Deutsches Reich.
Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeittukg" zufolge gedenkt? der R e i ch s l a n z l e r v. B c t h in a n n - D o l l w e g am Freitag vormittag nach Berlin zurückzukehren.
Der frühere sächsiche Staatsminister Graf Hohen- t h a l und Bergen ist Mittwoch abend g e st o r b e n.
Arrslcrnd.
Die „Neue Freie Presse" erfährt aus diplomatischen Greifen, daß im Lause des Derbstes die ö st erreicht sch-un garischew Botschafter beim Quirinal, beim Vatikan und in Petersburg und in Madrid die Posten verlassen werden. An Stelle des Botschafters beim Quirinal, Grafen Lützow, der eine andere Vor Wendung finden wird, tritt der gegenwärtige Reichssinanzmmister Baron B u r i a n, Botschafter beim Vatikan, Graf S z c c s e w v. Temerin wird Botschafter in Petersburg an Stelle des Grafen Berchthold, der in Disponibilität versetzt wird. Ter Botschafter in Madrid, Graf Welvershcirnb, tritt in den Ruhestand. Die Botschaft» beim Vatikan und in Madrid sind, noch nicht designiert.
. My die ,.Ieni Gazette" meldet, ist über den Sandschak Ass eyr im Vilajei seinen der B e t a g e t u nßs 3 d fta n6 verhängt worden. Wie dem Blatte weiter gemeldet wird, hat sich der Araberführer Jinan Iahia mit Said Idris vereinigt. —* Am Mittwoch sind drei Bataillone Infanterie nach Hemen ab- gegangen. Es stehen weitere starke Truppcnseirdungcn bevor.
Die Pforte erhob in Paris wegen der Besetzung von Wadai im Dinterland von Tripolis durch die Franzosen Einspruch. Wadai ist seiner Zeit durch das englisch-französische Abkommen der französischen Einflußzonc zugewiesen worden.
Der russische Botschafter in Konstantinopel teilte der Pforte mit, daß der Z ar die türkische 2 o n d e r g e s a n d t s ch a f t .wischen dem 6. und 8. Oktober empfangen könne. Die Gesandtschaft wird unter Führung des Ministers des Aeußern am Montag nach Livadia abreisen.
Aus New York meldet man: Bei den Veranstaltungen zu der D u d so n- Fu l to n-Fc i e r gewann am Mittwoch beim ersten Wettrudern der amerikanischen und fremden l-kriegs- schifssboole eine Boots manns chaftdesdeutschenK reu- ; c i t pt i a L u i i e.
LmneucLprogram^.-eLchr:ftIich-!ozia!e!r-yarteitiize;.
4 Darmstadt, 29. Septbr
In den fortgesetzten Beratungen des diesühr g?n chrift- lich-sozialen Parteitages wurden zunächst die Vorstandswahlen vorgenommen. Zum erst«' . Vorsitzenden der Kartei wurde Reichstagsabgeordneter ehrens, zum stellvertretenden Vorsitzenden Reid..agsabgeordneter Burkhardt und zum Schriftführer Lic. Mumm gewählt. Als neues Parteiprogramm wurde nach einem Referat von Lic. Mumm folgender Entwurf angenommen:
L Die christlich-soziale Partei erstrebt auf der Grundlage des Cyriftentums und der Vaterlandsliebe )ie Durchdringung der christlich-sozialen Volkskreise acker Scl)ichten und Berufe vom christlich-sozialen Geilt. Indem sie, gemäß der dringenden Ausgabe der Zeit, ihre Aufmertsamkeit besonders der .'.räftigung des Mittelstandes und der Hebung des handarbeitenden Standes zuwendet, will sie doch allen schaffenden Ständen in Stadt und Land, der Landwirischaft wie der Industrie und dem Handwerk mit gleicher Freudigkeit dienen und auch für die gerechten Forderung,n der Angestellten besonders der mittleren und l eineren, (in Staats-, Gemeinde- und Privatbetrieben kräftig eintrelen.
