Erstes Blatt
159. Jahrgang
GÄtiESI
Die heutige Nummer umfafjt 16 Seiten.
E. A.
Der Krisis ausgelassen.
ArrslcrnH
ta «z: UIÄ to ®a3*« Uf». M° Balkan. Aushub zuerst NN. dam Etat d°- S»-»»»>-lt» Mge ist nun allerdings, soweit Oestcrreich-Ungam und die Türkei,Ausschußrcsercnt, Abg. Dr. Weber, Halle daraus tzrngenne,Ln,
in Frage Tarnen, zur Ruhe geioinmen. Eine bedrohliche Wendung schien neuerdings die ttirktscl)-bulgarische Fxage nehmen zu wollen, icl'jer auch hier hat endlich die Vernunft gesiegt. Die Bulgaren haben iljre an der türkischen Grenze angehäuften Truppen wieder zurückgezogen und sich bereit erklärt, aus Grund einer ge- ivissen Geldentschüdigung wieder verhandeln zu wollen. Der bul- garifdje Minister des Aeußcrn verspricht sich hiervon offenbar sehr Niel und er bat sich fdjon sehr optimistisch über die Lösung
'eit 100 aus
Darmstadt, 29. Jan. In der Beratung des he s si scheu Staatsvoranschlags für 1909 ist heute insofern ein wichtiger Abschnitt zum Abschluß gelangt, als die gemeinsamen Beratungen des Finanzausschußes mit den Regierungsvertretern! beendet worden sind. Der Finanzausschuß hat seine Hauptaufgabe beendet und in 16 meist recht arbeitsvollen Sitzungen die Beratung so weit fertiggestellt, daß die einzelnen Ausstlmßreferenten in den nächsten Tagen ihre Berichte fertigstellen tonnen. Am 5. Februar erfolgt dann in einer neuen AusschujMung die Verlesung und Genehmigung der Berichte, die dann nach vorläufiger Drucklegung zur Unterlage für die Beratung mit dem Finanzausschuß der erften Kammer und die in der zweiten Hälfte beginnende Etatsberatung der zweiten Kammer dienen wird. In oer heutigen Sitzung, der Staatsminister Dr. Ewald, Finanz- minister Dr. Gnauth, Minister des Innern Dr. Braun und Geheimerat Dr. Weber beiwohnten, beschäftigte sich der
Derrtjches Reich.
I m Interesse einer VerctNiachung seiner Vor« waltung t)ot der Staatssetrelcir des Rcichsmarineamis v. Tirpltz emc Konuuission emgejeyt, die über die einschlägigen Acnderuugeir eingehend zu beraten und dann Vorschläge z.« machen bat.
Ls a h l zum p r e u B. Herrenhaus e. Aus Präsentation des Verbandes des alten beteiligten Grundbesitzes im Landschwts- eztrk Aiasureu ist Rltiergiitsbesitzsr v. Bteberstein-Nosoggen ins Herrenhaus gewählt werden.
Tre 2 6. Tagung des Lau des -Ausschusses von Elsaß-Lothringen wurde gesieru vom Stanhalter Graten •Webel eröjsnet. In seiner Rede betonte der Statthalter besonders die durch die allgemeine Finanzlage gebotene Zurückhaltung bei1 oer Ausstellung des Etats, besonders auch, da nach dem Gesetz- eutwurs über eine Neichsfiuanzrciorm zu beiürchten sei, daß ertrag* > eiche ErnuahmequeUen des Landes erheblich in Mitleidenschaft >czogen weiden. _
Lchotten. äM-
politijdjc wochen?chan.
Gießen, 30. JaN!.
