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3.5.1909 Erstes Blatt
 
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Beim Kapitel Universitäten wurde auch der Fall ftublenbecf zur Sprache gebrackst. 9J?ontag Weiterberatung des Kultus-Etats.

Geheimrat Dr. Hamann unter Anklage. Die Nvrdd. Allg. Ztg/' meldet: Entgegen den ablehnenden Be­scheiden des Oberstaatsanwalts beim Landgericht 1 und des Ge­neralstaatsanwalts beim Kammergericht beschloß der Strafsenat des Kammergerichts die Erhebung der öffentlichen Anklage wegen Verletzung der Eidespflicht gegen den Wirklichen Ge- heinren Legationsrat Dr. Hamann. Dieser beantragte darauf beim Staatssekretär des Auswärtigen Llmtes seine Beurlaubung unter Suspendierung vom Amte bis aus weiteres. Dem Anträge ist stattgegeben worden.

GberlWscher Nationalliberaler Parteitag.

* Grünberg, 2. Mai.

Heute tagte hier die Vertrau ensmänner-Ver- sammlung der nationalliberalen Partei aus dem Reichs­tags-Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda, die bei zahlreichem Besuche das OrganisationSstalut beschloß. Rach Annahme der Vorlage wurde der Reichstags-Wahlkreis-Vor- stcrnd gewählt, der aus allen Berufsklassen Mitglieder enthält.

Zu gleicher Zeit tagte die Vertreter-Versamm­lung der drei oberhessischen Reichstags-Wahl­kreise, in der eine ausführliche Besprechung der gemein­samen Organisation und der Stellung der nationalliberalen Partei zu 'den anderen Parteien stattfand. Namentlich in letzterer Beziehung herrschte Einmütigkeit der Vertreter. Einstimmig wurde nach lebhafter Aussprache über die Reichs­finanzreform folgende Resolution gefaßt:

Die nationalliberale Vertreter-Versammlung der drei oberhessischen Reichstagswahlkreise, die am 2. Mai 1909 unter zahlreicher Beteiligung in Grünberg tagte, hält die schleunigste Durchführung dec Reichsfinanzreform für eine gedeihliche Weiterentwicklung des Deutschen Reiches für un­bedingt notwendig. Sie sieht in dieser Reform eine Lebens­frage des Deutschen Reiches, von deren gründlicher Lösung das Ansehen desselben nach innen und nach außen abhüngt. Die Vertreter-Versammlung erwartet von dem Reichstage, daß er in diesem großen geschichtlichen Augenblick sich seiner Aufgabe als Vertreter des deutschen Volkes gewachsen zeigen und über alle kleinlichen Sonderinteressen hinweg nur das große Ziel im Auge behalten möge. Sie erklärt sich mit Entschiedenheit gegen eine Abwälzung der Reichslasten auf die EinKelstaaten und hält die Besteuerung der Erbschaften und zwar auch derjenigen, die an Kinder und Ehegatten fallen, unter Freilassung der geringen und mittleren Ver­mögen und unter besonderer Berücksichtigung der Land­wirtschaft für die zweckmäßigste Lösung der drängenden Reichssinanzreform. Die zur Gesundung oer Reichssinanzen notwendigen Mittel mit aufbringen zu helfen ist Ehren­pflicht eines jeden Berufes und Standes. Alle müssen Lasten auf sich nehmen, aber gerade die Leistungsfähigsten die meisten. Hier kann sich wahre Vaterlandsliebe am schönsten durch die Tat bewähren!"

