Ausgabe 
29.1.1909 Erstes Blatt
 
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Au» Stabt und ltand.

(Rieften, 29. Januar 1909. Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die ziveile Sitzung unserer Stadtoäter in diesem Jahr, die der ersten schon noch 8 Tagen folgte, wurde vom Ober­bürgermeister Mecum nut einem herzlichen Nachruf für den verstorbenen HandelSkammerpräsidenlen Koch einqeleitet. Tann folgte die Besprechung eines vom Stadto. Krumm ein­gebrachten Antrags zu gunsten der sog. Notstands- arbeitet, die seither an den städtischen Regiekanalbauten tätig waren. Der Antrag, der auf den Angaben der von sich in ihren Verdiensthoffnungen getäuscht sehenden Slrbeitern aus- gebaut war, wurde nach längerer Debatte abgelehnt, da d'.e Darstellung des Oberbürgermeisters und des Stadtbaumeister. Braubach em wesentlich anderes Bild ergab, wie die der betr. Slrbciter. Interessant war die Feststellung, daß die Stadt z. ßt. 71 Leute mit Notstandsarbeiten bc'chäftigl. Ten Hauptgegenstand der Beratungen bildete dann ein Antrag der Bürgermeisterei, der die 9teu- und Umpflasterung der Straften, durch die in Bälde die elektrische Straftenbahn gehen soll, sowie die der Neustadt vorschlug. Die auf Grün der PflasteriasormatiouSreise der Baudepiltalion sorgsälti auSgearbeltete Vorlage fand den allgemeinen Beifall der Vci- fammlung und wurde genehmigt. BloS für die Befcuigun -deS Stückchens der West-Anlage, die zi, den lünft'ge- StraftenbahndepotS führt, und der Neustadt wurde nocl, jnichlS bewilligt, da die vorgeschlagene BesesiitsungSart viel- fach Bedenken erregte. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, auch sie werden noch dies Jahr das in der Sieuiiabl be- tfonderS nölige neue Pflaster erhalten. Tie gesamte An­forderung für daS Pflaster beläuft sich auf die hübsche Summe von 324 000 Mt. Ueber einen Antrag auf Errichtung eine . 2. Polizeireviers und Anstellung von 4 weiteren Schutz­leuten, die im allgemeinen nicht im vollen Umfang als not­wendig empfunden wurde, kam man in der öffentlichen (Sitzung zu keinem Entschluß. Heroorzuhrben ist der vom Sladto. Grünewald geäußerte Wunsch, daft die hiesig, oberste Potizelstelle nicht als TiirchgangSstatlon behandel werden solle. Damit werde maiicher m der Begrün düng bei PolizeiamtSforderungen angeführte Miftiland vermieden, übrigen gab eS im wesentlichen nur Kleinkram, z. B. dir 'Herabsetzung deS Preises für 100 kg Schwcineborslen, füi die nur ein Liebhaber da ist, von 1 Mk. auf 50 Psg.

TageSkalender für Freitag, 29. Januar. Stabi -1 heater. .DerTatrSma u*. Aipang tt Uhr.

* VeileibSkundgebung beS G ro ßh crz o gs AuS Anlaft beS HinscheibenS des Kommerzienrats Koch ifi 'bei Kommerzienrat Heichelheim von S. K. H. dem Groft- 'herzog nachstehendes Telegramm eingegangen: Bitte bei Handelskammer (Rieften mitzuteilen, bau ich an dem sch merz- llichen Verlust, den sie dlirch daS Hinscheiden ihres vortrcfs. sitchen Vorsitzenben, bes Kommerzienrats Koch, erlitten hat, warmen Anteil nehme, gez.: Ernst Ludwig.

Beförderungen tn unserem Regiment. Sluftci den gestern schon genannten Herren wurden an Kaisers (Re- burtStag noch befördert: Hauptmann Ho öS zum 'JJtujor und Fähnrich Wolf zum Leutnant.

