Nr. 44
Zweites Blatt
159. Jahrgang
Montag »3. Februar 1909
Gießener Anzeiger
Erschein! tägNch mit Ausnahme beS ConniagS.
General-Anzeiger für Sberheffen
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: ei©5L Nedaktion:^OII2.Tel.'AdruAnzeigerGießen.
Rotattonttruck und Verlag der VrühNchm UnwersitätS - Buch» und Cretndruckerei.
R. Lange, Dießen.
Die „Siehener werden dem
»Anzeiger^ viermal wachen lich bcigelegt, daS „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „(andwirtschaftllchen Seil- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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Stimmungsbild cms dem prrutz. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 20. Febr.
Wie vorauszusehen war, hat das Abgeordnetenhaus die Beschlüsse seiner Kommission über die Deckung der Ausgaben für die Beamtenbesoldung fast unverändert genehmigt. ES wurde nichts mit dem sozialdemo- kratischen Antrag, die Steuerzuschläge nur vom Einkommen über 7000 Mk. zu erheben, und es wurde cutch nichts mit dem freisinnigen Antrag, der die Einkommen unter 3000 Mk. zuschlagsfrei wissen lvolltc. Dafür fiel auch der konservative Antrag, die Zuschläge schon für das Steuerjahr 1908 zu erheben, und Herr v. Rhcinbaben, der Vater dieses Antrages, hat nun die Sorge, die 30 Millionen, die er von der Annahme dieses Antrages erwartete, anderweit auf- zubringen. Daß die Gesellschafts steuer vom Hauscabgelehnt werden loürde, wußte man im voraus, und wenn es den Liberalen auch nicht gelang, die Besteuerung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung derjenigen der physischen Personen anzupasfen, so ivurde doch erreicht, daß diese Organe des Wirtschaftslebens einer geringeren Besteuerung unterworfen werden als die Aktiengesellschaften. Und auch die Sozialdenrokraten dursten einen Erfolg verzeichnen: Fiel auch ihr Antrag, die Auskunftspflicht der Arbeitgeber über die Einkommen der Angestellten zu beseitigen, glatt unter den Tisch, so hatten sie doch die Genugtuung, das Haus ihrem zweiten Anträge zustimmen zu sehen, der eine Mindern ngdesWahlrechtsdurch das Kinderprivileg ausschließen will. Der zweiten Lesung der Stcuergesetzc folgte noch die zweite Lesung des Landwirtschaftsetats. Auch sie brachte nichts Unerwartetes: Daß das Haus Staatshilfe für die Ueberschwemmten fordern würde, war selbstverständlich, und daß die Herren vom Zentrum fuchswild über die Kaisersgeburtstagsrcde sein würden, in der sich Häckels Nachfolger in der Berliner landwirtschaftlichen Hochschule über den Monismus ausgesprochen hatte, konnte man sich auch an den Fingern abzählen. Natürlich stieß auch Herr von Arnim, der Landwirtschaftsminister, in das Zentrums- horn. Herr Plate ist nicht mehr preußischer, sondern thüringischer Hochschulprofessor/ und die zornige Kritik seines wissenschaftlichen Bekenntnisses im preußischen Parlament dürfte ihm ziemlich gleichgültig sein.________________________
Die Arimmalsttitiflik des Deutschen Reiches für 1906.
Der neuerschienene Band 185 der Statistik des Deutschen Reiches enthält die Kriminalstatistik für daS Jahr 1906. Diese Statistik behandelt in drei Tabellen hauptsächlich: Die rechtskräftig fcclebigten Strafsachen wegen Verbrechen mtd Vergehen gegen Reichsgesetze nach bcnt Sitze des erkennenden Gerichts, die Ver- ,brechen und Vergehen gegen Reichsgesetze nach denr Orte der Tat rmd die persönlichen Verhältnisse der wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze Verurteilten.
