Ausgabe 
2.2.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 27

Zweites Blatt

Dienstag 2. Februar 1909

KetzeM Anzeiger

Erschein! tägNH mit Ausnahme deS Sonntags.

Gmeml-MZeiger für Gberhefsen

L 89. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der vrühpschm UnwersitälS - Buch- und StetnbrudercL R. Lange, Gießen.

Redaktion, Crpeditton und Druckerei: Schul» strotze 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: ^^112. Tel.-2ldruAnzeigerGießen»

DieSiebener ZamiUendlätter" werden dem ,2lri3Ctflere viermal wöchentlich beigelegt, das Krtisblatt für den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. DleLandwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweunaU

Der deutsch-schweizerische Mehiftreit

hat bekanntlich neuerdings zu einer Boykottbeivegung in der Schweiz geführt. _5n der Budgetkommission des Reichstages hat nun kürzlich der Staatssekretär des Auswärtigen eine eingehende Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse gegeben, die eine solche Zuspitzung der ^-ragc veranlaßt haben. Lluf schiveiz er sicher Seite hat man diese Darstellungen nicht ohne Widerspruch hnrgenommen, und deshalb gibt nun die iltordd. Allg. Ztg. eine authentische Darstellung der Verhandlungen, die in dieser Angelegenheit statt­gefunden haben. Die Nordv. Allg. Ztg. äußert sich wie folgt: 1. Die Schweizer Unterhändler hatten das gesamte zur Prüfung der Frage erforderliche Material von den deutschen Uuterhäirdlern erhalten.. 2. Die Schweizer Unterhändler haben nach Prüfung der Frage erklärt, daß Deutschland keine Prämie bei der Aus­fuhr von Weizenmehl gewähre. 3. Tie Schweizer Unterhändler haben erklärt, daß der Mehlzoll, der früher vertraglich 2 Frs. betragen hatte, zwar nickst wegen einer deutschen Prämie, wohl aber wegen der von anderen Staaten gewährten Prämien im Interesse der Schweizer Müllerei auf 2,50 Frs. gehalten werden müsse. 4. Die Schtveizer Unterhändler waren, nachdem sie die Nichteristenz einer deutschen Prämie anerkannt hatten, zur Bil­dung eines ?Nehlzollcs bereit 5. In zweiter Lesung ist feine nack)drückliche" Zurücknahme der in erster Lesung abgegebenen Erklärung Schweizer Unterhändler erfolgt, sondern diese send ledig­lich uni) noch dazu in sehr abgeschkvächter Form auf iljre in erster Lesung eichenen Bedenken mit dem Vorbehalt zurückgekommen, diesen Punkt nochmals zu prüfen und ihn später zum Gegen- stmld nvchuraliger Erörterung zu machcm. 6. In dritter Lesung Haden bvt Schweizer Unterhändler, ohne mit einem Wort aus die Prämien frage wieder zurückzukmnnen, den Mehlzoll gebunden und damit das ZugesLändnis bewilligt, welä^es sie in erster Lesung unter ausdrücklicher Anerkenntnis der Niästexistenz einer deut­schen Prämie zu omchen bereit waren. Wenn in der brüten Lesung die Prämien frage von deutscher Seite nicht wieder berührt worden ist, so hat dies einfach darin feinen Grund, daß die deut­schen Unterhändler w5ocr die Ausgabe noch eine Veranlassung hatten, die SckIveizer Bedenken zu vertreten. Dies zu tun, war Sache der Schweizer Unterhändler. Da die schlveizerisckMU Unter­händler bei der dritten Lesung die Sache nicht wieder zur Sprache gebracht, vielmehr in voller Kenntnis der deutschen Bestimmungen den Schweizer Mehlzoll gebunden haben, so dürfte es nicht zu bestreiten sein, daß sie damit auch tatsächlich die Nichtexistenz einer deutsä-en Prämie anerkannt habem

Die Erklärung des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts in der BudgetLmrmission des Reicl-stäges entsprach daher durch- aus den Tatsachen.

