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3.4.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Samstag 8. April 1$M)9

Die letzten Taae vor den Osterferien Hal der Reichs^ mit erstaunlichem Fleiße gearbeitet, um den Etat noch

Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

können.

Serbien.

Dynastie Karageorgewitsch so

voraus.

Hotttifche Tugesschuu.

der italienischen

Maßnahmen

Bezugspreis: monatlich 75Pß, viertel­jährlich Atk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6b Pf.: durch die Post Mk.S. viertel- jährl. auSjchl. Beslellg. Zeilenpreis: lokal IbPs, auswärts 20 Pfennig, Berantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuille­ton undVermischtes" K. Neurath; iürStadt u. Land" unbBerichts-

Italien und dar deutsche Weiqgefeh.

Wie es frfjeint, hüt das neue deutsche Wnngcsetz einige Pe- rmruhigrmg in

gehenden Gegensätze zwischen bcn beiden Kammern herrschen Mittlerweile hat sich auch das Präsidium der Ersten Kammer eines besseren besonnen und sich bereit erklärt, auch weiter im Amte zu bleiben.' E. A.

Redaktion, Expedition und vrncketei: Schulstraße 7. SS{eiflenieufJ;®eS

polUefci?c Wochenschau.

Gießen, den 3. April.

Dos, was man in den letzten Wochen kaum mehr zu hoffen gewagt hatte, die friedliche Beendigung des serbischen Konflikts, ist zur wirklichen Tatsache ge­worden. Jni deutschen Reichstage hat man scherzweise dem serbischen Kronprinzen Georg das Hauptverdienst an der Erhaltung des Friedens zugeschrieben. Sicherlich hat die Thronentsagung des serbischen Kronprinzen einiges dazu beigetragen, die kriegslustige Stimmung in Belgrad für den Augenblick zu dämpfen, aber zur endgültigen Beruhi­gung der Gemüter in Serbien hat der folgenschwere Schritt des Kronprinzen wohl kaum etwas beigetragen. Wenn nicht alles täuscht, steht Serbien wieder einmal vor einer Staatsumwälzung. König Peter, so hieß es dieser Tage, wolle nach dem formellen Friedensschlüsse mit Oesterreich» Ungarn zurücktreten, um seine Apanage in Ruhe an der Riviera zu verzehren. Diese Nachricht wurde dementiert. Nun aber verlautet, daß man in Serbien einer Verschwörung der Offiziere auf die Spur gekommen sei, die die Dynastie stürzen wolle. Der den Serben von den Mächten auf­gezwungene Friede nach allen den kühnen Träumen von Krieg und Sieg wird gerade in OffizicrSkreisen als etwas schimpflich empfunden, und es ist wohl möglich, daß man

tag fertigzustellen.

Eine große Sensation haben die letzten Tage in H e s s e n gebracht. Ein alter Groll, der zwischen dem Frei Herrn von Hehl und dem Finanzmini stec Gnauth herrscht, kam in der Ersten Kammer zu sehr lautem Aus­druck und schließlich legte das Präsidium der Ersten Kammer sein Amt nieder. Man hoffte offenbar, auf diesem Wege den verhaßten liberalen Minister stürzen zu können Bedeutsam ist es aber, daß die Zweite Kammer dem jo schwer in der Ersten Kammer angegriffenen Minister ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen hat. Auch in dieser An­gelegenheit ist wiederum offenbar geworden, welche tief­gehenden Gegensätze zwischen den beiden Kammern herrschen

