Erstes Blatt
ISS. Jahrgang
Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
über die
Nr. 2S4 / Ter Siebener Unstet «rscheint täglich, Wßer <6onnlag6. - ©ejpgen: viermal roömentlicf) KithenerZamMrnblätter; nveimai roöcoentl.Kitisi ttatt für den «reis Siehen DienStag und Freitag)-, iwetmal monntl. Land- virtichaftlicheSeitsragen
Ein Zentrumsentlein.
In einem Artikel der Dortmunder „Tremonia", der „die betrübten Lohgerber" überschrieben ist, und von den angeblichen Verlegenheiten innerhalb der national!.beralen Partei handelt, wird unter allerlei anderem giftigen Klatsch erzählt: der Abgeordnete Bassermann hätte im Dezember 1907 vom Fürsten Bülow die Zusage erhalten, daß die Minister v. Rheinbaben und v. Einem gehen würden. Dann heißt es wörtlich: „Der liberale Führer notierte sich diese Errungenschaft und verlor die Karte, die ihm aber sofort wieder zugestellt worden ist." z
An diesem Satz ist, so schreibt dazu bie „Natl. Korr. , eines — nebenbei das Einzige in dem langen Artikel — richtig: Herr Bassermann hat in der Tat einmal einen Zettel mit Notizen, die den Niederschtaa einer Unterredung mit dem damaligen Reichskanzler enthielten, im Sitzungssaal des Reichstages verloren. Und e-- t|t ferner richtig, daß dieser Zettel dann hinterher von Herrn Grober ihm wieder zugestellt worden ist. Aber ganz und gar nicht richtig ist, was man nach der Darstellung der „Tremonia" annehmen müßte, daß Herr Gröber den Zettel auch gelesen hat. Herr Gröber ist besser als der Ruf, den fein westfälisches Parteiorgan ihm anzudichten bemüht ist. Er weiß, daß anständige Leute weder in fremde Briefe noch in fr em iE Notizbücher gucken. Er kann den von Herrn Bas ermann verlorenen Zettel schon um deswillen nicht gelesen haben, weil da> von dieser verrückten „Zusage" auch fein Wort stand. Das Fazit: die „Tremonia" i)t von ihrem Gewährsmann, dessen Schrifttum manche Züge mit Herrn Erzberaer gemein zu haben scheint, in aller Form angelogen worden Und nun mag sie, so sie Lust hat, den betrübten Lohgerber spielen.
Grundstücke entl)ält also nichts absolut neues, nur muß man sich über die Eile wundern, mit der das Reichsschatzamt hier vorgeht, und nach der zu urteilen es gar nicht ausgeschlossen erscheint, daß der Reichstag sich angesichts der durch die neueste Reichsfinanzreform keineswegs behobenen Finanzmisere schon in seiner jetzigen Tagung mit einer, wenn auch nur kleinen Reichsfinanzreform zu be- chäftigen haben wird. Einen gerechten Ausgleich zwischen Kommunalwertzuwachssteuer und .Reichswerlzuwachssteuer zu schaffen, wird Sache des Bundesrats sein müssen, sei es nun, daß man einen ganz minimalen Zuschlag zur Kommunalwertzuwachssteuer erhebt, nachdein man diese auf dem Wege über die Bundesstaaten überall obligatorisch emge- führt hat, sei es, daß man — und das wäre vielleicht das richtigste — die Reichswertzuwachssteuer nur in bestimmten größeren Zwischenräumen, also nicht bei jedem Besitzwechsel eines Grundstückes, erhebt. Ja beiden Fällen aber müßte man durch eine einwandfreie Abschätzung des wirklich unverdienten Wertzuwachses, durch Steuernachlaß und Steuerbefreiung in gewissen besonders namhaft zu machenden Fällen, dafür Sorge tragen, daß diese neue Reichssleuer wirklich nur die tragkräftigen Schultern träfe.