Aus diesen Angaben der Nvrdd. Allg. Ztg. geht zur Er­widerung hervor, wie ungerechtsertigterweise die ganze Angelegen­heit von den schweizerischen Müllern aufgebauscht worden ist. Das sästint man auch in der Schweiz selbst ganz allgemein eingesehen zu Haden, denn nennenswerte Erfolge hat die Boykott- dewegung gegen das Deutsche Reich bisher nicht gehabt Ader man darf die Bedeutung dieser Bewegung auch nicht unterschätzen, und übergroß sind die Sympathien nicht, die wir in der Lnhweiz geniesten. A.

politijd^c Ltrges'-etz«rr.

Um drei Pfennige.

Wenn man, wie wohl allgemein gewünscht wird, ernst machen will mit der Sparsamkeit auf allen Gebieten unseres öffentlichen Lebens, dann dürften eigentlich solche Tinge nicht Dorfommen, wie sie jetzt derKöln. Ztg." aus Altenkirchen im Nheinlande berichtet werden. Dort wurde ein aus Oesterreich gebürtiger, im Bezirk des benachbarten Asbach wohnender Befenbinder von einem Gendarm dabei betroffen, wie er sich in einem Walde einige Reiser ab­schneidet Er wurde zum Bürgermeister transportiert, der thn nach Vernehmung und dem Verhör von Zeugen laufen läßt, aber sein Messer beschlagnahmt. Nunmehr kommt die Sache an den Amtranwalt, der zunächst die Akten dem König!. Oberwrsler zu» schickt zur Feststellung des Wertes der Reiter. Dieser beordert den Zuständigen Förster an den weit von seinem Wohnort befiiidlichen Tatort; letzterer stellt als Wert drei Pfennige fest. Danach erhebt der Amtsanwalt Anklage vor dem Schöffengericht, wie dies gesetzlich vorgeschrieben ist, und letzteres erhebt das Lerfahreii. In dem ersten Termin erscheinen zwar die Zeugen, aber nicht der Angeklagte. Ein zweiter Termin wird notwendig, zu dem der An­geklagte durch die Polizeibehörde seines Heunatsortes vorgeführt wurde. Tas Urteil lautete auf 3 Mark Geldstrafe, Einziehung des Messers und Ersatz des Wertes der eiitroeubcten Reiser. Ta der Angeklagte nicht zahlt, wird das zuständige Amtsgericht Asbach um Strafvollstreckung ersticht. Dieses schickt zunächst den Gerichts­vollzieher m die Wohnung des Mannes und lägt die Unpfändbar­keit desselben feststellen. Danach wird die subsidiäre Hailürcne gegen den Angeklagten vollstreckt. Tas Messer wird zngunsten des Fi'sknS ve.ckanft. Mit dieser Sache Haden alio folgende Behörden zu tun gehabt: ein Gendarm, ein Polizist, zwei Bürgermeister, je ein Amiscinwalt, Oberförster, Förster, zwei Anltsr chker und ein Schöffengericht, ein Gerichtsvollzieher und em Gcfängnisverwalter und dazu noch die ganz erheblichen Losten. Und das alles iim btei Pfennige! Ist das nicht geradezu eine sinnlose Verschwendung an Zeit, Arbeitskraft und Geld?

Allgemeiner Deutscher Sergarbeiter-Rongretz.

S. N. H. Berlin, 1. Febr.

Die heutige Sitzung wurde von Reichstagsabg. Sachse er­öffnet; er führte in seiner Begrüßungsansprache aus: Mit Be­dauern sei zu. konstatieren, daß nicht eine einzige Regierung ihr Erscheinen an dem Kongrest zusagte. (.Hört! Hört!) Wenn hier die Arbeitgeber oder der deutsche Handelsrag versammelt wären, dann hätten wir wahrscheinlich die hohe Ehre, zwei bis drei Minister hier begrüßen zu können, eo sind wir aber nur Ar­beiter. Man spricht davon, da st mir den Arbeitern daS 25er- trauen zur Regierung nehmen. Tie Regierung möge an ihre eigene Brust schlagen. Ein Verhalten, wie sie es zeigt, trägt nicht dazu bei, bei der Arbeiterschaft Vertrauen zu ihr zu er­wecken. (Beifall.)

Darauf richtete Jarvlin von der Oesterreichsichen Berg­arbeiter-Union einige Bcgrüstungswvrte an die Versammlung und erklärte, die Frage der Einführung von Bergarbciterkontrolleuren, die vom Staate bezahlt und von den Arbeitern gewählt werden, interessiere nicht nur Teutschlaiw, sondern die Bergbautreibende Bevölkerung der ganzen Welt.

