Ausgabe 
25.5.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 120

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expeditwn unb Verlag: 5L

Redaktiom^-^112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

DieStetzener Samilienlhtter werden dem »Anzeiger* viermal wachen lich beigelegt, daZ llreirblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen erscheinen monatlich zweimal.

Zweites Matt 150. Jahrgang Dienstag 35. Mai 1008

General-Anzeiger für Gberhesfen

Zur vanderolesteuer.

Dem so überaus kriegslustigen SchreiberZur Banderole­steuer" sei auf feinen letzten Artikel erwidert: Tic Attacke mutz doch wohl äußerst wirksam gewesen fein; denn sonst läßt sich 'bi-C Erbitterung nicht begreifen, die sie in dem Gegner aüsgclvst ^hat. EinRückzug" und dermagere Ausfall" bestehen sicherlich nur in der Einbildung des vermeintlich Angegriffenen. Für mich lag und liegt kein Grund vor, gegen die Auswüchse der Gehässigkeit weitere sachliche Ausführungen zu machen. Der Zweck, den mein erster Artikel erfüllen sollte, Aufklärung über das 'Wesen und die Handhabung der Banderolesteuer in engem Rahmen ;ju verbreiten und die Vorteile der Banderolesteuer gegenüber der Wertsteuer oder des Wertzolls hervorzuheben, ist hinlänglich er­füllt. Die Nachteile der Wertsteuer hat ja, wie in meinem ersten Artikel angedeutet worden ist, Abg. v. Elm in Nr. 113 desGieß. Anz." eingehend illustriert. Hierrrach würden bei deren Ein­führung die Hinterziehungen förmlich protegiert. Der Ehrliche würde dem mit einem weiten Gewissen und egoistischer Schlauheit Behafteten gegenüber sehr im Nachteile fein; und wie Steuerhinter­ziehungen und Uebervorteilung des Steuerfiskus auf das Gewissen »oirken, ist hinreichend bekannt. Es muß daher auch dem von Vor­urteilen nicht geblendetenNichtsachmann" ohne weiteres ein» leuchten, daß diese Art der Tabakbelastung den Fabrikanten selbst wenig dienlich erscheint,

Das sind Tatsachen, die sich mit Injurien und giftigen Pfeilen nicht beseitigen lassen.

Daß im allgemeinen Aufklärungen Manchem unbequem sind, namentlich solchen, deren Machen der Verschleierung benötigen, liegt nahe.

Für die freundliche Belehrung hinsichtlich der Vermehrung der Betriebsmittel und der ungünstigen Beeinflussung der Lohn­verhältnisse danke ich verbindlichst. Indessen muß eine Vermeh­rung der ersteren eintreten, welche Art von Belastung den Tabak auch treffen möge, und was die Bodenverhältnisse anlangt, so drängt sich mir die Empfindung auf:Die Botschaft höre ich, allein es fehlt der Glaube!" Eine Wirkung auf die Arbeiterver- hältnisse könnte sich nur fühlbar machen, wenn der Verbrauch zurückgeht oder auch wenn der Raucher zu geringeren Qualitäten greifen würde. Zu dieser Befürchtung liegt aber erfahrungsgemäß (man denke nur an den Zigarettenverbrauch vor und nach der Steuercinführung) ein Anlaß nicht vor. Ein Raucher laßt sich, abgesehen von vereinzelten Ausnahmen, weder von seiner ge­wohnten Qualität noch von der Menge etwas abgehen.