Der Deutsche Stipendien-Verein in Ostrowo

hat soeben seinen zweiten Jahresbericht ausgegeben. Er hat feirt Vermögen auf 55.56,48 'Mark erhöht und wie im Vorjahre acht Stir-cndien bewilligen können. Um seinem Zwecke zu genügen!, den seßhaften gebildeten Mittelstand der Ostmvrweutschen zu starten und die immer noch uiief zu geringe ZM der geistigen Führer fiiir sie zu vermehren, hat der Verein wie bisher jedes Stipendium von der schriftlichen Verpflichtung abhängig gemacht, daß den Stipendiat später sich 'dauernd in der Ostmark niederläßt, nach Möglichkeit Rückzahlung leistet und selbst dem Verein beitritt. Temgegenübei- haben die polnischen Stipruoienvereine, iyc das gleiche für das Groß polen tum erstreben und gleiche Bedingungen nach ihren Berichten stellen, sehr bedeutend größere Erfolge erzielt. So 'Hal dec- PosenerVerein zur Unterstützung lernender Äiadchen", der allein über einen Legatensvnds von 70 754,10 Mk. verfügt, in einem1 Fahre 22533,38 Mk. eingenommen und davon 12 481,60 Mk. für das Studium von 115 Stipendiatinnen, aus höheren Anstalten, Fachschulen usw. ausgegeb-.nl. Ter oberschlesischeVer­ein der Unter'richlshilfe", der erst 19D6 gegründet ist, hat nur 2260 Mk. Stipendien bewilligt. Er hat aber infolgedessen seinen eisernen Fond auf 24 536,09 Mk. erhöhen können. Weit mehr hat der )eit fast 70 Jahren bestehendeMarzinkowski-Vevein" m Posen geleistet, der älteste und gefährlichste Feind des Deutsch, tmns Seine eisernen Fonds find bereits auf 1 485 733,78 Mk. gestiegen! Ihren Grundswck bilden zahlreiche Geschenke, Legale und Sammlungen: darunter befinden fick aus dem Berichtsjahre solche von 12 000, 15 000, 30 000, 32 000 und 67 000 Mk. Die Einnahmen dieses Vereins betrugen in diesem Jahre bereits 96517,92 Mk. Mit 85 720,75 Mk. hiervon hat er in diesem einen Jahre nickt weniger als 547 Stipendiaten unterstützt, und zwar Juristen, Mediziner, Philologen, Zahnüvzte, Apotheker, Im- aenteure, Tierärzte, Schüler höherer Schulen usw. Bei solchen! Leistungen dar? es nicht Wunder nehmen, daß seine Zögling« immer mehr die Reihen der großpolnischen Führer verstärken und deii polnisck>en Boykott gegen die Deutschen, denen solche national brauchbare Führer sehlcn, xu immer größerem tfrolge verh ltem Deshalb erfordert es das Interesse der Ostmark gebieterisch, daß endlich genügend deutsche «tipendtateu diesen polnischen entgegen« gestellt WEN. Tre Oltmarkdcutsckcu habeli denDeutsches Stipendien verein zu Ostrowo" (Vorsitzender Superintciident Har- hau,en) allem gegründet und ihn bisher rast allein unterhalten müsim. Nachdem er sich aber als lebensfähig und für das gt> fanttc Deutnhtum notivendig erwiesen hat, müssen sie erwarten! dnigen, daß ihnen aus dem ganzen Reiche Mitaliedszahlungm uno Lpenden zu fließen.

er dem Staatssekretär v. Schön vorwirft, bei der Erörterung des Falles Kuhlenbeck dem Reichstage bren Unwahrheiten gesagt zu haben. Auf Grund angebliche Zeitungsberichte läßt die (Ä- klärung den Staatssekretär gesagt haben: 1. Pwf. KuhlenbecL hätte den Studentenausschuß aufgelöst und deshalb Katzenmusik bekommen. 2. Er hätte widerrechtlich seinen Zuhörern Testate verweigert. 3. Er hätte sich der Preßhetze gegen Lausanne schul­dig gemacht- Diese Vorwürfe des Prof. KuUenbeck sind unbe* grün bet. Nach dem stenographischen Bericht sagte der Staaks-- sekretär in Wirklichkeit zu.1: Kuhlenbeck hätte eine Anfrage eines Studenten nach Anrechnung von Vorlesungen in Deutschland mit Ausschluß dieses Studenten von seinen Vorlesungen beanhwrict Von der Auslösung des Studentenausschusses ist in befi Aus- ftihruugen des Staatssekretärs nur gejagt, daß es bei Wieder­beginn der Vorlesungen Kuhleiibeets zii Ruhestörungen durch schweizerische Studenten gekommen sei: zu 2. erwähnte der Staats­sekretär aus einen Zwischenruf lediglich, daß, so viel ihm bekannt sei, bezüglich der Testate Schwierigkeiten entstanden, imchlräg- lich aber behoben seien. Diese Mitteilungen habe er jedvch nicht amtlich, sondern privatim erhallen. Zu 3. äußerte der Staats­sekretär keine eigene Meinung, sondern wies lediglich auf die Begründung des Absetzungsbeschlusses der Staatsbehörde des .Kan­tons Waadt hin, in welchem die Professoren Kuhlenbeck und van Vleuten für die Prehfehde gegen die Universität Lausanne fünf verantwortlich erklärt wurden. Hieraus ergibt sich, daß die Er­klärung Kuhlen Hecks in allen drei Punkten mit der Wahrheit nicht Überciiiiitnimt.

Reiskplane de8 Zaren.

