Ausgabe 
27.1.1909 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 22

159. Jahrgang

Mittwoch 27. Januar 1909

Erscheint täglich mit Ausnahme beß Sonntags.

K.N.

ly, Clemens Rode«.

Einniahmeausfall von etwa 90 Millionen Mark zu verzeichnen, ist der9torbb. Ällg. Ztg." zufolge unrichtig. Die preußisch- hessischen Staatsbcchnen-tten 1907 aus dem Personenverkehr gegen das Vorjahr eine Mehreinnahnre von 14 50 631 Mark gehabt. Die Mehreinnahrne vom 1. April bis 31. Dezember 1908 aus dem Personenverkehr beliefe sich gegenüber bent gleichen Zeit­raum des Vorjahres wieder auf rund 14 775 000 Mark, hiernach beruhe das Verlangen, der Korrespondenz nach einer allgemeinen Erhöhung des Personcntarifcs auf falschen tatsächlichen Unterlagen.

weise frei von allem Possenhaften hielt, was von Rolf Ziegler als Chassepot leider nicht behauptet werden kann. Er machte die an sich schon recht schwache Gestalt noch unsympathischer. Sehr einnehmend war dagegen Erich Weingartner, der sich wie neulich als Arzt imErnst des Lebens" auch diesmal als knot- teriger Gcenzaufseher von einer neuen Seite im besten Licht zeigte, obwohl die Rolle an sich weder bedeutend noch originell ist. Rudolf Goll war trotz der unsicheren Beherrschung des Wortlautes angenehm wie immer und betonte mit glücklichem Ge­lingen den kenntnisrcicl-en Weltmann, der sich ein Vergnügen daraus macht, der Behörde ein Schnippchen zu schlagen. Auch die grauenvollen waren gut besetzt. Lore Scholz als resolute verliebte Salome und Dorle M a i s a r t h als völlig verliebter Backfisch waren gut erzf ihrem Posten urrd auch Jo Hoven als Professorin wäre tadellos gewesen, wenn sie etwas temperament voller spielen und auch sprechen wollte. Auch die übrigen Nollen oe5 von Rudolf Go l l gut geleiteten! Stückes, dessen fröhliche Satire ihm uneingeschränkten Beifall sicherte, roaren angemessen besetzt. Besonders erwähnenswert sind Karl Volck, Wgar Pau-

DieLietzener Samllicnblätter werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kteiebtatt für de« Kreis Siehe?." zweimal wöchentlich. DieLandwlrtschafllicheu seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag bet Brühllchea Unwersitäls - Buch- und Sremdruckeret. R. Lange, Gießen.

Hotttnche L«gesjchatt.

D>e Budgetkommiffrou des Reichstages

Ketzte gestern die Beratung des E>.ats für das Auswärtige Amt Kort. Auf eine Anfrage über die angeblicheBeschießung" «on deutschenTampfern an der Küste von Liberia erklärte bei Staatssekretär, daß es sich dabei um Vorgänge von erheblicher Bedeutung handle. Zum deutsch--schweizerisch en Mehl- Kreit erklärt der Staatssekretär, wir seien zu einer schicdsgericht- Hichen Lösung des Konfliktes bereit, jedoch sei über die dem Schiedsgericht Vvrzulegenden Fragen noch keine Einigung erzielt itrorben. Staatssekretär von Schön ging bann auf die Frage tter Schiedsgerichte ein und bemerkte, Deutschland habe Gchiedsgerichlsverträge mit England und Amerika abgeschlossen, aber sei noch dabei, es zu tiut Herr von Schön ging weiter aus Üie Reform des diplomatischen Dienstes ein und Mvtestierte gegen den Vorwurf der adeligen Exklusivität.

Redaktion, Expedition und Druckerei: 6cbul* strotze 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:L^112. Tell-AdruAnzeigerGleßen,