Der 5 0. Geburtstag des Kaisers ist im allgemeinen still verlausen. Wohl waren die deutschen Vundcsfürstcn nach Äerlin gereist, um dem Kaiser an diesem Tage persönlich ihre (Alüclwünsäje auszusprechen, aber von lauten Festlichkeiten und fitbönen Reden bei Hofe hörte man dieses Mal nichts. Aus den Offiziösen Berichten erfuhr man nur kurz, das der Kaiser und die Äundessürsten nach dem Gottesdienste beim Mahle zusammen gewesen und abends der Festvorstellung beigewohnt haben. Das rrar alles. Die Hosberichte sind bekanntlich eingeschränkt und r^ben nur von den wichtigsten Ereignissen bei Hofe jhinbc. Es i_st, wie man ans allem ersehen kann, .ein neuer Kurs, der heute Cfefteuert wird. Der Kaiser hat sich in allem strengste Zurück- Tjaltung auserlegt und sucht damit eilten der Wünsche des deutschcu Ä^olks zu erfüllen, die namentlich bei den Vorgängen im letzten Herbste laut wurden. Auch das Prinzip der Sparsamkeit schemi I!tzt aus allen Gebieten zur Geltung kommen zu wollen. Sr such beispielsweise auch die Pcr>onatveräuderungen im Heere zu >aiserSgeburtstag weit hinter denen der Vorjahre zurückgeblieben früher war es bekanntlich ost bemängelt lwrdeu, daß so viele tüchtige Offiziere vor der Zeit pensioniert wurden. Als ein weiteres Zeichen für den neuen Kurs mögen auch die Ausführungen . cS Staatssekretärs v. Sstven in der Budgetkommissivn übet luusere diplomatische Vertretung im Auslande gelten. Während nod Lor nicht allzulanger Zeit vom Regierungätiscl-e aus im Reichstag: immer und immer wieder erklärt wurde, daß unsere Diplomatu cvuf der Hohe der Zeit stehe, gab der Staatssekretär des Aus Unartigen dieses Mal ruhig zu, daß Manches in unserer Diplomat wicht mehr zcilgemäß sei. Herr von Sck)oen stellte auch die Er- füllung des Wunsches wach größerer Zuziehung bürgerlicher Eie Meute zur diplomatischen Vertretung in Aussicht.
Höchst bedauerlich ist es, daß man neuerdings eingehend: vertrauliche Mitteilungen des Staatssekretär!, w. Schoen in der Budgetkommission über unsere auswärtig. Lage durch Indiskretion an die Oesfentlichkeit hat gelangen lassen mii) sogar zuerst an ein ausländisches Blatt. Die Schuldigen sinl lrie sozialdemokratischen Abgeordneten Noske und Lehmann hierbei ist die Schuld des Letzteren unvergleichlich toci jeljiucrer. Er hat nach einer eingehenden Besprechung über dm llazulässige solcher Indiskretion, wie sie Noske begangen Haiti einen Bericht über diese Verhandlung im „Vorwärts" veröffenl licht, obgleich die Kommission beschlossen hatte, über die ganz- <UngeIegcnI^it Stillschweigen zu beivahren. Man ist über da. Läerhalteir des sozialdemokratischen Abgeordneten Lehmann selbf amerljalb der Sozialdemokratie sehr erstaunt, denn auch diese Part. h»ck die bei gewissen politischen Fragen gebotene Diskretion bis 6ier ebenso wie die übrigen Parteien streng bewahrt. Von bei Mrteigenossen Lehmanns fuhren die einen seinen Bericht in .„Vorwärts" auf Mangel an diplomatischer Schulung zurück, laLhrend die anderen Fußangeln gegen den militärstommen Ne b«isio nisten Noske wittern.
