Erstes Blatt
159. Jahrgang
Mittwoch 29* Juli 1909
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Redattion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. 8nzeigente^?^Beck.
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Nr. 174
Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer sonntags. - Beilagen: viermal roöcbenilicf) Giehener.^amilienblciltcr; »roeimnl wöchentl.Ureir, vlatifttr den Ureir Stehen Dienstag und Freitag); jveimal monatl. Land» wirtschaftliche seilsragen Derusprech - Anschlüsse: 5ir die Redaktion 112, Serlag u. Expedition öl Adresse für Depeschenr «uzetger Gießen.
Annahme von Anzeigen
Giefzener Stcrdttheater.
Boccaccio.
Operette in 3 Akten von H. Zell und R. Geuse. Musik von Franz von Su pp e.
Leonctto zu erwähnen, wobei Lotte Gühne ihrer vorzüglichen Maske als Lehrbub wegen nicht vergessen sei.
Tas Orchester unter Alfons Mourot war ebenfalls recht lobenswert, so daß auch diese Aufführung als ein voller Erfolg anzujehen ist. * N.
— Dichter auf dem Katheder. Tie jungst erfolgte Verleihung des Doktortitels an Detlev von Liliencron erinnert daran, daß vor einigen Jahren nach dem Tode Carduccis Paul Ernst dafür eintrat, mehr Dichter bei uns als Universitätslehrer heranzuziehen. Er versprach sich davon ganz neue befruchtende Wirkungen für unsere Aesthetik und Literaturgeschichte, wenn neben den Gelehrten und kritischen Theoretikern der Wissenschaft auch die Schassenden selbst lehrend zu Worte kämen. Tatsächlich werden neuerdings in Deutschland die Fälle, in denen die Dichter gleichzeitig als Universitätslehrer wirken, immer seltener. Von unseren Klassikern waren, wenn man nicht auf Gottsched, Bodmer und Gellert zurückgehen will, noch Schiller, Bürger und Voß zeitweise Hochschullehrer, außerdem unser größter klassischer Satiriker Lrchten- berg. Von ben Romantikern war Friedrich Schlegel in jungen Jahren in Jena Dozent, fein Bruder August Wilhelm im späteren Lebensalter lange Zeit Professor in Bonn, wo noch mit ihm zu- qlcick Ernst 'Moritz Arndt, späterhin Gottfried Kinkel als akademische Lehrer ivirkleu. Das Junge Deutschland war schon aus oolilischeii Gründen von der Lehrkanzel ausgeschlossen: Ludolf Wienbarg mußte deshalb seine Vorlesungen in Kiel schon nach dem ersten Semester eu'-stelleu, und Theodor Mundt, Luise Mühlbachs Gatte, Halle allerhand Kämpfe zu führen, um seine Professur zu behaupten. Llidivlg Uhland erhielt nach nur dreijähriger Tozenteutäligkeit in Tübingen von der Regierung seine Entlassung, und welche Maßregelungen bald nachher Hofsmann von Fallers- leben als Professor der deutschen Sprache in Breslau seiner voll- tischen Haltung wegen zu ertragen hatte, ist bekannt Gottschall wurde zur Habiliiation gar nicht erst zugelassen, Robert Prut; erst nach mannigfachen Schwierigkeiten im Reoolutlonsjahr als außerordentlicher Professor der deutschen Literaturgeschichte nach Halle
ür die Tagesiuumner RofOffott$bHi(? und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Such- und rieindnickerei H. Lange. 18 vormittags 9 Uhr.
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bte auch gesanglich vollauf befriedigte. Lore Scholz, erfüllte die Beatrice mit viel Liebreiz und lebenslustiger Frische und wurde darin von Edgar Pauly als ihrem tikttcn wacker unterstützt. Richard Hetsing zeigte sic.) Wieder als tüchtiger Leiter und in der Rolle des Gewuvz- krimers als ein vielseitig verwendbarer Künstler, der trotz mancher Ueberhöhungen scharfe Charaktere zu bilden versteht. Von den übrigen wären noch Willy Schwind als Faßbinder, Ada Pauly als Peronella, Paul Urban als
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Aus Stadt und Land.
Gießen, 28. Juli 1909.
'* Ordensangelegenheit. S. K. H. der Großherzog haben dem Ober- und Geheinien Baurat Schoberth, Mitglied der König!. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm verliehenen Kronen-Ordens 3. Klasse erteilt.
