Nr. 34 Zweites Blatt
159. Jahrgang
Freitag, 29, Januar 1909
Erscheint Kgsich mit AuSnaHme de? Konnkagß.
Die ..Gießener gamlllcnbiarter* werte« dem „Anzeiger' otennal roödienthd) beigelcgt, daS „Kretsblatl tüi de» Kreis Gießen" zweimal wöchenriich. Die ^Landwirtschaftliche» Seit* tragen" erscheinen monatUdj treeumxL
General-Anzeiger für Gberhesjen
anb flerfaö ber tRr UnwersuätS • Buch- und Srcuidrucker«. R. Lange, Dießen.
ffebn'tion, ®n'ebitton and Druckerei: €rfiul» flrnBe ?. Erped'Non und Verlag. »L Stebattum;e=3S 112. Teü-Adr» AnzeigerGießem
Deutscher Reichstag.
- 196. Sitzung. Donnerstag, beit 28. Januar,
■ Die Tische des Bundesrats sind leer.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.
Die Rechtslage des Gesindes und der Landarbeiter.
Die Beratung des Antrages der Sozialdemokratie wird fort« gesetzt.
Abg. Dr. Stengel (Fr.. Dp.) polemisiert gegen die neulichen Ausführungen des Tr; Sahn. Dem Glundgedanken des sozialdemokratischen Antrages stimmen die Freisinnigen bei. Tie Rechte möge nie vergessen, daß man die Sozialdemokratie nur dann erfolgreich bekämruen kann, wenn man zwar ihre unberechtiaken Forderungen zurückweist, aber ihre berechtigten Klagen abzustellen sucht.
Abg. Dr. yarcnhorst (Np);
Drn Landarbeitern geht eS besier als den Jndiisirfearbeitern Ihr Los ist ausgezeichnet. Den Sozialdemokraten ist eS gar nicht darum zu tun, die Lage der Landarbeiter zu heben, im Gegenteil, wo wir eS wollen, treten sie uns entgegen. Sie wollen einen Keil zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch auf dem Lande treiben. ES gibt feine Not dek Arbeiters, sondern nur eine solche des Arbeitgeber-. (Lachen links.) TaS Zentrum stimmt tr*bl nur deshalb für den sozialdemokratischen Antrag, um den Block »,u ärgern. (Lachen i. ßentr.) ES htt mir weh, daß ich dlch in der Gesellschaft seh! (Beifall rechts.)
Abg. Totheia (Fr. Vg.)7
EN ist geradezu erheiternd, daß auch diese Frage eine Frage des Blocks fein soll. Wir haben den Block niemals so ausgesoßt. daß wir nun auf unsere Forderungen Verzicht leisten sollen. (Zustimmung der Freisinnigen.) Tie Regelung der Verhältnisie der Landarbeiter hat vor 40 Jahren schon Bismarck als notwendig bezeichnet. Wir glauben staatserhaltend zu wirken, wenn wir diese Forderung vertreten. Meine politischen Freunde sind einmütig der Neberzeugung, daß es so wie bisher nicht weiter gehen kann. Wir wenden uns aber nicht nur gegen die Rechtlosigkeit der Landarbeiter, sondern auch gegen die B u n t s ch e ck i g k e i t der landesgesetzlichen Be« stimmungen. In Braunschweig besteht das Koalitionsverbot für die Landarbeiter, in Hannover nicht. Wollen die Naiio« nalliberalen warten, bis etwa Mecklenburg ober das preußisch Treiklasienparlament sich gegen das Unrecht erklärt haben? In Süddeutschland hat man mit der Koalitionsfreiheit die besten Erfahrungen gemacht. Ich habe die Hoffnung, daß die Nationakliberalen sich in dieser Frage an Liberalismus nicht vom Zen'rum werden übertreffen lassen. Abg. Hahn hat uns empfohlen, Mißstande nicht hier im Plenum, sondern im LandwirtschaftS. Ministerium vorzubringen. Meine politischen Freunde lehnen einen solchen Mißbrauch deS Abgeordnetenmandates einmütig ob. Wir bringen öffentliche Mißstände lediglich hier im Reichstag zur Sprache und lehnen es ab, die Hintertreppen der Ministerien zu benutzen.