Im Anschluß hieran fand um 4 Uhr in der Turnhalle eine sehr gut besuchte öffentliche Versammlung statt, in der namentlich auch viele Landwirte anwesend waren. Rechtsanwalt Kaufmann eröffnete die Versamm­lung mit Worten der Begrüßung, insbesondere begrüßte er die Vertrauensmänner des Reichslags-Wahlkreises Gießen- Grünberg-Nidda, die in stattlicher Zahl erschienen seien, und vorher in vertraulicher Sitzung die Organisation des Wahlkreises endgültig festgelegt hätten. Auch die Ver­trauensmänner der beiden anderen oberhessischen Wahlkreise begrüßte er herzlich, um dann die oben abgedruckte von den Vertrauensmännern einstimmig beschlossene Resolution zur Reichsfinanzreform mitzuteilen. Er schloß seine Be­grüßungsansprache mit einem Hoch auf Kaiser und Groß­herzog.

Sodann ergriff der Vorsitzende der hessischen national­liberalen Landespartei, Reichstagsabg. Dr. Osann, von Beifall empfangen, das Wort zu einem Vortrag über die politische Lage. Er führte einleitend aus, daß er sich freue, im Herzen von Oberhessen vor einer so zahlreichen Versammlung sprechen zu können. Er betonte, daß die nationalliberale Partei in der Förderung der Landwirtschaft eine ihrer vornehmsten Aufgaben sehe. Die heutige poli­tische Lage in Deutschland sei schwer, und es gelte für die in oer Mitte stehende nationalliberale Partei, nachdem Zen­trum und Sozialdemokraten ausgeschieden worden seien, mit den Konservativen und Freisinnigen die finanziellen Verhältnisse des Reiches neu zu ordnen. Die früheren Be­schlüsse für die Finanzen seien wechselnder Natur gewesen und nicht immer erfreulich. Die Notwendigkeit, dem Reiche alljährlich 500 Millionen neuer Steuern zu erschließen, sei heute allseitig anerkannt. Die 500 Millionen seien aufzu­bringen für Armee, Flotte und Kolonien, die Witwen- und Waisenversorgung der Arbeiter und die Aufbesserung der Beamten. Dre Erhaltung unserer Wehrkraft sei außer von den Sozialdemokraten allseitig anerkannt und außer dieser Partei halte niemand die jetzige Zeit für eine Abrüstung geeignet. Kriege aus dynastischen Interessen würden heute nicht mehr geführt, es handle sich um wirtschaftliche Interessen. Um hier auf alle Zwisck)enfälle gerüstet zu sein, sei die Erhaltung unserer Wehrkraft unbedingt er­forderlich; einzelne Ersparnisse könnten ja beim Heer viel­leicht gemacht werden, aber andererseits bedingten technische Fortschritte usw. auch wieder neue Ausgaben. Tie deutschen Interessen würden empfindlich zu leiden haben, wenn man nicht dem Reiche das geben wolle, was zur Erhaltung seiner Stellung und seines Ansehens nötig sei. Alle Stünde müßten zu Opfern bereit sein, und wer heule aus selbstsüchtigen Gründen versage, solle sich zu den Reichsfeinden gesellen. Tre neu geforderten Steuern seien so angelegt, daß not­wendige Lebensmittel nicht belastet werden sollen, sondern hauptsächlich Genußmittel. Auch bei den Erzeugern dieser Produkte (Tabak, Bier und Branntwein) habe sich in letzter Zeit die Notwendigkeit Ueberzeugung verschafft, daß für die Aufbringung der erforderlichen Mittel auch ihre Pro-

Erstes Blatt

159. Jahrgang

Montag 3. Mai 1909

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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Aus Nordschleswig wurden drei Dänen, die sich irreden- tistisch betätigten, mit dreitägiger Frist ausgewiesen.

