Ausgabe 
22.3.1909 Erstes Blatt
 
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Nr. «8

Ter «iefcener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblätter; zweimal wöchenll.ttreis- blattsürden Kreis Sietzen (Dienstag lmdFreiiag); ziveiinal monail. Land­wirtschaftliche Seitsragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Wietzen.

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Erstes Blatt

1 LS. Jahrgang

Montag S2. März 1909

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Botationsörud und Verlag der vrühl'schen Umv.-Vuch- und ZtelndruSerei H. Lange. Htöoftion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.

Bezugspreis: iiionatlich75Ps.,»iertel- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost SDlt.2. viertel- jährl. misschl. Bestellg. ZeilenpreiS: lokal 15Ps., aitsivärtS 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson ; f. Feuille­ton und .Vermischtes" K. Neurath; für .Stadt u. Land" und »Gerichts­saal": E. petz; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

Die Nachlahsteuer.

DasBerli ner Tageblatt" hat es unter nomtnen, eine Anzahl hervorragender Prvfessoren der Nationalökonomie zu Guta chten über d i e Nachlaß st eil er aufzufordern und deren Auf säße als Leitartikel zu veröffentlickien. Nachdem sich der Göttinger Natwnalökonom Gel-eiiner Ober Negierungsrat Professor Tr. W. Lexis geäußert hatte, folgte kürzlich der Münchener Geheimrat Pw fefsor Tr. Brentano. An dritten Stelle schreibt jetzt der hiesige Ordinarius der Staatswissenschaften Pros. Dr. jur. et phil. M. Biermiev in benr Berliner Wochen blatte Folgenixs:

Heber die Nachlaß steuer läßt sich beim besten Willen nichts Neues mehr sagen. Trotzdem Hot das bisher Gesagte nicht genügt, die parlamentariscl)en Gegner dieses wich­tigen Teils der Reichsfinanzreform zu belehren, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes nicht mehr hinter ihnen steht. In den weitesten Kreisen des hohen Beamten tums und sogar des Militärs, die den rechtsstehenden Par­teien sonst in den manchen politischen Fragen gesinnungs­verwandt sind, versteht man einfach d.ie Haltung der Kon­servativen nicht. Ja, man k riti siert sie auf das schärfste. Der Liberalismus hat wohl selten in diesen Gesell­schaftsschichten so viel warme Sympathien gefunden wie gerade gegenwärtig. Heberall wird auf das lebhafteste be­dauert, daß unsere Konservativen sich von den Pseudo­gelehrten, akademischen Strebern und agrarischen Schaum­schlägern am Gängelbande herumführen lassen und den Agrardemo trat en in Verleugnung ihrer ganzen bisherigen historischen Tradition eine schwächliche Konzession nach ver­änderen machen. Schon vom reinen Parteistandpunkte aus betrachtet erscheint also die gegenwärtige Fraktionspolitik eine Kurzsichtigkeit sondergleichen. Ich habe in diesen Wochen von Männern über dasJunkertum" Urteile ge­hört, die, weiß Gott, nicht schmeichelhaft Hangen und früher dort ganz unmöglich gewesen wären. Es gibt ja allerdings gewisse Kreise, die sich, wenn es ihnen paßt, einfach damit trösten, sie pfiffen auf die nationalökonomische Wissen schäft int ganzen wie im speziellen. Das sieht ja freilich sehr selbstbewußt aus, ist aber nicht einmal wahr. Wenig stens verträgt sich mit dieser zur Schau getragenen Ver­achtung der unbefangenen gelehrten Forschung sehr wenig die Tatsache, daß man seit Fahrzehnten bemüht ist, Publi­zisten mit akademischen Würden, die ihre Feder für ein ein­seitiges Jnteressenprogramm hergeben, förmlich mit der Laterne zu suchen.

