Ausgabe 
23.7.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Nr. 170

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags,

beningcn einsehe, die Kabinettsbildung ablehne,

also Theocokis wiederkehren wird. Im andern Z-alle können sich aber für Griechenland sowie bezüglich der kretischen Frage chwere Komplikationen ergeben.

^nHeKvte unier Z

Bankier Palazzo. Herrschast ist verreibt.

Gut. Dienerschaft geht aus. Ein Kätzchen nur:, Heut abend. Komm. Um acht. Bin so verwaist." Ich kam. Das Herrenzimmer. Cour d'amour.

Freitag 33. Juli 1909

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universttäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

rmnnoiq donw leqoni rdll^alS con'vrsatioiL Xferten unter <6150 an ä p-erier Anzeiger erbeten

rji)d) bleibt die Bewegung immerhin gefährlich, und zwar umsomehr, als sie nicht nur in Athen, sondern auch in Provinzgarnisonen um sich greift. Wie weit die

! ammeropposition unter Rhallis mit ihr zusammenarbcitct, laßt ftch schtver festftellen.

DieSiebener LamilienblStter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Mrtlsblott für den Kreis Sietzrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zelt­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Detlev von 5i!iencron t-

Hamburg, 22. Juli. Detlev v. Liliencron ist heute vormittag 11 Uhr nach kurzem Krankenlager an Lungenentzündung im Alter von 65 Jahren in Rahlstedt gestorben.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: esssjöl. Redaktion:S^112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

H ioiowgem liintun wirst tiges Mges

Ein Aiädihe«

inem Kinde gesucht., IlC

Näheres ÄnhntwisMi

ÄhMichl cht, das auch etwas Hc: ul zu übernehmen hat. i slohu 22 Mark.

l erfragen in der GeW- ! des tSiehen. Anze«cn.m

MM

dltkS, MkS Mitz

des schon gedient bei.

t Behandlung zum 1 An,

^ert. VUMC5 Wem

2. Arbeiterin ge:

Marie Wage« steim'ttasze Ä

sicheren Weg. Unbesorgt, heiter, genufjsroh. Sttcht rm 2-enken lag seine Stärke, nicht im Getsngen, und desh^b jinb seine Romane (Breide Hummesbüttel 86, tter Macen 89, Nit dem linken Ellbogen 99) nicht viel wert. Sie zerfallen -.n lauter Einzelhetten. Auch seine Dramen sind nichts Leiter als eine notdürftig zusammengesugte Reche lyrrscher Silber, der zum Kunstwerk nahezu alles fehlt. Um fo selbständiger und eigenartiger ist er in, seinen Gedichten, Pwn denen man aber eigentlich seine gieren ansschlreßen Lißte, denn hier ist schon häufig viel Manier und Künstelei. Ärbei wird seine Sprache, die er sonst sehr pflegte, hier mitunter schnodderig, ja ärmlich, und Busse sagt mcht mit Unrecht,es ergab sich mehr und mehr em Ueberschusz des rein Körperlichen über das Seelische, des /sinnlichen über des Geistige. Die Freiheit ward zur Willrur, die Phantasie t; mr Phantastik, die frische Nattirlichkeit zur verstimmenden II Dsicktt, zum leisen Proyen mit Derbheit". ?/oer ein» ist

merkwürdig, so sehr sich der Dichter auch häufig rrn sprach- lsli<l)en Ausdruck geheii läßt, in der Form seiner ^>erse ! - ist er sehr streng und ließ sich auch nicht beirren, als alles f^iriigsum Befreiung von der Form forderte und das freie

Gestammel naturalistischer Laute als Zweck und sinn der Dichtung ertlärte. Diese doppelte, fasr unglaubliche Art, dir feste Form und die rclegrammstilarüge, ^spräche, finden sich als Atufterbeispiel in den folgenden schon nahezu be­rüchtigten Versen sehr klar vereinigt.

------^Wjchail, Wetzli

wrii>n-^>........

Le gefährlichen Momente, die in der Kretafrage liegen, .ad) die neuesten Ereignisse in Griechenland eine nicht st «wesentliche Vermehrung erfahren haben. Unter diesen h Xignissen ist weniger die Ministerkrise zu verstehen, als eue Vorfälle, welche die Krise recht eigentlich verschuldet veranlaßt haben und jedenfalls auf das Vorhandensein sroollttionärer Strömungen in Griechenland schließen lassen.

