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Kinderstuben l iur Wonne dec HlrJ 1 Glanz und gd ^dcr jede vernür-I ch daraus halten. 1 lebendigen Phantasie A ührt werden.
und Gespenstecglad len wir auch bie Cr| damit vollpsropsen J 1 bösen Geistern, roM ■ die Nerven der ft.-1 mb statt sie zu beruh .engesetztc Wirkung. J rem Einschlafen mit J ngen kämpsen und Erregung bringen, ivirs aufstehen und matt. - Dergleichen Zusli e Ucberreiztheit, ans: niSbilden, ohne ba§ t:
♦♦ Mitteldeut, cycr Aroeitsnachwetsver- band. Zu dem vom 11. bis 16. Oktober veranstalteten Kursus für Verwalter öffentlicher Arbeitsnachweise sind bis jetzt ca. 30 Anmeldungen aus allen Teilen Deutschlands eingclanfen, ein Beweis, wie sehr die Abhaltung eines solchen Klrrsus in Fachkreisen als ein Bedürfnis empfunderr wurde. Da die Anmeldefrist am 30. September abläuft, sei nochmals auf die Veranstaltung hingewiescn. Namentlich den Stadtverwaltungen, in denen die Erfahrungen auf dem Gebiete des öffentlichen Arbeits- vcrmittlungswesens noch gering sind, oder die ihre Organisation auszubauen gedenken, bietet sich hier eine gute Gelegenheit, das Wissen und die Ausbildung der Verwalter und Beamten in diesem noch jungen, aber sehr entwickelungsfähigen Zweige der Verwaltung zu fördern. Die Teilnahme steht jebermemn gegen Zahlung einer Linschreid- gebühr von 10 Mk. frei. Weitere Gebühren werden nicht erhoben. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes in Frankfurt am Main, Saalhof.
w Wetzlar, 24. Sept. Der hiesigen öffentlick-en Volksbücherei sind auch in diesem Jahre namhafte Beiträge zugegaugen: so von der Stadt 300 Mk., von der Verwaltung der Buderus'schen Eisenwerke 200 Mk., vom Kreisausschuß 200 Mk., von der Karolinenhütte 60 Mk. und von 21 anderen Spendern zusammen 140 Mk. — Im Laufe des Winterhalbjahres wird an der gewerblichen Fortbildungsschule ein -H a n d w c r k s k u r s u s eingerichtet, der den jungen Handwerkern und Gesellen die Gelegenheit bietet, sick) auf die Meisterprüfung vorzubereitcn.
idjen baS Furchiein,: 11 ittel anzusehcn, umtl::|| H bringen, sic cne beim gewöhnlich wt’H
Man soll also s'u »f bieiljnen anvert..:.'L bamit bie Phantasii-g äse beschäftigt uni rl t gelenkt werben. Crkl guten in ben SBorbery J Griten geweckt werbe |
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: fiel le für einen cc:M Gunzenau. Mn '1 ftantorbiensl verbur.il c gewährt werben.
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Die Cholera in Ostdeutschland.
Berlin, 25. Sept. Die „Norddcutscl)e Allgemeine Zeitung" schreibt mit Bezug auf das Vorkommen Vereinzelter Fälle der asiatischen Cholera in den östlichen Provinzen Deutschlands: Abgesehen von umfassenden Schützin a f; r e g c l n an Ort und Stelle wird der Schiffahrts- mid Flöstereiverkehr gesundheitlich überwacht und sind Strom- überwachungsstellcn eingerichtet am Melsluß bei Schmale lcningken, Tilsit, Rufs. Lapiencn, an der Weichsel bei Tchillno, Thorn, Scl)ulitz, an der Oder bei Wollin, Swine- münde, Ueckermünde, Krahwieck, Stettin, Piepenwerdcr, Podcjuch, Gartz. Außerdem findet mit Rücksicht auf die Cholera in Holland gesundheitliche Ucberwachung der auf bem Rhein aus Holland toininenben Fahrzeuge bei Emmerick) statt. Es darf angenommen werden, daß es gelingen wird, etwaige weitere Eholeracinschleppungen in kürzester Frist unsck>adlich zu machen.