Ich glaube auch, daß die Banderolesteuer mehr von den Zwischenhändlern gefürchtet wird, als von den Fabrikanten, weil es den letzteren ernwglicht ist, den Zwischenhändlern etwas tiefer wie bisher in die Karten zu sehen. Hierbei möchte ich mir nicht versagen, ein paar Worte zu zitieren, die s. Z. ein hiesiger Zi­garrenfabrikant zum Ausdruck gebracht hat. Sie lauteten:Tic Zigarre, die der Zwischenhändler von mir zu 20 Mk. ersteht, verkauft er an die Detaillisten zu 33 Mk." Wenn bas wahr ist, und ich habe keinen Grund, an der Wahrheitsliebe des Sprechers zu zweifeln, so beweist es, daß die Tabakfabrikate vom Fabrikanten bis zum Raucher eine unverhältnismäßig hohe Preissteigerung erfahren und zwar so, daß der Raucher mehr wie das Doppelte des Fabrikpreises zu entrichten hat. Tas genügt!

Zum Schlüsse bemerke ich noch, daß für mich das Thema abgetan ist; denn nachdem der Gegner einen rein sachlich ge­haltenen Gegenstand auf persönliches Gebiet hinübergeleitet hat, verliert es den Wert für die Oeffentlichkeit.

Der Verfasser des ArtikelsEin paar Worte zur Banderolesteuer".

Ceffentliche Arbeitsnachweise für die Landwirtschaft oder gewerbsmäßige Ltellenoermittiung.

Seit Zähren bildet die landwirtschaftliche Arbeiter­frage eine der meisterörterten Ausgaben der Agrarpolitik. In den Berichten der landiv. Vertretuligen lehren die Klagen über den Arbeitermangel bald schwäck-er bald stärker von Fahr zu Jahr miet'er und die Erscheinungen, die man unter diesem Sammelnamen begreift, haben sich über den Rahmen örtlicher Mißstände hinaus zu Schäden in der Wirtschaft des Volkes ausgebildet. Die Form, in der die Arbeiterfrage bie meiste Aufmerksamkeit auf sich ge­zogen hat, ist der Mangel an larrdw. Arbeitern und dessen Ur­sachen, während die Frage nach den Arbeitsverfassungeir eine im großen ganzen nebensächliche Stellung eimlahm und die sozialen Verhältnisse meistens mehr oder minder unter dem Gesichtspunkte der Verhilldemng des ArLeiterwegzugeb betrachtet wurden. Die treibenden Kräfte des Bevölkerungsaoslusses vom Lande nach der Stadt und die sonstigen Ursachen der Arbeitemor sind im all­gemeinen heutzutage unschwer zu erkennen. Die Gründe des Arbeitermangels sind in den verschiedenen Gegenden aber wieder so verschiedenartig, wie es die Ärbeits- und Betriebsverbältnisse sind. Die Umbildung, die tue deutsche Landwirtschaft im 19. Jahr­hundert technisch und wirtschaftlich durchzumachen hatte, hat natur­gemäß auch das lairdw. Arbeitsverhältms erfaßt, wenn auch histo­risch betrachler, die Schwierigkeiten in der Ordnung der landw. Arbeitsverhältnisse nichts neues sind. Schon in früheren Jahr­hunderten ist davon zu lesen, indessen erst im 19. Jahrhundert beginnen die Mißhelllgteitrn im stärkeren Maße aufzutreten und bejonberd seit Anfang dec 90 er Jahre sind die Schwierigkeiten im ständigen Steigen begriffen, bis sie mit der letztvecgangenen inöuitriellen Hochkonjunktur, in der ja selbst in verschobenen Industriezweigen die Arbeitskräfte zeitweise hiapy wurden, ihren vorläufigen schärfsten Ausdruck gefunden hat. Während nun bie Industrie en und die größeren Städte seit einer Reihe von Jahren bemüht sind, durch Einrichtung von einseitigen Arbeitgeber-Nach­weisen oder von sozial-politstch bedeutsamen öffentlichen nci\- tätischcn Arbei srermittiungss.eilen üier Las zur Per üg nj s ehende Arbcitsmaterial einen Uebcrblüi zu gewinnen uno durch diese Einrichtungen weitgehende Sorge geuotfen wird, daß den Arbeit­gebern Arbeiter und den letzteren Arbeit zur Verfügung steht, hat die landw. Bevölkerung der öffentlichen Arbeitsvermittlung so gut wie kein Interesse geschenkt. Wohl haben die Mehrzahl der Landwirtschastülammern, unter dem Druck der Verhältnisse ge­zwungen, Arbeitsnachweise für ausländische und zwar in der Hauptsache für Saisonarbeiter eingerichtet, doch Die Vermittlung einheimischen Personals hat man fast vollständig ui der Hand der gewerbsmäßigen Stetlenvermittlcr ruhen lassen. Mit ven un­erträglichen 'Mängeln dieser gewerbs-naßigen Arbeitsvermittlung hat man sich gerade in der letzten Zeit wieder intensiv beschäftigt. Dabei war vorauszusehen, bu[> |id) allgemein^ die lleberzeugung befestigen werde, daß die wichtige Ausgabe der Ärbeitsoermittluuo weder Gegenstand dec Erwerbssucht, noch des politischen Paeler- kampses sein darf. Trotz dieser Üeberzmgung wird es aber vorerst sehr schwer sein, die gewerbsmäßige Vermittlung völlig zu ver- dräm !. Obgleich sie größtenteils unsozial, ost auch unmoralisch ist, b, herrscht sie doch noef) große Zweige der deutschen Arbeit, insbesondere die Landwirtschait nahezu vollständig. Dar Land­wirt wendet sich selbst dort, wo ihm andere Einrichturtgen zur Verfügung stehen, noch 'allzu ost an den gewerbsmäßigen Srelten-