Die nationalökonomische Wissenschaft, so­weit sie ernst zu nehmen ist, steht als Gegnerin der bisher vereinbarten parlamentarischen K ompr 0 - m i s s e geschlossen da, und zwar nicht nur aus finanzwissen schaftlicheu und finanztechnischen Gründen, sondern wohl noch viel mehr ans politischen und nationalen. Daß die Nachlaßbesteuerung die beste Vcrmögensverkehrs- fteucr, die gerechteste Sonderbelastung des ererbten Ein kommens oder des unverdienten Vermögenszuwachses ist, daß sie am einfachsten zu veranlagen ist, daß ihre Pro­gression nach Verwandtschaftsgraden und Größe der Erb- schoft ein ganz selbstverständliches Postulat der Steuer­

gerechtigkeit darstellt, ist längst Gemeingut der gesamten finanzwissenschaftlichen Literatur geworden. Nicht minder nnchtig ist die Erfahrungstatsache, daß die Nachlaßsteuer dem Staate die beste, vielleicht allein zuverlässige Kontrolle der Veranlagung zur Einkommen- und Vermögensbesitzsteuer an die Hand gibt. Alle Einwände, die man jetzt als voll­tönende Schlagworte gegen die Besteuerung des «werkten Vermögenszuwachses erhebt, würden nur insofern einen Kern von Richtigem enthalten, wenn man auch die kleineren Erbschaften miterfassen, erlfebliche Steuerprozentsätze er­heben und einen rigorosen Erhebungsmodus wählen wollte. Alle diese Gefahren hat die Regierungsvorlage glücklich vermieden. Die behaupteteErschütterung des Familien­sinns", die die Nachlaßsteuer zur Folge haben soll, ist nichts anderes als eine ganz törichte Phrase. Hat denn in den Hansastädten nud in Elsaß-Lothringen, wo man Abkömm­linge und Ehegatten einer Erbschaftssteuer unterwirft, haben in Oesterreich, Frankreich und England mit ihrer aus­gebildeten Erbschaftssteuergesetzgebung die Familienbezie- hun gen und der Antrieb zu in Sparen gelitten? Mir scheint, daß man durch Familienfideikommisse und durch das Anerbenrecht, bei denen man den einen Mkömmling vor dem anderen bevorzugt lediglich auf Grund des Erst­geburtsrechts, den Familienfrieden und das Geftihl der Gleichberechtigung der Geschwister viel mehr gefährdet und verwirrt als durch eine bescheidene Abgabe von Todes wegen an den Staat.

Es kamt niemanden überraschen, wenn politische Demagogen, denen ihr Witz ausgegangen ist, auf das Niveau der Bierbankpolitiker herabsinken und von der schiefen Ebene der kommunistisch - sozialistischen Gesell­schaftsauffassung" sprechen. Aber Verwunderung muß es erregen, wenn man solche Argumente gelegentlich auch von Fachmännern von hört. Wer so etwas tut, bringt sich in ganz leichtfertiger Weise um eines billigen Augen­blickserfolges willen um feinen wissenschaftlichen Kredit. Es lohnt sich nicht, solche Leute zu widerlegen.

Viel wichtiger aber als die finanztechnische Seite des Problems ist die politische. Sie zerfällt in zwei Teile: die weiteren Aussichten des Blocks und der Blockpolitik und das Verhältnis der Reichsfinanzreform zum Reichs­gedanken. In dem Bülow sch en Block sind Parteien mit sehr verschiedenen Steuerprvgrammeu zu gemeinsamer Legis (atiDc berufen worden. Tys. Zentrum hat in dieser Hin­sicht überhaupt kein Programm. Dort ist alles' Taktik, nichts Prinzip. Die andere unerbittliche Widersacherin des Blocks, die Sozialdemokratie, hat zwar ein fest nmrissenes Steuerprogramm, es ist aber so radikal und Prinzipien starr, daß niemand mit ihm etlvas anfängen kann. Auch die Forderungen unserer Liberalen krankten anfänglich an einer zu großen Abneigung gegen jede Verbrauchsbesteuerung, eine doktrinäre Ansicht, die der ausländische Liberalismus selbst in Republiken gar nicht kennt. Aber unsere liberalen Frak­tionen haben gerade in der jüngsten Zeit das politische Augenmaß wiedergesunden und sehen ein, daß man wohl oder übel indirekte, Steuern mit solchen direkten, die die große Mehrheit der deutschen Bundesstaaten noch nicht ein- geführt haben, kombinieren muß. Aus dieser mittleren Linie allein läßt sich die Reichsfinanzreform, dieses eminente nationale Werk, vollenden. Da die Rechte eigentlich nur Verbrauchssteuern, die Linke in erster Linie direkte Steuern haben will, so müßte der Block, wenn beide auf ihren

