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Nr. 147
Drittes Blatt
159. Jahrgang
Samsiag 26. Jnni 1909
Gietzener Anzeiger
Erschelnl taglid) mit Ausnahme des Sonntags.
General-Auzeißer für Gderheffen
Notationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Universitäts - Buch» und Steindruckeret.
R. Lange, Dreßen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Nedaktion:^^ 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen.
Die Siebener Zamiltenblätter" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisbiart für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dre „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Kläger getagt hat: „Halts Maul, du bitt der richtige Buchfink, du sprichst heute so und morgen so." Da die Beleidigung öffentlich war, da sic in einer Wirtschaft erfolgt ist, wurde dem Kläger auch die Publikationsdesugnis zugesprochen.
Vermischtes.
• Von einem kaum glaublichen Mißgriff der Polizei wird berichtet: In der Wohnung einer verwitweten angesehenen Dame in Nürnberg erschien morgens in aller Frühe ein Schutzmann in Begleitung eines 9jährigen Schul- lnaben, ließ sich von diesem auf das bestimmteste erklären, daß dies die ,Dame" sei, und brachte sie darauf auf bte Polizeiwache. Dort erfuhr sie, daß der Junge sie beschuldigt hätte, ihn in ihre Wohnung gelockt und unsittliche Handlungen mit ihm verübt zu haben. Trotz Bestreitens wurde die Dame bis zum späten Abend in Haft behalten. Erst später stellte sich heraus, daß der Junge es liebte, die Schule zu schwänzen, und sich von einem Bäckerlehrling jenes Märchen hatte erzählen lassen, um eine Ausrede zu haben.
* Macht der Gewo hu hei t. Kommerzienrätin ifrisch geadelt): „Jetzt barfft du nicht mehr mit den Händen reden, alle Leute schauen uns an." — Kommerzienrat: „Was soll ich aber tun?" — KvMmerzienräitin: „Lege die Hände auf den Rücken, während du sprichst." — Kommerzienrat: „Habe ich auch schon versucht: da schauen sie mir wieder alle nach."
* Vers chn appt. Direktor des Varietes zuM Besitzer knapp vor der Vorstellung: „Wir sind schön in der Klemme! Das Haus ist fast ausverkauft, und unsere Glanznummer, der unverwundbare Fakir, kann nicht auftrqten; er hat sich in den Finger geschnitten!"
Märkte.
Gießen, 26. Juni. Marktbericht. 91 uf heutigem Wochen» markte kostete: Butler pr. Psd. 1.10—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg., Enteneier 1 St. 8 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Erbsen p. Pid. 00—00 Pfg., Linsen v. Psd. 00—00 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80—1,00 Alk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80Mk., Gälise vr. Psd. 60—70 Pf., Enten pr. Stuck 1,80 bis 2,20 Alk., Ochjeufleisch vr. Psd. 76—84 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—80 Pfg^ Schweinefleisch pr. Pstmd 70—90 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pid. 60—84 Psg. Kartoffeln vr. lOOKg. 7.00—7.50 Alk., Zwiebeln per Psd. 0,15—0,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg,, Weißkraut ver Stück 00—00 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. —Aepsel per Ztr. 0—00 Alk., Birnen per Ztr. 00—00 Mk. Nüsse 100 Stück 00—00 Pfg., per Ztr. 0—00 Mk., Kirschen per Pfd. 2b-00 Pfg. Marktzeit von 7—1 Uhr.