**) DaS Kaiser Wilhelm-Regiment hat von 12. 6. Jebr. seine 9!ekrutenbesichtiguug durch den Biigade- general von Francois, später folgt die ökonomische Musterung, die voraussichtlich Ende März ist. Am 14. April rückt bat Regiment aus nach dem Truppenübungsplatz Darmstadt, wo eS zum BataillonSeLerzieren unb Gefechtsübungen bis zum 30. April verbleibt.

" Die Veranstaltung ber LanbeSuniversitäl für die Opfer der Erdbeben in Südi 1 alien, du- gestern abcub in der neuen Aula stattsanb, war sehr gut bc- ,lucht. Nach einleitenden Worten deS Rektors, Proseffoi Dr. Bartholomae, der die Zusammengehörigkeit alki Menschen betonte und daS Nfttle,d als die schönste Begleit­erscheinung eines jeden Unheils pries, sprach Piofessrn Dr. Kaiser über Erdbeben, besonders über dir Ursachen der kalabrischen Beben. Der etwa l»/q- flünbige, sehr feffelnde Vortrag mürbe bnrch Zeichnungen ftrnb Lichtbilder wirkilngSvoll unterstützt unb fand reiche» ^Beifall. Ausgehend von dem geologischen Bau der Erde Erläuterte ber Vortragende bie allgemeinen Ursachen ber Erd­beben, bic teils Emsturzbeben, teils tektonischen, teils vulka- mschcn Ursprungs sind. Die Emsturzbeben haben ihre wesent­liche Ursache m unterirdischen Einstürzen, bie durch den Em- fluft deS WafferS bedingt sind. Tie teltonischen Beben habe» ihre Ursache in ber Erkaltung ber Erde, wodurch bie Erd- hülle zusainmenschrinupst, runzelig wird, b. h. Berge und Täler bildet, waS naturgemäß nicht ohne Erschütterungen ab­geht. Zu diesen Erdbeben gehören auch bic jüngheu, bie in Süditalien so große Verheerungen ongerichtet ho.br n. Tic vulkanischen Erdbeben werden durch die Erschütterungen be- bingt, die von den aiiSweicheuden Gasen und Dämpfen er­zeugt werden. Sin feinem reichen Bildermaterial zeigte der Vortragende den Verlauf und die Wirkung mehrerer große». Erdbeben, besonders deS kalifornischen vom Avni 1906 und deS jetzigen in Süditalien, wobei er auch auf den Ban bei Häuser m solchen Gebieten zu sprechen kam, für deren Her­stellung sich Eisen unb Bruchsteine am besten eignen, während Ziegelsteine am ungünstigsten sind. Zum Schluß erläuterte Pros. Kaiser noch die SeiSmometer und ihre Funktion sowie die dadurch mögliche EntfernungSbeflinmiung ber verzeichneten ©eben.

Klein-Linden, 28. Jan. Die starke Verbreitung von Lungenkrankheiten hat das Iutereffe der Allgemeinheil besonders in den letzten Jahren auf sich gelenkt, so daß -u begrüßen ist, wenn auch hier in dieser Beziehung etwas Aufklärung stattsiudet, um sich gegen diese Krankheit zu -schützen. Um diesem Wunsche zu entsprechen, sindet am Samstag, 29. b. MtS., uu Saale ber Elche ein Vortrag durch Herrn Dr. Laubenheimer überTie Tubertu- lose unb ihre Bekämpfung' statt. (Siehe auch Inserat).

91 e t n b n i b 5 b o i u, 38. Jan. In ? in festlich geschmückten Saale des Gastwirtsllvth feierte nötigen Sonntag der Gesang- VereinEintracht" 'ein Sti s tu ng 5 est, verbunden inu ^rbcnbur.lerbaltuug unb Tanz. Xie Ti,- .uerausiühruugen inb-?n gwften Beifall. Tu- SRitiuirL'iidai hmlcn sich a. - auch : uu 'Mühe verdrießen lastcit, sirt c3 chnen üoco nhwerec a.s an anbeioi

Orten, ba sie noch selten GÄe^nhmt ocricn, sotcke Ausräbnungen zu sehen, gefchweige beim selbst gespielt unb: Mer Anfang tft schwer. Umsomehr muß anerkannt rocruen, haft sie ihre Sache recht gut gemacht haben. Auch einige Kvuplets tmirbcn wirkungsvoll vorgetragen unb verursachten große Heiterkeit. Gegen 10 Uhr gingen bie Aufführungen zu Ende. Nach kurzer Pause begann ein flottes Tänzchen, zu dem Mitglieder dcs Grünberger Musik- vereins auffpielten und das bic Anwesenden bis zum Morgen zusammenhielt.