Bei diesen Strömungen sind zwei anfänglich verschiedene Dichtungen auseinanderzuhalten. Die eine, ältere Strö- ,innig ging von den inneren politischen Verhältnissen Grie- tymlands aus und fteht mit der kretiscl-en Sache nur in- ferne im Zusammenhänge, als durch sie die allgemeine rtegung im Känigreicl) bedeutend gestärkt worden ist.

;-te Führer dieser Partei der Unzufriedenen, die sichSozial- .chormer" nennt, imd wie dies in den Orientstaaten imer der Fall ist von einem Geheimbrmd geleitet tnrb, sind die Advokaten Esling und Philaretos. Der ..stere entstammt einer unter König Otto aus Bayern nach -Tiechenland eingewanderten Familie. Diese Partei strebte | ,ou vor dem Wiederauftauchen der Kretafrage einefrieb* i<ne Revolution"' an, eine Aenderung des Verwaltungs- u 'Lms, Reformen in der Verwaltung, im Steuerwesen rc., : Ttte aber keineswegs einen antidynasttschen Charakter. Ihre ätzitation fiel in Bezug aus die Kretafrage und auf die , rage nach Krieg oder Frieden erst ins Gewicht, als sie juch auf gewisse Kreise der Armee erstreckte. Es gelang den hichrern dieser Bewegung, hauptsächlich unter den Unteroffi­zieren und jüngeren Offizieren der Armee einen starken ächang zu gewinnen, der allerdings verschieden beziffert tirirb, aber keineswegs unterschätzt werden darf.

AM

den Weg hat bereiten Helsen. Tie Flucht der Zentrumswähler von den Fahnen ihrer Partei ist geradezu panikartig; nicht etwa in Städten mit industrieller Entwicklung sind dem Zentrum die Wähler in Scharen davongelaufen, sondern auf dem Lande, in Ortschaften, wo bisher der Einfluß des Zentrums sehr weit reichte und wo die Klerisei immer recht erfolgreich die Agitation von Haus zu Haus, in Kirche und Beichtstuhl führte. Tie Empörung über die Zen- trumspol.itik muß also schon heute, wo die neuen Steuergesetze nocl) gar hübt in Wirksamkeit sind, in der Wählerschaft desZcnlrums außerordentlich) tief gehen. Sie verdient aber noch eine ganz andere Charakterisierung, wenn man bei näherer Betrachtung der Wahl­ziffern als offenkundige Tatsache entdeckt, daß ein ganz erheblicher Teil der Zentrumswähler ins Lager der Sozialdemokratie einge- schioenkt ist. In diesem Zusammenhang macht derManich. G.-A." ein paar sehr gute Anmerkungen über den Erfolg der Sozialdemokraten:Sie sind, schreibt er, wie die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht, und sie machen doch das Gcsch)äft bei der Sache. Geht man die einzelnen Wahl­resultate durch, so sieht man, wie Bund der Landwirte und vor allem das Zentrum als Schrittmacher der Sozialdemokratie durch ihren Reichstags-Rculbzug gegen den Mittelstand gewirkt Haven. 9iid)t in den Städten ist die Zunahme der Sozialdemokratie besonders groß! Denn, was will es heißen, wenn in Landau mit ca. <15 000 Einwohnern 250, und wenn in Neustadt mit ca. 20 000 Ein­wohnern 183 Stimmen mehr abgegeben werden? Tie Haupt­zunahme an sozialdemokratischen Stimmen kommt vom Lande. Haßloch ist ein typisches Beispiel. Hier hatten Liberale und Bündler 1907 548 Stimmen auf sich vereinigt, gestern zusammen 365, Zentrum 648/ gestern nur 87, die Sozialdemokratie 147, gestern aber 726. Woher dieser Stimmenzuwachs, ist ja sonnenklar! Ein anderes lehrreiches Beispiel ist Niederkirchen! Hauptwahl 1907: liberal 13, Zentrum 242, Sozialdemokratie 8: gestrige Wahl: liberal 6, Bund 1, Zentrum 155, Sozialdemokratie aber 69. Auch hier in diesem rein bäuerlichen Ort ist der Abmarsch des Zentrums ins sozialdemokratische Lager außer allem Zweifel. (Hntge andere Beispiele! Arzheim: liberal (jetzt), Zentrum 218 (jefct 143), Soz. 28 (jetzt 52); Lindenberg: liberal 15 jeßt 24), Zentrum Go (jetzt 30), Soz. 73 (jetzt 112); Rödersheim: liberal 8 oetzt 2), Zentrum 182 (jetzt 75), Soz. 20 (jetzt 104); Venningen: liberal 8 (letzt 6 Zentrum 185 (letzt 144), Soz. 15 (letzt 31). Gegenüber diesen Beispielen wird selbst die allezeit wahrheitsliebende Zen­trumspresse nicht mehr den Mut finden, zu bestreiten, datz die Zentrumspolitik die Vorfrucht sozialbemokraunhec Erfolge geraden ist." Die Liberalen haben ungefähr die Wahlzifier erreicht, die der Stärke ihrer Anhängerschast entspricht., Wo hier und da die Wahl­beteiligung schwächer blieb, ist das auf den Teil der Bauern! chafk

