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22.3.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 68

Zweites Blatt

Montag ÄS. März 1909

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

159. Jahrgang

DieStehener ZamilienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegl, das Kreisblau für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühllch« Unioersitats - Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e®5L Rcdaktiou:^dH2- Tel.-Adr.: AnzeigerDießen»

Die Weisheit der Mächte.

Die heutigen Meldungen über die Balkankrisis lauten friedlicher als in den Tagen vorher. Serbien scheint neuerdings größeres Vertrauen zurWeisheit der Mächte" gefaßt zu haben als zur Weisheit der Kanonen. Die Spannung, mit der man in Belgrader Regierungskreisen die bevorstehende österreichisch ungarische Rote erwartete, hat infolge zahlreicher Meldungen aus­wärtiger Blätter über eine demnächstige freundschaftliche Bor­stellung der (Großmächte in Belgrad fast vollkommen nachgelassen. Alle Besorgnisse vor einem direkten energischen Schritt Oesterreich- Ungarns sind gewichen und an ihre Stelle ist eine große Zu­versicht in das vermittelnde Eingreifen der Mächte getreten. 9hm fühlt man in Belgrad wieder sicheren Boden unter den Füßen. Serbien habe wiederholt erklärt, es stände auch heute imerschütterlich auf der Basis, daß nur die Großmächte gemeinsam kompetent in der Annexionsfrage seien. Es sei also nattirlich, daß sich Serbien einem solchen Beschlüsse ohne Reserve fügen werde, denn Serbien zweifelt nicht daran, daß eine europäische Konferenz nur eine Lösung der bosnischen Frage treffen werde, die einerseits der Gerechttgkeit volle Rechnung trägt, anderseits aber eine solche neue Lage in Europa schaffst, die nicht nur für den Augenblick, sondern für geraume Zeit den europäischen Frieden sichert. Eine durch Gewalt erpreßte Erklärung Serbiens hätte weder für Oesterreich-Ungarn, noch für Europa praktischen Wert. ES lpandelt sich nicht nm geschickte Vogelsttaußpokitik, sondern um eine gründliche Beseittgung jener Gefahr, die den europäischen Frieden ständig bedrohen würde. Eine solche Gefahr bestände darin, daß man die bosnische Frage ohne Berücksichtigung vitaler In­teressen des serbischen Volkes zu lösen suche. Serbien habe un- enttuegt das größte Vertrauen in die Weisheit der Mächte, denen itidft nur das Verdienst, sondern auch die Verantwortung für die neuzuschaffende Lage zufallen werde. Da auch Serbien von ehr­licher, aufrichtiger Friedensliebe durchdrungen sei, werde es alle Ratschläge, die sich mit der Würde eines selbständigen Staates vertragen, rückhaltslos befolgen in der lieber Beugung, daß die Großmächte vor Erteilung solcher Ratschläge ein Einvernehmen über die Lösung der bosnischen Frage erzielt haben. Durch ein solches Ä3erhalten werde für Serbien auch die letzte Notnwndig- feit hinfällig, wegen der bosnischen Frage mit Oesterreich-Ungarn in irgendwelche direkte ^lnseincrndersetzungen treten zu müssen, wodurch wieder die größte Gefahr für die Störung be£ Friedens beseitigt werde.