0 Laubach, 28. Ian. Gastwirt Pilz ouS Stein­heim bei Hungen wollte wegen fernes Gesundheitszustände? einen hiesigen Arzt konsultieren. Ta dieser auf die Praxi? auSgefahren war, begab er sich in die nächstliegende Wirt- chaft, wo er, als er kaum sie betreten, vom Schlaganfall getroffen, zusammensank. 9)lan schaffte ihn mS Ioh. FnednchS- ilift, wo er nach kurzer Zeit verstarb.

ß Usenborn, 28. Ian. Der Pfarrer ber hiesigen lutheri­schen Gemeinde Richard Lucius ist gestorben.

= Büdingen, 26. Ian. In ber letzten GemeinderatS- sitzung erfolgte bte Einführung bes kürzlich neugewählten Bürger- mcislers Fendt durch den Kreisamtmann Dr. Lös lein, der jann auch die Vereidigung des neuen Stadtoberhauptes vornahm. Später verabschiedete sich Äreisamimann Dr. Löslein, der von hier versetzt in, vom Gemeinderat mit herzlichen Worten.

8. Frankenberg. 28. Jan. Auf die Eingabe der Stadt­verordneten hm hat die dlcgicrung die Verfügung, daß die Metzger Nicht mehr in ihren Schlachthäusern schlachten dürfen, heule lieber aufgehoben. Die Metzger hatten in ber letzten Zeit in den umliegenden Ortschaften geschlachtet. Durch bic uui den 1. Februar bestimmt zu errjnrtenbe Inbetriebsetzung oer Eisenbahn W ega-B uhlen wird irtebei ein weiterer Teil oes Edergcbietes dem Verkehr erschlossen.

X Hanau, 28. Fan. Der xa pelle des hiesigen In ianterie-Regimcnts Nr. 166 ist vvm Regimenlskommando die l'linvirfung bei Veranstaltungen des Ausschusses für Volksvorlesungen untersagt worden. Der 2i> ihrige Schlosser Beinlich schrieb einem LudwigShasener Fa­brikanten einen Erpressungsbrief. Er verlangte die Zu- ienbung einer größeren Summe Geldes und stellte bei Nicht- erfülluna seiner Forderung die Kvmprvm Gierung des Fabrikanien in Aussi.. L Als ber Erpresser auf der ostanstalt sich nach dem jnuaigcu Eintreffen dcs Geld-:s er tunt n wollte, wurde er ver­haftet

h. Frankfurt a. M., 28. Jan. Der frühere Hauptmann der 4. ^dornpagnie des 81. Insanterie-R^giments Malot' i, gegen ixn ein Verfahren wegen Verfehlungen im Sinne des Paca- .iraphcn 17ö anlkingig war, ist |ür sahnens lüchtig erhärt worden. (Frkf. Ztg.).

w Limburg, 28. Jan. Wi- ber .Naffaner Bote' nelbel, ist Bischof Willi an Sungment^ünbung erkrankt, ter Zustand deS Kranken war heule nicht unbedenklich

Kitztzng 0er 5>ta0tücrör0iictcM.

Gießen, 28. Jan.

Amvesend sind: Cberburgermcifier Mecum, Beiaeoidnetei lleller; bie eiaoiDeroibiieiin: Brück, Tr. Ebel, Eichenauer, Aaber, Gabriel, Grünewald, Dr. Gutfle.sch. Hademchl, Tr. Habe«» körn, Haubach, Hetchetheim, Helstich, Huhu, Jann, Jngbaidt Krumm, L'eib, Löber, Loos, Cvug, Petri, Plank, Simon, Trat hiaUemcls und Wmn.

