I
r
Neues 8tMB
4
. Die GrosssladW
I Oscar«l^belbur^
■ . ..^M. Lndes-^'.
ir it.
V.
rt
m nt g
50 in n.
Giessen.
Dirtk*!3^
** *faM s^o*
ll^rz l!)OfhClcl,bonti)1
VorsteBi..
ISun8
^ Theater -5 acheu!
■cl^tptei§geMl ( Utl!'
«y «ein eill,illh *Ä"IS8*
^•-Ehsemble
croefeuT ®enrc 9cbotc” werbe
,Ä? deoeliösW
AW*
s« * '-<>».
das wirk!. flWBic. ck-'J und ieiilungsiahlg 'e nehmen, wclches.je^k Ziehen war, galicri I vom 2ö. bis eiliM 30. März in W\
«rite ^oritpllll''L
, ■ "'n hPll ZZorvcrkmis-^^jj^M 5Ä(lX“'S
S tt Sö1118' ^onoricvunq nr
jllfcn fij einen 1
^ladniches Armenami
SfflPÄWS
Waichcrci Frau WoÄ. Ebeljtratze 9.
MMMM auf II. Hypolhelen geteilt u Vergeben.
2d)rittl Angebote unter ß an die GeiäiätlSst. des Gier,j
Hiesiger Sportverein in? i
slhöncS Stitiiiejiiw
Schriftliche Angebote m'. J an den Giehener Anzeiger eirr |
Bäuerischer
Gesangverein
Tie für DienstagI .LLBtzWtk!»- tfl] jlütt» ' ^cr VoniWi.
ha
Nr. «8
159. Jahrgang
Montag, 22. März 1909
ttrldjetni tSgNch mtt Ausnahme des Sonntag».
Die ..Stetzener Zamilienblätter- werden dem .Anzeiger' vterinal wöchentlich betgelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen** erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejftn
NotattonSdruck enb Verlag der ötübHcfjcn UnwersitätS - Buch- und Stemdruclereu vi. Lange, (Sieben.
Nedaklion, Expedition und Druckerei: Schul« slraße 7. Expedition und Verlag: 5L
Rcdaktion:S-^II2. Tel.-Adr^AnzeigerGießen»
Deutscher Reichstag.
229. Sitzung, Sonnabend, den 20. März.
Am Tische des Vundesrats: b. Einem, b. Lochow, bon Dorrer.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.
Ter Militäretat.
(Fünfter Tag.)
Abg. Gothein (Fr. 23g.):
Die Abstriche am Militärkabinett sind gering im Verhältnis zu der ungeheuren Höhe der Ausgaben. Wahllos wurde nicht gestrichen. Wir wissen wohl, daß es im gegenwärtigen Augenblick schwer ist, die militärischen Ausgaben zu verringern. Die Ausgaben sind so hoch, weil alles teurer geworden ist. Schuld daran ist unsere verfehlte Zollpolitik. Der Redner bekämpft die jetzige deutsche Wirtschaftspolitik. Schon Oesterreich hat sich durch seine übertriebenen Ausgaben finanziell ruiniert. Wir sollten uns vor einem ähnlichen Schicksal hüten. Dis Gefahr, daß wir in einen Krieg verwickelt werden, ist nicht groß. R u s; - land kann es nicht wagen, uns zu bekriegen. Es ist ein Kolos; mit tönernen Füßen. Auch Frankreich ist nicht mehr der gefährliche Gegner von 1870, da seine Bevölkerung stagniert. Ein Zwei-Frontenkrieg ist also durchaus nicht zu befürchten. Eine Vermehrung der Rüstungen sichert nicht immer den Frieden. Sie kann im Gegenteil eine böse Verstimmung Hervorrufen. Ich erinnere an die letzten Verhandlungen im englischen Unterhaus e. Der Redner bekämpft den Drill undden Paradeschritt. Sogar im „Deutschen Offizierblatt" und in der „Täglichen Rundschau" haben höhere Offiziere dagegen Stellung genommen. Wieviel Offiziere und Unteroffiziere könnten wir sparen, wenn wir auf den Exerzierniarsch und das Griffekloppen verzichten würden. Auf fünf Mannschaften kommt ein Unteroffizier, auf achtzehn