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23/02/1909 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 45

159.3;

Erscheint tSgNch mit Ausnahme deS Sonntags.

DieSiehener SoniUten^Iätter^ werden dem .Anzeiger" viermal wachen lich beigelegt, das UreiLblatt für den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Dieeandurtrlschaftlichen Seil- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul» ftrahe 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzelgerGteße«.

Dienstag 23. Februar 1999

AA Rotationsdruck und Verlag der DrühNchea UnwersiiätS - Buch- und Cteindruckerei.

öU Lange, Gießen.

Lehrcrpersonalien.

Ueberiragen wurde dem

Lehrer Jos. NeeS

zu Gernsheim eine Lehrerstelle an der

ra

Staat in voMommen friedlichen Zeiten bewegen soll. Serbien unternahm auch nicht in dieser Beziehung irgend­welche Schritte, die ausschließlich gegen Oesterreich-Ungarn gerichtet wären. Die serbische Armee ist weder gegen Oester­reich-Ungarn konzentriert^ noch ist irgendein Teil derselben mobilisiert. Die Grenze Serbiens gegen Oesterreich-Ungarn ist in vollständig normalem Zustande. In den serbischen Kasernen befinden sich kaum 10 000 Mann mehr als zur gewöhnlichen Winterszeit. Die Kadresbestände sind auf ein Minimum reduziert. Das Blatt verweist dann aus die militärischen Vorbereitungen Oesterreich-Ungarns und fährt fort: Alle Großmächte kennen den dargelegten wahren Sachverhalt. Wenn die Drohungen und Beleidigungen der Oefterreichisch-Ungarischen Presse die Vorläufer einer diplo­matischen Aktion Oesterreich-Ungarns sind, dann werden wir mrumwunden erklären, daß diese Aktion den Prätext zur Verwirklichung der zweiten Etappe in dem croberrmgs- süchtigen Ballanprogramm Oesterreich-Ungarns bildet, nach welchem Serbien gleich nach Bosnien und der Herzegowina als Naubobjekt figuriert. Serbien wird sich einem solchen Versuche mit allen Kräften entgegenstellen. Wir zweifeln daran, daß Serbien in diesem Falle isoliert bleibe, nicht nur, weil wir nicht glauben, daß jetzt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Faustrecht wieder erstanden ist, son­dern weil wir hierfür auch einige positive Gründe haben.

Verschlimmerung der Lage aus dem Balkan.

In Wiener diplomatischen Kreisen wird zugegeben, daß sich die internationale Lage verschlechtert habe. Es erregt Bedenken, daß Rußland sich immer offener als geheimer Beschützer Serbiens bekennt. Angesichts dieser neuesten, nach den früheren Erklärungen überraschenden Schwenkung Ruß­lands ist man entschlossen, in der Balkanfrage noch vorsich­tiger und zurückhaltender vorzugeyen als bisher. Doch wird in Wien nach wie vor erklärt, daß Oesterreich-Ungarn eine Konferenz nur daun beschicken werde, wenn über ihre Ziele vorher ganz bestimmte Z.lbmachungcn getroffen würden.

Ueber die Haltung Rußlands ist man übrigens auch in Konstantinopel recht besorgt, und zwar wegen Bulgarien. Wie in der Pforte nahestehenden Kreisen versichert wird, erhielt die Pforte von den Botschaftern in London und Paris die bestinlmtc Mitteilung, daß weder Frankreich noch England von der Haltung Rußlands gegenüber dem Fürsten Ferdinand etwas gewußt hätten. Die Pforte ist jedoch hier­durch keineswegs beruhigt und richtete an ihre Botschafter eine Zirkulardepesche, in der sie beauftragt werden, bei den Kabinetten bezüglich ihrer Haltung zum russischen Vor­schlag zu sondieren. Der Botschafter in Petersburg soll außerdem beauftragt sein, den Minister des Auswärtigen, Iswolski, auf alle Konsequenzen seines Vorgehens auf­merksam zu machen und, an Rußlands Friedenswünsche appellierend, die Korrigierung der weiteren Haltung Ruß­lands zu erwirken suchen.