Tlitte lungrn.

Der Vorsitzende teilt mit, daß die Handelskammer ba:- Ableben ihres Präsidenten, Kommerzienrat Koch miigctcilt hab. und erinnert daran, daß der Verlebte stets dazu beigetragen Ijabc, gute Beziehungen zwischen der Handelskammer unb b-r Siabt- ucrroaltung zu erhalten. Die Stadt werde ihm, dem treuen Bürger Gießens, stets ein ehrendes Angedenken bewahren. Er bitte, sich recht zahlreich an der Beerdigung zu beteiligen.

Ardeiteolstn Beratung.

Unterm 24. d. M. ist ein Schreiben dcs Stadtv. Krumm eingcgangen, daß einigen Jahre lang bei den SlanaliiationdarbeiUn beschädigten Arbeitern vor kurzem bom Tiefbauamt mitgetedt wor­den sei, sie,würden von jetzt ab als Notstandsarbeiter beschäftigt, .rotzdem man ihnen vergangenes Jahr gejagt habe, daß sie ständig Jlrbcit bei der Stadt behalten konnten. Tas sei von der Stadl nicht richtig gehandelt und er stelle den Antrag, daft sie wenigstens einen Mindestlohn von 3 Mark erhalten sollten, wenn sie nicht läglid) 9 Stunden zu 36 Psg. beschäftigt würden. Tie Baudepu- faLion beantragt Ablehnung dieses Antrags.

Ter V o r l i tz e n d e bemerkt dazu, daß Stadtv. Krumm dieses Schreiben wohl kaum abgeiafti hätte, wenn er sich nicht nur aus die Angaben der Arbeiter verlassen, sondern sich bei der Bürgcr- nicifterei erkundigt halle. Es handle sich uni unständige Arbeiter, . ie bei den uuii der Stadl ausgesührten Regie-Kanal ar beiten be- ä)äsligl gewesen seien. Es sei ihnen im vorigen Jal,r gesagt wordcu, daß sic aus ständige Arbeit nicht rechnen könnten. Taraus- hin seien auch eine Anzahl und zwar zumeist die brauchbarsten wcggegangcn und hätten sich sonstige Arbeit verschasft. Die übrigen würden nunmehr als Notstandsarbeiter beschäftigt.

Stadtv. Krumm führt aus, cs handle f>ch um eine Anzahl Arbeiter, die lange bei der Stadt beichättigl gewesen >ewn uno von einem wisse er ganz bestimmt, daft ihni ständige Arbeit ücr- .prochen gewesen sei. Jetzt habe man ihnen plötzlich gejagt, sie würden als drotstandsarbeiter beschäftigt. Auf diese Art macl)c man es den städtischen Arbeitern muuöglich, in den Genuß der von der Stadt eingerichteten Hinterblicbenen-Versorgung zu kommen und bewirke blos, daß brauchbare Arbeiter nicht bei der Stadt blieben. Sv dürfe die Stadt nicht verfahren, selbst wenn kein Versprechen vorliege, denn von den 2,40 Mark, die bie Stadt an dkotstandsarbcilcr bezahle, könne man leine Familie ernähren.

Stadtbaurneiücr Braubach bemerkt, cs handle sich um bei 'Jkgiearbciteu beidxijtigicn ungelernte iog. Gelegenheitsarbeiter. Vor 3 huti> 2 Jahren lwtlc die Sache anders gelegen als in diesem Winter, da man damals iniolge der vielen Hausanschlüsse ständig Arbeit für sie gehabt habe. Schon im November des vergangenen Jahres IrüUe man die Leute entlassen müssen, da man keine Ar­beit mehr für sie hatte. Man habe ihnen aber gesagt, sobald NolstandsarlrcÄen gemacht würden, werde man sie beichägigen und dies sei auch geschehen. Man habe and) bei den Notstondsaroeitern Unterschied gemacht: Leute, die feitber schon bei der Stadt ar­beiteten, erhielten 30 P«g. und Neubesdr-uiigte 28 Psg. Stunden- lohn. Das von den Leuten Geleistete stände in keinem Verhältnis zu den Kirsten.

