Ausgabe 
28.6.1909 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

VA

99-

moo! --

1871

1£-

ubbr.

i.fl.500 1^

?>

A

B-

99.-

10110

br.I . II

ÄI9 100.91 97.8) 96.« M

101.?)

101.8) 94.- 10150 101Ä 94.- 9m)

95 M

95.10

100,^ 100_ 100,^ uv IV 9110

iche Lose.

. . . M.MM . . . . o.iiioo^.-

102 ,

g r. 103. ,

. v. Franlsurl

Zlr.100

M 0.(1.100 Ur. 100 21t. 50 'Fr- $2 Sr.M 51t. 100

"iial.garant. | Str. 12-13 , u. 14-15 .

:et-I~V mit. 1909

; 11905

>. Sb 1907

100.- 92.10 92.71 SM

u. 7-8 . :«.Iu.IIintLi909 O.F.G. H-K.u. L. - 1L N. P. anO. unk. . . ,

bligationen.

5lr. 40 l» '' ;ö.w.< . alt. ft. «W 100. ' Kraz . . 5.(1.150 m. uw

94.10 8 92.60 99jo 93äi 99.90 99.9) 100., SS« IV) 95S) SS« V) 91.-

SH* ä * 1911,

b. 19Q9 i 99« ;b7<b. 1911,99« £7nU W131iv .3 rnibb. m r- 4 knbb. 1906 1 n.54(uubb. 1906 1100.60 nd.6tr.52 , 9U

1914' ' H. . * )6.1u. 2 ' ' '

b' °d 1905 . ,

'912.1 .»H.

äS 1.1915. c unr- b. 19p 1

b. 19Ü' I j".19.

S " 1902

liehe Lose.

....

- ' 5(r. 20

' ' ' Jlt.lO,

' ' ' .3r.l5

' ' M

* * * Skt 451

' ' ' Lin 10 l

'S

' " ' Ul

:: sr-5

m°- 1 ' $100 -

. " ' ft»»

2

i.-

3/

5.-

).- )50 ).20

1,60

trie-Ak^:

Erstes Blatt ISS.Jahrgang Montag 28. Juni 190S

erscheint täglich, außer "vaSf A Bezugspreis:

Sonntag?. - Beilagen: v CV g» W monatlich7bP^viertel-

vierinal wöchentlich M A, A.A W A A A(k A a. a jährlich Mk. 2.20: durch

MZGiesrenek zuttciGcr

wirtschaftliche Seilsragen W W WW W W W ÄL Zeilenpreis: lokal löPfi

Fernsprech - Anschlüße: « M v V E3 V » auswärts 20 Pfennig.

für die Redaktion 112, Verantwortlich

Verlag u. Expedition bl /gs V AkW- v * e» zflA IT <» a* für den politischen Teil:

. General-Anzetger für Oberhchen WM

bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.

** IqCiqciiIcil veu«

Dar Lnttaffungsgesuch Bülows.

Der Zweck der Reise des Reichskanzlers nach Kiel ist tiiin 'bekannt geworden: Fürst Bülow wollte dem Kaiser sein Entlassungsgesuch überreichen. Das war die logische Folge des ablehnenden Verhaltens der Konservativen gegenüber den Regierungsvorlagen. Run hat der Kaiser es jedoch ab gelehnt, im gegenwärtigen Augenblicke dem Wunsche des Fürsten Bülow tyu entsprechen. Der Kaiser wies darauf hin, daß nach der einmütigen Ueberzeugung der verbün­deten Regierungen das baldige Zustandekommen der Finanz­reform für die innere Wohlfahrt und für die Stellung des Reiches nach außen hin eine Lebensfrage sei. Er rönne unter diesen Umständen der Erfüllung des Wunsches des Fürsten nach Enthebung von seinen Aemtern nicht eher .nähertreten, als bis die Arbeiten für die Reichsfinanzreform ein (positives und für die verbündeten Regierungen annehm­bares Ergebnis gezeitigt haben würden. Eine definitive Lösung hat also die Kieler Reise des Fürsten Bülow nicht gebracht, vor allem aber keine Auflösung.

