Nr. 98
Zweites Blatt
L 89. Jahrgang
Mittwoch 28. April L 909
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag-.
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zogen ist, daß er also in Wirklichkeit, wie ne von der Welt draußen und ihren Zu-
manischen Prinzen er;
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Robert Ra
Inh.: Otto Täoiert
Schanzenstrasse 6
Telephon 336 !■
wie ich gern zugeben will, es auch nickst ohne weiteres unrstoßen Gönnen. Jedenfalls würde es eine heftige Erschütterung geben, und eurer solchen das Reich auszuseßen, dazu lieben wir unser Vaterland zu sehr. Mag also der 64jährige Reschad-Effendi immerhin PÄüschah werden. Wir wissen, daß er wie alle os-
im übertragenen Sinne — _-----
ständen keine Mnung hat; aber er kann seinen Namen icbr eiben, und sv viel Verstand wird er wohl besitzen, um zu begreifen, daß er von dieser Fähigkeit Gebraml) zu machen lyaben wird, sobald ihm ein Minister ein Dekret zur Unterfertigung vorgelegt hat. Sie sehen, daß wir den Thvrauvechsel mit nüchternen Augen ansehen; aber gerade deshalb müssen wir jene Garantien zu schaffen suchen, damit die rein repräsentative Figur des Padychah durch reale
DerrtZches
Das Kaiserpaar auf Korfu. Frühstückstafel bei dem Kaiserpaar waren geb
Tapeten
en gros en detail
Prinzessin von Griechenland, Prinz und Prinzessin 'Andreas von Griechenland und Prinz Christof von Griechenland. Die Kapelle der „Hohenzollern" stellte die Tafelmusik.
Der „Reichs an zeig er" veröffentlicht das Gesetz zur Ausführung des Abkommens über den Zivilprozeß vom 17. Juli 1905. DaS Gesetz tritt gleichzeitig mit dem Abkommen über den Zivilprozeß tu Kraft.
Der Parteitag der Christlich-Sozialen in Elberfeld erklärte in seiner Stellungnahme zur Reichsfinanzreform, daß die Reform zustande kommen müsse, ob mit oder ohne Block.
In der Spiegelglasindustrie Bayerns steht ein Ausstand bevor. In sämtlichen 14 bayerischen Spieael- fabriken wurde gestern die Arbeit niedergelegt, da die Verhandlungen über bessere Arbeitsbedingungen erfolglos geblieben sind.
ileesamen
Rotationsdruck und Verlag der Brühkffchea Unwerfitäts - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießen.
war, ist dadurd) erwiesen, daß von hier aus, nämlich vom Jildiz, nicht einmal eine Patrone abgefeuert wurde. Wenn meine Abdankung gewünscht wird, so geschieht Gottes Wille, nur müssen Sie mir die Sicherheit meines Lebens versprechen. Hamid schloß mit den Worten: Was sollte ich machen, es sollte so sein. Darauf zog ]td) die Deputation zurück. Abdul Hamid behielt die Fassung, obgleich seine Hände heftig zitterten. Er reifte gestern mit Extrazug nach Saloniki ab, wo er bleiben wird.
Konstantinopel, 28. April. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr fuhr der neue Sultan Mohamed V. im 'geschlossenen Wagen, zu dessen Seite Hassan Risa ritt, nach dem Seraskierat und leistete dort den Schwur. Im Seraskierat sand eine Desilir-Cour i'ifltt, an der die Generalität, Mitglieder des Senats und des Abgeordnetenhauses teilnahmen. Das Kabinett hat noch nicht demissioniert.
Konstantinopel, 28. April. Sehr energisch geht, die Operationsarmee gegen die Hodschas vor. Zahlreiche Durchsuchungen werden bei ihnen vorgenommen und Papiere und Gelder beschlagnahmt. Auch eine Anzahl Kurden wurde verhaftet, weil sie im armenischen Quartier zu plündern versuchten. Sie wurden fofort erschossen.