Auf der Tagcsvronung stand zunächst das Referat von Franz Pokorny vom Alten Verband über: Die Einführung von Grubenkontroll euren. Pokorny führte aus: Tic Unglückszahlen im deutschen Bergbau sind so ungeheuerlich, dast man es nicht für möglich halten sollte, dast sie erreicht werden

konnten. Mit diesen Unfallzahlen geht Deutschland allerdings inder Welt voran. Wir haben zwar Bergarbeiterbeftimmungen und deren sind derartig viel, dast die meisten Bergarbeiter sie nicht einmal gelesen haben können. Liber sie stehen auf dem Papier. Keine Einrichtung in Deutschland hat derartig mora­lischen Bankrott gemacht wie die Bergaufsicht. Sie soll die beste sein. Wir sehen aber, dast im deutschen Bergbau die Unfälle immer mehr und mehr in die Höhe gehen. 95 Prozent der gesamten deutschen bergbaulichen Betriebe sind int Jahre 1907 nur ein­mal revidiert worden. (Hört, hort!). In nur 41 Prozent der Betriebe ist Revision bis zu zweimal eingetreteiL

In der Diskussion brachte Bergarbeiter Schmidt (Essen) verschiedene Mißstände auf der Zeche Borussia vor. Dort be­stehe an zahlreichen Stellen Schlagnrettergefahr. Bei der Be- sahruttg durch die Behörden würden die betreffenden Stellen der Grube zugcmauert oder zugenagelt. Die Explosionsgefahr sei sehr grvst. Auf der Zeche v. b. Heydt bei Herne fei kürzlich ein Wagen in die Grube gebracht worden, aus dem beim Umkippen glühende Asche herausgefallen sei. Auf der Zeche Presper herrsch steter Holzmangel. Unter gvostcr Aufmerk- merksamkeit ninunt sodann das Wort der Arbeiter Thomas, einer der Geretteten von der Rabbodkatastrophe: Unser Losungs­wort lautet jetzt: Arbeitertontrolleure. Wir verlangen sie und bitten nicht mehr darum. Auf Radbod find als Berhauer und Schlepper und nach ziveimotatiger Tätigkeit schon als Lehr­hauer Leute ongcsttllt, die vorl-cr auf der Landstraße arbeiteten. (Hört, hört!) Was kann ein solcher Mann für Schweinerei in der Grube machen? Die 367 Kameraden, die dort unten liegen, schreien nach Rache. Äluf Radbod gibt es auch keine Wegweiser in der Grube. Wie die Wetterkontrolle geführt wird, so etwas habt ihr noch nicht erlebt, davon habt ihr keine Ahnung. Die Beamten, die die Kontwlle ausüden, dürfen doch nichts ins Buch schreiben, sonst fliegen sie und finden im ganzen Ruhrrevier keine Arbeit mehr. Die ArbeitÄnethode ist einfacher Raubbau. Die Bremsberge sind reine Feuerlöcher gewesen. Wenn sich bic Kameraden über bic Wetterführung befchrverten, bann hieß es stets: Ihr habt ja ftische Lust genug. Erst als die Bergbehörde darauf aufmerksam gemacht worden war, würben doppelte Wetter­löcher hergestellt. Die Ztohlenförderung war weiter vorgeschritten als der Vertrieb. Das schlechteste Material ist in die Zeche ge­kommen. Die Steiger sagten, als sich die Kameraden über die Wetterführung beschwerten und höhere Gedinge verlangten: Ach, wegen der Mütze voll Feuer, da habt ihr bange vor! (Hört, hört!) Ein Steiger sagte: die Feuer kenne ich btfier ime meine Frau. (Heiterkeit und hört, hört!) Tie Krankenträgerapparate hingen als Schmuckgegenstände an der Wand, cs waren aber keine Leute da, die in ihrem Gebrauch ausgebildet waren. Als die Aktionäre des Schaaffhaufenschen Bankvereins int Frühjahr zur Grube kamen, war alles aufs schönste hergerichtet, so dast sie aus Strümpfen hätten umherlaufen Eminen. Als sie wieder fort waren, ging der alte Schlendrian weiter. (Rufe: So ist es immer!) Wie bas Unglück entstanden ist, kann man nur vermuten. Der Brand ist jedenfalls von der zweiten Sohle hergekommen. Ein Kamerad ging am Montag am Mittwoch war die Katastrophe nach­mittags zur Arbeit und ivvllte noch eine Nachtschicht machen, um am Lohntage etwas mehr Geld zu bekommen. Als er bereits abends von der Zeche zurückkehrte, mib nach dem Grunde seines Weggairges gefragt wurde, sagte er: bei uns ist etwas passiert. Ich habe die Nase voll. Es sind zwei Schüsse angestcckt worden und die Arbeit steht voller Flamme. Der Berginspektor Holländer hat diesen Mann bis heule noch nicht vernommen, ebensoweiiig wie einen anderen, dem dasselbe dreimal passiert ist. Dast fein Wasser auf der Grube war, daran ist nicht zu rütteln. Wir hatten einen Schlauch an die Arbeit gelegt, im Schlauche war aber kein Wasser, um die Arbeit zu berieseln. Kein Kamerad kann sich denken, wie beim Befahren die Wetter zutage traten. Wie die Untersuchung geführt wird na ich danke. Was in dem einen Augenblick gesagt worden ist, das toifien eine Stunde später alle Beamten. Welchen Wert die Behörde auf die Beseitigung von Mistständen legt, geht auch daraus hervor, dast auf vier Eingaben, die die Organisation des Alten Verbandes an vier Zechenver­waltungen gerichtet hat, noch keine Antwort cingegangen ist. (Beifall.)