Der russische Minister des Aeußern, Iswolsky, wurde am Samstag in der chirurgischen Klinik von Professor Angerer in München operiert. Es handelte sich um die Entfernung eines gutartigen Fettgeschwulstes mit linken Oberarm. Der Mi­nister bleibt einige Tage in der Klinik.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Samstag zunächst Wahlprüfungen. Die Wahlprüfungs-Kommission beantragte die Wahl des Abg. Wendlandt (natl.) Eschwege-«L-chmal- talden für ungültig zu erklären und die Negierung zu ersuchen, die Formulare der Wahlprotokolle für Ternrinwahl und Frist­wahl getrennt aufzustellen. Von nationalliberaler Seite wurde beantragt, die Angelegenheit an die Wahlprüfungs-Kommission zur nochmaligen Prüfung zu überweisen. Bei der Abstimmung über diesen Antrag ergab sich Beschlußunfähigkeit. In einer neuen Sitzung wurde dann mit schwacher Mehrheit der Antrag angenommen und hierauf verschiedene Wahlen für gültig erklärt. Dann wurde die zweite Beratung des Kultus-Etats fortgesetzt.

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Nr. 102

Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GietzenerZamilienblätter; zweimal wöchenll.Ureir- blett färben Kreis (Sieben (Dienstag und Freitag); zweiinal 'monatl. Land­wirtschaftliche oeitsragen Fernsprech - Anschlüße: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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Kronprinzessin Juliane.

Die neugeborene niederländische Prinzessin hat laut Eintragung r is Standesamtsregister die Namen Juliane Luise Emma Marie Vilhelmina erhaltet!. Nach einen, gestern vormittag ausgegebenen Bulletin befinden sich die Königin und die Prinzessin wohl. Die Königin ist sehr glücklich und sehr guter Laune. Am Samstag rndymittag empfing sie ihre erste Hofdame und unterhielt sich Emgere Zeit mit ihr. Auch die übrigen Hofdamen hatten Ge- kcgenheit, der Königin ihre Wünsche darzubringen. Alle Mel­dungen über eine Patenschaft des deutschen Kaisers und der deut- F-üen Kaiserin sowie von einer Reise des Kaiserpaares nach dem »aag sind vollkommen unrichtig. Die Paten sind noch nicht bestimme, i zrben aber aus dein engeren Familienkreise gewählt nerden. Unter den Paten werden bestimmt sein der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin und die Herzogin von Albany in London, die Schwester der Künigin^Mutter. Wie sehr die Teil­nahme an der Freude im holländischen Königshause voeit über die ^ftenzen Hollands hinausgeht, lehrt eine Meldung aus Wies­baden, wonach der stommunallandtag des Regierungsbezirks Wies­baden an die Königin von Holland folgendes Telegramm gesandt tzat:Ihrer Majestät der Königin der Niederlande. Eurer Maje- bät beehrt sich der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wies­baden, als gesetzgebende Vertretung altvranischer Landesteile, der

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geistige Nahrung, die unser Volk, unsere Jugend besonders, aus solchen Machwcüen zieht, ist tödliches Gift, dem die Grenzen zu sperren eine ernste Pflicht für alle Volks- und Baterlandsfreunde sein muß. Schon vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Denn in Deutschland und Oesterreich gibt es zusammen mehr als 8000 Buchhandlungen und über 30 000 Kolporteure, die hauptsächlich vom Vertrieb dieser Sudeleien leben und einen Jahresumsatz von wenigstens 50 Millionen Mark erzielen, Summen, die zu neun Zehnteln von schulpflichtigen Kindern, Arbeitern, Arbeiter­innen und Dienstboten aufgebracht werden, nicht nur in der Stadt, auch auf dem Lande. Und doch ist diese Riesensumme an Geld nichts gegenüber dem Riesenelend, das mit den dafür er­worbenen Schriften in den Seelen ihrer Leser angerichtet wird. Die Zeitungen sind voll davon, das tägliche Leben zeigt es, Gerichtsverhandlungen legen dafür Zeugnis ab, daß durch das Lesen der Schundromane unsere Jugend verwahrlost in entsetz­licher Weise. Im Kölner Stadtwald erdrosselte ein 15 jähriger Junge den 9 jährigen Jakob Hammer, um, wie er angab, selbst einmal zu tun, was er in vielen der von ihm mit wahrer Gier gelesenen Schauergeschichten dargestellt gefunden hatte. Kaltblütig beobachtete er die Todeszuckungen seines Opfers und empfand keine Reue über seine schreckliche Tat. Eine 17 jährige Plätterin machte ihrem Leben auf dieselbe Weise ein Ende, wie die Heldin des von ihr gelesenen Hintertreppenromans. Ein 16 jähriges Mädchen, die Tochter einer gebildeten Familie, wurde unter dem Einfluß von Schundbüäiern zur Dirne, Diebin und Mörderin, bis das Zuchthaus sie auf Lebenszeit aufnahm u. s. f. Eltern, Lehrer und Meister müßten darum alles daran setzen, die ihrer Erziehung Anvertrauten vor diesen jedes sittliche Gefühl ab- stumpfenden, von Blut, Mord und Verbrechen aller Art förm­lich triefenden Erfindungen einer verderbten Phaittasie zu be­wahren. Gegen die volksvergiftende Schundliteratur nachdrücklich anzukämpfen, heißt des Volkes edelste Güter wahren.