Nachfolgende zalstenmaßige Feststellungen iväten besonders her- ävrzuheben: 1882 wurden insgesamt 315 849, 1906 524113 Personen (mit Ausnahme der wegen Wehrpflichtverletzung Bestraften) wegen Verbrechen imb Vergehen verurteilt Das bedeutet bei Berücksichtigung der Ziffer der strafmündigen Zivilbevölkerung eine Steigerung der Verurteiltenziffer um 23,4 Proz. Diese Steigerung setzte besonders von 1892 an mit 15,4 Proz. ein; bis dahin hatte sie nur 7,7 Proz. betrckgen. Von 1905 bis 1906 ist die Verurteiltenziffer um 2 Prvz. gestiegen. Bei den Jugend- !lichen ist die Kriminalität in noch höherem Maße gediegen als bei feer Gesamtheit, denn dort find die Verurteilungen von 1882 £== 30 719) bis 1906 (= 55 270) um 34,5 Proz. gestiegen. Von ÜL905 zu 1906 hat sich die Verurteiltenziffer um 4,2 Proz. vw- tzuehrt, wobei die Zunahme der gesamten strafbarer Handlungen
lediglich dem männlicher Geschlechte zuzuschreiben ist. Die Zahl der ntännlid>cn Verurteilten ist im Jahre 1906 im Vergleich zu 1882 um 29,1 Pwz. gestiegen, die der weiblichen dagegen um 1,3 Proz. zurückgegangen. Aehnlich ist daS Verhältnis bei den Jugendlichem Bei ihnen ist die Zahl der weiblichen Verurteilten gegen 1902 ebenfalls gefallen und zwar um 1 Prvz., die der männlichen dagegen um 43,5 Proz. gewachsen. Die Steigerung der Kriminalität ist hauptsächlich auf eine Zunahme des gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Verbrechertums zurückzuführen, denn unter den Verurteilten hat in den 25 Jahren die Zunahme bei der Gesamtzahl der Vorbestraften 184,6 .Pro;, (darunter bei den weiblichen Personen 83,9 Proz.), bei der Gesamtheit der Verurteilten ohire Vorstrafen dagegen nur 24,1 Pwz. (darunter bei dxn weiblichen 18,7 Pwz.) betragen. Bei denJugendlichen ist ebenfalls dieSteigerung besonders bei denen mit Vorstrafen in erheblicher Weife erfolgt (seit 1889 mit 34 Pwz.; bei den Jugendlichen ohire Vorstrafen beträgt die Zunahme 22,6 Pwz.). Weiter sei erwähnt, daß die Höhe der zu Zuchthaus Verurteilten seit 1882 um 55,6 Prvz. ab» gcitoinmen hat. Desgleichen ist die Zahl der zu Gefängnis Verurteilten, und zwar btt der Gesamtheit, seit 1882 nm 16,7 Prvz., bei den Jugendlichen seit 1889 um 15,9 Pwz. zurückgegangen. Unter den einzelnen Strasarten treten im Berichtsjahre 1906 mit den größten Verurteilungen hervor: gefährlick^e Körperverletzung mit 97 943 Personen, einfacher Diebstahl mit 76361 Personen, Beleidigung mit 61047 Personen, leichte Körperverletzung mit 28 446 Personen und Hausfriedensbruch mit 25 624 Personen.
Wenn üt bezug auf die Beteiligung an der Kriminalität im Jahre 1906 die persönlichen Verhältnisse der Verurteilten betrachtet werden, so ergibt sich, daß dem Beruft nach verurteilt wurden: 94 043 Erwerbstätige in der Landwirtschaft, 225 795 Erwerbstätige in der Industrie, 87 050 Erwerbstätige in Handel und Verkehr, 77171 Erwerbstätige im öffentlichen Dienste und in freien Berufsarten, 47 152 Arbeiter und Tagelöhner, 7620 häusliche Dienftlwten und 17 129 Selbständige ohne Beruf und Berufsangabe. Bon ben Verurteilten waren 301364 Evangelische, 223306 Katholische und 5160 Inden.
Dem Familienstand und Alter nach befanden sich unter den Verurteilten Ledige, Verwitioete und Geschiedene: im Alter von 21 bis unter 40 Jahren 139 469, im Alter von 40 bis unter 60 Jahren 21516, im Alter von 60 und mehr Jahren 4453, Verheiratete im Alter von 21 bis unter 40 Jahren 147 296, im Alter von 40 bis unter 60 Jahren 82 074, im Alter von 60 und mehr Jahre:: 8157.
Von den einzelnen Gebietsteilen des Deutschen Reichs waren nach den zahlenmäßiger: Ermittlungen im Jahre 1906 am stärksten kriminell belastet:
Bremen .... mit 2,20 v.H. der strafmündigen Zivilbevölkerung, Bayern links des
Rheins .... 1,93 . „ , .
Prov. Ostpreußen „ 1,54 ... .
Berlin . ... B 1,53 „ . . .