Der Stimmungswechsel in Belgrad scheint auf Rußlands zwie- sfällige Halttmg zurückzuführen zu sein. In einem unter dem Vorsitz des König Peter abgehaltenen dreistündigen Kronrat kam es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Minister des Aeußern, Dr. Milowanowitsch und dem Bauten- Minister Paschitsch. Die Debatte drehte sich um das Verhalten Rußlands, das sich jetzt anschicke, an der Demarche der Groß­mächte teilzunehmen und Serbien zur Entsagung seiner Ansprüche ans Bosnien n. die Herzegowina zu bewegen. Diese Stellungnahme Rußlands kommt der serbischen Regierung sehr ungelegen, tveil man ans Rußland alle Hoffnungen gesetzt hat und Paschitsch der­jenige war, der nach seiner Rückkehr aus Petersburg die unbedingte Unterstützung Rußlands als den guten Erfolg feiner Mission ge­rühmt habe, so daß sich auf Paschitschs Erklärungen Serbiens bis zur Stunde verfolgte Politil aufbaute. Milowanowitsch wars denu auch Paschitsch vor, er scheine seine Ausgabe nicht so gut erfüllt zu haben, wie er es glaube» gemacht habe. Dieser Meinung schloß sich auch der Kultusminister Stoianowitsch, der Führer der Inngradikalen an, während Finanzminister Protitsch die Partei des angegriffenen Paschitsch annahm. Merkwürdigerweise wird aber im Auswärtigen Amte zu St. Petersburg erklärt, daß Ruß­land offiziell Serbien niemals einen 2lbrüstnngsvorschlag erteilt habe, da Serbien eilt unabhängiger Staat sei. Möglicherweise babert andere Mächte Serbien inoffiziell dazu geraten. Rußland habe Serbien nur den Rat erteilt, von politischen sowie territorialen Kompensationen abzusehen, sowie das Verlangen nach einer Auto­nomie für die annektierten Provinzen fallen zu lassen. Was be­deutet das? Diese Erklärung wird nur neue Erregung schassen und die serbische Kriegs Partei vielleicht zu irgend welchen Un­besonnenheiten verführen. Rach «angeblich ans bestunterrichteter Quelle stammende» Privatmeldnngen besteht in Belgrad eine Orfiziersver schwörung, di c den Zweck hat, im Falle der Nachgiebigkeit der serbischen Regie­rung de» König lPeter zu entthronen und den Kronprinzen Georg zum König aus zu rufen, d e r dann geswungen werden soll, den Krieg gegen O c ft c r r e i ch zu eröf f n c n.

Auf Wunsch der Mächte Ijat O e st e r rei ch - U » g a r n in­zwischen die Absendung der neuen Note an Serbien verschoben. Wie dieAgeneia Stesani" ans London erfährt, findet zwischen den Mächten ei» Meinungsaustausch darüber statt, in welcher Form der neue Schritt in Belgrad geschehen solle, durch den Serbien für die Abrüstung und die Wiederausnachne der wirt- schastlichen Verl-andlungen mit Oesterreich-Ungarn gewonnen werden soll. \

Die Ablehnung der Gas- und Llettrizitätssteuer.

In der Samstags-Sitzung der Finanz-Kommission gab zu­nächst der Referent den Hauptinhalt der zahlreichen Petitionen wieder und hob aus ihnen all die schweren sachlichen Bedenken her­vor, die gegen die Steuer spreche». Er identifizierte sich als Mit­glied der Zentrumspartei mit diesen Auslegungen und erklärte, daß feine Ts-rcunbi' Gegner der Steuer wären: cs sei denn, daß sich vielleicht eine Soirderbesteuerung der Installationskörper ermöglichen ließe. .Hieraus erklärte ein Vertreter der frei konser­vativen Partei die Zustimmung seiner fyreunbe zur Vorlage. Die Städte, die selbst große Summen durch Elektrizität und Gas ver­einnahmte», hätten kein Recht, dem Reich zu mißgönnen, wenn es auch seinen Anteil an diesem Gewinn haben wolle. Ter Schatzsekretär betonte gegenüber den vorgetragenen Bedenken der Interessenten, daß die Steuer doch wohl auf die ftonfumenten sich abwälzen ließe. Er könne in der Vorlage keine Hemmung des technischen Fortschrittes erblicken. Die Städte würden in der Lage sein, durch ihre LichteinnalMen, die steigende Tendenz hätten, etwaige Ausfälle zu decken. Hauptsache sei ihm die finanzielle Seite der Vorlage, die wie keine andere eine dauernde ^>tci- gening der Einnahme verbürge.