Präs Graf Stolberg:
AIS der Abg. Hahn diese Ausführungen machte, habe ich Hm zur Sache gerufen. DaS gleiche Ersuchen richte ich jetzt an Sie. (Heiterkeit^
Abg. Gotbein fortfahrend) 7
Ohne das Koalitionsrecht bleibt der Landarbeiter nur ein halber freier Mann. Vor acht Tagen hat Abg. Hahn wieder einmal geringschätzig von unseren jüdischen Mitbürgern gefprol-en, und zwar nicht wegen ihres Glaubens, sondern wegen ihrer Ab- stammung. Ich weiß ja nicht, bei welchem Grade der Blutver- bünnung (Heiterkeit) für Herrn Hahn der Jude aufhört. Aber ich weiß, daß hervorragende Führer der Rechten (Zuruf: Stahl), nein, jetzige Führer von Juden abftammcn. Die Mutter eine« allseitig verehrten Konservativen ist z. B. eine Judin. Die Ausführungen des Abg Hahn in dieser Beziehung waren daher sehr respektlos. (Beifall links.)
Präsident Graf Stolberg teilt mit. daß Abg. v. Normann (Kons.) namentliche über den Antrag Albrecht beantragt habe.
Abg. Hufnagel (Kons.):
Reichsgesetzlich lassen sich die Verhältnisse nicht regelst, denn sie sind zu verschieden. Zum mindesten müßte in einem solchen Reichsgesetz den einzelnen Staaten die Befugnis erteilt werden, die besonderen Verhältnisse ihres Gebietes durch Sondergesetze zu regeln. Das Koalitionsrecht könnte für die Landwirts ball geradezu verhängnisvoll werden. Ernte und Aussaat würden bei einem Streik verloren gehen können. Neue Erschwerungen ihres Berufes lönnen die Landwirte nicht ertragen. Man lasse doch den Landarbeitern die Hoffnung, auch selbständig zu werden. Gehen Sie über den Antrag zur Tagesordnung über.
Dbg. Tret, (Soz.)'
empfiehlt in Tanger Rede den Antrag der Sozialdemokraten als den Weg zur Kultur. -An die leeren Ministersessel" richtet er die Aufforderung, dem bisherigen Unfug endlich zu steuern.
Abg. Dachborst de Wente (Mail.)
wendet sich gegen die Ausführungen des Vorredner? über hannöversche Verhältnisse. Davon versteht Herr Brest nichts. Tort auf dem Lande werden Löhne gezahlt, wie sie nicht einmal in der Stadt gezahlt werden. Tie ganz unmotivierten Angriffe T r. Hahns gegen meine Partei nehmen wir nicht zu tragisch. (Sehr wahrl bei den Nail.) Denn wir sind eine agrarfreundliche Partei, und unser gutes Verhältnis zur Landwirtschaft wollen wir uns nicht trüben lassen. Erne reichSgeschlrche Regelung der Verhältnisse der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter halten wir zurzeit nicht für notwendig. Auch die Ratschläge deS Herrn Gotbein lehnen roir ab. Tie Em- führung der Krankenversicherung für die lanoroirt- schaftlichen Arbeiter wurden wir sympathisch begrüßen. Wir haben in Hannover diese Frage schon vraktisch gelöst. ES Haden sich dort Genossenschaften gebildet, die Krankenhäuser gebaut haben und wir würden unS freuen, wenn eS gelänge, die Krankenversicherung reichsgcsetzlich zu regeln. Wenn Herr Dr. Hahn mich als Latidsmann anerkennt, so weiß ich daS zu schätzen-, tvenr er aber meint, daß ich die agrarpolitischen Ideen meines Stammes noch nicht tn mich ausgenommen habe, so ist daS ein kleiner Irrtum. Ich finde es natürlich, daß. wenn er nach einem „Normal"» Vertreter dieses Stammes sucht, er ihn in sich selbst gefunden hat. (Große Heiterkeit.) Falls er aber in seiner großen Bescheidenheit nach einem anderen typischen Vertreter Niedersachsens sucht, dann empfehle ich ihm den früheren Landwirtschaft S- Minister v. H a m m e r st e i n, der hochgeachtet auf feinem Landgut sitzt, der das ihm vom Abg. Hahn a n gebe t e n e Mandat abgelebnt und den nationalliberaien Kandidaten gewählt hat. Ich meine, daß ich mich da in mindestens ebenso guter Gesellschaft befinde, wie es die des Abg. Hahn ist. (Lebh. Beifall links.)