Hamburg .... 1,48 , , r „
während die günsügste Kriminalität zeigten:
Waldeck .... mit 0,43 v.H. der strafmündigen Zivilbevölkerung, Schaumburg-
Lippe . . » . 9 0,45 „ „ „ ,
Hohenzollern . . * 0,54 , , , ,
Lippe...... 0,64 w , , ,
Schwarzburg-
Sonders häufen. , 0,78 w * , ,
Wegen Vergehen gegen die Arbeiter schutzbe- ft i m in u n g e n wurden im Jahre 1906 insgesamt 21201 Personen mit Verweis, 21181 mit Geldstrafe, 20 mit Haft und 28 mit Gefängnis bestraft. Am häufigsten wurde gegen die Bestimmungen über die Sonntagsruhe gefehlt; aus diesem Grunde wurden 9698 Personen verurteilt. Die demnächst zahlreichster Bestrafungen beziehen sich auf Vergehen gegen den Kinderschntz nach denr Kinderschutzgesetz unb erreichen die Höhe von 3296. Wegerr Vergehen gegen Jugend- und Kinderschuh nach der Gewerbeordnung haben 1150 Verurteilungen stattgefunden.
Die alten Griechen als Chemiker.
Man schreibt rms aus Athen: O. Rhussopulos, der Direktor Her Athener Handelsakademie, hielt kürzlich im Deutschen Archäologischen Institut einen Vortrag über die chemischen Kenntnisse der alten Griechen. Schon bei den ältesten Philosphen finden sich über Kraft und Stoff dieselben spekulativen Auffassungen, wie in unserer Zeit. Der Ursprung der atomistischen Theorie geht auf Demokrit und Abdera und auf seine Anhänger zurück. Wir sehen hier schon die unzweideutige Annahme der Einheit und Unzerstörbarkeit der Materie; Anaxageras ans Klazomenä, der Lehrer von Perikles, stellte den Satz von der Uner- schaffbarkeit nnd Unzerstörbarkeit der SNaterie auf. Auch Aristoteles hatte die gleiche Auffassung, namentlich von der Einheit der Materie, gleichwie bei den jonischen Naturphilosophen Diogenes von Llpollonia, Anaximencs, Thales, Herakleitos uui> Ephesos il ö. Die vier Elemente des Empe- dokles deutete Aristoteles beispielweise als nur Formen desselben Stoffes, was natürlich unserer modernen Lluffassnng ganz entsprechend die Einheit von Kraft und Stoff in sich schließt. Neben den theoretischen Kenntnissen läßt sich eine ziemlich ausgebildete Praxis nachweiscn. Schon Homer verrät uns eine gewisse Fertigkeit bei der Mischung kni, Bearbeitung der Metalle; wahre Fundgruben aber sind nachchristliche Schriftsteller, an deren Spitze Plutarch steht. Reiches Wissen schöpfen wir aus Mhenäus von Nau- kratis, während aus dem elften Jahrhundert ein gewisser Simeon Seth uns über die chemische Wissenschaft und über die Praxis im Mittelalter Erstaunliches zu berichten weiß. 'Finden wir doch bei Marcus eine Zusammensetzung, die der des Schwarzpulvers fast gleichbedeutend ist; es ist die des berüchtigten, int Belagerungs- unb Seekriege so folgenschweren und gefürchteten sogenannten Griechischen Feuers des KallinikoS Heliopvliteä, das seine Entstehung der zweiten Halste des siebenten Jahrl/underts verdankt. Natürlich fehlt es nicht auch an ganz phantastischen Verwandlungsprozessen, die eben ansgeschieden werden müssen. Das Wort Chemie weist auf Aegypten hin; es wird als Schwarzkunst zu deuten sein. .Allein dre größte Erkenntnis wird uns durch die
I Untersuchung der aus dem dlltertum erhaltenen Gegenstände gebracht. Rhussopules hat durch eine 21jährige Erfahrung bei der Reinigung und Konservierung von Antiquitäten der Athener Ntuseen eine Fülle von Beobachtungs- nmterial gesammelt, das eine bewußte Verwendung und Behandlung der Metalle und Mineralien dartut. Von besonderem Interesse ist die Analyse der Farbstoffe aus der ältesten Zeit (2000 v. Ehr.). Man verfügte damals schon über die Farben weiß, schwarz, rot in verschiedenen Tönen, blau, violett, gelb und grün. Die rote Farbe besteht aus einem Eisenoxyd, die