Hierauf legte ein Vertreter bet Freisinnigen die Bedenken dar, die seine Freunde aus wirtschaftlichen, allgemeinen und aus kom- munalsinanzieNen Gründen gegen die Vorlage batten. Für die Nationalliberalen gab 9lbg. Fuhrmann die kurze Erklärung ab, daß feine Freunde aus prinzipiellen und fachlichen Gründen die Vorlage einstimmig ablehnten. Sie feien gegen die geplante Steuer, einmal weil sie gegen die Besteuerung eines itod) dazu einseitig ausgesuchten ProduktionsMittels wären: sodann, weil die Vor­lage eine Belastung der Städte, zumal der kleineren Kommunen bedeute, ferner, weil die Steuer der seit langer Zeit von der Partei und der Mehrheit des Reichstags getriebenen konsequenten Mittelstands Politik nnderspräche und eine schwere Belastung des gewerblichen Mittelstandes bedeute. Nicht zu unter - idxi&en seien auch die Bedenken vom t a n dlv irtschaft - lichen Standpunkt aus, da bei der zunehmenden Einbür­gerung des elektrischen Stroincs in den landwirtschaftlichen *$.e t rieb en, die sich heute in dem Bau zahlreicher IlcbcrlandzcTtttalen äußere, nicht angängig sei, diese segensreiche Entwicklung durchs fine Besteuerung zu störest. 1

Um der in den Kreisen der beteiligten Industrien betrieben-' den starken Beunruhigung möglichst bald ein Ende zu machen, leantragte Abg. Fuhrmann, der ganzen Vorlage heute definitiv ein Ende zu bereiten. Seinen Ausführungen, daß nach dem ein­mütigen Urteil der Industrie die Vorlage so viele Widersprüche enthielte, daß sie anscltzüuenö nicht mit der nötigen Sorgfalt ausgearbeitet sei, wie sie ein so schwerer Eingriff i» das wirt­schaftliche Leben voraussetzen müsse, entgegnete der Schatzstkretär, daß er gegen diese Behauptung, die den sachverständigen Schöpfer der Vorlage stark treffe, Verwahrung einlegen müsse.

Ein Vertreter der konservativen erklärte, daß seine Freunde geteilter Meinung über die Vorlage wären. Ein Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigung leimte die Vorlage ab, ebenso der Sprecher der Sozialdemokratie, der in Uebereinftimmuug mit dem Antrag Fuhrmann bat, die Vorlage sofort grundsätzlich und end­gültig abzulehnen.

In der Abfttmmung wurde diese sodann in allen ihren Teilen gegen bic Stimmen der Frei konservativen und die .Hälfte der Konservativen dem Einträge Fuhrmann gemäß endgültig ab gelehnt. Es kommt somit zu'keiner zweiten Lesung__________________________________________

Stimmungsbild au; dem preutz. Landtage.

Berlin, 19. März.