In den leiteirden Kreisen Deutschlands wird nach hne vor an der Auffassung festgehallen, daß die Gefahr der Bedrohung des Balkanfriedens so lange als beseitigt an­gesehen werden darf, als die fremden Mächte in ihrer Ge­samtheit entschlossen sind, alles zu tmt, um den zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien drohenden Konflikt zu ver­meiden und vor allem die maßlosen Wünsche der Belgrader Regierung auf ein bescheidenes Maß zurückzuführen. Den Meldungen, als habe England in letzter Stunde die Absicht zu erkennen gegeben, die Fordermrgen Serbiens in geeig­neter Weise zu unterstützen, wird in Berlin kein Glauben beigcmesscn. So sehr jetzt auch von Deutschland alles ge- geschieht, um den friedlichen Ausgleich im nahen Orient zu ermöglichen, so wenig besteht irgendwo ein Zweifel, daß die deutsche Politik Schulter an Schulter mit der östcr- reichisch-ungarischen bleibe.

, Die serbische Regierung hat ein Kommunique veröffent- iticht, worin es l)eißt: Die Wiener und Budapester Presse fahren fort, nicht nur Serbien mit einem Ultimatum und 'Krieg zu bedrohen, sondern die angesehensten Blätter der Nachbarmonarchie sprechen tatsächlich von der Vornahme «einer gewissen Strafexpeditton gegen .Serbien, wenn sich dieses nicht nur den Wiener Anordnungen nicht fügen und sein Recht nicht aufgeben sollte, sich für seine Verteidigung borzubreiten und zu bewaffnen, sondern, wenn es auch verweigern sollte, für die Zukunft Bürgschaften zu geben. In dem Kommmttqrre heißt eS dann weiter: Serbien ver­hall sich in jeder Beziehung mit voller .^Korrektheit gegen­über Oesterreich-Ungarn, indem es in reiner Weise, weder direkt noch indirekt, die Pflichten verletzt, welche ihm ein internationales Recht nnb die internationale Sitte auf- vrlegcn. Auf diplomattschem Terrain verteidigt es seine Rechte, indem es an das maßgebende Urteil der Signatar­mächte des Berliner Vcrttages appelliert. Die milttäri- schen Vorbereitungen Serbiens überschritten bisher in keiner Weife die Grenzen, in denen sich ein mllitärisch vorbereiteter

Kolitö?che Sagesfchan.

Eine neue Hetze gegen Bulow.

In den letzten Tagen ist wieder eine neue Hetze gegen den Reichskanzler Fürsten Bülow zutage getreten. Fast unmittelbar, nachdem Fürst Bülow bei dem Festessen des Deutschen Landwirtschaftsrats darauf hingewiesen, daß er wohl länger an seiner Stelle als Reichskanzler bleiben werde, als seine Gegner hoffen, bemüht sich ein Teil der Presse, neue Differenzen zwischen dem Kaiser und Kanzler nachzuweisen. Dazu muß das Kaisertelegramm an den Fürsten Radolin in Paris dienen, das diesem ein Hauptver­dienst an dem Zustandekommen des Marokkovertrags bei­mißt, während Fürst Bülow in seiner Rede beim Landwirt­schaftsrat es so dargestellt habe, daß der Vertrag in Berlin zustande gekommen sei bei Verhandlungen mit dem fran­zösischen Botschafter. Es ist nun von gewisser Seite das Telegramm des Kaisers an Radolin als ein Rückfall in die Fehler bezeichnet worden, die zu den unerquicklichen Vor­gängen im Herbst geführt haben. Sehr mit Unrecht; es gehört schon viel böser Wille dazu, dem Kaiser einen Vor­wurf daraus zu machen, daß er von seinem guten Rechte, einem Beamten des Reiches zu danken, Gebrauch gemacht hat. Aber ebenso schlimm ist es, aus diesem Telegramm einen Gegensatz zwischen dem Kaiser und dem Kanzler zu konstruieren, der in Wirklichkeit gar nicht besteht. Der Berliner Korrespondent desPetit Parisien" ist inzwischen ermächtigt, bezüglich der Behauptung einzelner Pariser Blätter über das Verhalten des Reichskanzlers und des Kaisers in der Casablanca-Angelegenheit folgende Erklä- rung des Fürsten Bülow zu veröffentlichen: Das ist leeres Geschwätz, welches jetzt nach Abschluß des französisch- deutschen Marokko-Abkommens besonders bedauerlich ist. Dieses Abtömmen ist befriedigend und verspricht gleich günstige Ergebnisse für beide Rationen, die nunmehr, was seit langem dem Wunsche des Kaisers entspricht, mit guter Hoffnung eine bessere Zukunft ins Auge fassen können.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 23. Februar 1909.