schwarze aus Magan- vxyd, die blaue aus Kupferkarbonat, die grüne aus Kupferhyperoxyd usw. Eine Anzahl Perlen erwies sich bei der Analyse als künstliches Erzeugnis aus einer Zusammensetzung von Kalk, Magnesia und Kieselsäure. In Mykenä bestand eine Kanne aus reinem Kupfer; das Metall hatte also bereits den Reinigungsprozeß durchgemacht. Elektron* gegenstände bestehen aus einer Mischung von genau dreiviertel Gold und Silber; ein mykenisches Szepter dagegen wies das genaue Mischungsverhältnis von neun zu eins des Kupfers und Zinns auf; das sind durchaus bewußte Mischungskoeffizienten. Den Namen Elektron hatte die bekannte Komposition erhalten ihres hellgelben Aussehens wegen, das dem Elektron des genannten Bernsteins ähnlich war. Hohle Goldsachen wurden mit Wachs ansgeftillt. Die berühmten mykenischen Becher haben das Einlagen der Darstellungen aus Silber und Elektron erfolgte. Die Bronzebildwerke bestehen aus Legierungen von Kupfer und Zinn. Als Klebstoff eines im Meeresgründe bei Antikythera gefundenen Marmordenkmals, des sog. dkposkopon, dessen Kopf angesetzt war, ließ sich reiner Kalk nachweiserr. Aus dieser!' unb anderen Untersuchungen, aus einer Reche von eingehenden Betrachtungen, kommt Rhussopulos zu der Erkenntnis, daß die chemischen Kenntnisse der Alten schon in sehr ftüher Zeit eine hohe Stufe erreicht hatten, der es hauptsächlich zuzuschreiben ist, wenn die Materialbehandlung im Kunstgewerbe eine solche Vielseitigkeit mrd. Vollkommenheit erreicht hatte..
politifd?c Lagesschau.
Zn dem Elektrijitäts- unb Gassteuer-Geseheutwurft hat der Steuer>Ausschuß der deutschen Elektrizitäts- unb Gas- inteceifenten, der sich aus den berufensten Verteuern des deutschen: Wirtschaftslebens zusauunensetzt, eine sehr umfangreiche Donl- schrift aus der Feder von Syndikus Dr. R. Bumer und Zivil- ingeitteir Dr. H. Lux veröfientlicht. Diese faßt das üt unzähligen Petitionen wirtschaftlicher und technischer Jntcressenvertretimgen zerstreute Material in übersichtlicher Weise zusammen und bringt wertvolle Ergänzungen auf Grund eigener Ermittelungen. Selbst toemt der Gesetzentwurf, was zu erwarten ist, tont Reichstage ab* gelehnt werden sollte, dürfte die Arbeit von ixuierntxmr Werte sein, da sie einen fesselnden Ueberblick über die wirtschaftliche Rolle von Elektrizität unb Gas in unserem heutigen Zeitalter gewährt
Eine neue Haager Kouferev).
Die zum September 19U9 auf Anregung des Präsidenten! Roosevelt nach dem Haag cinzubemsende Weltkonferenz zur Erhaltung der natürlichen Hilfsquellen hat nicht den Abschluß ton Verträgen durch diplomatische Vertreter zum Zweck, sondern soll nur eine Vereinigung von delegiertet der beteiligten Regierungen zu gegenseitiger Aussprache darüber fein, wie die Länder ihren vorhandenen Reichtum durch Ausnutzung der Wälder, Flüsse, Seen u. a. vermehren können. Der Besuch Roosevelts in den Niederlanden hat mit der Konferenz nichts zu mir. Schort vor einiger Zeit erklärte die Negierung, der Vereinigten Staaten, daß ihr dje Einberufung nach deut Haag angenehm fein würde.
*
König Ferdinand in Ruhland.
Der Zar hat den König Ferdinand ton Bulgarien, der znr Beisetzung des Großfürsten Wladimir nach Rußland gekommen war, mit besonderen Ehren empfangen. Ein kaiserlicher Extrazug war ihm bis Warschau entgegengeschickt worden. Am Qahnhoft in St. Petersburg wurde er tont Großfürsten Konstantin im Lluftrage des Kaisers begrüßt In Kvnstantinopcl glaubte in her besonderen Ehrung Ferdinand die Msicht Rußlands zu erblicken, die Unabhängigkeit Bulgariens anzucrkennen. Von russischer Seite riHrb diese Absicht allerdings in Abrede gestellt
Deutsches Reich.