Mit einer umfangreichen Programmrede leitete Herr v. Breitend ach den zweiten Tag der Beratung seines Etats ein. Mit einem heiteren, einem nassen Auge vernahm man auf der Linken aus dem Munde des Mi­nisters, daß er znmr für eine Erhöhung der Eisen­bahn tarife, wie sie die Rechte neuerdings fordert, nicht zu haben sei, daß er aber anderseits bei der Prüfung von TariserMäßigungenallergrößte Vorsicht" üben wolle. Auch die Stellungnahme des Ministers zur Frage der Einführung des elektrischen Betriebs auf den Staatsbahnen war nicht Fisch noch Fleisch: Zwar kündigte er die Elektrisierung des Betriebes sowohl für den Personen- wie für den Güterver­kehr auf der Strecke Magdeburg-Leipzig an, aber er hält die bisherigen Erfahrungen mit dem elektrischen Betrieb noch nicht für hinreichend, um seiner allgemeineren Einführung näher zu treten. Und auch von der Zulassung elektrischer K o n kur r e n z l i n i e n zu den Staats­bahnlinien will er nichts wissen. Speisewagenzu­schläge für Reisende dritter Klasse lehnte Herr v. Breitenbach zwar ab, aber nur, weil sie diesen Reisenden ein Recht geben würden, noch länger im Speisewagen sich aufzuhaltem Wenig glücklich war der Mi­nister auch in der Beweisführung, daß jetzt zwischen Eisen­bahnjuristen und Eisenbahntechnikern einausgezeichnetes Verhältnis" herrsche und die Bevorzugung der Juristen eine abgetane Sache sei. Das Loblied auf die Eisenbahnjuristen, die der Minister in den höchsten Tönen pries, mag nicht nliberechtigt sein, aber es schafft doch die Tatsache nicht aus der Welt, daß die Technikerklagen über Zurücksetzung gegen­über den Juristen nicht aufhören wollen. Der Volksparteiler Gyßling nahm denn auch, nachdem der Konservative von Q u a st dem Hause sein Steckenpferd, die Beseitigung der un­entgeltlichen Beförderung der Postsachen durch die Bahn, vorgeritten, Speisewageit dritter Klasse verlangt und die Ermäßigung der Gütertarife bekämpft hatte, Gelegenheit, die Halbheiten der Auffassung d.es Ministers gründlich zu beleuchten. Mit Nachdruck hob er die Notwendigkeit des elektrischen Betriebes hervor, sarkastisch geißelte er den Kastcustaitdpuntt, der die Verbannung der Reisenden dritter Güte aus den Speisewagen fordert, und mit dem gebotenen Ernst wies er darauf hin, daß die Klagen der Eisenbahn­techniker trotz der beschwichtigenden Erklärung des Ministers leider immer noch und nicht ohne Grund laut würden. Wie er, so wandten sich auch Dr. Pachnicke von der Frei­sinnigen Vereinigung und der Nativnalliberale Hirsch- Essen entschieden gegen die Tarifverschlechterungstendenzen der Rechten und gegen die Ausdehnung der Fahrkarten­steuer auf die vierte Klasse. Der Nationalliberale besonders betonte den Charakter der Eisenbahnen als eines Verkehrs-, nicht als eines Plusmachereiinstituts, und hielt der Rechten warnend vor Augen, daß bei der Abschaffung der Taris- ermäßigungen zuerst die landwirtschaftlichen Ausnahme­tarife "baran glauben müßten. Einer weitverbreiteten M e n s ch e n k l a s s e, der Raucher, nahm sich, wie im vorigen Jahre der humorvolle Nationalliberale Hackenberg, £>crr Strosser von beit Konservativen an: Er entlud ein vollgerüttelt und geschüttelt Maß ehrlichen Raucher- zorns über die rigorosen Bestimmungen wegen des Rau­chens auf der Bahn, insbesondere in den Speisewagen, und er wies halb im Scherz, halb im Ernst darauf hin, wie die Sanierung der Reichsfinanzen pom Eisenbahnminister be­einträchtigt werde, wenn er die Raucher am Nikotingenuß, dem tabakssteuerpflichtigen, hindere. Ter Hinweis wirkte: Herr v. Breitenbach beeilte sich, zu erklären, wenn der Reichsschatzsekretär von ihm im Interesse der Reichsfinanzen die Erleichterung des Rauchens auf der Eisenbahn fordere, so werde er fein Unmensch fein. Das heißt, aus dem parla­mentarischen Scherzwort ins Ernsthafte übertragen, daß der Minister jetzt endlich zum Entgegenkommen bereit ist. Zu Ende kam man auch heute nicht, Samstag mittag geht die Debatte weiter.

Im Automobiltempo hatte inzwischen das Herren­haus sein Tagespensnin erledigt. In einer knappen Stunde waren über ein Dutzend Vorlagen ohne Debatte verabschiedet, und nur eine weidmännische Freveltat des Herrn v. Klitzing führte zu einer Erörterung Herr v. Klitzing hat eine Rehkitz zur Strecke gebracht, es dann als Ricke frisiert und verkauft. Aber die Zähne des erlegten Wild­brets wurden zum Verräter, und der Amtsvorsteher von Vietz rief den Kadi zwecks Sühne des Frevels an. Das Haus gab dazu seine Zustimmung; dann vertagte es sich auf unbestimmte Zeit mit der Maßgabe, daß vor dem 30. März jedenfalls keine Sitzung stattfindet.

politische Tagesschau.