Kleine Chronik aus K u n st und Wissen­schaft. Die Wiesbadener Ausstellung für Hand­werk und Gewerbe, Kunst und Gartenbau wurde am Sams tag mittag durch den Ehrenvorsitzenden Regierungspräsi­denten Dr .0. M e i st e r eröffne t. Anwesend waren u. a. Prinzessin Elisabeth zu Schanmburg-Lippe, O b er­bst r g e r m e i st e r Dr. o. I b e l und der zurzeit hier ver­sammelte Kommunal-Landtag des Regierungsbezirls Wies­baden. An die Eröffnung schloß sich ein Rundgang durch die überaus zahlreich beschickte Ausstellung und ein Fest­essen. In Dresden wurde am Samstag in Gegen wart des Königs, des Prinzen und der Prinzessin Jo­hann Georg, der Prinzessin Mathilde, sowie den Spitzen der Militär- und Zivilbehörden und des diploma­tischen Korps die unter dem Protektorat des Königs stehende Photographische Ausstellung eröffnet.

politische Lagesschau.

Tie Lage ist bitter ernst.

Zur Frage der Reicktssinanzreform sckweibt dieNvrdd. Mg. Ztg." in ihrem Wochenrückblick: Die Lage ist bitter erst. De Frnanzresvrm, die eine vom deutschen Volke mit größter Ent­schiedenheit geforderte unaufschiebbare Notwendigkeit bedeutet, ist trotz immer wiederholter Anläufe und Versuche wälzend der letzten sechs Monate im Parlament nicht weiter gekommen. Im ganzen genommen sind wir nicht wesentlich weiter als Anfang November. Der Sommer steht vor der Tür. Die Reform muß jetzt erledigt werden. Das Volk verlangt es vom Reichstag, das AuÄand blickt mit Spannung auf uns. Die alsbaldige Erledigung ist zur nationalen Ehrensache geworden. Entzieht sich die Mehrheit des Reickistages dieser Aufgabe, so sind die Folgen unberechenbar. Wie übrigens der Börsen->Dourier erfährt, hat auch Reichs­kanzler Bulow den Führern der Konservativen gegenüber pnt ml zweideutigen Ausdruck gebracht, daß er eine Finanz- und Steuer- Reform aus den Händen des Zentrums und der Polen nicht ent- gogemuchmen werde. Aus der Haltung der Konservativen werde er die Konsequenzen ziehen. Ob diese Konsequenzen in dem Rücktritt des Reichskanzlers oder in der Auflösung des Reichstages bestehen werden, ist noch nicht bestimmt. Wie die Konservativen sich jetzt zur Lage stellen, geht aus Nachstehendem! hervor: Mit Zustimmung beS 50 er Ausschusses der konservativen Partei veröffentlicht die ltzreuzzeitung einen Aufruf, in dem sie nochmals ihre ablehnende Haltung zur Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und '.Hyegatten begründet und in dem es bann heißt: Es ist doch ein schlimmer Mangel an Vertrauen zu unserer Vertretung, wenn ber Anstttrm der Gegner unsere Freunde im Lande irre zu machen iwoht und uns Anfeindungen seitens der Beamtenschast, für deren Interessen wir wieder wirksam eintreten und Verkennung seitens gewisser Kreise des werktätigen städtischen Mittelstandes zuzieht, der hier seine bewährtesten Freunde vergißt. Wir kämpfen auch nicht, gegen die Perfon des leitenden Staatsmannes, dessen große lBerdienfte auf dem Gebiete der auswärtigen Angelegenheiten und 3)er Wirtschaftspolitik wir unumwunden anerkennen. Deshalb mähnen wir zur besonnenen Festigkeit und Vertrauen. Es ist in der Tat eine ernste Stunde für unsere Partei. Bleiben wir rmerschütterlich fest bei dem als richtig Erkannten.