Auf die Aeußecungeir, die Bülow neulich im Preu fischen Abgeordneten Hause getan hat, sind ihm di .'ionscrvativen die Anttvort nicht schuldig geblieben. Nach dem Herrn v. Oldenburg hat sich auch der ehemalige Post- und Land tairtfck-astsminister v.Pvdbie.ski gegen die Po.isik Lülows ausgcspw (üben. Ni^t miitcer deutlich waren die Aus>uhrungcn b-r» Abg.v.Richt hyifcn in einer der letzten >sitzungen des Abgeordnetenhauses Wiese Rede klang wie eine direkte Kriegserklärung an den Fürstet. Üülow und den Block. Wenn nun die Konservativen vielleicht gimteint hätten, mit ihren Drohungen bei den übrigen Block pout ien üoer bvim Reichstag (Sirtoru.f zu. machen, so haben s.e sie giktäusckst. Die liberalen Blockparteien wissen es ja idjon längst toie sehr es die Konservativen gelüftet, den Zentrnmsorüdern d.i
Au§ Prag. Sonntag lüc Sonntag ereignen sich nun schom geraumer Zeit deutschfeindliche Kundgebungen in Prag,' die dortigen deutschen Studenten ihren gewohnten Bummel, ... dein Graben unternehmen. Die Polizeibehörde hat nun gestern imtgetedt, daß der Graben am Sonntag aus sichsrheilspollNschen Gründen abgesverrt werde. Tie Studenten haben iniolgebefjen oejdilofien, den Bummel für diesen Tag tn eine andere Straße zu verlegen. Tte philosophische Fakultät der deutschen Unweisuät not inzwischen einsumnug eine Protestkiindgebung an den Muusler^ vräsidenten toegen der bereits ein Vierteljahr andauernden Bo drohuiigen und 'Mißhandlungen deutscher Hocbfchi'Uer gesandt.
rirrs nnö CanS,
Gießen, 30. Januar 1909.
Annrchmeschlich für Anzeigen.
Das stündige Anwachsen der Auflage des Gießenec Anzeigers macht das frühere Beginnen mit dem Druck und deshalb auch den früheren Schluß der Anzeigen - Annahme zur dringenden Notwendigkeit. Es liegt ja iin Inter. Ac dec Geschäftswelt selvst, daß den auLwärttgen Lesern dass Studium der ßeihing und damit auch der Anzeigenveröffent- lichnngen noch am gleichen Tage ermöglicht wird. Dieser Umstand macht die Beförderung schon mit den ersten Mittags- zügen erforderlich.
Der Annahmeschluß der Anzeigen muß deshalb in Zukunft wie folgt verlegt werden:
Alle GcschäsLHattzeigcrr, Empfehlungen u. s. ro„ sowis alle behördlichen 'Anzeigen, Bekanntmachungen, Holz- verfleigerungen u. dgl., müssen einett Tag vor der Auf- nähme aufgegeben werden. Schluß der Annahme ist abends um 7 Uhr. Es empfiehlt sich jedoch, große Anzeigen und solche mit umfangreichem Text schon im Laufe deS Vormittags, spätestens aber gleich nachmittags zu bestellens Nur dann kann eine sorgfältige technische Ausstattung gewährleistet werden.
Alle Berkehrsanzeigen, also sogen, kleine Anzeigen.)
Mittag, deo 1. S-ebm- abends SV« Mt«
•i Skuncrcü> s.MOch»
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Nr. 25
Der Hiehener Anzeiger «rfcheint täglich, außer SounlagS. - Beilagen: viermal wochenilich EicbenerFamiliendlätter; zweimal wöchenil.llreis- Ilatt für den ttrris Eichen (Dienstag undFreilaa); zweimal monail. £anö-. rolrt|d)aftlld)edtitfragen ^eriilprech - Antchlüfje: iüi die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 61 811>reffe für Deoelchenr
Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzetge» für die TageLiliimmer bis vormittags 10 Uhr.
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_ Beraniworilrch
General-Anzeiger für Oberheflrn WW v Aif " ® I • u. t!anb" unb „©enchtd*
Itofaflonsörud und Verlag der vrühl'schen Unlo.-Vuch- und Steindruckerei B. tauge. Redaktion, SxpedMon und Druckerei: ZchuistraL- 7. 2?