~ Ordensverleihung. Se. Kgl. Hob. der Groß- berzog haben zum 13. Februar d. Js. dem Bürgermeister, OttSgerichtsvorsteher und Standesbeamten Georg Korell zu Schmabenrod, Kreis Alsfeld, das Silberne Kreuz beS Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Gemc-indeschule zu Heusenstamm. Erledigt ist eine mit einer lath. Lehrerin zu besetzende Lehrerinstelle an der Gemeinde- schule zu Viernheim.

** In den Ruhestand versetzt wurde der Ge­richtsvollzieher mit dem Amtssitze in Groß-Gerau Joh. Pet. Spreng auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, sowie unter Verleihung der Krone zum Silbernen Kreuze des Verdienstordens Phi­lipps des Großmütigen.

*'Au§ dem Militärwochenblatt. v. Henk, Oberst­leutnant beim Stabe des Leibgarde-Inf.-RegtS. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, unter Versetzung zum 9. Rhein. Jnf.-Regt. Nr. 160 mit der Führung dieses Regiments beauftragt. Frhr. d. Langer mann u. Erl en lamp, Major im Leib- garde-Jnf.-Regt. (1. Großh. Hess) Nr. 116, unter Enthebung von der Stellung als Bats.-Kommandeur zum Stabe des Negiments übergetreten. Frhr. Schenck zu Schweins - berg, Major, aggreg. dem Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, zum Bats.-Kommandeur im Regt, ernannt. Behufs Verwendung in aktiver Stelle mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen der bisherigen Uni­form zur Disp. gestellt: Major und BatS.-Kommandeur Sie berg im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. Zum Bats.-Kommandcur ernannt Grube beim Stabe de§ Jnf.-Regts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. Zum Stab des Regiments übergetreten der aggregierte Major Fabarius, Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. Zum Komp.-Chef ernannt der Hauptmann Stettin im Jnf.-Regt. Bremen (1. Hanseat.) Nr. 75, mit dem 1. März 1909 und unter gleichzeitiger Versetzung in das Jnf.-Leib- Negt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. Zum Oberleutnant befördert Lt. Fitting im Jnf-Leib.-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. Mit dem 1. April 1909 versetzt zur Unteroffizierschule in Jülich der Lt. v. Aerßen im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. Versetzt die Oberlts. im Großh. Train-Bat. Nr. 18: Schroeder in das Lothr. Train-Bat. Str. 1-, Ioost in das Hannov. Train-Bat. Nr. 10, Ziegenbein, Lt. im Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18, in das Sch les. Train- Bat. Nr. 6. Beförderungen, Versetzungen. Im Beurlaubtenstande: Befördert: Zu Lts. der Res.: die Vizefeldwebel, bezw. Vizewachtmeister: Freise (Posen), des Leib-Drag.-NegtS. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, Heucke (Schwerin), des Garde-Drag.-Regts. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, Vollert (Eisenach), des Leibgarde-Jnf.-Negts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Schuchmann (Erbach), des Nass. Jnf.- Regts. Nr. 87, Bartmann (Frankfurt a. M.), des Leib- Garde-NegtS. (1. Großh. Heff.) Nr. 115, Bote (Meschede), v. Kalte nborn-Stachau (Oberlahnstein), des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nc. 116, ©tratet (Frankfurt a. M.), des Inf. - Leib-Regis. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Frhr. v. Bissing (Frank­furt a. M.), des Garde-Dragoner-Negts. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, Oswalt (Frankfurt a. M.), des Großh. Art.- Korps, 1. Großh. Hess. Feld.-Art.-Regts. Nr. 25, Seitz

