlichkeit der deutschen R g erung feinen Dank ausspreche, so könne von deutscher Seite gleichfalls festgesvellt werden, daß auch die fran^Ss sche Regierung den aufrichtigen Willen gezeigt habe, sich durchaus in den Grenzen des Februarabkommens zu halten." Gleuhzeitig tritt aus diesem Berliner Telegramm dieselbe Ausleyung zutage, die wir vor einigen Tagen aus einem amtlickeu Ei der „Grengboten" sckKupfen sahen, daß nämlich in der maroktanisck)en Anleihesrage Deu schlanb und Frankreich eine „durchaus übereinstimmeiide Haltung" an den Tag l gten Was aber die ,LÄln. Zlg." gestern durch das Berliner Sprachrohr pries, bohrt sie heute in den Sand. In ipalten- langen Artikeln schlägt sie der eben angedeuteten Berliner Auffassung direkt ins Gesicht, indem sie nämlich eine Fülle von Beispielen dafür angibt, wie die fcanzösisck)cn B.Horden in Marokko, entgegen den getroffenen AbmackMigen, die wirtschaftlick-en Juieressen der Deutschen mis'ack)len und sckstidigen. Mit der Erteilung der Schutzscheine für maro konische Eingeborene scheinen die Franzosen einen regelrechten Schack>er zu treiben. In manchen Gegenden gibt es, so heißt es iuid) der „Köln. Ztg", so viele franzr1i,ck)e Schützlinge, daß kaum noch andere Leute anzutreffen sind. Wenn die übrigen Fremden nicht ebenfalls in dieser Weise unbeschränkten Schutz gewähren dürfen, so wird natürlich das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und ihren eingeborenen G'sckMftsfreunden schwinden. Eine englische Bettung hat es ans Tageslicht gebracht, daß junge fran os sche Angestell e an chren Konsulaten Schutzschciue für E ng borcnc erhielten und sie bann für möglichst hohe Summen der- lausten? Die Lieferungen für das marolkamsche Heer sollen auf Grund der Dlgeeirasakie vergeben werden, aber wie wird das gemack.f Der freie Wettbewerb wird ganz offen verletzt, so mußte z. B. das Muster des Tuchs in der Farbe genau dem entsprechen, das durch ein in Frankreich patentiertes chemisches Geheimverfahren gewonnen wird. Der französisck)e Berdingungsausschuß in Tanger pf(egt ferner die Lieferungsfristen zu kurz anzusetzen. und es wird dagegen die Beschwerde erhoben, die £i:fcrung5fri|ten hotten nur für solche (französische) Firmen genügt, bie entweder im voraus benachrich igt waren oder die nach den Bedin- aungen der Ausschreibung entsprechende Refte auf Luger hatten. Der Generalinspektor der marokk.m scheu Polizei, Oberst Müller, habe dann wiederholt Die Lieferungen als mangelhaft und mit den Vorschriften der Ansichreibung nicht übereinstimmend bezeichnet.
Noch viele andere deutsche Klagen führt die ^,Koln. Ztg." an. Wie kommt sie aber dazu, gleichzeitig von Berlin aus in der oben erwähnten unver,tänolichen Weise sich bedienen zu lassen? Wir hoffen, daß bei der heute in Berlin ftattfindenden Ausschußsitzung des Bundesrats für Aus- wär'iae Angelegenheiten eine an"ere St mmung zum Uus- druck kommen wird, als sie bisher in den halbamtlichen Presseno'tien hervorgetreten ist!
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i.ebeutet .
Auch Frankreich hatte seine Budgetberatung, und hier w es die ?J?arofTofrage, die zu den toühtigften Darlegungen und Kundgebungen führte. Wir haben bereits bie lrsführungen Vichons, des Ministers des Auswärtigen, »L.'ennztickinet, aber nur wenige deutsche Zeitungen, darunter LM)erweise die ,/2oss. Z g.", sind der Tragwci.e des Pariser timmcrercignih'ed gefolgt. Ob bie „Eventualitäten" des taern Pick>on, trotz der Vogelscheuche von Algectras, wirk- nch demnächst auf'das marokkanische Feld flaitern und ob iun in Berlin ein wachsames Auge dafür hat? Vorläufig lertraut man uns in Franrreich, und das ist schlimm. Denn iS ist ein Vertrauen in die deutsche Ratlosigkeit und Schwache, bierkwürdige Anfälle von Lach- und Weinkrämpfeu hat bie halbamtliche „Köln. Ztg.". In der Wilhelmstraße lebt man nixf) in der tampfesmuden Periode des Entgegenkommens, unb bemgemäß heißt es in einem (sick)erlich amtlich beein-
GLctzener Siadttheater.
Flottenmanöver.
schwank in 3 Auszügen von Kurt Kraatz unb Heinrich Stobitzer.
