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Nr. S4
159. Jahrgang
Montag, 26. April 1909
Erscheint MtzNA mit ÄuSaahm« de^Svantag«.
Die ^Stehener LamMenblatter- werden dem 'Anzeiger" »iennal wöchentlich betgelcgt da» „Kr»Ublon ffii de» Krds Stetzen'' zweimal wöchentlich. Die „LaadwIrtschastUchen Seil, fragen- er|cheinen menatlicf) zweimal.
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Redaktion. Exoedition und Drnckeret: fcdmb strab» 7. Expedition und Verlag: fegööL Redaktion:112. Tel.-Adru AnzeigerGiehen.
Deutscher Reichstag.
947. Sitzung, Sonnabend, 24. Aprik.
Am Tische des Bundesrats: Dr. Niebexding.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Mn,
Verschiedene Berichte der Neich?schulbeprKom- miffton über die Berwaliung des Schuldenwesens des Reiches Ujto. werden der Rc chn u n gs koima i ssw n überwiesen.
Die kleine Strqfgrsetznpveüe.
D-ie Beratung wird fortgesetzt.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fr. Bp.)>r
Wir begrüßen den Cutlvurf, fd)cn aber in ihm mir ein Not- liksktz, Ti? allgemeine Repisiyn des Strafgesetzes darf nicht länger verzögert werden. Auch das Militärstrafgeseh bedarf end- tick der Medsrnisierung. Wir stellen aber unsere Wünsche vorläufig zurück, um die Erledigung der vorliegenden Materie nicht au stören. Freilich hoffen wir, daß die anderen Parteien ebenso enthaltsam sein werden. Tie Vivisektion ist notwendig im Inter, eße der Wissenschaft. Ter Grundtendenz der Bestimmungen über bic Einschränkung ocs Wahrheitsbeweises stimmen wir zu, weil sie jirf) gegen die Pestbeule am modernen Journalismus richten, gegen hie Revolverpresse. Gegen diese Revolverpresse, die nach Sensationen jagt und tm Schmutze wühlt, müssen alle Mittel angk- ivcnbet werden. Man könnte auch die Pestiinmungen über den unlauteren Wettbewerb gegen sie benutzen. Jedenfalls muß gegen ihr lichtscheues Treiben eingeschritten werden. Der Entwurf regelt diese Materie aber nicht richtig. Er gibt nur formales, kein materielles Recht. Ganz widersinnia ist die Festsetzung, daß dir Presse unter allen Umständen bestraft werden mutz. Damit schafft man Märtyrer. Dann soll eß dem Beleidigten Äerlasscu bleiben, zu entscheiden, ob ein Wahrheitsbeweis zuge- loflen wird oder nicht. Diese Bestimmung würde dazu führen, Ml die Beleidigungen noch gröber werden, ja daß man selbst den Vorwurf strafbarer Handlungen erhebt, weil dann der Wahrheitsbeweis geführt werden darf. Wir verlangen, daß die Interessen der ehrsamen, guten Presse ausreichend gewahrt werden- Professor van Calker. Straßburg hat in der Straf- prozeßkammission vorgeschlagen, die Möglichkeit zuzulassen, bei Beleidigungsklagen die Oeffentlichkeit auszuschliehen. Vielleicht wäre dieser Weg gangbar.
Der Staatssekretär hat mit Unrecht behauptet, wir hätten den Ausführungen des Reichskanzlers über die Einschränkung des Wahrheitsbeweises zugestimmt. Das ist nicht der Fall. Wir fiaben im Gegenteil gegen diesen Vorschlag Bedenken. Wenn cs bor Gericht borgekommen ist, daß Zeugen in boshafter, unmoralischen Weise entkleidet wurden, so war meist ein Mangel a n Takt unb Geschicklichkeit seitens des Richter? schuld, l^chr richtig!) Die Anwendung des Erpresserparagraphen in den Lohnkämpfen ist ganz verfehlt. Das Koalitionsrecht ist doch dem Arbeiter gesetzlich garantiert. Aves in allem begrüßen wir di« Vorlage. (Beifall links.)