Dbg. Dr. vöbme (Wirtsch. Vg.)'k
Wir machen einen wesentlichen Unterschied zwischen gewerb. lichen und landwirlschaftlickvn Arbeitern. (Rufe bei den Soz.: Warum?) Weil die Ideale bei beiden Klassen verschieden sind. Ter gewerbliche Arbeiter hat nur Dann Zukunftshoffnungen, wenn er sich organisiert, der landwirtschaftliebe Arbeiter aber sieht vielfach die Möglichkeit, aufzusteigen auf der sozialen Stufenleiter, selbständig zu werden. So äußert sich auch in den .Soz Monatsheften" em Dr. Schulz, daß der Landarbeiter nicht auf die Höhe des Geldlohnes und Verkürzung der Arbeitszeit sieht, sondern auf Erwerb von Landanteil. Wenn man mit Den Landarbeitern spricht, so erfährt man, daß sie selbst gar keinen Anspruch aus das Koalitionsrecht erheben, ,a daß sie vielfach gar nicht wissen, was es ist. Tas Koalitionsrecht wird weder dort gebraucht, wo eS besteht, noch sind dort, wo es nicht besteht, Mißstände beobachtet worden. Einer besonderen Berücksichtigung bedürfen aber die Verhältnisse im Osten unserers Reiches toetl dort ganz eigen, artige Zustande herrschen. Die Freiheit, die für dey Westen nichts schaden würde, könnte dort verhängnisvoll werden. Im Osten muß man bestrebt sein, durch Ansiedlung von Kleinbauern die ungesunden Zustände zu bessern und damit zugleich das schwe bedrohte Deutschtum zu unterstützen im Lamps gegen die vor- dringenden Polen. (Beifall rechts.)
Dbg. Fegter (Fr. Bg.)^ '
T?;r sind g""n 'ereil, mitzubelfen, daß auf dem ßr ein seßhafter xkuieau und Arbefterjtand geschaffen wird. Di Ziel
Egnm—KBipaaiiwri —imiwii lymini
wird ober niemals erreicht werden, wenn die Arbeiter rechtlos bleiben. Die Landarbeiter müssen dasselbe Recht hoben wie die Industriearbeiter. Bei uns im Westen, wo sie mehr Freiheit haben als in dem junkerlichen Osten, ist daS Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern viel besser. Freilich, die Rechte meint, daß es zwei Menschen gibt: die einen zum Herrschen, die andern zuw Dienen geboren. Ä1S landwirtschaftlicher Arbeitgeber kann ich erklären, daß freie, aufgeklärte Arbeiter besser und damit auch billiger arbeiten, als Arbeiter, die vom Knecktsinn erfüllt sind, und organisierte Arbeiter sind mir lieber ^ls DaS hergelaufene Gesindel. ES ist befdjämenb, daß in Preußen das in Deutschland borangefym soll, noch solche vor- sintflullichenZustände bestehen Man brauchte hier wirklich nicht tagelang zu reden, um Gesindcordnungen zu beseitigen, die teilweise aus ber M-tte des 18. Jahrhunderts stammen. (Sehr richtig! links.) In Hannover, wo kein Koalitionsverbot besteht, ist Das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern gut, und nut dort getrübt, wo ber Bunb der Landwirte gehetzt hat. Hoffentlich wird auch noch unter dem Dreiklassenwablrecht, daS allerdings durch die letzten Debatten wesentlich erschüttert ist kRuse rechts: Nal Na!), in Preußen die Vernunft Einkehr halten. Dann wird auch nicht mehr ber Zu stand bestehen, daß Russen und Slovcnen Beschäftigung haben, während hunderttausende unserer Landsleute brotlos sind. (Zuruf rechts: Wo denn?) Die Einführung einer bestimmten Arbeitszeit, wie sie der sozialdemokratische Antrag verlangt, ist freilich nicht durchführbar. (Lebhafter Beifall links.) ,