ein Offizier. Auf wieviel Volksschüler ein Lehrer? Die Nachteile der geheimen Qualifikationen sind in dem Prozeß gegen den Kapitänleutnant Berger deutlich genug zutage getreten. Denken Sie doch an Reuters „Ut mine Stromtid". Dort schrieb dem unglücklichen Axel von Rambow sein wohlwollender Oberst in die Conöuite, daß er ein fe—iger Offizier sei. Er meinte „fähig", da er aber mit der Orthographie auf schlechtem Fuße stand, wurde „feig" daraus. Der große Friedrich ließ den tliamboiD sofort entlassen, da er keine feigen Offiziere haben wollte, und der Oberst hatte alle Mühe, die Sache luieber einzurenken. Bei einer öffentlichen Qualifikation sind solche Komplikationen unmöglich. Der Vorstoß des Kriegs mini st ers gegen d ie Sozialdemokraten war unberechtigt. Jedes Volk hat die Sozialdemokratie, die es verdient. Warum herrscht denn in Hessen eine so angenehme Temperatur zwischen der Regierung und den Sozialdemokraten? In Vahcrn und Baden liegen die Dinge ähnlich. Der Redner bespricht die Zurücksetzung der Inden im Heere. Die Armee muß wieder ein wirkliches Volksheer werden.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fr. Vp.) t
Der Husarenrittmeistcr der Reserve Graf Garnier hat mir mangelnde Sachkenntnis vorgeworfen. In der Kunst, den hochanständigen Pferdemist zu behandeln, bin ich allerdings Laie. Ich habe mich auch nicht über militärisch-technische Fragen an sich, sondern über ihre rechtliche Seite geäußert. Herr Erzberger hat hier mit einigen Blockivitzchen operiert. Er zeigte dabei eine Art Galgenhumor, denn seine wirkliche Stimmung ist nicht so heiter. Sie sind ergrimmt gegen den Block. Das kommt in der ganzen Zentrumspresse zum Ausdruck. (Lachen beim Zentruin.) Wilhelm Busch, mein Lieblingsdichter (Große Heiterkeit beim Zentrum) — Sie mögen Busch nicht, weil er den heiligen Antonius von Padua geschrieben hat (Lachen int Zentr.) — Busch fügt dazu: „Wer sich freut, wenn wer betrübt, macht sich meistens unbeliebt!" (Heiterkeit links.) Herr Erzberger sollte mit seinen Mitteilungen vorsichtiger fein. Sonst geht es ihm noch öfter so ivic gestern mit seinen lierühinten Pillauer Deckengemälden. (Heiterkeit.) Das Militärkabinctt ist e i n a n t i k o n st i t u t i o- ii c IIc r Fremdkörper aus der vormärzlichen Zeit, das den Einfluß des Kriegsministers lähmt. Immer droht eine Kollision zwischen den Wünschen des Militärkabinetts und denen des Kriegs- ministers. Wenn das Militärkabinett feine Ansichten zur Durchführung bringt, ohne sich an den Etat zu halten, fo sinkt der Reichstag zur automatischen Geldbewilligungsmaschine herab. Auch der Kriegsminister hat sich gegen die Hof- u n d M o d e r e g i m c n t e r ausgesprochen. Hier hilft kein Mundfpitzeii, hier muß gepfiffen werden. Jagen Sie doch die Kounnandeurc, die sich weigern, bürgerliche Offiziere aufzunehmen, zum Teufel. (Sehr richtig! links. Lachen rechts.) Warum werden die Juden i in Heere zurückgeseht? Das Geld jüdischer Mädchen ist ein äußerst beliebtes Hilfsmittel zur Auspolierung des Wappenschildes vieler Offiziere (Lachen