I I
anleihe
J
Anleihe 1<j10 fällig,
12.70 5.00
' ist der Preis auf
■i kl 57
er A tii iei ir- iei
gl»* figr P-1|CV»
-M
APP**, Ml*** emPDe j.
^5
«ssrZ
80*8*«°
geilten ßrkoW
Wäsche.
ri!chw«er
"SSSSv g»ie21,11 zMil*
(«IW»» h
Str elt;«ni P”
asbeti tireii Mi \ ...
Ml*1*
158. Jahrgang
Dienstag Z7. April 1909
Bezugspreis: monatlid) 75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Ltk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuilleton und .Vermischtes" K. Neurath; für.Stadt u.Land" und „Gerichts-
Nr. 97 / j Erstes Blatt
Der Gießener Anzeiger erscheint tägliä^ außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerZamilirnblätter;
zweunalwöchentl.lireis- blattsürdenrrreiLGiehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seitsragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112,
General-Anzeiger für Gbecheßen
bis vön^gs^uhQ Sotofion$te.{f und Verlag der vriHl'schen Unlv.-Vuch- und 5teittdruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: §chu!strahe 7. Anzligenteü^'H^Äck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten,
Vie Professoren und die Reichrsinanzresorm.
Von Professor Dr. jirc. et phll. M. Biermer.
Wir ergäben gegenwärtig in Deutschland ein Schauspiel, das in der parlamentarischen Geschichte aller Staaten einzig dafteht und höchstens mit den Ereignissen vor den Befreiungskriegen verglichen werden kann. Das Reich will seine Finanzen sanieren und verlangt, um aus einer trostlosen Schuldenwirtschaft sondersgleichen herauszukommen, eine halbe Milliarde neuer Einnahmen. Weite und maßgebende Kreise des Volkes unterstützen diese unerläßliche Forderung der verbündeten Regierungen, dringen auf ihre endliche Erfüllung und erklären sich zur Tragung der gewaltiger Opfer, die der Nation zugemutet werden sollen, wohl oder übel bereit. Was tut aber der Reichstag selbst? Die offizielle, aus von nationaler Begeisterung getragenen Wahlen hervorgegangene, Volksvertretung, unser Reichsparlament, kann sich'über die Einzel- heiten der Besteuerung nicht verständigen uni) verschleppt in endlosen Verhandlungen die Verabschiedung des großen nationalen Wertes immer wieder aufs neue. Man hat mit Recht darauf hingewiesen, daß der Vorgang, daß ein Volt eilte so große Steuerlast willig auszunehmen bereit ist, aber auf Widerstand gerade bei der Volksvertretung stößt, ein Novum in der Kulturgeschichte ist. Auf der einen Seite handelt es sich um Zustande, die in hohem Grade erfreulich sind, denn sie beweisen, daß der Reichsgedanke sich gerade bei der Masse lebendig erhalten hat, und der staatsbürgerliche Sinn tiefer und lebhafter geworden ist Auf der andern Seite läßt aber das Parlament den weiten Blick uni) die nötige Entschlußfreudigkeit in bedenklichem Umfange vermissen und erinnert in seiner schwachmütigen Haltung jan den alten unglücklichen Gegensatz zwischen Landesfürsten und Ständen, der nirgends soviel Unheil gebracht hat, wie , gerade in Deutschland.