D ie Dame mit d-n Lilie n". Aus Frankfurt a. M. schreibt man uns u. d. -4. ds.: Rudolf Presber, dessen graziöse, lmmorvolle und ost auch sehr nachdenkliche Plaudereien gerade in Frankfurt einen besonders ausgebreitelen Leserkreis haben, erschien gestern nach sehr langer Pause auch wieder aus der Bühne seiner Vaterstadt. Sein phantastisches LustspielD i e Dame mit den Lilien" hat bereits in Berlin die Bühnen­probe bestanden. Interesse bei den Besuchern hat das Stück dort in hohem Matze gesunden, aber auch viel Gegnerschaft, und nicht blotz bei der berufsmäßigen Kritik. Und das ist natürlich, denn die Voraussetzungen, au, die wir eingeben sollen, sind nicht von der Art, datz jedermann sie ohne weiteres annimmt. Presber nennt sein Stück phantastisch. Aber wenn man auch das Erscheinen von spukenden Gespenpern, die im zweiten Alte die crussclstag- gebenue Rolle spielen, ganz gern als ein phantastisches Motiv gelten läßt, so i|t das fcuieiniagen dieser Gespenner in die reale Welt doch an einem wichtigen Punkt zu loeit geführt, als datz wir selbst bei weite,tem Entgegenkommen iwch mi.gehen konnten. Die Gespenster ein Liebespaar, von dessen Liebe bei ihren Lebzeiten uie Welt so wenig geahnt hat, datz die Dame noch ein halbes Jahr­hundert nach ihrem Tode als Muster von Lugend der Nachwelt gepriesen wird >-enthüllen nämlich einen geheimen Versteck, )uu> ihre

Aus seaSL und Laus.

Gießen, 27. Januar 1909.

Ordensangelegenheit. Se. Kgl. Hoh. der Grobherzog haben dein Direktor der Aktiengesellschaft für Holzgewmiuing und Dampfiäaebetrieb Lndw. Horch in Wien

uf u. Hypothek eines imeö m giinmgitet Vage1 naot von einem priwa L adler gesucht.

Lchriilliche Angebote unter' in den (sieben. Änze^er eite M8urLerl.evaug.Ei,eniL: icncrtiJ illäbdnu, auch neu.- n gute Wege (öisivci). 6eierinai;e 1 vanerie.

die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Kronenordens 4. Klaffe. deZ ihm vom Prinzen Luitpold, des Königreichs Bayern Verweser, verliehenen Verdienstordens 4. Klaffe vom heiligen Michael, des ihm vom Kaiser von Oesterreich verliehenen Ritterkreuzes des Franz-Joseph-OidenS und des ihm vom König von Runiänien verliehenen OjsizierskreuzeS deS Sternes von Rumänien erteilt.

Erledigt sind an der Volksschule zu WormS fünf LehrerlleUen, von denen drei mit evang. und zwei mit kath. Lehrern besetzt werden sollen, und vier Lehrermslellen, von denen zwei mit evangel. und zwei mit kathol. Lehrerinnen besetzt meröen sollen.

Em Fortbildungskursus für Organisten und Ehordingenten der evaug. Kirche des Grobherzog­tums Hessen soll im Herbste dieses JahreS in Darmstadt statt- finden. Durch Vermittelung der Pfarrämter und Dekanate können Dieldungen zur Teilnahme an dem Kursus bis zum 15. 9Jlai emgerelcht werden.