üermittler, indem er eben der fDleinimg ist, bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen nicht fachmännisch genug bedient zu werden. Er gibt sich der Hoffnung hin, nur beim gewerbsmäßigen Stellen­vermittler einen landw. geschulten Knecht zu erhalten, der mit Egge und Pflug hantieren kann und bie Magd, die zu melken ver­steht und in der Milchwirtschaft genau bewandert ist. Jedoch darf er sich in den meisten Fällen überhaupt noch freuen, ein Gesindewesen ohne irgend welche Vorkenntnisse gegen verhältnis- nräßig hohe Gebühren zu erhalten. Nun hat ja leider der ge­meinnützige öffentliche Arbeitsnachweis auf dem flachen Lande noch wenig Ausbreitung gewonnen. Dies ist um so mehr zu be­dauern, da eine gute, sich auch sozial verantwortlich fühlende Ver­mittlung die Landflucht immerhin etwas eindämmen könnte und daneben wohlfeiler, wenn nicht kostenlos sein würde. Soll dieser unnatürliche Zustand beseitigt werden, daß in den kleinen Städten und auf dem Lande fortwährend Ai angel an Arbeitern ist, während die Großstädte gleichzeitig von Arbeitslosen überhäuft und über­strömt sind, so muß dahin gestrebt werden, daß der Arbeiter auch auf das flache Land und in die kleinen Städte geht, und daß eine Arbeitsnachweis-Organisation besteht, bei der das flache Land und die kleinen Städte nicht nebensächlich, sondern voll beachtet werden. Eine solche Institution äft 'm dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband geschaffen, dessen Ziel es ist, Überall in Verbindung mit den zuständigen Behörden und Jn- tereffentenbertretungen solche öffentliche Arbeitsnachweise ins Leben $u ff ufert. Die Vermittlung hat hier nicht nur vollständig kosten­los zu geschehen, sondern den vermittelten Arbeitern stehen auch besondere Fahrpreisermäßigungen zum Kilometersatze von 1,5 Pfg. auf den Staatsbahnen zu, um so billig clls möglich das Arbeits­personal zu beschaffen. Gelingt es mit der Zeit, hier tunlichst alle Gesuche von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu vereinen, von hier aus einen Ueberblick über die Arbeitsmarktlage zu ge­winnen, so würde es möglich sein, der Leutenot auf dem Lande Einhalt zu tun. Doch um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, daß nicht nur alle landw. Kreise diese Eütrichtungen im vollsten Umfange in Anspruch 'nehmen, sondern auch tatkräftig an dem weiteren Ausbau dieser Vermittlungsstellen Mitarbeiten, insonder­heit aber die gewerbsmäßige Stellenvermittlung in den Groß­städten nicht in Anspruch nehkken Denn für diese Art Ver­mittler gilt in den meisten Fällen das Geldmachen als Haupt­sache.^ Häufigen Stellenwechsel begrüßen sie schon deshalb, weil er für sie eine häufige Vermittlungsgebühr bedeutet. Und in welchem Maße gerade die gewerbsmäßigen Stellenvermittler in den Großstädten dazu beitragen, die Landarbeiter usw. oft unter den verschiedensten Anlockungen in die Stadt zu ziehen, das braucht hier wohl nicht des weiteren ausgeführt zu werden, zumal sie die Stellensuchenden lediglich als Ausbeutungsobjekt 'betrachten und es 'ihnen deshalb gleich ist, in welcher Weise sie ihren Vorteil ziehen, wenn dieser nur recht groß ist. Die Beseitigung der ge­werbsmäßigen Vermittlung muß das Ziel aller Bestrebungen, insonderheit auch für die Landwirtschaft, sein. Sie ist zu ersetzen durch 'den gemeinnützigen öffentlichen Arbeitsnachweis, der den Bedürfnissen des flachen Landes und der ft einen Städte vollauf Rechnung trägt, und hier mitzuarbeiten, ist sicher eine der vor­nehmsten Aufgaben aller, denen das Wohl und Wehe der Land­wirtschaft am Herzen liegt. In unserer Gegend sind öffentliche Arbeitsnachweisstellen u. a. eingerichtet in Gießen, Neu-Ulrichstein u. Friedberg. Die Vermittlung erfolgt vollständig kostenfrei und im Falle Arbeitskräfte am Orte selbst nicht vorhanden sind, werden diese telephonisch von den nächstgelegenen größeren Arbeits-Ver­mittlungsstellen nach Kräften beschafft, ohne daß auch hieraus den Arbeitgebern, wie Arbeitnehmern irgend welche Kosten außer Vergütung der Eiscnbahnfahrt entstehen. Dringend zu wünschen ist nur, daß auch ein weitgehender Gebrauch von dieser Einrichtung gemacht wird, so daß der öffentliche Nachweis, dessen Vermittlung^ tätigfeit sich auf landwirtschaftliches Personal, wie Knechte, Mägde, Tagelöhner, wie auch Handwerker und sonstige Arbeiter erstreckt, auch den Arbeitsmarkt vollständig beherrscht.