Die nationale Führung im Volke haben gegenwärtig unzweifelhaft die Univerfitätsprofessoren der Nationalökonomie und der Geschichte übernommen. Auf den Stuf: „Alle Mann )tin Bord" sind sie fast alle erschienen. Unwillkürlich wird man ■an die Zeiten von Fichte und Niebuhr erinnert, wo ebenfalls die Universitätslehrer für die nationale Erneuerung mit flammender Begeisterung eintraten. Gegenwärtig ergreifen selbst solche Gelehrte das Worr, bei denen man bisher politische Ansprachen und eine publizistische Betätigung in der Lagespresse nie wcchrgenommen hat. Zu den Führern ,der staats wissenschaftlichen Lehre, Adolf Wagner, Gustav Schmoller, Wilhelm Äexis und Johannes Conrad, sämtlich lin Ehren grau gewordene Siebziger, sind Juristen, wie ^Wilhelm Kahl, Historiker, wie Hans Delbrück, Adolf Harnack «und neuerdings Max Lehmann-Göttingen, vielleicht der be- 'beutenbjte Vertreter der neueren Geschichte, gestoßen. Alle diese erstklassigen Männer der Wissenschaft stehen aus- iuahmslos der konservatioeu Richtung ziemlich nahe. Um so weniger schmeichelhaft ist es, was sich die konservative Partei von diesen Männern heute sagen lassen muß. Gustav v. Schmoller hat den Reigen eröffnet und interessante historische Betrachtungen über Staatenbildung und Fincuiz- entwicklung veröffentlicht, und es klingt beinahe fatalistisch, 'toenn der feinsinnige Wirtschaftshistoriker darauf hinweist, daß nrirtüci) große Finanzreformen nur nach erschütternden staatlichen Katastrophen, nach Kriegen und Revolutionen, die die Existenz des Staates' in Frage stellten, gelungen sind. Die Reformen von Sully, Colbert, Fleurh, von Cromwell, Napoleon I., von Hardenberg, Pitt, die ftauzöfische Steuererhöhung von 1871—75, waren Folgen von großen Kriegen, von Revolutionen, von finanzieller Mißwirtschaft ohnegleichen; auch Peels Reformen waren die Folge der finanziellen Impotenz von 1815—42. Solche Zeiten mit ihren Gefahren bringen am leichtesten die wir Aich Fähigen an die Spitze, erzeugen einen Patriotismus von besonderer Stärke und machen die Nationen endlich zahlungswillig.
Freilich sind einige große Finanzreformen auch in ftied- lichen Zeiten gelungen. Mau braucht nur an Gladstone und ibdiquel zu denken. 2lber diese Staatsmänner waren auch Virtuosen im Spiel auf dem Instrument der Parlamente und Künstler in der Prägung zugkräftiger, schlag wo rtähnlicher ^Steuerparolen.
Professor Haus Delbrück, der temperamentvolle Herausgeber der „Preußischen Jahrbücher", hat mit scharf geschliffenen Waffen den Kamps mit dem intranfigeanten Agrariertum ausgenommen und den Bund der Landwirte als „eine nationale Gefahr ersten Ranges" gebrandmarkt. Das haben freilich schon andere und kleinere vor ihm und ebenso tapfer wie er, getan. Aber es hätte manchem beinahe, weim auch nicht den Kopf, |o doch den Lehrstuhl gefoftei. Es wird jetzt endlich offensichtlich, daß sich bei der ganzen geistigen (Elite des Volkes längst ein Zündstoff gegen das demagogische Agrariertum angesammelt hat, der nur auf den drastischen Moment wartete, bis er zur Explosion tarn.