Es tritt darauf die Mittagspause ein.

Tie Diskussion über den Pokvrnyschen Vortrag nahm einen außerordentlich großen Umfang und dehnte sich über den ganzen diachmittag aus, ohne zu Ende geführt werden zu können. Alle Redner brachten lebhafte Klagen über Miststände im deutschen Bergbau vor und forderten einhellig die Einführung von unab­hängigen Kontrolleuren aus der Mitte der Bergarbeiter. Be­sonders lebhafte Angriffe nnuben von einzelnen Rednern gegen die Friedensgrube des früheren Rcichstagspväsidenten Grasen Ballestrem gerichtet, die als ein Feuerloch erster Güte bezeichnet wurde, und gegen die Stinnesgrube Frieberil'e; auf dieser Grube seien die Förderkörbe häufig so Überfüllt, dast sie wie HcringK- tonnen auSsehen. Vierzehn Tage lang sei auf dieser Zeche mit einem kaputten Förderkorb gefordert worden. Wenn wirklich einmal eine Seilrevision stattgefunden habe, sei niemals etwas entdeckt worden.

Deutsches Ueieh.

Regierung und N a ch l a st st e n e r. Ein Berliner Tele­gramm derKöln. Ztg." meldet: Die in der letzten Zeit in der Presse ausgetcmchle Nachricht, die Regierung sei geneigt, in dec Frage der Nachlaßsteucr ihre Stellung zu ändern, wird von zu- ständiger Stelle als durchaus un zu treffend bezeichnet. Tie Reichsregierung I)ält vielmehr an der Nachlatzsteuer fest.

Zur Frage der Feuerbestattung in Preu st en er­fährt diePost", dast nunmehr ein Gesetzentwurf vom Ministerium des Innern fertig gestcltt vorliege, wonach alle Besenken, die einer landesgesetzlichen Regelung entgegenständen, weil Rciä)s-Jiiteressen von der Angelegenheit beri'chrt werden könnten, endgültig beseitigt seien.

Der VorstandbesvldenburgischenKriegerbun- d e S hat den Beschluß des Delmenhorster Krieger-Vereins über den Aussastuß des Ehrenvorsitzenden, Landtags-Abgeordneten Müller, ö^iTg Friedrich August von Sachsen reist am 23 Februar nach Italien. Er 6.)u..-t das Erdbeeengeöiet, die Stadt Messina und den italienischen H." in sJto.n.

AusLanS.

Neuer russischer Botschafter in Rom. Wie die Ageneia Stefani aus Petersburg meldet, stimmte die ita.ienische Regierung der Ernennung des Fürsten D o l g o r u k i zum iuss su'en Botschafter in Rom zu. .

Der gestrige Jahrestag der Ermordung deS Königs und des z'üwnprinzen von Portugal ist ohne Störung verlaufen.