Rach' den letzten Ausführungen in der Regierung nahe­stehenden Blättern ließ sich dieser Ausgang ziemlich sicher voraussehen, es wurde immer wieder betont, daß definitive Maßnahmen des Reichskanzlers und der Verbündeten Re­gierungen nicht eher ^u erwarten seien, als bis die Fin'anz- reform in dritter Le,ung erledigt sei. Das eine ist klar, die Erbschaftssteuer ist unter dem Zwange der Verhältnisse von der Rcichsregierimg fallen gelassen worden, so ent­schieden man sich auch in der letzten Zeit dafür ins Zeug gelegt hatte. Eine in dem Wochenrückblick derNordd. Mg. Ztg." enthaltene Auslassung zweifellos offiziösen Ur­sprunges weist darauf hin, daß die neue Mehrheit nach Ab­lehnung der Erbschaftssteuer Ersatzvorlagen bieten müsse, 'die mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit vereinbart sind und nicht an die Quellen des Wohlstandes des Reiches rühren. Man will sich also evtl, mit anderen Steuern begnügen, wenn man auch offiziöserseits sich mit aller Entschieden-, heit (gegen eine Kotierungssteuer und die etwa geplante Auf- zwingung eines Mantelgesetzes wendet. Es scheint, daß man neben dem Verzicht auf die Mühlenumsatzsteuer und den Kohlenausfuhrzoll von den Konservattven Beseitigung oder zum mindesten Milderung der .Kotierungssteuer for­dert. Man darf annehmen, daß es die Rechte nicht wird zum äußersten kommen lassen, da die alsdann unfehlbar ein» tretende Reichstagsauflösung schwerlich etwas gutes bringen könnte.

Aller Voraussicht nach wird man auch mit einem Ein­lenken von dieser Seite rechnen dürfen, denn die partei­offiziöse Lonservative Korrespondenz veröffentlichte am Samstag eine Erklärung, worin es hieß, daß nach dem Falle der Erbschaftssteuer eine schnelle Erledigung der Finanzreform unbedingt gefördert werden müsse^und daß es unter Umständen notwendig sei, auch ein Opfer der eigenen Ansichten zu bringen. Dieser Fall ist wohl jetzt eingetreten, und in den nächsten Tagen wird sicherlich auf das allereifrigste gearbeitet werden, um eine Einigung an­zubahnen.

Auf eine Mitarbeit der Linken wird man unter den obwaltenden Umständen freilich verzichten müssen, denn der Ausgang der Krisis kann die linksstehenden Parteien, die gleichfalls ihre Zustimmung am Reformwerk von der An­nahme der Erbanfallsteuer abhängig gemacht hatten, kaum befriedigen. Bon dieser Seite Hütte man im Hinblick aus die Stimmung weiter Kreise des Volkes einen fiischen fröh­lichen Wahlkampf gewünscht, von dem man ja tmr Vorteile gehabt hätte. Aber in Regierungskreisen möchte man eben eine Auflösung vermeiden, weil man wohl eine Mehrheit für die Erbschaftssteuer und die übrigen der Regierung genehmen Steuerprojekte erhalteu würde, im übrigen aber mit einem vielleicht mehr nach links neigenden Parlamente nicht gern arbeiten möchte. Welche Ereignisse also wirtlich eintreten werden, ist auch heute noch recht ungewiß: lenkt die neue Mehrheit ein, dann wird die Flnanzresorm ^viel­leicht ohne die Erbanfallsteuer gemacht werden und Fürst Bülow zieht sich alsdann in das Privatleben zurück. Werden aber die von der Regierung abgelehnten ^teuer- prosekte aufrechterhalten, daun komnit unbedingt eine Aus­lösung des Reichstages, indessen ist dieser Ausgang der unwahrscheinlichere. Weit eher Hai man mit dem Ruck- ttltt des Fürsten Bülow zu rechnen: wer rndoch sein Nach­folger sein würde, ist trotz aller -^"on, die bereits setzt gewinnt werden, völlig ungeimtz. . Vorläufig heiß es ab­warten, um den 10. Juli herum wird man vielleicht wissen, was die Glocke geschlagen hat.