rechts), aber die jüdischen Einjährigen will man nicht avancieren lassen. Der Adel wird in jeder Weise bevorzugt. Ich muß diese Frage noch einmal behandeln, da der Kriegsminister mich in einer recht sonderbaren Weise dazu veranlaßt hat, durch die Art, wie er meine Darlegungen ausgenommen hat. Im Jahre 1907 waren auf der Kriegsakademie 38 Adelige und 100 Bürgerliche. Verschiedene Abteilungen sind besonders gesucht, so die Aufmarsch- abteilung, die Manöverabteilung, die Aiisbildungsabteilung, die Armeeinsstektioii nsw. In ihnen sind 63 Adelige und 25 Bürgerliche vertreten. Weniger gesucht sind die russische Abteilung, die Linienkommandanten nsw. Dort sind nur 16 Adelige und 46 Bürgerliche. Es zeigt sich also bei den guten Abteilungen eine geradezu Aussehen erregende Be - vorzugung des adeligen Elements.
Die beste Waffe gegen die Sozialdemokratie ist eine strenge Innehaltung der Verfassung. Es muß dafür gesorgt werden, daß der Wehrstand wieder m engere Fühlung mit dem Bürger stand kommt. Fürchten Sie sich nicht vor den Derbheiten eines bierseligen Seehundes. Es gibt auch im Offizierkorps derartige Seehunde. (Heiterkeit.) Man soll in dieser Beziehung nickt zu altjüngferlich sein. Im übrigen ist aber der Kriegsminister mit feiner Hagener Seehnndsgeschichte hereingefallen. Die Herren werden ihm die richtige Antwort geben.
Preußischer Kriegsminister von Einem:
Auf die Frage der Komniandogewalt nnd des Militärkabineits gehe ich nickt ein. Wenn Sie Wünsche in dieser Beziehung haben, so müssen Sie die Verfassung ändern. Nun hat Dr. Müller erklärt, er fei durch die Art, wie ich nach seiner Rede verfahren sei, gezwungen worden, heute zu sprechen. Ich habe mich nach Kiner Rede zu Herrn Kopsch begeben und ihm mitgeteilt, daß die Ausführungen des Dr. Müller über die Bevorzugung des Adels durch
aus unrichtig seien, und daß ich ihn bitten möchte, sie zurückzunehmen. Herr Stopfd) sagte das auch zu. Das war docki gewiß eine höfliche Form. Daher brauchte er sich nicht für veranlaßt zu halten, heute wieder darüber zu fpredjen. DieOffiziere kommen zur Siriegsakademie lediglich auf Grund eines ExamenS, das bei den einzelnen Armeekorps gemacht wird. Der Adel hat dabei gar nichts zn tun, nur die Fähigkeiten kommen in Betracht. Auf Grund der Prüfungen wird eine Liste ausgestellt, nach der dann die Einberufungen vorgenommen werden. Von den Lehrern der Akademie sind 10 unabeiig und 7 adelig. Ich würde sie beleidigen, wenn ich behaupten würde, daß diese Lehrer, uameiitlid) die nnadeligen, das adelige Element vorziehen bei der Beurteilung, ob die Offiziere sich zur Abkommandierung in den Generalstab eignen. Ich halte das für völlig ausgeschlossen. Ich habe noch niemals, weder in meiner Jugend, weder während meiner Generalstabszeit, noch jetzt gehört, daß eine Bevorzugung des Adels stattfinden soll. Im Generalstab sind von den drei Oberguartiermeistern ^h?ei unabeiig, und einer ist erst kürzlich) geadelt worden. Auch diese Offiziere sind maßgebend für das Eintreten der Offiziere in den Generalstab. Von den Abteilungschefs