Frankfurt, 28. Okt. In der heutigen Stadtver- ordnetensitzung teilte der Magistrat mit, daß er, einem Wunsche der Versammlung entsprechend, beim Städtetage gemeinsame Schritte behufs Aufhebung der Talonsteuer beantragen werde.
Rumänien, Land uns Leute.
Man schreibt uns:
Inder „Gesellschaft für Erb-und Völkerkund^ eröffnete Pfarrer Lic. Dr. Schwarzlose ans Frankrurt a. M. gestern den Reigen der diesjährigen Vuttage nnt einem Bericht Oben ferne Reise nach Rumänien und. entledigte sich seiner Aufgabe in zweistündigem freien Bortrage mit der an ihm gewohnten Redekunst. Rumänien bat unter jeinem Hohenzollernfürsten Karl und dessen feinfühliger Gattin Elisabeth, bekannt unter dem Tiästernamen Carmen Svlva, einen gewaltigen Aufschwung ge- irommen, der deutsche Arbeitskraft und deutsches Kapital in hohem Däiße anlodt. 25 deutsche Kolonien beftefcn im Londe, unb ter größte Teil der runiänrsclwn Staatsanleihen tenntet na) in deutschen Händen. . ..
Bei der- Uebcrnahme der Regrerung iM Jahre 1866 galt die erste Sorge des nun 70 jährigen Königs der Schaffung einer Militärmacht, die sich im russisch-türkischen Kriege ausgezeichnet bewährte. Vor Plewna gab das tüchtig geschulte rumänische Heer den dlusschlag, und infolge seiner gesteigerten äußeren Machtmittel gelang es dem Lande, beim Friedenssclstuise auch gegen ten sieg- reichen Nachbar seine Unabhängigkeit zu wahren. Wenn sich audi Rußland die fruchtbaren rumänischen ^Gebietsteile tu Bess- arabieu aneignetc, so konnte sich der junge Lrtaat in der dagegen -n .tausclsten Dobrudscha mit ihrer 250 Kilometer langen Kulte den Zugang zum Schwarzen Meere sichern. Welche Bedeutung dieser Tausch hat, wird erst in Zukunft ganz offenbar werden, ater beule schon bietet das Aufblühen des Hasenortes Constanza dafür eine sichere Gewähr. Außer Holz bildet der^Weizen den Hauptausfuhrartikel und zwar in solchem Maße,, daß Rumänien heute schon nächst Argentinien an erster Stelle steht., Datei ist zu beachten, daß das Land noch recht schwach tevölkert ist: wahrend feine Größe ter von Süddeutsch! and, einschließlich ter Reichs lande, entspricht, beträgt seine Einwohnerzahl etwas mein als die Halste dieser Länder. Die Bodenschätze sind zum -letl reust bedeutend. Salz kommt in solcher Menge vor, daß der Bedarf von ganz Europa auf unabsehbare .Zeft damit gedeckt werden kann. Die neu belebte Petroleumindustrie wirft hohe Ertrage ab. Daneben wird noch Silber, Blei und Quecksilber gewonnen. Der Handel bedient sich zum weitaus größten Teil des Wasserwegs, so daß die Tonauhäsen steigende Bedeutung gereimten. Em Eisenbahnnetz von 3600 Kilometer Länge bringt weite Strecken
reissen ist weit geworden, die vornehme Art seiner Technik, die meisterhafte Instrumentation, die interessante Harmonik und Melodiebtldung ist verschwunden und an deren Stelle ist eine Musik tm Stile Edmund Elsslers getreten. Allerdings mit Sttauß- scher Mache, doch ihrem inneren Werte nach auf dem Niveau! ter Bariötömnst stehend. Das Textbuch bot allerdings dem Komponisten nicht viele Möglichkeften, doch wäre es verkehrt, dem Librettisten alle Schuld teizumessen. Immerhin scheint auch Victor Laon am Ende feiner Kunst angelangt zu sein. Der Stoff ist eine freie Bearbeitung von Sardou's „Marquise", doch fehlt hier der dünnen Handlung der Witz, die Heiterkeit, um einen! ganzen Abend interessieren zu können. Das erste Bild spielt im Kabarett. Didi, ter Star, verabschiedet sich vom Publikum, um mit dem vielen erworbenen Golde „ins Solide zu wandern". Sie kauft ein altes Ahnen schloß, wird aber von allen ihren neuen Stantesgenossen über die Achsel angesehen. Sie will sich daher einen hohen Atelstitel erkaufen und