Abg. Dr. Faßbender '(Zentr.) fordert eine weitere Verschärfung der Strafen wegen Kindermiß- handlungen. Besonders schmf müssen Vergehen von Ansstchrs- pcrsonen gegenüber Kindern geahndet werden,
Abg. Dr. Heckscher (Fr, Dg.):
Der Gesetzentwurf ist eine Konzession an liberale Forderungen, Dis übertriebene Ausübung her Erpresserparagraphen
hat in der Arbeiterschaft Piel böses Blut gemacht. Hier muß Wandel geschaffen werden. Kindermißhandlungen können nicht sckiwer genug bestraft werden. Es ist eine tierische Gemeinheit, sich an wehrlosen Kindern zu vergreifen. Auch das systematische Quälen muß mit Strafe belegt werden. Tie gesetzliche Bestimmung bedarf daher der Erweiterung. Auch der Fall in Itzehoe, der so außerordentliches Aufsehen erregte, wäre nicht unter das Gesetz gefallen. Ter Gedanke einer Einschränkung des Wahrheitsbeweises ist durchaus gesund. Die Beleidigungen, die Qlga Molitor in Karlsruhe erdulden mußte, haben die Notwendigkeit dieser Einschränkung klar erwiesen. Auch der Fall Moltke — Harden kommt dabei in Betracht. Warum leugnet man das? Wen interessierte eigentlich die Ehe des Grafen Molrke? Doch höchstens den neugierigen Pöbel. Für den führt man aber keine Prozesse.
Abg. Hermann (Fr. V.);
Man kann die Vorlage wirklich mit Freuden begrüßen, denn sie bedeutet einen außerordentlichen Fortschritt in der Rechts - auffassuna und trägt der verfeinerten Lebensauffassung Rechnung. Die schärfere Erfassung der Roheitsdelikte verdient ungeteilten Beifall. Man kann sagen, daß die vorliegenden Verbefserungsvorschläge aus dem Volksempfinden herausgewachsen stud. Die Arbeit der Tier- und Mensche-nfreunde hat endlich Früchte gezeitigt, Die bisherige rechtliche Praxis hinsichtlich der Kindcrmißhandiungen zeigte einen gewissen Grad von Gefühls- losigkeit. Die Chronik der Kindermißhandlungen ist fürchterlich. Leider bedurfte es bisher immer erst eines formellen Strafantrags, um gegen derartige Scheußlichkeiten vorzugehen. Jetzt ist ein Antrag nicht mehr nötig. Die Staatsanwaltschaft muß von Amt? wegen cinschreiten. Das ist ein bedeutender Fortschritt. Die Auffassung der Gerichte ist bisher viel zu lax gewesen. Man war zu leicht geneigt, mildernde Umstände zu bewilligen. . Gravierend ist in dieser Beziehung der Fall Bergmann in Berlin. Der Staatsanwalt beantragte 8 Monate Gefängnis, und das Gericht verurteilte die Frau zu 800 Mark Geldstrafe. Das entspricht nicht dem Volksempfinden. Es wird vor allen Dingen Aufgabe der Oeffentlichkeit sein, über die Praxis zu wachen. Das Volksgewissen muß in dieser Beziehung geschärft werden. Tie Kommission wird zu prüfen haben, ob die Bestimmungen. nicht noch zu verschärfen sein werden. Tos Kapitel der Kinderqualen und Kindermißhandlungen wird auch mit diesen Bestimmungen nicht abgeschlossen sein. Das Volksgewissen darf gber nicht teilnahmslos den Qualen der Unmündigen und Hilflosen gegenübersteben. (Beifall.)
Abg. Dr. Frank (Soz.):
Es ist bedauerlich, daß der Herr Staatssekretär auf die verschiedenen hier gestellten Anfragen nicht mehr antworten zu wollen scheint. Es macht fast den Eindruck, als ob er die Vorlage nur mit halbem Herzen vertritt. Die Mißhandlung von Kindern sollte mit allen Mitteln verhindert werden. Nicht nur in den Gvmnasien, sondern auch in den Volksschulen muß das Schlagen d e r Kind e r ganz aufhören. Auch wir treten mit Entschiedenheit dafür ein, daß dem Treiben einer gewissen Sensationspresse ein Riegel vorgeschoben wird. Die politische Presse macht viel weniger in Sensation al? eine gewisse unpolitische Presse. Wir sind dafür, daß die ganzen Bestimmungen über die Beleidigungen, die wohl die ganze Novelle veranlaßt haben, aus der Novelle ans - asschieden und nur die anderen Punkte in der Kommission beraten werden.