2. Tie christlich-soziale Partei bekämpft daher alle unchristlichen Einrichtungen. welche den inneren Zusammenbruch und den äußeren Umsturz herb.ifühc n müssen: insbesondere richtet sie ihre Waffen gegen den falschen Liberalismus und die drückende Kapital- > Herrschaft, gegen das übergreifende Judentum und die revolutionäre Sozialdemotra'.ic. Indem sie eine mir der Solidarität der G.sccks? as becubinde Wnt- schaftsorbnung anstrebt, verwirft sie ebenso staatliche Maßnahmen mit einseitigem Interesse des Besitzes wie die Ausgestaltung der soizalen Bewegung zu einer ftximpfgenostenschaft gegen die Besitzenden.
d. Tie christlich--soziale Partei erblickt die vornehmste Hälfe für die Schäden unseres Volkes in der Geltendmachung der Lebenskräfte des Evangeliums auf allen Gebieten. 2ie will S aat und Gesellschaft, Haus und Persönlichkeit unke.' den Ein- ftzrß des lebendigen Christentums zurückführen und dadurch für die Erneuerung des deutschen Geistes die allein wirksame Grundlage schaffen helfen. Als'
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Erstes Blatt
Donnerstag 36. September 1909
159. Jahrgang
Str. 229
Ler Gtehemer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich fi^eierSamUftnblätter; zweimal wöchentl.Ureir- blatt für den Are ir Stehen (TienSlag und Freitag) ; ivoeimol monatl. Land- Efchaftliche Settfragea Fevnsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Sichen.
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General-Anzeiger für Gberhesfen WZ
üöe nüto^n 9muf,rr Notationsdnick und Verlag der vrühl'Ichen Unlv.-Vuch- und Stelndruikerei R. ränge. RtdaMan. Lrpedition und Druckerei: Schulstratze 7.
mit
Ät'sdmm beschloß der Ministerral, zum
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düng zu bringen.
des und
die meisten Privathäufer geflaggt. An den Operationen zu der Besetzung nahmen 16 Kompagnien, drei Batterien Artillerie, drei Züge Kavallerie und eine G-enieabteilung teil. Eine Stellung, in der vier Kompagnien des Regiments von Melilla bleiben, wurde sofort befestigt.
über die gefangenen Anhänger d. faimt und teilte die von
die spanische Flagge auf, die von den Kriegsschiffen Salutschüssen begrüßt wurde.
Madrid, 29. Sept. Aus Anlaß der Besetzung Guruguberges haben sämtliche öffentlichen Gebäude
Andenken an b-e mit her
„Rspubligne" verunglückren Luft
vom hessischen Parlament.
Darmstadt, 29. Sept.
Tie Zweite Kammer der Sraiwe wird nach einem gestern gefaßten Beschluß des ammervorstandes erst um die Mine des Monats 'Dtooember zu einer etwa vierwöchigen Herbsttagung zu- fammentieien und neben der Wahlrechtsvorlage auch noch
Konsuln in Fez gegebene Antwort mit. Die Bemühnn;en der politischen Agenten der Mächte hätten es nicht vermicht, vom Sultan bestimmte Zusicheningcn zu er halten, die sie ihrem Ans- trage gemäß von ihm sich geben lassen sollten. Sodann besprach'der Minister den krettsch-türkischm Zwischeitfall.
Rus dem ft-iNZösischen Mnlsie.rat.
Die gestrige Beratung des französischen Minifterratcs ergab mand'cil.i interessante Auillärungen und Beschlüsse: Zum Ersatz der öCrttilnmicrLn „Republione" sind der Regierung bekanntlich Anerbietungen gemach: norden, die nunme... durch einen be sandeten Ausschuß geprüft werden sollen. In der Marotropoliti, führ: Framreich die leitende Hand: Ter Gesandte Rcguauft har in Bezug auf den Protest Muley Haftes gegen das spanisch Lor gehen die Vertreter bei- übrigen Mächte für die bekannte franzö fische Antwort geivennen. Es scheinen noch Bemühungen gemacht zu werden, von Muley Hafid humane ZusichernnAen über die Behandlung seiner Gegner zu erlangen: ob ras so völlig im allgcmt inert menschlichen Interesse geschieht, darüber kann man versa iefreier Meinung fein. Je schwächer und tmselbständiger der Stillnn ist, desto besser kann der französische Weizen gedeihen.