Wie haben nun die zünftigen Tagespoliiiler, die in der öden Tretmühle der Fratrionspolücil verslumt und entnervt sind, diese Verstöße auS Universitätsrreisen, die ihnen natürlich außerordentlich unbequem waren, ausgenommen? Man hat von „professoraler Fachsimpelei", von „weltfremdem Doktrinismu^", „alles besser wissendem Gelehrtenhochmut" und dergleichen mehr gesprochen und wünschte am liebsten die ganze aufdringliche Gelehrtenschar, die öeröammicn Nationalötono- men an der Spitze, dahin, „wo der Pfeffer wächst". Man denunziert sie als „Kathedersozialiften", die ihre Lehrfreiheit sträflich mißbrauchen, und verhöhnt die lästigen Kritiker, die dem langweiligen Steuerphilister die. Meinung sagen, über den kleinlichen, materiellen Interessen stehen und an den -gesunden Geist der "Nation zu appellieren versuchen, in schnödester Weise. Ein konservatives
Organ hat kürzlich die nationale konomische Wissenschaft als eine „neue politische Großmacht" bezeichnet; der beste Beweis, daß die angeblich „weltftemden" Theoretiker doch mehr bedeuten, als man dem „Stimmvieh" kritikloser Wählerkurien vorzureden pflegt. Und glücklicherweise hat es den Anschein, daß die Universitätslehrer, die sich ja niemals besonderer Gunst bei den Jnteressenparteien erfreut haben, die geistige Bewegung in der Nation weiterhin mit großen Gedanken befruchten und den Kampf für eine gerechte Sache nicht voreilig aufgeben wollen. Denn schließlich ist doch nur der Staatswissenfchaftler oder Historiker in der Lage, große politische Probleme von großen Gesichtspunkten aus zu würdigen. Gerade weil diese Männer nur im Not- und Ernstfälle auf dem Plane erscheinen, wird man ihre Mahnungen nicht ganz unbeachtet lassen können
Einer der unzweifelhaft vornehmsten unserer Historiker, von dem sonst nur die Fachleute etwas hören, der Göttinger Geschichtsschreiber und kongeniale Biograph des Freiherrn vom Stein, Max Lehmann, hat in der letzten Sonnrags- nummer der „Frankfurter Zeitung" über „Agrariertum und Steuern in Brandenburg-Preußen" historische Reminiszensen veröffentlicht, die hoffentlich die gebührende Beachtung finden. Dort werden unferm Agrariertum Ostelbiens mit bemerkenswerter Offenheit anläßlich ihres blinden Wütens gegen die Nachlaßbesteuerung die Leviten gelesen. Es wird uns erzählt, welche Kämpfe daS Junkertum geführt hat, als 1794 Minister Struensee, um den Jtricg gegen Frankreich fortzusetzen, den Vorschlag wagte, die Rittergutsbesitzer aller Provinzen der förunbfteuer zu unterwerfen, wie ihm die Wortführer des Adels erwidert haben, trenn man jetzt die Rechte des Adels mit Füßen trete, so lasse sich der Umsturz aller anderen hergebrachten Rechte voraussehen. Als 1805 der Freiherr vom Stein das ländliche Gewerbe besteuern wollte, loandten ihm seine Räte ein, daß die Privilegien des Adels ungeheure Schwierigkeiten machen würden, und sie behielten Recht: die Stände mehrerer Provinzen widersprachen. Als Stein 1807 in Ostpreußen die Einkommensteuer durchsetzte, scholl ihm aus den Reihen des Adels die Rede entgegen: unmöglich könne für das platte Land derselbe Steuergrund- satz angenommen werden wie für die Städte, denn er fei die eigentliche Stütze des Staates. Als 1809 Minister Altenstein die Einkommensteuer auf den ganzen Staat erstrecken wollte, suchten die Adligen der Mark Brandenburg die Privilegien ihres Standes auch in die neue Steuer einzuführen. Als 1810 Hardenberg die Gewerbe befreit hatte, ertrotzte der Adel der gesamten Monarchie, daß die ihm lästigen Bestimmungen der neuen Ordnung zurückgenommen und seine Brau- und Brennprivilegien wiederhergestellt wurden.