ZiiijCiflCrllCu • p. C5CCT«
Samsiag 3V. Januar 1909
tfx r>L;ngHpreiZ:
monatlich75Pi^viertel-
jährlich Mt. 2.20-, durch vitVw s^b‘)ole* u. Zweigstellen
Njr Mi monatlich 6b Pf.; durch
daß bei uns im Verhältnis zu Baden und Württemberg die Mül hi rieften zu hoch seien. Die Regierung lvies demgegenüber daraus bin, daß der hessische Wald allerdings wegen der verschiedenen Waldbestände höhere Kulturkasten erfordere. In Hessen sei noch viel Buchwald vorhanden, in Baden und Württemberg dagegen z. B. noch viel Tannenwald, der sich weit besser rentiere. Hierzu Komme auch noch dem Umstand, daß Hessen seinen Wald- besitz in letzter Zeit bedeutend vergrößert und Ländereien hiu;u- gezogen habe, deren Kulturbehandlung natürlich mehr Kosten erfordert. Man hasst aber, daß man in einer Reihe von Jahren auf den normalen Satz für Shi(tuTonlagen gelangen wird. Es Darf dabei auch nicht unerwähnt bleiben, daß durch diese Nm- roanbluna ertragslvser Gelände in fruchtbare Waldungen der Werts des Bodenbesitzes ganz bedeutend gesteigert wird. — Es wurde Daraus noch einmal in die Beratung des Etats der Landesuniversität eingetreten. Ter Ausschuß besprach zunächst die Frage der Erlraltung der Fo r st f a k u l tä t in Gießen trotz der geringen Besuchszahl und erörterte die Bedenken über den häufigen Wechsel der Universitütsprosessoren, sowch die pekuniäre Stellung der außerordentlick)en Pwfessoren in ihren! Gehaltsbezügen. Tie Regierung erklärte, daß an eine Aenderung> Der Besoldung zu Gunsten dieser einzelnen Beamtenklaise von Der bevorstehenden Besoldungsrevision nicht l-erangetreten werden könne, da alle Besoldungswünsche zucückgcstellt worden seien.' Bezüglich der Errichtung von Neubauten für eine Klinik für Obren kranke und eine Klinik für Haut- und Geschlechtskranke erklärte der Regierungsperfreier, daß sich diese Angelegenheit noch im Anfangsstaduun besinde. Mll der Stadt Gießen seien Unterhandlungen über die Höhe eines zu leisteilden Beitrags angeknüpst. Die Stadt bot im v. I. 7 100 000 Mark unter bestimmten Bedingungen, die aber noch nickft zum Abschluß gekommen seien. Zu unserm Bericht über die Beratung des Justizetats ist Noch nachzutragen, daß der Abg. Reinhart die in den letzten Wochen veröffentlichte Statistik oer Kriminalität des Großher-zogtums Hessen zur Sprackze brachte und auf die ganz a u ß e r g e w ö h ii l i ch e Zu nah m c der j u- g e n d 1 i cb e u V e r b r e d) e r binwies. Bei dieser Gelegenheit nahm Abg. Reinhart Veranlassung, auch auf die wenig ersteu- liche Zunahme von M i ß h a n d l u n g e n rohester Art von Eltern gegenüber Kindern hinzuweisen. In den meiften Füllen ii-äre das solche Eltern treffende Straftnaß nicht im Einklang mit den begangenen Roheiten und die Strafen entsprächen in? keiner Weise dem Volksempftnden. — Es wurde ein Fall borge- führt, der sich kürzlich in unserer Nähe (nicht in Hessen) abgespielt habe, in dem eine Stiefmutter ihre vier Kinder int Alter, u-on 4—11 Jahren fortgesetzt mit allen möglichen Gegenständen, geschlagen und verletzt habe. Diese Rabenmutter wäre nach erfolgter Anzeige und gerichtlicher Verhandlung nur mit 2 Monaten und 14 Tagen bestraft worden, eine Strafe, welche bent Volksempfinden ins Gesicht schlage. Hier müsse unbedingt ein Wandel eintreten, hier müsse vor allen Dingen eine solche Mutter! nach verbüßter Strafe einer wirkungsvollen Pvlizeiaufsicht unter* stellt werden in. Zrckeresse der Kinder!