Abg. v. Lotto (Äonf.)5
Dir lehnen den Antrag der Sozialdemokraten ah, gerade wir bisher mit unseren ’4rbeitern durchaus gut auSgelmnmen sind. Meine Arbeiter sind zwanzig und mehr Jahre bei mit tätig; wir sind also nicht so brutal und grausam, wie wir hier hingestellt werden. Wir wollen auch weiter treu mit unseren Arbeitern zusammen halten. Für unsere alten Arbeiter fürchten wir nichts, aber wir fürchten, daß unsere jüngeren vielleicht rm- mal zu einem Streik gezwungen werden können, den sie gar nicht wollen. (Sehr wahr! rechts.) Tie Linke moa unS doch erst einmal zeigen, wie wir es besser machen sollen! Herr Fegter meinte, wir seien zum Herrschen geboren. Ich stamme nicht aus einem Schlosse. Mein Vater hat mit 400 Talern angefangen und wir haben unS mit unseren Leuten hinaufgearbeitet. (Beifall rea;td.) Herr Gothein kritisierte die niedrigen Löhne. Er sprach von einem Tagelohn von 85 Pfg. für Dreschen. Er mag die Leute zu mir. schicken, ich zahle das Vierfache und außerdem die Reisekosten. Es ist auch nicht wahr, daß wir unsere Leute in Krankheitsfällen im Stich lassen. Meine Frau erkundigt sich, wenn auf dem Gut jemand krank ist, täglich 5 bis 6 mal nach feinem Befinden. (Zuruf links: Das ist aber nicht überall so!) Tas ist überall jo- (Widerspruch links.) Auf einem Gut kann nur e i n Kopf regieren, gerade wie auf einem Sft)iff. (Sehr gut! rechts.) Wird der Antrag Gesetz, so würden wir in einer standigen F u rcht vor dem Streik leben. Wenn in der Stadt gestreikt wirb, dann fallen die Streikenden eventuell der Armenpflege zur Last- Wenn aber bei mir gestreikt wird, dann mutz ich die Leute noch so lange unterstützen, bis es ihnen gefällig ist,
wieder zu arbeiten. (Rufe rechts: So ist es!) Man bars bei den Löhnen auch nicht die Naturalien vergessen. Nicht auS lieber* mut holen wir Ausländer ins Land, sondern weil wir keine beut» ßchen Arbeiter bekommen. Auch ich bedauere, daß niemand von ber Regierung hier »st, sonst würde ich den Regierungsvectreteru zurusen: videant consules! (Lebhafter Beifall rechts^
Dbg. Werner (Rp.):
Die Landarbeiter sind zufrieden, sie werden erst vnzufrie» den gemacht. (Zurufe Gotheins.) Ach, Sie verstehen ja von der Sache nichts. (Zuruf vom Zentrum: Der Block!) Ter Abge- oibnete von Bollo hat und aus dem Herzen gesprochen.
ihm
zeu ßijten.
Schluß 6 Uhr.
Abg. v. Oertzen (Rp.)t
Ti.- °age des Landarbeiters ist nicht so ungünstig, daß man die Waffe des Streiks m die Hand geben muß.
Das Haus vertagt sich.
Fr ag 1 Uhr: ZeritrumSinterpellatüm über die schwar-
Deutjchcs Uesch.
Der Kaiser hat aus Anlaß seines Geburtstages einer Reihe t*n elsaß-lothringischen Kriegsveteranen, die in b«tr französischen Armee gedient und zum Teil gegen Deutschland gMmpsr haoen, jetzt aber Mitglieder Dort deutschen Kricgervereinen S-Morden finit, ba5 Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
Der Bundesrat hat in seiner gestrigen Sitzung oem Ent- tourf des Gesetzes, betreffend die Preisfeststellung beim Markthandel mit Schlachtvieh, in der vom Reichstage angenommenen Fassung seine Zustimmung erteilt.