Infolge kaiserlicher Entscheidung find setzt energisckse Verhandlungen mit den Parteien des alten Blocks beschlossen worden, die den Zweck haben die FiNMizreform auch ohne Erbschaftssteuer zustande zu bringen . Fürst Hatzfeld hittte mn Sonntag mit Mitgliedern verschiedener Parteien Be-

Die ^Mitteilung von dem vorläufigen Verbleiben des Fürsten Bülow im Amte ist den Gattern am Samstag erst so spät abends zugestellt worden, das; em grotzer ^.ei ftch lediglich auf die Wiedergabe der Meldung besairankeu musste. Soweit man bereits Kommentare bruigt, b e

Ueberzeugung vor, daß noch immer keine volle Klarhett erV sei was eigentlich kommen werde wenngleich man an ein dauerndes Verbleiben des Reichskanzler^ nicht ^il glauben vermag. Die5l'r euzze i t ung b. .

Wir freuen uns der Entscheidung des Kaiser^ da wir unter den gegenwärtigen Verhältnissen und besonder- auck^ nut Rücksicht auf das notwendige Zustandekommen der Reichs finmrzreform ein Verbleiben des pursten B -1 Aemtern für erforderlich halten und keinen ^nlnb sN feinem Rücktritt zu erkennen vermögen. - Auch die putsche Tagesztg." erklärt: Ein Vervleiben de» surften Bulow

Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.

könne der Erledigung der Finanzreform mir förderlich sein und die Entschließung des Kaisers sei mit aufrichtiger Ge-1 nugtuung zu begrüßen. Das Blatt glaubt nicht ohne westeres annehmen zu sollen, daß in der kaiserlichen Willens­meinung bereits die Zustimmung zu einem Abschiedsgesuch des Reichskanzlers nach dem Gelingen der Reform aus­gedrückt sein soll. Weiterhin wendet sich das Organ gegen die Ausführungen derNorod. Alla. Ztg.", und meint, die Regierung hätte die Pflicht, neue Ersatzsteuern vorzuschlagen, da sie mis keinen Fall die Negationstaktik der Linken adop­tieren dürfe. Auf der anderen Seite ist dieT ä g l. Runs ch." über diesen Ausgang verstimmt, und meint, damit wäre auch der zweite Sieg des Zentrums durch die Konser­vativen errungen. Der Sturz des Kanzlers sei vom Stand­punkte des Zentrums aus eine gelungene Rache, vom Standpunkte der Konservativen aus eine sinnlose und treu­lose Tat, vom vaterländischen Standpuntte aus ein schwer zu ersetzender Verlust. Wie das Blatt erfahren haben will, habe Bülow in seiner Unterredung mit dem Kaiser aus­drücklich betont, daß er sein Abschiedsgesuch einreichen müsse, weil die Konservativen ihn im Stich aelafien hätten. Wenn die Konservativen hoffen, daß ein Nachfolger Bülows kommen werde, der sich zum Geschäftsführer der Konserva­tiven degradieren lasse, so würden sie sich schwer irren. Die93off. Ztg." schreibt: Die Meldung klinge, als ob der ftaifer gegen einen späteren Rücktritt des Reichskanzlers nichts einzuwenden, sich damit sogar grundsätzlich einver­standen erklärt habe. Die bürgerliche Linke befinde sich in verhältnismäßig günstiger Lage, sie könne den kommenden Ereignissen gelassen entgegensehen. Sei Fürst Bülow un­widerruflich entschlossen, zu gehen, so werde er kaum ver­kennen, daß er sich einen besseren Abgang durch frischen und fröhlichen Kamps als durch armselige Nachgiebigkeit gegenüber der Mehrheit sichert. Im Kämpf aber könne er leicht den Sieg erringen, und dann werde es noch immer Zeit sein, dem Abschiedsgesuchenäher zu treten". Das Berl. Tgbl." meint: Die offiziöse Dcote zeige deutlich, daß der Rücktritt Bülows beschlossene Sache sei Da er den Reichstag sticht aufzulösen wage und auf Wunsch des Kaisers noch irgend eine Finanzreform zustande bringen will, so bleibe ihm nichts übrig, als mit seinen Besiegern zu ver­handeln, obwohl er genau wisse, einen wie üblen Eindruck diese neue Verhandlung mit der konservativ-klerikalen Koalition aus die öffentliche Meinung machen müsse. Es sei zu bedauern, daß Fürst Bülow der neuen Koalition unter­liege, er habe ihr aber durch seine Nachgiebigkeit den Sieg leicht gemacht. DerB ör s en-Courier" schließt seine Betrachtung:Wir gehen mit der neuen Woche neuen er­bitterten Kämpfen entgegen. Das verdanken wir der falschen Politik der Regierung, welche an die Stelle einer Aus­lösung ein solches Fortwursteln setzen will, wie es die Ar­beit jetzt sein wird, die Fürst Bülow noch zu leisten ge­zwungen ist. DerVorwärts" nennt den Vorgang eineHarlekinade". Bülow habe sich nicht gescheut, noch einmal dieselbe Komödie zu wiederholen, die er in den Novembertagen ausführte. Daß Bülow den Kaiser von der Opportunität seines Ruckzuges nicht überzeugen konnte, be­weist bloß, daß er es nicht wollte. Die Demission erscheine nur als letztes verzweifeltes Mittel, selbst auf die unwürdigste Art, Kanzler zu bleiben.