Gegen die Beschlüsse der Weingesetz-Koni- Mission hat unter den Winzern an der Mosel, Saar und Ruhr eine heitige Agitation eingesetzt. Es werden Atassen- Petitionen an den Reichstag abgesandt werden, in denen gefordert wird, daß Lagernamen auch für verbesserte Weine bestehen bleiben, daß das Reich in sog. Weinbaugsbiete geteilt wird, deren Weine untereinander mit äußerer Kenntlichmachung verschnitten werden dürfen, unb daß Verschnittweine nicht günstiger als verbesserte Weine gestellt werden dürfen.
Die diesjährigen Kaisermanover. DaS Armeeverordnungsblatt veröffentlicht die Bestimmungen über die bic6- lährigen Kaisermanövsr zwischen dem 18. und 14. Armeekorvs. Außerdem nehmen das 1. und 3. bayerische Armeekorps, bie 4. bayerische Tivision und eine bayerische KavaÜeriediviswn teil. Bei dem 13. und 14. Armeekorps werden je eine Kaoalleriedivision. ausgestellt
Todesfall. DaS Mitglied deS Herrenhauses, Gras Max von Saurma-Ruppersdori und Zülzendorf, ist, der .Schlesischen Zeitung' zufolge, im Aller von 73 Jahren Samstag nachmittag auf Schloß Ruppersdorf gestorben.
AusLand.
Der gestrige Sonntag in Prag. Gelegentlich des gestrigen Bummels der deutschen Studenten müßte die Polizei wiederholt einschreiten, um auf dem Wenzelsplatze die StudenterL vor bce mehrere tausend Köpfe starken Menge zu schützen.
Eine Auszeichnung für die Königin von Italien. Die „Ageuzia Stesaui" meldet aus Petersburg: Die Kaisernr-Witwe sandte der Königin Elena durch Vernritteümg der russischen Botschaft in Rom die Insignien des 1878 tont Kaiser Alexander III. gestifteten Ordens vom Roten Kreuze. Die Kaiferin erklärte, sie wolle hiermit der Bewunderung vor der aufopferden ©orgfalt und Pflege, welche die Königin den Verwundeter zuteil werden ließ, Ausdruck geben.
MinisterkrisiS in Serbien. Das Kabinett Well- rnirowitfch hat gestern abend dem König seine Temissiost eilige* reicht. Es wird unmnehr die Zusammenstellung einer auä allen Parteien bestehenden Koalitionsregierung angestrebt. DieA wird mehrere Tage dauern und große Schwierigkeiten bereiten. Ari die Spitze dieser Regierung dürste Pasitsch kommen, der sich ruhig verhalten hat und "eine friedliche Richtung zu huldigen geneigt scheint.
Gegen Castr o. Ter BundcsgerickMlwf üt Caracas hat nach Prüfung her gegen den Präsidenten Castro erhobenen ‘iln* klagen wegen Teilnahme an einem zur Ermordung des Vize- Präsidenten Gomez geschmiedeten Kourplott dahin entschieden, daß genügend Beweis torfiege, um die wertere Verhandlung dem Krimi na l gerich ts fy) f zu übefioeifen. Gleichzeitig ci Märte der Bundesgerichtshof, Loh er Castro verfassungsgemäß von der PrLsi- dentschast suspendiert habe.
Die Aussichten des ärztlichen Berufes.
Zu den wiederholt veröfsentlichten Warnungen vor denr SLudiutn der Jurisprudenz ist jetzt eine offizielle^Warnung der Witurienten durch die Direktoren der höheren Schulen hinzugekommen. Man sieht sich hierzu veranlaße obwohl bie Zahl der Jura Studierenden nicht in der Weise zugenormnen hat, wie bie der Medizin Studierenden untf obwohl erne ziemliche Zahl von Juristen von der beamteten Laufbahn als Richter oder Verwaltungsbeamter absieht. Die viel schlechteren Aussichten im ärztlichen Beruf wurden bisher kaum berücksichtigt oder sogar als günstig hingestellt.
Wie sie ioirklich liegen, geht daraus hervor, daß die Gesamtzahl der Medizin Studierenden von zirka 6000 im Winter 1905/06 auf 8550 im Winter 1908/09, das heißt irr drei Jahren um 36 Prozent gestiegen ist.
Dies Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, das jetzt schon besteht (suchten dock im letzten Jai)re elloct 2000 Äerzte oft lange unb vergeblich nach einer geeigneten Beschäftigung!) wirb in den rrächstcn Jahren rwch viel mehr zunehmen.
Die zunehmende UeberfüIIung an Aerzten auch im Groß"