sind 6 unadelig. Ich habe auch noch niemals etwas von bevorzugten oder nicht bevorzugten Abteilungen gehört. Es ist mir rätselhaft, woher Herr Dr. Müller das hat. Im Gkneralftab weiß niemand etwas davon. Dr. Müller gibt an, daß die russische Abteilung unbequem wäre. Warn m? Das kann ich nicht begreifen. Die russische Abteilung kann nur von Herren besetzt werden, die Russisch in einem gewissen Maße verstehen. Nur solche werden also ausgesucht. Für jemand, der die russische Sprache kennt, kann dock) diese Abteilung dann aber nicht besonders schwer sein. Schwierig ist die Eisenbahnabteilung. Auch dort werden nur Offiziere eingestellt, die auf diesem Gebiete unterrichtet sind. Niemals kommt der Adel bei der Besetzung der Stellen in Betracht, sondern allein b i e 23 e f ä I) i g n n g. Id) muß verlangen, baß das, was ich sage, auch wirklich geglaubt wird. Es ist eine Beleidigung des Chefs des Generalstabes, wenn bc. hauptet wird, daß der Adel dort bevorzugt wird. Der Generalstabschef von Moltke ist ein durchaus vorurteilsfreier Mann und steht ganz auf meineinStandpunkt.Jch verstehe auch heute nicht, daßHerr Dr. Müller nicht einfach sagt: Nachdem id) diese Erklärung gehört habe, bin ich gern bereit, anzuerkennen, daß ich mid) geirrt habe. (Sehr richtig! rechts.) Tie Beweisführung des Herrn Dr. Müller erkenne ick) a b s o l u t n i ch t a n. Ob er mir das glaubt oder nicht, i st mir jetzt Iv i r k l i ch vollkommen g I e i d) = gültig. (Beisall rechts.) Im Glcncraljlab sind 302 Offiziere, von diesen sind 170 adelig und 132 unadelig. Ich betone nochmals, diese Offiziere sind nickt durch Proteltion in den Generalstab gekommen, sondern auf Grund ihrer Tüchtigkeit. (Beifall.)
Abg. Dr. Belzer (Zentr.)
bittet, das Hohenzollernsche Kontingent an daö 14. badische Armeekorps anzugliedern und wünscht eine Garnison für Hechingen.
Von den Abgg. v. Normann (Kons.), Bass ermann (Natl.) und v. Liebermann (Wirtsch. 23g.) geht ein Antrag auf Schluß der Debatte ein.
Abg. Singer (Soz., zur Geschäftsordnung):
Der Abg. Bebel war durch) Krankheit verhindert, die gestrigen Angriffe des Kriegsministers zurückzuweisen. Durch den Schluß der Debatte will man uns die Möglichkeit der Abwehr and) heute nehmen. Uns ist es nicht möglich, den Schluß der Debatte zu Verbindern, wir werden aber alle Mittel der Geschäftsordnung in Anwendung bringen, um den Beschluß zu erschweren. Ich bezweifele daher die Beschlußfähigkeit des Hauses.
Zur Feststellung der Beschlußfähigkeit wird der Namensaufruf vollzogen, wobei die Sozialdemokraten fast durchweg den Saal verlassen. Es bekunden 177 Abgeordnete ihre Anwesenheit, daS Haus ist also b e s ch l u ß - unfähig.
Vizepräsident Tr. Paasche
beraumt die n ä ch ft e Sitzung eine Viertelstunde später, auf 43/i Uhr an. lieber den Schlußantrag haben die Sozialdemokraten namentliche Abstimmung beantragt.
Zweite Sitzung.
Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die neue Sitzung um 4’4 Uhr mit der Mitteilung, daß der Schlußantrag zurückgezogen ist. (Höhnisches Gelächter der Sozialdemokraten.)