* Bo denreforrn. Im .Grobherzog von Hcffcn^ sprach am Diontag vor etwa 100 Zuhörern Dr. Strecker auS Bad-Nauheun über: .D i e ethischen Grundlagen der yobenteforin.* Alle ethische Betrachtung, so führte .der Redner au-, mutz sich mit Kant auScinandccsetzen. Seine Ethik ist uns nicht Dogma, aber sie stellt uns vor ein Pio- blem, das ernsthaftes Denken nun einmal nicht umgehen kann. Kant bedeutet den Markstein zwischen zwei ethischen Zeitaltern. Die christliche Ethik m ihrer oorkantischen Form stellt den Einzelmenschen und fern Schicksal in den Mittel­punkt, erst nut Kant treten die Ansprüche der Gemeinschaft entscheidend hervor. Die Ethik ist politisch, ist Gemeinschasls- iache geworden. Gleichzeitig rückt sie aus der einseitigen Bezogeuhett auf das Icnsetts entschiedener in den Kreis der diesseitigen Dienschheitsaufgaben. Die groben Fragen deS menschlichen Zusammenlebens dürfen dem Forum der Ethik nicht eutzogcn weiden. Aiit treffender Ironie wandte sich der Redner gegen den oberflächlichen Einwand, was in der Theorie richtig sei, brauche doch in der Praxis nicht zu stimmen, mit dem sich schon Kant abgeben mußte, sowie gegen die Aussprüche sogenannter Realpolitiker, die die ethischen Gesichtspunkte aus bet politischen und volkswirtschaftlichen Erörterung glauben auSjchalten zu können. Vornehmstes Objekt auch der Volks­wirtschaft ist und bleibt der Mensch, die fittlicfye Persönlich­keit ; letztes Ziel aller Gemeinschaftsarbeit die Gewinnung möglichst vieler intellektuell und sittlich vollwertiger Dicnschen. Solche erwachsen aber nur auf der Grundlage einer gewissen wirtschaftlichen Sicherheit und inneren Bewegungsfreiheit. Darin liegt bas ethische Recht der Bodenreform. Sie will an ihrem Teil die Menschen von dem verhängnisvollen Druck befreien helfen, den das Monopol an Boden und Boden­schätzen auf sie ausübt. Sie strebt in besonnener, organischer Neformarbeit einem idealen Zustande zu, da die produktioe Arbeit in allen ihren Formen nicht mehr dem unproduktiven Bodenmonopol frohnden muß. Deshalb kritisiert sie neben anderem das Privatmonopol an Kohle und Petroleum, be­kämpft sie die Fideikommisse und da§ privatkapitalistische ländliche Verschulduiigswesen, an dessen Stelle die staatliche Versorgung mit der AmortisationShypolhek treten soll. $n der städtischen Bodenpolitik vertritt sie die bekannten, nun auch anfangsweije verwirklichten Besteuerungsgrundsätze und andere Diaßnahinen, die geeignet sind, den Boden für das Wohn- und Arbritsbedurfnis zu verbilligen. Dem fesselnden und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine längere Besprechung, an dec der Vortragende leider nicht mehr tellnehmen konnte.

Warnung. In letzter Zeit hat ein Betrüger inj mehreren Städten folgenden Tnk nut Erfolg anSgeführt: Er

Ausland.

DeutschenndTschechen. In Eger veranstaltete gestern abend eine große Menge Kundgebungen gegen einen Gastwirt, der tschcchiscton Postbeamten Wohnung gegeben hatte und drang in den Gasthof ein. Die WachmannsclMt schritt mit ausgepslanztem Bajonett ein und verwundete zahlreiche Personen. Um 11 Uhr nachts war die Rübe noch nicht hergestellt.

DreNachricytvoneinerVermittelungDeutsch- l a n d s zwischen Oesterreich und Italien in der Frage der Er­richtung einer ilalicniiden Rechtssalltttät ist unrichtig. Deutschland mycht sich nicht in diese innerpolitische Frage.

Das Befinden der Königin Alexandra von Eng­land hat sich so gebessert, daß sie gemeinsam mit König Eduard die Reise nach Berlin wird antreten können. Nach dem Berliner Be­such wird das Königspaar am 17. Februar in Vila Garcia den Besuch erwidern, den ihnen das spanische Königspaar im ver­gangenen Jahre abgestattet hat.

citmargarlne.

'Sette G. m, 6.

Tutlach j. 8.

Liebesbriefe lagern, und dort werden diese von einem jungeit Prinzen, der dem Spuk beigewohnt hat, auch gesunden. Und ine Briefe spielen bann im Stück noch eine sehr bedeutsame Stolle. Wäre irgend eine ideale andere Dcöglichkeit, wie der Prinz den Versteck der Briese entdecken könnte, den Geisterspuk an sich würden wir hinnehmen, und bei dem Gedanken, der ein paar Mal anküngt, daß die Triebe, Strebungen und Schicksale der Ge- storbcnen gespensterhast im Blute der Lebenden weiterwirk n, würden wir sogar gern noch länger verweilen. An sich betrachtet ist die Geistcr-Lichesszene übrigens ein sehr freies, poetisches unbh anmutiges Stück, wie denn überhaupt, sobald wir das Auge" auf Einzelheiten des Dialogs wenden, sich sehr viel Reizvolles!, in Versbau, Gedanken und Einfällen zeigt. Äa aber dem Dichter, dessen Hinneigung zum Transzendenten und Mystischen man ja. kennt, vor allem daran gelegen sein muß, Gläubige für die Grund­idee seines Werkes zu gewinnen, so ist zu fürchten, datz seine Gefolgschaft nur klein sein wird. Die Ausnahme durch das Frank­furter Publikum war überwiegend freundlich. Presbcr selbst war leider in letzter Stunde durch Krankheit gehindert, der Aufführung beizuwohnen, die übrigens nicht besonders glücklich war. Z.