Die Finanzkommission des Reichstages führte am Dienstag die Beratung des Branntweinsteuergesetzes fort, erledigte den Abschnitt über die Betriebsauflage (Denaturierungs- ionds) und beriet dann die Bestimmungen über den Ueberbrand. Tiefe Beratung wird am Mittwoch fortgesetzt. Am Dienstag abend 8 Uhr sollte eine Konferenz der Führer sämtlicher bürgerlichen Parteien (also mit Ausschluß nur der Sozialdemokraten) mit dem Lchatzsekretär stattfinden. Bon dem Verlaufe dieser Verhandlungen wird es vermutlich abhängen, ob die Beratung der Wertzuwachs- fteuer in die Durchberatung der Branntweinsteuer einbezogen werden wird. Die Tabaksteuer-Subkommission trat am Dienstag nachmittag zusammen.
Die ,,-ietzener Zamlllendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatl für den Kreis Gießen." zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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staatsmännische Kräfte ergänzt werde. Reschad-Effendi wird ruhig mit der traditionellen Nichterziehung seines Hanfes zum Regieren das Regimntt antreten können.. Er wird dem türkischen Volke Fernen Schaden tun. Hätten wir die Freiheit gehabt, einen Prinzen zu wählen, so würden wir Reschad allerdings nicht gewählt haben. Schon iein Alter hätte uns beiuogen, an dieser Kandidatur vorüber zu gehen, und vielleicht wäre der Blick auf einen der ©öffne Abdul Hamids gefallen, die in der letzten Zeit toirttid) so etwas wie Volkstümlichkeit besaßen, Ader für uns spitzt sich die Frage nicht darauf zu, welche Persönlichkeit auf dem Thron sitzt, fonöern welche Persönlichkeiten den Thron umgeben, und wie die Bürgschaften dafür gewonnen werden, daß die Tüchtigsten und Besten dem Mdischah leben Augenblick an die Seite treten trauten. An diesen Bürgschaften wird es nicht fehlen. Reschad-Effendi ist aus dem Dunkel seines Gefängnisses erst mit den übrigen Prinzen her vor getreten, als die Verfassung allen Osmanen die Freiheit bradjte. Er hat aber von dieser Bewegungs- freiljeit wenig Gebrauch gemacht, ich nehme an, weil er seine geringe Bedeutung fühlte. Es weiß kaum jemand etwas über iljn, uitd wenn von einem Eindruck, den er hervorruft, überhaupt die Rede sein kann, so soll es der fein, daß er ein sehr ruhiges, um nicht zu sagen verschlafenes Wesen zur Schau tragt Mag er auch als Padischah weiter schlafen. Die osmanische Nation hat dafür mehr als einen erprobten Hüter, der über ihre Freiheiten und ihre Forffchrckte wacht."
Wie Abdul Hamid die Nachricht von der Entthronung aufnahm.
Dreiunddreißig Jahre war dlbdul .Hamid, der gegenwärtig rm 67. Lebensjahre steht, auf dem türkischen Throne. Je zwei von der Natioualversammiuug gewählte Deputierte und Sena- roren haben gestern im Jildis Mdul Hamid feine Absetzung bekannt gegeben. Er empfing die Mitteilung niedergeschlagen und iußerte: Das war ein Verhängnis! Als Abdul Hamid sich für ein Lcchen besorgt zeigte, erklärte ihm die Deputation, er stände rnter dem Schutz der Nation und wiederholte ihm diese Verfiche- ntng, als er auf eine mögliche Sinnesänderung hinwies. Schließlich sprach der frühere Sultan den Wunsch aus, daß er in Lscheragan wohnen dürfe, wo seinerzeit Sultan Murad gefangen zehalten wurde.
Sämtliche Frauendeskais erlichen Harems sind außerhalb des Jildiskiosks gebracht worden. Genaueres über üe Repressalien der Jungtürken ist nichts bekannt, da eine strenge Zensur über alle Nachrichten ausgeübt wird.