Der Petecsburger Korrespondent desTempS" bestätigt, daß der Zar im ,Mai, falls nicht unoorhergesehene Hinternisse pa° zwischentreten, eine lange Kreuzfahrt nirlernehmeii iverdc, berenl Hauptzweck es sei, den Besuch des Königs von Italien zu erwidern. Der Zar werde in Stockholm, Kopenhagen, Etwistiania, Borts» nwuth und Cherbourg oder Buest anlaufen und Begegnungen mit ben Königen von Schweden, Dänemark, Mrwegen, England, sowie dem Präsidenten der französischen Republik haben. Es sei auch möglich, daß der Zar nach Lissabon und Barcelona kommen werde. Man glaubt, baß der Zar mit König Viktor (stmanuel in Neapel zusammentreffen werde, falls iyn nicht ausdrücklich bey Wunsch ausgesprochen werde, nach .Rom zu kommen. Sudans dürfte der Zar auch Achen und Konstantinopel besuchen und durch die Dardanelti-n nach Rußland zurückkehren, um der 200 Jahr- stier der Schlacht von Poltawa beizuwohnen.

Die öffentliche Meinung in Serbien hat sich noch nickt bv- ruhigt. Für den morgigen Sonntag sind in Belgrad und in der Provinz große Protestversammlungen gegen den Rückzug der Re­gierung gegenüber Oesterreich-Ungarn anberaumt worden. Be- tnerEendtveri ist es ferner, daß man die exponierte Lage der Landes­hauptstadt ansängt als drückend zu empfinden. In der gestriges Sitzung der Skupschtina wurde eine von 72 Abgeordneten unter­schriebene Petition ecngebracht, worin die Regierung aufgefordert wird, die Hauptstadt in das .Innere des Landes, eventuell nach N i s ch zu verlegen. Inzwischen hat der deutsche Gesandte, Prinz Ratibor, dem König Peter in einer Privataudienz den Rat -1 ....... stmen mit Oesterreich-Ungarn

Zum Fall Kuhlenbeck.

Dic ilöordd. Allg. Ztg. meldet: tof. Kuhlenbeck erläßt, I wie wir einem Mittagsblatt entnehmen, eche Erklärung, üt beo

Es ist natürlich heute noch nicht möglich, alle Fak­toren zu erkennen, die eine friedliche Wendung dieses Konfliktes herbeigeführt haben. Nachdem die deutsche Regierung jetzt offiziös erklärt hat, daß von ihr fein Druck tu St. Petersburg auögeübt worden ist, wird man manche der bisherigen Kombinationen fallen lassen müssen. In London und Paris hatte man schon mit einem recht ver­dächtigem Eifer von der Demütigung Rußlands durch Deutschland gesprochen, mit der deutlichen Absicht, zu Hetzen üat Deutschland nun auch keinen Druck aus die russischen Machthabo: ausgeübt, so weiß man doch, daß Rußland einem bloßen freundschaftlichen Rate recht wenig Gehör geschenkt hätte. Die Bereitwilligkeit des deutschen Reiches unter allen Umständen mit Oesterreich-Ungarn zu gehen, l)at an der Newa wohl als stärkstes Argument gewirkt. Dazu kamen dann noch die eigene russische Ohnmacht, der Mangel an Kriegsbereitschaft und der Mangel an Geld. Frankreich aber, das den Russen schon mehr als 12 Milliarden ge­liehen Hal, scheint auch keine Lust gehabt zu haben, fein Geld in einer so unsicheren Sache, wie cs ein Krieg gegen Oesterreich-Ungarn und Deutschland gewesen wäre, aufs Spiel zu setzen.

Sehr töricht wäre es, zu meinen, daß der Fried'« aus dem Balkan nun dauernd gesichert sei. Es ist vielmehr damit ui rechnen, das; die Gegner Deutschlands und Oesterreichs die erste beste Gelegenheit benutzen werden, um Rache zu nehmen für die jetzige Niederlage. Man braucht nur einen Blick in die englischen, französischen und russischen Zeitungen zu tun, um zu erkennen, roie die Stim­mung gegen uns ist.

In der russischen R e i ch s d u m a ift am Donnerstag sogar mit mrverhmltem Hasse vom Deutschen Reiche gerebei worden. Ein Vertreter der gemäßigten Reckten, der Graf Bobrinski), stellte bei dieser Gelegenheit die lügenhafte Be­hauptung auf, daß Tenisckland eine strategische Kolonisation der russischen Westprovinzen betreibe. Es werde die Zeit kommen, wo Rußland gemeinsam mit seinen slawischen Brüdern Abrechnung hatten werde. Während der Präsident der Duma dic Bemerkungen eines anderen Redners über Demokratisierung des französischen Offizierkorps und das Eindringen des Judentums rügte, blieben die beleidigenden und lügenhaften Bemerkungen über Deutschland unwidersprochen. Auch ein Zeichen der Zeit.