wieberzugewinuen, ist die vornehmste Aufgabe, die uns bis zur Stichumhl zu lösen bleibt

Fürst Bülow als Sozialpolitiker.

In der neuen Nummer derSozialen Praxis betrachtet deren .Herausgeber, Professor Ernst Franckc, den Wechsel im Reichskanzleramt vom Standpunkt des Sozialreformers. Dabei kommt er in der Würdigung der hinter uns liegenden nenn Bülowschen Jahre zu dem Urteil, daß in der langen Reihe.von Gesetzen und Verordmingen, die in diesem Zeitraum fertiggepellt wurden, sich immerhin ein stattliches Aktiv um in der sozial­politischen Bilanz ergebe, dem freilich auch ein Passivem lUnter­lassung einer Reform des Koalttionsrcchts und der Rechtstellung der Berussvercine) gegenüberslehe. Im einzelnen meint Franckc:

Wie wett Fürst Bülow als Reick)skanzler und preußischer Ministerpräsident persönlich an diesen gesetzgeberischen Aktionen beteiligt gewesen ist, wirb in vielen Fällen schwer ststzustcllen sein. Alan kann jedoch sicher sagen, daß er sich zumeist um die Einzelheiten nicht gekümmert hat, daß Konzeption, Entwurf und Durchführung das Verdienst des Staatssekretärs des Innern, vor allem des Grasen von Posadolvsky, dann des Herrn von Bethnrann Hollweg unb der preußischen Handelsminister von Atoller und Delbrück gewesen ist Aber bei einigen Anlässen wissen wir doch bestimmt, daß Fürst Bülow selbst die Initiative ergriffen hat So hat er sich mit großer Vsärnte der Sache der Bergarbetter bei unb nach dem großen Ausstand im Ruhrrevier Anfang 1905 angenommen; er hat persönlich in die Differenzen zwischen Arbettern und Grubenherren eingegriffen und hat sich un Reichstag, im Abgeordnetenhaus und int Herrenhaus kräftig für Utero innen eingesetzt, die dann ja leider im Larwtag arg ver­kümmert worden sind. Wir haben die urkundlichen Belege in Händen, baß er nach ber Heimarbettausstellung in Berlin 1906 den Anstoß zu einer gesetzgeberischen Regelung der Hausindustrie gegeben hat, vor deren Anfang wir letzt endlich stehen. Und es sei ihm unvergessen, daß die Reform des Vereins- und Ver­sammlungsrechtes Anfang 1907 von ihm dem Reichstag ango- kündigt worden ist. Mehrfach hat er Abordnungen der chrrsttick-en Gewerksäiaften empfangen und seine Sympathie für ihre Be­strebungen ausgedrückt. Gewiß wäre es zu viel gesagt, wenn man behaupten lvollte, in Fürst Bülows Lebensarbeit nähme die Sozial­politik einen beherrschenden Platz ein. Aber es entspricht doch den Tatsachen, wenn er in einem vom 13. Juli datierten Brief an den Schreiber dieser Zeilen von seinen Bemühungen um die Wohlfahrt der arbeitenden Klassen spricht, bie er nach Kräften zu fördern gesucht habe. Trotz vieler unerfüllter Wünsche und ßorbeLungen schulden wir bürgerlichen Sozialreforiner der Wirk­samkeit des Fürsten Bülow Dank und Anerkennung."

Tie Talonsteuer.