Konstantinopel, 28. April. Sobald gestern der Salut ■für den neuen Sultan ertönte, kam eine Aboümung nach dem Jildiz. Born Senat waren Aram Essendi und der frühere Marine- Minister Aryf Pascha^erschienen. Von Seiten Abdul Hamids ’baren anwesend zwei Ober-Eunuchen und der erste Sekretär sowie 'Vrinz Avdur Ahim, der laut weinte. Im Auftrage der Nationalversammlung verkündete daun Essad Pasckw die Absetzung des Sultans. lTfer Sultan erwiderte: Ich bin seit Erneuerung her
Zer Thronwechsel in der Türkei.
Die Jungtürken sind, — das muß man ihnen lassen — Vorsichtig zu Werke gegangen mit der Entthronung; Abdul Hamids. Um nicht etwa den religiösen Fanatismus der Bevölkerung zu erregen, haben sie das Schicksal Abdul Hamids formell in die Hand des höchsten islam. tischen Geistlichen des Landes gelegt, und erst nachdem and; dieser fich von dem bisherigen Sultan lvsgesagt hatte, ist die Absetzung Abdul Hanrids erfolgt. Wie der „Neuen freien Presse" aus Konstantinopel gemeldet wird, besagt der Fetwa, wie das Gutachten des geistlichen Oberhauptes heißt, der gestern in der Nationalversammlung verlesen wurde, folgendes:
„Wenn ent Kalif mit Unrecht Menschen himnorhen läßt, wenn er zwisclum den Nationen Anlaß zu Unruhen gibt, ivenn er beschworen Hal, die Nationen zu organisieren und gewisse verbotene Handlungen nicht mehr zu begehen und dann meineidig wird, wenn die Provinzen erklären, daß der Sultan entthront ist, und sie ihm nidü mehr gehorchen wollen: dann haben die Weisen des Volkes zu entscheiden, ob Entthronung oder Abdankung angezeigt ist." c .
Nach der Verlesung erklärte der Präsident des L-enats sard Pascha: „Die Weisen des Volkes sind wir und unter uns tann kein Zweifel sein, daß Abdul Hamid zu entthronen sei!" Unter frenetischem Beifall nahm die Versammlung den Vorschlag an. Zum Sultan wurde Reschad Effendi ausgerufen, der den Namen Mohamed V. führen wird. Die Ausrufung Reschad Effendis als (Sultan Mohamed V. erfolgte im Kriegs- ministerrum. Der Sck>eich ul Islam verlas ein Fetwa und sprach die bei dieser Gelegenheit üblichen Gebete. Ein Salut von 101 Schuß kündigte gestern um 21/2 Ul-r nachmittags den Thronwechsel an. Um 4 Uhr fuhr Reschad unter Salut auf dem Seewege nach Stambul, überall militärisch begrüßt und- von den Truppen und der Bevölkerung lebhaft afftamiert. Tie ganze Garnison Und alle mazedonischen Truppen waren am Nachmittag ausgerückt und bildeten vom Palais des neuen Sultans bis jur Pforte und weiter bis zum Kriegsministerium, wo der Generaliplmus Mahmud Schefket mit der ganzen Generalität den Sultan erwartete, Spalier, hinter dem sich die Bevölkerung in Massen drängte und gemeinsam mit den Truppen jeden Kanonenschuß mit Beifall begrüßte.
Der Thronwechsel wird von der Armee, der Mehrzahl der Beamten, der Intelligenz, der Jungtürken sowie der Christen mit sehr großem Jubel begrüßt und äußert iid*i in mannigfachen Kundgebungen in Wort und Schrift iowie starkem Freuden, chiceßen. Die Vöehrzahl der Alttürken verhält sich reserviert. Eine Extraausgabe des „Osmanischen Lloyd" meldet: „Die Nationalversammlung habe gestern in einer geheimen Sitzung die Absetzung des Sultans beschlossen und die Thronbesteiguirg des neuen Sultans Reschad als Mohamed V. auf morgen angesetzt. Die Nationalversammlung als gegenwärttg höchste Reichsautorität, habe den Präsidenten der Kanrmer Achmed Riza mit der Kabinettsbildung betraut. Das Kabinett sei in folgender Weise zusammengesetzt: Hilnri Pascha: Inneres; Deputierter Hussein Pascha, Tscha- hid: Unterricht; Dschavid: Finanzen; Risaat Pascha: Aenßeres; Vitalis (Christ): Marine und Woradungshian: Bauten.