Eine kostbare Sammlung alter Uhren. Ein großer Verlust ist dem deutschen Lkunsthandel erwachsen. Aus Der in Knustkreisen allgemein bekannten Sammlung MacselS, berühmt durch ihre alten Meisterwerke der Uhrmachcrkmtst, find Die seltenen Uhren aus dem 16. und 17. Jahrhundert für 750000 Franks in den Besitz dcs Hosantiquars Jaques Seligmann in Paris übergegangen. Es handelt sich dabei nm ganz außer- orbentlidje testbare Exemplare, wie sic selbst in unseren großen Museen nur selten ansutreffen sind, namentlich Arbeiten in (SfoliV eirunde und Bergkristall. Einst der wertvollsten Stücke trägt das in Gvldemaille meisterhaft ausgcsührte Porträt des Großen Kur fürsten. Eine außerordentlich jeltcne Eiuhr in Limoges-Email Leigt auf den Gchausedeckeln außen und innen meisterhafte mytho­logische Darstellungen in transluzidem Email. Das Ziffernolatt 'ft ein Meisterwerk der Gravicrlünst. Tas Stuck befand sich ehedem in der Sammlung des Freihsrrn DLayer Earl von Rothschild in Frankfurt a. M.

Für Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen 100. Geburtstag am o. Februar d. I. gefeiert werden wird, ist an seiner Lcuhcstüue auf dem alten Dreisalligkeits-Kirchhosc in Berlin ein neues Grabdenkmal errichtet worden. Es besteht in einem toben Kreuz aus Marmor und enthält auf der Vorderseite in Goldbuchstebeu Nattzcü, Gehurt^-- mti) Tptosteü des

Deut?Li)es Ueicv.

Der Kaiser hat dem Fürsten Leopold zur Lippe das Großkreuz des Noten Adlerordcns verliehen.

Die Lehrerbcsoldungskomniission des Abge­ordnetenhauses hielt heute vormittag noch eine dritte Lesung ab, in der die Beschlüsse der zweiten Lesung in einzelnen Punkten abgeändert wurden. Vor allem wurde die Zahl der Orte, die Ortszulagen gewähren können, erhöht.

In der Präsentationswahl zum preußischen Herrenhause ist derTils. Allg. Ztg." zufolge von dem Verbände dcs alten befestigten Grundbesitzes des Landschaft b.zi.kcs Littaucn der Rittergutsbesitzer Landrat S ch l e n t h e r - Baubc-ln an Stelle des verstorbenen Rittergulsbejitzers v. Sperber-Graudcnz einstimmig gewählt worden.

Der am 1. Februar ausbrechende Aerztestreik dürste, wie aus Köln gemeldet wird, einen großen Umfang an- nehmen. Acht Aerzle, die im April mit dem Kraiikeickasscnverbanb neue Verträge abschlosseu, wurden gestern vom Ehrengericht wegen Bruck^es dcs Ehrenwortes zu einem Vertocis und 200 Mark Geldbuße verurteilt.

Die Reichstagsersatzwahl in Siegen. (Amtliches Wahlresultat). Bei der Slidyvahl zum Reichstage im Wahlkreise Wittgenstein- Siegen-Biedeulopf am 22. ds. Mts. sind 33 622 Stimmen abgegeben worden: hiervon entfielen aus den Berg- Hauptmann a. D. Vogel (Siatl.) 17 922, auf L. Mumm (Ehristt. Soz.) 15 <00 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

Die vielangefochtene Wahl Dlugdans zum Ber­liner Stadtverordneten ist gestern im Ausschuß mit 9 gegen 5 Stimmen für gillig erklärt worden.

Der sächsische Landtag ist gestern mit einer Thronrede geschloffen worden.

LändlicheDienstbotenorganisation. Die von den Zentrumsabgeordneten sdion seit längerer Zell vorbereitete Grün- Dung einer ländlichen Dienstbotenorgauisation ist in Regensburg in einer Versammlung unter dem Vorsitz Dr. Heims besdfloisen worden. Die Statuten wurden einstimmig angenommen. Diese Dienstbotenorganisation burd) das Zentrum richtet sid) gegen die neuerdings lebhafter gewordene Agitation der Sozialdemokratie auf dem Lande.