Ter Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daft bic Leute, die nicht ständig bei der Stadt batten beschäftigt werden können, im Sommer auch höhere Lohne wie die anderen erhalten hauen. Aach einer Anfrage bei 8 lriesigen Bauunternehmern beidjaitigteii diese jetzt noch 166 Arbeiter, von denen nur 30 Gießcncr seien. Unter dcu übrigen feien zahlreiche unständige Arbeiter. Auf Be- i tagen, warum sie Nicht nie bi Einheimg'd)e beschäftigen, hätten Die Unternehmer erklärt, diese feien unzuverlässig.

Stabt». Winn schreibt die jetzige Kalamität den übermäßigen iW>ttid)en 'Jicßicarbeiieit zu. Es sei selbstversiündlich, daß tue Sladt den diotstandsarbeitcrn Nicht tue gleichen Löhne geben tonne, roit den ständigen Arbeitern. Aber man solle den letzteren den gleichen Stundcnlolrn geben wie im Sommer, auch wenn sie als NofttandS- ar beit er beschältigt würden.

Der Vorsitzende bemerkt, das geschehe jetzt schon.

Stadtv. Loder rügt es, daß man den Leuten Kitz vor Weih, nachten gesagt hätte, bis Anjang Januar würde nicht gearbeitet. Man hatte sie ständig beschäftigen fallen.

Stadt». Krumm bemerkt, die IKute hätten doch früher ihre Schuldigkeit getan; sie seien al)o Nicht so unzuverlässig wie b.er ge­sagt werde. So gut die Unternehmer von der Stadt verlangen, daß bte städtischen Arbeiten niüjt nach außerhalb vergeben würden, üliten sic auch in erster Linie hiesige Acoeuer beschäftigen. Aber Lte Stadt selbst gebe chncn <in schlechtes Beispiel, da sie mu

Vorliebe ebenfalls auswärtige Arbeiter beschäftige. Da.die sog«. Notstandsarbeiter nicht von 2,40 Mark leben könnten, sollte man ihnen noch Armen-Unterstützung dazu geben.

StaDtv. Braubach führt aus. cs sei bat Leuten gesagt wor­den, zwischen den Jahren werde nicht gearbeitet. Wer aber doch arbeiten wolle, solle sich an den Slraßenmcister wenden. Tas habe eine Anzahl auch getan.

Der Vorsitzende bemerkt nock, daß die hiesigen ?^otstandS- arbeiter besser bezahlt würden, wir z. B. die in Mai.»-, xort be­kämen sie 1213,00 Mark in der Woche und hier 14 Mark.

Stabt». Winn bemerkt, die von Privatunternehmern be- chäftigten Arbeiter von außerhalb feien gelernte Arbeiter, wa­ber Vorsitzende für einen großen Teil davon nicht zug.bt.

Stadtv. I u g ha r dt führt aus, bei uns geschehe in dieser Be- ziehung mehr une bei vielen auswärtigen Städten. Er verweise darauf, wie schlecht in vielen sozialdemokratischen Konsumvereinen und Läden bie Leute bezahlt würden.

Stadw. Krumm sagt, es gebe keine sozialdemokratischen Kott- imwcrcine. Stadtv. Fughardt solle nut dafür eunteren, daß >ie Stadt die gleichen Löhne gebe, nne bie Kvnfumoereine, bann sei er (Rebnef schon zuftiedcn.

Stadtv. Ha ubach hat nickst- dagegen, wenn hier berechtigte Klagen vorgebracht würden. Aber in bicicm Fall hätte sich Stadt». Krumm erst erkundigen sollen, dann hätte er diese unrichtigen Be­hauptungen nicht ausgestellt.