Dieses Verhalten des russischeik Parlaments wirkt um so unfreundlicher, als der deutsche Reichskanzler erst wenige Tage, zuvor in sehr freundlicher Weise von der Mitwirkung Rußlands an der Beilegung des serbischen Streits gesprochen hatte.

Was der Reichskanzler Fürst Bülow im Reichstage sonst in seinen Darlegungen über die auswärtige und innere Politik gesagt hat, bot zwar wenig Neues und Ueberraschendes, aber es befriedigte doch die Redner aller Parteien und trug namentlich in der auswärtigen Politik wesentlick zur. Klärung der Lage bei.

In ben inuerpolitifchen Fragen wäre im gegen- wärtigen Augenblicke eine Klärung zwar dringend zu wün­schen, aber sie hat sich bis jetzt noch nicht finden lassen. Noch läßt es sich gar nicht absehen, wie es mit der Reichs- jinanzresorm werden wird. Man weiß zur Stunde noch nicht einmal, was aus dem bisherigen Reichstagsblock werden wird. Fast will es scheinen, als wenn es doch noch möglich sein wird, ihn zu neuem Leben zu erwecken. Die Frckhlmgshoffnungen der Konservativen scheinen sich eben, soweit das Zentrum in Betracht kommt, nichr verwirk­lichen zu wollen. Wenn es nach den Konservativen ginge, dann ständen Konservative und Zentrum jetzt Arm in Arm da als Retter der Reichsfinanzreform. Aber das Zentrum will anscheinend nicht, jedenfalls nicht so, wie es die Kon- fervativen wünschen. Die Entscheidung über Sciu oder Nichtsein des Blocks wird voraussichtlich erst nach Ostern iommen.

Nr. 7»

Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, außer 'W

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den König dafür wird büßen lasfen. Auch in Montenegro hat man sich mit dem Frieden noch nicht ganz abgefunden, und cs heißt, daß die Söhne der schwarzen Berge noch immer sehr kriegslustig seien. Doch was liegt an Serbien und Montenegro! Wichtiger ist es, daß der europäische Friede einstweilen gesichert ift denn der österreichisch- er» bische Konflikt hätte ja leicht zu einem Weltkriege werden

?mt, hat das neue deuticke Wnugpictz einige Be- Jtalien hervorgeriifen. In der geftrigat Sibung ............ Kammer fragten Lembo mib Genvsscn an, rorlchL Maßnahmen getnoffen seien zum Schutze des nationalen Wein bau cd mit Rücksicht auf die im neuen deutschen Weingesetz ent­haltenen Bestimmniigen über die Einsuhr italienischer Weine nach Dcutschland. Der Untersiaatssekrctör des Ltnsmärtigen Amtes Pompili erklärte, der Minister deS Aeußeren habe nich- verfehlt, im EinvernelMen mit dem Ackerbauminister sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Der italienische Lkrtschaster in Berlin habe mi! geteilt, daß die deutsche Regierung in der Kommission des Reichs-' tages »'ich gegen die Annahme von Zusatzanträgen ansgespwcken habe, die den gegenwärtigen Verträgen mwiderlaufen könnten. Unter den in den genannten Anträgen vorgeschlagenen Maßnahmen befindet sich besonders eine, die die Verschnittmeine betreffe und die in butter Lesung tatsäcklich auf eine Weise abgeändert worden fei, daß dadurch reine Vertragsvevletznng geschaffen sei. Der UnterftaatSicfreiär versicherte, die Regierung werde sorgfältig bar- Ms achten, daß die in den Verträgen garantierten Reckte ge­nährt würden. lBeifall.) Der Unterstaalssekretär im Ackerbau- Ministerium, Prvsessor Sancrvelli, pflichtete ben Erklärungen Pom- pilis bei und erklärte, gegenübec den neuen Verhältnissen müsse her Weinbau sich darauf einrichten, größere Quantitäten Wein irr den unmittelbaren Verbrauch zu produzieren und dic Aus- uhr besser zu organisieren. Dabei werde der Weinbau die größte Interftütwng durch die Regierung genießen. (Beifall.)

erteilt, ein ehrliches, gutes Einvernehi . ......

zu suchen, da die Interessen der Di. " ' "_i,

am besten Lewal-rt werden können. Mittlerweile werden die cng- lischen Veftrebungen, einen Thronwechsel in Serbien herbeizu- führen, immer offenkundiger. Die Befriedigung der italienischen Regierung über die Beilegung des österrcichisch-serbischen Streites wird von der hiesigen öffentlichen Meinung nur vedin inngsweise feteilt. Ein großer Teil der Presse verhehlt kaum feine Miß- .immung über den divloinatischen Sieg Oesterreichs und den wirk- arnen Beistand Deutscklands. Verschiedene einflußreiche Blätter machen sich die hetzerischen englischen unb französischen Fabeln! von der erzwungenen Demütigung Rußlands ohne weiteres zu eigen und sehen bereits seine künftige kriegerische Vergeltung!