Paris, 29. Sept. Im heutigeu. Ministerrate in Nam bvuitlet wurde der Wiederzusammeiittilt der Kammern auf den
Wir billigen diese Ausführungen und sind gleichfalls der Ansicht, daß man den Gegner nie un.'schätzen darf. Andererseits darf man der „Anttäherungspor'.lit ch nicht so viel Wer: beilegen, um jedes irdische Wer. gegen^aer den Franzosen ,^h verrneiden. Die deutsche Ueberiegci.^ i. iteijt zu gefestigt da, als daß wir sie bie, Franzofeii gelegentlich fühlen lassen sollten. Hierdurch wird ^eutich- ,larrd in der Achtung des Nachbars nur fteigen.
eine Anzahl kleinerer Regierungsvorlaaen und Anträge in Br tauing nehmen. Inzvoisä'e.n und die Kammcrauvichüsfe bestrebt, ihr Beratungsmaterial möglich noch für bte'c Vertagung fertig zusteOen. Der F i n a n z ' Ä ti s s ch n ß ünrd am Dienstag, bart 5. Cttober, seine Sitzungen wieder ansnebmm und von der Weiter beratung der Genreindeumlagmreform noch verschiedene antx-re Regieren wvorlageu und Anträge erlebten, so die Vorlagen betr. den Gebmdeerwerb für die llniversität Gießen und betr. bi? Oberrealschulen in Heppenhei m und AlSfeld, den Antrag Pagenstecher betr. die Gemeindesteuern der^hessiscken Beamten der Eisenbahngemeinschaft unb die Anträge Schmitt, Mol - than und v. Brant ano in gleichem Betreff, den Antrag N o a ck betr. die 53itiivn usw. Versorgung der BwilstaatSdieuer und mehrere Anträge der Abg F renn h und Ulrich.
Der G e s e tz g e d n n g s -- -.'1 u s s ch u n wird nritte Oktober zur (Genehmigung des Berichts über die Wahlrechtsvorlage zusammen- treten. Ter DahlprüsungsA u sschuß sollte schon am 30. September zur Genehmigung der Berichte über die Gültigkeit her Wahl des Abg. SenS selber und die Ungültigkeit der Wahl des Abg. Dr. F r c n a h zusanmienkommen, hat cibrr seine Beratung auf Mülwoch den 6. Oktober verschoben. Ter P e - titions Ausschuß endlich war schon gestern unter Vorsitz des Abg. Stöpler zu einer Besprechung über eine Reihe von Anträgen unb Vorstellungen zusammen, über welche in einer weiteren Sitzung am 7. Oktober endgültigen Beschluß gefaßt werden soll.
Die Beendigung öes Hiftrieges.
Nach den ans dem Rifaebiet vorliegenden Nachrichten steht die Beendigung des Krieges, den Spanien seit dem Juli dieses Jahres gegen die Nifkabylen rührt, um sie für die Ermordung spanischer Bergwerksangestellter za züchtigen, nahe bevor. Die spanischen Truppen sind jetzt völlig im Besitz der Ebene, sie haben sogar den Gurugu- berg, den Hauptstützpunkt ihrer Gegner, überstiegen, und die Meldung, daß immer mehr Kabylen sich unterwerfen, spricht dafür, oaß im Lager des Feindes Uneinigkeit herrfcht.
Spanische Truppen haben nicht znm ersten Male in Marokko und mit den Rifkabylen gekämpft. Sckfon vor fünfzig Jahren kam es dort zu einem Kriege, der am 23. April 1860 durch einen Friedet, beendet wurde, bei dem der Sultmt außer einer kleinen Gebietsabtretung Spanien eine Kriegsentschädigung von 20 Millionen Pesetas zubilligen mußte. Auch 1893 kam es wegen der Riskabylen abermals zu einem spanisch-marokkanischen Kriege, der mit dem Frieden von Fez enbigte uno Marokko wiederum eine .Kriegsentschädigung von 20 Millionen Pesetas auferlegte Die Kämpfe Spaniens im Bunde mit Frankreich gegen Marokko wegen der Greueltaten in Algeciras vom Jahre 1907, die mit der Abf^ung des Sultans Abdul Asis und der Thronbesteigung Muley Hafids im September 1908 endigten, an denen aber das Rifgebiet nicht beteiligt war, sind noch in frischer Erinnerung und zeigen, daß es im maroltaitischen Wespennest stets, auch nach der Konferenz von Algeciras, unruhig zugegangen ist.
„Ter Krieg ift vorbei, cs lebe der Krieg!" So kann man auch hier sagen, denn die größten Schwierigkeiten beginnen jetzt erst. Wer wird die beträchtlichen Kosten des Feldzuges bezahlen, wer kann sie bezahlen? Vielleicht wird der Versuch gemacht werden, Mulay Hafid die Rechnung z,i überreichen, und dann mürbe dteser wahrscheinlich eine neue, eindringlichere Protestnote an die Vertreter der Fremdmächte schicken. Und eine Gebietsabtretung für die Spanier? Rtulan Hafid wird sich ocrmutlid) auch dagegen wehren. Es scheint, als ob in diesen Fragen schtviertge dtplomatische Verhand- hingen zn führen sein werden.