Schein bestehen, alsbald auseinanderfallen. Von meinen Parteifreunden, den Nationalliberalen, spreche ich hier lieber nicht. Von ihnen gilt das Wort.Herr, vergeb ilptcn, denn sie wissen nicht, was sie tun." Als Störenfriede sind sie freilich ungefährlich, denn sie machen schließlich doch mit, was der Kanzler und seine Mehrheit will.

Die Reichsregierung hat den Schwierigkeiten unserer Parteikonstellation volle Rechnung getragen und einen Kom­promiß, der für alle Teile des Blocks annehmbar wäre, vorgezeichnet, während es den Gegnern des Blocks ja nur darauf an kommt, daß das verhaßte Regierungskartell mög­lichst bald in die Brüche geht. Ich bin fest überzeugt, bas­es gegenwärtig noch nicht zu spät für ein Einlenken ist, sondern daß man schließlich ein sehen lernt, daß die Nach­laßsteuer, die piece de resistance des ganzen großen Reform­werks bildet. Die Frage ist wirklich von enormer nationaler Bedeutung. Denn wenn man die neuen direkten Steuern auf die Einzelstaaten abwälzen wollte, so heißt das gar nichts anderes, als aus einer Finanznot des Reiclzes eine unerträgliche Finanznot der Bundesstaaten machen. Damit werden, ganz abgesehen von verfassungsrechtlichen Bedenken, die Reichsverdrossenheit, die so wie so in bedenk­lichem Umfange zugenommen hat, und der Partikularismus geradezu groß gezogen. Für Hessen hat zum Beispiel kürzlich der Finanzminister ausgerechnet, daß allein für Reichszwecke durch die neue Reichsabgabe nach dem neuen Kompromißantrage Gamp die Einkommensteuer und Ver­mögenssteuer um volle 22 Prozent erhöht werden müßten. So etwas mutenreichstreue" Parteien einem Laude zu, das in der nächsten Zeit durch unabweisbare Mehrbedürf­nisse feiner eigenen Staatskasse die Staatssteuern so wie so um 25 bis 30 Prozent weiter anspannen muß. Genau wie es in Hessen ist, so rft es auch in den andern Bundies- staaten. Ueberäll findet man dasselbe unerfreuliche Bild. Hoffentlich bleiben wenigstens unsere verbündeten Regie­rungen, die seit 37 Jahren die treuesten Wächter des Reichs­gedankens gewesen sind, fest und lassen sich von ihrem ursprünglichen Reformplane durch Zusallsmehrheiten nicht abbringen. Jetzt hat der Reichskanzler das Wort. Wenn auch er fest bleibt und an den Patriotismus des Blocks appelliert, wird das nicht vergeblich sein. Alle wohl­gesinnten Kreise der Nation stehen hinter ihm, und ich hoffe, daß wenigstens ein Teil der Konservativen, bevor es zu spät ist, ein lenkt ultd auch diesmal das von Preußen geführte Reich nickst im Stich läßt. Das Nachlaßsteuer­problem hat sich zu einer nationalen Frage ersten Ranges ausgewachsen. -LLer das nicht einsieht, verkennt den Ernst bei" gegenwärtigen Situation.

hejMye Zweite Kammer.