Die königliche Familie naljnt an einem Trauergottesdienste teil. Sowohl die Regierung, als auch bic Opposition hatten von gr.ßcn Kundgebungen abgesehen. Tie allgemeine Lage erweist sich in den letzten Tagen ais gebessert.

Die erste deutsche Schule inMarokko. Im Beisein des deutschen Gesairdten, seiner Frau und zablrcicher iicutidjcr und ausländischer Tarnen und Herren sowie etit fier Araber und der eingeschriebenen Kinder hat gestern, wie aus Tanger gemeldet wird, dort die feierliche Eröffnung der ersten beuischen Schule in Marokko ftattgefunben.

Das Ende der Aera Castro. , Dr. Paul, her Sondern gesandte Venezuelas, erklärte dieser Tage in Brüssel aui der Durch­reise vom Haag nach Paris einigen Ausiragern kategorisch, dast die Aera des Desvoten Castro vorüber und seine Nüclkchr unmöglich geworden sei. Castro wolle seines Wissens auch in Europa ver­bleiben. Gomez sei und bleibe das Staatsoberhaupt. Seine eigene Mission erklärte Dr. Paul weiter, finde eilten günstigen Abschluß.

GerrchtstzaaL.

Wiesbaden, 30. Jan. In dem luxemburgischen E r b f o l g e st r e i t, der zwischen dem Klager Grastn u. Meren­berg und der Erbgrotzherzogin von Luxemburg, Prinzessin Marie Adelheid zu Nassau, {eit langem schwebt, machte das Gericht heute den Parteien den Vorschlag, die Beklagte möge an den Kläger den Betrag von 1 Million Mark in bar zahlen, auch möge eine Rang­erhöhung in wohlwollende Erwägung gezogen werden. Der Prozeß' geht um em Vermögensobjekt von etwa 60 Millionen.

Oppeln, 30. Jan. Die Strafkammer verurteilte den 17jähc. Heizer Franz Kotz aus Otnnuth, der den Arbeiter Au ]uft Baiella ermordet und beraubt hatte, zu der höchsten gesetzlich znläfsigeri Strafe von t5 Jahren Gefängnis.

* Iirmenschutz. Das Darmstädter Amtsgericht hatte den Eintrag der FirmaHiltyaus Mercur*, Jnyaber Karl Möller, als gesetzlich unzulässig abgelehnt, das Landgericht Darm­stadt die dagegen erhobene Beschwerde als unzulaisig abgewiefen, mit folßenöer Begründung: Nach § 18, Absatz 2 Hande s-Gefetz- buches barf der Firma eines Emzelkaufmanns kein Zusatz bet- geiügt werden, der em GeseUschaitsverhältnis anbeutet oder sonst geeignet ist, eine Täuschung über die Art ober den Umfang des Geschäfts oder die Verhältnisse des Geschäftsinhabers herbeizu- sühren. Wenn fonach aud) Firmenzusätze an sich nicht aus­geschlossen, so haben solche ihre Grenze in der oben erwähnten Täuschiingsmöglichkelt", deren Vorhandensein im einzelnen zu prüfen ist. EHulhaus" weist aus ein Geschäft von großem Umfang hin, größer als em einfaches Ladengeschäft. Der Eindruck wird erweckt, daß man es mit einem Geschäft von großem Inventar und Betrieb zu tun hat, das in seiner Branche eine tonangebende Stelle einnimmt. Im gegebenen Falle handelt es sich um ein Ladengeschäft von nicht großem Umfange, nicht übermäßigem Um­faß, ein scheinbares Filialgejchäst einer auswärtigen Fabrik, ein Geschäft, bei dem nach feinen wirklichen Verhältnissen der Zufat; Hulhaus" geeignet ist, eine Täuschung über Art und Umfang des Geschäftes herbeizuführen.

Reichsgcrichtsbrie?.

(Nachdr. Verb.) I. S. Leipzig, Sanuar^'

Verpflichtung zur Abstellung des Automobil-

Motors.

Das Pferd des Klägers drängte bei der Begegnung mit einem! Automobil des Kaufmann T. auf der Ehemnitzthalstraße nach ber; Seite, obwohl der Beklagte das Automobil zum Stillstehen ge* bracht hatte. Der Wagen des Klägers fiel um und wurde der; Besitzer selbst schwer verletzt. Er mad)te für die Folgen deS Un­falles den Lenker des Automobils, einen Sohn des Automobile inhabers, sowie letzteren selbst verantwortlich.