heiratet einen ehemaligen! Herzog, fetzigen Agenten, dem sie eine große Rente versprtcht, wenn er gleich nach der Hochzeit abreist. Wie das in der Operette natürlich ist, verlieben sich die beiden Gatten ineinander und unter allgemeiner Rührung und Begeisterung fällt der Vorhang. Tics alles wird witzlos intb monoton abgereickelt. Daß dennoch die Stimmung des Publikums erhalten blieb, verdankt Victor Leon einzig und allein feiner Kunst als Regisseur. Die flott inszenierte Operette wurde lebendig gespielt und erweckte gute Laune, so daß meine re Nummern zur Wiederholung verlangt wurden. Vor allem ein hübsches, zwar nicht sehr originelles, aber wirksames Walzev- lied. Am testen gelungen ist ein parodistisches Quintett einer atelsswlzen, hochnäsigen Familie, wieder einmal ein echter Strauß. Von den übrigen Nummern treten noch ein Tanz-Couplet {,Sir sind bie törichten sieben Jungftäulein" imb ein immer Wiederkehr en der Walzer „Das ist Tibi" besonders hervor. Die übrige Musik ist ziemlich trivial, wird aber in ihrer leicht merkbaren Trivialität vermutlich bald populär werten.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft, AuS Anlaß der ersten Jahrhundertfeier der UnobhangigkeitSerklärung der argentinischen Republik finbet vom 25. Mai bis zum 25. November 1910 die erste Weltausstellung in Buenos Aires statt. Tie Firma Christians u. Cie, Hamburg I, Alsterbam 7, erteilt nähere Auskunft.
politische Tagesschatt.
Eine Wiederkehr der NeichswerlzvwachSstener?
Im Reichsschatzamt scheint man der Sortierung der steichsfinanzen, wie sie die konservativ-klerikale Mehrheit ieinacht hat in ihren klingenden Erfolgen wicht recht zu SKT Nacktem der ofbenburgW fttnl
5nde August die Wiederkehr der Erbschaftssteuer oder Erte infallsteuer prophezeit hat, wird jetzt gemeltet, daß der eickvssckiatzsekretär Wermuth die Bundesstaaten um chleunigste Erhebungen zwecks Einführung einer ^ch^- uerUuwid^fteuec ersucht habe, die einen steigerungsfaht- ien Mindester trag von 20 Millionen Mark lahrlich für die ' ^Mil 'der^Einsührung einer Reichswertzuwachssteuer hat man sich bekMintlich im Reichstage bis in den Sommer neses Jahres hinein, ja, fast bis zur Zertrümmerung des Blockes, recht ernstlich beschäftigt. Die konservativen Abgeordneten R o e s ick e und Graf Westarp toaren mit einem Btane, der sich aber auch auf den WerMwachs der Wert- papierc erstreckte, hervorgetreten, um dadurch die von der
mrben. Das Zentrum stellte dabei den Konservativen irine Unterstützung in vollem Maße zur Verfügung, bie xdtung der Reichspartei und wirtschaftlichen Vereinigung var zweideutig, die Nationalliberalen hielten zwar noch an einer abgeschwächten Erbanfallsteuer fest, wollten wer alles, was hinter einem Erttage von 100 Millionen öei dieser Steuer zurückblieb, durch eine Reichswertzuwachsteuer aufgebracht wissen, währenL die Sozialdemo- r a t i e zwar dem konservativen Anttage zustimmte, außerdem aber die Einführung einer Reichsvermögens- und eichseinkommensteuer, sowie das Festhalten an den Erb- chaftssteuern der Regierung forderte, unter gleichzeitiger Beseitigung aller vorgeschlagenen indirekten Steuern aus Gebens- und Geimßmittel. 5)ie f reif innige Frakttons- femeinschaft dagegen konnte sich mit dem konservativen Vorschläge nicht befreunden. Zwar hatte sie an sich nichts egen die Wertzuwachssteuer auf Grundstücke, wenn habet -ie Steuerrechte der Kommunen genügend' geschont wurden, jie widerstrebte aber her Wertzuwachssteuer auf Wertpapiere und aus allgemein politischen Gründen hem konser- 'mHben Vorschläge überhaupt, weil hurch bieses Vorgehen -er Konservativen mit Zentrumsunterstützung her Block- iriehen gebrochen mürbe.