Aus und Land.

Gießen, 25. Mai 1909.

^Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Stan­desbeamten Kaspar Schneider zu Fischbach das Allge- meine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Ernennung. Ter Großh. Tenkmalpfleger für die Altertümer, Prof. Dr. A n t h e s , ist zum ordentlichen Mitglied des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin ernannt worden.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Offi­zier e, F ä h n r i ch e. Zum Oberlt. befördert: Lt. L o e b e r rm Jnf.-Regt.Prinz Earl" 14. Großh. Hess.) Nr. 118. Den Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt: dem Lt. Heimann im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117; zugleich bei den Res.-Offizieren des Regts. angestellt. Im Sanitätskorps. Zum Oberarzt be- ördert: Assist-Arzt Zur buch beim Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115. Versetzt: Oberarzt Dr. Todt beim Kadettenhause in Plön, zum Jnf.-Regt. Kaiser Wil­helm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. Im Beurlaubten-, ran de. Befördert: zu Oberärzten der Assist.-iArzt der Res. Dr. Schmitt (Darmstadt); der Assist-Arzt der Landw. 1. Aufgebots Dr. L a s p e v r e s (Gießen). Der A b s ch i e d bewilligt: dem Stabsarzt der Reserve Dr. H e n s a y (Mainz), dem Stabsarzt der Landw. 1. Aufgebots Dr. R e b e l (Fried­berg). Beamteder Militär-Verwaltung. M a t t h a e u s (Gießen) Unterapotheker des Benrläubtenftandes, zum Ober­apotheker befördert.