Die Sta n des he rrschaf t Loewcnstein-Wert- Ueim-Rvsenberg ist auf den Fürsten Aloys übergegangen, Mäjdem der in das Dominikanerkloster Benlo eingetretene Fürst Sari auf die Standesherrschaft verzichtet hat.
Castro wird heute, falls das Wetter es zuläßt, seine erste Spazierfahrt nach ber Operation unternehmen. Er erklärte, er b«tnfe nicht daran, den Präsidentenposten wieder ja erstreben. Er wünsche in Ruhe und Zurückgezogenheit pl leben.
Der Kronprinz Georg von Sachsen bezieht Ostern b«ie Universität Leipzig auf ein Jahr und geht dann nach Bonn. Er wird Staatswissenichaflen und Jura ft.ioieceu. Stach Abschluß bitt Studien tritt er in die sächsische Armee ein.
Ter Oberbürgermeister vv n AltoN a Dr. Tet- t tnborn, über Dkjjen Scheinen aus dem Amt wir berichteten, rvläßt eine Erklärung, in der er aus führt, «nicht feine llu- fcchigkeü und Lässigkeit hätte die Stadtverordneten veranlaßt, seinen Kücttritt zu erzwingen, sondern Machinationen einzelner, in ihrem Ehrgeiz gekränkter Mitglieder und Vertreter von Sonder- interessen, deren Forderungen er abgelehnt habe.
Die beiden freisinnigen Vereine Oldenburgs haben sich aufgelöst und sich zu einem Verein zusammenge- ictztossen. Btan lieht Darin den ersten Schritt zu einer liberalen f5anigung für das ganze Land.
Immunität der Abgeordneten. Abg. Borgmann lSoz.) hat mit Unteritützung seiner 5 Fraktionsgenosscn und von 9 Polen folgenden Antrag im preußischen Abgeordnetenhaus ein- gebracht: Die tönigl. Staatsregierung zu ersuchen, möglichst noch ui dieser Session einen Gejetzentwuri dahin vorzulegen, daß fein Mitglied der Kammer ohne deren Genehmigung während der vitzungsperiode zum Zwecke der Strafvoltstrellung verhaltet werden toi, sowie daß auch ieüe Stra,ha|t eines Mitgliedes lür die Lauei
Sitzungsperiode aufgehoben werden muß, wenn Die betreff ende Kammer es verlangt..
AusLand.
Zur Lage in Prag. 2er Prager Polizeipräsident lud gestern die Vertreter der deutschen Studentenschaft vor und regte mit Rücksicht auf die von der Stadtgemeinde durchzuführende Äusreißung des Straßenpflasters, die angeblich zu Kanalisationszwecken erfolgt, an. Den Bummel zeitlich oder räumlich einzuschränken oder zu verlegen. Tie StuDentenschaft weigerte sich. Dem Ansuchen zu cutfpredjen.
I m Süden Persiens sind ernste Unruhen ausge- bwchen. In Buschir verwundeten die Aufruhrer den.Gouverneur und töteten seine beiden Söhne. Im Schiras plünderte die Menge eine Filiale der Bank des Schahs. In Laristan ist eine stacke regierungsfeindliche Bewegung ausgebroa-en. Bei Täbris nahmen Reiter der Regierung zivei Dörfer em und schnitten Die Verbindung mit Dschulfa ab.
TürkischeParlamentarieriic London. Der Standard kündet Den Besuch einer großen Anzahl von Mitgliedern des türkischen Parlaments in England an, der Ende April oder Anfang Mai stattfinden soll.
Aus Sia&t U8iö Caiiö.
Eleven, 2L. Januar 1909.
Erdenket der hungernden Vögel!
- Ordensangelegenheit. S. K. H. der Groß- Herzog haben dein Vorsitzenden der Zentralstelle für Die Gewerbe Geheimen Reglernngsrat Noack zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom Honig vom Preußen verliehenen ÄronenoröenS dritter Klaffe erteilt.