Stadtv. Troß teilt mit, daß auch bei ihm 3 Arbeiter im Austrag von 36 anderen sich bellagt hätten, daß sie auf einmal statt 36 Psg. nur 30 Psg. Stunden lohn bekommen sollten. hatten erklärt, daß sie mit 32 Psg. die Stunde zusrieden fein wollten (Stadtv. Krumm: Bei 9 Stunden Arbeitszeit), das solle man ihnen auch geben. Durch die vielen 'Jicgicarbcitcn müsse die Stadt Leute einftcllcn, die sie nicht dauernd beschäftigen könne. Tas könne man dadurch erreichen, daß man bic Arbeiten mög­lichst an Unternehmer vergebe. Durch das ictzcge Verfahren ziehe man Leute hierher, die man im Winter dann beschäftigen müste.' Der mehrmals schon in Aussicht gestellte städtische Taiupfdagger sei auch so ein Betrieb, den man nicht ständig beidyäjtigcn könne.

Gegen 2 fSiimmcn wird hieraus der Antrag Krumm ab- gelehnt,.

Tie Stra^npfhlhrung.

Der Vorsitzende macht Mftteilungen über die Jn- orrnationSreise der Vaudcputation nach Frankfurt, Würzburg unb Mainz zum Studium bet Straftenpilastervcrhaltnisse und schlügt' namens der Baudeputation auf Grund der gemachten Beobad'lungcir vor, bei der Neubesestigung der für bie Äraftenbahn in Betracht kommenden Straßen iolgenbcrmaftcn zu verfahren. Tie Bahnhof­straße soll zwischen Bahnhof- und Liebigstraße mit Asphaltplatten, zwischen Liebigstraße und Wieseck mit Grauuxtcke gepslastert wer­den. Von da bis zur Schanzenstrafte ist sie in gutem Zustand unb bis zur Marktstraße fall sie mit Aspbaltlleinvflaster versehen wer­ben. Tie Marktstraße, ber Marktplatz, die Mäusburg und der ttteuzplatz sollen Gußaspljalt erhalten, aus dem Kirchenplatz, dem Lindcnplatz, der Walllorstratze und dem Seltersweg fall bas jetzige Steinpflaster bleiben. Tie Marburger Strafte bis zum Friedhof, bie Gartenstrafte und die Kaiser-Allee erhallen Klcinpflasler, Die Liebigstraße und die Frankjurter Straße bis zur Alicesliafte erhält Grauwackepslasterung, die Schulstraße und die Neuenbäue werben mit dem vorhandenen Material umgepflastert. Die West- Anlage bis rum zukünftigen Straßenbahn-Depot und die Neustadt erhalten Schotterplatten. Zusammen würbe dies 215 000 Mark kosten, aufterbem fiub 27 000 Mark ersordcrlich für die Herstellung gelegentlich der Glcislcgung unb für bie Bürgersteig' 81 600 M. Zusammen sind also 324 000 M. erforderlich, wovon 115000 M. bereits früher bewilligt sind, fobaft nunmehr noch 209 000 Mark bewilligt werden müssen. Bezüg.ich der für Wcst-Anlage und Neustadt vorgesehenen Schotterplatten hat er persönlich Bedenken.

Stadw. Heichelheim bittet um Auskunft, ob das vorge­sehene Pslaster auch für feine Zwecke geeignet sei, namentlich auch» ob bei Ausbrüchen die Kosten nicht zu $od) würden.

Der Vorsitzende meint, die Zahl und Kosten der Auf­brüche hinge von dem Zustand der in dcu Straften Itcgcnbrn Leitungen ab. Der Kanal erfordere voraussichtlich längere jtu feine Reparaturen, dagegen seien Gas- und Wasserleitung aüf)t gut. Bei Stampfasphalt würden Aufbrüche teurer wie bei bta vorgeschlagenen Verfahren.

Stadlbaumeister Braubach weist daraus hin, daß in der Altstadt kein Pflaster ohne besonderen Untergrund sich halte. Man lege bcshalb jetzt das alte Pslaster tiefer, fülle die Fugen mit Zement auS und lege darüber aus einer leichten Betonschicht bas neue Pflaster. Dieses Verfahren habe sich bewährt.

Stadw. W a l l e n s e 1 s glaubt, daß man in unseren Basalt- brüchcn sehr gutes Material habe, das man alS Groß- ober Kl ein- pslaster auf den engen Plätzen der inneren Stadt benutzen solle.