♦ Roos cvelt n u f bem „Kuhfänge r". Wie eine
ehre Idylle aus bem heißen Afrika, die et uni Obcrländcrs Meister- hand in den Fliegenden Müttern entworfen, lieft sich bie Schi! Lernng des asritanischni Tierparadicses aus bem großen Bericht Aovsevelts über seine Jagdreise, dessen Verössentlichung jetzt im Dail» Telegraph, wie in anderen großen Blättern beginnt. Ter -Expräsident »al während seiner Fahrt ans der llganbabahn sich den „Kuhsänger" zum Lieblingssitz auserkoren, den breiten Schienenräumer vor der Loiomotive, der zu einem bequemen Aujent hätte hcrgerichtet war. So dampfte er heiter durch bas in iropischer Sonne rings erglänzenbe Land. Am ersten Nachmittag gilNs noch nicht viel wilde Tiere zu sehen. Uhir zahllose Vögel wlschwirren beit Zug, der durch die l>errliche weite Landschaft ruhig und sicher seine Bahn zieht. Ta flattert ein schwarz ivciber Nashornvogel aus, so spät aus seiner Ruhe geschreckt, iafi man ihn beinahe mit der S?anb hätte sangen können. Perl LÜhnrr und 5rnnMinl)iihner schwirren em vor, hin und wieder ein Bussard. BuiU glänzende Svnnenvögel, Bienenspechte und ÄeVervögel kreisen nut leuchtenden'. Flügelschlag durch die Helle L'ust oder sitzen unbeweglich rings umher ans den Bäumen, wäh- Tcnb bet Zug vorbeijährl. Als die Tämmerung hereinbricht, "hätte man beinahe eine Hyäne überfahren. Tie Störungen, die ler llganbabahn durch die wilden Tiere bereitet werden, sind ■überbauet sehr zahlreich. Ta versagt bie Telegraphenleitnng ihren Dienst, weil Giraffen mit ihren Riesenhälsen bie Drähte her untcigerineu und einen Pfahl umqenwrien haben. Elefanten er □ueijen sich ebenfalls nicht selten als Feinde dieser Kulturerrungen- Ichaft. Mehrere Acate hat der Zug |a>on bei Nacht Girajsen Lotgefahren; einmal wurde ein Rhinozeros getötet, aber auch die Lokomotive erlitt bei diesem Rencontre schweren Schaben. Auch «ine Löwin bat der Zug einmal nächtlicherweile „erlegt" und ier Zug sichrer brachte triumphierend ihren Kopf heim. Tie körnen bciuuuhigen am meisten die Sicherheit des Verkehrs, zmb auf den Heinen Stationen wirb alle paar Monate einmal «in Beamter von einem schweifenden Löwen schwer verletzt ^oder «jetötef. Am nächsten Tage der Fahrt belebte sich bann bas Tier- Paradies mamuqialtiger, und das Land nahm sich aus wie cm «jrofKr zoologischer Garten. An Verden von einem Dutzend und Iuehr Girasfen kam man vorbei, die ein paar hundert Meter von Lern Zug entfernt durch die Waldlicvkungen sprangen. Ganz Iiahe an der Strecke stehen vier Riedantilopen, die großen Ohren «uftnerksam gespitzt und den Wagen nachstarrend, ohne sich zu rewegen. Viel zahlreicher sind die gewöhnlichen sübasrikanuchen ^lntiwPLN, von denen eine Verde gerade an der Strecke weidete. Da ertönte die Lotomotivpfeise und nun bocken und springen «lle in ihrer graziösen Beweglichkeit dahin und galoppieren m -raschem Lauf davon. Ein langschwänziger strvhsarbrger Aste versucht von Baum zu Baum nut dem Zuge mitzuklettern, .Gröhe Icknvarze Strauße erscheinen ab und zu m ihrer maieftatstchen Äumpheit. Eine Herde von Zebras bricht, kaum hundert Fug ■ton der Bahnlinie entfernt, ans dem Wald hervor, gerade an 3cm Zug vorbei. Wohl läßt sie bas Pfcipm auf einen Nioment cnshorck>en unb innehalten, aber dann rennen sie ruhig und ungestört weiter. Tie wilden Tiere wujcit alle, baß |ie hier in ihrem Heiligtum sind unb daß keiner |ic ftören bart . . .