Staatssekretär Dr. Nieberding:
Ich habe mich bereits gestern, wie ich glaube, klar unb bestimmt Über alle in Frage kommenden Gesichtspunkts geäußert unb Habs die in dex öffentlichen Kritik geäußerte Meinung widerlegt, daß die Motive zur Vorlage bsi den verbündeten Regierungen wesent
lich in den Beleidigungen zu suchen seien. Trotzdem hat der Herr Vorredner diese Behauptung neuerdings aufgestellt, ohne dafür irgendwelches Bewsismaterial zu erbringen. Die Anfrage des Abg. Dr. Müller-Meinsngen. ob ein öffentliches Interesse angenommen wird wenn der Täter persönlich ein berechtigtes Interesse an der Führung des Wahrheitsbeweises hat, muß ich so allgemein, wie hie Frage gestellt ist, verneinen ES wäre wohl an- gezeigter, alle diese Fragen in der Kommission zu erörtern. Wenn mir Herr Dr. Frank den Vorwurf gemacht bat, ich vertrete die Vorlage anscheinend nur mit halbem Herzen, so gehe i ck auf solche Anzapfungen nicht ein. Ich würde niemals einem Abgeordneten solchen Vorwurf machen, ich hatte es aber auch nicht für richtig, daß mir solche Vorwürfe gemacht werden. (Beifall rechts.)
Abg. Kirsch (Zentx.):
Der Block re ichs tag wird wohl die allgemeine Revision dcS Strafgesetzes nicht mehr vornehmen. Mir nehmen den Entwurf als Abschlagszahlung hin. Hinsichtlich der Einschränkung des Wahrheitsbeweises hat sich der Staatssekretär auf andere Länder berufen, Wir sollten doch nicht immer Vorbilder tm Auslande suchen. Unsere Gesetze müssen vor allem dem deutschen Volksempfinden entsprechen.
Abg. Wölzl (Aatl.) r
Eine dringende Notwendigkeit ist die Bekämpfung der Prostitution, Leider ist diese Materie in dem vorliegenden Entwurf nicht geregelt worben. Vielfach wird oueä un Spezialgesetz in dieser Hinsicht gefordert. Ich verkenne die Schwierigkeiten der Sache nicht. Das darf aber kein Grund sein, auf diesem Gebiete eine Besserung noch hinauszuschieben.
Staatssekretär Dr. Nieberding:
Eine anderweitige Regelung der Vorschriften auf sexuellem Gebiete ist in her Schwebe. Die Verbündeten Regierungen werden darüber zu beraten haben, ob diese Bestimmungen noch vor der allgemeinen Stebifton des Strafgesetzbuches eingeführt werden sollen.
Wg. Sayda (Pole):
Den vorgeschlagenen Strafmilderungen stehen wir sympathisch gegenüber. Wir sind der Ansicht, baß das Recht auf das freie Wort ebenso schutzbedürftig ist wie die persönliche Ehre, Deshalb erscheinen uns die Bestimmungen des bestehenden Strafgesetzbuches zutreffend, wonach Mitteilungen wahre Tatsachen nur strafbar sind, wenn aus der Form oder den Umständen eine beleidigende Absicht gefunden werden kann. Dem diskretionären Ermessen des Richters ein allzu weites Feld einzuräumen, können wir Polen nicht zusiirninen, Wir haben zu schlechte Erfahrungen damit gemacht. Eine Erhöhung der Strafen erscheint uns unnötig. Wir sind mit der Kommissions? beratung einverstanden.
Abg. Kölle (Wirisch. Bg.):
Wir sind mit der vorgeschlagcnen Pfenberung des Begriffes bcx Erpressung einverstanden. In den Fällen der Anwendung des Koalitionsrechtes könnte man mildernde Umstände zubilligeii, Beim Hausfriedensbruch könnte die Grenze der Strafbestimmungen nach oben erweitert werden; denn der Hausfrieden muß besonders nach der germanischen Auffassung besonders geschützt werden. Wichtiger alZ die Aendernng dcs Beleidigungöparngraphen wäre die Reform des § 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) gewesen.
Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage wird an hie I n st i z k o m m i s s i o n verwiesen.
Ein Vertagungsantrag wird angenommen, Nächste Sitzung: Montag 1 11 hx (Zivilprozehnovelle). Schluß gegen 6 Uhr.