♦* Landesuniversität. Wie wir von zuständiger Seite hören, ist die Angelegenheit der Zusendung von Truckschriften durch die Universität Budapest an die Landesuniversität, über welche wir vor kurzem berichteten, durch eine Erklärung der ungarischen Universität über die auch von einer Reihe anderer Hochschulen beanstandeten Begleit- schreiben nunmehr in befriedigender Weise erledigt, so daß einem Austausch von Schriften in Zukunft nichts entgegenstehen wird.
** Der Rektor unserer Universität hat sich heute nach Leipzig begeben, um al? Vertreter der Ludooiciana an den Feierlichkeiten des 500jährigen Stiftungsfestes der sächsischen Hochschule teilzunehmen.
** Für die Sitzung der Stadtverordneten- Ber samm lun g am T on n e r s t a g, 29. Juli, nach-
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Neustadt Landau und die neue Situation.
Ms dem Wahlkreise Neustadt-Landau geht uns fol-
< fflenbe beachtenswerte' Zuschrift #u:
Für denjenigen, der in dem Wahlkampfe Neustadt- gandau aktiv Witig ist, ist folgendes klargestellt:
1. Die schlechte Finanzreform ohne allgemeine Besitz- sSmer, die heute eine gesetzliche Tatsache ist und bereits preis- 'rrteuernd wirkt, erweist sich als bestes Förderungsmittel ir die Sozialdemokratie, daher ihre Zunahme um 2000 Stimmen.
Die Tatsache, daß der Liberalismus diese unsoziale Reform nicht hindern konnte, nimmt ihm den Wind aus den Segeln. Ganz anders lag die Sache, wenn bei einer allge- I meinen Neuwahl im Falle ber Auflösung der nationalliberale .andidat freie Bahn hatte und mit der ganzen Stoßkraft .iner von sozialem Geist getragenen Reform gegen alle vexatorischen kleinlichen Steuern in den Wahlkampf zog.
Diese Stoßkraft ist durch die wr Tatsache gewordene, höchst unerfreuliche Reform gebrochen, und so eröffnet sick) für alle kommenden Wahlen eine für die Sozialdemokratie gtinstige, für die bürgerlichen Parteien ungünstige Per- ipektive. Unsere Prophezeiung für 1911 beginnt sich zu calisieren; das Unterlassen der Auflösung war ein großer Fehler.
2. Das Zentrum hat wegen seiner schlechten Finanz- form einen starken Stimmrückgang zu verzeichnen. Seine Lrbeiter wandern in das sozialdemokratische Lager ab, und dies Schauspiel wird sich in Rheinland-Westfalen verstärkt wiederholen, lieber die Stimmung und Verstimmung in >entrumskrcisen geben die Mahlresultate einzelner Orte ii nb der offen ausgesprochene Unmut genügend Klarheit.
3. Der Bund der Landwirte hat eine starke, wohlverdiente Niederlage erlitten. Für so schwach hätte man selbst bei nüchternster Beurteilung die Zahl seiner Anhänger nicht gehalten, ein allgemeines Aufatmen geht durch die Pfalz, kiR die reinliche Scheidung vollzogen ift. Das bedeutet gute Aussicht für 1911 in der Pfglz, wo man vor allem ücnserslautern, hoffentlich auch Pirmasens und Germcrs- Ä heim, die beiden letzten Wahlkreise, infolge Rückgangs des Zentrums, der nationalliberalen Partei zurückgewinnen wird.
4. Der Stimmenrückgang der Liberalen liegt zum Teil Bin der scharfen Trennung vom Bunde, die manchen Wähler Wverstimmte und zur Wahlenthaltung veranlaßte; mancher andere scheute die terroristische Gebarung der Bundesleitung ■uni) blieb lieber weg, als sich Vorwürfen auszusetzen. Biele MVeschäftsleute, die früher liberal wählten, enthielten sich her Stimmabgabe, weil sie sich über die mittelstandsfeind- . ■ lichen Steuern ärgerten.
Dazu kamen ,Verstimmungen in einzelnen Weinbauge- ■meinden über das nach Ansicht vieler Winzer zu juristische L-eingesetz.