D a r in st a d t, 20. März.

Ain Regierungstische: Staatsminister Ewald, Fiuanzminister G nauth, Gehcimeräte WiIbrand, Fr Hf. v. Bicgeleb c n , Dr. Becker, Ministerialrat Puffert, Geh. Oberbaurat Klin- gel Höffer.

Das Haus setzt nach Erössnung der Sitzung durch Vizepräsident Moren um 91 j Uhr die

Etatsberatung

bei der 9. Hauptabteilung: Etat d es I n st i z in i n ist criu m A fort. Zu Kap 136, Zemralbauwesen, erklärt Abg. Tr. Osann, es sei ihm und seinen politiichen Freunden bei den verschiedenen gestern beschlossenen Streichungen nur darum zu tun gewesen, größte Sparsamkeit bei der jetzigen sclpvicrigeu Finanzlage zu

Kleines Feuilleton.

Aus b e it Leidensjahren Hans von M ar6es'. Hans von Marses ist erst in den letzten Jahren als der große deutsche Meister einer monumentalen Formkunst erkannt worden, während ihm bei seinen Lebzeiten fein äußerer Erfolg beschieden war, ja sein ganzes Wirken der Oefsentlichkeit überhaupt ver- borqcu 'blieb. Nun erst treten auch die Dokumente seines Strebens, Ringens und Leidens hervor und rufen das 'tiefste Mitgefühl wach. Jnr neuesten Heft der Kunst für Alle findet hie Veröffentlnhung der Briefe Marocs an den Grafen Schack ihren Abschluß, toduirf, der mich Böcklin in unverschämtester Art ausgenutzt hat,, hatte dem jitnqen Maler die Mittel gewährt, nm mit Lenbach nach Italien zu gehen: dafür sollte er ihm Kopien und auch eigene Werke liefern. Zunächst befriedigte er den Mäeen mit vier Kopien; als er ober dann an die Schöpfung eigener Werke ging, geriet er so völlig in eine Periode des Suchens und Verzweifelns hinein, daß er nichts Fertiges vollbringen konnte. Nachdem er drei Jalwe nur wenig hatte von sich hören lassen, ohne dem unge­duldigen Gönner Werke einzusenden, entschloß er sich 1863, ihm zwei römische Landschaften zu schicken, die uns heute als erste Vor kl äuge seines großen Stils erscheinen, von Schack aber als mißglückte Experimente verworfen wurden. Zu diesen Bildern schrieb MareeS zwei Briese, die in der erschütternden Ein fach hei t ihrer Sprache die ganze Bedrängnis und Seelen not des Künstlers wieder geben. In dem ersten Schreiben wallet mehr bas peinliche Gesühl vor, die Erwartungen Schacks getäuscht zu haben. Aber das fortwährende Drängen hat ihn beunruhigt, ein aufmunterndls Wort hätte ihm helfen können: man hätte ihm einige Selbständigkeit lassen müssen: so sei er schließlichganz kopfscheu" geworden. _ In dem 'zweiten Brief bittet er dann, die übersandten Bilder wenigstens ein Jahr langso sehr wie möglich vor den Augen der Welt zu bergen, um mir auf diese Weise wenigstens ein Hindernis nreines Fortkommens aus deut Wege zu räumen."Berücksich­tigen Sie meine Bitte nicht meinetwegen, sondern aus Achtung vor dem Unglück. Denn ein Unglück ist es, wenn ein Mensch den Drang hat zu schaffen mit dem Betvußtsein des endliclwn Gelingens, mit den Errungenschaften der Geduld und Ausdauer und er lieht da: ohne Freund, ohne einen Heller Geld, ohne Kredit, ohne Aus­sicht aus Tack und Fach, ohne Erbärmlichkeit genug, um betteln zu können, ohne Liebenswürdigkeit genug, sich einschnteicbeln zu können, usw. So, verbunden mit täglicher Acknuach, ist meine Lgge. cic ist noch schlimmer, ich muß mich mit der größten Anstrengung zu meinem Nachteil verstellen, mich selber schlechter erscheinen lassen, als ich bin. Wäre ich nicht vorbereitet gewesen, so hätte ich solches schon lange nickst mehr ertragen und obgleich ich feit vielen Monaten sckfcm keine Möglichkeit einer Aenderung lohne mich denn moralisch zu Löten) erfentjen kann, so habe ich doch den Kamps ausgenommen. Sie mußten wiisen, Herr Baron, daß produzieren mehr, bei weitem mehr Mittel erfordert, als kopieren: die Mittet, die Sie m ge ^wphrlen, wurden, rnbcjnt meine Bedürfnisse als Mensch und K. tlcr