*Ter Fliegenpilz als Beranschuilgsmitte 1. ^sn lmseren Wäldern findet man häufig einen falt tenerrolen Pilz aut veißem Stil, dessen Obersläcl-e mit vielen weitzen Warzen bedeckt ut. Das ist der giftige Fliegenpilz. Er wird fchon ,eit alters zu ÄrzneiMitteln verarbeitet, bie besonders zur Bekamptung berMacht schweiße von Schwindsüchtigen i>ervrdnet werden, csehr verbreitet aber ist auch heute die Berwenbuiig des ^-liegenpüzes -ur Ver- itellung berauschender Getränke. 3e|onbcrä imb eivo^ncr
ton Ostsibiricn unb Kamschatka, bie jid) durch Oe^ran^, bie in aus ihm Herstellen, oder dadurch, datz sie ihn kauen, der au, chem oo berichtet Enderli von ben lloriaken, einem unFu(ttoterten, un iaubcrcit Nomadenvolke tn der Iioiri,chen Pro2lnz Jallitsk, unter
\encn er sich mclnerc Jahre anshielt, daß |ie bie ulng^npilzc Lmeln Ä Sn unb bei feierlichm Gelegensten gemepem ilnb zwar zerkauen die Weiber gewöhnlich öw Pilze^zu nner Deichen Masse, bie sie zwischen ben vanden zu einer fernen uisanunenrollen unb bann ben Mannern rachem x c auüeit sich sehr bald nach dem Genug. -Lie ^uscn mhmcn einen -vitden Glanz an, die vände, fpater der ganze Morper, ä^a^n in -in aufgeregte» Zittern. Allmählich stellt
Extase ein, die zu wilden stürm,,ct>eii Bewegungen ausaner. Jiaäj diesem Zustand der Erregung folgt euie tiefe g.
allen schwer und besinnungslos hin unb ^atenln denvonihnen -erbeigesehnten Schlaf, in bem ihnen die herrlich,^ ^rmime alles vorgaukeln, was jie sich nur wünschen. Ja,, es Mht sogar die 2agc bet ben Korjaken, daß sie m bie,em RanichzUstände, in bu Zukunst schauen können, wenn sie vor dem Genuß bev ch ^ - Formeln, die von alters her überliefert ,mb, ’ ...
i Ausdruck bringen. Ties Träumen unb »mbamv.crn bauert un gefäljr eine halbe Stunde. Dann erwachen ,ie Wieder, ihr Ga g ist noch taumeiub, ihr Bewußtsein noch gelahmt, ^albau» Ich bie Wirkung des äüegenpilzes von neuem: Rau,ch unb schlaf
J^toiein in erwünschter Weile noch mehrmals ab, bis allmäblid, dre Wirkung des Gistes nachläßt und oufbört Aber bie Korjaken bediene« sich eines n-tni raffinierten, allerdings nicht appetu tichen Mittels, um sich immer wieder der Wirkungen des Pilzes $u Dcrfidfcm: sic wissen, daß das Gist des Lärchen schwamm es in den Varn übergebt. 9hm besitzen sie besondere Blechgesäße, in denen sic ben flicgenschwammhaltigen .Varn ausbewahren, um ihn bei ber nächsten Gelegenheit zur Erregung eines neuen Rausttn^ yi genießen. Unb wenn ber Korjake nut seinen Remitieren auf die Wanderschaft geht, so wird er nie biqcv Mechgewß vergessen, d^E 'hm Glü-ck und seliges Vergessen verheißt. Es ist nun von wbem Interesse, daß der Fliegenpilz bei anderen Bewohnern Sibiriens noch heute zur Verstellung des Ahichamors bient, eines rauschbringenden Getränkes, bas wahrscheinlich ibcntiid) ist mit dem Trank, der häufig in der nordischen Sage erwähnt wirb, durch den die Krieger götterähnliche Kraft erlangten, wenn sie in die Bcr,erkerwut gerieten. In diesem Zustande waren sie gegen alle Angriffe gefeit unb unverwundbar. Sie empfanden keine Schmerzen unb vermochten bie gefährlichsten Unternehmungen zu beiteben. Auch bas Amoklaufen, ein Erregungszustanb, wie er ans dem malaischeu Archipel häufig genug oorlo nmt, bei dem der Rasende mit gezücktem Dolch ober mit bem Beil durch die Straßen läuft, um jeden, ber sich ihm in den Weg stellt, nieder zuwerfcn, ist wahrscheuilich au| euie ähnliche Giftwirkung zurück zuführen.