„Es waren die Tage" — mit diesen Worten schließt der sonst so zurückhaltende Göttinger Gelehrte feinen interessanten Aufsatz — da der konservative Gebühr auf sein Preußen anwandte, was einige Jahrzehnte zuvor der Moderantift unrer den vorrevolutionären Reformern Frankreichs geurteilt hatte: „L’avarice de la noblesse se couvre du manteau de la vanite.u Lin Wort, das sich immer und immer wieder denjenigen aufgedrängt hat, welche offenen Auges die Entwicklung der Steuern, der direkten tote der indirekten, im modernen Preußen und Deutschland verfolgten. Sie müssen nur, um nicht ungerecht zu werden, da, wo Turgot von der Noblesse redete, „Agrariertum" oder „Bund der Landwirte" setzen." —
Ich tonnte ähnliche Preßäußerungen aus Universitätskreisen noch in großer Anzahl anführen, aber ich will mich mit der einen besonders charakteristischen vorläufig begnügen. Jedenfalls sind diese Vorgänge Zeichen der Zeit und gleichen förmlich einem „Referendum" unserer Nation. Tie Nation ist bisher noch niemals schlecht gefahren, wenn sie auf das unbestechliche und unbefangene Urteil angesehener Hochschullehrer mehr gegeben hat, als auf die hohlen Redereien der sogenannten „Volksvertreter.
SiimniimgsbUö aus öem preutz. AdgeorSueteuhaus.
Berlin, 26. April.
Für Herrn Holle wird einstiveilen kein Nachfolger gesucht, und die Herren, die in der Presse als Papabili für den Posten des preußischen Unterrichtsministers genannt wurden, werden sich noch für eine Weile, wenn nicht für die Dauer, gedulden müssen. Das war die in mehr als einem Betracht interessante politische Neuigkeit, die der erste Tag der zweiten Lesung des Kultusetats der Oesfentlichkeit bescherte. Herr v. Rhein- baben, der auf dem Platze des Er an ten Unterrichtsministers thronte und fich dem hohen Haufe mit verbindlicher Geberde als Inkarnation des regen Interesses der Königlichen Staatsregierung an den Verhandlungen rwrsteUte, erklärte rund heraus: Ein Mann, der sich auf einem schweren Posten zu schänden gearbeitet hat, kann beanspruchen, daß ihm nicht eher ein Nachfolger gegeben werde, ehe nicht sein Wiedereintritt ins Amt als zweifellose Unmöglichkeit erwiesen ist. Und so erheblich die Bedenken waren, die die liberalen Redner Eickhofs und D. Hacken berg angesichts brr Verwaisung gerade dieses Ministerpostens hegten, ;o erhob sich doch kein Widerspruch gegen diesen Appell des Finanzgewaltigen an die Noblesse des Hauses. Etatsreden von Bedeutung und politischem Interesse waren an diesem ersten Tage der Kultusdebatte allein die der beiden liberalen Sprecher. Beide traten mit gleicher Entschiedenheit für eine Loslösung der Unterrichts- von der K u l t n s v er w a l t u n g ein, und beide gingen in scharfen Worten mit der Regierung- ins Gericht wegen ihrer Haltung in dem bekannten Fall Mahling-Siüwns. Auch den Fall Bernhard, d.r s. Zt. in preußischen Hochschullehrerkreisen soviel aüaub aufgewirbelt hat, ließ Herr Eickhofs nicht >ang- und klanglos unter den Tisch fallen. Herr Hackeitberg erwies sich wieder einncal als kluger und klarblickender Beurteiler der Bedürfnisse unserer Volksschule. Als Schulpolituer wie als Pädagoge weit über das Durchschnittsmaß hinausgehend, wußte er das gesamte Haus zu fesseln, und nur der Rechten ward offensichtlich etwas unbehaglich zu Mute, als der Theologe Hackenberg gegen die geistliche Ortsschulaufsicht das schwere Geschütz logischer Bcioeis- füljrung auf fuhr, iNoch hitziger aber wurde der Widerspruch der Rechten, als der nationalliberale Geistliche die Zurücksetzung Simons' gegenüber dem Frankfurter Kömistorialrat Mahling unter die Lupe nahm und als wirksamen Trumpf die Mißbilligung der
Berufung Mahlings durch die Führer der Kirchlich-Positiven seines Wahlkreises ausspielie. Die Regiermtg suchte die Abwesenheit des Ministers dadurch wettzumachen, daß den Fragestellern aus dem Hause statt eines immer gleich zwei Regierungsvertreter Rede und Antwort standen. Aber wenn die Herren v. Chappuis und Schwartzkopff int großen und ganzen dabei nicht übel abschnitten, so war Herrn Wewers Verteidigung der Berufung Mahlings an die Friderico-Guilelma alles andere als eine Glanzleistung. Neben dem Polen v. Jazdzewski, der die Verwaisung der Posener Dorn- msel in bewegltchen Worten beklagte und mit einem ziemlich fragwürdigen Bescheide Dom Regierungstisäfe bedacht wurde, kam noch der Konservative Graf Clairon d'Haussonville zu Wort, der der Regierung in Sachen Mahling sekundierte und im übrigen rund und nett erklärte, in die Trennung der Unterrichts- von der Kültusverwaltung werde die Rechte niemals willigen.
Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen.
L. Gießen, 24. April.
Gegen Ludwig Schäfer III. Witwe und Ludwig Schäfer IV. zu Daubringen erließ das Großh. nreis- amt Gießen einen Polizeibefcyl, in dem diesen an [gegeben wurde, das von ihnen bewohnte Haus zu räumen und niederzulegen. Der Zustand des Hauses war von der Baubehörde als gefahrdrohend für den öffentlichen Verkehr und das Leben seiner Bewohner bezeichnet worden. Der Anwalt der Eigentümer wandle sich beschwerdeführend an den Pro- vinzial-Ausschuß. Dieser ließ zunächst durch eine Kommission Augenschein ait Ort und Stelle nehmen und erkannte dann heute dahin, daß der Beschwerde stattzugeben und der Polizeibesehl a u f z u h e b e n sei.
In der Sache: Dir Verpachtung der G e ut e i n d e j a g d zu Allendorf a. d. Lda., uver dir am 10. März d. I. verhandelt worden war, wurde Urteil dahin verründet, daß dem Rekurs der Gemeinde Allendorf a. d. Lda. gegen die Entscheidung des Kreisausschusses des Kreises Gießen Dom 17. Oktober 1008 stattzugeben, und unter Aufhebung der angefochtenen Entscheidung die Beschwerde des l'.^etzger- meisters Fr. Schreiner zu Gießen gegen den Beschluß des Gemeinderats zu Allendorf a. d. Lda. als unbegründet kostenfallig zu verwerfen sei.
Heber den Rekurs des Johann Sann zu Burgge- mün den gegen einen Polizeibefehl Großh. Kreisamls ecks- feld war bereits in der Sitzung des Provinzial-Ausschufses vom 5. Dezember o. I. verhandelt worden. Das lvroßh. Kreisamt Alsfeld hatte gegen oami einen Polizeibefehl erlassen, weil dieser ch. bem Dachraum eines Auvaues an sein Wohnhaus Heu und Stroh in größerer Menge lagere: Sann rekurrierte an den Provinzial-AuSschuß. Dieser beschloß zunächst weitere Ermittelungen a^zustellen, welche inzwischen erfolgt sind. In der heutigen Setzung wurde dem Rekurs stattgegeben und der Polizeibefehi aufgehoben.
Die Verhandlung über die Unterhaltung der Lahn an der Hessisch-Preußischer. Land.sgrenze bei Frie- delhausen wurde vertagt, weil VergieichIverhandtungen im Gange sind, deren Ergevnis adg^iv^etet werden soll.
Sersammiung des Bezirkes Gießen des hch-ich- Uaiiauischen Lerdandes Gadelrberger Ztenogwphen.
= Friede erg, 25. Aprck.