Schularbeiten in Klassenzimmern. In Chär- kttenEurg hatte man im verfloisenen Winter die äußerst emp- j.chlenswerte Einrichtung getroffen, in einzelnen Schulen nack>- mittags einige Klassenzimmer offen zu halten, um den Kindern der umbennttelten Bevölkerung, denen es oft an einem hinreichend arbeiten und erleuchteten Raum in der elterlichen Wohnung Wt, Gelegenheit zu geben, ihre Schularbeiten anzusertigen und jick) durch Lesen guter Bücher usw. zweckmäßig zu beschäftigen. Sa sich diese Einrichtung gut bewährt hat, soll im nächsten Winter möglichst in allen Schulgebäuden der Verjuch wiederholt werden. Eine Verfügung, die man nur freudig begrüßen kann.

Im Kampfe gegen die Schundliteratur. Durch die Zeitungen geljt jetzt die Nachricht, daß der Schöpfer d a berüchtigten Nick Carter-Bücher, Frederik Dey, in einer New- bjnrter Nervenheilanstalt Aufnahme suck-en mußte. Welche Er- schdungsgabe er in gesunden Tagen besaß, geht daraus hervor, d<ß er wöchentlich einen Kriminalroman schrieb, deren jeber ihm 7500 Mark einbrachte. Solche Preise werden für Schundliteratur gezahlt ein Beweis für ihren Riesenabsatz. Und in diesem Kiesenabsatz liegt eine ernste Gefahr für unser Volk. Denn die

Gieszenev Ponzertverein. ix.

Zweiter Kammermusik-Abend.

Zum Gedächtnis des hundertsten Todestages von Haydn twurde gestern von den Herren Trautmann, Redner umd H e g a r das Trio in Es-dur Nr. 8 für Klavier, Violine umd Cello von Haydn gespielt. Die-Wiedergabe war sehr (gut; namentlich der wundervolle zweite Satz, ein echter Haydn, kam durch das glänzende Spiel des Prof. Trautmann hervorragender Geltung. _ Einen recht seltenen und eigen­artigen Genuß gewährte die Sonate op. 17 in F-dur für Waldhorn und Klavier von Beethoven. Herr Carl Preuße

erzielte hier mit seinem Instrumente einen großen, wohl­verdienten Erfolg, ebenso in dem Schlußtrio von Brahms Cop. 40 in Es-dur) für Violine, Waldhorn und Klavier. Deben den übrigen Aiitspielern erfreute hier namentlich $err Redner durch sein geradezu glänzendes Spiel. Als Sängerin dieses genußreichen Abends lernten die Zuhörer art der Schwester des Künstlers, in Frl. Mela Redner ston der ckvburg-gothaischen Hvfvper eine Künstlerin von hohem musikalischen Können und mit sehr sympathischer, weicher Stimme kennen. Mit der Arie aus Figaros Hochzeit gewann die Sängerin sich im Sturme die Gunst der <}: Hörer. Packender noch gestaltete sicb die Wirkung bei dt Sthubertschen und Brahmsschen Liedern, vor allem bei dem üiesergreisendenWehe, so willst du mich wieder" (Brahms ccp. 32 Nr. 5). -n.