Eins sieht fest: Wenn die nationalliberale Fraktion sich her neuen Mehrheit angeschlossen und diese schlechte sogenannte Finanzreform mitaemacht hätte, dann sand sie als Gegner allerdings.^keinen Bündler, wohl aber einen Deutsch- Mrersinnigen, der aus eigenem und aus dem Lager der total verärgerten Nationalliberalen tnindestens 5000 Stimmen er- ■ hielt und sür diesen Fall fand — darüber ist in dem Wahlkreis teilt Zweifel — Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Zentrum statt.
Dieser Fall ist vermieden. Ob nunmehr das Zentrum als wiedergewonnene Regierungspartei den Wahlkreis der Sozialdemokratie ausliefert, wird der kommende Freitag eciv eisen.
Steht das Zentrum Gewehr bei Fuß, so bleibt der Wahlkreis der nationalliberalen Partei erhalten.
Bei dieser Gelegenheit möchten wir die geschäftige Aufdringlichkeit, mit der ein vielschreibender freikonservativer Reichstagsäbgeordneter sich mit Ratschlägen an die national- literale Partei herandrängt, gebührend zurückweisen. Tie i'vtionalliberale Partei weiß ihren Weg allein zu gehen.
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berufen. Gustav Freytag, der sich als junger Doktor für dasselbe Fach in Breslau habilitierte, blieb nur wenige Jahre Privatdozent, ehe er andere, freiere Wege einschlug. Friedr. Rückert gehörte fünfzehn Jahre als Professor für Orientalia der Universität Erlangen und vier der Universität Berlin an, pflegte sich aber, so oft es irgend an- ginq, von der ihm nicht sehr angenehmen Universitätstätigkeit zu .drücken". Von demMüncbener Dichierkreise hattenGeibel undBoden- stedt der Berufung burd) König Max Professuren in München zu danken; fast gleichunlig mit ihnen trat dort W. H. v. Riehl, der Schöpfer der „Kulturhistorischen Novellen", sein Lehramt an. Auch Wilhelm Hertz fand in München feinen akademischen Wirkungskreis, und Georg Ebers zog sich dorthin zurück, nachdem er lange in Jena und Leipzig Dozent gewesen war, ivährend der andere Vettreter des sogenannten .Professorenromans", Felix Dahn, erst in Würzburg und Königsberg, dann in Breslau lehrte, wo er noch jetzt eine Zierde der Leopoldina bildet. Berlin besaß lange Zeit in Hermann Grimm einen auch als Dichter geschätzten Hochschullehrer, Halle in dem Chirurgen Richard o. Volkmann, der als Richard Leander seine vielgelefenen »Träumereien an französischen Kaminen" schrieb, Heidelberg in dem Kirchenrechtshistoriker Adolf Hausrat (George Taylor), Stuttgart in Friedrich Theodor Vischer und Karl Weilbrecht, Darmstadt in Otto Roquette, Dresden in Adolf Stern, Tübingen in dem phantasiebegabten Max v. Eyth. Die Universität Kiel hatte den Stolz, Klaus Groth, länger als vierzig Jahre zu ihrem Lehrkörper zu zahlen, ebenso wie Innsbruck den kürzlich durch em Denkmal geehrten Adolf Pichler. Von Lebenden Darf noch der feinsinnige Lyriker Professor Adolf Frey in Zürich und der vielseitige tätige Berliner Rechtslebrer Joseph Kohler genannt sein. Von der ganzen jüngeren Dichtergeneration der Gegenwart aber hat sich fein einziger mehr der Universitätslaufbahn zugewandt. Daß dagegen die Universitäten ihrerseits Dichter durch die Verleihung der Ehrendokiorwürde auszeichnen, ist erst in neuerer Zeit ein häufiger wiederkehrender Fall geworden: außer Liliencron besitzen diese Würde zurzeit Marie Ebner-Eschenbach, Wilhelm Raabe, Peter Rosegger, Ferd. Aoenarius, Karl Spitteier, Gerhart Hauptmann, Gustav Frenssen
mittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung ausgestellt worben: 1. Ausführung bes Reichsgesetzes, die Sicherung der Bauforberungcn betreffend 2. Vorarbeiten für bie Bahn Gießen—Branbobernbvrf. 3. Einrichtung eines zahnärztlichen Instituts. 4. Wettbewerb betreffend die bauliche Gestaltung des Wasserturms bei der schönen Aussicht. 5. Anschluß der Oberrealschule an das Elektrizitätswerk. 6. Entnebelungsanlage für die Schweineschlachthalle. 7. Befestigung der Neustadt vor dem Hause Nummer 32. 8. Unter* terhaltung und Befestigung des Wegs nach dem Volksbad. 9. Umgestaltung der Nord-Anlage. 10. Ankauf von Grund- stücken am untersten Riegelpfad von Ludwig Keil Erben. 11. Ankauf von Grundstücken von Georg Simon. 12. Verkauf von Stadtbachgelände,an E. Sack II. Eheleute. 13. Geschäfte des WohnungsHnspektors. 14. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen.