Wohl äußerte sich Reichsbankpräsident Haven st ein sehr entschieden gegen bie Wertzuwachssteuer auf Wert- vapiere, aber der damalige Reichsschatzsekretär Sydow, sowie her preußische Finanzminister v. Rheinbaben akzep- lierten schon damals, wenn sie auch äußerlich noch an her irrbanfallsteuer festhielten, nicht nur bie Wertzuwachssteuer auf Grundstücke, sondern auch bie auf Wertpapiere. Bekanntlich ist dann in her Reichsfinanzreform bie Wertzuwachs- iteuer auf Wertpapiere in Form des erhöhten Effektenstem- pels und des 'Talonstempels zu einer verschleierten Einführung gelangt, während bie Wertzuwachssteuer auf Grund- Stücke nur durch einen Stempel auf Grundstücksübertragun- ien zum Ausdruck kam. Schon damals aber dachte man sehr ernsthaft an bie Einführung einer birekten Reich sw ert- ,uwachssteuer auf Grundstücke, falls die bei her Reichs- sinanzreform berechneten Mehreinnahmen in ihren Erträgen zurückblieben. Ja, man setzte für ihr Inkrafttreten schon den 1. April 1912 als äußersten Termin fest und derlangte von ihr schon damals einen jährlichen Mindester trag von 20 Millionen.
Kulturprojefte im Kongo.
Brüssel, 28. Okt. Kolonialminister Renkin unten» breitete her Kammer das Budgetder Kolonien für das Jähr 1910, sowie ein Exposs über die im Kongo einzufichrenten Reformen, in dem er bie Kolonialverwaltung gegen den Vorwurf ter 05r (uti am feit verwahrt, und feststellt, daß die Prosperität der Kolonie seit deren Angliederung gewachsen: sei. Die Regierung geht bei ten Reformen^ von den Grundsatz aus, daß unbebautes Land Eigenlum des Staates [ei, bewilligt aber den Eingeborenen Handelsfreiheit, intern sie in drei Etappen Land zur Ernte freigibt. Die erste Etappe beginnt am 1. Juli 1910, die zweite am 1. Juli 1911 und die dritte am 1. Juli 1912. Alles Land bis auf 600 000 Hektaren, die sich der <5-taat für die Bepflanzung Vorbehalt, wird alsdann yur freien Ausbeute ten Eingeborenen zur Verfügung stehen. Auch das Steuer- s «item erfährt eine durchgreifende Reform, durch bie tef Lander» erwerb erleichtert wird. Für die Ernte wird der Staat eine [(eine Gewi chts st euer erheben, anderseits aber die drückende Verpflichtung der Eingeborenen, für Europäer Träger zu sein, ausheben. Auch für die Einführung von Schulen wird Sorge getragen werden. Der Kolonialminisker stellte schließlich fest, daß die Reformen kaum größere finanzielle Anforderungen an den Stach: stellen werden, wenn sie auch zu Anfang eine Depression herbeiführen dürften.