Madrid, 29. S Pt. Die spanischen Truppen besetzten heute früh 7 Uhr den Guruguberg.
Melilla, 29. .Sept. Vormittags um zehn Uhr bemächtigten sich bii,e zur Brigade, des Generals del 'Jlea; gehörigen Truppen der Garnison Melilla, des höchsten Punktes des Guruguberges und pflanzten dort
s ch i f f e r an Ort der Kmastroobe aui Staats losten ein Denkmal u errichten. Auch hat sich unter dem Vorsitz Millerands, des Ministers der öii ent lieben Arbeiten, mit dem Minister des Innern, dem Finanz- und dem Kriegsminister eine Kommission ge lüdet, welche die der ^Regierung für die „Röpubliqne" gemachten Anerbietungen yrnfen und die B dingungen festsetzen soll, unter denen die Erlaubnis z.ir Führung von Luftschiffen erteilt werden Eann. Hierauf besprach der Minister d s Aeußeren, Pichon, die Lage in Marokko und teilte mit, daß die Antwort Regnaults aut den Protest Muley Hafids die einmütige Zustimmung der Mächte oefttnden habe, deren Vertreter hätten erkennen lassen, baß die R'geltiug der vom Sultan angeregten Fragen ausschließ- lid) Marokko und Spanten allein angele.
Der Ministerrat beschloß ferner, daß der höhere Marinerat unter dem Vorsitz des Ministers bestehen soll, aus vier Vizeadmiralen, die zugleich Generalinspekteure der Geschwader, des Blatertals, der Marüt.-'chulen unb der submarinen Verteidigung sein sollen, -.weitens dem Vizeadmiral, der Chef des Generalstabs ist, drittens den Vizeaduttral-.m, die seit mindestens zwei Jahren das Kont!.mni.o eines ("odüvaders geführt haben.
Der Minister des Aeußeren gab dann die von ihm erteilten
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Die Maimrzucht öes französischen Heeres.
Don einem hohen Offizier wird uns geschrieben: Wunderliche Nachrichten kommen aus Frankreich. Zwei Maschinengewehre des neuesten Musters Puteaux, auf da-.- die Franzosen große Hoffnungen setzen und deshalb sehr aeheim halten, verschwanden plötzlich aus einer Kaserne tn Ehalons für ?.(darne, wo man sie in einem abgesonderten, sorgfältig verschlossenen uno bewachten Gebäude wohl behütet glaubte. Der Verdacht, sie entwendet zu haben, fällt auf einen fahnenflüchtigen Unteroffizier. Man sagt sich aber, daß er Helfershelfer gehabt haben muß, denn ein Mann allein kann zwei schwere Maschinengewehre nicht fortschaffen, und zu ihrer Zerlegung in einzelne Teile gehört — abgesehen von völliger Vertrautheit mit der Waffe — längere ZeU. Ob die Sck)ildwachen, die in der Nach: auf dem Kasernenhof standen, als der Diebstahl ausgeführi wurde, ihn begünstigt haben, iveiß man nicht. Man ya. bis heute keine Spur, wo sich die beiden Maschinengewehr: befinden, zweifelt aber nicht daran, daß sie einer fremden Macht ausgeliefert worden sind. Die Ausregung über diesen Vorfall war begreiflicherweise in Frankreich ungeheuer unb führte zu den abenteuerlichsten Vermutungen. Tas; es dabei an mehr oder weniger heftigen Ausfällen gegen Dculschland nicht fehlte, dessen Beteiligung von der Mehrzahl der Blätter ohne jeden Schatten eines Beweises als sicher angenommen wurde, kann uns nach den Erfahrungen, die wir in dieser 5Msicht gemacht haben, nicht Wunder nehmen.
Kaum hatte die durch das rätselhafte Verschwinden der beiden Maschinen-Gewehre erregte öffentliche Meinung sich einigermaßen beruhigt, als ein neuer, noch viel heftigerer Sttirm sich erhob. Soldatenhände hatten in der Kaserne eines Infanterie-Regiments den Ehrensaal erbrochen, das Tuch von einer Fahne abgerissen und es in einer ganz unerhörten Weise besudelt und beschmutzt. Auch hier von ocm Täter keine Spur!