^Sliti-chc Lages?chau.

DecFamiliensinn" des GrotzagrariertumS.

In einem Aufsatz über dieNachlaßsteuer als Erzieherin", in dem Paul §>eile-Vamburg inSchmollers Jahrbuch" einem Ausbau der Nachlaßsteuer ober was in diesem Falle dasselbe mät\ der Erbanfallsteuer in der Richtung agrarpolitischer Reformen das Wort redet, heißt es u. a.:

Im dem von Professor Sering im Regierungsauftrag ku= sannnengestellten Sammelwerk: ,,Die Vererbung des ländlichen Grundbesitzes in Preußen" sagt Dr. Felix Busch über den west­preußischen Großbesitz (Westpreußen, S. 85): Grunde ist

es wioersinnig, in Westpreußen von einer Vererbungssittc zu sprechen. Der Großbesitz vererbt sich nicht mehr. Nur feiten bleiben die Güter bis zum Tode ihrer Eigentümer in deren Besitz. Meist Lehen sie zu Lebzeiten der Be­sitzer im Wege des freihändigen Verkaufs ober durch Zwangs ver st eigvrung- in fremde Hände über."

Was in Westpreußen gilt, gilt von Ostpreußen, von Posen und Pommern ebenso. In Schlesien ist außerordentlich viel Fideikommiß, unb dort wie in Brandenburg ist die kapitalistische Auffassung von Grundbesitz nicht mehr so allgemein und so schroff. Da nun die Bundesführer in solchen Anschauungen ausgewachsen smd, ist es natürlich nicht verwunderlich, daß sie von dem wahren Charakter desbäuerlichen Familiensinns" keine Ahnung haben und ihn ungeniert als Wächter für ihr von Gott geheiligtes Privatetgeittum anstellen möchten. Deshalb sollten, wenn jetzt der Bund der Landwirte in Westfalen und Hamrover- [aiib mit dembedrohten Familiensinn" hausieren geht, seine Gegner den Spieß umkehren: Unsere Bauern sind sehr vorsichtig und mißtrauisch gegenüber Leuten, die Hof und Fwuilie nicht instand falten! Der Bund wird dann erfahren, daß es 'Namen gibt, die man nicht unnützlich *tirt Munde führen, nicht nrifc brauchen darf. t