Zunahmen, geringer von Jahr zu Jahr: ich habe, weiß Gott, keine Ansprüche gemacht, sondern hoffe nur, durch ein glückliches Resultat die Sache zum Guten zu wenden, es war mir ja auch kein anderer Ausweg gelassen. Sie, H. B., haben es verursacht, daß ich nahe daran scheiterte, denn von Ihrem damaligen Brief war Vieles auf deut bestell Wege, wovon Sic nur einige Trümmer erhalten konnten. Sie berücksichtigten ia nicht einmal meine Krankheit, wo ich doch so schwach war, daß ich nur mit Mühe die Treppen aus- und niedersteigen konnte, tratzdein ich dabei aufs angestrengteste arbeitete." In einer Nachschrift spricht er dann sein Streben und fein Ziel aus:In den unvergänglichen Epochen der Kunst wurde mehr darauf gesehen, Gutes, als Viel zu leisten, so daß denn auch in den geringsten Dimensionen die Größe und Bedeutung der Malerei in jenen Zeiten verkündet werden. Soll man in Italien leben und streben und das ignorieren? Sollte Malerei nur dazu existieren, den Ausübenden vor dem Hungertode zu fiebern rind den Liebhaber momentan zu erfreuen? Das menschliche Leben ist doch gewiß nicht so schön, daß die bloße Erhaltung desselben einen zu begeistern vermöchte, noch kann falscher Ruhm so ver­blenden, um anregend zu wirken in einer Zeit, wo man Gut und Schlecht nicht zu unterscheiden weiß." . . . -c-k.

ipc. Die erste höhere Lehranstalt in Deutsch Südwe-stafrika. Am 19- Januar ist in Windhuk eine zunächst sechsklassige Realschule eröffnet worden. Die An­stalt, deren Besuch Knaben und 'Nääd.chen gleichzeitig frei­steht, gewährt die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Heeresdienste. Unterrichtsfächer sind Deutsch, Englisch, Fran­zösisch, Naturwissenschaften, Geschichte, Erdkunde, Zeichnen, Turnen und Gesang. In der Sexta und Quinta beträgt das jährliche Schulgeld 120 Mark, in der Quarta und Unter­tertia 160 Mk., in der Obertertia und Untersekunda 200 Mk.

Ein Kabin ettsstück der i ta l ienis che n Zensur. Der römische Korrespondent der M. N. N. schreibt: Die Zettungs- korresponbenteu sowohl die inländischen als die ausländisckren - haben hier im Hauptpostgebäude ein besonderes Zimmer, das ihnen die Postveiroalttiug in liebenswürdiger Weise zur Ver­fügung stellt. An einem der letzten Tage wurde in diesem Zimmer eine Bekanntmachung angeschlagen, die so interessant ist, baß sie weitere Verbreitung verdient. Sie lautet folgender^ maßen:Tie Herren Korrespondenten nxrben hli erntet im In­teresse ihres Dienstes gebeten, die Erklärung zu erneuern ?), die das Telegraphenamt ein für alle Mal berechtigt, Worte zu streichen oder zu indem, ohne jedeSmal von Fall zu Fall die Zustimmung des Korrespondenten einholen zu müssen. Diese Er­klärungen können dem Unterzeichneten eingerncht werden, der sie sofort dem hiesigen Amt übermitteln wird. Der Bureau-Vorstand lfolgt die Unterschrift." Es gibt ratter den Journalisten Leute und ich muß zu meiner Schande gestehen, daß uh zu diesen gehörte - , dte die oben zitterte BeLoyckWulMig zuerst tzte euren