«Eine konservative Kriegserklärung an die Regierung.
film Donnerstag hat eine Sitzung des engeren Tlussthnsses der konservativen Partei stattgefunden, in der laut „Kons. Korr," fsvlgende Erklärungen beschlossen imirben:
1,i Z u r R e i ch s f i u a u z r e form, „Nachdem sich nun- We&r ungefähr übersehen läßt, wie sich die Beschlußfassung bet J-tnauzkouuuissiou des Reichstags in Bezug auf die indirekten. Steuern gestalten wird, ist der engere Ausschuß der konservativen Narlei gestern in Berlin zujammengetreten und Hal folgenden Weschlnss gefaßt: Ter Ausschuß der konservativen Partei nimmt ine von leiten des konservativen Lanbesverefns im Königreich Sachsen infolge besonderer Landesverhältnisse eingenommene kling zur Frage der Nachlass' oder Erbausallstener zur Kenntnis. Est beschliesst für die Gesa ml pari ei ti. die konservative Reicl>stagS- stmktiou auszusordern, sowie bisher mit aller Entschiedenheit auf ein Zustandekommen der Reicks finairzresovm Unzuwirken, dabei jitbodi an Stelle und zum vollen Ersatz einer Ausdehnung der! Nachlaß oder Erbanfallsteuer auf Kinder oder Ehegatten, gegen i»e non der konservativen Delegiertenversammlung vom 11. No- dvmiber 1907 einmütig Stellung genommen worden ist, eine Reichs beertzuwachssteuer in Verbindung mit anderen geeigneten Besitz- ffintem vorzuschlagen. Was die indiresten Steuern nulangt, so teirb empfohlen, den Vorschlägen der Regierung insbesondere in Wezug aus Bier, Tabak und Branlitwein im wesentlichen beizu- ttreten; b. dem sofort einzuberufendrn Gesarnstvorstand der Partei «leicke Beschlußfassung zu empfehlen.
2> Gegen di e Regierung. Es ist zweifellos, daß die tont feiten her Regierung neuerbiugs zur Durchführung iirrer Arnsckläge sirr die Reicksnnanzr.'foriu eingeleitetc und ossensicht- 1/di unterstützte Bewegung allmählich zum Teil Formell ange nunmeu hat, die äußerst bedenklich erscheinen. Wenn beispielsweise in Preßorganen und in Versammlungen Aeußerungen ge- plllttl sind, die der konservativen Partei unterftelleat, dass sich i st Widerstand gegen die 23eftenrrung der Witwen und Waisen, ls"geuüber der offenbaren ^totwrn tag feit, den Reichssinanzen Kraft Unb Bestand zu stärken, auf nichts als kleinliche egoistische unö inseitig persönliche Motive gründe, so ist eine derartige, sich yrim Teil unter Duldung, vielleicht unter Förderung einzelner Crgtme der Regieonng vollziehende Agitation gegenüber um fia-en oft unb klar alrsgespwck^neu unb wohlerwogenen sack !rl</en Gründen — mit Entschiedenheit zurückzuweisen. Eine solÄ« $*gitdtiou ist geeignet, ein loyales vandnn-Handardeiten der kon> sskwativen Partei mit her Regierung, zu der wir nach Vergangenheit und Grundsätzen der Partei bereit sind, ungemein zu er laonieren unb zugleich die Unterlagen, auf denen bie Autorität
Regierung selbst benäht, zu erschüttern. Es wirb dadurch c >er auck bic Tpferwrllchkcit unb bie Vaterlandsliebe der Mitglieder ! du konservativen Frattiou des RcichÄgges in Zweifel gestellt, i LIies alles aber liegt weder im Interesse der Staatsregierung rerdi des Volkes. Für die Stellung der konservativen Partei zur . Frage der Relchsfinanzmform genügt es, hinzutoeisen, daß wir durch unsere parlamentarischen Vertreter von Anbeginn nn er ; n.'iTt haben, den zur Gesundung hrr Reichsftnanzen geforderten Ästrag zu bewilligen. Wir Werden denn auch, trotz aller entgegen ' gesetzten Ausstreuungen, nach wie vor ohne parteiliche Vorein- gensmntenl/.'ir opfei-willig und tatkrüstia an dem fchnellm Zustandekommen des ivlchtigen nationalen Werkes der Reichsfinanz- teiorm Mitarbeiten. Unsere Freunde int Lande werden sich tn dies/r Ziwersickt durch Verdächtigungen her konservativen Partei nicht beirren lassen.