Gesicht saßen große weitauseinandergerückte Augen mit dunkler Iris, die hinter stark vorspringenden, halbkreis­förmig verlaufenden Uebcraugeu.wulften hervorsahen. Das Ohr besaß wahrscheinlich noch Anklänge an das Spitzohr des Affen; die kleine breite Nase lag direkt über dem un­förmig breiten, mit sehr beweglichen, aber nicht aufge­wulsteten Lippen versehenem Munde, der der Schnauze der menschenähnlichen Assen glich. Dieser gewaltige Mund, der wie bei den Menschenaffen durch kein Kinn begrenzt war, beherbergte ein fürchterlich kräftiges Gebiß, mit dem die Menschen der Eiszeit spielend die riesigen Knochen der Ur­tiere zermalmten. Der Unterkiefer ist besonders stark aus­gebildet und biegt wie bei den menschenähnlichen Affen nach hinten ab; erst beim Menschen der frühen Nacheiszett wird er gerade und entwickelt beim Menschen der neolithi­schen Zeit ein ausgesprochen vorsteherrdes Kinn. Wie die Kinnlosigkeit des Unterkiefers, so beweist auch die geringe Ausbildung der Sprachmuskeln überhaupt, daß die Sprache noch in ihren Ansängen war und das Sprechvermögen sich mehr auf das Ausstößen unbeholfen artikulierter Laute mit entsprechenden Geberden beschrankte. Die Zähne des Gebisses waren durchweg viel größer und massiver, hatten auch viel stärkere und längere Wurzeln, als diejenigen der heute lebenden Menschen. Die Hinteren Backenzähne nahinen an Größe und Dicke von üom nach hinten zu, während bei den Menschen der als Weisheitszahn bezeichnete hinterste Backenzahn mehr und mehr verkümmert und der Weisheits­zahn auch bei den Menfchenafsen iit langsamer Rrüübildnng begriffen ist. Ueberhaupt ist das Gebiß des Urmenschen von dem des Menschenaffen sehr verschieden. Wir können uns nach diesem enticheidenden Funde diese längst ausgestorbenen Ureuropäer vorstellen, wie sie, am ganzen Körper stark be­haart, mit ziemlich dunkler Hautfärbung, und nur durch Felle gegen die grimmigste Winterkälte geschützt, als Samm­ler und Jäger das Land nach Nahrung durchzogen.

. ® l e r n e Chronik aus Kunst und W i s s e n s ch a f i. Sie neuliche Kunstausstellung in New-Bork ist gestttm geschlossen roorben. Am 2, März wird sie wreder in Boston eröffnet werden.

Der Mefte Mensch Europas.