Der Poststreik in Frankreich.

Die Lage war noch gestern im großen ganzen unver­ändert, doch erwartet man, daß die Streikenden heute die Arbeit wieder aufnehmen werden. Minister Barthou empfing gestern nachmittag eine Mordnung des Arbeiter­syndikats, welche die Verantwortlichkeit für das Durch­schneiden von Telegraphendrähten ablehnte und dem Mi- | n-ift&r vcrjickMLc, dach dE Arbeit allgemLut wieder, cktch-

geuonimen werben würbe, wenn Unterstaatssekretär S i- m h a n seine n A b s ch i c b u e h m c n und kein Beamter oder Arbeiter wegen des Ausstandes oder des damit zu­sammenhängenden Verhältnisses entlassen oder bestraft werben würde. Der Minister erklärte darauf, die Regie­rung könne über die Demission eines ihrer Mitglieder nur vor dem Parlament verhandeln; bisher sei keine definitive Entlassung erfolgt. Das gesamte Personal müßte aber bis spätestens Dienstag früh die Arbeit wieder ausgenommen haben. Alsdann werde die Regierung, die allen Beamten wohlwollend gegenüberstehe, bereit Vertreter empfangen. Der Minister schloß mit einem Appell an den republikan. unb patriotischen Sinn des Syndikats um der für das allgemeine Wohl so schädlichen Krisis ein Ende zu machen. Bemerkenswerterweife haben bic englischen Postb e -' amten an ihre französischen Kollegen ein Telegramm ge­sandt, darin sie ihnen G e ld un t er stü tz u n ge n in Aus­sicht stellen. Sie erklären ferner, eine Subskription zu ihren Gunsten einzuleiten. In den meisten englischen Städten werden Propagandaversammlungen abgehalten.

Deutsches Ueich.

Der Kaiser bat auch am SamSiag, wie an den Tagen zu­vor, den Reichskanzler besucht. Samstag vormittag empfing der Kaiser in Gegenwart deö Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes von Schoen den S o n d e r g e s a n b t c u wer Republik Venezuela D r. Paul. Nach beendeter Audienz wurde Dr. Paul, der deu'P r ä s i d e n t e n w e ch s e l in Venezuela noti­fizierte, vom Monarchen durch die Verleihung des Kroneu- ordens erster Klasse ausgezeichnet.

Tie Herzog!. G e u e r a l h o s i n t e n d a n t u r in B r a u n» schweig teilt auf eine Anfrage derBraunschweigischen Neuesten Nachrichten" mit, daß die Meldungen über einen bevor- stehenden Besuch des Prinzen E r n st A u g u st von Braunschweig-Lüneburg zu den am 1. April staltsindenden Regi­mentsjubiläen u n b c q v u ndet seien.

Eine Ersatzsteuer. Wie von informierter Seite ver­lautet, trägt sich die Rcichsregierung mit der Absicht, als Ersatz für die abgelehnte Inscratensteuer und die etwa noch fallenden andern Steuervorlagen den Entwurf einer 3 0 proz. Wert- z u w a ch s ft e u c r einzubringen.

Englischer Besuch. Zn Ostern wird eine aus 50 Ver­tretern englischer Munizipalitäten bestellende Abordnung^Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Wiesbaden zum Studium des Städte­baus besuchen.

Die B u d g e t k o m in i s s i o n des Reichstags setzte am Samstag die Beratung des Marineetats fort. Ihr ging: ein Schreiben des Reichskanzlers zu, in dem er mitteilt, daß er zurzeit nicht in der Lage sei, der Budgetkrinniission persönlich die gewünschte Auskunft über die deutsch-englische Flottenbau­verständigungsfrage zu geben, jedoch soll der Staatssekretär des Auswärtigen z» einer entsprechenden Erklärung ermächtigt werden soweit dies im Interesse des Landes ist. Der Reichskanzler behält sich vor, bei späterer Gelegenheit auf die Angelegenheit selbst zurückzukommen.