Wiege Vvn Eurer VLajestät Ahnen, zur Geburt der Prinzessin ehr­erbietige Glückwünsche zu übersenden. Gott schütze Eure Majestät und die junge Prinzessin. Der Vorsitzende des Kvmmunalland- tageS des Regierungsbezirks Wiesbaden. Dr. Humser."

Aus der Türkei.

Vvn wohlunterrichteter Seite werden die Gerüchte bestättgt, daß ALdul Hamid die Absicht gehabt habe, am vergangenen Sams­tag durch Kurden und aufständische Soldaten Metzeleien nunter den Griechen und Armeniern herbei führen zu lassen, um eine Intervention und eine Besetzung Konstantinopels zu veranlassen, nxil er hoffte, unter dem Schutze der Mächte auf denk Throne bleiben zu können. Tas sei die Ursache gewesen, daß der Einmarsch der Belagerungstruppen bereits am Samstag erfolgte. Ein Kammer­herr des Sultans bezeichnete indessen die Gerüchte, daß die Ab- sicht bestehe, Abdul Hamid nach Monaftir zu bringen und vor ein Tribunal zu stellen, als falsch Das Strafgericht schont jedoch bie übrigen Schuldigen nicht. Wie die Blätter melden, verur­teilte das KriegsgerÄft bisher neun, Personen zum Tode, unter ihnen den Mörder des Justizministers fliazim Pascha. Etwa 200 Angeklagte wurden freigesprvchen. Das Kriegsgericht dürfte in einer Woche feine Tätigkeit beenden. Der Kaimakam Vvn Novi- bazar,welcher beschuldigt wird, mit der reaktionären Bewegung in seinem Bezirk sympathisiert zu haben, wurde abgesetzt knb mußte nach Saloniki reifen. Die kriegsgerichtliche Untersuchung gegen viele im Jildizpalast angestellte Personen, gegen Geistliche und Soldaten soll sehr belastendes Material gegen Abdul Hamid zutage fördern. Die Leitung der mazedonischen Truppen, sowie andere maßgebende Faktoren beschäftigen sich jetzt mit der Frage der 'Beschlagnahme des größten Teils des Vermögens' Vvn Abdul Hamid, welches zweifellos den Staatsgütern entnommen ist. Be­merkenswert für die hiesige Stimmung ist das Au stauchen von Bernrutungen und Befürchtungen, der Thronwechsel sei nur provi­sorisch und ein weiterer Wechsel sei zu erwarten. Inzwischen ver­handelte die Kammer am Samstag in stürmischer Debatte über die Unruhen i n A d a n a. Mehrere armenische Abgeordnete griffen auf das Heftigste die Regierung 'als Anstifterin der Niedermetze­lungen an. Zuhrab (Armenier) führte aus, die Mörder hätten ihre Verbrechen unter den Rufen: Hoch Abdul Hamid, begangen. Der Unterstaatssekretär des Innern verteidigte die Regierung und verlas Briefe der Behörden aus Adana, worin die Armenier als an­greifender Teil bezeichnet iverden. Das Haus beschloß, die Re­gierung mifzufordern, einen Kredit Vvn 20 000 türkischen Pfunds zur Unterstützung der Hinterbliebenen der Opfer in Adana zu be­reinigen und unverzüglich ein Kriegsgericht nach Adana und Aleppo zu senden, um die Schuldigen zu bestrafen.

stamm ab morgen. ^8-Paris, zirka ft KlOOOWaufdqfe 'n Charlotte Berem Gießen gastier kannten Künstler »ter in Paris, moristisch.

Drama, nocistisch. , huinoristisch. iriftifd). ff, reise.

Schlossgasse 19. ft: ßahnbofctr. 11' phon 36.

Bezugspreis: monatlich 75Vf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Pf.; durch diePost Mk.2. Viertel­jahr!. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lolallbPf., auswärts 20 Pfennig.

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