Abg. Dr. Frank-Mannheim (Soz.):
Hat der Kriegsminister den Aufsatz von Kautsky, aus dem er einen Satz zitiert hat, gelesen oder nicht? (Kriegsminister von Einem: Jawohl!) Dann hat er sich also für berechtigt gehalten, uns ein gefälschtes Zitat vckzulesen (Unruhe), genau das Gegenteil des Sinnes, den Kautskh hineingelegt hat. (Der Redner verliest die Stelle.) Kautskh hat das von den Anar- ch i st e n gesagt, hat hinzugeiügt, daß die anarchosozialistisd)en französischen Gewerkschaften es übernommen haben, und daß aus diesen Kreisen auch Anhänger in die sozialistischen Reihen gelangt seien. Er sprach von der Dienstverweigerung der Reservisten, wie sie Herve prätendiert. (Hört, hört! bei den Soz.) Und das will uns der Kriegsminister bieten als Meinung von Kautsky? Ich nehme an, daß ihm irgend jemand dieses gemein gefälschte Zitat überlassen hat. Große Unruhe rechts, Ruf: Unerhört!)--Jawohl, unerhört, der Qeffentlichkeit mit der
artigen Zitaten zu kommen. Weiß der Kriegsminister, daß jene Stelle bei Kautsky gar keinen anderen Zweck hat als die B e - kämpfnng des M i l i t ä r str e i k s? (Hört, hort! bei den Soz.) Daß Kautskh ihn eine heroische Torheit genannt hat? (Hört, hört I bei den Soz.) Daß Kautskh gerade im Interesse des Proletariats sich gegen diesen Vorschlag ausspricht, ja sogar für den Fall, daß beide kriegführenden Mächte sich auf den Militärstreik einlassen? Aus Respekt vor der Volksvertretung hätte der Kriegsminister uns derartiges nicht bieten dürfen und auch aus Respekt vor sich selber. ("Beifall der Soz., Zuruf rechts: Weiter im Tert!) Text und Melodie werden Ihnen wenig gefallen. Der Kriegsminister hat aus dem „Sozialdemokrat" ans dem Jahre 1887 ein Zitat gebracht, das das ehrwürdige Alter von 22 Jahren hat.
Ich habe die Nummer nicht beibringen können, weil er sie uns nicht näher bezeichnet hat. Aber nach den Erfahrungen in dem anderen Falle bin ich überzeugt, daß es genau so frisiert ist. Aber wären damals im „Sozialdemokrat", der im Ausland unter der Redaktion von Eduard Bernstein erschienen ist, wirklich ein paar Worte gegen die Heiligkeit des Fahneneids geschrieben, nun, so war es während des Ausnahmezustandes, in txm der gesetzliche Boden gegenüber der Sozialdemokratie verlassen war, auf den Trumpf ein Gegentrumpf. Im Privatleben gilt es nicht als anständig, einem Motive nnterzuschleben,
zu denen er sick) nicht selbst bekennt, aud; eine Partei darf man nur nach ihrem Programm und offiziellen Beschlüssen und Aeutze- rungcu beurteilen, nicht nach Aeußerungen einzelner Leute. Seit die sozialdemolratische Partei existiert, hat sie auf sämtlichen Parteitagen sich nachdrücklich gegen die Kasernen» agilation erklärt; und wenn Sie sick) etwa auf Karl Liebknecht berufen, nun, junge Leute gehen leicht weiter als die anderen, denken Sie an den Kronprinzen von Serbien. Der Redner zitiert Aeußerungen von Bebel aus dem Jahre 1893 und feine Reichstagsrede von 1904, Ivo er erklärte, die Sozialdemokraten würden kein Stück deutsckien BodenS an das Ausland abtreten. Durd) diese P a p i e r s ck n i tz e l b e w e i s e des Kriegs- Ministers ist die Sozialdemokratie schwer