Zur B r a n n t tv e i n b c st e u e r n n g bat in Berlin der Verwertungsverband Deutscher Spiritusfabrikanten einstimmig den Beschluß gefaßt, die im Reichstage von der Snblommission aus­gearbeitete Steiiervorlage ab zu lehn en. Wesentlich höhere Steuererttägc könnten, ohne die Lebensfähigkeit des Brenncrei- gewerbes zu unterbinden einzig auf dem Boden der Monopol­vorlage der Regierung erzielt werde».

Der große KreuzerF", der erste deutsche Invincible, ist am Samstag in .Hamburg vom Stapel ^gelaufen und l-at bat NamenV. d. Tann" erhalten.

Ausland.

Neue Exzesse in Prag. Gestern ist es in Prag wiederum zu großen Skandalen gekommen. Ans dein Wenzelsplatze prome­nierten nur wenige deutsche Studenten, und es waren daher auch die Vorbereitungen der Polizei nicht so niniangwich wie an den vorangegangenen Sonntagen. Die Menge rückte gegen die Wache vor nnd es kam zu einer großen Keilerei. Die Studenten wurden von der Menge umringt und mißhandelt. Die Polizei nahnt mehrere Verhaftungen vor. Nach 11 Uhr wollten sich die Studenten vom Graben entfernen, die Wenge folgte ihnen und mißhandelte sie wieder. Ini Ganzen winden 10 Personen, darunter mehrere tschechische Studenten, verhaftet.

Der Präsident des e v a n g e l i s ck^e n O b e r k m chen- ratcs in Wien, Geh. Rat Sektionschef Dr. Rudolf Franz, Mitglied des Herrenhauses, ist gestorben.

R i f a a t Pascha, der türkische Minister des Aenßern, ist gestern von Berlin in Rom eingetroffen.

Fürst Chilkow, der einmalige russische Minister des Ver­kehrs, ist gestern in St. Petersburg plötzlich gestorben.

Ein Ulliinatnin an Nicaragua. Wie aus Ncnchork bcridjtet wird, hat die Unions-Regierung ein Ultimatum an die Nicaragua gerichtet, in der die Regierung von Nicaragua aufge­fordert wird, sich einem Schiedsspruch zn nnterwersen.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 22. März 1909.

* * Tageskalender für Montag, 22 März: Ossentl. 23er- fatnmlung des Vereins der natlib. Jugend: Sladw. Bangel-- Tarmsiadt: Die sstachlaßsteuer. 2lbeuds 8 Uhr im (£af6 Ebel.

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LU. Landesuniverfität. Dem Privaldozenten Dr. Franz Nuernberg dahier' ist ein Lehrauftrag für das Fach der Laryngologie erteilt worben.

* * In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Groß Herzog am SamStag u. a. Professor Hcdderich von Gießen unb Bürgermeister Leun von Großcn-Linben.

* Erledigt ist eine Le h re rst e 1 le an der evang. Schule zu Wimpfen a. B.

* * E i n Reise st ipendin m hat Pfarrer a. D- Karl: Leybhecker zu Auerbach gestiftet, bas bic Genehmigung des Groß Herzogs erhalten hat.

* * Fischereifchutz. TaS seither 28 Ztm betragenbe Minbestschonmaß sür den Karpfen wirb durch eine am 1. April in Kraft tretende Großh- Verordnung auf 30 Ztm. erhöht.

* * Aender ung von Kreis grenzen. Durch die in Ausführung begriffene Fclbbcreiniguug der (Gemarkung Leidhecken hat sich bic Gemarkungsgreuze gegen Staben unb damit auch die Grenze per Kreise Büdingen und Friedberg geändert.

** Politisches ans Hessen. Ter Landesaus--- s ch u b d e r national liberale n Partei Hessens hielt gestern: nachmittag in T a r m st a dt außerordentlich zahlreich versaimnrtt. lieber die Lage des Reichs nnd in Hessen referierte Reichs- und Landtagsabg. Dr. Osann. Er betonte unter allgemeinem Beifall daß bic Finanzresarm für bic national liberale Parte t nur au*