* Dom Aderlaß. Mehr als dreitausend Jahre ist ber Aderlaß bekannt Die Zeiten, in denen er häufig angewanb wurde, haben mit anderen abgewechsell, wo er gänzlich unbekannt war. Noch vor 80 Jahren wurde er außerordentlich häufig angewandt; 30 Jahre später wieder mit dem großen Banne belegt; öor etwa 30 Jahren wurde er saft nirgends mehr ausgesührt Erst 'in ber letzten Zeit begannen sich die Anschauungen wieber zu ändern, die Zahl der Aerzte, bie bie Meinung vertreten, baß Blutentziehungen bisweilen sehr nützlich seien, wächst wieder. Vor allem jinb es, wie in der Monatsschrift für bie phpsikallsch- biätetischen Heikmethoben ausgeführt wirb, Vergiftungen und Stauungserscheinungen un Kreislauf infolge von verz ober Lungenerkrankungen, bei benen ber Nutzen des Aderlasses nur noch von wenigen geleugnet wirb. Auch beim vitzjchlag bat nach der Angabe französischer Aerzte ber Aberlaß einen günstigen Einfluß. Fernerhin hat er sich bei einer ganzen Reihe von Krank heitszuständen alS ein wichtiges unb wirkungsvolles Behanblungs- mittel erwiesen, so z. B. bei Vamvergistung, bei der Lungen entzünbung, bei (vehirnschlag, bei gewissen Verzkranklwiteii ufw. dluch nervöse Beschwerben werben von einem Aderlaß günstig beeinflußt.
* Zur Kulturgeschichte des Fußballes. Tas Spielen mit elafti|d)cn Kugeln ist eine Erfindung aus antiker Zeit; bevor es gewidelte Lederbälle gab, benützte man Ochsenblasen, die mit dünnem Leder überzogen waren, als Spielgeräte zum Werfen inib Fangen. Es bat aber auch, wie heute noch bei den Hindus, aus Stroh geflochtene Ballons gegeben oder genähte Bälle, wie sie bie Indianer aus bunten Lappen anjufertigen pflegen. Gummiballons sind erst seit den Tagen des industriellen Aus- schwunges bekannt, und Henle noch spielt das Landvolk zu England seinen Fußball mit einer ausgetriebenen Sch.'veinsblase, die voll rasselnder Erbsen steckt. Tort gilt der Fußball als all tägliches Belustigungsmittel unb man achtel in ihm ben Erzieher zu Tatkraft unb Manneszucht. Auch ber deutsche Sport ist der gleid)en Meinung, trotz einiger Aengstlick-er, denen dies tempera mentoollc Spiel zu wild erscheint. In Italien wirb bas Balltreiben nur an großen Festlichkeiten vom Volke geübt; seltsamer weise, denn noch in ben glanzerfüllten Tagen ber Renaissance sckstvärmte man bort sehr für jegliches Ballspiel unb die Fürsten liehen sich von berühmten Baukünstlern grünumbuschte „Ballhäuser" in ihre Gärten bauen. Tie graziösen Wettkämpfe, die darin mit viel Pracht und seibenftarrendem Pomp aitogctragen wurden, hatten allerdings eher mit unserem modernen Lawntennis 33er wandtschaft, als mit bem Fußballspiel Old-Englands. Die antiken Römer sinb seine eifrigsten Pioniere gewesen. Sie hatten ihn von ben Hellenen empfangen, und sie pflegten, in zwei Parteien getrennt, seinem Spiel zu huldigen.