gekränkt worden. Gewiß ist auf dem Parteitag in Jena beschlossen, den jungen Leuten A b s ch e u vor d c m Militari 6 m u s beizubringen, nämlich sie vor dem Militärdienst zu belehren über ihr Beschwerderecht und den Militarismus als soziale Erscheinung. Wir, die Führer, meint der Kriegsminister, machen den Unterschied, aber die jungen Leute verständen darunter Abscheu vor ihrer Dienstpflicht. Dazu sind die jungen Arbeiter viel zu intelligent, und so weil einzelne es nicht begreifen können, find die erbärmlichen VollS- fd)ulcn daran schuld. (Gelächter rcdjtS.) Einen ganz starken Trumpf glaubte der Kriegsminister damit ausfpielen zu können, daß wir es mit dem Cid nicht ernst nehmen. Daß wir es mit dem privatrecktlichen Eid nicht ernst nehmen, damit wagt man uns heute nicht mehr zu kommen. Aber es ist merkwürdig, daß unter ernsthaften Leuten noch über die Bedeutung öffentlicher Eide, deS Verfassungs- und Fahneneides diskutiert weroen muß. Das, was wir über die Bedeutung des V e r f a s s u n g s e i d e S sagen, ist geschichtliche Theorie, zn der die bürgerlichen Parteien nnd die Negierungen die praktischen Beispiele abgeben. (Lebh. Beifall der Soz.) Wie oft ist Friedrich Wilhelm IV. in die Lage ge- kommen, Verfassungen, oder was er dafür hielt, zu besd;wören, und wie oft bann das Gegenteil von dem zu madjcii, was er beschworen hat! (Große Unruhe rechts.)
Vizepräsident Kaempf: Sie dürfen einem Hohenzoller^ nicht Meineid vorwerfen. Ick) rufe Sie zur Ordnung.
Abg. Frank:
Hätte mid) der Präsident zu Ende sprechen lassen, dann hätte er gehört, daß id) mich gegen die spießerhafte Auffassung verwahre, derartige geschichtliche Vorgänge als Meineid, Eidbrnd) zu lennzeidmen. Weltgesd)id)tliche Prozeße können nicht vor dein Schwurgericht verfolgt werden. (Sehr wahr! b. d. Soz.) Soll ich Sie daran erinnern, daß Wilhelm I. den Ver- fassungseid, den er auf die preußische Verfassung geleistet hat, unter Assistenz von Bismarck ebenfalls nicht gehalten hat.- (Große Unruhe rechts, Rufe: Unerhört!)
Vizepräsident Kaempf ruft den Redner z u in zweiten Male zur Ordnung.
Abg. Frank:
'In der Jndemnitätsvorlage hat Bismarck ausdrücklich zugegeben, daß die Verfassung nicht beachtet ist: Wäre Bismarck hier, er würde sich dagegen venvahren, daß nachträglich mit dein Mittel der Geschäftsordnung ihm ein 23 c r f a f f u n g s b r n ck; a b = genommen werden soll. (Heiterkeit b. d. Soz.) Wie hat denn Bismarck in der Konfliktszeit sein Verhalten beurteilt? Er hat gesagt: Ein Eid auf die Verfassung kann nur bindend sein, wenn man es dem Vereideten mßglid) macht, mit der Verfassung zu regieren. (Die Soz. rufen: Rufen Sie dock, Bismarck zur Orb- nung!) Die Folge dieser privatrechtlichen spießbürgerlichen Auf- faffuug wäre die, daß die einzigen Volksvertreter iiadj dem Herzen des Kriegsministers die Welfen sind. (Sehr gut! b. den Soz.) Und wieviel Eide haben die holsteinischen Beamten im Laufe der Zeiten fdjtoörcu müssen, nnd sie haben in ihren Beamtenherzen keinen Schaden angerichtet! Der Punkt, um den eS sich hier dreht, ist einzig der: Gibt es für die Vol.er ein Recht der Selbstbestimmung? Gibt es für bie Volker