Bekanntermaßen lebt die Agftation des Bundes der Land- toirte nahezu ausschließlich von derleiunnützlichen Im-Munde- führen". Auch was sie um den städtischen Mittelstand über seine wahren JMeressen zu täuschen vorzubringen pflegt, beruht auf dem gleichen Mißbrauch. *

Proteste gegen den Zatenbesuch

kommen erneut aus Italien und England. Angesichts der Drohungen der italienischen Sozialisten, den Zaren bei feinem Besuche in Rom mit Pfeisen und Johlen zu emp­fangen, drängt die italienische ^Regierung nicht mehr darauf, daß der Zar nach Rom komme. Der Besuch des Zaren wird sich daher wahrscheinlich darauf beschränken, daß das Zarenpaar von dem italienischen Königspaar in irgend einem Hafen empfangen wird. Auch in England mehren sich die Protcstkttndgebungen gegen den Besuch des Zaren. Auch die Geistlichkeit lehnt sich nunmehr gegen den beabsich­tigten Besuch auf. Pater Cambell hielt eine Predigt, worin er sagte, wenn dieser Besuch erfolge, sei dies der größte

moralische Skandal, der England heimsuchen kann. Die englische Erde würde dadurch für immer beschmutzt.

DaS Zarenpaar in Stockholm.

Am Samstag, um 31/2 Uhr nachmittags, kam das russische Kaiserpaar in Stockholm an. Bald nach der An­kunft begaben sich der König und die Königin, sowie die übrigen Mitglieder der königlichen Familie auf denStan­dart", wo eine sehr herzliche Begrüßung mit dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland erfolgte. Nach Ab-i schreiten der Ehrenkompagnien sichren die Herrschaften zum Schloß. Im Schloß wurden die Majestäten von der Königinwitwe Sofia empfangen. Beim Galadiener im Schlosse tauschten die beiden Monarchen herzliche Trink«, sprüche aus. König Gustav sagte u. a.: Der Besuch Ew. Majestät, dessen Wert im hohen Grade dadurch erhöht wird, daß die Kaiserin die Liebenswürdigkeit gehabt hat, Sie hierher zu begleiten, bereitet der Königin und mir herzliche Freude und wir ^erinnern uns in diesem Augenblick mit ganz besonderer Freude daran, daß die fieundschaftlichen und verwandtschaftlichen Bande, die uns verbinden, jetzt iwd) fester geknüpft find durch die Geburt eines Sprößlings aus unseren beiden Familien, bei dem Ew. Majestät die Paten­schaft zu übernehmen die Freundlichkeit hatten. Es ist mein Wunsch und auch der meines Volkes, im Besuche Eurer Majestät einen Beweis zu erblicken für die ausgezeichneten Beziehungen, die zwischen unseren beiden drachbarvölkern bestehen, und es ist meine feste Hoffnung, daß diese Be­ziehungen, die in den letzten Jachren feierlichst besiegelt wur­den, sich immer mehr festigen und entwickeln werden auf) der Grundlage gegenseitigen Vertrauens, und daß die ge­meinsamen Interessen eine feste Grundlage erhalten zum Besten beider Länder. Zar Nikolaus jagte: Der liebenswürdige Empfang, der uns in Ihrem Lande bereitet wurde, stellt einen werteren Beweis dar für die Bande der Freundschaft und Verwandtschaft, welche unsere beiden Völker beremen und die noch fester geknüpft wurden durch das glückliche FamilienereiginS, das Ew. Majestät ettvähnten. Dieser Beweis ist gleichzeitig eine Bürgschaft für die festen vertrauensvollen Beziehungen 'zwischen unseren beiden Län­dern, welck)e jüngst durch ein feierliches politisches lieber­em kommen weiterhin befestigt wurden und die noch mehr zu 'stärken und zu entwickeln mir auf dem Herzen liegt

Ein Mord in Stockholm.