Die Kdjis In der Ersten Nammer.

Wie aus dem Bericht über die gestrige Sitzung der Ersten hessischen Kammer zu ersehen ist, Hal die ganz ohne Not herausbeschworene Präsidialkrisis in unserer Herrcn- kammer ein rasches Ende genommen und zwar mit einem Resultat, das für jeden klar mar, der die Verhältnisse näher rennt. Die Krisis ist bekanntlich durch den Rücktritt des Präsidiums entstanden, der erfolgte, weil die Regierung es ablehnte, in eine zwar nickt formelle, aber tatsächliche Kürzung der Budgeivor-rechte Der Volcskammec einzuwilli­gen. Daß das Ministerium Ewald hierin nicht einwilligen würde, war von vornherein anzuuehmen, und auch vom Großherzog, der ja schon so oft Beweise seiner streng kon­stitutionellen Gesinnung gegeben hat, erwartete man auch in dieser Beziehung die Haltung, die er dann wirklick ein­genommen hat. Dadurch, daß er dem 1. Präsidenten Grafen Goertz die Einwilligung zum Rücktritt von diesem Amt ver­sagte, bekundete er unzweideutig sein Einverständnis mit der Haltung der Regierung, die auch durch ein einstimmiges Vertrauensvotum der Zweiten Kammer unterstützt wurde. Was sonst in der Saclw gesagt wurde, sollte nur dazu dienen, den kläglichen Ausgang der Ak.ion für unsere Herreiuommer zu bemänteln. Der ganze Anlaß z» der parlarn. Kraftprobe oic das hohe Haus versuchte, war übrigens so herzlich unbe­deutend und unnötigerweise aufgebausiht worden, daß matt unwillkürlich nach dem eigentlicken Zweck des deplazierten Vorstoßes sucht. Man geht kaum fehl in der Annahme, daß dieser tiefere Grund die Gegnerschaft deo .Herrn v. Heyl gegen den Finanz-Minister ist, eine Gegnerschaft, die gerade vei der letzten Tagung der Ersten Kammer zu Zusammen­stößen geführt hat, wie sie sonst in dieser gemessenen Körper­schaft noch nie vorgeloinmen ist. so -st Denn der Aus­gang der KrisiS alö eine Niederlage des VLannaS anzu­sehen, der von seinem durch das Vertrauen des Landesherrn erhaltenen Sitz in der Ersten Kammer aus schon des öfteren in die politische Entwicklung Hessens unheilvoll einbegriffen hat, so z. B. in der Wahlrechtsfrage und in der Frage der Äemcindcfteilerreform. Daß sein iteuiefter Vorstoß, der auf die Beseitigung unsere^ tüchtigen und kenntnisreichen Finanzministers aozielte, so kläglich gescheitert ist, darüber wird mau tu ben weitesten Kreisen der Bevötterung auf­richtige Befriedigring empfinden. Ob allerdings nach diesem Versuch der Ersten Kammer, ihre verfassungsmäßigen Rechte zu erweitern, die Neigung der Bolksvenreter be­sonders aewachfen ift, dem Herrenhaus bei der Wahlrechts­vorlage hmsicktlich einer Erweiterung seines Budget- und Gesetzgebungsrechtes entgegenzukommen, darf billig be- zweiselt werden.__

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-tzeee und Flotte.

DasMilitörwock en blatt" meldet: (^ueratteutnaiil von Schenck, Kommandeur der 2. Garoedivision, wurde unter Enthebung von dieser Stellung zmn Generaladjutanten des Kaisers ernannt und gleichzeitig zum Kvmpriuzen kommandiert: hkinerai- major von Lockow, Direktor des Ärmeeverwaltungs-Depärtc- nients im Kriegöministerium, wurde mit der Führung der 2. Garbedivision beauftragt, Oberst von Zastrow, Abteilunge- ches im Militärkabinett, wurde mit der Wahrnehmung der Ec- schäfte des ArmeeverwaltungSbepartements beauftragt.