Der neue Sultan.
Heber die Persönlichkeit des neuen Sultans ist wenig bekannt. Ein in Berlin lebender Jung türke hat sich einem Vertreter des Verl. Lok.-Anz. gegenüber in folgender Weise über Reschad-Effendi, den nunmehrigen Sultan Mohamed V„ ausgesprochen:
„Wir haben keine Liebe für ihn, wir hassen chn nicht, wir erwarten und befürchten aber auch nichts von ihm. Er wird nur darum Sultan werden, weil wir das Hausgesetz des Hauses Osman, das nun schon 400 Jahre besteht, nicht umft0f3.cn wollen und.
Negierungen, daß diese nicht in der Lage seien, die Reichs- Wertzu wachs steuer anzuuehmen. Die Steuer verspreche einerseits nicht einen genügenden Ertrag, anderseits stehe die Erhebung dieser Steuer den Gemeinden zu. Reichspartei, Zentrum und wirtschaftliche Vereinigung wollen mm bemerkenswerterweife trotz der Ablehnung der Regierung an diesem Steuervorschlage festhalten. Bei voller Besetzung des Hauses würde, wenn diese Fraktionen geschlossen auftreten, auch ohne die Polen, die Deutsch-Hanno- veraner und Elsässer, die dem Zentrum in agrarischen und solcben Fragen zu folgen pflegen, damit eine Mehrheit für oie konservative Reichswertzuwachssteuer vorhanden und der Block somit gesprengt fetn.
AolMsehe Tagesschau.
Ablehnung der Reichszuwachssteuer.
Der Kampf um die Reichsfinanzreform überraschende Wendung. In der gestern Konferenz der Parteiovmänner erklärte, der zufolge, Staatssekretär Sydow namens der
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Der ungarische Ministerpräsident Tr. Wekerle hat gestern bekanntlich in einer Audienz beim Kaiser die Demission dcs ungarischen Kabinetts überreicht. Die Demission wurde angenommen. Der Kaiser hat sich die weitere Entschließung Vorbehalte und das gegenwärtige ungarifdje Kabinett mit der provisorischen Weiterful-rung der Geschäfte betraut. Ilm 1 Uhr nadjr mittags wurde Wekerle vom Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, bei dem er Nr ehr als ein Jahr nicht nxrr, rrt dreisttindiger Audienz empfangen. Äm Nachmittag kehrte dann Wekerle nach Budapest zurück.
Die Anerkennung B u I g a r i e n s. Die Vertreter der Dreibundmächte drückten gestern nachmittag gemeinsam der bulgarischen Regierung die Glückwünsche ihrer Negierungen zur Anerkennung der Unabhängigkeit Bulgariens aus und schrieben sich sodann in das im Königlichen Palais aufliegende Buch lin.
Bulgarien konzediert der deutsch)en Weineiirsuhr dieselben Vergünstigungerr wie der französffchen und der italienischen.
König Peter und König Ferdinand werden denv- nächst eine ^Begegnung haben. Ort und Tag sind noch nicht bestimmt.
Der Posten eines Generalgouverneurs für die baltischen Provinzen wm'de durch einen kaiserlichen Ukas aufgehoben.
Die Lage Muley Hafids. Nach beit aus Fez L>m- mdnden Meldungen vom 23. d. Mts. bat sich die Lage Muley Hafids verschlimmert. Alse Stämme befinden sich in lebhafter Erregung. Viele haben sich zusammengeschlossen, um sich für El Roghi zu erklären. Einige hafidistisch ge)innte Kaids sind von El Roghi abgesetzt worden. Mehrere kleinere Stämme suchen in Fez Schutz. __________________________
Ans stadt und Land.
Gießen, 28. April 1909.