* Der Hauptgrund. Tourist: „Wissen Sie, Herr Wirt, früher hats mir in biejer Gegend bedeutend besser gefallen; da waren bie Wälder noch nicht so gehärtet, bie Berge noch nicht so abgetreten, ben schönen blauen See durchfurchte noch kein Motorboot, und vor allen Dingen waren Ihre Portionen größer!"
* Unter Freundinnen. ,^Jch bcbaurc dich, liebe Elise, daß du einen ländlichen Fabrikanten geheiratet hast. Im Winter kannst du die Anftisements ber Großstädte nicht mitmachen, unb im Sommer kannst bu nicht aufs Laub fahren, weil du schon — dort bist!"
Kleine Tagcechronie.
Tie Morgenblätter melden aus Berlin: Durch ausströmenbe Kohlengase ist am Freitag das zweijährige Töchlerchen des Telegraphenarbeiters Krause in Schöneberg c r ft i et L In dem bisher von ber Familie Krause allein bewohnten ganz neuen Hause wurde zum ersten 'Dlale die Zentralheizung aiigcieucit. Wahischeiiuich befand sich in dem Zlinmer, in dem das Kind fchlieh während bie Eltern sich augenblicklich außer Hans befanden, ein jckabhaiter Heizkörper, jo daß giftige Gase ausstiömten.
Einer Blättermeldung ans K o n n a n t i n o p e l zufolge entführte bet Brigant Tschakibfchi, auf besten Ergreifung em Preis von 1000 Pmnb ausgefetzt ist, in ber Nähe von Aid in vier Personen, darunter einen Beamten. Er verlangt ein hohe? Lösegeld für ihre Auslieferung.
Generalversammlung öcs evangelischen Bundes.
4- Mannheim, 26. Sept.
Der gestrige dritte Tag ber Generalversammlung des Eoan gelischen Bundes begann mit einer allgemeinen Mitglicdervar iammlung im Musensaal, die von ca. 300 Teilnehmern besucht war. Ter Reichstagsabg. Lie. Eoerling gab zunächst einen Ucbcrblid über bie Steilung des Evangelischen Bundes zur g c g c n w ä r t i a e. n politischen Lage, indem er aussührtc: Tas Zentrum benutzt politische Macht, um die kirchenpolitischen Ansprüche des unöuLbi'amen llllramontanismus auf allen Lebens gebieten durchzusetzen. Tie katholische Weltanschauung soll, wie ber Vertreter eines überwiegend evangelischen Reichstagswahl- kreises, Dr. Bitter, uns neulich verkündete, der maßgebende Faktor im iDiuttcrlanbe der Resormatiou werden. Dadurch wird das Gleichgewicht der Konsesswnen verschoben. Deshalb hat der deutsche Protestantismus auch besondere Ausgaben im öffentlichen Leben. Er muß einen
großen deutsch-evangelischen Volksbund otgaml'ieren. Das letzte Jahr hat gezeigt, weich' neue ernste Gesahren unserm Volke drohen. Der Block ist zertrümmert, des Zentrums Rachefeldzug wider den Kanzler ist gelungen, die Autorität der 'Jitid^regierung ist geschwächt, die S t o ß k r a s t der Verneinungspolitik gemehrt, der llltramontanlsmus auf dem Wege zur erneuten Vorherrschaft, mit dem Nimbus umgeben, daß er jeden Staatsmann, der ihm entgegentritt, zum Ma nossagang zwingt. Im kommenden Winter muß der Zorn der Erregung sich wandeln in die Straft der Energie, die für unsere Sache wirkt. Mag es nicht von heute aus morgen möglich sein, die triumphierende Freude des Zentrums an dem Stteit zeigt die Notwendigkeit dieser Zukunstsausgabe. Des
neuen Reichskanzlers Per söulichkeit erweckt die Zuversicht, daß er unter eine neue Vorherrschaft des Zentrums sich nid)t zu beugen willens ist.