Vor Helgoland sind FlottenmanSver. Der Kapitän des Kaggichisses hat ernst feinem Setter, ober roaS er fonft tü, bie Braut weggescbnappt und nun treffen sich die JLnber bet beiden auf Helgoland wieder. Daß sie sich lieben, das ist selbltverständlich - aber Frieda hat den Hag ihres Vaters UW alles, was mit der Marine Mmmenhangt, geerbt. *3er Sohn des KapiiänS, ein aiigcnbLtcrlufi beurlaubter Leut- thu zur See natürlich, hat sich ihr in Zivil genabert, um >V.e beiden alten Widersacher 311 verlohnen. Der ehemalige Aräuligam und jetzige Marinefeind ist nach Helgoland ge- ".'mmen, um feine Nichte, die ihm entflohen ist, von der Hochzeit mit einem Journalisten auf dem ®lIanb ^halten. Die Nichte findet in der .vKinbta)che ihres Ver> ,bbten eine garize Anzahl von Lichtbildern schöner Damen "«d ist selöstDevsiünbuch auf3 tiefst- bektbigt frbett ist außerdem noch in Frieda verliebt, der Me.rine- rinb ist iLxifferfdym, abergläubisch, seekrank und aus Lachsen, l-dne ehemalige Brant unb jetzige Kapitanssrau fahrt im Allsten Sturme allein im Segelboot, etn Matroje liebelt tait einem Dienstmädchen usw. usw.
Auf diesen Voraussetzungen haben Kraatz und öt^ Bitzer vor Jahren einen tollen Schwank aufgebaut und Aftern haben sich bie hiesigen Theaterfreunde weidlich darüber gefreut. Die Ausstattung war sehr forgiattig und nirkungsooll vorbereitet worden: nament-ur dao Xca £>•. ganzerichiffes. Theatermaler Schwedl er und Theater, ^meister Jenny hacken sich außerordenckich chngestreng^ u. d Bühnenbild zuwege gebracht, das lebhafteste JjterLn» sung verdient.
| Mit dieser äußeren Herrichtung ging die Darstellung Land in Hand. Unter Hermann N 0 r d e n 5 urn^chtiger i Zeitung wurde in flottem, sicherem Spiel aus dem «LMvaul
[ i vielen andern Engländern festen Fuß ge aß! hat. ----
lisdowne hat in feiner letzten Rede erklärt, nur die E-n-
1 hrung des Schutzzolles könne der Reichsf.nanznot ültsam abhelfen, und auf der andern Seite ist Balfour in timingham kürzlich gleichfalls öffentlich für die Abkehr »in Freihandel eingetreten. Bei dem Wahlkampf, der »caussichtlich bald beginnen wird, können solche St>mmun- n natürlich sehr empfindlich auch w tilchaftl cb zum Aus- rud kommen, indem ein reger Import den G ldmarkt noch i«hr belasten wird als bisher. Daß ein Regierungswechsel mer eine Verschärfung des Gegensatzes zu Deutschland ,u.r Folge haben würde, haben wir früher bereits an-
Der Kulturtampf in Frankreich.
Paris, 26. Nov. Die Ä'ammer begann die Beratung des Haushalts des Kultusministeriums Ministerpräsident B r i a n d erinnerte in Erwiderung aut die Einwürfe der Kalholilen gegen das Trennungsgesetz daran, daß die von der Kirche ausgehenden Verfolgungen sie dazu gezwungen hätten, Gesetze gegen die Kirche zu erlchsen ^er Ministerpräsident rechtfertigte sodann den Bruch des Kow- kordats und sagte, die Regierung wende das Gesetz mit mög- Ikbfter ©dwmuig »u Er sei überzeugt, schließlich werde das französische Gewissen über das Ltholische Gewissen triumphieren.
Abbs Gay raud antwortete hierauf, wenn bie Katho- lifen einmal zwisck>en diesen beiden Gewissen zu wählen hätten, würden sie für ihren Glauben zu sterben wissen. Der heilige Vater möge versichert sein, daß er in den Katholiken Frankreichs ergebene Kinder finden werde.
Jrn Verlaufe der Sitzung kam es zu einem Zwischenfall. Der Deputierte Lorey Beaulieu nannte den Depu^rten Korguezec einen Renegaten, worauf Äorgueyc ihm seine Zeugen sandte. v
s)2ad) einer späteren Meldung wurde der Zwischenfall zwischen den Deputierten Loroy Beaulieu und Korguezec von oen Zeugen gütlich beigelegt.