ke. W i e s b a d e n, 25. Juni. Viehmarkt. Zum Verkälts standen: 32 Ochsen, 83 Kühe, 256 Schweine, 114 Kälber (darunter 00 Diastkälber, 114 Landkälber), 47 Hammel und Schake. Bezahlt wurde für 50 Kilogramm Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. 75,00—-77,00 Mk., 2. Qual. 73,00—75,00"Alk., Kühe 1. Qualität 65,00-67,00 Mk., 2. Oual. 00,00—00,00 Alk. Bezahlt wurde für 1 Kilogr. Schlachtgewicht: Schweine, vollfleischige, 1,36—1,38 Mk., Sauen 0,00—0,00 Alk., Eber 0,00—0,00 Mk.; Kälber: Mastkälber 0,00—0,00 M., Landkälber 1.54 —1.62 Alk.; Hammel und Schale 1,48 bis 1,56 Mk. — Rinder notierten: 00—00 Alk., Ferkel das Stück: 00—00 Mk. Geschäft bei Hornvieh gut, Ueberstand keiner, bei Kleinvieh gut, bei Kälber gedrückt, Ueberstand keiner. Die Zu- inhren stammten aus dem Untertaunustreis und Kreis Wiesbaden- Land.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Jedem Besucher des Gießener Wochenmarktes muß die Zunahme der italieilifchen SSerfäuier und Verkämerinnen auffallen, zumal sich verschiedene durch ihr marktschreierisches Treiben be- merkbar machen, und meistens sind ihre Verkaufsstände von Damen selbst aus den besseren Kreiselt belagert. Wer aber die billige Ware näher betrachten will, der braucht nur vor Beginit des Wochenmarktes in die Schloßgasse zu gehen, wo die Kirschen auö-
gelesen werden und vielfach mehr faule als gute Ware anzutreffen lst. Daß deitmach die auf den Markt gebrachte billige Ware ganz ntinderivertig ist, liegt klar auf der Hand, e-3 wird also bte sparsame Hausfrau kaum einen Profit beim Einkauf dieser billigen Ware gemacht haben. Wie einheimisch sich übrigens diese Italiener schon auf dem hiesigen Markte fühlen, beweist der Unfug, den sie treiben. So haben sie kürzlich einen neben ihnen sitzenden 60jäh- rigen Verkäufer fortwährend mit Kirschensteinen beworfen, jedenfalls, um so dem Aianne seinen Platz zu verekeln. Es wäre sehr zu wünschen, wenn die Marktpolizei die Italiener mehr zur Einhaltung der Marktordnung veranlassen würde. Oder haben diese Herren in Gießen vielleicht Vorrechte gegenüber dem einheimischen Geschäftsmanne?
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
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„Ißt und trinkt wie nie zuvor."
Wie viele Eltern wären froh, das auch von ihren Kindern sagen zu können und dürften daher mit ganz besonderem Interesse von den nachstehenden Zeilen Kenntnis nehmen:
Kostheim a. M., Hauptstr. 80, 24. Mai 1907.
„Seitdem unser jetzt 27, Jahre altes Töchterchen Marie regelmäßig Scotts Emulsion emnimmt, ist sie wie neu geboren, ißt und trinkt, wie nie zuvor. Von Jugend auf mar die Kleine äußerlt zart und infolge einer Luftröhrenentzündung noch mehr zurückgekommen. Dabei wies sie aber alle ihr dargereichten Kräftigungsmittel zurück und hatte nicht im geringsten Lust zum Essen. Anfänglich zeigte sie auch gegen Scotts Emulsion einige Abneigung, gewann aber dann das Präparat so heb, daß sie jeden Augenblick selbst die Flasche herbetholte und eimtehmen wollte. Tas Präparat kräftigte unser Kind in kurzer Zeit zusehends, die kleinen Bäckchen röteten sich wieder, kurz unb gut, wir sind mit dem erzielten Erfolge äußerst zufrieden."
(gez.) Hermann Esser. Ihre Leichtverdaulichkeit und ihr Wohlgeschmack ermöglichen es selbst den verwöhntesten Kindern und schwächlichen Personen, Scotts Emulsion leicht zu nehmen. Gewöhnlicher Tran dagegen kann dem Körper nicht die erwünschte Kräfti- ung bringen, weil er meistens nur widerwillig genommen wird.
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pohti^cbe Tagesschau.
Die Ftnanzkommission des Reichstags
hat am Freitag ihre Arbeiten endgültig beendet. Sie verhandelte zunächst über den Scheckstemoel und nahm den Fixstempel nut den Betretungen des Regiert,ngsentwurfs an. Tie Stempelvsticht der Quittungen über Bankguthaben wurde abgelehnt. Dann kam der ^euerverilcherungsstempel an die Reihe, der schließlich abgelehnt wurde. In der Erörterung hatte der Herr Schatzsekrelür den Gedanken einer Monopolisierung des Feuerversicherungswesens abgewiesen. Dieser Gedanke war von den Herren Baron Gamp und Raab in die Diskussion geworfen.
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Gietzener Strafkammer.
„ r, )( Gießen, 25. FuNi.
Unterschlagung und Urkundenfälschung.