Tie Frühjahrs-Bezirksverfanuntung des Bezirks Gießen begann hmte ftuh mit einem Preiswett schreiben in den Mumen der Augustinerschule. Es beteiligten sich daran 139 2amen und Herren, die sich auf verschiedene Abteilungen in Bezug auf die Leistungsfähigkeit verteilten. Gegen Mittag wurde von dem Bezirksvor, itzeudc.i Pwf. Ür am er-Friedberg, un Hotel „Drei Schwerter" die Vertreter »erfaßt ml u n g eröffnet. Er machte die Mitteilung, daß der Bezirk fleißig gearbeitet und sich günstig entwickelt habe, besonders hob er die rührige Tätigkeit Ire Gießener Vereine hervor. Neu sind in Butzbach, Vilbel und Gwßen-Bufcck Vereine gegründet worden. Außer dem Verwaltungsbericht des Vezirksvorstetzers ergaben auch die Berichte der Vertreter des Vereins Gießen, der Gefell- fdjaft Gießen, des Namenvereins Gießen und der Vereüie Bad- Nauhnm, Jniedderg, Heuchelheim, Vilbel, Marburg, Grünberg, Schotten, Wetzlar, Großew-Lustck und Butzbach eine gesunde Entwicklung in Bezug auf Unterrichtsbetrieb und Mitgliederzunahme. Die nächste Aufgabe der Werbetätigkeit muß es in der kommenden Zeit bleiben, kleinere Orte wie Lech, Hungen und Nidda zu bearbeiten uttd vor allen: iwch mehr höhere Schulen zu gewinnen. Auch ein Begrüßungstelegramm des Vorsitzenden des Deutschen Stenographmbundes, Prof. Pfaff-Darmstadt, wünscht dem Bezirk und der stenographü'chen Sache einen weiteren günstigen Ausbau. Unter den auf der Tagesordnung stehend en Anträgen wurde der der Gesellschaft Gießen über Stiftung eines Wanderpreises besonders lebhaft erörtert. Der Verein Gießen wandle sich vor allem gegen die vorgeschlagene Berechnung der i'^uultzahl, die hauptsächlich kleineren Vereinen zugute kommen '^urde. Es wurde des^lb eine Kommission gewählt, die diesen Teil des Antrags erst noch näher beraten soll. Bec der Neuwahl des Bezirksvorstandes wird Friedberg icieber als Vorort mit Prof. Kramer als Leiter bestimntt; zu Obmännern des Wcttschreibo- ausschusses werden Letzter ülmg-Gießen und jlaufmann Kuhl- Gießen ernannt. Die Mahl dcs Ortes der Herbst-Vertreter- oersammlung siel auf Wetzlar. — Nach dem gemeinschaftlicifen Mittagessen und nach Beendigung der reichen Tagesordnung ver- fanrmelteu sich Kunstgenossen und Freunde sehr zahlreich zu dem Vortrag des 2. Veroaudsporsitzenden, Lehrer Müller-Offenbach, über „Wohin und woher auf stenographischem Gebiet". Die interessanten Ausführungen boten knete Anregung: Der allem! mochten sie mit dem Verlaus der Verhandlungen über die so sehr ersehnte E i n he i tsste no g r aph i e befamtt. Mit dem mit Befall auf genommenen Vom rag war der offizielle Teil der Versammlung beendet, und ein gemütliches Zusammensein mit Tanz und Konzert breit Teilnehmer und Gäste noch bis in die Abendstunden in fröhlicher Stimmung beieinander. Inzwischen wurde das Ergebnis des Preiswettschreibens veröffentlicht. Nach Gießen kamen folgende Preise: In der Abteilung sich 240 Silben: Karl Dächer (Verein einen ersten und Ehrenpreis; ISO Silben: Hans Roloff (Verein, einen ersten und Ehrenpreis, Louis Lenz,(Geieil;ckaft) einen ersten Preis; 160 Silben: ersten und Listenpreis Chr. Weller (Realghmn.), erste Preise Alex Karn- backi (Verein), Wilhelm Berger iGesellsch), W. Wolf (GesellsK.), Anur Meirich Verein): 1 4 0 S i l b c n: einen ersten und Etzren- prets Winstieda Mischer (Damenverein), erste Preise W. Nather (Verein), H. Wallenfels (Bereich, A. Leicht herein., K. Planck