Freitag 29. Oktober 1909
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monallich75Pj^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstell« monatlich 65 Pf.; durch hiePost Alk. 2.—viert el- jährl. ausjchl. Besleüg. Zeilenpreit: lofallft'Bt, aus'värts 20 PlenniP Chesredakteur:A Doetz. Verantwortlich für den
des Landes mit den Haupwerkehrsadern in Verbindung trür die Dewittsck>aftung des Bodens sind auf Anregung des Königs in den Krondomänen moderne Musteranftalten aeschafsen worden. Um das seit Aufl>ebmig der Leibeigenschaft (1866) mit Landbcfitz ausgestattete Volk vor Ausbeutung zu schützen, ist Nichttumanen der Erwerb von Grund und Boden verboten worden. Eine Menge neugeschaffener Schulen, sowohl höhere als Volksschulen, gewähren ben| Kindern freie Lehr- und Lernmittel auf Staatskosten, während zwei Universitäten für die Heranbildung geeigneter Beamten sorge tragen. So gewahren wir überall em erfreuliches Bild steigender Kultur und Vvlkswvhlfahtt, das uns Deutsche mit Holser Be- friedigung erfüllen muß. Sehen wir doch daraus, was auch unter äirßerst schwierigen Verhältnissen deutscher Ernft und deutsche Tüchtigkeit in dem Hohenzollernsproß auf rumänischem Thron zu leisten vermocht hat.
— VvlksbildungS Versammlung in Braunfels. Der Rhein - Mainische Verband für Volksbildung verfammelt nächsten Sonntag seine Mitglieder des nördlichen Gebietes in Braunfels, um über ten Betrieb her Bildungsarbeit in kleineren Stäbtcn und S art horten während bev Sommcnben Winters zu sprechen Nach der Versammlung findet ein Beispiel: Dolks- unterhaltungsabend mit dem Thema „Unsere Kinder" statt.
— Wiener Theaterbrief. Aus Wien, 24. Oktober, wird uns geschrieben: „Didi", Operette in einem Bild und zwei Akten von Victor Leon, Musik von Oscar Strauß, erlebte gestern im Carl-Theater ihre Uraufführung. Mit jetem neuen Wett zeigt uns Oscar Strauß ein aiiteres Gesicht. Tw beiden ersten Operetten waren parodistisch, Offenbach'ichcr Witz lag darin, es waren die wertvollsten Schöpfungen des Komponiften. Das große Publikum ater wollte darauf nicht recht eingehen. Ta versuchte es Strauß mit dem „Wienerischen". Mit einer falt unglaublichen Geschicklichkeit wußte er sich in den chm wesensfremden Stil zu finden, und ter Erfolg des „Walzerträum" übertraf selbst seine kühnsten Erwartungen. Der „Tapfre Soldat" folgte. Ein neues Wer? und wieder eine ganz verschiedene Art. Ferne kunstvoll stilisierte Musik mit einer echt künstlerisch bereiten Technik in Harmonie und Instrumentation. Und wieder ließ ihn das Publikum im Stiche. Nun hat Sttauß abermals ehre Schwenkung gemacht, diesmal die radikalste und für den Künstter beschämendste. Er kokettiert mit der Galerie. In „Didi" ist 5rrauB kaum mehr zu erkennen, fein künitlerisches Ge-
tiemüpred) - Anschlüsse: iür bie Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51
• aa politischen Teil: August
für ©bcrljcffcn sss
”"nab"‘zZ«numm« RotottonsöHi« und Verlag 6er vrühl'schrn UniD.-Bud). und Steinöruderef K fange. Reöattion. LrpkdMon und 0 rüder ei: Schnlstratz« r.