** Hagelstatistik 1908. Seit Bestehen der hessischen Hagelstatistik, d. h. seit 1889, ist das Jahr 1908, was Hagelschaden anlangt, das schlimmste Jahr gewe,eu. Der Schaden wurde nämlich von den Bürgermeistereien auf fast 2 Millionen Mark angegeben, während im 20-jährigen Zeitraum 1689—1908 der Hagetschaden im Jahresdurchschnilt nur ungeiähr Vs Mill. Mack betrug. Es ist dies immerhin eme sehr beträchllicye Summe, so daß oie Versicherung dringend empfohten werden kann. — Am menten heimgesucyt in 1J08 wurde Der Kreis Worms, der einen Gesamt- schaben von IV» Million Mark erlitt Von 6078 Hektar geschädigter Fläcyc waren nur 418 Hektar versichert, so daß dem eben genannten Schaden nur eine Entschädigung von 62 601 Mark Durch die Versicherungsgesellschaften geaenuberiteht — Schlimme Hageliahre waren ferner 1907 mit 1,7 Milt M., 19U0 mit
Mill. M., und 1889 mit 1,2 Mill. M. Schaden.
*• Gesuche um Ver leihung des ,Go 1 denerr Kreuzes" zum 11. März 1909, denen eine Bescheinigung^ dec zuständigen Bürgermeisterei oder Polizeibehörde beigefügt sein muß, aus der hervorgeht, daß die Bedingungen für die Verleihung des ,Goldenen Kreuzes^ erfüllt sind, müssen bi# längstens den 15. Februar l. I. bei dem Ober-Kanimerherrn Fchc Riedesel zu Eisenbach in Darmstadt eingereicht sein.
** Die gegenwärtige Witterung, bei Tag erheblich! warm, bei Nacht bis zu 10 Grad R. kalt, wird von dem Landwirts mit Sorgen verfolgt Die am südlichen Abhange gelegenen Frucht-- selber. Die bei Tag tauen, um Nachts um so schärfer einzufrieren^ _ leiden bestimmt Not Es fehlt der Schnee als Schutzdecke. Trotze ' Der Kälte lassen sich die Stare nicht vertreiben, sie halten tapfer' aus. Die Meisen lassen an Den warmen Mittagen bereits ihreik Lockruf hören. 'i
— Watzenborn, 28. Jan. Der Gesangverein Sängerkrauz hier, der vergangenes Jahr einen 1. Preis errungen hak, begeht nächsten Sonntag, 31. Jau.^ sein ZüjahrigeS Ltüuurasfest in Dem veiarößerten Laale des Gchtwlrts Faber. In Adioechslung mit Ätusik und Gesang weiden den Leituehmern Theaterstücke, lebende Bilder ec. vorgesührl werden.
--- Reiskirchen, 27. Jan. Am vorigen Sonntage hielt die hiesige Ortsgruppe des Flottenvereins ihre erste diesjährige Versammlung ab. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden, Psarcer Lic. Gombel, der einen Ucberblicf über die jetzige Lage und Ziele des FlottcnvereinS gab, wurde Die Tagesordnung erledigt. Hauptpunkt war der Bericht des Delegierten über die Verhandlungen dcr> Hauptversammkling in Darmstadt. Daran schloß sich die 'Ncluvahl beS Schriftführers an, die durch Austritt nötig ge*- worden war, und Enllaslung deS Kassenwarts H. Balser, dev in daukellSwerter Weise die Geschäfte geführt hatte. Die^ Versammlllng schloß sich der Darnlslädter Resolution an und beschloß, auch ferner tätig für die Verbreitung des Flotten^ gedanteus eiuziitreten. Zit diesem Ziveck veranstaltet sie am nächsten Sonntag, 31. Januar, eine öffentliche Veisammlung m Burkhardsfelden, in dec Lehrer Keil aus Klem- Llndeu über: ,Die Lehrerfahrt nach der Wasserkante^ sprechen roub.
= Garbenteich, 28. Jan. Die für die Geschädigten in Subita Iren burch bin Poilhilfsstellenoerwatter Schöck, m Gardemeich oorgenommene Sammlung ergab die Summe von 72 Mk. 20 Pfg.