Neues Landtagswa hl recht in Weimar. Wie der Eisenacher Korrespondent derFranks. Ztg." ans zuverlässiger Quelle erfahrt, wird dem wcimarisck)cn Landtag bestimmt noch in dieser Session ein neues Landtagswahlgesetz mit dem allgemeinen gleichen und direkten Wahlverfahren zugehen. Das neue Gesetz liegt dem Ministerium des Innern bereits fertig vor, es bedarf nur nock) der Durdflrcratung durch das Gesamtministerium.

Stimmunflsbilb aus dem preuh. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 26. Januar.

Die Wahlrechtsdebatte im preußischen Abgeordneten- yause ist vorüber, und ihr äußerliches Ergebnis ist die Ab­lehnung aller auf eine Reform deS .elende st en aller W a h l f y st e m e* zielenden Anträge. Ein Zulalls» ergebnis: Von den 443 preußischen VollSverlretern sind erheblich mehr als die tzällle Mitglieder der Parteien, die für die Wahlrechts­änderung tm liberalen Sinne eintreten. Aber nur 333 Mitglieder des hohen Hanfes waren bei der Abstimmung zugegen, und unter ihnen hatten die beiden konservativen Parteien die Alehrheit. So fielen die Anträge. Aber auf das zifsermäßige Abstimmungs­ergebnis wäre es tu (einem Falle angefontmen, auch dann nicht, ivenn es, Dem Stärkeverhältnis zwischen Reformgegnern und ÄeionnkcunDen entsprechend, den Anträgen der Natio- aaüibcralcn, Freisinnigen und Polen günstig gewesen wäre. Die Vedeuiung der ganzen parlamentarischen Wahl- rechteattion liegt ui den Debatten. Und diese haben Römern ernen Zwei'el darüber gelassen, welcher Anschauung in pancto der üjahlrechtSänderung die Zukunll gehört. Eine tm beiten Sinne ilaatSmamnsche Rede des Nationallrberalen Tr. Friedberg leitete die Verhandlungen de« zweiten Tages wirksam ein, und eine nicht mmder eindrucksvoll« Rede Dr. Wremers von der Voiks- oartei schloß sich ihr glücklich an. Wenn auch über Art und Um- nang der Reform die Anschaimngen der beiden au§eumnbcvgfbcn. in der Uederzengung von der vlotwendrgkeit einer fchleumge'r Be- fettiguiifl der indirekten und der öffentlichen Wahl sind sie eins. And diese Ueberzeugung stellten beide liberalen Redner geschickt m --en Vordergrund ihrer Ausführungen. Be'de beleuchieten mu unerbittlicher Unzioeideutrgkeu die einzigen letzten Gründe ibe c koufervatioen Gegnerschaft gegen die Wahl- lechtSreform, und Dr. Friedberg nahm die Gelegenheit ivahr, der Rechten tm Namen der geiamlen Linken die gebührende tüuuiung aut ihre jüngsten Zettelungen gegen den Kanzler und Die 'dlodpoiif zu geben nicht fo lehr m der scharten und rucküchlslosen 'Ldierugung der Konjeivatwen als in dein L e k e n n l n » S des netto ii alltberolest Führers z u der Gemetndürg- ch a t l der Linken lag der bedetnende polnische Wert feiner srächltgen Rede. Ohne, daß es ausdrücklich attsgefprochen wurde, ^ewaun Doch daS ganze HaiiS die Ueverzeugung, Daß die konser- iyntüje Absage an die Polilck deS Fücftetl Bulow die Gruppen ibe t Linken einander nur noch näher gebracht hat, unb der stürntlfche Beifall, den neben den Nationalliberalen auch fcer Srcifmn dem Redner trotz feiner auDerenSielluug zur Waylrelorm- Erage -ollre, war wohlbegriuidet. Und dte Kanipigemeltifchait der ge­samten Linken (am noch besonders zum Ausdruck, als Dr. Wiemer tür *en iZall der Ablehnuttg die Zilstlmmung der Bollspartei und der 'Aereniiguttg zu beut tiQttonnltibevalen aiikündiqte. Altes in allem : Tie Sache i|i nicht auegegangeti tute das Hornberger Schießen, und die Wahlrechtsaktion der Liberalen war alles atiDere als Der- lotene Liedesnlühe. Tie wettere Verhandlung brachte noch die Verweisung eines tiationalliberalenAntrages wegen Zulassung der Voiksf chullehrer zum Schütt en amte an die Unterrichte - Kommission. Der Antragsteller Tr. S ch t t s e r be- prünDete die Fordertntg eingehend unö eindrucksvoll, und alle Äarreien erklärten sich mit ihrem förunbgcDanfcn einverstanden. 2er Mittwoch gilt der Kaifergevurrstagsieter, ein Tomtecätag stehen die Befoibungsvorlagen zur Tedatte.