• • Ba hnpersonalien. Der Regierungß- und Baurat Roth, Vorstand der Betriebsinspektion 2 hier, wurde von S. K. H. dem Großherzog zum Geh. Baurat ernannt.
* * Lehrerpers onalien. Ucbertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Paul Hußler aus Planig eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Lampertheim.
• * Mit dem Hute in der Hand...... In einen
schweren Gewissenskonflikt ist kürzlich der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen GrußvereinS, Forstassessor Walter, geraten. Der Verein propagiert die Idee, daS militärische Grüßen durch Anlegung dec Hand an die Kopfbedeckung allgemein auch in der Zivilbevölkerung einzuführen, und gibt als Grund für seine Bestrebungen an, daß das Hut- lüften zu Erkältungen des KopfeS und zu schweren Krankheiten führen könne. Der Verein führt ein kurzes Dasein, so daß die letzten Konsequenzen auS seinen Statuten, alle Leute nur militärisch zu grüßen, erst vor einigen Tagen klar zutag traten, als der Vorsitzende Walter seinem höchsten Vorgesetzten, dem Minister Gnauth, begegnete. In dem GewisienSkonflikt zwischen Disziplin und Ueberzeugung siegte letztere, und Walter grüßte den Minister iy der neuen legeren Form. Der Minister scheint aber dem schönen Verein keine Sympathien entgegenzubringen, er verbat sich den militärischen Gruß und drohte dem Forstassessor für den Wiederholungsfall eine Ordnungsstrafe an. Eine Eingabe des Vereins an den Minister, die neue Grußform zu gestatten, blieb unbeantwortet, was ja allerdings auch eine Antwort ist. Mit dem Hute in der Hand scheint man also vorläufig auch in Darmstadt noch weiterzukommen.
• * Der Landesverband hessischer Fleischbeschauer und Trichincnschauer hält am Sonntag, 1. August, zu Darmstadt eine Verbandsversaminlung ab.
* * Der Verein Hessischer Rechtskonsulenten hielt am Sonntag zu Oppenheim seine 3. General- versa m m l u n g ab. Die in vorjähriger Versammlung beratenen Statuten fanden einstimmig Annahme und sollen zum Druck gelangen. Die vom Rechner über das abgeschlossene Geschäftsjahr gestellte Rechnung ergab keinen Anstand. An Mitgliedern wurden die Rechtskonsulenten Schwan zu Osthofen und Saal zu Lengfeld einstimmig ausgenommen, so daß der Verein 18 zählt. Bei der stattgehabten Vorstandswahl wurden einstimmig wiedergewählt als Vorsitzender Krämer zu Höchst i. O., dessen Stellvertreter Herget zu Vilbel, als Schriftführer Knöß zu Oppenheim, als Jiechner Schöpp zu Worms und als Beisitzer Stappel zu Wieseck. Lils Ort der nächsten Generalversammlung wurde Frankfurt a. M., ev. Vilbel, bestimmt. Nachdem der Vorsitzende der Nechtskonsulenten-Jnnung für Hessen-Nassau, Rechtskonsulent Ludwig zu Homburg v. b. H., einen Vortrag über den so viel angefeindeten Rechtskonsulentenstand gehalten und die Zuhörer ermahnt hatte, auch fernerhin den Beruf reell und nicht mutlos auszuüben, verabschiedete sich die gut besuchte Versammlung.
politische Tagesschau.
Die Umgehung der Talonfteuer.