Der Vorsitzende bemerkt dazu, auch Basallpflaster halte ohne andere Unterlage nicht, Asphaltpflaster koste 10,50 Mark auf den Quadratmeter, während das Basaltpslaster 10 Mark koste. Tiefe geringe Preisdifferenz werde durch Heinere Reparaturkosten wieder reichlich eingeholt.

Stadw. Petri weist daraus bin, daß die Vorlage selbst für die Schulstraße usw. Umpflastcrung des jetzigen Asphaltpjlaster» vorse^e und meint, mindestens für die Außcnslraßen käme Basalt sehr in Betracht.

Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß unser Basalt reichlich zur Anwendung kommt, namentlich überall da, wo es sich um Kleinpflaster handelt.

Stadw. Eichenauer macht daraus aufmerksam, daß die Wahl deS Pflasters bezüglich der Straftcnrcinigung großen Ein­fluß habe und bittet hierüber um Auskunft.

Der Vorsitzende erroicbert, dah es damit mit den neuen Pflasterarten besser werden und auch tue StraftenreinigungSkosten sich ermäßigen würden.

Stadw. Winn fuhrt aus, in der inneren Stadt müsse man die Anwendung von Asphaltpslasier vermeiden. Auch von de« Schotterplaltcn halte er nicht viel. Mit Rücksicht aus die Mit­teilung deS Lberbürgermeistcrs über den Zustand der GaS- und Wasscrlcttung falle man beide nach ALöglichkcit vor der <Eilöfterun| prüfen, damit man die häufigen Abbrüche tunlichst vermeide. Wenn heute endgültig beschlofien werden solle, bitte er, West- Anlage und Neustadt für heute zurückzustellen, damit die Bau- dcputation die Frage der Schotterplatten noch einmal prüfen tonne.

Stadw. Grünewald beantragt, die Debatte zu fdilicftnt, da bte meisten Mügliebcr der Versammlung über bic Vorzüge der einzelnen Pflasterarten boch keine Sachkenntnis hatten.

Statt». Löber halt cS für gerechtfertigt, wenn bte Stadt dem wachsenden Verkehr entsprechend bic besten Pslastcrarten nmbte unb neues Pflaster einführen wolle.

Stabt». Iugharbt betont, baß auch außerhalb BedenkL gegen die Sckwlterplatten beständen.

Auf Vorschlag deS Vorsitzenden beschließt man, die Ve- schlußiassung bezl. der Neustadt und der West-Anlage heute au#» zusetzen und im übrigen die Vorlage zu genehmigen. Tie Baudeputation soll, wenn sie für bie beiden genannten Straftet bet ihrem Vorschlag bleibt, einen Evcntualvorsch-lag madwt, damit bie Versammlung, wenn sie bte Sckwttersteine Mchnt, lrotzdcM sofort bie Pflaster art befehl ieften kann.

(Schluß folgt.)

Diärftc.

-tb. Gießen, 28. Io,,, er die-wöchlge Diebmarkt belief sicv auf 1000 Sluck Großvieh, 300 Kawer und 75 Schweine» Ter Handel in Dkilchkuhen machte sich zu den (eitbeugen fluif« Preisen, da Ange'.wi und Nachfrage im richtigen Veihällms slanoew Ihn Versuch der Einknujer ans der Umgegend, die Pieije zu drücke^ ichlug fehl, weil diele Handelsleme den Markt nicht beb er richte* Allgemein war die Klage der Känfer, daft der Mnchviehpreis nickt im VeihäliniS zumPrcne für feileSlübe lieht. Es winde cebanpwh daft der Atilchvrodnzem nack einet AdmelkzeU von 69 Monaier^ wenn er bic Tiere dann mästet, sie mit einem Verlnsl von 1-0 2<X) Pik. vertaufen miiste. Für Feiivich war die Tendenz des Marlies uow erheblich schlechter, als vor 14 Tagen. Fette gute Rinder waren nur zu weichenden Preisen und aury da schiver U*