Ter weitere Vorstand (50 er Ausschuß) wird am 30. Ap.U he Berlin zusammentreten. )Die BeschMe bedeuten eine nicht
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Liberalismus und Bauernstand
s» o darlM' von der Befreiung des Bauernstandes I burct) den Liberalismus zu sprechen. Nach dieser Befreiung
ordwungsd/batte. Don konservativer Seite wurkm angeregt, die Beratung der Branntweinsteuer jetzt abznö rechen und zu nächst den Antrag Roesicke-Äraf Westarp über die Wertzuwa.chssteuer in der J-inanzkommisswn zur Verhandlung zu stellen. Begründet mürbe
Die Fingn;kommission des Reichstags
verhandelte am Samstag in Fortsetzung der Beratung deß Pramtt- weinileuerentwmfs über die wichtige Frage der Betriebsauflage ui 8 42., Diese soll die bisherige Brennsteuer ersetzen, aus >p?lcker bekanntlich die Denatuiierungspvämien für den gewerblichen Svi- ritus gezahlr werden. Jetzt soll eine Betriebsaiiflage, gestaffelt nach der Größe der Betriebe, eingeführl werben, die zur Ausfüllung eines Den atu eierungs i opd 2 zu dienen hat. Es besteht in der ganzen Kommisfion bis einschliesslich der Sozialdemokraten volle 'liebem einitimmunn über bie Notwendigkeit einer Betriebsauflage. Um fo mehr gingen die^Vleinungen über den erforderlichen und zulässigen Grab der Staffelung auseinander. Am weitesten ging in btef^ Richtung ein Antrag des s2Lbg. Dr. Roeficke (Kons,), be|)en L>kala bis zu 16 Mark pro Hektoliter anffeigt; die ge rmgste Spannung und die niedrigsten Sätze hatte ein Antrag der Freisinnigen Dr. Wiemer-Mommsen-Sckweickhärdt, der mit einem Satze von 2 Mark für bie Produktion der ersten 50 Sjcf ton ter beginnen und bie Skala his 1600 Hektolitern mit 8 Mark eubeu lassen iwllte. Dazwifchrn lagen Anträge der National- liberalen (Dr. Weber unb Sieg) unb ein Eventualantrag hierzu vsm Abg. Dietrich (Kons.), her die "Spannung des national! Lbrmlen Antrags etwas erweitert, sowie Anträge des Zentrums (Müllev-Fulda und Spähst), die besonders die ganz kleinen Bren nereien entlasten wollten. Auf die kleinsten Brennereien nimmt
...— .—....— en nimmt
8 45 -Vs Entwurfs iveitgehende Rücksicht, indem ei' für diese eine erhebliche Meäßignng der Betrilbsauflage vorsiehr. In her Aussprache kam zum 'Ausdruck, bass der Denatnrierungsfoiibs ein Rückgrat für die Indüstrie bildrn und so gestärkt werden müsse, Lass er eine -ttroute auf dem Spirilusmarkle verhindere: und dass es jedenfalls besser fei, den Triukbvanntwein zu verteuern, als ben technischen. Besonders wurde biefer Standpunkt von den nattonalliberalen unb fr ei konservativen Mitgliedern der Kommis- fum betont. Auf konservativer Seite wies man nachdrücklich aus bic günstigen Probukttoustoedingungen der großen Fabriken Sn, die in Bezug auf Derrn in derging der Spesen unb Erhöhung der Ausbeute in keiner Industrie so vorteilhaft arbeite wie gerade bet der Brennerei. Auf freisinniger Seite lehnte man entschieden die weite Spannung her konservativen Anträge ab, da diese auf btc Gwßbetriede ruinös wirken müssten. Der Sprecher der Frei l'rnntgen bemerkte, daß seine Freunde zu eurem Emaegenkomme« über die Sähe ihres Antrages um so weniger Veraiilafsung hätten, als die Kvnsenmtiven, wie der Antrag über die Werlzunrnchsstencr znge, fein Entgegenkommen auf anderen Gebieten bekundeten. Schließlich imirbe, da auch bas Zentrum La für stimmte, der ss-nsinnigc Antrag angeiwrnmen unter Hinzufügung einer Staffel von 2000 Hektoliter mit einer Betriebsauflage von 10 Mark. 8 48 enthält gewisse Erhöhungen der Berriebsauslage für ge- merbfidje BrellNLQÜen. Hier nrirb der VorsMag bt^ Entwurfs angenommen mit der Hinzussigung, baß der Vereinbarung d-er Rübenstoffe die der Zellstofft gleichgestellt wird. Beim 8 45, der bie Erleichterungen für die kleinen Brennereien enthält, wurde bic Verhandlung abgebrochen und auf Dienstag vertagt. Am Schluß der Sitzung entirnnn sich eine bedeutsam? Geschäfts
u|c Anregung damit, daß man das R.-jchsichatzamt in bic Lage kl-Hl müsse, die en.uderlichen Erhebungen über bie Sätze der Wertzuwachssteiier ufro1. anziistcllen. Man einigte sich dahin, dssicr Anreguna stattMkben. aber zunächst bie Beratung des Abschnittes über die Betriebsauflage sm Braiuuwejnsteuerentivai f zu erledigen.