Hieraus sprach Landtagsabg. Tr. Lohmann - Weilburg über Religion unb Politik. Abenbs sand eine stark beiuchte Volksversammlung statt, in der cinlciteuö Psarrcr Klein Mann heim über Rcsormatwn und bcusiche 6inb.il sorach. Tann nahm, lebhaft begrüßt, ber Geh. Kirchenrat 0. Meyer-Zwickau das Wort zum zweiten Vorrrag über Reformation und deutsche Kultur. Er sührte u. a. aus: Aus unserm Volk lästere Roms Herrschaft wie ein Alp, als Luther kam, der „miß ratcnc, verdammungswurdige "Mönch", wie ihn der Haß iudi heute nennt. Mit ihm laut eine selbständige und nationale Ein-
ialtung bcutidicn Wciens. Tie Innenwelt des GcmutS wart» erneuert; Gott in uns und nur in Gott, nicht mehr bloß gehorsam dem Priester — ba:> schuf auch den irdischen Dingen eine neue Behandlung und schuf uns unsere großen Männer. Wir denken an Lessing. Was wüßte wohl Bischos Benzler mit seinem Na,an bem Weisen anzufangen, dem hoben Lied auch der christ- lidh’n Verträglichkeit. Wir beulen an Goethe unb Schiller, an Faust und Wilhelm Teil ; alles Geist von unserm Okift. Religion ut das sicherste, tausendjährige Eigentum der Menschheit, die Bazillen im Organismus der Wissensckrast, die die Wahrheit belästigen, wird fic_ schon selbst ausscheiden. Ihre stolze Tochter ist die Technik. Sie ist keine Zauberei mehr, wie einst. Feines, tiefes Sinnen offenbart sich in ihrer tausendsachen Arbeit. Ach, wenn doch einmal unser großer Graf Zeppelin unser sileschlecht mit in die Höhe nehmen möchte, damit es die geschidülichen Zusammenhänge unserer Kultur begreifen lerne. Ihr höchster Zweck ist nicht bloß bie Besserung äußerer Verhältnisse, sondern auch Hebung, Ausbildung und FestitNmg der Einzclvcrsönlichkeit. Hier bat bie Resormation das Größte geleistet. Innerliche Freiyeit, llnabhängigtfit des Charakters, Lust am eigenen Selbst zu arbeiten aus Achtung vor ihm, in jedem Beruf, weil das Auge des Gewissens wacht — das sthus sie. Tie Menschenwürde bat sic betont und in den Werken der Erziehung gepflegt. Vou ihr hat der Staat die Ausgabe der sozialen Frage erhalten, um Gerechtigkeit auf allen seinen Gebieten wallen zu lassen.
Nack einer Tiskusston schloß der Vorsitzende gegen 1 Uhr die Sitzung.
Mit einer
Massenkundgebung
aller Stände unb Berufe der evangelischen Bevölkm-ung^Mann- heims unb des Badener Landes errcid)le am heutigen Sonntag die diesjährige Tagung des Evangcl. Bundes ihr Ende. Ter Prosessor des Staatsrechts Mäher-Leipzig hielt einen Vortrag über die Frage: „Ist eine Acnderung desDerhältnisscs zwischen St i t d) c unb Staat anjuftrebeu? Er führte aus: Wir wollen eine Trennung von Kirche und Staat nicht an* streben. Dennoch dürfen wir die Häirde nicht in den Schoß legen. Die Trennung kann über uns kommen ohne unser Zutun, gegen unseren Willen. Frankreichs Vorbild reizt. Es drängt uns nufere Kirche in Ordnung zu bringen, damit sie auf eigenen Füßen wandle. Rechte evangelische Gesinnung ist dazu nötig und Verstäirdnis für den Wert der Slird^ muß wieder geweckt werden. Luther würde heute seinem Katechismus ein besonderes Hauptstück zusügcn von den bürgerlichen Pflichten eines Christen- menschen gegen seine Stirche. Vor allem aber bedarf cs innerer, religiöser Duldsamkeit auch den Glaubensgenossen gegenüber.
Hier liegt ber Hauptquell für unsere kirchenpolitischc Untüchtig* feit. Liebevoll vertiefen wir uns in Buddhismus und Islam, schwärmen unbefangen in echt christlichen Zügen am Katholizismus, aber an denen, die mit uns zusammengehören sollen unb wollen, können wir keine Meinungsverschiedenheiten ertragen. Die Wahrheit soll gewiß ihr Recht haben, aber der alte böse natürliche Mensch, der sich immer wieder gehen läßt aus Skoften der gemeinsamen Sache, muß überwunden werden. Sie kann sonst nicht bestehen und ist doch auch Sache eines Höheren. Hier der evangelischen .Kirche zu helfen, innere Toleranz zu ver breilen, ist eine der wichtigsten Aufgaben des evangelischen Bundes.