DieNordd. Allg. Z." schreibt: In steigendem Umfange hat man in den letzten Tagen den Truck und die Ausgabe neuer Gewinn- anteilscheinbogen und Zinsbogen lediglich zu dem Zwecke bewirkt, um dcr mit dem 1. August in Kraft tretenden Zrnsbogensteuer auf eine Reihe von Jahren hinaus zu entgehen. Es kann tcin Zweifel darüber entstehen, daß der Gesetzgeber nur solche Unter­nehmungen von der Steuer freilassen wollte, deren Bogen im natürlichen Verlaufe der Tinge vor dem 1. August durch neue ersetzt werben mußten. Es ist deshalb als sicher oorauszusetzen, daß bei der Handhabung des Gesetzes durch die Bebörden die märt zweiselhafte Absicht des Gesetzes zugrunde gelegt werden wird. Sollten sich der Ausführung Schwierigkeiten entgegenstellen, so wird rm Herbst ahne Verzug eine authentische Erläute­rung durch die gesetzgebenden Faktoren herbeigeführt werden müssen. Dies könnte, da die Steuer die Dividendenscheln- und Zinsbogen rein körperlich erfaßt, voraussichtlich nur dahin gehen, daß die vorzeittg ausgegebenen Bogen alsbald oont, Zeit­punkte ihrer Ausgabe an für die gesamte Zeit, für die sie Scheme enthalten, zu versteuern wären. Es kann daher nur dringend geraten werden, von einem Vorgehen Abstand zu nehmen, welckjes zwar auch den Steuerbehörden Wetterungen, im Endergebnisse aber zrveifellos den Interessenten die schwersten Nachteile be­reiten würde. t

*

Prof. Labaud über den Hansabimd.

Zu den hervorragendsten Persönlichletten, die sich in die Reihen des Hansa-Bundes gestellt haben, gehört der geleierte Staatsrechtslehrer der Straßburger Universität Wirkl. Geheimerat

Mit dem Anschluß dieser (Elemente an die Partei der IlAKüfriedenen trat die obenerwähnte zweite Richtung bald , utagc. Trotz aller Dementis kann heute von einer Osfiziers- $ uber Militärverschwörung in der Armee gesprochen werden.

i je Verschworenen sind zunächst jüngere Offiziere; sie er- ) . eben die Forderung nach energischem Vorgehen in der I ,'tietafrage, greifen den Kriegsminister heftig an und haben | sich in direkten Gegensatz zu ihren älteren Vorgesetzten be­eilt. Die Agitation dieser Gruppe hat einen ausgesprochen I Ul.lidynastischen Zug. Er tritt nicht nur in der Forderung H !)crüor, daß die königlichen Prinzen, insbesondere der ganz l unfähige Kronprinz Konstantin, aus den höheren Kom- I irandostellen entfernt werden sollen, sondern äußert sich I auch tu offenen Drohungen gegen die Dynastie überhaupt, gesucht. , iy gibt selbstverständlich viel Ungereimtes in den Forde- bcTtiMrS-ti? u'igen dieser Richtung; wie z. B. die Tatsache beweist, daß : juei ihrer Blätter die Führer der kretischen Nattonalbe- ijvgung auf forderte, nach, .Griechenland zu kommen, und tort die Diktatur über das Königreich an sich zu reißen!

Das Bismarcksofa. Stürmisch, zärtlich, dreist.

Kuß pflückt den Kuß.Ach laß!"Laß!" Moll und Dur. | Der Morgen. Abschied. Exit Nachtvistte.

Ein langer Weg nach Haus O ziere Lite.

Um so echter, tiefer und feiner i;t er als Diafter augen­blicklicher Stimmungen, die er wie Heine in all chre Glieder- chen zerpflückt, um sie blitzrasch und scharf Umrissen an uns voruberziehen zu lassen, so daß sie alle zusammen doch nur ein klares,' anschauliches Bild geben, ähnlich wie bei kinematographischen Darstellungen. Und hier auch ist seine Sprache voll blühender, fruchtbarer Fülle, voll Glut unb Farbe. Sie finden fich auch hin und wieder in seinen größeren Dichtungen, wie die folgenden Verse cm Pogg- s r e d. _ .

Und schöne Paare wandeln auf den St eigen,

Von Amoretten selig überflogen.