** Wichtig für Handwerker. Die im Laufe der letzten Zeit unter Zuziehung der Handwertskammer und der Vertreter der einzelnen Handwerkszweige revidierten Preisverzeichnisse jur die staatlichen Unter» Haltungsarbeiten sind nunmehr fertiggestellt und von der Ministerialabteilung für Bauwesen anerkannt wor­den. Sie treten mit Wir lang vom 1. Llpril 1909 in Kraft. Die Feststellung der sämtlichen Verzeichnisse für das ganze Land war eine überaus umfangreiche Arbeit und es ist sehr anzuerkennen, daß das hessische Ministerium sich ihr im In­teresse der Handwerksmeister wiederholt unterzog.

** Zur Errichtung eines Zuchtviehmarktes : ür Oberhesse n wird uns von zuständiger Seite ge- schrieben: In verschiedenen oberhessftchen Zeitungen für» Berte eine Mitteilung, daß dem Landlvirtichaftstammer- Ausschuß für Oberheoen vom Ministerium das Verdiktrecht für alle Zuchtvtehntarnte verliehen worden und die Einrra)- tnng eines großen Zentral-Zuchtviehmarktes in Gießen in Aussicht genommen ]ci. Demgegenüber sei festgestellt, daß dem Landwirrfchaflstamtrter-Ausschuß bio jetzt weder dieses Recht verliehen wurde, noch bei ihm die Absicht besteht, einen Zentral-Zuchtviehmarkt in Gießen abzuhalteru

Fleischbeschau in Hessen. Im ersten Viertel­jahre 1909 stellte sich die Zahl der Schlachttiere, die in Hessen der Fleischbeschau unterzogen wurden, wie folgt: Pferde und andere Einhufer 527 (gegen 689 im letzten Vierteljahr 1908). Ochsen 4675 (5045), Bullen 382 (485), Kühe 10 954 (10 938), Kälber 18 789 (19 316), Schweine 78 714 (96 790), Schafe 3597 (6393), Ziegen 9243 (6507). Hundeschlachtungen sind in der Statistik für das Großherzogtum Hessen nicht ver­zeichnet; im Königreich Sachsen dagegen wurden 1599 (1412) Hunde der Fleischbeschau unterworfen.

** Verscheu. cht. Ein Wächter der Wach- und Schließ- gesellschaft traf in*verflossener Nacht in einem Hausgarten der Ludwigstraße zwei junge Burschen, die alsbald die Flucht ergriffen. Jedenfalls war ein Einbruchsdiebstahl geplant.

** Herrenloses Fahrrad. Jn der Weftanlage wurde gestern abettd von einem Schutzmann ein Herren-, loses Fahrrad aufgefunben. Das Rad ist jedenfalls gestohlen und kann sich der Eigentümer auf dem Polizeiamt melden. Es ist einPanther"-Rad mit der Fabrik-Nr. 35 259.

k. Watzenborn, 25. Mai. Gestern wurde unser Ort durch zwei schwere Unglücksfälle heimgesucht. Bei den WasierleitungSarbeiten wurde ein 27 Jahre alter ita­lienischer Arbeiter durch einstürzende Erdmasscn erdrückt, so daß der sofortige Tod eintrat. Der Bedauernswerte hinter­läßt eine Frau mit einem Kinde. Fast gleichzeitig kam, wie gestern schon unter Gießen berichtet wurde, ein erst 17 Jahre alter Arbeiter dadurch umS Leben, daß er von einem Eisenbahnwagen gegen eine Rampe gedrückt wurde. Der Verunglückte erfreute sich hier deS besten RufeS.