(Seit) iÄSS1*?*"» elluny'^ ^urant:

M Praseat-V=rt^ u,ebß8inse| ' GaraiSOa !°uuar 1909: . 5?^^ "%p-, i ^kcnball -Ärr °^°n>erlauiö!ielienV^ 1 naebenii cufanc w. 0.;; aann. A

Gj^en.

Siehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesfen

Gscizeuer staSäthearer.

Die Schmuggler.

Konröbie in 4 Akten von Artur Dinter.

Man wäre versucht, bas lustige StücAein des noch ziemlich hngen Elsässers, der als Dramaturg in Rostock wirkt, als ein Ergebnis bcs Köpenicker Gaunerstreiches zu halten, wenn es nicht I ton tm Jahre 1903 im Buchhandel erschienen wäre. Es be- Hmbelt, um die sehr verwickelte Geschichte mit wenigen Worten üa erläutern, mit Geschick unb Laune dte tollkühne Pascherei eines txrüd)tigten.mmglers, der einen großen Uhrentransport vor den Eugen und gewissermaßen mit Hilf der Grcnzaufseher sicher über bie Grenze bringt, indem er sich als den neuen Rcgierungsrat Msgibt unb so die Behörde hinters Licht führt. Daneben gehen Noch eine Anzahl cingeflochtencr GesdM-tchen, die sich natürlich alle in harmloser Lust zu einem vergnüglichen Schluß vereinigen. Die vielen Verwickelungen unb komischenSituationen" sind sehr «rschickt vorbereitet unb eingehend begründet, so daß all die lustigen Tcgebenheiten die größte Wal)rscheinlichkett für sich in Anspruch »tonen dürfen. Allerdings ist die an sich recht gefällige Idee, b«£ den Reiz der Neuheit längst eingebüßt hat, etivad sehr mager, tob der Verfasser sah sich deshalv gezwungen, eine Reihe von Eingängen einzuschicben, bie mit der Handlung an sich gar nichts iw tun haben unb nur verzögernd wirken, wodurch stcllcnrveisc eine geioifse Oebe hervorgerufen wird. Tie Ctoraktcristik der einzelnen Personen ist nickst immer sehr glücklich ausgeführt, einige Figuren aber sind dagegen ganz ausgezcidstrct gelungen, vor allem der mit seiner Satire gegebene Steuerrat Pimpe, der ehemalige Offizier, der deutsche Kultur im Kasenteichofstil verbreiten will uib überall in dem neuen Reichs land Verrat unb Meuterei wittert. Max Kronert sanb sich im allgemeinen recht gut mll bicscr banioarat Nolle ao, hätte aber doch etioas Militärifcher auftretcu bücj'en. Chcenoczeugäugen werden bei unoeoccktem Kopfe von einem Offizier nur durch eine leichte Verbeugung ausgcführt, nie durch Anlegen der Hand an den Stopf, was auf den eingctveihten Zuschauer einen unangenehmen Eindruck macht. Sehr gut war Aillibald Völcker in der ebenfalls sehr geschickt gewidmeten Gestalt des Gastwirtes, die der schätzenswerte Stünftter mll bestem Gelingen zu (Silbe führte. Aud) Paul Ko hl mann als zimper- liciier Profl.sor Zipfel verdient mieingcschränttcS Lob für die sehr gut ausgeglichene, überlegte Darstellung, die sich glücklicher-

Die Me!dli!j ".N der Aktientrauerei ist nul abcM81Urrgcöffuct.Si>iic betreten ist iiraibar.! fälle wird nicht gebartet.

Der Uiitcrnehwk Kranken- gräbnissh

M Han<: hilien :: $

Verwaltungsstelle 6®

Personenverkehr und preußischer EisenSahnfiskur.

Die Behauptung derDeutsu-en votl'Äoirttcha,t.idxen Korrc- silvndenz" in einem Artikel über den Personenverkehr, der preu­ßische Eisenbahnfiskus habe 1007 beim Personenverkehr einen

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Giessen.

Direktion: H«1 st'"!*

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