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foinb zu reichen und sie wis,en cs, daß cs schließlich auch ohne bv Konservativen gehen muß. So leicht, lvie die Konservativen c< siih gedacht haben mögen, wird chnen wohl auch die Beseitigung der Bürsten Bülow nicht werden, da der Reichskanzler das Der trauen seines kaiserlichen Herrn noch keineswegs verloren hat. Sie Konservativen scheinen es jetzt selbst einge,ehen zu habeir, d«ß sie zu weit gegangen sind und sie versuck-en es banim, ißre Hetze gegen Büww in einem wesentlich milderen Lichte erscheinen zu lassen, stricht ohne Interesse ist cs zu sehen, wie ein ngliidjeS Blatt, die „Daily News", üocr unsere imierpolitischen Verhältnisse denkt. Das Blall ist geneigt, zu enoarten, daß ein Teutschlaird, in welchem das Landjunkertum seine hrergebrachte, überwiegende Stellung eingc- b«üßt hätte, ein weniger isoliertes Phänomen in i*er europäischen Politik darstellen würde. Wahr- srheinlich würde wohl, falls eine solche Wandlung erreicht würde, iusdann weniger Vertrauen auf die platte Gewalt und das Blüssen metzt werden <ni> weniger von der Unruhe hcrvortreten, die »an im Laufe der letzten Jahro so ost bemerkt habe. Bestiurmt sei b»tr Gang und die äiid)tung der Tinge ja nocy nicht erkennbar. d«ch schon die Andeutung erscheine nriiltontmen, und bann liege tin weiterer Grund, wenn num überhaupt nach Gründen fud)tii tolle, um rum England and) nur den Schein eines dauernden Dreibundes mit Rußland, in dem Deutschland ja uu.ehlbar eine Drohung sehen würde, vermeiden sollte. Cs liege aoer ebenfalls ein weiterer Grund darin für die Hoffnung, daß der Eomnienve Besuch des Königs in Berlin beitragen werde, eine engere An- ii cherung zu ermöglichen. Wie man sieht, ist eine geivisie vcr- Üiderte Stellung der Konservativen aud> schon rm Auslände be- Mrkt nroröen. In seinen Schlüssen geht man aoer in England bed) wohl zu weit. Bei uns ist man einstweilen noch ma)t so hoifnungsfreudig, um schon Andeutungen dafür zu wnstatieren, baü Teutsahlarrd bald aushören werde, ein „isoliertes Phänomen" ui der europäischen Polrtrk darzusteilen. Aber schließlich gibt es üi Europa doch 7roch ganz andere Phürwmen, die von oen Söhnen Ä-ibions allervings noti) nickst entoeett zu fein scheinen. jJcan beute nur an die neueften Vorgänge in Oe,rerreich: Dec streit um btt italienische Uutversitüt oder Fakultät und die daraus ent- flenbene große 5JliB)tiire;nung zwstnstn Jtarieu und Oenerreich;
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Gtnrm'^nen im österreichischen AbgeorduelmhauS.
Im stieichsrate tarn es gestern zu einer ftürmifdjen Szene. Graf Sternberg begründete einen Antrag betr. ein Facbenverbol iür die Prager deutschen Studenten und sagte hierbei: Böhmen werbe nur von Tschechen unb Einbrechern, womit er die Deutschen meinte, bewohnt. Die deutschen Abgeordneten stürmten auf Sternberg mit erhobener Faust los und riesen ihm zu: Besoffener Rotzbube. Werft ihn hinaus. Diese blödsinnige Sdstmpserei muß endlich einmal ein Ende nehmen. Der Lärm dauerte längere Zeil und der Bizepräsidcni ries daraus den Grasen Stcruberg zur Ordnung. — Sie seien eutsä-lossen sich selbst zu helfen, wenn es gehe im Wege des Gesetzes, ivenn nicht im Wege der Gewalt, j.bg. Wolf erklärte im Schlußwort, die Deutsck-en hätten es uttschieden satt, noä) länger die Behandlung, wie sie den deutschen rtiibcnlcn in Prag zu Teil roerbe, sich gefallen zu lassen. Sie .vürdcn zu den äußersten und fdjäriften Mitteln greifen, um sich Lchutz zu verschaffen, aber auch zu den schärfsten Mitteln gegen Re Regierung, die einer solchen Weise aus Furckst vor den Lschechen Abneigung und Mangel an Interesse für die Deutschen be- lünbe. Im Verlauf der Plenarsitzung tarn es zu weiteren Sä rin» läcnen zwischen radikalen Tschechen unb Südslawen. Der Tschecl-c ^rasl sprach über bas Zusammengehen der freisinnigen Parteien mit den Christlich-Sozialen und bemerkte, diese neueste tscl-echen- .ciudliche Koalition werde von dem Südsiawcu Dr. Schusterschitz unterstützt. Darauf erhob sid) ein wüster Lärm bei den Tschechen, ie sich in allen möglichen Schimpfworten gegen die Slowenen ergingen, während Schusterschitz und die Südslawen schreiend zurück scksimpften. Schusterschitz stürzte zuletzt mit erhobenem Arm ms Frasl zu und schrie ihn mehrfach „bewußter Lügner" an. Der Lärm dauerte längere Zeit. Der Präsident hatte schwere Mühe, dic Jrbnung wieder herzustellen.