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dem verstorbenen freisinnigen Abg. Schmidt, inne gehabt hat, wieder erobert! Trotzdem die bürgerha>en E«ruppcn auf einen Kandidaten, einen Freisinnigen, stch geeinigt hatten. Bei Der Wahl im Januar l907 hatte der freisinnige Dolksparteiler Karl Adolf . Sck)midt 25 l49 Stimmen auf sich vereinigt, während der so-iacdemokratische Kandidat Kunert mit 21941 Stimmen in der Minderheit blieb.__________________
Der Üationülirätcnftreit im österretchijchen Abgeordnetenhaus.
Wien, 26. Nov. Jrn Abgeordnetenhause stellte bei der fortgesetzten Beratuna der D r i n g l i ch k e i t s anträge zur Regelung der Nationalitätenfrage Abg. Stölzel als Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Parteien folgenden Antrag:
„Es ivirb ein Ausschuß von 52 Mitgliedern gewählt, mit dem Auftrage, zur Regelung der nationalen Angelegenheiten und der hiermit zuianimenh^ingeuden Gesetzenmnufe und Anträge, die in Zukunft dem Aus?ckwb überwiesen roet- den, zu beraten unb dem Hause hierüber zu berichten. (Beifall.) Rus bei ben Tschechisck)-Radikalen: Das ist ja ent Bruch der Gesck-aftsordnung und kein Bcfchlußantrag, sondern ein neuer Antrag. Großer Lärm)." .
Der Sck)luß der Debatte nmrde beschlofien. (Lärm Bei den Tschechisck^Radilalen.) Die Generalredner >Leitz und Fuchs erklären, daß sie int Interesse normaler parlamentarischer Verhältnisse und des nationalen Friedens für den Antrag stimmen werden.
Nach einer Reihe tatsächlicher Berichtigungen erklärte der Obgeorbnete Äramarca, dem Anträge Swlzels beizutreten und betonte, bie Tschechen wollten einen ehrlichen Ftieben. Auch die übrigen Antragsteller traten dem Anträge Stölzel bet worauf der Antrag Stölzel angenommen wurde. (Lärm bei den Tscheckstsch-Radikalen.) .
Nack) zivölfstündiger Sitzung wurde um 11 Uhr abends die heutige Beratung gefchlossen. Nächste Sitzung Dienstag. Tagesordnung ist die erste Lesung des Budgelprovuoiiums.
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Erst nächsten Dienstag, wenn der Reichs'ag w eder bc» nhmt, wird das innerpolitische Leben in Deutschland wieder i Bewegung kommen; über die müßigen Streitigkeiten 11 der Presse und innerhalb der Parteien, die ja noch nicht tut (en, wie und wo sie zu Tische sitzen werden, hält sich ui- er Interesse an die Ereignisse, die das Ausland be- gen. Da zeigte die verflossene Woche viel. England ' Frankreich bieten gegenwärtig eine Fülle wichtiger iiischer Beobachtungen. Dabei braucht man den Fest- noen in London, die sich mit den deutsck>-engl,schen Bezieh- iiVgen beschäftigten unb die alten, zum llederdruß herge- [netten Phrasen nur mühsam in ein anderes Gewand zu fiben wußten, nur geringen Wert beizumessen. Viel be- bzutungsöotter ist bie gegenwärtige Tagung des Oberlaufes, die am Mittwocl) wieder zu einer Ueberraschung ,-führt hat. Das Haus ist nämlich übet den Lansdowne- (2en Vorschlag sich noch nicht einig geworden, und em ] derer Führer, Lord Rosebery, der zwar auch das Budget Her außerordentlich schädlich erklärte, hat der Opposition tod) ungeraten, Lansdownes Antrag nicht anzunehmen jtb das 'Budget nicht zu verwerfen, weil das Oberhaus bannt zu viel aufs Spiel setze. Tie Wirkung dieses Budgets r »ge dem Urteil des Volkes übergeben werden und dieses 'Mrbe später der gegenwärtigen Opposition Recht geben, i-ie Entscheidung des Hauses wird erst im Anfang der nädrften Woche fallen. Rosebery befürchtet offenbar, bei bet Ablehnung der Regierungsvorlage würde eine Vol.s- ewgung für die Abschaffung des Oberhauses einsetzen. seine Rede war auch deshalb vom größten Interesse, weil r erklärte, Englands Ruhm und Größe als Finanzmacht, 14 „eiserner Gelbschranl Europas", sei im Abnehmen bc- riffen, bie Millionen, die sonst vom Auslände nach Eng- 1 nb geschickt zu werben pflegten, seien schon verschwunden.
Erstes Blatt * ISS.Jahrgang Samstag S7. November 1909
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Tat>‘ien<^esnmiimer Rotatiott$ön:(f Mtd Verlag der BrflbHthcn Univ.'Vllch. und Zteiudruckerei H. Lange. RedaMon. Lfpeditlon und vruckerel: Zchulstratze 7. veL
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