Der Vortrag wurde mit großem Bcisall ausgenommen. Am Nachmittage tagten dann weitere allgemeine Versammlungen, in denen verschiedene Ansprachen gehalten wurden. Eine Bundesseier auf dem Heidelberger Schloß am Montag bildet den Abschluß der Tagung_______________________________________
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
September
1909
Barometer auf 0° reduzier!
Temperatur ber Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Winbrichtung
Windstärke
Wetter
26.
2«
748,7
16,2
10,4
76
E
2
Sonnenschein
26.
9»
749,2
12,7
9,8
90
\
2
Bew. Himme^
27.
7«
749,8
11,6
9,6
95
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4- 16,66 C.
Niedrigste ,
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4- 9,5 0 0.
Verantwortlich für Feuilleton und Vermifchtes:
I. V.: August Goetz.
Teiefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und IndnstrieZGiessen.
Frankfurter Börse,
V\?U Reichsanleihe . - . . 94
3°/» do. .......V4.0Ö
3'/,°/0 Konsols ; — . .
3Ü'Ö do. . 85.10
31',0/, Hessen . 93.40
3* Oberhessen 93-00
4°/„ Uesterr. Goldrente99-10 47t°/o Oestcrr. Silberrente.' 98.00
4"„ Ungar. Goldrente 94.60 4° 0 Italien. Rente . . . ~‘~ 3° 0 Portugiesen Serie I . 62.o0 3° 0 Portugiesen „ III - 84.70 4’/,% ross. Staatsaul. 1905 99.25 4' „ Japan. Staatsanleihe 96.15 4% Couv.Türken von 1903 9 '.60 Tiirkeulose 163.00 4" 0 Griech. Honopol-Anl. . 47.40 4C'.O äussere Argentinier ,. 89JJ0 3° 0 Mexikaner 66.00 4*/,’/• Chinesen . . '. . 99.25
Aktien:
Bochum Guss . - . er. 255.00 Buderus E. W 123.00
Tendenz: fest.
Berliner Börse, 27.
Canada E. B......1^4.60
Darmstädter Bank ... 141.00 Deutsche Bank ... . —.— Dortmunder-Union C.-.*. -. 86.00 Dresdner Bank . . —.—
Tendenz: fest.
27. September, L15 Uhr.
Elektriz. Lahmcyer . . . 111.50 Elektriz. Schuckert . . - . 127.00 Eschweiier Bergwerk . . 209.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 214.20 Hamburg - Amerik. Paketf. 133.10 Harpencr Bergwerk . . . 209.90 Laurahütte . . - 204.30
Nordd. Lloyd .? . . . . 103.20 Obcrechles Eisen-Industrie 112.00 Berliner Handelsges. . . 182.60 Darmstädter Bank . . . 140.60 Deutsche Bank ... 249.40 Deutsch-Asiat. Bank . . 149.90 Diskonto - Kommandit . . 200.10 Dresdner Bank .... 162 50 Kreditaktien 208.50 Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn .... . . 118.20 Gotthardbahn'. . .*•<••.. —.— Lombard. Eisenbahn . • .tx. 24.75 Oesterr. Staatsbahn . . ». 161,60 Prince-Henri-Eisenbahn '. 133.50
September. Ajifangskurse.
H-.rpener Bergwerk . . . 209.70
Laurahütte 204.80
Lombarden E. B <. 25.00
Nordd. Lloyd 103.30
Türkenl use 164.00
Kostbare Tränen des Myrrhenbaumes, bie schon im grauen Slltertume als Kosmetikum hochgeschätzt wurden. Atyrrholin, der geläuterte Ertrakt des Myrrhenharzes, verleiht daher der Atyrrholinfeife ihre unvergleichliche SchönheNs- roirfunn auf die Haut. 50 Pfg. das Stück. b”/.
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