- th. Großen-Linden, 24. Mai. In dem nach dem Bahnhof zu gelegenen neuen Stadtteil werden in diesem Jahre wieder acht neue Wohnhäuser erbaut. Ein Projekt, am Walde an der Straße zwischen Klein-Linden und unserem Ort einen Neubau für RestaurationSzwecke (Sommer­lokal) zu errichten, ist vom KreiSauSschuß abgelehnt worden und gelangt demnächst am ProoinzialauSschuß zur Ent­scheidung.

- --- Steinbach, 25. Mai. Mittwoch, den 26. Mai, feiert unser in allen Kreisen der Bevölkerung sehr ge­schätzter und beliebter Bürgermeister, Herr Heinrich Krämer VII., fein 25jähriges Jubiläum als Ortsober­haupt. Er hat sich in dieser langen Zeit sehr verdient um die Gemeinde gemacht, die Wasserleitung und die Feldbe­reinigung sind während feiner Amtszeit und durch seine tat­kräftige Mitarbeit entstanden und als Vorsitzender des Eisen­bahnkomitees GießenSteinbachLaubach bemüht er sich neuerdings um die Erlangung einer direkten Bahnverbin­dung mit der Provinzialhauptstadt. Das Jubiläumsfest unseres Bürgermeisters wird zu einem Freudentag für btc ganze Gemeinde werden, unb alle Vereine und alle Ein- lvohner werden sich an der Feier beteiligen.

- - Oppenrod, 24. Mai. Am 3. Pfingsttage nach­mittags wird auf dem freien Platze vor unserer Ktrche ein M i s s io n s f e ft abgehalten werden. Als Festprediger wer­den auftreten Pfarrer Vümel zu Rodhelm a. d. Bieber und Missionar Maacke-Hermannsburg. Es sind vier Jahre verfwssen, seitdem das letzte Mifswnsfeft hier ftatU gefunden hat.