Die deutsche Presse hat selbstverständlich die Pflicht, derartige Vorkommnisse ihren Lesern mitzuteilen und auch das Recht, sic eingehend zu erörtern. Aber die Art und Weise, wie das geschieht, gibt Veranlassung zu einigen Bemerkungen. Eine Anzahl von'deutschen Zeitungen, darunter auch angesehene Blatter, berichten über diese für das französische Heer überaus peinlichen Dinge in so verletzender, wegwerfender Art, daß sich ieder abgestoßen fühlen muß, bet bic Franzosen als tapfere Gegner achten gelernt bat. Sie sinu uns im letzten Kriege unterlegen ^uno ritterliche Gesinnung fordert Schonung des besiegten Feindes. Wenn mü pharisäerhafter Befriedigung die Unmöglichkeit ähnlicher Vorkommnisse, wie die erwähnten, bei uns als zweifellos hingestellt wird, so würdigt man doch nicht hmreichelt. die Gewalt, der Bestrebungen, die seit Jahrzehnten m die Arbcitermasscn Deutschlands und deren jungen Nachwuchs die Ueberzeugung einpflcmzen, daß das Vaterland ein lächerlicher Begriff, das Heer eine gänzlich veraltete, gemein- schädliche und daher überflüssige Einrichtung und die Fahne nicht, weiter als ein an einer Stange befestigter Lappen sei. Auf ganz verkehrtem Wege sind aber diejenigen deut schen Leitungen, die aus den neuerlichen Vorkommnissen und eine Reihe von älteren Verstößen gegen die Manneszucht die Berechtigung herleiten, das französische Heer als minderwertig hinzustellen. Dagegen kann nicht lebhaft unb eindringlich genug Einspruch erhoben werden, denn zn allen Zeiten und bei allen Völkern war Unterschätzung des Gegners der erste Schritt zur Niederlage. Wir wüilschen in Frieden zu leben mit Frankreich: sollte es aber zwischen uns zum Kriege kommen, so ivird das französische Heer ein durchaus ebenbürtiger Gegner für uns sein — grundverschieden von der kaiserlichen Rhein-Armee, die uns im Sommer 1870 entgegcnirat und ebenso grundveest -eben von den lockeren Scharen, die der Diktatorwille Gambettas uns im Winter 1870/71 enlgegenwars. Die in Frankreich eingeführte allgemeine Wehrpflicht hat naturgemäß dort ganz ähnliche Wirkungen yervorgebracht, wie seinerzeit be: uns, insbesondere einen früher nicht gekannten innigen Zusannnenhaiig des Volkes mit dem Heere. Er zeigt ) id? । im Frieden u. a. daran, daß die Bevölkerung gair tote bei uns in dickten Scharen zu den Manövern yerbeifirorn: unb mit lebhafter Teilnahme ihren Verlauf verfolgt: m ihm liegt auch — baran ist nicht zu zweifeln eine starte Quelle der Kraft für die Leistungsfähigkeit im Kriege
Nimmt man hinzu, daß ber französische Soldat dock nur in Ausnahmefällen den Einflüsterungen der Soztaliiien und Antimilitaristen sein Ohr leiht, daß er vielmehr in der Regel willig, pflichttreu und vermöge guter Veranlagung auch leicht aus'ubilden ist: beachtet man ferner, daß cm großer Teil der Offiziere in Frankreich heule, ganz im Gegen satz zu früher, beseelt ist von eifrigem streben nach wiffen schaftlicher Bildung, daß au der Eervolltommnung der Kriegstüchtigkeit des Heeres unermüdlich und imt allen Kräften gearbeitet wird, dann erkennt man, wie verkehrt es ist, uns den Waffengang mit dem franzoftjchcn Heer als eine leichte Sache Yin,zustellen. Das wird es unter keinen Umständen sein, vielmehr bei der Gewißheit, daß die Mobil machung gegen einen auswärtigen Feind alle inneren SchwckcrigHiten mit einem Schlage beseitigt, eine je! r ichuu re Aufgabe, deren glückliche Lösung uns nur gelingen wird, wenn wir nicht nachlassen in dem Strebern die Geling aller Teile unseres Heeres aus die höchste -stufe der -tollen
Anweisungen zum Protest gegen di-' grMisamen Strusen, die ~ ' Inger dB Raghi verhängt nnnben, de- M uleb Hafid auf den Schritt der