Nach den Beschlüssen^ des Seniorenkonvents de? Reichstags foflen Freitag und Sanistag in der Woche zugunsten der Hrnanzkommission plengrsitzungsfrei bicib.it Montag j d.r Woche soll gänzlich frei bleiben. Die Plenarsitzungen wlleu lute bisher um 2 Uhr beginnen.
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Der deutsche Kronprinz in Wien.
Der deutsche Kronprinz ist gksteru nachmittag um 2 Uhr ö yjitn. ans Sina reit m Wien eiiigetroffen. Am d»m Llaeus- bnbnfcok war eine Airenkompagnte des 4. Infanterie-Regiments mit Fahnen unb Mussk und teil reglemeittsaiäßigeii Vorgesetzten 8Sf9l'leI;h 7)'" uach a/|2 Uhr erschien der Kaiser in preußischer Marschallsniitwrm mit dem Bande des Schwarzen Ablerorden- ferner batten tick eingeftinden die Erzherzöge Fran; Ferdinand, tyrani <salbator, Leopvkd Lalvator, Eugen, Friedrich und Reiner mit ihren hinten in den ll ui formen ihrer preussischen Regi- menter unh der deilt|chc Botschafter Freiherr von Tickii skn Bogen- borff mit den Herren der Botschaft Der Kaiser schritt die Front ber Ehrenkompagnie ab. Um 2 Uhr 8 Min. fuhr der Zug unter ben Klängen des „Heil Dir im Siegevkrauz" in den Perron. Der Kai|er trat dicht an ben Bahnkörper heran. Der Kwnprmz in der Oberstenuiiiform seines Husarenregiments mit umgehängter Pelzattila entstieg dem Waggon, schritt auf den Kurier zu imb wollte ihm die Hand küssen Der Kaiser wehrte lebacit ab, jMttcltc dem Kronprinzen die Hand und küsste ihn orpimaL Nachdem der Kronprinz die Erzherzoge durch Hwnbedruck begrünt hatte, fuhr der Kaiser mit seinem Gasw zur Rechten in feinem Hoftvygen nach der Hosbnrg. Das vor dem ^hnhof ut überaus grotzer Zahl angesamrneltc Publikum brach in brau- fenbe Hochruft' aus In der Hofburg begrüßten ben Kronprinzen < v L,bersthofmeister unb Zeremonienmeister. Gleich nach bei1 torEnntt Hottete der Kronpruiz den in Wien weilenden Erzherzogen Besuckre ab unb fuhr gegen 1 -4 Uhr zu den Pferderennen in Freudenau. Die Wiener Presse widmet dem deutschen Kronprinzen wcivme Begrüßungsartikel.
,, . o. „ ,. a Gietzen, 24. April.
Ueber Liberalismus unb Bauernstand forad) tn einer Ber|ammlung, die vom freisinnigen Verein eiirbe- ntren hKir, gestern abend Gutsbesitzer Dr. Fischer von am Lech. Nach einigen einleitenden Worieii des stellvertt. Vorsttzenden, Geh. .Hosrat Dr. H anpt, teilte dieser ä11 ^ ^aß devtzn der Versammlung eingeladene Reichstagsaog. SoMevjein Ausbleiben schriftlich entschuldige, aber mit ^ntei eise dem ^ersanimlunbsbericht entgeaensehe. da er alles begrüße, Mas die freiheitlichen Gruppen dem Bauernstand nnebev naher bringe. Der mit Beifall begrüßte Bor- UQtienbe Jtentejetnen interessanten Ausführungen den voran, daß sich freisinnige Gesinnung und das Denken unb Bormarts|treben des Bauernstandes nicht ausschließe
niissverständliche Kriegserklärung an die Regierung. Es wird sich Mgen, ob sie Pen Handschuh auftiimmt oder bie Flinte ins Korn wirst,
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Kolsteschs Scrges-ebarr.