Der Chef der schwedischen Küstenartillerie, General­major Beckmann, ist Samstag gegen Mitternacht in dem mitten in Stockholm gelegenen rwnigsgarten durch einen Revolverschuß in den Rücken getötet worden. In feiner Begleitung befanden sich mehrere höhere Offiziere. Der Täter, ein schwedischer Arbeiter, erschoß sich sofott.Dagens Nhheter" bringen folgende Einzelheiten über die Ermor­dung des Generalmajors Beckmann. Einige Offiziere, unter ihnen Generalmajor Beckmann und Kommandeur Dahlgren, nebst Damen, passierten kurz nach 12 Uhr den Karl XII.- Markt. Plötzlich sprang ein Mann in Arbeiterkleidung vor und feuerte mehrere Revolverschüsse ab, von denen einer den Generalmajor Beckmann im Rücken traf, während der andere gegen den Kommandeur Dahlgren gerichtet war, aber den Arzt Levander in der Hüfte traf. Unmittelbar darauf richtete her Mörder zwei Schüsse gegen seinen eigenen Kops und stürzte bewußtlos nieder. Wie die Polizei mit­teilt, ist der Mörder des Generalmajors Beckmann gestern früh 9 Uhr im Spital gestorben. Es ist ein Arbeiter mit Namen Adolf Hialmar Vang. Man sand bei ihm ein Paket mit Exemplaren der ZeitungBrand", und man nimmt an, daß er von dem Vertrieb dieses Blattes lebte. Dr. Levander befindet sich außer Gefahr.

Deutsches Reich.

Der Kaiser und der Hansabund. Wie der Berliner Korrespondent derNeuen Freien Presse" erfährt, fat sich der Kwser in Hamburg den Vorsitzenden des Hansa- bundes, Geheimrat Rießer, vorstellen lassen, und ein län­geres Gespräch mit ihm geführt, das auch politische Fragen berührte, über dessen Inhalt aber Stillschweigen bewahrt wird.

Der Reichskanzler und der Chef des Zivil­kabinetts v. Valentini, sind am Samstag um 2 Uhr 55 Min. von Kiel nach Berlin zurückgereist.

©e-neraloberft von der Goltz tritt in den ersten Tagen des Juli seine auf vier Wochen berechnete Informa­tionsreise nach Kvnstanttnopel an.

Zur Rerchstagsersatzwahl in Ne u st ad t. In der am Sonntag nachmittag in Neustadt a. d. Hardt statt­gehabten Vertrauensmänneroersammlung der nationallibe­ralen Partei des Reichstagswalstkreises Mustadt a. d. H.- Landan, zu der auch Vertreter der Freisinnigen Volkspartei und der f^unaliberalen erschienen waren, wurde einstim­mig der Lanvtagsabgeordnete Franz Buhl-Deidesheim, der Vorsitzende des Deutschen Weinbau-Vereins, als Kan­didat proklamiett.

In Kiel ist es wieder zu Zusammenstößen zwischen Arbeitswilligen und Streikenden gekommen. Zwei Arbeitswillige wurden durch Messersttche und Schläge mit Totschlägern schwer verletzt. Ein Tischler erhielt von Ar- beitswillrgen einen Schuß durch den Hals; die Verletzten wurden dem Krankenhause zugefü^rt.

Ausland.

Ter frühere ungarische Finanzminister von Lucacz wurde gestern nachmittag in einer Audienz bei dem König mit der Mission betraut, zum Zwecke der KabmcttbildwiK mit der Unabhängigkeitspartei in llntcrfanbhingeu zu treten.

Oesterreich und Italien. Wie die Agenzia Stefani meldet, teilte der österreichistb-ungarischc Botschafter Graf von Lützow dem Minister des Acußeru mit, daß sich Oesterreich-Ungarn an der zu Rom m Jahre 1911 stattfind enden Ausstellung offi­ziell beteiligen wird.

Zn La Granja sand gestern die feierliche Tmäe iw.«;-