Die Balkankrisis.
Tic russische Regierung hat einen anerkennenswerten Beweis Oxer Friedensliebe gegeben. Angesichts der neuen bulgarischen ll stungen hat, wie die „Peterso. Tel.-Agentur" mitteilt, die nssische Regierung sich an Die deutsche, österreichifch^-ungarische, -ie fixrnzösische, die englische und dic italienische Regierung mit irrer Zirkulardepesche gewandt, worin sie Den genannten Großmächten vorschlägt, auf Grund gemeinsamen ileberein- . o m m c n s sowohl in Sofia als in Konstantinopel Vorstellungen zu erheben in folgendem Sinne: Militarischc Raßnahrncn an der türkisch-bulgarischen Grenze können lediglich um strachtcil der Interessen bet beiden Länder Hindernisse schaffen mr die erfolgreiche Durchführung der Bemühungen der Mächte, in freundsckmstliches Einverständnis zwischen der Türkei und Bul- larien heröcizuführen. Tie Mächte werden allen Kombinationen ,nrpath.sch gegeittiöerstehcm, welche zu dem genannten Ziele führen .uirnen, aber sie sind der Ansicht, daß der Gedanke einer Rrenzveränderung zum Vorteil einer der beiden Parteien a u s z u s ch 1 i e ß e n sei, da die Aufwerfung einer erariigen Frage die Beziehungen zwisckfen der Türkei und Bul- ;arien als auch die Türkei sich aller Maßnahmen enthalten, welche J-age ungünstig eintoirt'cn könnte. Schließlich sei es notwendig uc günstigen Beendigung der Unterhandlungen, daß sowohl Bul- mricn als auch die Türkei isck) aller Maßnahmen enthalten, welche llS Drohung oder Herausforderung ausgefaßt merben könnten Gleichzeitig mit der russischen Note ist den stMchten eine türkische sttote uberreickst worden, worin die Pforte in entschiedenster Weise jede Llngriffsabsicht gegen Bulgarien in Abrede stellt und erdärt, daß sie m.t Rücksicht auf die Finanzlage Bulgariens ihre früh.we Forderung von 151 <uf 100 M illionen ermäßige. Etz besteht nunmehr nui icoch ein Uuterscksted von 18 Millionen zwischen der Forderung und der früher von den Bulgaren angebotenen Summe. Mau oarf wohl zuversichtlich hoffen, daß dieser geringe Abstand zwiscl-cn Forderung und Angebot eine friedlich Einigung nickst verhindern wird und das umsonrehr, als die Türkei de» Wunsch auf ftm Grenzregulierung offenbar fallen gelassen hat; wenigstens er- ivähnt die türkische 5Jh)te diese mit fciiicm Wort und man wird Daher annehmen können, daß die Pforte zu der Ucbcrzcugung gekommen ist, daß diese äußerst unbequeme Frage ausyem Pro gramm der Verhandlungen entfernt werden Cann. Somit Hai sich die Frage im Laufe der letzten 24 Stunden wesentlich gc- vessert unb es gewinnt den Anschein, als ob bereits jetzt Dayjenigx erreicht sei, waS von der russischen 9iote angcstrcbl worden ist Ob unter diesen Umständen ein Zusammentritt der Mächte, wir ihn die russisckie 'JZote Vorsicht, überhaupt noch notig ist, erscheint zweifelhaft. Tas ändert aber nichts daran, daß tee gute Absicht der russischen Regierung volle Anerkennung berbrent.
parlamentarisch aus l}ci?cn<