Alsfeld, 24. Mai. Tie 83 Gemeinden unseres Kreises erheben (ohne die Stadl Alsfeld) zusammen 509 200 Mk. Gemeinde- Umlagen oder durchschiülllich 143,08 Proz. Zuschlag zu den doppelten Grundzahlen und den ganzen Emkominensteuerbetragen. In der glücklichen Lage, gar keine Einkommensteuer erheben zu nüiffen, ist die Gemeinde Fischbach. Tagegen erhebt Ilsdorf 252,95 Proz. ( 4200 Alk.). Es folgen der pohe des Zuschlags nach Hambach mit 220,948 Proz. (5900 Alk.), Höingen 217,233 Proz. (1550 Mk.), Flensnugen 216,832 Proz. (8000 Mk.), Ohmes 214,125 Proz. (5700 Mk.), Deckenbach 211,503 Proz. (7200 Mk.), Lockenrode 207,129 Proz. (4800 Alk.), Ruhlkirchen 201,473 Proz. (8400 Mk.), Seibelsdon 199,631 Proz. (5200 Mk.), Udenhausen 185,403 Proz. (4100 Dannenrod 184,060 Proz. (oOOO <Dif.) Wensaasen 174,972 Proz. (2500 Alk.), Elpenrod 174,175 Proz. (7500 Vtk.), Ober-Ofleiden 173,977 Proz. (7000 Mk.), Hörgersdorf 172,159 Proz. (4200 Alk.), yaarhausen 139,930 Proz. (4200 Mk.) Burg-Gemünden 169,491 Proz. (9000 Mk.), Heidelbach 166,505 Proz. (5500 Mk.), Rainrod 165,094 Proz. (7000 Ml.), Merlau 164,752 Proz. (7200 Mk.), Ober-Breidenbach 164,509 Proz. (10 000 Mik.), Büßsetd 164,491 Proz. (4600 Alk.), Gontershausen 164,081 Proz. (3300 Mk.), Brauerschwend 164,003 Proz. (9400 Pik.) Heimertshausen 162,556 Proz. (7000 '!)(£.), Bernsburg 160,655 Proz. (5300 Mk.), Unter-Sorg 157,453 Proz. (2250 Mk.-, Maulback) 157,246 Proz. (7400 Mk.), Elia 154,824 Proz. (8600 Mk.), Ober- Sorg 153,694 Proz. (2800 Mk.), Rieder-Gemünden 152,424 Proz. 11000 Mk.), Ermenrod 151,773 Proz. (5000 'Dir.), Strebcudorf 151,528 Proz. (5300 Mk.), Appenrod 150,103 Proz. (6300 Mk.), Erbenhausen 149,836 Proz. (5600 Mk.), Slorndorf 148,596 Proz. (8600 Aik ), Leusel 147,919 Proz. (11 500 Pik.), Atzeuham 147,757 Proz. (7000 Mk.), Elbenrod 147,102 Proz. (4500 Mk.), üeilbach 146,809 Proz. (3500 Mk.), Blllertshausen 145,727 Proz. (61Öu Mk.), Arnshain 144,985 Proz. (8000 Mk.), bestrich 14-1,556 Proz. (5350 Mk.), Bleidenrod 142,163 Proz. (4800 Mk.), Nieder-Breidenoach 139,437 Proz. (3500 Aik.), Gleimenheim 136,129 Proz. (8200 Mk.), Hopf­garten 135,940 Proz. (5000 Mk.), Ehringshausen 135,799 Proz. (9200 Mk.), Reibertenrod 135,731 Proz. (4000 Pik.), Badenrod 132,945 Proz. (5700 Mk.), Münch-Leusel 132,714 Proz. (2600 Mik.) Schwabenrod 131,644 Proz. (4500 Mk.), Groß-Felda 130,827 Proz (16 000 Mk.), Angenrod 180,544 Proz. (7600 Aik.), Grebenal: 130,363 Proz. (8000 'SIL), Eudorf 130,251 Proz. (7100 Mk.), Sell 130116 Proz. (14 000 Mk.), Schwarz 129,502 Proz. (5900 Mk.), Romrod 127,427 Proz. (12 600 Pik.), Ober-Gleen 125,572 Proz. (l l 000 Mr) Otterbach 124,867 Proz. (13u0 Mk.), Lehrbach 124,311 Pro'-u (8600 Aik.), Llederbach 122,0-19 Proz. (470o Mk.), Schadenbach 121,243 Proz. (8300 Mk.), Homberg 121,204 Proz. (24 000 Mk) Rleder-Ofleiden 118,22 Proz. (8300 Mk.), Ober-Ohmen 108,469 ProV (6o00 Aik.), Kirschgarlen 107,875 Proz. (600 Mk..>, Ruder-Ohmen 107,611 Proz. (14 200 Mk.), Renzendorf 107,533 Proz. (1900 Dif) 'Öleben 106,213 Proz. (2200 Mk), Altenburg 104,978 Proz (10 000 Aik.), Wahlen 103,418 Proz. (5600 Pik.), Bernsfelü 101,737 Proz. (5000 Mk.), Rülfenrod 101,670 Proz. (8000 Mk.), Wallers- borf 97,132 Proz. (2100 Mk.), Rennenrod 93,876 Proz. (1300 Mk) x86'218 Proz. (1200 Mk.), Ruppertenrod 83,591 Pro ' S, Alk.), Lehnheim 80,415 Proz. (2250 Mk.), Windhausen 72,134 Proz. (4000 Mk.) und Kirtorf 59,317 Proz. (7000 Mk.).

o Echzell, 23.SJlai. Das weithin bekannte Knaben« Institut des Präzeptors Julius Lueius im ehe- mailgcn landgräfltchen Jagdschloß bei Blngenhen»! begeht in diesem Jahre sein hundertjähriges Bestehen. Das Institut wurde 1809 von dem Großvater des jetzigen Leiters,