Versteckte Lauben üben sich tm Schweigen,

Von kleinen Silberwollen überzogen. Ein Schumannlied von hundert sanften Geigen Klingt aus den Sälen durch die Säulenbogen. Und schwarzverhüllte, schtvergeschiente Ritter Behüten streng des Gartens goldne Gitter.

Er ist vor allem Dichter des Lebens, der mit wachen Sinnen alle seine Schönheiten genießt, ohne sich lang^mtt vergeblichem Grübeln aufzuhalten. Und das ist das Echte, Unvergängliche an ihm: dte Ursprünglich kett und Natürlich­keit seiner Bilder und seiner Empjmdungen. 6r tit in allererster Linie Mensch, ein urlräfttger, gesunder Mann, kein bleicher Aeschet und kein engbrüstiger Nervenmensch, ganz und gar Mann, manchmal allerdings auch Schwere­nöter und Kavatier und Junker. Aber gerade dann liegt seine Starte, seine urwüchsige Kraft, weit mehr al-, in der Kunst. Darum durfte er sich auch mehr erlauben ai5 , B Heine, obschon es ja niemanden etwas angeht, was ein Dichter im Privatleben treibt Amr gerade diese beiden haben scheinbar viel mehr von ihrem Privatleben ge- dickuet als es sich mit der gemüilichen Wohlanstandigteit be* behäbigen Bürgers verträgt, scheinbar-, aber was man dem Junker verzeiht, das Derüeil,t man nicht dem ^uben, obwohl es da eigentlich nichts zu verzechen gibt. A. er Heine fcrtigie seine Gegner unendlich gei',tvoller ab, a^ Lftien- cron, der vergebliche Ansätze zürn Satiriker machte. -u>re Steine sich zeitweilig auf seine akademische Würde besann, p lehrte Liliencron mitunter den Junler hervor und gab dadurch den Anlaß zu dem spöttischen Vers von Möbius:

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Mienen oder Umgegend. |(

«ZM Schrift!. Arbeit-- ^envonTameangenoM- /vunül'cherA- y

; Citerna^genitm^ ißlicö unln «»L-T 7christi. r'^rin-eigerero^ denUeKU^--^d^' MUs-

inDl . r ... »rri,

politische Tagesscharr.

Die neuen Steuergesetze

werden jetzt endlich amtlich veröffentlicht, und zwar in den Num­mern 39 bis 41 des Reichsgesctzblattes, die gestern zur Ausgabe gelangten. DTummer 39 enthält das Branntweinsteuergesetz und das Gesetz wegen Aenderung des Brausteuergesctzes; Nummer 40 das Gesetz wegen Aenderung des Tabaksteuergesetzes unb das Gesetz zur Abänderung des Schaumweinsteuergesetzes; Nummer 41 endlich das Gesetz wegen Aenderung des Neichsstempelgcsetzes, das Gesetz wegen Aenderung des Wechselstempelgesetzes unb das Gesetz be- tteffeiidAenderung im Finanzwesen". Dattert sind die Gesetze vom 15. Juli, dem Tage nach der Cittlassung des Fürsten Bülow. Sie tragen mithin nicht mehr dessen Unterschrift, sondern die des neuen Reichskanzlers v. Bethmann-Hollweg. Das Tabaksteuer- imb das Schaumwcinsteuergcsetz wurden im Wortlaut im geftrigen Reichsanzerger" abgedruckt. Die übrigen werben in den nächsten Tagen folgen.

Die ReichStagSersahwahl in Ncustadt-Landan.

Je mehr sich die Einzelheiten der Ersatzwahl vom Dienstag übersehen lassen, nm so klarer wird, daß die Steuerpolitik des Bundes dec Landwirte und des Zenttums der Sozialdemokratie

L1-ober -A^nictn^

Der Hof unb bie Regierung haben das Bedenkliche dieser Vorgänge richtig erfannt und eben deshalb ist die Minister- tife mtt der Demission Tcheotokis auygebrod)en. Die ^jung der Krise wird nun ein Akt der Kraftprobe zwischen beut Hose und den Unzufriedenen werden. Rhallis hat keine l'tehryeit in der Kammer, er müßte alle Neuwahlen aus- sl^iben. Aber an diesen würden sich die Kreter unbedingt beteiligen und dies käme einer Kriegserklärung an die Türkei' in der Wertung gleich. Davor scheut aber auch die

Die SMiersverschwörung in Griechenland.