Wie bet Tag aus gut unterrichteter Quelle erführt, hat sich her Bundesrat jüngst mit ben Bestrebungen bes mobilen Kapitals behufs Umgehung ber Talon steuer und etwaigen Abwchrrnaß- regeln bet Regierung eingehenb beschäftigt. Man wat der Meinung, daß zurzeit nach dem Wortlaut des Gesetzes ein Einschreiten nicht zulässig sei und Abwehrmaßregeln allein Der Legislative überlassen werden müssen. Es sollen zunächst Erhebungen angestellt werden, in welchem Umfange die beobachtete Steuerhinterziehung sich vollzogen Hat mid der etwaige ©teuer- ausfall berechnet werden. Auf Grund dieser Erhebungen soll bann dem Reichtage sofort eine Novelle zum Neiä)sstempelgesetz tocgelegt werden, die Bestimmungen dahin treffen wird, daß alle Ökmhtnamteile und Zinsbogen, die vor dem 1. August 1909 trotz noch nicht abgelaufenet GültigkeitÄxmer gegen neue langfristige umgetauscht worden sind, bet Täkmsteuer vom Tage bet Ausgabe an unterliegen. Die betreffenbe Novelle mit einer er- läutcntben Denkschrift wirb im Reichsschatzamt ausgenrbeitet werden.
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Die Zarenfamilie auf Schloß Hemmelmark.
Gestern früh gegen 5 Uhr traf das russische Kaisergeschwaber in ber Eckernförber Bucht ein. Als erste lief bie kaiserliche Jacht „Stanbart" ein. Tas Zarenpaar irnnbe an Land empfangen von der Prinzessin Heinrich und der Großherzogin von Hessen. Tann begaben sich die Herrschaften nach Schloß Hemmplmark, wo ein Frühstück stattfand. Tie Weiterfahrt bes Zarenpaares erfolgt Donnerstag früh- Das russische Geschwaber wirb 8 Uhr früh in Holtenau eintreffen. Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, wirb die Prinzessin Heinrich baS Zarenpaar nach England iriid Frankreich begleiten. Von anderer Seite wirb diese Meldung allerdings als unzutresfenb bezeichnet. Der Ches der russischen Geheimpolizei befinbet sich mit einem großen Stabe russischer imb deutscher Geheimpolizisten in Eckernförde. Die Ab- speriungsmar,regeln werben sehr rigoros gebanbhabt, so daß nur ein kleiner Teil von Personen der Landung des Zarenpaares beiwohnen konnte. *
Zur Lage in Persien.
Der ,,Kölnischen Zeitung" wirb aus Teheran unter bem heutigen Datum telegraphiert: Wie seinerzeit in Konstantinopel 1 verben auch hier die Führer ber Reaktionäre vor ein Kriegsgericht gestellt werben. Es ist ein Konflikt zwischen Den Ko saken unb ber Regierung ausgebrochen. Tic russische Gesanbtschaft nahm Die modernen Geschütze ber Kosaken- brigabe weg, weil Rußland für bereit Bezahlung haftbar sein soll unb sie der persischen Regierung daher nicht unterstellt werben dürfen. Tie Nationalisten glauben, Rußland suche einen Konflikt, um bie Räumung Persiens hinans-zuziehen. Wenn die Truppen des Schah bei Snltanabab die Waffen nicht niederlegen, kann die Negierung sie nicht angreifen, da sie nicht stark genug ist, um Teheran von Truppen entblößen zu können aus Furcht vor neuen Unruhen.
«K äk Bezugspreis-
™ monatlich 75'Df., viertel-
Gietz en er Anzeigers
General-Anzeiger für Gberheffen
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Die letzte Abonnementsvorstellung brachte Suppös, jetzt 4<rabe 30 Jahre alte, Operette Boccaccio m sehr hübscher Dlsstattung unb auch in gutem Spiel unb erzielte wiederum eenen vollen Erfolg. Besonders erwähnenswert sind Diesmal die Volksaustritte, bie mit viel Ueberlegung und einem scharfen Blick für eine lebendige, malerische Wirkung dargestellt wurden. Auch bie Einzelleistungen waren im allgemeinen recht erfreulich, wenn auch einige Mitwvrkende unpäßlich zu sein schienen. Tas gilt auch von Franzi Äroßkopf, bie ben jugendlichen Boccaccio recht gefällig und lebensfroh darstellte, aber stimmlich ihrer Rolle Tud)t ganz genügen foimte. Recht ansprechend sang sie im dritten M mit Grete Brill, die als liebliche Fiametta sehr gefällig war, das hübsche Duett, wofür beide durch starken Beifall ausgezeichnet wurden. Bruno H i l d e b raii o t Ney bem Prinzen von Palermo viel „minnige Glut", schien aoer auch au einer kleinen stimmlichen Ueberreizung zu lewen. 6-chr nett unb frohgemut war Aline Sanden als Isabella, vl. ___j-. ____--<< ...c r.;,-rQnrr ch 0 f l er-
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