** Vom Gr0ßh. Hofe. Prinzessin Dorothea zu Solms-Lich ist nach der .Darmst. Ztg." gestern nachm. 1 Uhr 37 Min. wieder von Darmstadt abgereist. Erbprinz Dan i l 0 von Montenegro weilte am Samstag nachmittag bei seinem Schwager, dem Prinzen Franz Josef von Battenberg, in Darmstadt zu Besuch. Abends begab sich der Erbprinz wieder nach Frankfurt, woselbst spater auch die Erbpcinzesstn,
werden sich dann voraussichtlich nach Homburg zu längerem Aufenthalt begeben.
•* Pfarrpers onalien. Se. Kgl. Hob. der Groß- h erzog haben dem Pfarrverwalter Ludw. Wörißhoffer zu Maulbach die eoangel. Pfarrstelle daselbst übertragen.
"Lehrerpersonalien. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Stolberg.Wernigerode-Gedern auf die dritte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gedern präsentierte Schulamtsaspirant Joh. Diehl aus Jugenheim.— Erledigt sind: die mit einem evang. Lehrer zu besetzende erste Lehrer- üetle an der Gemeindeschule zu Ober-Finkenbach. Dem Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu; die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu HopfmannSfeld. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst nerbunben.
**NeuerpolitischerVerein. Man schreibt uns: Im Februar hat sich in Gießen ein neuer politischer Verein gebildet, dessen Mitgliederzahl beständig im Steigen begriffen ist. Er setzt sich aus allen Kreisen der Stadt zusammen, jungen Bürgersöhnen, Kaufleuten, Studenten, jüngeren Beamten; auch Damen sind zahlreich vertreten. Der Verein will vor allem das Interesse für politische Fragen anregen und in ihr Verständnis einsi'chren. Er ivill wahrhaft liberale, fortschrittliche Gesinnung verbreiten, ohne seine Mitglieder von vornherein auf ein bestimmtes Parteiprogramm zu verpflichten. Er unterscheidet sich dadurch wesentlich von den nationalliberalen und ünderen Jugendvereinen. Donnerstag, 29. April, äberids 8y2 Uhr, wird der Verein im tz>otel Schütz feine dritte Versammlung abhalten. Professor Urstadt wird über die „Geschichte des deutschen Bauernstandes" sprechen. Da der entschiederte Liberalismus eben darangeht, sich ein Agrarprogramm zu schassen, so empfehlen wir jedem, der sich für eine liberale Bauernpolitik interessiert, der Einladung des Vereins Folge zu leisten. Der Vortrag ist als wissenschaftliche Grundlage für eine Diskussion über das auch am letzten Sonntag von liberalen Männer in Frankfurt verhandelte Thema gedacht.
** Studentische Unterrichtskurse für Arbeiterund Unter beamte. Auch im zweiten Semester haben die Unterrichtskurse einen erfreulichen Verlauf genommen. Von den Teilnehmern ist die Zahl der Unter- beamten zwar gefallen, die der Arbeiter dagegen gestiegen gegen das erste Semester. Unter den verschiedenen Fächern, die gelehrt wurden, fanden am meisten Anklang die, welche schon einige Vorkenntnisse voraussetzten, die Oberklassen in Deutsch und Rechnen, sowie die Klassen für Geometrie, Bürgerkunde und Französisch. Es wird notwendig fein, dies bei der Fortführung des Unternehmens zu berücksichtigen, damit die Schichten, die dem Unternehmen das stärkste Interesse entgegenbringen, die höher stehenden Arbeiter und die Unterbeamten, auf ihre Rechnung kommen. Es werden im neuen Semester wieder Kurse im Deutschen und Rechnen und tn der Geometrie eingerichtet. Dazu tritt zum ersten Mal eine Einführung in das Arbeiterver- ficherungswesen, die Herr Dr. jur. Fuchs freundlichst übernommen hat. Der Unterricht int Französischen wird geteilt, um denen, die die AnfangSgründe schon beherrschen, Gelegenheit zu geben, sich im Sprechen und Uebersetzen zu üben, ohne durch die Anfänger, die eine besondere Klasse bilden, aufgehalten zu werden. Bei genügender Beteiligung können auch noch verschiedene andere Kurse ein- gerick)tet werden. — Anmeldungen, bei denen auch jede weitere Auskunft erteilt wird und die Gebühren (für jeden Kurs einmal 50Pfg.) bezahlt werden können, werden am Freitag abend im Universitätsgebäude (ebener Erde) entgegengenommen.