Der Dienstknecht Joh. F. aus Fron Hausen war von seinem Dienstherrn hier beauftragt worden, in Oppenrod ein Pferd ab- zuholen, das geschlachtet werden sollte. Er bekam neben dem Zehrgeld auch den Kaufpreis des Pferdes in Löhe von 41 Mark mit und sollte das Geld gegen Quittung abliefern. Nachdem er eine Anzahl Gäste zehrfrei gehalten hatte, war er genötigt, um die Zeche begleichen zu können, 11 Mark von dem ihm annertrauten Gel de zu nehmen. Er lieferte dann nur 30 Mark ab und vernichtete die -Quittung hierüber und fertigte eine fotefje über 41 Mark an, die er seinem Dienstherrn übergab. Wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung unter Anklage geftdlt wurde er zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
Einbruchsdiebstahl und Unterschlagung.
Um sich Geld für in die Fremde zu gehen zu verschaffen, ließ sich der 17jährige Spengler Friedr. L. ans Oberndorf, der zurzeit in Romrod bei seinem Stiefvater im Wohnwagen wohnt, in einer Holzschneiderei ein Fahrrad geben, um angeblich an das Gericht nach Alsfeld zu fahren. Er brach die neben dem Wohnwagen befindliche Hütte auf und nahm seinem Stiefvater verschiedene Kleidungsstücke und fuhr damit nach Lauterbach, wo er das Rad gegen Hergabe einer kleinen Geldsuntme in Pfand gab. Er wurde auf gründ .Strafantrags seines Stiefvaters, wegen Einbruchdiebstahls und Unterschlagung zu vier Wochen Gefängnis, abzüglich 14 Tagen Untersuchungshaft, verurteilt.
Gefährliche Körperverletzung.
Beim Spielen in einer Wirtschaft zu Bad-Nauheim gerieten der Fuhrmann Andr. Gr., der Kutscher Gg. Kr., der Knecht M. Kl. und der Gärtnergehilfe W. L. in einen Wortwechsel, der auf dem Heimweg in eine Schlägerei und Messerstecherei aus- artetc. Kl. hatte beim Spiel betrogen, weshalb ihm L. Vorhalt machte, worauf er L. mit einer Stange zusammenschlug, so daß er längere Zeit bewußtlos liegen blieb. Kl. und Kr. gerieten) dann auch aneinander und als G. dem Kl. nachlief, stach letzterer dem ersteren mit seinem Taschenmesser in den Kovf. G. zog nun seinen Dolch und brachte Kl. einen Stich in die Brust bei;, der nach dem Sachverständigen-Äutachten um ein kleines hätte tödlich verlaufen müssen. Als sich der Verletzte zur Flucht wandte, erhielt er von G. noch Einige Stiche in den Rücken. L. wurde von seinem Dienstherrn blutüberströmt gefunden und in das Krankenhaus gebracht. Zuvor hatte Kl. und G. den ohnmächtig auf dem 23oben liegenden Verletzten mit Faustschlägen und Ohrfeigen traktiert. Das Schöffengericht verurteilte G. wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu 7 Monate, Kl. zu 4 und Kr. zu 2 Monaten Gefängnis, während es L., der nur mit dem Schirm geschlagen hatte, mit 20 Mark Geldstrafe durchkommen ließ. G. focht das Urteil an, da ihm die Strafe zu hoch war. Die Berufungsverhandlung ergab fern klares Bild des Vorfalls; es wurde aber die Strafe des Angeklagten auf 2 Monate ermäßigt, da feststand, daß er angegriffen worden ist, aber die Notwehr noch überschritten hat. Bezüglich einer weiteren unter Anklage gestellten einfachen Körperverletzung, erfolgte Einstellung des Verfahrens, da kein Strafantrag vorlag.
Beleidigung.
Jir einer Wirtschaft zu Altenschlirf unterhielten sich die Gaste über den hohen Pachterlös für die Pfarrgrundstücke. Der Bergmann P. G. ließ eine Aeußerung fallen, die der Fleischbeschauer K. R. V. auf sich 'bezog und weshalb er Privatklage wegen Beleidigung erhob. Das Schöffengericht kam zu dem Schluß, daß der Kläger mit der Aeußerung nicht gemeint war, weshalb es zum Freispruch gelangte. Infolge Berufung des Klägers, kam die Strafkammer zur Verurteilung des Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 Mark, da feststand, daß der 'Angeklagte zu dem
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von
M Die kurze Kodizeif
r - y E e 8anz besonders zu statten. Nur mit Wasser aufgekocht, gibt ein Würfel zu 10 Pfg. in kürzester Zeit 3