C.K. Die jüngsten Ausgrabungen des Schweizer For­schers Otto Hauser haben einen für die Urgeschichte außer­ordentlich wichtigen Fund zutage gefördert, indem die Skelettreste des ältesten bisher nicht irur in Europa, son­dern auf der gairzen Well überhaupt nachgewiesenen Eiszeit- menschen aufgefunden wurden. Nachdem Arbeiter in einer bisher völlig unzugänglich gewesenen Grotte des Tales der Vezere in der Dordogne zehn Meter unterhalb des berühm-- ten Felsenschrchdaches von Le Moustter auf menschliche Ex- tremitätenreste gestoßen waren, wurden dann im Beisein tion. kenn Anthropologen und Prähistorikern im August 1908 der Schädel und die uralten Knochenreste geborgen. Ueber die Bedeutung des Fundes und das Aussehen dieser vor etwa vierhunderttausend Jahren lebenden Urbewohner Europas gibt Dr. Ludwig Reinhardt in der Deutschen Revue (Deutsche Verlagsanstalt, Sttlttgart) einen ausführlichen Bericht, wo­bei er die wissenschaftlichen Resultate der von den Pro- sfessoren Klaatsch und Schwalbe vorgenommenen Unter- fuchungen verwertet. Es handelt sich bei dem Skelett um einen jungen, etwa achtzehnjährigen, vermullich noch nicht völlig ausgewachsenen Mann von 1.48 m Körperlänge, der der als Neandertal-Rasse bezeichneten Menschheitsgruppe sgehört und von seinen Hordengenossen unzweifelhaft mit einigen Grabbeigaben durch einfaches Hinlegen aus den Boden bestattet wurde. Diese für eine so frühe Zett nicht sangenommene Bestatttmg geht hervor aus der Stellung, in der das Skelett geftlnden wurde. Es lag in vollkommen lunberührten Fundschichten des sogenannten Acheulöen aus der zweiten Hälfte der sehr lange währenden zweiten 1 Zwischeneiszeit. In einer etwas unbequemen Schlaf­stellung, ben Kopf nach rechts, das Gesicht abwärts ge­wendet; mit dem Wangenteil ruhte es auf dem Ellbogen deS nach hinten erhobenen rechten Armes, während der linke

dorn gestreckt war. Die Beine lagen ganz unregel- : mafjig, das rechte geradeaus gestreckt, das linke im spitzen Winkel gebeugt und gegen den Leib angezvgeu. Die Nase war mtt wohl dagegen geworfenen Feuersteinsttickchen so :

eingefaßt, daß man am Abdruck der daraufliegenden Erde noch die Nasenform erkennen konnte; sie war niedrig, flach, mit außerordentlich breiter, tief cingesatteller Wurzel. Da auck) der rechte Ellbogen und die rechte obere Kopfl)älfte auf flachen Feuersteinstücken ruhten, so muß eine sorgfällige Auswahl passender Formen und zielbewußte Zusammen- sügung und Anlagerung an die Weichteile bei der Bestattung angenommen werden. Die zahlreichen angebrannten Tier­knochen, die um das Skelett lagen, können als Grabbeigaben angesehen rverden, die zugleich mit aufgefundenen Feuer­steinwerkzeugen den Toten zur Versöhnung seines Geistes mügegeben wurden. Auf Grund der anatomischen Unter­suchung des Gerippes läßt sich in Verbindung mit anderen sehr spärlich bekannten Skelettresten die körperliche Be­schaffenheit jener uralten Eiszeitrasse rekonsttuieren. Die Statur dieser primitiven Jäger, die nur aus Holz und Stein gefertigten Werkzeuge und Waffen, außerdem aber längst die Kenntnis des Feuers besaßen, war mittelgroß bis klein, der Körper langgestreckt mit auffallend kurzen Gliedern. Das Extremitätenskelett ist «nrßer der Kürze auch durch eine merkwürdige Plumpheit seiner Röhrenknochen charakterisiert, wie überhaupt Gelenke und Knochen des Beines eine primi­tive Lagerung aufweisen, die sich heute noch bei Kindern, bei sehr niedrigen Menschenrassen und bei Affen finden. Der Urmensch ging nicht völlig auftecht, sondern mit leicht gebeugten Knien, wie etwa die Greise und aufgerichtet einherschreitende Menschenaffen gehen. Auch die Arme zeigen mehrfache Abweichungen vom heutigen Menschen, be­sonders ist die starke Krümmung des Radius oder der Speiche ein spezifisches Dierkmal jener um die Wende der vorletzten Eiszeit lebenben Menschenrasse, das wir heute auch nicht mehr bei den niedrigstehenden Urvölkern wie den Weddas, sondern nur noch bei. den Menschenaffen wieder­finden. Der Ureuropäer besaß einen durchaus affenähn­lichen, gewaltige tierische Roheit ausdrückenden Schädel. Alle Schädelknochen waren dickknochig, tierisch derb. Ter Freßteil hatte wie beim Affen ein starkes Uebergewicht über den Denkteil. In dem breiten und ziemlich hohen