** Für b 1 e Nebenbahn Butzbach Ebersgöns ist der Butzbach-Licher Eisenbahn-A.-G. das Recht eingeräumt worden, das in der Gemarkung Butzbach erforderliche Gelände, soweit nötig, im Enteignungsweg zu eriverben.
** Gruppenwasserversorgung Bad-Nauheim. Auf Grund des § 22 des Bürg. Gesetzt), und des Art. 4 des Hess. Ausführungsges. hierzu wurde dem Verein für Bau und Unterhaltung der Ortsgruppe B der Gruppenwasserversorgung Bad-Nauheim mit dem Sitze in Reichelsheim i. d. W. nach Vorlage der Satzung die Rechtsfähigkeit verliehen. Der Verein für Bau und Unterhaltung des Hauptrohrstrangs für die Ortsgruppe B der Gruppenwasserversorgung Bad-Nauheim, dem die Rechtsfähigkeit am 4. März 1907 verliehen worden war, hat sich wieder aufgelöst.
** Vertiefung des Lahnbettes zwischen Gießen und der Badenburg. Der letzte Eisgang und das dadurch herbeigeführte Hochwaffer hat gezeigt, daß durch die Versandung des Lcchnbettes in der Gemarkung Launsbach die Gefahr besteht, daß der Fluß mit der Zeit sich einen Weg über die Aacker und Wiesen des Teiles der (öemarknng Launsbach bahnen wird, der unter hessischer Oberhoheit steht. Dieser Umstand gab Ende des vorigen Jahres dem Kreisamt Veranlassung, nach einem Gutachten der Kultur- Inspektion Konrad Rübsamen unter gew ssm Bedingungen die Erlaubnis zu erteilen, den Baggereibetrieb in der Lahn imteryalb der Gemarkung Launsbach, soweit das Flußbett hessisch ist, auszuüben. Ter Unternehmer ist angewiesen, bis 2.40 Meter unter Normalspiegel Kies zu entnehmen. Zu diesem Zwecke hat $>err Nübsamen bereits einen neuen Dampfbagger auf stellen lassen, um in einigen Tagen mit der Arbeit beginnen zu können. Es wäre zu wünschen, wenn eS sich durchführen ließe, das Flußbett vom LaunS- bacher Steg bis hinter der Wißmarer Buücke auf die zu- gelassene Tiefe von 2.40 Meter auszubaggern, damit es möglich wird, eine schon früher geplant gewesene Motor- bootverbindung von Gießen nach der Badenburg einzurich- teu. Wer mit einem Boot den wegen der Versandung des Lahnbettes allerdings nur unter Fährlichkeite.i zu machenden Weg einmal gemacht hak, der ist erstaunt über die malerischen Uferpartien der Lahn, die man nur vom Wasser aus wahmehmeu kann. Auch für unsere Ruderer wäre die Pasfierbarkeit des Wassers vom Bootsplatz bis zur Baden- burg pon großem Vorteil, da die Strecke vom Felsen bis zum Bootsplatz zu kurz ist, um dem Sport zu genügen. iSine Mannschaft will auch einmal auf einer längeren Strecke rudern, um ihre Kräfte zu Mhlen.
Zur gestrigen iaoen der König und die Königin der' Hellenen, der Kronprinz und die Kron
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osmanischen Konstitution nie vorn Wege der Verfassung abge- die ztirzeit in Lugano weilt, eintreffen wird. Die Herrschaften wichen, ich übergebe die Urheber dieser Tragödie der Gch:echtig- ■ - - - ------- - -
feit Gottes. Daß ich an dem Vorkommnis absolut unbeteiligt