Das Landgericht Chemnitz verurteilte den Lenker des Automobils zum Ersätze des dem Kläger entstandenen SastiLeru- dem Grunde nach. Gegeliübev dem Vater des T. als I n ha b c r des Automobils wurde auf Abweisung der Klage erkannt. Dieses Urteil wurde vom Oberlandesgericht Dresden bestätigt. .

Gegen das Urteil des OberlandeSgerichts hatten der Kläger! wie auch der verurteilte Beklagte Revision beim Rcidisgerichd eingelegt. Der VI. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofes erkannter auf Zurückweisung beider Revisionen. In den Ent- scheidungsgrün den des erkennenden Senats ist ausgesührt, daß das Oberlandesgericht die Ursache des Unfalles einmal darin linde, daß der Motor des Automobils, trotzdem dieses hielt^ nicht ab gestellt'worden war und deshalb nach wie vori das ihm eigentümliche laute surrende Geräusch machte, sowiL darin, daß ber Beklagte das Automobil, noch ehe das Gesdstrck des Klägers an ihm vorüber war, wieder in Bewegung setzte.)

Den von der Revision des verurteilten Beklag­ten gegen das Berufungsurteil gcmad)teit Einwendungen tonnte kein Erfolg beigemessen werden. Einmal sei dem Berusungsrichted darin bcizutreten, daß dem Beklagten ein Verschulden dreifcv weil er den Motor nicht abstellte, als er bemerkte, daß daA Pferd unruhig wurde. Das Berufungsgericht gründe die Lerpflid)-, tung des Beklagten zur Abstellung des Motors auf die Kgllr Sachs. Verordnung vom 3. April 1901, an welche Auslegung das! Revisionsgericht gebunden sei. Sodann sei cs auch Zutreffend- wenn in dem angefochtenen Urteile ausgeführt werde, cd fet eine, so vielfach wahrgenommenc, offenkundige Tatsache, daß das Ge­räusch deS weiter arbeitenden Motors bic an ben Automobilverkehr noch nicht völlig gewöhnten Pf erbe zu beunruhigen geeignet sei. daß sich auch der Beklagte bei Beobachtung der im Verkelw erforder­lichen Sorgfalt ihr nicht habe verschließen dürfen. Taß aber ein Ver­schulden des Beklagten darin gelegen habe, baß er bas Automobil roieber in Bewegung setzte, ehe das Geschirr des Klägers vorüber war, werbe selbst von der Revision nicht in Llbrede gestellt.

Ebenso habe bic Revision des Klägers, die sich gegen die Annahme bcs Bernftingsgerichts richte, daß bet beklagte Kauf­mann T. bei ber Bestellung des verurteilten Beklagten, seines Sohnes, zmn Leiten des Automobils die im Verkehr erforderliche Sorgsatt beobachtet habe, keinen Erfolg. Das Berufungsgericht gehe davon aus, daß die Behörde wie auch der beklagte Vater bas Vertrauen zu dem beklagten Sohne hegen dursten, daß dieser für die Leitung von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen eine geeignete Persönlichkeit fei. Da diesem auch nach Erlangung der polizeilichen Genehmigung nichts Widriges zugestoßen fei, trotzdem er fast täglich stundenlang mit Kraftfahrzeugen fuhr, habe der beklagte Automobilbesitzer ohne Verstoß gegen die inr Verkehr erforderliche Sorgfalt davon ausgehen dürfen, daß feilt' Sohn die nötige Besonnenheit und Fähigkeit zur Leitung uoiti Kraftfahrzeugen besitze.

Wandrm und Wintersport, Reisen und Bäder.

L. Friedberg, 1. Fcbr. Das von dem Eislaufverein! veranstaltete Jugend-Preiswettlausen verlief in schön­ster Weise bei sehr starker Beteiligung. Etwa 84 Vertreter un­serer Jugend hatten sich gemeldet, von denen auch die meisten! starten. Große Reiterfcit rief das HindermÄcmfen hervor, schöne Resultate ergab das Kunstlaufen. Mit einer Preisverteilung und, einem Zuge nach der Stadt schloß das Vergnügen, btu» ohm? jeglichen Unfall verlaufen fein soll.