bis vormittag- 9 Uhr. _______
fein, nehme man aber morgen das Proporttonalreahlsystem an, so könnten infolge des unvollständigen Mechanismus einer ter- frühten Resorrn verschiedene Schattierungen der Maiorilätvpar- teien, namentlich die unabhängigen Sozialisten, aus der Kammer verschwinden- —. . n
weiteren Verlauf ferner Ausführungen wies Ministerpräsident Briand auf eine Reihe bereits angenommener oder in Vorbereitung bestndlicher Gesetze hin, um zu zeigen, daß die Wahl nach Bezirken es fei, die das heutige Ergebnis ter republikanischen Staatsform Ijemrgebradjt habe, indessen anerkenne er, daß dieses Wahlsystem die Verwaltungsreform nicht begünstige. Der Minister bar die Republikaner und die äußerste Linke, sich nicht zu gefährlichen Koalittonen verleiten zu lassen.
Das Haus nahm die Rede des Ministerpräsidenten mit Beifall auf und beschloß, sic anscl>lagen zu lassen.
Paris, 28. Okt. Da von den Bischöfen der Gebrauch bestimmter Bücher in den Schulen verboten wurde, schrieb der Unterrichtsminister den Lehrern an den öffentlichen Schulen vor, sich jeder fremden Einmischung in den Unterricht zu widev- setzen. Kinder, die die Benutzung her in den Schulen eingeführten Bücher verweigern, sollen teftraft werten.
P aris, 28. Okt. Der Berichterstatter Deschanel zum Etat des Ministeriums des Auswättigen stellt mit Bezug auf das deutsch-französische Abkommen vom 9. Februar fest, daß internationale Gesellschaften in ter Bildung begriffen seien, die sich zum großen Teil aus französischen und deutschen Elementen zusammensetzen und, dem Geiste des Abkommens entsprechend, besonders ten Zweck verfolgen, bie Bodenschätze: Marvk kos zu heben.
Der deutsch-schweizerische MehlzoMonflikt.
Bern, 28. Okt. Im Nationalrat brachte heute Frey- Zürich, einer der schweizerischen Hantelsverttaasunterhändler, bie Verhandlungen mit Deutschland über die Beilegung des M e h l z o l l k o n f l i k t e s zur Sprache und führte aus: Gr halte ten Zeitpunkt für gekommen, die Verhandlungen als fruchtlos auf ,ug eben. Der gegenwärtige Zustand könne nicht länger anbauern, wenn die schweizerische Müllerei nicht untergehen solle. Die vereinigten Zollkommissionen des Nattoncckrats und des Ständerats erwarteten den baldigen Bericht des Bundesrats über das, was weiter zu tun sei. Der Buntesrat Schobmger, Chef des Handelsdepartements, entgegnete, der Bundesrat prüfe die weiteren Maßnahmen zum Schutze der Müllerei. Die Verarbeiten über die Einführung des (tetreibe- und Mehlmonopols feien abgeschlossen Man könne aber mit den Schutzmaßnahmen nicht warten, bis die Entscheidung über bie Einführung dieses Monopols gefallen sei. Der Bundesrat werde die Angelegenheit weiter aufmerksam verfolgen und die Räte auf dem Laufenden erhalten, jedenfalls aber nicht zugeben, daß die inländische Müllerei .zu gründe gehe. Mit dieser Erklärung war die Angelegenhett erledigt
Die Reform des sranzösischen Wahlrechtes.
Paris 28 Okt. Bei den Verhandlungen der Kammer über die Reform des Wahlrechtes wies Cterles Denoist auf die Votteile der Propottionalwahl hin, die von dem ganzen Lande verlangt werde. Briand erklärte, die Regierung glaube aus praktischen Grüiiden aegenwättig bie Art der Befra i des Landes nicht ändern zu sollen und mcmtev bie Mahler könnten Uy vvll ............. bas neu vorgeschlagene System nicht verstehen, das allerdings
Tie jetzt vom Reichsschatzamt angeorbneten Erhebungen gerechter sei als das bisherige. Gegenwärtig hatten alle po^ - bie Möglichkeit einer Reichswertzuwachssteuer auf litischen dttiancen bie Möglichkeit, in her Kammer vertreten zu