Stift!V-W-L Es kann kaum mehr einem Zweifel unterliegen, daß

Tetlev Freiherr von Liliencron, Hauptmann, Dichter und Baron, Auf dem Barone liegt der Ton.

Aber schließlich war er doch, wie schon erwähnt, durch­gängig von dem Streben nach einem freien, schönen Menschentum beseelt, das seine höchste Würde eben in der Würde als Mensch sieht unb abseits steht von allem Partei- und Schulgezättke. Er loar der Dichter des Lebens, der ftohen, ungezügelten Freude, die sich ohne Sefiniteu allen Genüssen der Welt hingibt, um mit hallender Siegerfreude über alles zu triutnphreren, was kleinlich unb entsagungs­voll macht. Unb darum ist er oft so übermäßig gepriesen worden, weil er in einer pessimistischen, weltschmeczllchen Zeit das flatternbe Banner bes Lebens hoch über Sorgen und Särgen errichtet hat und sich nicht unterliegen ließ. Das Leben erfüllt ihn ganz. Der Becher schäumt über vor Luft.

Doch eb mein Sarg die Erde noch erreicht, Brüll ich empor, daß alles rings erbleicht:

Hurra das Leben! "

Nun hat sich der Sarg über dieser kraftvollen Natur geschlossen, die kein Verzagen und kein Web kannte. Tie Jahre werden kommen unb gehen eine bedeutsame Er­scheinung wird er bleiben in ber deutschen Literatur, aber kein Bahnbrecher und lein Führer wie unsere ganz Großen es waren, wie Goethe, Schiller, Heine, Keller ein Lyriker wohl unb ein Dichter, aber kein Heros, wie seine Anhänger weissagten, denn bazn fehlte ihm die geiftige Kraft, (ir war eben mehr ein Naturmensch, dereinsame Heideganger", unb ein ganzer Mann. Freuen wir uns dessen auch an seinem Grabe. Von seinen Werken sind besonders zu er­wähnen bie schneidigen Adjutantenritte (1884, Ge- bichte (89, 93, 96), Kriegs n o vell en (96), Nebel unb Sonne (1900), Bunte Beute (1903;. Er war am 3. Juni 1844 zu Kiel geboren, trat in bie Armee ein unb beteiligte sich mit Auszeichnung an den Kriegen gegen Lesterreich unb Frankreich, in denen er jedesmal verwundet wurde. Er nahm seinen Abschied, wurde Detchhaupimann auf der Insel Pellworm und auf den Halltgen, spater, bis 1887, Ktrchspielvogt in Kellinghusen unb nahm bann nach einem Aufenthalt in München, auch Amerika besuchte er, feinen Wohnsitz ai Alt-Rahlstedt bei Hamburg, wo er sich mit seiner zweiten Frau und seinen Buben cm fonnenhelles, gemütliches Nest gebaut hatte.

Ein deutscher Mann ist gestorben.

Karl .Neurath.

Heiner Zigarren-Urik« sicher.nicht reuen lagt, ie- Cimf m irurcer m uci «wmu wv bci-----

H Mwosilion mit Rhallis zuruck. Der Hof rechnet nun damit, zurückzuführen, der im Zweifel war, ob er dem Bund die Gefolg-

IlKlill bic Position selbst die llndurchsührbarkett ihrer Fvr- schuft kündigen soll ober nicht. Er ist über dme Zweifel mcht

«fit Grossisten Hie'-ungcn ein sehe, die Kabinettsbildung ablehnc, unb daß hinausgckommen. Ihn nunmehr vollends für dre liberale tzarier

" zu bärigem Emlriil r»

^denGiehenerÄn^ totMeinHn^ eselauslragen geiucöt. W Mäusburg!

Knopp und klar meldete der Draht die Nachmcht von denn plötzlichen Tod des lebensfreudigen, kecken Mannes, ber mit offenen, kühnen Augen in das Leben sah und alle L-ine Wunder mit fröhlicher, kindlich-naiver Freude genoß, tziil Augenblick wurzelte sein Leben unb ferne Grötze als Lickster. Cr loar der Dionysios unter den zeitgenössischen Larnern unb ging ohne Rücksicht auf des Tages Meinung pvd Geschehnis freudig seinen eigenen, nicht immer ztel- - t. Unbesorgt, heiter, genußfroh. üfttcht tm