Scherz hielten! Erkundigungen, die ich aber persönlich bei dem! Bureauvorsteher voruahm, haben mich indessen schrrell eines Besseren belehrt. Tos Schriftstück ist ernst, bitter ernst gemeint und beweist, daß die Zensur der Telegramme intfreien" Lande Italien jetzt ihren Gipfelpunkt erreicht hat. Bisher begnügte sich die Zensur damit, die unschuldigsten Zeitungsd epischen entweder einfach zu jequeftrieren oder sie mit einer Verspätung trott vier ober fünf Stunden abgehcn zu lassen, so daß sie für die nächste Zeitungsausgabe nicht mehr rechtzeitig an kommen konnten unddaHer wertlos wurden. Jetzt geht sie noch einen Schritt weiter. Sie möchte nicht nur negativ, sondern iml Interesse des Dienstes der Korrespondenten positiv arbeiten und uns bei der Abfassung unserer Telegramme ihre hilfreiche Hand bieten. Die Zeitungs­korrespondenten haben sich hin und wieder heftig darüber beklagt, daß die Herren Zensoren imr zu oft ohne den geringsten Grund die an Zeitungen abgesandten Depeschen einfach konfiszieren. Tas soll nun nicht mehr geschehen, falls und nun kommt die ganz kleine Bedingung die Journalisten den Herren Zensoren durch eine schriftliche Erklärung des Recht cinränmen, die Tele^ gramine nach Bekleben zu fertigeren,Worte zu streichen oder zu ändern", kurz, sie so zuzurichteu, daß der eigentliche Absender» seine Miädungeu, wenn sie gedruckt ersckwinen, vielleicht gar nicht wiedererkennen würde! Tie hockwerehrte Zensur ist, wie man sieht, sehr zuvorkommend - doch hoffe ich, daß die Herren Kollegen, auf dieses un erhörte Anerbieten die gebührende Antwort geben werden. Ich für meine Person wenigstens lehne entschieden die Mitarbeiterschaft des Zensors und noch dazu hinter meinem* Rücken bei der Abfassung meiner Telegramme ab und brtt überzeugt, daß ich in diesem Punkte in vollem Einverständnis mit einer Zeitung handle, die es immer vorziehen wird, kein Tele­gramm . als ein von der Zensur in ufum delphini zugestutztcÄ zu erhalten.

Grönlandexpedition. Tic Mitglieder des Komitees für die Tanmark-Expedition haben beschlossen, eine kleinere Expedition nach der Nordostküste Grönlands auszusenden, um in den Besitz der Tagebücher und Karten­skizzen zu gelangen, die die Mitglieder der Danmark-Er- pedition, Mylius Erichsen und Hoegh Hagen, wahr­scheinlich im Danmarksjord niedergelegt haben. Der Ex- peditionsplan ist von dem beTaimten Polarforscher Ejnar Mikkelsen entworfen, der auch zum Leiter anserschen ist. Die Expedition soll aus sieben Mitgliedern bestehen und' mitte Juni von Kopenhagen abgehen und im Herbst 1910 zurückkehren.

Kleine Chronik aus Ku u st und Wissenschaft. Heute wurde der Grundstein gelegt zu dem vom Geheimrat Ppos. Dr. Hergesell unb Professor P a nitwi tz gegründeten O bq servatorium am Pie von Tenerife.