ocw Recht, luerin die Umstände danach sind, ohne Rücksicht auf Verfassung und Fahneneid dem hislorisckien Recht zum Siege, 511 verhelfen? (Hört, hört! rechts.) In England haben auch die Konservativen schließlich anerkannt, daß das Volk, luciui die Regierung es ihm'unmöglich) mad)t, mit der Verfassung zu leben, da s Rechtnnd die Eide brechen darf. (Zuruf rechts: Das entscheiden Sie!) In London steht in der Nähe des Hau,es der Gemeinen das Standbild eines Eidesbrechers, Olitfcr Cromwell, der die Versassung wiederholt gebrodjcn, der einen König auf oaS Schafott gebrad)t hat. Und Rosebery und Asquith, zwei Lunister- präsidenten, haben ihm die Festrede gehalten: hier in Berlin verhindert es die Regierung, daß man für die Märzgefallenen auch nur ein ordentliches Friedhofsportal machtI Wir stellen uns tu diesen staatsrechtlichen, oder wenn Sie wollen, philosophischen Fragen, vollkommen auf den Boden, den Bismarck uns gegeben oat. Wir stehen auf dem Boden der Verfassung, so lange die Regierung es uns möglich macht. Wir wünschen, daß w i r bie Forderungen der Arbeiter ans friedli ch e m Wegev erwirk l i ch e n können; machen Sie es uns unmöglick), dann kommt die Verantwortung auf Siel
Wenn Sie alle Reserveoffiziere, die für einen Sozialdemokraten gestimmt haben, ans dem Offizierkorps ausschließen wollen, dann werden zum Beispiel in Landen nicht mehr viel übrig bleiben. Früher haben wir dort oft das Vergnügen gehabt, dast die Herren vom Zentruin für uns stimmten, 1905 waren die Natiönalliberalen so liebenswürdig. Wenn nun die Liberalen, die Herren vom Zentrum ans dem Kriegerverein aus,chließen uno die Zentrumsherren die Liberalen, so loird von dem Kriegerver» ein nicht mehr viel übrig bleiben. Wir warnen die jungen Leute, die zum Militär kommen, dringend davor, ihre sozialdemo!rati,che Gesinnung zu betätigen. Wir geben uns Mühe, sie sch 0 n vorher s 0 z i a I i st i s di zu erziehen zu.Persönlichkeiten. E-^ ist nicht nur traurig, daß es solche Unteroffiziere gibt, die sich zu Mißhandlungen hinreißen lassen; es ist ebenso traurig, daß es in Deutschland noch Soldaten gibt, die solchen Tröpfen gegenüber lieber ihre Freiheit aufs Spiel fetzen, als ihxe Menschenwürde gefährden lassen. (Lebhafte Zustimmung der Soz.) Das Gute und das Rechte, das sind die unsichtbaren Träger jedes Staates, das hat Herr Baffermann gesagt. (Hört! Hört!) Nicht unser Bass ermann hier (Große Heiterkeit), das war der Basser- maiin von 1848 in der zweiten badischen Kammer. Der Kriegsminister hat über unsere Prophezeiungen die Nase gerümpft. Aber audi andere Prophezeiungen sind nicht in Erfüllung gegangen. Es hat jemand gesagt: Ich führe eud) herrlichen Zeiten entgegen. (Sehr richtig! bei den Soz.) Da ist aud) eine Prophe- zeihnng, bie nicht in Erfüllung gegangen ist. Da hat jemand prophezeit, daß er zwischen sich und sein Volk kein Stück Papier schieben lassen werde, und ein Jahr später hat derselbe Mann vor den schwarz-rot-goldenen Farben feine Verbeugung machen müssen. (Zustimmung der Soz.) Wir werden weiter kämpfen gegen den Militarismus und gegen den Mann, der sick) hier zu seinem Sachwalter auf gerufen und dabei


